One Country/2006 Nummer 4/Text
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„ - Bahdu’llcih
„Die Erde ist nur ein Land, und al/e Menschen sind seine Barger.
WELT-MAGAZIN
IMPRESSUM 0n: Couumv wird herausgegeben von der Bahá’í International Community,
die als Nicht-Regierungs-Organisation bei den Vereinten Nationen die weltweite Bahá’í-Gemeinde repraisentiert. 0n: Couum, Office of Public Information, Bahá’í International Community, Suite 120, 866 United Nations Plaza, New Vork, New Vork10017,USA, E-Mail:1country@bic.org. Chefredakteur: Brad Pokorny. Chef vom Dienst: Ann Boyles. Auslandsredaktionen: Nancy Ackerman (Moskau),Christine Samandari-Hakim (Paris), Kong Siew Huar (Macau), Guilda Walker (London). Deutschsprachige Redaktion: Stephan Pemau, Gerhard Schaper, Stefan Spiegel.
E—Mail: roc@bahai.de.
Freie Korrespondenten: Sarvenas Enayati / Hilde Fanta (Osterreich), Silvia Fréhlich (Schweiz),Jutta Bayani (Luxemburg). Geschäftsfuhrung in
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Fax +49»6192-992999. Herausgeber der deutschsprachigen Ausgabe: Nationaler Geistiger Rat der Bahá’í in Deutschland e.V.
Einzelheft: Euro 2,25/SFr 4,-. Jahresabonnement: Euro 8,-/SFr15,-(inc|. MWSt u. Porto). Die Zeitschrift kann beim Bahá’í-Verlag, Eppsteiner Str. 89, 65719 Hofheim-Langenhain, bestellt werden.
Copyright1999-2006 by Bahá’í Inter national Community. ISSN 0945-7062. Gedruckt auf 100% Recyclingpapier.
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Kgyptisches Gericht verschiebt erneut Berufungsfall gegen Bahá’í—Ehepaar
Das Gerichtsverfahren zwischen der égyptischen Regierung und einem Bahá’iEhepaar verzégert sich weiter. Das Höchste Verwaltungsgericht in Kairo hat eine Anhérung erneut verschoben, um den Bericht eines Staatskommissars zu dem Fall abzuwarten. Am 20. November will das Gericht den Prozess fortsetzen, der kl'éren soll, ob die Bahá’í in ihren Personalausweisen ihre Religionszugehérigkeit angeben dürfen. Unterdessen fand in Kairo ein groEes Symposium statt, bei dem sowohl Mitglieder der égyptischen Regierung, als auch Bahá’í ihre Standpunkte vortrugen. im April dieses Jahres traf ein agyptisches Verwaltungsgericht in unterer Instanz ein Urteil, das große Aufmerksamkeit und in fundamentalistischen Kreisen des Landes einen Aufschrei der Empérung ausléste. Das Gericht gab der Klage eines Bahá’í—Ehepaars gegen das lnnenministerium recht, sich in offiziellen Dokumenten als Bahá’í ausweisen zu dilrfen. Diese Entscheidung steht im Widerspruch zur Politik der Regierung, nach der nur drei Religionen offiziell anerkannt sind — der Islam, das Christentum und
das Judentum. Die Regierung Iegte darum Berufung gegen das Urteil ein. Eine erste Anhbrung wurde fijr19.Juni angesetzt; diese wurde nun zweimal verschoben, zuletzt aufden 20. November. Agypter mUssen aufihren Personalausweisen ihre Religionszugehbrigkeit angeben und können dabei ausschließIich aus den anerkannten Konfessionen wéhlen. Da den Bahá’í die. Leugnung ihres Glaubens verboten ist, ist ihnen die Beantragung von Ausweisen verwehrt. DarÜber hinaus ist es in Agypten ein Verbrechen, in offiziellen Dokumenten falsche Angaben zu machen. GUItige Ausweisdokumente sind Voraussetzung fUr Beschaftigung, Bildung sowie medizinische und finanzielle Dienstleistungen.Anfang August lud der Nationale Rat fflr Menschenrechte, ein vom égyptischen Staat finanziertes Gremium, anlésslich des Gerichtsverfahrens mehrere Minister der Regierung, Bahá’í sowie BUrgerrechtsgruppen zu einem großen Symposium in Kairo. Unter der Leitung des ehemaligen UN—Generalsekretérs Boutros Boutros-Ghali, der heute der Président des Nationalen Rats fUr Menschenrechte ist, erörterten rund16oTeilnehmerdie unterschiedlichen Standpunkte
Dr. Basma Moussa in einem Fernsehinterview des dgyptischen
Senders Dream-z TM
— darunter auch der lnnenminister,derAußenminister,der Justizminister und Mitglieder des égyptischen Parlaments. Die Bahá’í-Gemeinde entsandte zu der Veranstaltung eine Frau, Basma Moussa. In ihrem Vortrag sagte die Assistenzprofessorin fUr Mund— und Kieferchirurgie an der Universitét Kario:„Bahá’í blicken einem täglichen Kampf entgegen.“ Bahá’í könnten sich ohne gfiltigen Ausweis weder fUr die Schule anmelden noch die Universitét besuchen. Auch die Bewerbung um einen Arbeitsplatz sei ihnen dadurch verwehrt. Des weiteren sei den Bahá’í die Einrichtung von Bankkonten verwehrt. Sowohl internationale, von Agypten unterzeichnete Vereinbarungen sowie Artikel 4o und 46 der égyptischen Verfassung garantierten aber Religionsund GIaubensfreiheit, erklärte Moussa. Daruber hinaus trug sie einen Lösungsvorschlag vor. Man könne doch im Personalausweis das Feld „ReIigionszugehbrigkeit“ blank lassen, einen Strich einngen Oder mit der Angabe„andere“ eine vierte Option zulassen. „Dies ist alles, worum wir die Regierungsbehérden bitten“, sagte Moussa. Menschenrechtsorganisationen und koptische Christen mahnten an, die gegenwértige Regelung verstoBe gegen internationales Recht sowie gegen moralische Prinzipien. Der islamische Gelehrte Gamal eI—Banna bezeichnete die Religionszugehérigkeit als „private Angelegenheit“. Niemand sollte aufdie Religionswahl der BUrger zwingend einwirken,sagte eI-Banna. Ein Streichen des Felds „Religionszugehbrigkeit“ aus Personalausweisen wUrde weder zu einem Fortschritt noch zu einem RUckschritt fUhren. Représentanten von
fundamentalistischen islamischen Gruppen forderten die Regierung dagegen auf, ihre gegenwértige Politik aufrechtzuerhalten.WUrden andere Religionen offiziell anerkannt, könne die„6ffentliche Ordnung in Mitleidenschaft gezogen werden“, argumentierten sie. Sie äußerten die Berrchtung, dass eine Anderung Auswirkungen habe auf Fragen wie Ehe, Scheidung und Erbe, die die Religionsgemeinschaften bislang ohne Einmischung des Staats in
Eigenregie durcthhren. Boutros Boutros—Ghali merkte zu Anfang des Symposiums an, „dass die drei offiziell anerkannten Religionen weniger als 50 Prozent derWeltreligionen représentieren.“ In den kommenden Jahren werde Agypten weiteren derartigen Konflikten mit Religionen gegenflberstehen. „Wir sollten entweder alle Religionen anerkennen, oder wir streichen die Angabe der Religionszugehérigkeit in Ausweisdokumenten“, schlug
Boutros-Ghali vor.
Hossam Bahgat, Leiter der unabhängigen Menschenrechtsorganisation „Agyptische Initiative fUr Persönlichkeitsrecht“, resUmierte am Ende des Symposiums:„Der Zweck der Veranstaltung war grundsétzlich, dasThema auf die Agenda zu setzen. In diesem Sinne war sie erfolgreich.“
Quelle: Bahá’í World News Service.
Staatssekretfirin Karin Kortmann stellt Best-Practice-Buch zu Entwicklungsprojekten vor
BERLIN — Im PauI-Lébe-Haus des Deutschen Bundestags présentierten am 7. November die Staatssekretarin im Ministerium fUr wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, Karin Kortmann, und der langjaihrige entwicklungspolitische Sprecher der CDU/ CSU-Bundestagsfra ktion, Prof. Winfried Pinger, das Buch „Solidaritét, die ankommt
— ZieI—effiziente Mittelverwendung in der Entwicklungszusammenarbeit“. Das Buch wurde von Peter Hesse gemeinsam mit der Global
Marshall Plan Initiative herausgegeben und dokumentiert Best-Practice-Beispiele aus Projekten der Entwicklungszusammenarbeit. Die Staatssekretérin lobte das Buch als ein Werk, das aufalle Lehrpléne deutscher Schulen gehére,wei| es zeige, was mit sozialen Projekten praktisch möglich ist. Einer der 24 Autoren ist Peter Spiegel, der u.a. das Bahá’í-inspirierte Projekt der Entwicklungsschulen der kolumbianischen Stifiung FUNDAEC beschreibt.
CO; und Mikrofinanzierung
PARIS — Finanzinstitutionen spielen eine täglich wichtigere Rolle, Unternehmen anzuleiten,sozia|er und 6ko|ogisch verantwortlicher zu werden. Ganz wesentlich fijr diese Entwicklung mitvera ntwortlich ist Robert Rubinstein,GrUnder von TBLI, Triple Bottom Line Investing. SeinejéhrlicheTripple Bottom Line-Konferenz fUr sozialverantwortliches Investieren versammelte am 9. und 10. November in der Pariser Bérse 520 Teilnehmer. Diese internationaleVeranstaltung bringt die Anlage-Manager von Banken,Versicherungen,
Pensionsfonds und anderen Institutionen zusammen mit spezialisierten Dienstleistern, die Unternehmen in Bezug auf ihr UmweIt—, Sozial— und FUhrungsverhalten analysieren und bewerten. In diesem Jahr standen die Risiken des Klimawandels und zunehmender C02 Emissionen im Vordergrund.
Der pensionierte McKinsey—Partner George Starcher moderierte einen Workshop zumThema Mikrofinanzierung. Sprecher aus Nordamerika, Asien, Lateinamerika und Europa présentierten die verschiedenen Modelle, die
vielseitigen Anwendungen bei den Institutionen filr Mikrofinanzierung sowie die Mikrofinanzierung als Anlageform, die auf das wachsende Interesse der Investoren stéjBt. George Starcher ist MitbegrUnder von EBBF (www.ebbf. org),einem Netzwerk von Unternehmern, Managern und Wirtschaftsstudenten, das seit 18 Jahren die Dimensionen des ethischen Wirtschaftens weltweit zu stérken sucht. Gegrflndet von Bahá’í, wurde EBBF inzwischen ein wirkungsvolles Sammelbekken fUr idealistische PragmatikerderWirtschaftswelt.
EUROPA-MAGAZIN
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PERSPEKTIVE
ie Astronauten der Apollo 8 machten auf der ersten Mission
um den Mond im Jahre 1968 ein mittlerweile berijhmtes Foto. Betitelt „Erdaufgang“ zeigt es den grauen und IebIosen Horizont des Mondes
— und darÜber schwebt, gegen das endlose
Was jelzt gebmucht wird, ist eine umfassende Anerkennung unserer grundlegenden gegenseitigen Abhé’ngigkeit und wesenlmften Einheit. Nur sie kann die Einsicht und motivierende Kraft schafien, um die notwemligen Veranderungen in unseren Gesetzen, unserem Lebensstil und unserem Bewufitsein herbeizuführen, die notwendig sind, sowohl die Ozeane zu schiitzen, als auch ihre Reichtiimer in einer Weise zu gebmuchen, die der ganzen Menschheit niitzt.
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Schwarz des Weltalls, unser heller, blauer Heimatplanet.
Zusammen mit anderen Ansichten aus dem Weltall hatte dieses Bild eine enorme Wirkung auf das kollektive Bewußtsein der Menschheit. Es bot eine nicht zu Ieugnende Vision unserer Unabhéngigkeit, den Beweis danr, dass wir uns alle dasselbe Zuhause teilen,0hne die Möglichkeit, irgend woanders hinzugehen, sollten wir dieses Zuhause irreparabel beschédigen.
Das Foto enthUIlte auch eine andere Tatsache: Die vorherrschende Farbe unseres Planeten ist blau. Das kommt natUrlich daher, dass mehr als 70% seiner Oberfléche von Wasser bedeckt ist. Ozeane, nicht das Land, sind das vorherrschende Merkmal der Erde, und Meeresbewohner die vorherrschende Lebensform.
Trotz dieser Tatsache, oder vielleicht gerade deshalb, hat die aufdem Lande lebende Menschheit die Existenz
der Ozeane der Welt als garantiert angesehen. Aus der traditionellen Ansicht, dass ihr Reichtum frei verfijgbar war, wurden die Ozeane Iange als grenzenloserVorrat
fUr Fisch, MeeresfrUchte und andere natijrliche Rohstoffe betrachtet — und als fast unbeschrénkte MUIIkippe.
Jetzt scheint es, als 0b die Unbesonnenheit der Menschheit uns bald einholen wUrde.
Eine Reiherngerer Berichte und Studien zeigen an, dass die Ozeane kurz vor einer Kri Der blaue Planet:
se stehen. Darunter sind die der Pew Ocean Commission von 2003, der Statusbericht Über die Korallenriffe der Welt 2004 und die JahrtausendOkosystem—Abschétzung des United Nations Environment Programme (UNEP, Umweltprogramm derVereinten Nationen).
Bei diesen ganzen Forschungen gibt es ein gemeinsames Thema: Die Aktivitéten der Menschheit (Fischereiwirtschaft, Landwirtschaft, Entwicklung, industrielle Prozesse und Konsumverhalten) haben eine riesige und deutlich negative Wirkung auf die Ozeane derWelt. Darijber hinaus vollzieht sich diese Wirkung auch noch weitgehend unbemerkt und undiskutiert.
Die kollektive Wohlfahrt der Menschheit und ihre Langzeit—Überlebenschancen
sind unmittelbar mit der Gesundheit der Weltozeane verbunden. Um nureinige Hauptursachen danr zu nennen: Der Fischfang macht 12% der Nahrungsmittelversorgung derWelt aus. Die in den Ozeanen stattfindende Photosynthese stellt etwa die Hélfte der Sauerstofimenge zurVerngung, die Überhaupt auf der Erde wiedergewonnen wird. Die Ozeane spielen eine entscheidende Rolle beim Ausgleich des Weltklimas.
Derékonomische Nutzen,
der mit den Ozeanen zusammenhéngt, ist ebenso riesig. Fischerei und Fischverarbeitung geben etwa 38 Millionen Menschen Arbeit und erzeugen geschätzte 124 Milliarden Dollar wirtschaftlichen Nutzen. Die Ozeane bieten eine Überaus wichtige Transportverbindung fUrden Welthandel, nicht zu vergessen ihr Erholungswert. Ozeane bilden
auch eine Quelle fijr R0h'0l und seltene Mineralien. Unsere kollektive Vernachléssigung derWeltozeane riskiertjedoch viel von diesem Nutzen. Unter den dringenden Problemen der Ozeane sind zu nennen:
Überfischung.
KUrzlich durchgefijhrte Studien haben ergeben, dass die Zahl der Fischarten in den letzten 501ahren um 50% gesunken ist. Und die Kopfzahl der großen Fische,jener Arten, die traditionell von Fischern gesucht wurden, hat sich in der gleichen Zeit um 90% verringert. Spezialisten machen das Anwachsen der hochtechnologischen Fischereiflotten im industriellen Maßstab, die Sonar, Satellitendaten und andere Systeme benutzen, um die Fischschwérme selbst an die entlegensten Lebensréume zu verfolgenfflr einen großen Teil dieses Problems verantwortlich.
Umweltverschmutzung. Während Olpest und giftige Substanzen, wie Quecksilber und PCBs (Polychlorierte Kohlenwasserstoffe) im Bewußtsein der Offentlichkeit an erster Stelle stehen, wenn sie an die Verschmutzung der Ozeane denkt, ist ein viel grb Beres Problem aufgetaucht. Überall aus Farmen und Feldern flieBen DUngemittelÜberschUsse in die FIUsse derWelt. Die Nahrstoffe in den DUngemitteln, sowie Ausflflsse der Kanalisation,verursachen eine grofée Vielzahl von Problemen, vom gigantischen Wachstum giftigerAlgen,die andere Meeresbewohner Überwéltigen, bis zur Herausbildung schédlicher Bakterien.
Übersfiuerung. Überschflssiges Kohlendioxid, ein Nebenprodukt fossiler Brennstoffe, das schon droht,
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die Durchschnittstemperaturen aufder Erde zu veréndern,
findet auch den Weg in die
Ozeane. Und wenn Wasser
dieses Überschijssige KohIendioxid absorbiert, wird es
sauer — ein Effekt, den Wissenschaftler mit dem weiteren RUckgang der Fische und
anderer Meereslebewesen in
Verbindung bringen. Gegen
Ende desJahrhunderts wird
nach einem Bericht der Los
Angeles Times ein Séuregrad
der Ozeane erwartet,der
zweieinhalb mal so hoch sein
wird,wie vor der industriellen
Revolution. „50 ein Wechsel
wUrde viele Arten von Fischen
und andererTiere vernichten,
die in chemisch stabilem
Wasser seit Millionen von
Jahren gedeihen“, berichtete
die Times.
Plastik.
Die Anhéufung von Wegwerfmull — und insbesondere von Plastikmijll — tétet Seevégel und Meerestjere in immer gréfier werdenden Zahlen. Nach einer Erhebung besteht fast 90% des auf den Meeren treibenden Abfalls aus Plastik. Wenn es von Meereslebewesen verschluckt wird, erstickt es sie héufig langsam oder hungert sie aus. Dieser PlastikmUll wird nicht abgebaut, und man kann davon ausgehen, dass er die Ozeane filr Hunderte von Jahren belasten wird.
Es gibt ein wachsendes Bewusstsein fUr Reichweite, Ausmaß und gegenseitige Abhéngigkeit dieser Bedrohungen - und den Grad, in welchem sie beide die unmittelbare Zukunft der Menschheit und ihre Iangfristige Wohlfahrt bedrohen.
„Die Menschheit hat die Ressourcen der Ozeane extensiv und manchmal zerstbrerisch ausgenutzt“, stellt der inter
nationale Rat der Akademien
fUr Ingenieurwesen und
technologische Wissenschaften in einer Stellungnahme
vom Juli 2005 fest.„Durch die
gegenseitigen Verbindungen
zwischen physikalischen, geologischen und 0ko|ogischen
Systemen werden wir alle
letztendlich die Konsequenzen tragen mUssen,seien
sie gut oder schlecht. Es gibt deshalb eine unausweichliche internationale Verantwortung fUr das, was in und mit den Ozeanen geschieht.„
Diese gemeinsame internationale Verantwortung wird in solchen Übereinkflnften, wie der Konvention über die Gesetze der Meere, teilweise anerkannt. Diese Konvention stellt Regeln auf berglich der Schifffahrt, der Schifffahrtsrechte, der territorialen Grenzen im Meer, der 0konomischen Rechtssprechung, der Bodenschétze vom Meeresgrund und der Durchfahrt durch enge MeeresstraBen, der Bewahrung und des Managements der lebendigen Ressourcen des Meeres und des Umweltschutzes im Meer.
Dennoch, wie sich Ieicht aus der Liste der den Ozean bedrohenden Gefahren ableiten léfit, geht die Konvention nicht weit genug im Schutze einer der größten Ressourcen des Planeten, wederjetzt, noch fUr kijnftige Generationen.Ein Teil des Problems besteht darin, dass viele konkurrierende Interessen bestehen — von Nationalstaaten bis zu Verbénden einzelner Fischer, Farmer und Seeleute. Und es steht viel auf dem Spiel — von grundsétzlichen Fragen Über den Gebrauch von DUngemittel, die derzeit so wichtig fUr die IandgestUtzte Nahrungsmittelproduktion sind, bis zu Fragen nach derVielfalt der Arten, bezogen auf das Aus Ozeane in der Krise
sterben von Lebensformen im Meer.
Deshalb ist es schwierig,
sich vorzustellen, woher der AnstoB fijr internationale Zusammenarbeit und koordinierte Aktion kommen wird. Alle diese Themen fallen genau in die Rubrik ,nachhaltige Entwicklung,eine allgemeine Bezeichnung fUr das sich bildende Paradigma, das versucht so konkurrierende Themen wie Entwicklung, Bewahrung der Umwelt, Konsum, Menschenrechte, Bevölkerung und Gerechtigkeit ins Gleichgewicht zu bringen.
FUr die Bahá’í liegt die Antwort aufdas Problem des Ausgleichs konkurrierender Interessen, seien es die Ozeane oder die nachhaltige Entwicklung im Allgemeinen, darin, ein besseres Versténdnis der geistigen Prinzipien und Wirklichkeitenjenseits der menschlichen Existenz zu erreichen. An erster Stelle der neuen geistigen Prinzipien fUr dieses Zeitalter steht die Einheit der Menschheit.
„|hr seid die FrUchte eines Baumes und die Blétter eines Zweiges," schrieb Bahá’u’lláh. „Die Erde ist nur ein Land, und die Menschen sind seine BUrger.“
In zahlreichen Erklärungen hat die Bahá’í International Community seit Iangem die Wichtigkeit dieses Prinzips fUrjede Vision nachhaltiger Entwicklung unterstrichen. „Nur wenn die Einzelnen sich als Mitglieder einer menschlichen Familie verstehen,
die sich ein gemeinsames Heimatland teilt, werden sie sich den weitreichenden Verénderungen widmen können, auf der Ebene des Individuums und kollektiv, die eine in wachsendem Maße gegensei tig abhéngige und sich rasch veréndernde Welt erfordert," schrieb die Bahá’í International Community in einer Erklärung zurVorbereitung des „Rio Umweltgipfels 1992“.
DarÜberhinaus erwarten die Bahá’í-Schriften letztendlich die Schaffung eines WeltBundessystems, représentiert durch ein Weltparlament, „dessen Mitglieder als Treuhénder der ganzen Menschheit letztlich die gesamten Ressourcen aller Mitgliedslander kontrollieren, und die solche Gesetze in Kraft setzen werden, die notwendig sein werden, um das Leben zu regulieren, BedUrfnisse zu befriedigen und die Beziehungen aller Menschen und Völker auszugleichen.“
Die Menschheit beginnt aufzuwachen berglich des KolIektivschadens, der den Ozeanen der Erde zugefijgt wird; Die Menschheit beginnt auch zu verstehen, dass die Ozeane Teil unseres globalen Allgemeinbesitzes sind — etwas, das fUr spétere Generationen bewahrt werden muß.Was jetzt gebraucht wird, ist eine umfassende Anerkennung unserer grundlegenden gegenseitigen Abhéngigkeit und wesentlichen Einheit. Nur das kann die Einsicht und motivierende Kraft schaffen, um die notwendigen Verénderungen in unseren Gesetzen, unserem Lebensstil und unserem Bewusstsein herbeizufUhren, die notwendig sind, sowohl die Ozeane zu schUtzen, als auch ihre ReichtUmer in einer Weise zu nutzen, die der ganzen Menschheit nUtzt.
Es Iohnt sich, noch einmal Über das Foto „Erdaufgang“ nachzudenken,das Astronauten vor fast 40 Jahren aufgenommen haben. Es gibt nur eine Erde — und sie ist blau! Diese Tatsachen héngen fun damental zusammen. I
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Bei der Buchvorstel/ung in der Bundespressekonferenz:
Die Autoren Peter Spiegel (rechts) und Lutz Wicke (Mitte) im Gesprach mit Klaus Tépfer, dem ehemaIigen Generaldirektor des UN Umwe/tprogramms.
REZENSION
Der blaue Planet: Belastung
Etlgmrmnsrcdzrc an A m1osplldrujcder AIUIIM‘II sollfiilgf
Fume„ Uvib/zauggase
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ERLIN iWird dnsjctzigc K)’0[071)1'0t()k011 zur Rcduzicrung der TreiblmusgavEmissioncn nur fbrtgcsclnicbcn. «ind Katdstrw phen nicht abwcndbnr. Um Erdcnviirnmng zu bcgrcnzcm IHUSSC‘I] Emissioncn lwgrcnzt warden. Zu dicscm chck $011611 dtn Stazltcn Emissions1'cchtc zugetcilt wcrdcn. dic Atmosphiirc der Mcnsnhhcit 111it Kohlcndioxid zu \CIdrc(ken, die sich an der Bcvdlkcrungszahl orienticrt. Divxc Forderung ist cin Kcrmttick dos Buchcs “Kyoto llux. So gclingt die KlinLnVCIIdc". Klaus Tiipi fc‘l. Ex—(Ihcf dcs
Umwcltprov
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gramms der Vcrcintcn Nntioncn (UNEI’) Lmd chcmuls Umwcltminister. stelltc cs in] September in Berlin Vm. A15 „mutig“ qualifizicrtc
UN ElLChcf Klaus T(fipfcr
die Strategic und f‘éldertc d(h Buch mit einem Vorwort. obwuhl cr sclbst Konstruktcur dcs im Buch als nicht hinliinglich cingcstuftcn Kyoto—Pmtokolls ist Er kliirt dunn über scinc Motive nuf: „U115 muss cndlich klal~ wcrdcn. wic stark unscr Rcinhtum vom Stidcn subventionicrt ist.“
Wer Luft verdreckt, muss sie vorher kaufen
(?crcthtigkeit kann das Klinm rcttcn. so dds Buclm Ccrccht ist, \\cnnjcdc111 Menschen cin glcichcx “Vcrschmuv zungsrccht“ zugcspmchen wird. Mchr 211% fiinf Tonncn Kohlcndioxid jiilnlich diirttcn cs nicht scin. Deutschc xind pro Kopfmit zclm Tonncn die grdliten Klimaximder Europns trotz teurcr (:03 Rcduktionsprogmmme. .111 Nigeria cmitticrcn die Mcnschen abcr nur eine Tonnc. 1115 bcdcutct. ein Nigcrinncr kiilmc vicr Tmmcn \L‘Ikdllfi‘lf, crkllirtc Pctcr Spiegel, eincr der Aui torcn gulllisslich der Buchpriii scmation. Die Schwcllcnliinder vcrdicnten 41150 mnVcrkaufvon Ressourcen und crlangtcn dn111it crhebliche Kaufkriiftc. I )cn murktgcrcchten Ansatz bringt Spiegel nus seiner Funktion ulx Sprcchcr dos Bundesverbandcs fiir \X/irtsclmfistbrdcnmg und Auchnwirtschafi (BWA) cin.
Scin Mimutor Lutz Wikkc. der dds \xissenschafilichc lhtcn— [111d Szenarimverk Yusnnnncntrug ist Direktor dcs lmtimts flir Umwclt—Mamger mcnt (HUM) an der Europliischen Wirtschuftshochsclm16 (ESCILEAI’) in Berlin und chcmaligcr Staatssekrctfir im Umwcltministcrium, C0Alltorin Inga Wickc—Thiis ist cbcnfixlls Nnturwiswmchaft lcrin.
Ausgnngspunkt der Strategic ist dic Vcrmcidung des DilcmmasV dds dic Konstrukv tiunsfbhlcr dcs crsten Kyotolrotokollx crzcugcn. Um nus dcm Dilcnmm Juszubrechen. {olgcrt dds Buch, mtissc dLIS (hundlccht au{Klimabclastung zunLichst cmblicrt wcrdcn. Dds \Crtcurc die Encrgickostcn gcIing. (:Og—Einspurung crhiclt dndurth chr cincn \X/crt, der vcrkautt \wrdcn kbmlc.
Mit dem Prinzip der Gerechtigkeit ein Dilemma überwinden
Um \Vcltwcit Milligndcniw vcstitionen zu \turtcn, dic für die schnellc Scnkung der Abi gnsproduktion dringcnd 11(Stig sind cmpfchlen dic Autorcn cin globalc‘s Systcm zum Han; dcl mit Emissionszcrtifikatcn. Wcil der Encrgicbcdurfglobal \tcigt und die Zcrtifikutc dnmit tcurer wiirdcn, cntstiindc cin \\irks;unerAnreiz, Encrgic cffizicntcr zu bewirtschattcn sowic fossilc durch crncucrbare Encrgien zu elsctzcn.
Ein \vachsender Kreis V01] Konzcrncn unterstiitzt den Ansutz. 2MB forderten zwci Dutzcnd Firmen nnliisslich dcs (18 (Eipfcls in Clemenglcs, damntcr 151’ und der dcutschc Strmnricse Eon. in cincr gcnwinsmncn Erklärung. gcmu dds, was „Kyot0 Plus" vorschlligt: cin globnlcs Hani dclusystcm fi'n Emissionen, das ,iibcr EH30 himus Sicherhcit fiir Invcstitioncn sclmfft“.
Scitdcm cr Bahá’í wurde crfbrschtc der AutonVcrlcgcr
,
und Soziologc lctcr Spicgcl konscqucnt stmtcgischc Anxlitzc für grundlcgcnde Ge; gen\mrtspmblcmc und suchtc 11;1clchgc11,<ic dcn Entsuhcidern zu \Qrmittcln.
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der Atmospheire limitieren
Das Buch Kyoto Plus„ wurdc von den Mcdien einhcllig positiv amgenonnnen. Dic BcrlinerTngcszeitung ,1 )cr Tagesspicgcl sprach davon, dass diescr Ansatz ,ohnc Alternative„ sei und die Grundlagc fiir niichstc Vcrhandlungcn zu cincm "Nach—Kyoto—Imtokoll“ bildcn mfisstcn. dic „Siiddcutschc Zeitung mnntc cs ,tinen grolien Wurf. Nur sechs Wochen nach Erschcincn des Buches Vcrabschicdctc der Deutsche Bundcstag eine EntschlicBung. mit der sic 3116 Kcmpunktc disses neutn Ansutzcs positiv nufgrifl‘ und
bcstlitigtt.“
..Als Leitcr dos Tcrm—Instituts konzcntriert sirh Peter Spicgel auf die Ent\\icklung und Kommunikation V011 global vcmntwortlichm1 L&Sstxxlgeli fiir eine bcsscrc (lcstultung der Globalisicrung. Doshalb fiildc‘lt er uuch die Global Marshall Plan Initiative, dercn Mitinitiator cr ist Er ist fernsr scit Sommer 2006 (?eneralsckrctlir dcs Global Economic Network. I )icscs will cin ,integriertcr Think—Tank sein, der die bestcn K(mchtc fijr CillC humancrc Welt klug mitein:mder vcrkniipft.“ I
Klima kippt trot: Kyoto
Alle zwiilf M(mate verschwindct (?rénlundeis im Volumen von 248 Kubikkilomctcm. lm Eis des Nordpools Mafia) im September 2006 Liickcn SO groß wie Grolfibritannien, sonst war cs dort ganzjlihrig gefroren. Die übergroße Mehrheit der Experten bringt dns in dirckten Zusammenhang mit der Vermijllung der Atmosphfire, dercn Eigentumsrechte bislang ersmunlicherweisc nicht gekliirt wurdcn.
Wer cin Auto kauft pustet seine CO2 Emissionen ebenso ungcstraft in die Luft wic diejenigen, die mit Stromcrzeugung Geld vcrdicncn. Dramatischer Klimuwandel ist also liingst im Gang. Der wcltwcitt (IOZ—AusstOB, gemessen 21m Stand V01] 1990, ist um 27 Prozcnt gestiegen. Dcr Trend bedroht Hunderte Millioncn Menschen durch den Anstieg des Meeresspie gels, stlirkerc und hiiufigere
Hurrikans und Tnifune,
größere [Mirre- und Hitzcpcriodcn und ausgedehntc Wüstenbildung.
Zwar vcreinbartcn die Kyoto—Vcrtragsstaaten schon 2005 Vcrhandlungen über einen ncuen Vertrag für die Zeit nach 2012. Doch die Strategic gcnwinsamen Vorgehcns ist ungesichts gebulltcr Opposition unklar. Du kommt dieses Buch gerade renht. mit einer radikalen Strategic aufglund eines durchgcrcchnctcn K(mzepts, das sich zuglcich den Anforderungcn derWirksamkeit und Umsetzbzlrkeit vsrschrieben hat.
Warum Kyoto I nicht wirkt
Nach 160jahrcn Industrialisicrung verstiindigten sich die Regierungcn der Erde anlfisslich der Rio—Konfcrenz 1992 auf ein vcrtmgliches Rahmenwerk. um die Güter der Schépfimg dauerhaft zu schützen. 2000 versuchten sic mit dem Vertmg von Kyoto die Atmosphlirc zu schiitzen.
“'4 LUTl WICKE- PETER SPIEGEL ’ INGA WICKE>YHUS
KYOTO PLUS“
0 7 3 . A 50 GELINGT DEE KLIMAWENDE
Nachmmge [nergmevSorgung mus globale Gevedmgkell
CH‘ BEtK
2006. 251 Seiten. Brochur 19,80 Euro. Ver/ag CH. Beck.
Dem Kyoto—Irotokoll fbhlt cine maximalc Emissionsobergrenzc. Es binder Schwellenllinder nicht cin. Das bot Grund für den USSen;1t,dic Rntifizicrung zu verwcigcrn. SchlicBlich war auch abschbur, dass die vercinbarte Minderung der Emissioncn in den Industriestaaten um nur äußerst gcringe fiinflmzcnt allein schon durch den schnell steigcnden ()1— und Kohlevcrbrauch in Indian und China mchr als nusgeglichen wird.
Gleichzcitig beharrten abcr die Schwellenstaaten darauf gcgenüber den Wohlstzmdsliindern prinzipicll nicht bcnachteiligt zu werdcn. Schlicfllich erzcugen sic, gcmessen 2m der Bcvblkcrung, weniger als ein Vicrtcl der Verschmutzung. „Al]c Burger dechlt haben die gleichen Rechtc, die natürlichen Ressourccn zu nutzcn“, erkiirtc der {riihcrc indische Premier Ataliwljpajec. I
Stimmen zum Buch
„...ohne Alternative... Darum spricht vieIes dafür, dass die kommenden Klimaschutzverhandlungen sich ent/ang der in diesem Buch skizzierten Linien bewegen werden. " Harald Schumann, Der Tagesspiegel
„Die Autoren legen dar, wie der Klimawandel wirksam, global gerecht und 0konomisch sinnvo/l verhindert oder doch deut/ich abgeschwdcht werden kann. Die Vorsch/dge sind gut ausgearbeitet und stammen von seriésen Autoren, die wissen, was machbar ist. “ Die Welt
„Revolutioncir an
dem Vorschlag der drei Autoren ist die Gleich vertei/ung der Emissionsrechte:,0ne human man — one emission right.Das Buch bietet einen beachtenswerten, radikalen Vorsch/ag, der über Kyoto l hinausgeht, in Verbindung mit einer Wende in der EntwickA Iungspolitik im Sinne der Global Marshall Plan Initiative. „ Rudolf Speth, Frankfurter Rundschau
„Mit,Kyoto PLUSzeigen die Autoren einen realisierbaren Weg zu einer efiektiven Klimawende. “ Franz Alt, Sonnenseite
„Es k/ingt plausibel und praktikabel, ldsst sich relativ einfach einfUhren und kontroln lieren... Es ist höchste Zeit zu handeln und Kyoto Plus bietet eine vernanftige Lösung.“ Johannes Kaiser, Deutschlandradio
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Dr. Rodney Clarken (links), einer der Erstunterzeichner des "Earth Keeper“ Abkommens, untersucht gemeinsam mit einem He/fer einen Sammelbehd/ter mit E/ektronikschrott. Im Hintergrund steht Jean Soderberg und rechts daneben Dennis McOwen.
(Foto: Greg Peterson)
USA: Interreligiöse Zusammenarbeit beim Sammeln von Reststoffen
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USA
ARQUETTE,MI CHIUAN, USA
— Die ncunjlihrigc Evc McCowen war verdeckt durch die riesigcn Mcngcn an nicht mchr bcndtigtcn Elcktronikgeriitcn, die sich 21m ..Tng der Erdc 2006“ schnell aufdcm Parkplatz der Messiah Lutheran Church anhiiuften. Aber dcnnoch. 313' die Anwohner alte Stcrcogcrlitc, defektc Computer und unbrauchbarc Fernsehcr zur Wicderveri \Vertung bmchtcm lief sie nls cine der ersten zu einen geradc zmkommendtn W;1gcn,der enthden werden solltc. „Rccycling ist gut für div Umwelt. \vcil \Vcnn man dus Zeug nur wcgwirtt, belnstet cs das Erdrcicl) und das Wasscr, und das ist nichtgut für die Erdc“. crkliirt die kleinc Eve, Tochtcr v01] Dennis und Lisa McCowcn nus Marquette.
M,
Evc ist Baha 1. gcnauso wic ihrc Eltern, und sie gchbrten zu den neun 15311511 nus Marqucttc, die an der zwciten jiihrlich stattfindcndcn .,E;11'th Keeper“ Sammclaktion um 22. April 20W) teilnahmcn. Dicscr Tug wird in den Vcreinigtcn Stanton und in viclcn underen Ländern als „Earth Day“ (Tag der Erde) bezeichnct.
Der Arbcitsnufivand brachtc mehr 315 3HHTmmcn Elektronikschrott — Fcrnschgerhtt. (?omputcr,Vidcorckorder und iihnlichc Gcriitcdic sonst nicht olme weitcrcs wiedervcnvertet worden \VLircn — kamen nus den verschicdcnstcn Gegcrv den von Upper Peninsula — einer nur spiirlich bevblkcrten Halbinscl lliildlich dos Michigansccs.
Die „E;1rth chpcr“Aktion bcweist uuch, wic Glaubcnsgc11]€i115ChthCl] bci Projektcn auf értlichcr und regionaler Ebcnc fiir dais Wolll der Gesellschafi zusammcnurbcitcn kéilmcn.
1m vorlicgcnden Fall nahmcn über 35!) fi‘ciwilligc Hcltcr nus ca. IZU Kirchen.Tcmpcln und (?luubensgemcinschaftcn nus Upper Peninsula an dcm Projckt tcil. Da wnrcn Bahá’í. Buddhistenjudcn zusaxmncn mit Katholiken, Episkopnlcn. Luthcrancm. Presbytcrinncrn. Mcthodisten und Unitaricm 1111 Einsntz. AHL‘ (lluubcnsgruppcn zusammcn hubcn in der Region etwn ]3H.()()() Mitglicder.
„l)ics ist ein bcdcutcndcs Ercignis und ich 1mm), dass es cin Model] ist, welchcs hicrzuhmdc und \VcltVVtit \viederholt wird“. sagtc Rodney Clarken. cin Bahá’í und cincr der Erstuntcrzeichncr dcs ,.E;1rth Keeper“ Abkommens. „Oft sehcn wir (Ilaubensgmneinschatkn streitcn und mnnchmal t Otct sugar eincr cincn nnderen und nun hnbcn wir hicr ein Bcispiel von geistlichen Fiihrem und ihrcn (imncinden, dic vereint lmndcln.“
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„Ich glaube. die Libcrwfiltigcndc Reaktion im letztcn
jahl 21qu die flirtlichen Initiativcn Sondermfill zu sammcln und in diesem jahr den
Elektronikschmtt, resultiert
hauptsiichlich dnher, dass 311
die Clnubcnsgcmeinschattcn
gemeinsam diescn Versuch
unterstiitzcn“, sagte Dr. Clarkcn, Pfidagogikprofessor und
Leiter von Fcldvcrsuchen an
der Northern Michigan UniVcrsitiit (NMU) in Marquette.
„Ohn€ dic Kraft der Religion,
gcsellscll;1filic11c Aktioncn anzuregen und zu untcrstiitzcn,
karm wenig ausgcrichtet werden“, ergiinzt Dr. Clarkcn.
ReligiBse Werte motivieren zur gemeinniitzigen Zusammenarbeit
Carl Lindquist, der Lciter der regionalen Gemeindcpartncrschaften und Organisator des Projckts, bezeichnete die Bahá’í 315 „Schliisselpartner“ bci diescr Aktion. „Sie warcn 56hr begcistcrt und auch schr sachkundig“, so Lindquist. Er fiigte hinzu, dass Glaubensgruppen 1111 Allgemeinen cntschcidende Mitwirkendc seien um éfiEntliches Interesse
- m cincr Aktion zu wcckcn und
die Menschen zur Teilnahme zu bewegen.
„Als Leiter einer gemeinntitzigen Umweltorganisation, die auch auf Linder— und Bundesebene tiitig war, haben wirjahrelang versucht aufdie Offentlichkeit erziehcrisch einzuwirken Lmd sie für solche Aktioncn zu gewinnen. Aber ich habe niemals etwas efTektiV’eIes als dieses Projekt gesehcn“, berichtet Lindquist. „Mit religiöscn Gruppen“, so meint el„,sprichst1)u darüber. Sic héiren zu und reagieren darauf.“
Unterstfitzt wird die jahrliche Aktion durch die a,Ccntral Lake Superior Watershed Partnership“. das gcmcinniitzige Cedar Tree Institute, die checnaw Bay Indianer Ge meinde und die verschiedencn teilnchmendcn Glaubensgemcinschaften.
Die letztjlihrige Sammelaktion erbrachte ca. 46 Tonnen giftigc Haushaltsabfiillc, darunter Schlidlings— und Unkrautvernichtungsmittel, Quccksilber, Autobatmrien und bleihaltige Lacke. Binncn drei Stunden wurdc von diescm gefiihrlichen HaushaltsInfill mehr cingcsammelt, als die regionnlc Abflllldcponic normalcrweisc innerhalb von zwei Jahren erhlilt.
Die teilnehmenden Bahá’í drückten die Hoffung nus, dass nun weltwcit iihnlichc Aktionen durch dic Bahá’í begonnen werden. Solche lrojckte können helfcn „dic künstlichen Barriercn cinzureißen, welche zwischen den Religionen, den Vélkcrn und den Kulturen unsererWelt errichtct wordcn sind“, sagte Dr. Clfllktn und crgfinzt: „Mögen diese Bestrcbungcn unscreArbcit hundertfach Vcrstfiw ken, 11in zur Schaf‘filng einer Welt in der alle Menschen in Friede und Wolllstand leben kéirmen.“
Rehema Clarkcn, die 27jiihrige Tochtcr V011 Dr. Clarkcn und graduicrte Studentin an der North Michigan University, flndet, dag Projekt bietet eine bedeutende Lektion, weil sich „so vicle Menschen aus Vielerlci Glaubensrichtungcn zusammenschlossen um cin Projekt auszuführen, dass unserer Gemeinde so sehr V011 Nutzen ist. ...\X/elcher Art auch die Unterschicde unserer Glaubensvorstellungcn sind, im Dicnst an der Sachc sind wir vereint.“
Vicky Lockwood nus Marquette berichtet, class diesc „Earth Keeper“ Aktion ihr sehr geholfbll habe Vcrschiedens Bahá’í Prinzipitn besscr zu verstehcn, wie zum Beispie] die Bedeutung dcs „Dienens“ und dieVorstellung von „Einheit in derVielfalt“.
„Dies macht die Bedeutung V01] Einheit deutlich;
wcnn du nicht die Gemcinsamkeitcn in den Mittclpunkt stellst,d;11m wirst du nicht Vic] vollbringcn“, stellt sie Fest und erkllirt: „Wir allc arbeiteten mit der Absicht, diese Produktc von unscrcn Miillhalden Fern zu hnltcn und schrseuchung von Bodcn und Luft zu vermcidcn.“
jean Soderberg,ei11€ Kraukenpflegcrin und Mitglied der Bahá’í—Gcmcinde, empfindet ebcnfillls, dass die Möglichkeit mit underen Glaubcmgruppen zusammenzuarbeiten ein wichtigcs Beispicl gibt.
„Umwc1tschutz liegt in dchcrantwortung eincsjedcn 2111f unserer Erdc, wenn wir wcitcrhin die Gnadcngaben Gottes genicBen wollcn. Dies mit einer auf Glauben basiercnden Organisation zu tun, ist sogar eine noch 10hncnderc Gelegenhcit“, meint Soderbcrg. I
„Dies ist ein bedeutendes Ereignis und ich hoffe, dass es ein Model! ist, welches hierzulande und weltweit wiederholt wird. “
Rodney C/arken, Bahá’í und„Earth Keeper“ Mitglied
Eve McCown (9) stapelt unter den wachsamen Augen Ihrer Mutter, alte Computer, wdhrend der „Earth Keeper"Aktion in Marquette. (Foto: Greg Peterson)
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„Kain Sicherheitsplan und keine Entwicklungsfbrdemng werden erfolgreich sein, wenn sie nicht auf
die solide Grundlage gestellt wild, die Menschenwürde zu respektieren. “
Kofi Annan, Generalsekreta'r der Vereinten Nationen
VEREINTE NATIONEN
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UNO berief neuen Rat fiir Menschenrechte
EREINTE NATIO NEN — (?cneralsekrw
tlir Kofi Anan machtc i111V0rjahr dic Menschenrcch[6 Zn eincr zcntralen Komw p(mcnte in scincmVorschlag fiir eine UNARerorm. ,.Kcin Sicherheitsplan und keinc Entwicklungsfiirderung wcrdcn crfolgreich scinwenn sie nicht auf die solidc Crundlagc gcstcllt wird, die Menschenwfird6 zu respekticrcn“, crkllirtc Kofi Annan.
So gilt es 315 historisther Schritt, dass die UN—Gcncrulversmnmlung am 15. März 2( )( )6 der Eimichtung eincs ncucn Rates für Menschenrcchte zusti1mnte.„l)ie Entschcidung der Gcncralversammlung, diesen Rat einzurichtcn, ist bedeutsam“, sagte Louise Arbour, UN Hochkommissarin flit Menschenrechte. „Sic ist eine Antwort auf die Hofflmng, dass die globale Gcmeinschaft zusammenkommen und eine starke Institution im Herzen dc‘s internationalcn Menschenrcchtssystcms schaffcn kiinntc.“ Der Rat (47 Mitglicder) crsetzt die UN Kemmission für Menschenrcchte (53 Mitglicder), 315 international führendes Menschenrechtsorgan. Diesc Verlinderung resultiert nus der zunehmendcn Kritik 2m der Arbeit der Kommission. Sic wurde immer politischcr, $0 könnten Ländern, die regelmfiBig die Menschenrechte vcrletzten, sich nicht nur der Kontrolle entzichen, sondern durften sognr in der Kommission mitarbcitcn. Die Struktur dcs neuen Rates sorgt dnfiir, dass:
° Mitglicder „direkt und in geheimcr Wahl V011 der Mehrhcit“ der General Versammlung (191 Stanten) „gcwlihlt warden“. Die Kommission wurdc V011 den 54 Mitgliedern dc‘s Wirtschaffi— und Soziulmtes gcwlihlt.
- Mitglicder „dit h(ichsten Standards bei der Durchsctzung Lmd dem Schutz der Menschenrechtc Llufi‘echterhalten sollten.“ chn sie jcdoch „schwerc und systematische Verletzungcn der Mcnschenrcchtc“ begehen, dam) können sie durch eine chidrittelmchrheit der nndercn Mitglicder ausgcschlossen \Verdcn.
' der Rat mindcstcns dreimal pro jahr tagt, für wenigstens IHWOChen. Die Kommission tmf sich nur cinmal im Jahr für sechs Wochen.
Diese strukturcllen Veriinderungen bringcn Schutzme Chumsmen gegenjcneArt von
lolitik, die die Kommission
in der Vergangenheit plagtc.
Die Resolution zur Scllaffilrlg
dcs Rates wurde mit 170 211 4
Stimmen bci 3 Enthaltungcn
ratifiziert. Gegcn den Rat
stimmten Israel, die Marshall
Inseln, Palau und die USA. Der
Stimmc enthielten sich WCiB russland, Iran undVenezuclu.
Die Ratsmitglieder wurden
im Mai 20W) gewiihlt.Am 19.
Juni 2006 trat das neue UN Gremium in Genf erstmals
zusammcn. Menschemtchts organisational sind sich cinig, dass der Rat eineVerbcsscerg gegeniibcr der Kommission darstellt. „Der Rat ist gcgcnüber der Kommission Sicherlich ein Fortschritt,“ sagte
Mariette Grange. Direktorin
des Gentfi Bijros von Human
Right Watch. „Er bcinhaltet
das, was an der Kommission
gut und effektiv war, und er bcdcutct eine Aufwertung auf andercn Gebictcn. wie zum
Bcispicl. dass Länder von der Gencrnlversammlu11g gewiihlt warden müssen.“
Für Grange sind zwei Aspcktc besonders wichtig: 1.d;1s System der „Sonderbcrichtcrstutter“ — spezicll dic emannten Menschenrcchtscrmittler. die dds Recht habcn. bestimmtc Llinder Oder bcstimmtc Themen zu Lil)cr\vz1c11011, und 2. die lcichten Zugangsmöglichkeiten für NGOS.
Yvonnc Tcrlingen, die Reprlisentantin von Amnesty International] bei den Vercinten National), sagtc, dnss der Rat in der Tat die Einlmltung der Menschenrcchte besser Libcrwachen knnn 315 die Komlnission. „Aber cs lliillgt sehr duvon ab, wit ernst die Regicrungen die Ilcuen Bestimmungcn nehmcn, und wie sie sie interpretiercn“, so Yvonne Terlingcn. „Wc1m sich die Länder weitcrhin an diesem Stimmenhandcl beteiligen, dam] haben wir kcinen Fortschritt gemacht.“ Aber, fiigt sie hinzu, immerhin seicn einige Länder mit schlcchten Menschenrcchtssituationen nicht in den Rat gcwfihlt wurdcn. Diane Ala’i, Reprisenmntin der Bahá’í International Community bei den Vereintcn Nationen in Genfl zeigtc sich erfrcut, dass der Rat wcitcrhin Sonderberichterstatter und underc Mechanismen der Konmlission 11utzt,um dic Mcnschenrechte zu überwzlchen. .,I)as System besondercr Verfahrcn und Expcrten, die die Kommission nutzte, um aufMenschenrcchtsvcrletzu11gcn zmfinerksam zu machen, war äußerst wichtig, um die Bahá’í—Gemcindc im Iran zu schiitzen, die scit 1979 Gcgcnstand systematischer Menschenrechtsverlctzungen war“, sagtc Diane Ala’i. I
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Vereinten Nationen: FulyaVekiloglu
ist neue Bahá’í—Représentantin
EREINTE NATIO NEN 7 Scit juni
ist die“ in der Türkei geborcnc Fulya Vckiloglu Reprliscntnnrin der Bahá’í International Community (BIC). Sic vcrfiigt iibcr cincn großen Erfllhrumgsschntz Juf dcm Gcbict der Gleichstcllung der Frau sowic in Frngcn dt‘l Zivilgcscllschaft und der internationulcn E11t\\ick11111g. Gcmcinsnm mit Bani Hugul, der Hnuptrcpriiscntzlntin der BIC. wrtritt sie dic Bahá’í Gcmeindc bei den Vcrcinten Nationcn in New York. Ihrc Schwcrpunktthcmcn sind der Fortschritt der Frauen und die sozialc Entwicklung.
V01" ihrcm Engagement bci der Bahá’í International Connnunity arbcitctc Vckiloglu in Afghanistan nls lrojektnmnngcrin für dds Entwicklungspmgramm der Vcreimcn Nationen (UNI )I’). chr drci jnhrc ()lganjsicrtc sie cin AusbiIdungsprogrannn im Afghanisthcn Fraucnministcrium. Sic untcrstiltzte dds Ministerium in derArbeit und bildcte mehr als 700 Beamtc und Vcrtrctcr Von Nichtrcgicrungsorganisationen in Frugcn der GlcichstcHung V01] Frau und Mann aux. Zwischen 200] und 2MB betrcute Vckiloglu 211$ chtcrin des UNDI’ cin ijckt in Bosnicn—Hcrzegowina zur licobachtung der Entwicklung der Zivilgcscllsclmfi. Dariibcr himus war sie dort auch fi'n cin internationnles Projckt tiitig, das sich der Férderung von Konfliktlösung und Fricdenserzichung \Vidmetc.
Positive Perspektive einbringen
In den ncunzigcr jnhrcn sammcltc FulyaVckiloglu große Erfnhrung in tiirkischen
Fraucnorganisationcn und Biirgcrinitiativen. I 990 war sic \Viihrcnd der UN—Konferenz über WolmA und Sicdlungsbau Mitglied dos natimmlen Gastgclwcmusschuxscs für das Forum der Nichtrcgicrungsorgnuisationcn In dicxcr Funkv tion urbcitcte sie much 4113 Berichtcrstntterin der Konferenz fiir die tiirkischc chierung. Natl) der Konfcrcnz griindctc und lcitcte sie von 1997 his |‘)‘)‘) dL‘Il Frauenausschuss dos UNJrogmmms für Wohnund Sicdlungsbuu (HABITAT ll). Zwischen l)‘)‘) und 2mm koordinicrte Vekiloglu in Ankara cin Netzwcrk tiirkischcr Francurechtsorgunisationcn Fulya Vckiloglu. die cincr
Buhfi'iAanilic cntstammt.
dicnte auch der Bahá’í—Gcmcindt in znhlrci(hon Auxsrhiiswn und Eimichtungen. Zwischen l)‘)2 und 1995 zubeitctc sie im tiirkischen lhlhzii —B[ir0 für ;1LI\'\\li1'tigCAngelcgcnheiten. Von 1995 his 1998
lcitetc sie dus Balm 1 —Bf1r0 für HABITAT II.
Vekiloglu absolvierte cin Studium der qucm Lmd Geschlechtcrtbrschung in Ankara. Zudem schloss sie eine BuChelor—Ausbildung fiir lroduktdcsign an der Mimnr—SinanUniversitiit in Istanbul ab. lhrc neuc Aufgnbc in New York nimmt sie mit grolficr Bcgcisterung 2m. „l)icsc Position in der Bahá’í International Community ist wirklich aufi‘cgcnd, wcil sic
cine (xelcgcnhcit bictet. nut globnlcr Ebcnc zu nrbtiten„. mgt Vckiloglu und fiigt him zu: ..Icl1 lube in zuhlreichen (Ecmcindcn mit Vielfiiltigcn rcligiéisen Lind kulturcllcn Hintergriindcn gclcbt. [ch hubs die Lclwnscrfilhrungcn von Lmtclschicdlichsten Fraucn nus Illichstcr Nähe crlcbt. Allt- Frauen sprcchen 111it der gleichen Stimmc und vcrspiircn den glcichen Durst mch (}lcichbcrcchtigung. Viclc Menschen sind pessimistisch. was den Fortschritt bctritt‘t. Doch meinc Hofihung ist, in meme Arbcit bei den Vcrcinten Nationcn eine positive
Pcrspektivc einzubringcn.“ I Qllcllcz Bahá’í Hbrlu Nam
Smirv
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Kemmission für die Rechtsstellung der Frau — ein internationaler Treffpunkt
Anisa Fedaei (rechts steherld) spielte die Tochter eines Kakaofarmers in einem kurzen Theaterstiick mit dem Namen „Playing the Game“ im Rahmen eines Workshops mit dem Thema„Frauen in Entscheidungspositionen und im Handel“.
Die rage Teilnahme von Nichtregierungsorganisationen an der Kommissionstagung Für die Rechtsstellung der Frau zeigt, dass die Tagung weiterhin als internationaler Trefipunkf für Frauen und Miinner dient, die Interesse am Fortschntt der Frau zeigen.
FRAUENRECHTE
K 0 ONE COUNTRY
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EREINTE NATIO‘
NEN — Ends Februar
2006 gab es nicht weit cntfemt V01] den grellcn Lichtern des Broadwnys eine klcine Aufl‘iihrung mit diner wichtigen Botschaft an das stehcnd versnmmelte Iublikum. Bei einer Nebenveranstalrung zur 50. Tagung der Kommission Für die Rechtsstellung der Frau (CSW) konntcn in cincm Konferenzraum gegenüber dem UNO—Gebdude etwa 100 Menschen die 16—jiihrige Anisa Fedaei bewundtrn Sic spieltc in den] kleinen Theaterstiick „Playing the Game“ dicTochter einc‘s Kakaofilrmers.
„lch bin Patience, kommc aus einem EntWicklungsland und bin 12jnhrc alt“, sagt Anisa. „Ich gehe nicht zur Schule, da ich meiner Mutter helfc. Unserc Familie lcbt in einer kleinen Hiitte.Meiner Mutter gehc'nt das Land nicht, weil sie es sich nicht leistcn kann. Sie kann auch kein Dar
Iehtn bekommen.“ Abcr nun
können sic, wie vPatience“ erkliirt, dank der Hiltb cincr (irtlichen Gcnossenschnft, in ihre Farm investieren und genug 2111bauen, um Handel zu trciben.
„Mit diescr Genosscnsclmfi könntn Wir in Länder auf der ganzen Welt cxportieren. Überlegen Sic 1_1L1r: Unser Kakao wird dann V011 Menschen aufder ganzen Welt venvendet. Mcinc Schwcstcrn kéinncn zur Schule gehcn, gemuso wic die jungcn.Wir warden Geld für die Schuluniformen habcn. Wir warden uns Schuhe leisten können und Vielleicht kann ich auch zur Schulc gehen.“
Das Theaterstiick war Teil tines Workshops zum Thema „Frauen in Entscheidungspositioncn und 1111 Handel“, veranstaltct v01] der National Alliance of Women’s Organizations (NAWO), der Internationalen Fraucnliga für Fricdcn und Frcihcit (IFFF) und der Gender Expert Group on Trade (GEGT). Das Stück
solltc veranschaulichen, wie sich vorgefilsste kulturellc Meinungcn, Traditional, Gcsctzgebung und Globalisicrung der Mlirktc gegenseitig bccinflussen und somit Auswirkungcn auf das Leben gewöhnlicher Menschen habcn, die für ihr Überleben arbeitcn.
Der Workshop behandelt6 beide Hauptthemen der diegjlihrigen CSW: Verstfirktc Beteiligung von Frauen an der Entwicklung und die gleichberechtigtc Tcilhabc von Frauen und Mlilmern 2m Prozcssen der Entschcidungsfindung.
Die rcgc Tcilnnhmc V011 Nichtrcgicrungsorgnnisatio11611 zeigt auf, dass sich die CSW zu einer Art internationalcm TI‘Cffpllllkt für Frauen und Miinner entwickclt hat, die lnteressc am Fortschritt der Frau zeigen. An derTagung im Frühjar 2006 11211111161] 1.500 Vertretcrinnen und Vertretcr V011 mchr als 400 Organisationen teil. „Die Kommission erkalmte sehr bald nach ihrer Gründung. dass der Errolg
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ihrcr Mission zu cincm gro13611 Tcil um Vcrbiindctcn
zlbhlingcn wiirdc„. bcrichtct
Rachel Mlynnjn Sonderbcmterin dos (lcnmnlsckrctiirs für
(lcschluhtcrtlzlgcn und den
Fortsnlnitt der Frau. .,/-\lso
schlms sich die Kommission
mit zivilgcxcllsclmftlichen Organisational zuxammcn. Bei
ilncr crstcn Tagung in] films
W47 h(irtc sie zwéilf Fraucm
organisational an.“
In dicscm jnhr organiA sicrtcn 7ivilgcscllschafdichc (Imppcn mchr JlS 125 N67 bcmcmnxmltungen fi'n die Tngung. bcifipit‘15\\ci5t dcn obvn gcnanntcn Workshop iibcr Hmdcl Wiihrcnd disscr Irct‘fi‘n und JLlCh in der cigcntlichen Kommissiunsurbcit konzcntricrtc man sich :mfdic zwci Huuptthcmcn der divsiLihrigcn Tagung. „Zc1m jnlnc mch der Peking—l)cklnrntion lmbcn wir 110(1) vie] zu tun für cine mtslichliche Ropliiscnmnz \'011 Frauen in Führungxpos‘fi tioncn nufnationalm und inv tcrmtionalcr Ebcnc".s‘1gtc dic \tcllvcrtrctcndc UN—Gcncmlsckretiirin Louisc Frcchcttc anliisslich der Erbfihung der B(LCSW—Tagung. „l )nvon sind nuch die Vcrcintcn Nationcn xelbst bctmfibn. dercn (Tlmrtn gleichc Rechtc für Mgmn Lmd Frau fcstlcgt.“
Rege Bahá’í-Teilnahme an der Tagung
In viclcn Rcdcbcitrligcn und Workshops wurdc angespmchen, dnss das Zic] der G]eichbcrcchtigung von Mann und Frau \Vcitcrhin nicht wirklich grciflmr Sti. auch \\Cl]11 1mm in den Bcrcichen Bildung. politifichc Reprliscntanz und \\ir[sch;1ftlichc Entwicklumgsfiihigkeit bereits cinigcs crrcicht lube. Fraucn hubcn noch immer eine unglcicll grichre Last der Arnmt zu tmgcn und sind im politixchen Leben stark untcrrcpriisenticrt. wic viclc Sprcrlwrinnen und Sprcchcr
bctontcn.
Unter dun NGO—Vcrtrctern auf der (75W bcfimdcn sich ncbcn den Vicr Dclcgicrtcn der Bahá’í International Community (BIC) noch etwa 20 wcitcrc Bahá’í,die tblgendc nationnlc Bahá’í—Gcmcindcn \Cltl’fltL‘nI Austlulicm Brasilicn, Dcutscllhmd, (?rolibrimnnicn, japan Knnada. Schwedcn, Schweiz. Togo und die VcrA einigtcn Stanton. Die lhhfi‘i sprachen die Hauptthcmcn der Kmnmission (Betciligung der Frauen an der Entwicklung und glcichbmtchtigteTeilhubc der (Icschlcchtcr an Entschcidungsprozesscn) auf vcrschicdcmtc Art Lmd Weiss an. 80 gab die Bahá’í International Community zum Beispicl in ihrcn Riiumlichkeitcn in Nchork ein Mittagcsscn für Siidnfi'ikns First Lady, Zunclc Mbcki. Mchr als 25 lersoncn wnrcn anwesend. untcr ilmcn Repllisentaten der UN7VCI‘7 tcrtungen von Siidafi‘ikus, Inf dicns sowie mehrcrcr N605. Zanclc Mbeki sprnch über cin V011 1111‘ net! ins Lebcn gerutcne Progmmm. “South African Women in Dialogue„ (SAWID).
Die Bahá’í nnhmcn an Vielen Nebcnvcrunstaltungen tei], Oder organixicrtcn diese. SO wurdc der ()bcn gcnzmnte Workshop iibcr Handel V01] anin Huinxwmth organisicrt. die (?lolmrimnnicns National Alliance ot Women's Organizations und die britische Bnhfi’iiwmcinde vertrat. Viele 1331151„kVCI‘tIetcrinnc-n
und Vcrtrctcr nutztcn dic Gelcgcnhcit ZLIerrnctzung und zu Gcspriichen mit andercn Fraucnorgnnisationcn und RcgicrungsvcrtrctcrnV um den Fortschritt der Frau voranzubringcn.
Kit Bigclow, venmtwortlid] für cxtcrnc Angelegenllcitcn der Bahá’í—Gemcindc der USA, erziihltc, dass es ein Sclnwrpunkt der amcrikani\chen Bahá’í—l)clcgation sci, dic Rntifizicrung def UNOKnmcntim) zur Beseitigung
jcder Form V011 l)iskriminic rung der Frauen (CEDAW) durch die USA voranzutrcibcn. „Unser Ziel bei dieser Konfercnz war es. uns Wissen nnzw cigncn und Informationcn zu crhalten, um unserc Arbcit für den Fortschritt dt‘l Frau in den Vcrcinigtcn Staaten verbcsscrn zu kimncn“. so Kit Bigclow waiter.
„])ie Rolls der CEDAW bei der Fblderung dicscr beiden Zielc wurdc wlihrcnd der Tagung hcrvorgchobcn. Has unterstiitzt unscrc Arbcit fiir die Unterzeichnung diesc‘s Veltmgs dmch div: USA. ALIBerdcm werdcn die hier 111ittinnndc1‘ gctciltcn Informationcn fiber Mcthodcn. wie Frauen sich bcsscr .m Entwicklungsalbcit bctciligcn kéinncn, cine ngSc HiltL‘ für uns sein, wcnn cs durum gcht, disses Thcmn v01] und ganz in die Arbcit v01) US—chicrungsorganisutioncn für internationale Entwicklung zu integrieren“,
sngt Kit Bigclmv. I
„Die Kommission erlmnnte sehr bald nach ihrer Gründung, dass der Erfolg ihrer Mission zu einem grojlen Teil van Verbfindeten abhdngen würde. Also “Moss Sid! die Kommission mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen. Bei ihrer enten Tagung im luhre 1947 hbrte sie 12 Frauenorganisafionen an. “ V
Rachel Mayanja, UNSonderberaterinfl'Jr Gesch/echterfragen und den Fortschritt der Frau
Die First Lady von Sadafrika, Zane/e Mbeki (rechts), mit Bani Dugal, der Hauptreprdsentantin der Bahá’í International Community (BIC) bei den Vereinten Nationen (links) bei einem Empfang in den Rciumlichkeiten der BIC in New York wdhrend der Kommissiontagungfijr die Rechts ste/Iung der Frau.
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Nura Behjat I'm Gesprdch mit Jessica von Ahn vom Bonner„Radio Bahá’í„. Die 77—jdhrige Schulerin bekam sehr vie/ Be/fa/lftjr ihren Vortrag „Let your Vision be World Embracing. Behjat verdeutlichte wie Empowering von Miidchen in moralisch höchstehender Bildung zur Entwicklung
beitragen kann.
K - ONE COUNTRY
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Ohne Zusammenarbeit der Geschlechter kein Fortschritt: 10 Jahre Bahá’í Frauen Forum
1996 wurde dds Bahá’í Frauen Forum (BFF) in Deutsc/zland mit dem Zielgegrzmdet, die Rolle
der Frau zu starleen 50 wie beidc Geschlechter 2'14 gleiclzberec/zrzgten, glciclzwemgcn lmd siclz ergémzendm Mitgliedem der Gesellsclzqft zu machenjetzt trqfen siclz 70 ExpertcnIr/men zum jubildtm: in Bonn.
CNN 7 2007 stcht 1111 Mittclpunkt der 51. Sitzung der UN Frauenrechts—Kommission das Thelma „Gi1‘1—Child — Die
Bcscitigung jeglicher Diskriminierung und Gcwalt gegen Miidchen“. Die Bonner BBF—Tnggng [desclliifiigtc sich untcr dem Schlagwort „Mlidchenpower“ mit dem Ausblick nuf das, was sich weltwcit im nichstcn jnhr abspielen 5011, um Miidchen darin zu stiirken, ihrc Bclange selbstbestimmt und selbstverantwortlich zu gcstaltcn. Es geht daher um schulische Férderung von Miidchen ebcnso wie um ihrcn Schutz vor Gewalt. Kuriosum am Randc: BFF wird die Mitglicdschaft 1111 Deutschen Frauenrat uufgrund seines zu hohen mlinnlichen Mitgliedelzmtcils verwehrt.
Mit Blick aufdie Gesamtsituation weltweit betonte BFF—Vorstandsmitglied Gisu Meicr—Floeth: Gesellschaftlich bctciligen kzmn sich nur, wcr in der Luge ist, die Stimme zu
erheben,\ve1‘ in cincr einigc‘1‘maßen sichcrcn Situation ist. wcr sich mutig gcnug fiihlt und wcr jewcils notwcndigcs Wissen und Fiihigkeiten ausgebildet hat. Empowerment V011 Miidchen und Frauen fiihre letztlich zur Teilhabe dc‘s weiblichen Geschlcchts, und damit zum gcscllschaftlichen \X/zmde]. Abcr nur dnml ergebe sich cin Wandel, wenn die edlen [deem akchtiert und V0n beiden Ceschlcchtern praktiziert werden.
Dass cs letztlich auf eine Zusammenarbeit der Geschlcchtcr ankomme. nicht auf eine Trelmung, 20g sich als Überzeugung durch die gcsamtc Tagung: Die Refercntinnen stellten stets die „Mlidchenpowcr“ in Bczug zu gcscllschafihcherVeriinderung, die nur beide Geschlechter gcmeinsam bewirken kfmncn.
Menschenhandel und Prostitution von Méidchen
Maren Krbger stellte zur Fragc „Was macht Miidchen stark?“ Projektbcispiclc von Plan International vor. D215 Kinderlfilfkwcrk engagiert sich weltweit für Kinderrcchte und Teilnahmc von MiidChen. Kréger berichtetc v01] weltweiten Jugendprojekten, eincr Zeitung flirjugendlichc, einem Projekt zur Prévention von fi‘fihen Schwangerschaften und cincm Radioprojekt. Letzteres war im vergangcncn jahr mehrfach ausgczcichnct worden. „Dass jugcndliche sich sclbst bcweisen kéjnnen, dass sie ihrc Situation und ihr Umfcld iindern kélmcn,
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war dabci dds \X/ichtigstc“. so
Kriigcl.
Auf der Suchc mach Arbcit geratcn immcr mchr Miidchen in die Fiingc v01) Mcnschenhiind]crn. Div: UNICEFvHochschulgruppc Bonn priiscnticrtc sin daruuf ausgcrichtctcs ijckt zum Schutz der Miidchen \‘01‘ Prostitution in Moldawicn. UNICEF untcrstiitzt zu dicscm chck Familicn in Moldawicn, um die Kinder und Jugcndlichen mit einem Iclntiv nbgcsichcrtcn U111fl‘1d \‘01‘ Menschenhundcl zu schiitzcn. Das Hilfiswcrk def UN sorgt zudcm fi'n dic- medizinixchc Lmd psyclmlogischt Bctrcuung der ()pfcr und kliirt in Schulcn und chtungsstellcn iibcr Gcfilhrcn auf. Gefiirdert \Vild
- ulch die Fortbildung von Lchrcndcm Sozinlarbcitcmlnncn
und EltorlL
Hcide Schtitz.Vor&itzcndc dcs Vcrcins Frauen thzwcrk fiir Fricden (FNFL bmchtc zur (Icltung. dass Fricdcn cin Mcnschcmecht sci. Abcr „nur durch Vcrnctzung crhlilt das Strcbcn nuch Fricdcn sine cffcktive Schubkmtt." Ziel dos FNF ist die Stlilkung dCl Fricdcnskultur. K(mstruktiw Konfliktbmrbcirung und (?cndersensibilitiit und Gonderbnlnnce sind Arbcitstcchniken. Seit 19W) koopcricrt das FNF weltwcit vorwicgcnd mit Frauen und Fruucnorganisntionen. In der UN Dekadc der Kultur dcs Fricdens und der Gc\\';11tfi‘cihcit stlirkt dus FNF Friedcnsprozcssc. in der Alltagskultur \Vic in intermtionalen Bczichungcn.
Und viclc Miidchen und jungc Frauen lcistcn cngagicrt
ihrcn Bcitrng zum Friedcn. Zwei Schiilcrinncn eincr IU.
Klnssc, _I.mn;1 Barz und Vnnessa Zinnncrmann, sind uls Streitschlichtcrinnen untcr Schiilcrlnncn tlitig. Sic bcrichtcten \‘011 ihrcn poxitivcn Ertahrungcn. Mutig trctcn jungc Frauen weltwcit für Fricdcn, (?crcchtigkeit, Mcnschmrcchtc,Versbhnun" Uutc
bb
Rcgicrungsftilnu11gund01(0logic cin. Lcuchtcndc Beispiclc sind vom Nationnlcn (icistigcn Rat der Bahá’í in Snmbiu gcxnmmclt i1) ..I(NH) IcaceWm mcn Across the Globe" untcr
www. ]1N)()pcacmvmncn.org.
Christen, Moslems und Bahá’í an einer Schule
Und du war der Erfalr
rungsbcrichr von Num Bchjnt. die einen Austuusch in der 1 |.
Klassc am BFF—lartnerpmjckt Banal]i—MLidchenschulc in Snmbin nbsolvicrtc. Sic organisiertc für dic vom Namp nalen ()cistigcn Rat Sambim gcgriindctc Schulc Spcndcn und latcmchaftcn. qucn und Mlinncrn aux Sambia. ubcr auch ALIS Kanadn. USA. Austrnlicn und den anhcgcndcn afi‘iknmschen Ländern arbcitcn dort 4119 Lchrkrliftc Unter ih11011unddcnSchülerinnmsind
Christen, Moslems Lmd 13311511.
ZicI istdcn Miidchen in cincm der iirmstcn Stunten Afi‘ikds cincn \vcrtvollen Schulubxchluss zu crmöglichen. Die linnaniMlidrhcnschule wird liingst zu cincr der bestcn Sclmlcn Sambias und zu den bcstcn 11H)
Schulcn ganz Afi'ikax gcziihlt.
„l)ic Schulc bietct sowohl cine cxzellcntt intcrnationale Ausbildung, die zum Studium An xiimtlichen rcnommicrtcn
Uniwrsitiiten bcfihigt. (119 and] eine fimdicrtc rcligibsc und nmralischc ErzichungN so Bchjat. Sic profiticrc sclbst thcmutisch nls LlLlCll dLn Ch die gmvonncnc chenscrthhrung. \‘0 die Abituricntin. (?Iundtcnor der Bonner Tngung war: Miinncr und jungcn miisscn in dcn Prozcss cingcbundcn wcrdcn, MLidchen und jungcn sown] dcxhalb zumTcil much gcmeinsum geféjrdert \wrdcn. Die (Icschltchthwrspcktive diirfi‘ dnbei jedoch nicht aus dcm Blick VC‘I‘IOI'CH \xcrdcn.Dic11un schon zehnjlilnigc Arbcit dos BFF in dicsc Richtung emtctc großc Zusrimmung. Für dic Zukunft blirkc dns EFF \mL stiilkt Jllfdic Zusunnnenarbcit mit andercn ()rganisationcn, um den Fortschritt zu Rirdern Lmd zuglcinh die Bedcutung der C}lcichlwrcchtigung tiir die kiinttigc Zivilisution im Bcwusxtscin aller zu VCltichn, so (?isn Mcicr—Flocth. Mit oi; 11cm Rückblick aufdic (hiim derjuhrc Lind dic Arbcit der letztcn zchnjahrc beendctc [)1‘. Ingcborg Frankel) den FCSLIL’L Ummhmt von Angelika (10cm ((Ecsnng) und Rinz Khabirpour ((iiturrc) klang cinc \Viirdcvol1c jubilliumsfc-ic-r nus. dic JHC Bctviligtcn mit cincm grolkn
Anspmn zu weitcrcm Engugc 111c11tc11t1icf3.‘
Heide Schiitz, Vorsitzende des Vereins Frauen Nettwerk für Frieden (FNF), brachte zur Geltung, days Frieden ein Menschenrecht sei. Ziel des FNF ist die Stairkung der Friedenskultur. Aber„nur durch Vernetzung erhält das Streben mull Fneden eine effektive Schubkm . “
Der neue Vorstand des Bahá’í—Frauen—Forums (von links): Shila Behjat, Gisa Meier—F/oeth, Elisabeth Mah/sch/egel, Heidi MUM sch/ege/ und Ruth Granbaum (nicht im Bi/d).
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Kanada: Neuer Ansatz zur Werteerziehung zeigt beachtliche Ergebnisse
Einige der Kinder und EItem, die sich am FamilienWerte-Frdhstiick beteiligen, hier bei einem Zusammentrefi‘en in der Sportha/le des Turtle Island Neighborhood Center im Lord SelkirkPark von Winnipeg.
ERmEHUNG
INNIPEG, MANITOBA, KA NADA — Wenn
die Beamten der stédtischen Gesundheitsbehbrden ihre morgendlichen Rundgänge machen, um gebrauchte Spritzen aufzusammeln, ist der Stadtbezirk mit dem Lord Selkirk Park am Nordrand V011 Winnipeg oft ihr erster Halt. Dies ist eine Maßnahme gegen Probleme, an welchen der Bezirk mit dem niedrigsten Pro—Kopf—Einkommen und dem höchsten Prozentsatz alleinerziehender Familien unter allen Stadtbezirken in dieser kanadischen Großstadt, zu leiden hat. Einen Hoffnungsschimmerjedoch gibt es jeden Sonntag morgen während des Schuljahres,
R ONE COUNTRY 4/2006 - SEITE 16
Dann strömen dutzende von Kindern aus dem Gebiet in das Turtle [5land Neighborhood Center, um zu frühstiicken, zu basteln, Freundschaft zu pflegen und die Möglichkeit zu nutzen, die menschlichen Werte zusammen mit anderen zu fdrdern.
In diesem Jahr zieht das von den Bahá’í in Winnipeg 2001 gestartete Familien—Wer
te—Friihstiick Wéchentlich 80
Kinder und Eltern an. Es ist
nach den Worten V01) Nicole
Richard, einer Mutter, die
schon scit etwa zwei jahren
mit ihren Vier Kindem dabei
ist, zu einer „SonntagmorgenTradition“ geworden.
Wenn auch Viele Familien anflinglich die Aussicht auf kostenloses Essen anzog — normalerweise Pfannkuchen, Arme Ritter, Kartoffelpllffer, Schinken Oder Wurst und Saft — so wurde doch die anhaltendc Attraktion des Programms zum Schwerpunkt, neimlich den Kindern beim Aufbau positiver ethischer Fähigkeiten zu helfen.
Die Werteerziehung läuft ohne Vortreige Oder struktu rierten Unterricht ab.Viclmehr
lehren Freiwillige die Werte nach einer interaktiven Methode. Dazu gehören Basteln, Malen, Lesen und Spiele. Weihrend dieser Aktiviteiten bemühen sich die freiwilligen Projektmitglieder werteorientiertes Verhalten zu f‘érdern, indem sie es selbst vorleben. Und sie sind bestrebt, die Kinder in ihrem positiven Verhalten zu bestärken. Es liegen speziell markierte Karten
bereit, auf 01611611 Werte wie Héfiichkeit, Freudigkeit Oder Wahrhaftigkeit dargestellt sind. chn ein Kind sich dementsprechend vcrhalt, bekommt es cine Karte.
„Unser Zicl ist vor allem, dass die Kinder und Erwachsenen diese Werte bewusst erleben“, berichtet Stephanie Bloodworth, eine Bahá’í, die sich freiwillig an dem Programm bctciligt. „Wir 1116chten auch, dass es interaktiv ist.“ Diejenigen, die das Programm von außen bcobachten, sind sich einig, dass die einfache Methods des Projekts wirksam ist. „Ich weiß, dass es für jede Organisation schwer ist ein Programm zusammen zu stellen, das die Familie als Ganzes anzieht“, so Shon Haynes, der bis April der Programmkoordinator im Turtle Island Center war. „Zum Friihstiicksprogranun kommen 70 bis 80 Familien zusammen. was mich Wirklich überrascht. Es ist nimlich iiuBcrst schwer Familien dazu zu bringtn, etwas gemeinsam zu unternthmen,“ Haynes fiigte hinzu, dass die Idee,Werte vorzuleben statt darijber zu reden, Cine Wichtige soziale Innovation
[Seite 17]
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Begonnen hat dds Familien- Werte- , Friihstiick 2001 als freiwilligel Dienst der Bahá’í van Winnipeg. lnzwischen zieht es wfichentlith rund 80 Kinder und Eltern an. E5 wurde, so meint eine Teilnehmerin, zu einer„$onntagmorgen- Tradition“.
Nicole Richard, hier zusammen mit dem Jangsten ihrer vier Kinder, kommt seit etwa zweijahren zu dem Bahá’í—gesponsorten Familien-Werte-Friihsttjck. Sie sagte, dass die rege/mdfligen Teilnehmer sich„wie eine groffe erweiterte Familierh/en."
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[Seite 18]
Bahá’í—Lehrstuhl für Weltfrieden
an der Universitét von Maryland
neu besetzt
Dr. John Grayzel tritt die Nachfo/ge von Prof. Suheil Bushrui als Inhaber des Bahá’í Lehrstuhlsftjr Weltfrieden an der Universität von Maryland an.
„ Was vielleicht die griifite Errungenschaft Professor Bushruis war, in, dam weite akademische and politische Kreise affiziell anerkannten, dass für die Friedensbildung ein umfassenderer Ansatz notwendig ist. “
Dr. John Grayzel
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OLLEGE PARK.
Maryland, USA Neucr Inlmber des Bahá’í-Lehrstuhls für Weltfricden an der Universitdt von Maryland ist Dr.]0hn Grayzel. Der Auftrag diesc‘s Lehrstuhls ist es, Bahá’í—Perspcktiven und Erfahrungen zu den Themen „G10bzllcr Friede“ und „Soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit“ einzubringen und den Wcrt kultureller, ethnischer und rassischcr Vielfalt einflichn zu lassen.
Grayzel war bislang hdhercr Beamte der US—Bchérde flir Internationale Entwicklung. Er lést Professor Dr. Suheil Bushrui ab, den ersten Inhabcr dieses Lehrstuhls. Bushrui hatte diese Position scit 1993 für schaffensreiche 12 jahrcn inne. Grayzel duBert sich amerkennend: „Dr. Bushrui schuf praktisch die gesamte Basis für die Arbeit des Lehrstuhls. Es g211t,21n einer siikularen Universitfit Thcmen im Lichte der Gcistigkeit zu untersuchen und zu lehrcn. Dr. Bushrui war 56hr erfolgreich dabei. Er konnte Vertrauen in Lmd Bewunderung für neue Ideen hervorbringcn.“
Der Bahá’í—Lehrstuhl für Frieden ist Teil des Zentrums fiir internationals Entwicklung und Konfliktnmnagemcnt an der Universitdt V0n Maryland Dort Wird die Meinung vertreten, dass „Friedensbi1dung und gerechte Entwicklung zwci Seiten der glcichen Medaillc sind“. Der Direktor des Zentrums, Jonathan Wilkenfeld, begrößte die Ernennung Grayzels.
William E. Kirwan, Kanzler der Universitfit, hiclt fest,
dass mit Hilfe diescs Lehrstuhls die Wertt des Bahá’í—Glaubens den Campus der Universitiit durchdringcn und so die wichtigsten Werte und Aktivitiiten der Universita't unterstiltzen. „Dies ist der erste Bahá’iLehrstuhl, den 65 gibt, Er war cine meiner wichtigstcn Initiativen 31$ Priisident des College Park Campus.“
Was sind die neu anzupackenden Vorhaben in Lehre und Forschung? „Nun gilt cs, Kernbereiche zu finden, bci dencn der Lehrstuhl eine entscheidende Rolle dabei spielen kann, Menschen mit verschiedenen Perspektiven und Religionen zusammenZuführen“, 50 Grayzel. Er fiigt hinzu: „Besonders wichtig ist 65, die menschliche Vielfalt schfitzcn zu lernen. Denn so schaffen wir 65, über blOBC Toleranz hinauszugehen. Wir müssen zeigen, dass dieVielfalt der Mcnschheit eine Bereicherung ist.“
Dr. Bushrui wird an der Universitiit von Maryland bleiben und als Professor fijr das Khalil Gibran Forschungsund Studienprojekt tatig sein. Bushrui ist nicht nur für seine wcgweiscnden Studien über die Werke vonW B.Yeats und seine chrsetzung V011 Yeats loesie ins Arabische bekannt, sondern auch als Experts fiir den Dichtcr Khalil Gibran. Riickblickend meint der mittlerweile Siebenundsiebzigjiihrige „Ich denke, meine Aufgabe als bisheriger Inhaber des Lehrstuhls war 65, dicsen zu etablieren, ihn cxistenzfähig zu machen und zu erreichen, class er von meinen Kollegen an der Universitiit an crkannt wurde.“
...Das habe ich gcschafft. Nun ist es an der Zeit, dass ich mich L111] anderc Dinge k Limmerc.“
Wiihrend seiner Zeit als Lehrstuhlinhaber erwarb sich Dr. Bushrui große Hochachtung fijr sein umfassendes Wissen und seine Gelchrsamkeit. 2003 wurdc der Dozent 111it dem Juliet Hollister Preis fiir „hemusragende Diénste an der interreligiösen Verstlindigung“ ausgczeichnet. Der Hollister Preis Wird von der gemeinnfitzigen Gesellschafi Temple of Understanding in N chork verliehcn und ist der interreligidsen Verstfindigung gewidmet. Weitere Preistréiger sind der siidafrikanische Prilsidcnt Nelson Mandela, die ehemalige UNO—Hochkommissarin für Menschenrechte Mary Robinson, Königin Noor von Jordanien, und der Dalai Lama.
Grayzel ist ebenfalls Bahá’í, hat an der Stanford Universitfit jura studiert und an der Universitiit von Oregon in Anthropologie promoviert. Er war 27 jahre in der US—Behérde für internationals Entwicklung (USAID) tétian Projekten zur engagierten Konfliktlbsung, lokalen Regierungsfiihrung, dcm Management natürlicher Ressourcen, dem makro— und mikroékonomischen Wachstum, zur Politikreform, flir technologische Innovation und zurVerbesserung primlirer, sekundlircr und tcrtiarer Bildung in Entwicklungsliindern Seine Arbeiten führten ihn in mehr 31$ 50 Staaten. Er lebte 20jahre in West— und Zentralafi‘ika, in Indien und auf den Philippinen. Außerdem diente er dcm US—Friedenskorps. I
[Seite 19]
Parlamentarischer Abend
zur Situation der Baha 1 im Iran
ERLIN — 1111 Iran
nehmen die systema tischen und smatlich angeordneten Verfolgungen von Bahá’í zu, was in Vielen Lindern größte Besorgnis über einen drohendcn Rückfall in die blutigcn Exzesse der fi'fihen 8061‘ jahre ausléist. Mit willkfirlichen [1111;1fii01‘u11g611, Konfiszierungcn V01] Eigentum, Zerstéjrungcn V0n Heiligen Stätten, Schiindungcn von Fricdhéfen find einer smatlich gclcnktcn Dcsinfbrnmtionskumpagne in den Median $011 die [uteglitlit der Bahá’í nusgchéihlt wcrdcn.
Angcsichts dicser sich verschlcchtcrndcn Luge bat sich die internationalc Staatengellleinscbaft bci zahlrcichen Gelcgenheiten besorgt gezeigt. Auch in Deutschland hat sich der Deutsche Bundesmg seit 1979 injederWahlpcriode um die Lag€ der lellzii im Iran besorgt gczeigt.
V01“ diescm Hintclgrund veranstaltete der Nationals Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland 3111 17. Oktober 2006 in der renommitrten Deutschen Parlmnentarischen Gesellschaft in Berlin zum ersten Mal einen Parlamentnrischen Abend zur Luge der Bahá’í in] Iran.
Im Vordergrund des Abends, zu den) die Abgeordneten des Deutschen Bundestagc‘s und ihre Mitarbciter eingeladen waren, standen die jfingsten Entwicklungen der Verfolgungen und deren WurZtln sowic die Möglichkeiten der auswärtigen Menschenrechtspolitik der Bundesrepublik Deutschland und der Europiiischen Union.
Der Sprcchcr derAG Menschenrcchtc der SPD—Bundes tagsfi'nktion 1111 Deutschen Bundestag. Christoph Strisser, übernahm die Schirmherrschaft. Er warnte gleich zu Beginn davor, das Schicksal der Bahá’í im Iran trotz der breiten Diskussion um die Atombewaffnung des Landcs nicht gering zu schitzen. Der Deutsche Bundestag und sein Menschenrechtsausschuss scien pridestinicrt dazu, hier Initiative zu ergreifen, sich durch das Auswiirtige Amt über die Luge Clt‘l Bahá’í berichten zu lasscn und sich gegenfibcr der irnniscbcn Regierung zu positionicren. „Wir 111s Parlamenmrier wollen uns datum kfimmern, dass die Problems der Bahá’í im Iran ernstcr uls bisher genommen werden“, sagtc Striisscr,
Die Verfolgungen der Bahá’í im Iran nehmen
- u, rutschen aber unter
die Wahrnehmungsschwelle
1m Anschluss fasstc dchcrtreter der Bahá’í—Gemeinde in Deutschland, Prof. Dr. Ingo Hofmann, die gegtnwiirtige Luge der Bahá’í im Iran zusammen. Der Balm, der über der Bahá’í Gemeinde 1111 Iran liegt, mfissc aufgehoben warden, so HofinamL „Wir verstchen die Zurückhaltung der Bundesregierung nicht“, sagte er. „Wir müssen gegenüber dem Iran cine klare Sprache sprechen.“
In ihrem Referat gab Frauke Seidcnsticker, stellvcrtretende Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, einen Überblick über den Menschenrechtsdialog, den die Europaischc Union mit dem Iran seit einigen Jahren führt. “Das ist eine sehr schwierige
Frage“, rfiumte sie ein. Dies liege zum einen daran, dass die Instruments, die für die internationale Menschenrechts arbeit zur Verfiigung stehen,
ihrc Grenzen hiitten. „Doch in allererster Linie liegt es an der "ziuBerst schwierigen Lage der Bah"i im Iran.“
umfassende Einschrankungen
Es gabc
und Bedrohungen auf vielcn Ebenen.
„Ich bin daher nicht übermliBig optimistiscb, da das Thema der Bahá’í aus bisherigen Menschemechtsdialogen — nicbt nur dem der EU — weitgehend ausgeblendet wurde“, sagtc sie unumwunden,
Gfintcr Nooke, der Beaufragtc der Bundesregierung für Menscbenrechte und Humanitfire Hilft im Auswlirtigen Amt, stellte fest, dass durch die nukleare Bedrohung Sicherheitsfragcn Wichtiger geworden seicn als zuvor. Dadurch seien die Verfolgungen an den Bahá’í untcr die Wahrnehmungsschwelle gerutscht. Der Menschenrcchtsdialog sei hicr ein Instrument, welches durch andere crgiinzt werden müsse. Niemand solle denken, das Auswiirtige Amt würde das Problem klein reden, so Nooke. „Es geht nicht nur um ein paar Mcnschen, sondern um 350.000 Menschen“, so Nooke.
Die US—amerikanische Anti—Defamation League äußerte bereits die Ansicht, dass die Direktivc des Obersten Kommandorates des Militiirs „Erinnerungen an die Mafinahmen gegen die Juden in Europa und gefzihrliche Schritte auf dem Weg zu den Nfirnberger Rasscgesetzen“ in sich trage. I
„ Wir al: Parlamentatier wollen uns durum Wmmem, dass die Probleme der Bahá’í im Iran emster als bisher genommen warden“
Christoph Strdsser, Sprecher der AG Menschenrechte der SPDBundestagsfraktion im Deutschen Bundestag.
ONE COUNTRY 4/2006 - SE1TE19
Professor Dr. Frederick Mayer
„Echte Religion ist ein Kampfgegen die Gleichgültigkeit. Sie will wachrfitteln. Fast alle Religionsgemeinschaflen bemühen Wunder. Du: wirkliche Wander besteht aber darin, dass wir unsere kreativen Krfifle anwenden und dadurch cine bessere and gerethtere soziale Ordnung schafjen. “
Frederick Mayer
K ONE COUNTRY
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