One Country/2006 Nummer 3/Text
[Seite 2]
IMPRESSUM
ONE (oumnv wird herausgegeben von der Bahá’í Internationa| Community, die als NichteRegierungs-Organisation bei den Vereinten Nationen die weltweite Bahá’í‘Gemeinde représentiert. ONE Coumkv, Office of Public Information, Bahá’í International Community, Suite 120, 866 United Nations Plaza, New Vork, New York10017,USA, E-Mail:1country@bic.org. Chefredakteur: Brad Pokorny. Chef vom Dienst: Ann Boyles. Auslandsredaktio , nen: Nancy Ackerman (Moskau),ChriStine Samandari-Hakim (Paris), Kong Siew Huar (Macau), Guilda Walker (London). Deutschsprachige Redaktion: Stephan Pernau,Gerhard Schaper, Stefan Spiegel.
E»Mail: roc@bahai.de.
Freie Korrespondenten: Sarvenas Enayati / Hilde Fanta (Csterreich), Silvia Frbhlich (Schweiz),Jutta Bayani (Luxemburg). Geschäftsfijhrung: Hartmut Nowotny, Arezu Braun. Übersetzerpool: Lisa Hiemer. Beitrége aus ONE COUNTRY können kostenfrei nachgedruckt werden unter Angabe der O_uelle.
Anschrift: ONE COUNTRV, Eppsteiner Str. 89, DA65719 Hofheim-Langenhain, Germany.Te|.+49-6192-99290,
Fax +49-6192-992999. Herausgeber der deutschsprachigen Ausgabe: Nationaler Geistiger Rat der Bahá’í in Deutschland e.V.
Einzelheft: Euro 2,25/SFr4,-.Jahresabonnement: Euro 8,-/SFr15,7(incl. MWSt u. Porto). Die Zeitschrifl kann beim Bahá’í-Verlag, Eppsteiner Str. 89, 65719 Hofheim-Langenhain, bestellt werden.
Copyright1999-2006 by Bahá’í International Community. ISSN 0945-7062. Gedruckt auf1oo% Recydingpapier.
El.. 3/2006 — SEITE 2
OTTAWA. - Romeo Dallaire, kanadischer Senator und General a.D., der den Einsatz der Friedenstruppen der Vereinten Nationen in Ruanda während des Völkermords befehligte, forderte die Internationale Gemeinschaft 6ffent|ich auf, sich darauf vorzubereiten, die Bahá’í im Iran vor möglichen Übergriffen in Schutz zu nehmen.„|m |ran,wie auch in anderen Gegenden,wie beispielsweise in Darfur, wo Unrecht geschieht, muß die Internationale Gemeinschaft eingreifen können, bevor Zivilisten zu Schaden kommen,“, sagte General Dallaire in einer Mitteilung vom 26. September 2006.
„Auch wenn Bösewichte nach ihren Vergehen bestraft werden, so ist dies als weltweite Reaktion auf kulturelle Séuberungen oder andere Verbrechen gegen die Menschheit sehr unzureichend“, sagte er weiter. „Seit dem Holocaust während des Zweiten Weltkrieges haben Regierungen immer wieder den Satz ,nie wieder wiederholt. Und doch kommen Übergriffe vor“, sagte General Dallaire.
General Dallaire verwies aufdie kUrzliche Entdeckung eines Geheimdokuments, in dem die obersten iranischen Befehlshaber die Staatssicherheit, die Armee, Polizei und Revolutionsgarde auffordern, Listen von den iranischen Bahá’í zu erstellen und sie zu Überwachen.„Solche Bestandsaufnahmen und das lns—Visier—nehmen von Zivili Der Expertefiir Genozid, Romeo Dallaire, sorgt sich um die Bahá’í—Gemeinde im Iran [Foto: Jean—Marc Carisse/ Ottawa]
Der UN-Experte Für Genozid, Romeo Dallaire, sorgt sich um die Bahá i-Gemeinde im Iran
sten aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen oder Rassenzugehérigkeit ist der erste héssliche Schritt zu systematischer Gewalt und Verbrechen gegen die Menschheit“, sagte General Dallaire. General Dallaire drUckte auch seine Sorge Über eine von der Regierung finanzierte Pressekampagne gegen die Bahá’í im Iran aus.„Aus meiner Erfahrung in Ruanda und mit anderen Konflikten weiß ich, dass die Welt sehr genau hinschauen sollte, wenn die Medien eines Landes damit anfangen, Hasspropaganda gegen eine Bevblkerungsgruppe zu schUren“, sagte er. Dallaire merkte auch an, dass die willkUrlichen Festnahmen und Inhaftierungen von Bahá’í im Iran zunehmen.
„Ich mache mir große Sorgen darÜber, dass die iranischen Bahá’í von dem Regime mit den verwerflichsten Absich
ten gezielt ins Visier genommen werden“, sagte General
Dallaire.Genera| Dallaire befehligte die Friedenstruppen
derVereinten Nationen als
General der kanadischen Armee 1994, als 800.000 Männer, Frauen und Kinder innerhalb von 100 Tagen ermordet
wurden. Geschockt Über den
weltweiten Unwillen,einzugreifen und den Völkermord
zu beenden, setzt sich General Dallaire seitherfUr die
Beilegung von Konflikten und
das Einhalten von Gesetzen
ein. Der pensionierte General
wurde 2005 in den kanadischen Senat ernannt, wo er
Quebec représentiert. General
Dallaire ist Autor von „Shake
Hands with the Devil“, in dem
er seine Erfahrungen in Ruanda beschreibt.Vor kurzem
wurde er bei den Vereinten
Nationen in das Komitee zur
Verhinderung von Völkermord
berufen.
L <1) .5 U m u
- 1
(v D
MenschenrechtsFilmpreis
NURNBERG.- Mit 192 Einreichungen zum Deutschen Menschenrechts—Filmpreis verzeichnen die Veranstalter in diesem Jahr einen neuen Teilnahmerekord. Gegenüber dem Wettbewerb 2004 erhbht sich die Zahl derteilnehmenden Produktionen um 20 Prozent.
Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis wird am 9. Dezember 2006 in NUrnberg in drei Kategorien vergeben: Die Jurys entscheiden über die besten Produktionen aus den Bereichen „Amateure“, „Profis“ und „Filmhochschulen".
Überein Drittel der Fil 192 Produktionen unterschiedlicher Genres gehen ins Rennen um den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis
me behandeln Menschenrechtsthemen aus Deutschland. Héufigster Gegenstand der Produktionen sind die Aspekte FIucht und Asyl, Menschen mit Behinderungen und Deutschland im Dritten Reich. Der Themenbereich FIucht und Asyl wurde in insgesamt 17 Filmen umgesetzt und fUhrt damit die thematische Rangliste an.
Zum ersten Mal wurden in diesem Jahr Filmhochschulen aufgefordert, ihre Produktionen zum Thema Menschenrechte einzureichen. Claus Laabs, Koordinator des Deutschen MenschenrechtsFilmpreises:„Fi|me mUssen gesehen werden, um zu wirken. Beim Thema ,Menschenrechte gilt diese alte Weisheit besonders. Deshalb freuen wir uns, dass wirjungen Filmemachern mit ihrerTeilnahme am Deutschen Menschenrechts—Filmpreis die Möglichkeit an einer 6ffent|ichen Présentation ihrer Produktionen bieten können.“ In der
Kategorie„Filmhochschule" wird ein Sonderpreis in Höhe von 1.000 Euro an den Sieger vergeben. Die Preisgelderfflr Amateur- und Profiproduktionen betragen 1.500 Euro far denjeweils Erstplatzierten, 1.000 Euro flirdie Zweit— bzw. 500 Euro for die Drittplatzierten.
Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis prémiert im zweijaihrigen Rhythmus herausragende Filmproduktionen zu allen Aspekten der Menschenrechtsarbeit.Veranstalter des Wettbewerbs sind 16 Menschenrechtsorganisationen, konfessioneHe und kommunaleTréger — darunter auch der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland. Im Rahmen derVerleihung des Preises am 9. Dezember 2006 in der Nflrnberger Meistersingerhalle wird auch die Menschenrechtsarbeit der deutschen Bahá’í-Gemeinde vorgestellt.
15 Friedens-Nobelpreistréiger mahnen UN-Mitglieder
Kontrolliert den weltweiten Waffenhandel!
BERLIN — Der Dalai Lama, Desmond Tutu, amnesty international und zwélf weitere Friedensnobelpreistréger haben die internationale Staatengemeinschafi im Oktober aufgefordert, in der UN-Generalversammlung mit ihrer Stimme den Weg fUr ein globales Übereinkommen zur Kontrolle des Handels mit konventionellen RUstungsgfltern freizumachen. Die Preistréger wandten sich in einem entsprechenden offenen Brief an die Regierungen. Die Abstimmung gilt als wegweisend fUr die weitere internationale Regulierung der RUstungskontrolle.
Über 100 Regierungen haben bereits angekijndigt, mit Ja zu stimmen — darunter auch Deutschland. Damit waire eine Mehrheit in der Generalversammlung erreicht. Sollte die Resolution angenommen werden, könnten schon bald konkrete Verhandlungen fUr ein verbindliches Waffenhandelsabkommen unter dem Dach der Vereinten Nationen beginnen. Dies wäre ein entscheidender Schritt, um die erschreckenden LUcken und Schlupflécher bei der Regulierung weltweiter RUstungstransfers endlich zu schließen. Nur so könne verhindert werden, dass weiter hin RUstungngter im großen Umfang zu Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen eingesetzt werden, heißt es in einer Presseerklärung. Folgende flinfzehn Friedens—Nobelpreistréger haben den offenen Brief unterzeichnet: American Friends Service Committee, amnesty international, Oscar Arias, Dr. Mohammad El Baradei, Shirin Ebadi, Adolfo Pérez Esquivel, José Ramos Horta, Internationale Ärzte für die Verhijtung des Atomkrieges, Dalai Lama, Mairead Corrigan Maguire, Rigoberta Manchu, Desmond Tutu, Lech Walesa, Betty Williams und Jody Williams.
EUROPA-MAGAZIN
K ONE COUNTRY
3/2006 - SEITE 3
‘ Von Bani Duga/ Hauptreprdsentantin der
Bahá’í International Community bei der UNO
PERSPEKTIV
LI 0, ONE COUNTRY 3/2006 - SEITE 4
Iran und die Herrschaft des Gesetzes
er Respekt fUr Menschenrechte ist deut|icher Indikator dafijr,
wie weitgehend sich eine Nation der Herrschaft des Gesetzes, humanitérer Prinzipien und der Aufrichtigkeit in ihren 6ffentlichen Angelegenheiten verpflichtet fijhlt. Und es gibt kein besseres MaI'S danr, in wieweit sich Iran tatséchlich den Menschenrechten verpflichtet fUhlt, als die Art und Weise, wie seine grdBte religiöse Minderheit, die 300.000 Mitglieder umfassende Bahá’í-Gemeinde, behandelt wird, die auf Grund ihrer religiösen Prinzipien zur Gewaltlosigkeit und Nichteinmischung in die Politik verpflichtet ist.
Unglijcklicherweise sind die Bahá’í seit 1979, als die Islamische Republik Iran errichtet wurde, systematischer und fortdauernder religiöser Verfolgung durch die iranische Regierung ausgesetzt. In den frUhen SoerJahren, bis der internationale Druck den Iran veranlasste, sich zurijckzunehmen,wurden etwa 200 Bahá’í getbtet, hunderte gefangen gesetzt und tausende ihres Lebensunterhalts, des Zugangs zum Bildungssystem und praktisch aller bijrgerlichen Rechte beraubt.
Heute gibt es zutiefst beunruhigende Anzeichen dafijr, dass die Regierung der Islamischen Republik Iran zu einer Erweiterung derVerfolgung dieser unschuldigen Gemeinde ansetzt. Am beunruhigsten ist die Nachricht der Entdeckung eines geheimen Briefes des Oberkommandos des iranischen Militérs an verschiedene Regierungsbflros, in dem
diese aufgerufen werden, „Personen zu identifizieren, die dem Bahá’í-Glauben angehbren, und ihre Aktivitéten zu Überwachen.“
Der Brief, der am 29. Oktober 2005 an das Informationsministerium, die Revolutionsgarde und die Polizei gesandt wurde, Iegt dar,dass der höchste FUhrer Irans, Ayatollah Khamenei, befohlen hat, dass solche Information „auf héchst vertrauliche Weise“ zu sammeln sei. Asma Jahangir, die Sonderberichterstatterin der UNO fUr die Freiheit der Religion und des Glaubens, berichtete der Welt Über die Existenz dieses Briefes in einerVerlautbarung am 20. Main 2006 und sagte dabei, dass „diese Überwachung eine unerlaubte und nicht hinnehmbare Beeintréchtigung der Rechte religiöser Minderheiten darstellt.“
Asma Janhangir brachte auch ihre Besorgnis zum Ausdruck, dass Informationen als Ergebnis solcher Überwachung zur Grundlage fijrvermehrte Verfolgung und Diskriminierung von Mitgliedern des Bahá’iGlaubens gemacht wijrden. Jeder, der mit einigen der hervorstechendsten Episoden der Menschrechtsverletzungen des letzten Jahrhunderts vertraut ist, kann leicht in einem solchen Brief zwischen den Zeilen Iesen. Die Identifizierung und Überwachung von Minderheiten wird selten mit guter Absicht unternommen, besonders wenn Militér, Polizei und andere Behérden des Staates involviert sind. Anderejflngste Trends und Ereignisse im Iran tragen auch zu einem großen Gerhl der Dringlichkeit bei,wenn Bahá’í auf ihre nahe Zukunft schau en. Zunéchst ist da das Wiederauftauchen der Hojjatieh Gesellschaft. 1953 gegrUndet von einem charismatischen Geistlichen des schiitischen Islam als eine spezielle AntiBahá'i—Gesellschaft ist Hojjatieh jetzt wieder aufgetaucht als einfluGreiche,wenn auch geheime Splittergruppe, die
in neuen Zeitungsartikeln und Web Blogs mit der derzeitigen iranischen Administration in Verbindung gebracht wird.
Zweitens hat in den iranischen, von der Regierung kontrollierten Nachrichtenmedien eine Kampagne gegen die Bahá’í begonnen. Kayhan, die offizielleTeheranerTageszeitung, hat in den vergangenen Monaten mehr als 30 Artikel Über die Bahá’í und ihre Religion herausgebracht, alle diffamierend in der Absicht, Provokationen hervorzurufen. Radio, Fernsehen und Internet Programme haben sich angeschlossen mit Sendungen, die die Bahá’í und ihren Glauben verurteilen.
Wir wissen alle, wohin haBerfijllte Propaganda fUhren kann. Wieder bietet dierngste Geschichte zu viele Beispiele fUr ihre grauenvollen Folgen.
Deshalb richten wir einen dringenden Apell an alle Nationen und Völker zugunsten unserer iranischen Glaubenserder, damit sie es nicht zulassen, dass friedliebende, gesetzestreue Menschen den Extremen ausgesetzt werden, zu denen blinder HafS fUhren kann. Die entsetzlichen Taten, die unter ähnlichen Umständen in der Vergangenheit geschahen, sollte manjetzt nicht wieder zulassen. Nicht wieder. Niemals.
[Seite 5]
Im Iran geht das Muster willkiirlicher
Verhaftungen der Bah
[‘1
a 1 water;
129 erwarten Gerichtsverhandlungen
EW YORK — Ira nische Behérden
haben in den vergangenen Monaten die Festnahme und Internierung von Bahá’ís 1111 ganzen Iran fortgesetzt und sie eincr Reihe von drehtfirartigen Inhaftierungen und Freisetzungen ausgesetzt. Dies ist schcinbar daraufausgerichtet, die Bahá’í Gemeinde zu schikanieren und zu unterdrücken,
Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels waren 129 Bahá’í verhaftet worden, auf Kaution wieder freigelassen und erwarten nun ihr Gerichtsvcrfahren.
Die Kautionsforderungen waren hoch und erforderten V011 den Bahá’í in Vielen Ffiflen die Abgabe Von beachtlichen Geldsummen, Grundstfickstit6111,S()Wi€ Geschäfts— und Arbeitslizenzen. In fast allen Fallen behalten die Regierungsstellen diese Güter, obwohl die Inhaftierten noch keines Verbrechens angeklagt wurden und noch kein Gerichtsdatum testgelegt worden ist.
„Wir sind darüber besorgt, dass dieses drehtijrartige Muster von Inhaftierung und Freilassung verstfirkt 2115 eine weitcre Form der Schikane der Bahá’í bcnutzt wird,“ sagte Bani Duga1,die erste Vertreterin der International Bahá’í Gemcinde bei den Vereinten Nationen. „Die G'Liter V011 Menschen einzubehalten, die keinerVerbrechen beschuldigt werden und deren Gerichtsverfahren noch kein Datum hat, ist Teil einer größeren Strategic der Einschiichte rung und derVerwehrung der Rechte und Möglichkeiten
dieser Gemeinde.“ Am 29. Juni veröffentlichte der UN Sonderberichtserstatter fijr angemessenen Wohnraum einen Bericht, nach dem seit 1980 mindestens 640 Bahá'iGrundstficke beschlagnahmt wurden. Miloon Kothari stellte fest: „Die Beschlagnahmungen stellen einc Form der Enteigmung dar, da im Tausch gegen die Grundstiicke Preise gezahlt wurden, die weit unter dem Marktwert liegen.“
H6¢hste Zahl Verhaftungen seit den 1980er Jahren
Der größte Fall jüngster Verhaftungen ereignete sich am 19. Mai 2006, 213 Beamte 54 Bahá’í in der Stadt Shiraz festnahmen. Die meisten waren Jugendliche, die mit humanitfirem Dienst beschiiftigt waren als sie ergriffen wurdcn. Es war seit den 1980er Jahren die höchste Zahl der gleichzeitigen Verhaftungen von Bahá’í.
Die Bahá’í wurden verhaftet, als sie zusammen rnit einer értlichen Nicht—Regierungsorganisation und anderen Freiwilligen Unterricht für benachteiligte Kinder in einer Schule abhielten,
Sic hatten ein Genshmigungsschreiben des Islamischen Rates von Shiraz fiir diese Arbeit. Gleichzeitig durchsuchten Beamte sechs Héuser von Bahá’í in Shiraz und beschlagnahmten N0tebooks, Computer, Bücher und Dokumente. Innerhalb einer Woche wurden fast alle Festgenommenen vom 19. Mai wieder freigelassen. Vicrzehn
V0n ihnen mussten Kautionen in Form von Grundstiickstitel imWert vonje USES 11.000 abgeben; weitere 36 wurden frei gelassen aufgrund von persdnlichen Garantien Oder
IRAN
gerichtlichen Hinterlegungen von Arbeitslizenzen als Bfirgschaft dafür, dass sie bei Vorladung des Gaichts auch erscheinen wijrden.
Drei Bahá’í verblieben bis zum 14.juni in Haft. Es muss betont werden, dassjene [nicht Bahá’í], die am 19‘ Mai zusammen mit den Bahá’í verhaftet wurden, noch am gleichen Tag ohne Hinterlegung einer Kaution frei kamen. Am 13.
juni wurde ein Baha 1 aus Sanandaj festgenommen und
Ein Faksimile des Originalschreibens vom 29. Oktober 2005 der Iranischen Militarkommandantur, die iranische Regierungspolizei und Nachrichtendienste anweist, Baha I’ zu„identifizieren " una zu „beobachten“.
six;
Jgigifwnui
mfi-wmawupuw-wew
.r?
$_WGHBMW'5#W§(J‘WJ§wr wywuvwi
. , . , U
- Wauaéu}! lm*wl¢""+fm :guwuu w." Mar»?
wu-Mwb-HJJl‘fiérv „.u Pw,g.fla- (M ‘ fluenwuaury-ywlbiéua '.
.1}qu fi„_‘,).2._..»a.A—1-§-J,-‘-'5 .939 drum 9". JpMW-fi- 353-“
.31: 5: run ,1 gm‘fixi ‘3 N24?
JM¥GnJ£uUfiquflf§¢HJ éjgafigkww‘flag,
Mawquwwsmw“ ".ea @,¢};Ahw°:émr*““l“
dabulykae} $ ewflfl'fi’ : A
vague «)3 y 13 wk“ 58‘ „W"
.uipouang-erh*Iaam-lmfbkwvflfi‘w
- ghag
J&WszWW-“M ' wwwisww J;..z..¢.,_1:..h; g9q¢ywufiakmww _ Jfimu hr: .deww ' Lycfammw Wfiumvlflv)“ i
Jiufifi,‘ fisisJ; Mafia
glyjmiu... flu„;„2_.;.»mbw.
Jaggwggr .24.„ M“! '
i—rn
.ifirwgwqagay..u.gw,a guyffuy,
- ‘fl‘w¢»|r~1}£~ra-Aw.- ¢r¥¢p§fl!ural,apr
3/2006 — SEITE 5
[Seite 6]
„Die Güter van Menschen einzubehalten,
die keiner Verbrechen
beuhuldigl warden
und deren Gerlchtsverfahren noch keln Datum hat, in Teil einer
griifieren Strategic der
Einuhfichterung und
der Verwehrung der
Rechte und Möglichkeiten dieser Gemeinde. “ '
Bani Dugal, Bahá’í International Community
3/2006 - SEITE 6
um 29.]uni fi‘cigclassenAm 18. juni wurdcn drei anderc Bahá’í nus Hamadan {CSth IIOIanCIL drei Tags inhafticrt und dulm fi‘eigclasscn. Dies gcschuh, nachdem Regimungsbcumtc ihre Hiiuser durchsuchtcn und Computer, Biichcr und Bahá’í Dokumcntc bcschlugnahmten.
Und am 28. juni wurdc ciu Bahá’í nus Kuraj in (1cwahrsam gcnommcn und war zum Zeitpunkt dcs Erschcincns disses Artikcls in einem lutcrnicrungszcntrum dcs ()chcimdicnstcs. Der Mann war zuniichst am 5. August vcrhuftct wordcn und I(ITzlgc splitcr nuf Knution frei gckommen. [11 cincm Gerichtsvcrfnhrcn im vcrgangencn Scptcmbcr wurdc er aufgrund angcblichcr Opposition zur lslnmischen Ropublik Iran zu zclm Monutc Gcfiingnishafi vcrurtcilt. Es knnn Still duss er in juni vcrhaftct wurde um dus vcrblcibcndc M315 seiner Vcruteihmg nbzusitzen, aber zu dicscm Zeitpunkt warcn keine \Vcitcrcn Dctuils bckannt.
.,Wcnn nlles zusammen gcnonnnen wird damn summicrt sich diescs Muster von \Villkiirlichen chtnahmcn Lmd lnhaftierungen zur rcinstcn Form religiéiserVerfolgungEs widerspicgelt nichts wcniger uls den kalkulierten Vcrsuch der Iranischen Regien1ng,die Bahá’í—Gemcindc vollständig nus dem Gleichgcwicht zu bringen Lmd dem Terror auszusctzen,“ sagtc Bani Dugzll.
DieVerharhmgen creigncten sich vor dem Hintcrgrund der wachsendcn Surge V01] Menschenrechtsbcobachtcrn, dass die iranische Regicrung ihrc 27—jlihrigcVerfblgung der 300.000 Mitglicder der iranischen Bahá’í—Gemcindc, der größten rcligiiisen Minderheit dc‘s Landcs. vcrsclfiirfi.
Im März 2006 VC]‘(>fil‘11tlichtc Asmn jnlmngir, UN Sonderbcrichtscrstattcrin für Religions— und (llnubcnsfi'cihcit. einen Bcricht bcziiglich des (lchcimbricfcs der Irani schen Militiirfiihrung an verschicdcnc Revolutionsgarden und 1’01izeiinstitutionen. in dcm dicsc angcwicsen wurden Bahá’í 1111 gnuzen Land zu ,.idmltifizicren“ und zu „bcobzlchten“.
Die Nnchricht Liber die Existcnz disses Briefes vom 2‘). Oktobcr 2005,163te einen Alarm unter internationalcn Menschenrechtsgruppen nus. Asmnjahnngir iiufierte die Sorgc, dass ,.dic aufgrund solcher Beobachtungen gcsammcltcn lnformationen als Basis für verstiirkte Verfolgungen und Diskriminierungen gcgen Mitglieder der Bahá’í Religion benutzt werdcn.“
Asma Jahangir Vcr(")ffcntlichte nicht den gcsamtcn Wortlaut dc‘s Brides. Am 24.
Juli 2006 deutete die Mcn schenrcchtsgruppc Amnesty International in cincr Prev seerkliirung an, sie lube den Briefcrhulten und winde ilm veröffentlicth
Geheimbriefes der Iranischen Militirführung
Der in lcrsisch vcrfllsstc Brief kam vom Vorsitzcndcn der K0111mandofiihrung dt‘l Strcitkriitte Basij (?cncralnmjor Dr. Scyycd Hosscin Firuznbad. Er war mit dcmVermerk „Gchcimstufc Hoch“ verschen. Er
bcsngt:
Mir ()m/i zl/m Lobprcisfiir
Mohammadumlsctm’1\1u/1kommm /Im{q¢‘ Cones Sqqm uqu/m mid SCUM Ainhkonmml ru/IC/I], H’fi/lfl‘lld wir mmr ritjfin’s JrIitgc fli/I/ :umjnllrwm‘sy dcs Mdrtyrcr ma’x dw Harm nm Gldulngcn [/1 der Einllcir [Amir-al—A/Iommin] mm dc: Fzillrcrs (fer Glciulugcu (MI’UH) [Frica'c sei mir [111„]
- um Ausdrmk [)ringm, mzd div
Annahmc [unscrcr/ chpflidmm gm und Cebcn erlzqflin.
1/] (IN Angcqucnlwit der vrlmltcncn Bcritlzn lliilSitllf/if/I dvr Cv/Icimakrivitfircn und TrqflE’n acr irrqgclcircnn Stkfl dcs Ballaiamus und Bahimms in Fllmu
11ml andvrcn Snidrm dc: Landw, mm in lulnvcinxrimmun}: mir dell Aulmstllzgm (Ivr Er/mlwuvu Sngfl dos Obrrsnn Fti/nvrx. Sviuvr Hei/iglevir Ayatollah K/mnmni (mdgc 50in vr/mlnucr S(lmnvn langc aulmlnn). wmdv dw Kommandqfi’I/Irmgq der .Srrvitlenjfn div rngZQn/w vmi/r, (imn Img/[zsxmdvn Mud vol/mindigm Bvrir/II zi/ur div Akrivinirm dimer Svkn (villsv/zliq/flith po/irlxv/ur; wirmhqflli(/nr, sozialvr mid L’HIHHY‘Hl I‘) mir dun Ziv/ der [donrf/izivrtulg a/lvr Allirqlicder dimer irrqqrlvinn'n Selen :ummmvu :u sn I/m. l)(I/I(I’ wcism wir Siv an, alien rv/mnnrm Sn I/m, in IIar/{qc/nimcr lorm, nzirzuni/(II, (1115: xiv
jmv und ullv Ilgfbrlmzrimml lilur
div 01ml mmi/umn A/crivimml divsvr Individmn mmmvln mid dvr Kom/mmdQfi'i/Irm/g IumllIvn. Diwt wvmcn dmgqtxqgncrm I(vnnruixnuhmc der Erlmluum Stu]? (Iv: ()lursnn Fli/nvn, avs ()lwr'l)¢_'fl/IIslmbvrx d(r Srrcirkrijfh («:1ng win (r/m/wncr Srlmrrcu hmgc alllmlnn) [H)(I‘SH’HL
Der Briefwur an folgendc Empfiinger adressiert:
- Dcr Gehcimdicnst der Islamischen Republik Iran
- Die (Organisation dtr) Glaub€nspolitik des Oberbcfchlshabers
° Dem Fuhrer der Revolutionsgarden
0 Dem Fiihrcr der anij \X/iderstandskriiftc der Revolutionsgnrdcn
° Dem Führer der lolizcikrliftc der Islamischen Republik Iran
' Dem Stellvcrtrcter der (?cheimdienstgruppc der Polizcikriifte der Islamischen Republik Iran
' Dem Repriisentantcn dcs Glaubmlsrichtcrs (Ayatollah Khnmenci) in den Revolutionsgardcn
' DemVorsitzcndcn der Glaubenspolitik Organisation der lolizeikliifk der Islamischen Republik Iran
- Dem Obcrbcfkhlshaber der Armcc der Islamischen Republik Iran I
[Seite 7]
AIarmierende Beweise für
die heimliche Überwachung
der Baha 1 in Iran
Die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationenfllr die Freiheit der Religion mad des Glaubens bringt einen geheimen Brief des iranischen Militar Ieommandos an die Offentlich Ieeit.
Menschenrechtsgmppen dmcleen ihre tiefe Besorgm's ems.
EW YORK —]i'1ngSte Ereignissc im Iran beginnen ei nem Muster zu fOIgen, das in derVergangenheit schon oft grésseren Menschrechtsverletzungen voranging. Das hat Menschenrechtsbeobachter und —gruppen weltweit in starkem Masse alarmiert, besonders in Bezug auf die schon Iange verfolgte Bahá’iGemeinde Irans.
Das Wichtigste dieser Ereignisse ist die Entdeckung eines geheimen Briefes des miIitérischen Oberkommandos Irans, V0111 29. Oktober 2005, der Polizei und Revolutionsgarden anweist, Mitglieder der Bahá’í—Gemeinde des Iran zu „identifizieren“ und zu „1'iberwachen“.
Die Existenz dieses Briefes wurde am 20. Marz 2006 durch die Sonderberichterstattcrin der UNO für die Freiheit der Religion und des Glaubens, Asma Jahangir, bekannt gemacht. Sie ziuBerte dabei, „h6chst betroffen“ zu sein.
„Solche Überwachung stelIt eine unerlaubte und unakzeptable Beeintrfichtigung der Rechte religiöser Minderheiten dar“, so Asma jahangir in einer SteIIungnahme, Darin äußert sie auch die Sorge, dass „die Informationen, die als Ergcbnis einer solchen Überwachung gewonnen werdcn, als Basis für die vermehrte Verfolgung und Diskriminicrung derAnhzinger des Bahfi’iGIaubens dienten.“
Serge bereitet auch sine Serie jüngster Angriffe auf den Bahá’í—Glauben in den iranischen Medicn. Seit Ende des Jahres 2005 erschicnen dutzende meist negative und 0ft diffimicrendc Artikel über die Bahá’í und ihre Religion in Kayhan, der offiziellen TageszeitungTeherans. Radiound Fernschsendungen haben gleichfalls in zunehmendem Masse die Bahá’í und ihren GIauben verurteilt.
Zuszitzlich halten Berichte in Nachrichten und Blogs den zunehmcnden Einfluss einer spezicllen Anti—Bahá’í—Gcsellschaft in hohen Regierungskreisen fest, die unter dem Namen Hojjatieh bekannt ist.
AIS Antwort aufdiese Entwicklung — und insbesondere als Antwort auf Asma Jahangirs Dokumentation dcs Briefes des iranischen Militérs vom 29. Oktober — hat eine Reihe globaIer Menschrechtsgruppen, Regierungen und Nachrichtenorganisationen ihre Beunruhigung über die Bedrohung zum Ausdruck gebracht, der die iranische Bahá’í—Gemeinde ausgesetzt ist. In einer StelIungnahme vom S.ApriI 2006 stellt die International Fe deration for Human Rights (FIDI—I) fest, dass sie befiirchte, dass die Identifizierung und Überwachung der Bahá’í in Verbindung mit der gegenWiirtigen hasserfijllten Propaganda in den Medien zu ihrer verstfirkten Diskriminierung flihren wijrden. Sic rief die iranischen Behérden auf, ihren Me11scheurechtsverpflichtungen nachzukommen.
Stellungnahme der US-Regierung zur Situation der Bahá’í
Ein Sprecher des Prfisidenten der USA IieB am 28. Mfirz 2006 verlauten, dass die USRegicrung CIIS Befiirchtungen V0n Asma jahangir teilc.
„Wir rufen das Regime im Iran auf, die religiöse Freiheit aller seiner Minderheiten zu respektiercn und sicherzustellen, dass dicse Minderhciten die Freiheit haben, ihren reIigiéfiscn Glauben ohne Diskrimierung Oder Furcht zu forderte Scott McClellan, Pressesekrem des Weisscn Hauses. „Und wir werden weiterhin die Situation
praktizieren,“
der Bahá’í im Iran sehr genau beobachten und offen anspreChen, wenn ihncn ihre Rechte verweigert werden.“
In Europa hat der Europziische Rat seine „tief€ Besorgnis“ über die Menschrechtssituation 1111 Iran in einer Resolution vom 15. Mai zum Ausdruck gebracht, in der er Beschränkungen der Freiheit der Ausserung und der Religion feststeIIt und besonders die Situation der Bahá’í 1111 Iran erwiihnt. In Frankreich sagte der Aussenminister Philippe
K ONE COUNTRY
3/2006 - SEITE 7
[Seite 8]
„ Wir richten einen
dringenden Apell an
alle Nationen und Vii!ker zugunsten unserer
iraniuhen Mitgliiubigen, damit sie es nicht
zulassen, dass diese
friedliebenden, gesetzestreuen Menschen
den Extremen ausgesetzt warden, zu denen
blinder Has: führen
kann.“
Bani Dugal, Bahá’í International Community
_
3/2006 - SEITE 8
Douxte-Blazy in einem Interview im April, dass „wir zuticfst Libcr die Scbikanen gcaen die Bahá’í— Lmd Sufi Minoritiitcn bcsorgt sind, die
0’
sehr diskriminicrt wcrdcn.“
111 Indicn schricb dds Parlumcntsmitglied Karan Singh 6111611 Brief an den Premierministcr Manmohau Sing}1,i11 dem er auf die Verlautbarung der Sonderberichterstattcrin aufincrksam machtc und ihn driingte, „diese Angelcgcnbeit“ bci den iraniscben Bchéirdcn anzusprecben.
Einc Anznbl Nucbrichtenngcnturcn habcn uuch über diese Bcsorgnisse bcrichtct. Agence France Press und Reuters babel] bcidc über dichrlautbarung VOI] Asma jahangir bericbtct, zlls sie vcrbfflfflentlicht wurdc Andere Nacbricbtcnagcnturen, unter ibnen (161‘ Philadelphia Inquirer, der Toronto Star, der Indian Express Lmd Times ()f India sind ihncn i1] jfingstcr Zcit mit LlndCl CI] Bcrichtcn über dic Bcdrohung der iraniscbcn Bahá’í gefblgt.
Vcrtretcr der Bahá’í International Community babel] sebr sclmell ibre Besorgnis über die Verlautbarung v01] Asma jabangir zum Ausdruck gcbracbt.
„\X/ir babel} schreckliche Angst um dzls Lebcn unscrer Mithabé’i im Iran“, sagte Bani Dugal, Hauptreprliserr tantin der Bahá’í International (Ionnnumty bei denVercintcn Nationcn in einer Stellungmhmc, die nur wenige Stundcn mach der Vcrlautbarung von Asma Jahangir nbgcgcbcn wurdc.
„\X/ir richtcn cincn dringendcn Apell :111 allc Nationcn Ldeiilker zugunsten unscrcr iraniscben Mitgliiubigen, damit sie es nicbt zulasscn, dass dicsc fi‘icdlicbenden, gesctzestrc Lk en Menscbcn den Extrcmen uusgcsctzt wcrdcn, zu dcncn blinder Hnss fiihrcn kann“, sagte Bani Dllgal.
„Die cntsetzlichen Tatcn, die nus iihnlichen Umstiindcn in der V€rgnngenheit crwuch
sen, sollte man jctzt nicht
\Vicder zulnsscn. Nicht IlOCh
4 einmal
Zeichen der verstirkten überwachung
Bcreits vor der Entbiillung des Briefcs vom 29. Oktober durch Asma jzlhangir gab es Auzeichen für eine vcrstiirkte Überwmchung der Bahá’í—Gemeinde durch die Regicrung, so Bani Dugal.
„Wir baben Berichte dazu crbalten, dass die Handelskammcr eine Liste iibcr Bahá’í in jcder Art Beruf Oder AnsteL lung zusammcnstellt. und dass fiir Bahá’ís in verschiedenen Berufcn im ganzen Land Problems verursacht warden.“ Sic fiigtc hinzu, dass iranische Bahá’í nuch eine Eskalation der perséjnlichtn Bellistigungen crlebcn müssetr
„Es scheint, dass eine Bev wegung aufdie Irivathaushalte von Bahá’í abzielt,1nit NachA richten, CD8 Lmd Traktatcn, die alle die Widerlegung dtr Anspr Lichc dt S Glaubens zum Ziel babel)“, berichtet Bani Dllgal. Einigc diesel“ Mitteilungen kommen in der Form von Dokumenten, die angeblich von Bahá’í geschricben wurden, die die Glaubensgemcinschaft verlasscn haben. „Ei11s dieser Traktnte hat den Titcl ,Von einem, der widerrief und Vcrsucht den Bahá’í den ,Fehler ihres chcs aufzuzeigen.“
Großc Besorgnis btreitct auch der massive Anstieg negativcrAngriFFe aufdcn Clauben in dcn Nachrichtenmedien.
Scit September 2005 bat die cinfluBreiche, Staatlicb kontrollicrtc Zeitung Kayhnn mchr 211$ drei Dutzend Artikel abgcdruckt, die den Bahá’í—Glauben diffamicrcn, mit der klaren Absicht, im Lcser Gefühlc dcs chifcls, dt S Milfitrauens und des Hassc‘s gegcnüber der iranischen Bahfi’iw Gcmcindc zu crzcugcn.
Die Artikcl verzerrtn die Geschichte beliebig, benutzen gcflilschtc historische Doku mente und stcllen flilschlich moraliscbe Irinzipicn der Bahá’í in einer Weiss dar, die Moslems beleidigend und ekelhaft crscheinen miisscn.
Hierzu cin unglaubliches Beispielem 23. Februar 2006 stand in] Kaybnn der Artikc‘l „Moslelns V011 Bahá’ís am Vorabcnd dfis Ashura—Festes ermordct.“
Der Kayhan brachtc einen fi‘fihcrcn Bcitrag erneut. Es 5011611 Bahá’ís vor dem heiligen Ashura—cht nacb einem Saufgelagc und Tiinzen cin moslcmisches Kind geopfcrt haben. Diescr Bcricht mit abschculichcm lnhalt ist nicht zutreffend,dcnn cs gibt in der Bahá’í—Rcligion kcinc ritue11611 Handlungcn. Auch ist es Bahá’ís much ihrcn religiéisen Prinzipicn verbotcn, Alkohol zu trinken und zu tifiten.
DerArtikcl schliefit mit der Aussage: „Sic [die Bahá’í] bieten unsercr jugend wunderschbnc Frnum) und Mlidchen an, um sis zu ihrem Glaubcn hinzuzichen. Unglücklicherweise schen wir hcutzutagc einen Ansticg ihrcr \X/crbcaktivitlitc11,um die 1110slemiscbe jugcnd anzuzichen.Wir sollten sehr vorsichtig scin,“
Anders iranischc Nachrichtenmedicn sind dieser
.,
Richtum gcfblgt und habtn
U
Angriffc gcgcn die Bahá’í im Radio und Fcrnschen übertrugen.
Vor den letztcn, gegen die Bahá’í gcrichteten Regierungskampagnen und Verfolgungen, wie 1955 und 197‘), wurdcn fillnlich diffllmierendc Artikc] und Rndiosendungcn gcgcn die Bahá’í lunciert. Sic r Librten Fcindscligkeit und Vorurtcilc nuf, um die OfTentlichkeit szdas vorzubtreitcn, was kommen solltc.
„Wir \NiSSt IL wobin die hafimfiillte Propaganda fiihrcn kann; die jiingere Geschichtc bietet zu Viele Beispiele für ihrc graucnvollen Folgen“, erinncrt Bani Dugnl.
[Seite 9]
Hojjatieh, die AntiBahá’i-Gesellschaft
Auch 6111 Anlaß der B6sorgnis ist das W16d61‘6rst6h611 (161‘ Hojjatieh—Gesellschafi 111 1106hst611 K1615611 d6r 11‘;11115611611 Regicrung.
D1656 Gesellschaft wurC16 1953 1115 bC‘SOIIdC‘I‘C AntiBahfi’1—01‘g21111511t10n durch 6111611 charismatischen Geistlichen c165 schiitischc-n 15111111 g6g11111d6t.W;1h1‘611d d6r 11211115611611 Revolution 1979 spiclte d16 (16561156haft 61116 wichtige R0116 dab61, F6111dschaft gegen c116 Bahá’í zu 5611111611, In den fi‘11h61111111r611 c161 Revolution wurden 1116111 2115 200 Bahá’í g6tot6t. hund6rt6 61ng6k61k61t. tausende V61‘101611 1111'6 Arbeit, 11116 1’61151011611 Oder den Zugang zum 1311d1111g55y5t6111.
111 d611 fi'fihtll achtzigem F161 die G656115c11a11111 Ungnad6 und wurdc 1984 V61bot611, t611W6156 wegen Differcnzen 111 th6010g15611611 Fragcn. U11ter a11d616111 hält Hojjatieh damn fest, dass 6111 Wirklich 151811115C11€r Staat IliCht v01 L161 R1ickk6hr des 12. 11113111 erricl1t6t W6rd6n kann, 611161 proph6tisch611 Gestalt (165 9. ja11rh1111d6rts, V011 d6111 V1616 Sch11t611 glauben, (1355 61‘ als endgfiltigcr E1‘10561‘ der M6115Chh61t W16d6161‘56116111611 werdc.
Seit Kurzem j6doch 15E die GCSCHSChafl 2115 61111'1uP1616116, welm 2111611 g6h611116 Spl1tt6rgrupp6 W16d6r 111 E1sch61111111g g6t16t611. 1111 letzten Herbst brachten V6156h16d6116 Nachrichtagenturen, unter 1h11611 R611t61‘s, 516 1111t 1161161611 1313611611 d61‘j6tzigcn 1131115611611 Ad11111115t1‘at1011 111V61‘b1ndung. Bcobachter V011 P11115611 hab6n 111 Blogs und an and61'61' St6116 das Wiederauftauchen der (36561156haft 1111C €161 Rückkehr V011 Hardlinern 111 Machtpo510011611 111 (161 Regierung 111 Verbindung g6bracht,1nklusiV6 Prisident All111ad1n6jad, d61 hfiufig 561116 Erwartung gea'uBert 11:1t,dass (161‘ 1211113111 bald zurückkehren werde. W16 an
dieser St6116 schon 111 111'1h6r611 Ausgaben b61‘1cl1t61 wu1'd6, hab611 andere E161g111556 1111 1211116 2005 g1616h61W6156 Besorgnis56 b61 Menschenrechtsgruppen ausgelöst. 1111 D626111b61 2005 starb 6111 Bahá’í, dCI‘ 59 jahre alt6 Dhabihullah Mahrami, 111 61116111 112111156h6n Gefangnis unter ung6k1'211't6n U111st'21nd611, nachdem 61 10 (1) jahr6 lang g6f311g611 g6halt6n worden war. Ebenso wurden 1111 16tzt6n jahr wenigstens 59 Bahá’í V61hattet. 111 Untersuchungshaft
gehalten Oder gefangcn g656tzt, 61116 Zahl, die gegenüber den letzten vergangenen jahren drastisch 2111g65t16g6n ist. Und Bahá’í—Jugendliche b161b611 111111161 noch von der h61161611 Ausbildung 1111 112111 ausge56111055611. Das 5t611t 1111 Gegensatz zu d611V6rsprechung611 d61iranischen Regierung gegenüber c161 111t611121t1011111611 Staat611g61116111scl1aft, dass man d611 Bahá’iflug6ndlich6n erlauben würde, 51611 111 Un1V6151t11t611 zu 1111111at11ku11616n.
Iran beschleunigt die Überwachung der Bahá’í im Land
E W Y O R K ,
2. November
2006 (BWNS) — 111 61116111 b61111ruh1g611d6n Schritt hat 1121115 111n6n111111ist61111111 d16 B6ar11t611 1111 ganzen Land ang6w165611, (116 Überwachung der iranischen Bahá’í zu b6schleunigen, insbesondere 1n H111b116k auf 1hr6 G61116111d621ktivit21t6n.
Das Ministerium hat Beamte 111 C1611 Provinzen aufgefordert, 6111611 detai11161t611 Fragebogen zu111 Status und den Aktivitiit6n C161 lokalen Bahá’í auszufii11611. Unter anderem 611th211t dieser Fragebogen Angaben zu111 f111an21611611 Status, den 5021111611 Beziehungen und der Zusamn1611arb61t 1111t ausliindischen Organisationen.
1)16 Anwc1sung c165 M11115t611u1115 wur 616 111 61116111 Brief 21111 19. August 2006 übermittelt und 5t6ht der Bahá’í 1nt6rnational Community 561t kurzem zur Vcrfiigung. $16 W615t d16 Beamten an, die „betroffenen Behéirden 1111t der vorsichtigen und sorgfziltigen Überwachung“ 3.1161' 502131611 Bahá’í—Aktivitéten zu beauftragen.
D16561 Briefist dasjiingSte in 611161 56116 von b6drohlichen D0ku111611t611, (116 61116 g6h611116 1111110111116 Anstrengung b616g6n, um die Bahá’í 1111 11311 zu identifl2161611 und zu überwachen. D61 Br16f vom 19. August folgt d6111 früheren g61161H1611 Briefvom 29.Ol<t01)612005.
n‘flwWiiJWorV-W
4w Der Briefdes iranischen Innenministeriums vom 19. August 2006 mit der Anweisung, die Überwachung der Bahá’í zu beschleunigen.
w-muwwxwwwwmm WPVW¢WHMMJWWWH Mx—mwwwI-Imwadw‘s Mew Wflvmwwmhqudm wwwwuwuruw muwawuwwmw-uuh wMuaMww»buwww
vn .. .Mowwuuqmme “Jhur-flv WEI!&
K _ ONE COUNTRY
3/2006 - SEITE 9
„Dieser Fall ist wichtig - nicht nurfür Bahá’í, sondem für alle Kgyptar, da er einen wichtlgen Pnizedenzfall in Hinsicht auf Staatsbiirgemhafl, Gleichheit und religiöse Frelhelt duntellen wlrd.“
Hossam Bahgat, Direktor der cigyptischen lnitiativefar Persönlichkeitsrechte
AGYPTEN
K
3/2006 - SEITE1O
Religionsfreiheit der Baha 1
/3/
in Agypten in Frage gestellt
Ein Gericlzrslzqfi der Libcr die im Al/rag 50 wzclznlgen Personalausweise bcsrimmr, sorgrflir eine gnjfiere Kontrouerse in, Agypterz und der ambisrlzen Weir mza zzelzt dzcAufinerksamleeit eincrscits emf die sc/zwicrigc Lage der Ba/zd’l zmd andererseits avgf tilmgrefiende Fragen nadz religiöser Frei/leit.
AIRO — Normnlcr wcise hat ein Fiih rerschein in Agypten lOJ'Jhrc Giiltigkeit.Als anma Moussa ihrcn F'Lilnerschcin erncucrn 12185611 wolltc, gabcn die Behiirdcn ihr nur cincn mit nur einem M(mat C(11tigkeit. |)as vordergriindigc Problem: Moussas Personalauswcis ist nur ein traditionelles Dokumcnt in Papiertbrm, keine llzlstikkarte, die derzeit V011 der Regielung eingefiihrt wcrdcn. Und die Bchérden verlangen flit die Ausgabe eincs LangzeitFiihrcrscheins die Vorlage der neucn Plastikkartc.
Dr. Basma Moussa, Assistenzprofessorin für MundLmd Gcsichtschirurgie an der Kairoer Universitiit, kann keinc der neuen Computerkarten erhalten ohm: zu liigen — was sich mit ihrcn religiösen Prin zipicn iibcrhaupt nicht vereinbaron liisst.
1);]8 liegt damn, dass dit Irofcssorin Moussa sich als Bahá’í bckennt. 1)JS neuc Ausweissystem $011 abcr alljcnc Menschen mit eincr religiöscn Bindung ausgrcnzcn, die nicht ciner der drci in Agypten offizicll anerkanntcn Religioncn angehören, das sind Islam, Christcntum und judentum.
Vordergriindig mag dds uuf den crstcn Blick wie cin kleineres Problem erschcincn, einen Fiihrcrschein nicht crhalten zu kimnen, ohnc liigcn zu miisscn. Indes illustricrt es ein Vic] grbfieres Problem, dcm die kleine, abcr aktivc iigyptischc Bahá’í—Gcmcindc ausgesätzt ist.
Weil sie die neuen Kartcnauswcisc nicht erhaltcn kimnen, Vcrlicren Bahá’ís Schritt Fur Schritt alle Biirgerrcchte, einschlielilich des Zugangs zur Erzichung. zu Finanzdicnstleistungen und zur stazltlichen Gcsundheitsfürsorge. D215 betriff‘t nuch die Freiziigigkeit und die Sicherheit des Eigentums.
„Gcgen Ends dcs jahres wcrdcn die handgeschricbenen Auswcise nicht mehr akzeptiert,“ sagt anma Moussa. „Und zu dieser Zcit \Vird 31165 in unserem Lebcn zum Stillstand k01nmen.Wir warden weder zur Bank gcllen, noch irgcndwelche Angclcgcnheiten mit einer Behéirdc regeln k611ncn, seien cs Kmnkcnhliuscr, Schulen Oder nur RoutineKontrollpunkte der Polizei.“
Die ganzc Frage der Aus\Veise und der Religionszugchérigkeit ist so etwas eine Staatsangclegenheit in Agypten gewordcn, seit ein untcrcr
(xcrichtshof dic Rechte der Bahá’í auf ordnungsgemfiflc Identifizicrung auf Regierungsdokumcnten bestätigt hat.
Diescr Entschcid, der v01) cinem Vcrwultungsgcricht mit drciRichtem;11114.April2fl(l() bcschlosscn wurde. stellte fest. dass es illegal sci. den Bahá’í dic Kartenauswcise vorzuenthaltcn — und dass Bahá’í,selbst wcnn ihr Gluubc nicht als Religion anerkunnt sci. dennoch jcdcs Recht 2115 Biirgcr hnbcn, Juf offizicllcn Dokumenten nls Bahá’í ausgcwiescn zu werden.
Wlihrcnd iigyptischc Mcnschenrcchtsgruppcn sorbrt dicse Entschcidung bcgriilfitcn, widerspruchen cinflulirciche islamischc Organisational heftig — cinschlic Blich der Gclchrtcn an der Al Azhar Universitiit und Vcrtrctcr der Moslcm—Bruderschnth
„1)cr Schock in der („3f{Clltlichktit ist cincr hitzigcn chuttc über eine Verwaltungsgerichtscntscheidung gcwichen, die sanktionicrt, dass cine Familie nus Alexandria sich nufihrcn Auswcisen und Iiissen als Bahá’í bczcichnen dart“, schrieb AI Abram, eine der größeren iigyptischen Zeitungen. in ihrer wiichentlichen englischen Onlinc—Ausgabe (ml 1].Mai.
()Eensichtlich uls Reaktion auf dicscn Schrci der Entriistung brzlchtc die Regierung cincn Antrag in cin Gerichtsverfahren ein. Nnch eincr etwas rauhen Lmd ungebiihrlichen Anhéirung, in der die Anwziltc,dic dic Bahá’í—Kligcr vertraten, verbal und physisch beléstigt wurdtn, setzte der obersteVem/altungsgerichtshof
[Seite 11]
die Entscheidung des untercn
Gerichts vorcrst zluBcr Kraft
und berict eine V0116 Anhérung zu diesc Frugc. für den
16. September 2006.
Breite Berichtentattung in den Egyptischen Median
Dieser Fall hat in wciten Kreisen Aufincrksnmkeit erregt, nicht nur in Agypten. sondern überall in der arabischen Welt. Seit April crschicnen allein in Agypten mchr 315 100 Zeitungs— und Zeitschriftenartikel, und es gab zahlrcichc Radio— und Fernschsendungen über die Entscheidung. die Reaktion und ihre Bedeutung. .,ES besteht ein ricsigcs lntercsse an diesem Fall“, sagte Hossam Bahgat, der Direktor der Zigyptischen Initiative fi'n lerséinlichkeitsrechtc (EIPR), ciner unabhiingigen Organisation {fir Menschenrcchte. „Die Gemeinschafi Hit Menschenrechtc, die Gemeinschaft fiir Rccht und die Medien sind schr intcrcssicrt.“
„Dicscr F2111 ist wichtig — nicht nur für Bahá’í, sondcm für ullc Agypter, da er cincn wichtigen I’rfizedenzfall in Hinsicht nuf Staatsbfirgerschaft,(§1€ichhcit und religiöse Freiheit darstellt.“ ,Jn diesem Fall warden Menschen auf bciden Seiten mobilisiert“, sngte Hossam Ballgat. „Es gibt Mcnschen. die die Bahá’í untcrstützen, und solche, die die Angelegenheit als Bedrohung fiir die Gesellschaft Odt‘l den Islam ansehen.“
Eine Sichtung einiger der Artikel zcigt eine weitc Streuung der Meinungcn zur übergeordncten Fragc nach der Freiheit von Religion und Glauben, die, so sagcn Viele Beobachter, durch dicsen Fall aufgcworfcn wurdc. Am 4. Mai erschien dic arabischc Druckversion von A1 Ahram mit der Überschritt: .,Parlamentskrise wegen einer Gerichtscntscheidung in Sachem Al—Bahá’iyyah [Bahá’itumlf
DcrArtikel berichtet, dass „dic Mehrheit — die Opposition, dicunabhlingigen und die Abge()rdneten der Regierungspartei — alle sine Revision jencs Entscheides fbrderten,“ der dus Recht der Bahá’í auf Angabe ihrer Religionszugehiirigkeit in offiziellen Dokumenten bestätigt hatte. „Die Abgeordnetcn stellten fest, dass der Entscheid im Widerspruch zurVerfassung und der islamischen Shariah stiinde, die das ,Bahá'itum nicht als göttliche Religion ansehe...“.
Auf der anderen Seite bmchte das regierungseigcne Kulturministerium in seiner angcschenen Wochenzeitung Al—Kzlhcra News [Kairoer Nnchrichten] am 21).]uni einen Artikcl heraus, der die Notwcndigkeit rcligiéser T0lcranz in Bczug aufdie Bahá’iSachc bctonte. DerArtikel von Mohammad Shebl, diskutiert die Bahá’í—Sache als eine „neue Rundc der Diskussion über Islam und die Glaubcnsfreiheit.“ (Eestiitzt aufKoranzitate schrieb Mohammad Shebl, dass „Gott den Mcnschen erschuf und seine Frciheit wolltc... und ihm den Vcrstzmd gab, um selbst Entschcidungen zu treffen.“
„Wcm1 Gott gcwünscht hiittc, zu erzwingcn, dnss 21116 Menschen 11m in einer bestimmten Weiss zmbetcn, dnnn hätte Er dics gctan, nber Er erlaubte ihncn die Freihcit. zu w'éhlcn, damit Er sie zuerrantwortung ziehcn konntc,“ schrieb Mohammad Shebl. Deshalb, so sagtc cr. solltcn Muslims die Anhlingcr allcr anderen Religionen, einschließlich der Bahá’í. Buddhisten und Hindus respektieren und ihre Wahl einer Religion rcspcktieren. ,
Über Agypten hinaus hat diescr Fall weite Aufmcrksamkeit in Zeitungen, Zeitschriften, Sendungen und verschiedenen Onlinemedien erhalten — einschließlich Vielen Blogs. Und wieder gab es eine großc Bandbreite verschie dcncr Mcinungen. Al Wamn, cine Tageszeitung in Kuwait, schrieb, dass die Gclchrten von A1 Azhar in Kairo die Entscheidung aus dem April zu Gunsten der Bahá’í als den „gr6[3ten Rückschlag“ bezcichncten. In Clem Artikel waren dann einige Fehlinformationcn abgcdruckt, wie sie hiiufig von fanatischen Moslems wiederholt warden, wie jenc, dass die Bahá’í „Agenten dc‘s Zionismus und Kolonialismus und Feinde des Landes“ seicn. dass sie Muhammad zurückwciscn Würden und nur die Absicht hiitten. den „Islam In attackicrcn“.
Im (iegcnsatz dazu schrieb Nabil Slmrnfi’d—I)in am 4. Mai in El;1f,ci11 Medium, dass sich uls dic crstc clcktronische arabischc Tageszeitung versteht, dass die Aussagen von Al Azlmr und underen im Iarlament als Vcrsuch angcschen werden kann, „die Anhänger dcs Bahá’í—Glaubcns zu schikanieren und ctwas zu starten, was 1115 Haflkampagne gegcn die Bahá’í bcschriebcn werden kann.“
Die Entscheldung des Gerichtshofes
Die Entschcidung dcs untergeordneten Gerichtshofes vom 4. April betraf den Fall eines Zigyptischen Bahá’í—Ehepaares aus Alexandria, Husam Izzat Musa und Ranya Emlyat Rushdy, die gegen das Inntn 111inisterium klagten, nachdem
Zu den Problemen mit Ausweisen kommenfl'jr Bahá’í Probleme mit Geburtsurkunden. Hier sehen 5ie einjtlingeres Foto eines Informationsaushanges, das an der Wand einer Entbindungs-Station in einer dgyptischen Klinik hing. Unter der Überschrift „ Wichtige Richtlinien„ lautet Punkt 2:„Es ist nicht gestattet, eine Religion anzugeben, die nicht zu den Religionen des Buches gehört, wie Bahá’í und dhnliche, denn das verstbflt gegen die himmlischen Gesetze."
3/2006 - SEITE11
[Seite 12]
Labib lskandar Hanna, ein
dgyptischer Bahá’í, der
sich Problemen rund um
seiner: Ausweis gegenüber
sieht, wurde kijrzlich in
einem Artike/ in A/-Watani
Al—Youm, einer nationa/en,
wbchent/ich in Agypten
erscheinenden Zeitschrift
interviewt. DerArtikel, wie
dutzende andere, die karzIich erschienen, beschrieb
die Probleme, denen Bahá’í
sich bezijglich Ausweisen
und religiöser Zuordnung
ausgesetzt sehen.
w .14; 5' 1,: u. J13, nip 2.1L». ,.
.u;_ wJ-hJDLL»=~,g¢i
Qt; ..,_.n,.z.,1:.; 9g... 21;. .2:
ww-wwwxnmh «w
2,1,;"94‘ uni >941 33,." anJ
,4, .1.) w J.“ 4‘ „M4 9.};
4:5)uvr.1.._mz_.s~. «2:4»; ‘94:!
ML.» )5: ,1 VM~ a» Jaw Aw?
.Awmgugxg; an... m...afimvywmaéw Am «9-):
1,3.“ 1,4.» 4.151!
419.44 Lu z_'->L;. y 19g.“ .4. ,1
J~¥W51MU~9¥19~NU>§J
W‘ 3.64 «as am JPS'L J:
@Mdymwgdw ,Prflv
103,.xxwyfl43r WQUUO.‘ &
JW-iwx
3/2006 - SEITE 12
22m:mubymg.mm,.w
ihrc Ausweise konfisziert worden waren, uls sie- beantmgt hattcn, den Namcn ihrerTochter in ihren Iiissc einzutmgen.
Die Richter Faruq ~Ali \Abdu'l—Qadir, Salah—u—l)din Algruani und Hamed A1Hnlfilwi fandcn heraus. dass iihnlich gelagcrte Fülle in der Vcrgangenhcit der islumischen Rcchtssprechung zeigcn. dass moslemischc Länder traditionell Nicht—Moslcms mit vcrschiedcnem Glaubcn behcrbcrgt haben, „0hne dass irgendjenmnd gezwungen war, seiner] Glaubcn zu iindeln.„
Und da das iigyptischc Rccht verlangt, dass jeder Biirger einen Auswcis bei sich trligt, aufdem 5611] Name und seine Religion angcgebcn ist, widerspricht es nicht der islamischen Anschuuung, die Religion auf dieser Karts zu erwiihncn, uuch wenn es sich um einc Religion handclt, deren Ritcn nicht ("iffcntlich praktizicrt warden dürfen, wie dies für Bahá’í und anderc Religioncn gilt.
„Im (legentcil mfisscn dicse Rcligiontn ausgewicscn werden, damit der Status dcs Inhabcrs bckannt ist und er somit kcinen rechtlichen Status geniclien kann, zu dem scin Glaubc ihn in einer MoslcmGesellschaft nicht berechtigt.“ schrieb dag Gericht.
Der Gerichtshofbecndctc dieVerhandlung, indem er die Regierung anwies. den K111"gern Ausweise und Geburtsurkundcn auszugcbcn, aufdcnen der Bahá’í—Glaubc als ihre Religion angcgcben wird.
Dieser Gcrichtsentschcid
O ‘1“ . n D Y 9‘5. 0 a U L M1,...JVLQWIQLghn x94“ 93)“ Uttaé-a-Zkv #145: 5-" ova“ g5 --- d—afl‘ (H a4}1941 L_Jdv Adm ml fuluwur 1,03 2.x“ A;...5'x 14 94.4.3.4; m, ~K._;_\,§L.__J1-bhk,3 J_q, 21min 1...“ J‘- M 9-44 3+~ 1.1L bt‘l—a J bu,mg;§~mgwy,¢w up.gxknuprnv: (4‘)}: 5,.“ .thflg 2-:5"¢er5ka~1¢‘¢~1~3¥399 1w“ ,L; gm 391m mu „.3, .Afugl 51359145~LL339 La
éWle11wpnfi‘pvimfi‘ u: .41... 5,4...„ 1.4L}: {J1 u. 3.35:, .1411:41? yin: it .9441 Jp—J‘ Jr“! .-e--¢ lame": W‘s >rkfmhéfika
bcwirkte einc intensive Kontroverse in der ligyptischen Gesclkchaft. Die Emotioncn, die dicser Fall hcrvorricfi wurdcn bci der crsten Anhéirung zum Regierungsnntrag vor dem Obcrstcn Verwaltungsgericht am 15. Mai deutlich.
Wiihrcnd dieserAnhdrung „unterbmchen und stérten“ Anwdltc, die die Regierung vcrtratcn. und anderc Personcn. die im (?erichtssaal s;113€n.„dic Vcrteidigcrjedemml. wenn sic versuchten. vor Gcricht zu pliidicren“. Disses bcrichtete die EIPR auf ihrer chseitc. Die Anwaltc der Bahá’í wurdcn als „Ungliiubige" bcschimptt, Lmd sie wurdcn „w2ihrcnd der Anhbrung mit physischer Gewalt bedroht."
Der Standpunkt der Bahá’í
Die Ligyptischen Bahá’í wiinschen nur das Rccht, das jcdem anderen iigyptischen Bijrgcr zugestandcn wird — ohnc wcgen ihrer Religionszugchbrigkeit Cine Unwnhrheit sagcn zu müssen. „A]les worum die Bahá’í von Agypten bitten, sind die Birgerrcchte, und dass unserc Ausweispapierc nicht falschc und bctrügerischc Angabcn enthalten“,schriebcn fiinffigyptische Bahá’í in einem Briefvom 13. Mai an das Inncnministerium. Labib Iskandar Hanna, einer der Bricfichreiber, sagte. dass die Bahá’í schon zufi‘icden wiilcn, weml auf den Ausweisen und andercn otfiziellcn Papiercn, die eine Religionsangabe vcrlangcn, die Angube „;1nClerc“ odor gar kcinc Angabe Imiglich wliren.
„Früher machten wir immer einen Strich ()dt‘l ließcn die Stellclcer.“S;1gtcl)r.Han1m,der Professor für Mathematik an der Kairocr Universitiit ist. indcm er erkliirtc, wic die Bahá’í unter dem System der lapierausweise überlebten. „Wenn Sic auf einen Beamten trafcn, der Fanatiker war, konntcn wir in cin anderes
Biiro gellcn, umjcnmnden zu finden, der einen Strich Oder kcine Angabc akchticrcn wLi rd 6. "
Mit dem ncucn, computerisicrten Auswcissystem ist diesc M(iglichkeit ausgcschlossen, sagtc Dr. Hanna. Nur die drei nncrkanntcn Religionen kénncn angcgcbcn wcrden. „Der Nichtbcsitz der ncuen Ausweise vcrhindert bei filst allcm, dass wir cs bekommen kifilmcn,“ berichtct Dr. Hanna. „chn Sie zum Beispicl Ihren Pass crneucrn wollen, frugal) sie nuch dem Ausweis. Oder wenn Sic lhrc Kinder in der Schule anmelden wollen.. Oder zluch. wcnn Sic Bankgeschiifte nbwickeln wollen, fi‘agcn die Banken nach dem ncucn Ausweis.„
Bani Dllgal, Hnuptrepriisentnntin dcs Bahá’í—Glaubcns bci den Vcrcinten Nntionen, berichtet. dieser F2111 hiittc bcrcits die Ebcnt einer grb[Sercn Menschrechtsvcr]etzung in Bezug nufdie Frcihcit der Religion oder dcs (llaubcns crrcicht, wic sie in Artikel 18 del internutionalcn Übercinkunft iibcr zivile und politischc Rechte umrissen ist.
„Es ist wichtig,imAL1gc zu bchaltcn, dass es in dieser Dcbatte nicht um Bahá’í—Theologie Oder den Bahá’í—Glaubcn geht — cs geht um dds Rccht der Bahá’í, ihrcn Glauben zu behnltcn und trotzdem die Rcchtc zugcstnnden zu bckommen. die jcder andere ligyptische Biirgcr hat.“ so Frau Dugal. Sic bestätigtc, dass ddS Urtcil dcs Vcrwzlltungsgcrichtcs grundslitzlich richtig ist:
Da das iigyptische Recht Auswcise flir allc Staatsbfirger vorschreibt und auch die Dokumentation der Religionszugchiirigkeit aufdiesen Knrten vorschreibt, ist es unfair — Lmd rechtlich widerspriichlich — 13311511 zu zwingen, sich als Moslems, Christen oderjuden auszugeben — was derzeit die Regicrungspolitik ist. Und V01" allcm: „I)ie Erliiuterungcn auf
[Seite 13]
dem Antrugsfbrmular stellcn
die Angubc unzutrcffender
Information 315 strufburen
Gesetzesbruch dar." „l)cnnoch erkllircn dic Bcamten
den Bahá’í, class sie sich 111$
entweder 211$ Moslcms. ()dt‘l
als Christen. Oder Jls judcn bezeichnen müssen."
,.Am Wichtigstcn für die Bahá’í ist es abcr, class die flilschliche Angabc eincr anderen Religion prinzipiell nicht mit ihrem Gewisscn vcrcin Prézedenzfall für Gleichberechtigung und Religionsfreiheit
enschenrechtler rund um die Welt verfolgen derzeit die gerichtliche Auseinandersetzung in
Agypten, bei der es um die
korrekte Eintragung der Religionszugehérigkeit in offiziellen Dokumenten geht. Das Urteil des Amtsgcrichtes vom April 2006, mit dem das éigyptische Immnministerium aufgefordert wurdc, den Bahá’í die Ausweise und Urkunden auszustcllen, hat in Agypten und in der arabischen Welt großc Medicnbeachtung erfahren. Denn die damit verbundenen Implikationen wirken sich — hoffcntlich — nicht nur auf die direkt betrotfcnen Bahá’í aus, sondern sind ,.sehr vie} weitreichender“, wic Hossam Bahgat, Vorsitzcnder der égyptischen Biirgerrcchtsinitiative (ABRI), eincr unabhiingigen iigyptischen Menschenrechtsorganisation, erklart.
„Dieser Prozess ist nicht nur Für Bahá’í wichtig, sondern für alle Agypter. Es ist ein Prézedenzfall in Bezug auf Staatsbfirgerschati, Gleichberechtigung und
Religionsfreiheit“, meint Hossam Bahgat. „Der Fall ist von griSBtem Interesse. Die Menschenrechtsvereinigungen, die juristischen Gesellschaften und die Medien vetfolgen den Pro2655 genau“, so Ballgat. „Wir hatten allein im Mai über 100 Iresseberichte.“
Teile der Gesellschaft, vor allem die Al—Azhar—Universitzit und die Muslimbruderschaft äußertcn starke Empdrung — auch wiihrend einer Parlamentsdebatte — über das Urteil V0111 April, da sie gegcn jegliChe Anerkennung der Bahá’iReligion sind. Diese Reaktion léste wiederum eine umfasscnde Debatte in Zeitungen und im Internet über Religionsund Glaubensfreiheit in der arabischen Welt aus.
„Aufbeiden Seiten sind die Menschen auflgebracht“, sagt Bahgat. „Es gibt Menschen, die die Bahá’í unterstützen und solche, die dies als eine Gefahr für die islamische Gesellschaft ansehen.“ Bereits am ersten Prozesstag im Obersten Gericht 21m 15. Mai, bei dem es zur Authebung des April-Urteils kam, waren die Emotionen, die der Fall ausléste, aufgewiegelt. Eine Beschreibung des Irozcsses wurde von der
bar ist: so eine Falschangzlbc kommt der Verleugnung ihres Glaubens gleich“, sagtc Bani I)Ug8]. „Die Bahá’í—Schriften verbicten L'Ligen und Irrcfiihrungjeder Art.“ I
figyptischen Biirgcrrechtsinitiative 1111 letztcn Monat auf ihrer Website ver6ffsntlicht. „Rechtsanwdlte und anderc Individuen, die im Gerichtssanl saBen, unterbrachen und stbrten dieVerteidigungjedes Mal, wenn sie versuchten, vor Gericht etwas zu sagen, durch Zwischenrufe. Sic warfen ihnen Beleidigungen an den Kopf, nannten sie ,Unglziubige und drohten ihnen wiihrend dcs Prozesses 111it physischer Gewalt“, heißt es auf dem Website—Beitrag der ABRI vom 15‘ Mai 2006.
„Unf:ihig, im Gerichtssaa] fijr Ordnung zu sorgen, vertagte das Gericht den Irozess fijr kurze Zeit, bcvor es den Vorgang vor laufender Kamera wieder aufnahm“, heißt es 1111 Bericht der ABRI weiter. „Als der Prozess vertagt wurde, weigerten sich die Sicherheitsbeamten des Gerichts, die Anwéilte zu schfltzen, die von der Menge eingekrcist, mit Worten bedroht, geschubst, herumgestoBen und damn gehindert wur den, den Saal zu verlassen.“ I
„ln diesel Debatte geht es nicht um Bahá’í-Theologie oder den Bahá’í-Glnuben
- e: gcht um dds Recht der Bahá’í, ihren Glauben zu behalten und trotzdem die Rechte zugestanden zu bekommen, dlejeder andere figyptisthe Bilrger hat. “
Bani Dugal, Bahá’í International Community
at “ ONE COUNTRY
3/2006 - SEITE 13
Die Bah
ic Bahá’í—(ue mcindc Agyptens
war cinst eine der
lcbcndigstcn und aktiv
stcn Bahá’í—(xemcimien
des mittlercn Ostens, hattc
im ganzcn Lande Geistige
Riitc und {Srtlichc Grup
pen ctablicrt, und vcrfiigte
iibcr eine bccindruckendc‘s
Spektrum :11] administrati
vcn Grcmien, Erzichungs
und Sozialcimichtungen.
Die (?cnleindc war un
tcr den crsten, die uuBerhalb
dcs Irans, dos Geburtslandes
Bahziu‘llfihs, dcs Begrfin
ders dc‘s (§l;u1bens.erfichtet
wurdcn. Bahá’í sicdeltcn
sich als Kaufleutc bereits in
den sechzigcrjahrcn des 1‘).
jahrhunderts in Alexandria
Lmd Kairo an. Um 1900 wurde einc
Anzahl von Bahá’í—Bii
Chem in arabischcr Sprache
in Kain) herausgegebcn.
Agypten war zu einer Zwi
schenstation für westlichc
Bahá’í gcworden, die uuf
der Reisc v01] Oder nach
Akka warcn, das damals
zum Osmanischen Reich
gchiirtc. Dort war ~Abdu‘lB:111;i,(1€r Sohn Bnhé’u’llfihs,
wegcn Scincr Religion in 1 L
Gefimgcnschafi. Abdul—Buhé besuchte Agypten 1111 jahrc 19111,
kurz mach seiner Freilassung
aus dem Gcfdngnis. Dort
lunchtc or die Bckanntschufi mit Intellektuellen Lmd nndercn cinfluISrcichen lersdnlichkeitcn. Abdu'lBahá blitb fast zwci jahrc in Agypten. Später bcsuchte er dds Land noch zweimal.
Er wurdc hier zu einer in der ()ffi‘ntlichkeit sehr
3/2006 - SE1TE14
19/ 3.1111
bekanntcn Persönlichkeit, wic
dic Amcihmhme der lrcssc ;m
seiner Bccrdigung 1111 Jnhrc
1921 bewcist.
Die iigyptischc Bahá’í—Gcmcinde wuchs kontinuicrlich von der Zcit dcs jahrhundernvwhscls bis in die Mitte der zwanziger juhrc. Zu ihr gchiirtcn gulch Menschen mit kurdischcr, koptischer und armenischer Hcrkunft.
1m jahre 1924 wurdc der Nationals Geistige Rat der Bahá’í von Agypten gcbildct. Diescr Rat ist die 116chstc administrative K(Srperschaft auf nationulcr Ebcnc, und die Wahl war cin Zeichen der Rcifb der Gemcinde.
Einmal in den drciBigcr Jahren zolltc ein Mitglied dcs iigyptischen Parlamcntcs (imrntlich dem Glaubcn seine Ancrkennung. Und im jahrc 193-1 erreichtc der Nationalc Geistige Rat dic Anerkcnnung 315 Körperschaft. Die Behérden stelltcn \ricr Grundstfickc fiir Bahá’í—Fricdhéfe in Kairo, Alexandria, Port Said und Ismailiyynh zur Verfiigung, nnchdem sie entschicdcn hattcn, dass es ungesctzlich wiirc, wcnn die Bahá’í 11m: Totem aurmoslemischen Friedhé’rbn beerdigtcn.
Im jnhrc 1944 tliertc die (ltmcinde den 11111.jah1‘estug def Gründung dcs Glaubens in cincm eindrucksvollen, cbcn tmtiggestcllten nationulcn Zentrum in Kaim. Mchr 2115 5111) Bahá’í Landc nuhmen teil, zusammcn
nus dem ganzcn
mit 51) (ilisten ~ Christen, Moslcms undjudcn. Wiihrcnd der vicrziger und fiinfiigmjnhre wurden Bahfi’ichte und tiffcntlichc Versummhmgcn in den Mcdien
Agypten sind schon lange Verfolgungen ausgesetzt
angckiindigt. Sic wnrcn 011111 für dicAllgcmcinhcit. ()t1lzielle statistischc Veriifi‘cntliclumgen rcihten die Bahá’í unter die in Agypten aktiven religi(Sscn Bcwcgungen ein. 1111 April 1955 erwurb die (lcmeindc cthl 170011 qm Land an den Ufcrn dc‘s Nils 2115 zuk Lmftig6 Stiittc für ein Bahá’í Hnus der Andacht. Ends der flintzigcr jahre gab es in 13 kleincrcn und gréficrcn Stidtcn (firtlichc Rite. und an 11 wcitcren Orten Bahá’í(?ruppcn.
Zur glcichen Zeit begalm diescr Fortschritt fanatischc Menschen der iigyptiscllen Gesellschaft zu stércn. lriisident Gamal Abdul Nasser unterzcichnetc ohnc Warmmg Odt‘l Erklärung eine kurze Verordnung mit sechs Paragraphcn, dic anordnetc, „dass allc Bahá’í—Riite und Zentrcn hiermit aufgcliist und ihre Aktivithten untersagt wcrden. Individuen, Kéirpcrschaften und Institutionen wcrden gcwumt, sich jeder Aktivitlit 2L1 enthaltenf Alle Bahá'iBesitztümer — einschlicBlich des nationalcn Zentrums, der Bibliothekcn und Friedhbr‘c — wic der Bahá’í—F<)nds und —Konten wurdcn cntcignet.
Die Besitztümer und K011Itll wurdcn bis aufdcn heutigcn Tag nicht zurückgegeben. Die Regicrung vcrsprach,
/wr
duss die cinzelnen Bnhal die
Eine Gruppe von Baha'iFrauen in Alexandria, Agypten, im Jahre 1947.
Frciheit, ihrc Religion 2L1 praktizicrcn, behaltcn würden. In Übereinstimmung mit dem Bahá’í—lrinzip dc‘s ()chorsams der chicrung gegenfibcr Iiistcn die B31151 v01] Agyptcn folgsnm sofort ihre lnstitutioncn nut: Die Mitglieder der (Iemeindc Wcchsclten zu eincr andclen Form religibscn Lebens. die stillc Andachtcn Einzelner Oder in der Familic betontc, mit bcgrenztcn Aktivitliten im sozialcn Oder Ausbildungsbereich. 111 dercn Brcnnpunkt dic innerc Entwicklung stand. Unglücklichenvcisc hnben sie dcnnoch Zcitcn hurtcr Verfblgung crlcbcn miisscn, zusnmmcn mit stiindigcn Bcschrlinkungm} ihre persiinliclwn, religiöscu oder
sozialcn Aktivitiiten. I
[Seite 15]
Die Welt ist flach
E1116 neue Entdeckungsreise
111 glcich 1111f den Huuptpunkt dicscr Rczcnsion z11 k<1111111c112 T110111;1.\' Fricdnmns 1111]];11111‘ Kcrnaussngc. Buchtitc] und k1‘;1fi\'0]] cntwickeltc 1112110 Thcsc A die Welt 151 finch 7 151 1‘1111‘ waiters Bestiitigung dcssc11.\\';1s 13311511115111 vor ca. I 5()j;1l1rc11 51154101115 Er crkllirtc "Die Erdc ist 11111~ 6111 Land und £1116 Mcnschen 51nd seine 151111.101“. l);11111tistnichtgmneinnes giibe nichts Neucs 111 Fried1111111sj1'111gstel11 Buch. Div I/lilr 1'51fl111‘l1 ist cinc weir reichendc Untersuchung dazu. 1111f wclchen chen Trends und Technologicn wic dic Freiheit. dds I11tc1'11ct1111d Open—Source Progrannnc z11s;1111111c111;111tc11. 11111 es gcbildctcn Mcnschen weltweit 211 c‘1‘1116gli1‘11c11. 11111 den besten und 1101151011 K(Spfen 111 Nordanlcrikn und E111'0p;1 in Wcttbmxcrb 211 trctcn. Und dns findert 111105. 1111‘ 1111c Mcnschen 111161‘;11l.\\citschncL 101' 315 1111111 511‘11 1111s vorhcr vorstcllcn k01111tc.
Thomas Fricdnmn. c111 mit dem Pulitzer lrcis 11113gczcichnctcr K011111111ist der New York Times 111011111 dds Z11sg11111111‘111:11111‘11 dicschrcnds und chhnologicn 111111‘111‘ die Wclt ..fl;11‘l1“.Sic crzcugcn c111 „cbcncs Spiclfcld“ 1111f dcm Unternchnwn111111111dividucn 111111 1111;111111111gig 110111 Orr 111 cincm globulcn Markt k011kurricrcn.
Mittlcrwcilc ist Thomas Flicdmzm 1‘111 nnerkanntcr Expcrtc der Globalisicn111g und hut dercn AllS\\’11'k1111g 111 scincm 1999 erschicncn Buch Der Lexus 1111ddc1‘ Olivcnbaunl 111111'1551’11.l);11'111 111‘g11111c11tierte c1: duss die (?lobalisicru11g ..a111 Endc dcs zwanzigsten jnhrhunderts 211111 110111111161‘611dt‘11
inter11at1011111611 Systcm — ddS System dcs kaltcn Kricgcs crsctzend Diese Thcsc ist in Div le/r Isr
gewordcn sci.
_fidt/l weiter entwickclt durch
Hinzufiigcn dicscs (?cdankcns: dic Bcschlcunigung der Globalisicrung hut 111111 1111111 11111' Stuutcn. sondern 1111cl1 Individucn1111‘111c11111i1‘211V111' gcdachtcn Ausmulfi 111;1c11tvol] beeinflusst. Er kcnnzciclmct drci 11;11‘l1c‘111;111dv:1~ ko111111c11dc Wellcn der (?Iobnlisicrung. Die erstc war V011 14921115 111. l8! )1 ), angetricbcn durch don H1111dt‘l zwischen der Altcn und der Ncucn Welt. Dic zwcite wurdc durch dic Industricllc Revolutiun V01] 18001115 2001) nngctricbcn. 11110 Spccrspitzc wurcn 11111111111111011alc Unter111‘111111‘11.
„lch bchnupte in diesem Buch. dass wir 11111 das jahr 211011 111 eine ganz neuc Ara cingcdrungcn 51nd: Globalisic1‘1111g 3M". schreibt Friednmn. ..(}lob;1lisicr1111g 3.1)sc111‘11111pft die W011 \‘011 klein 2111fw111zikgy und 111M111 glcichzcitig das Spiclteld finch.“
.,Und \VLihlcnd die dynaIlliSChc Kraft von Globalisic1‘1111g 1.“ die globalisicrcndcn Stanten warcn, und die dynamischc Kraft in Globalisicrung 2.0 die globalisicrcndcn U11tcmchnwn w111‘c11,ist die dyna111ische K11111111 (1101131151611111thy 3.0 — das Element. was 1111‘ 11111311 cinzigartigen (?haruktcr vcrlciht — 11116 1161] el1tdccktc Kraft fi'u die Individuen z11s;1111111c11211111‘beiten und global 211 k011k111‘1‘ierc‘11.“
..UndderHcbcldercs I11dividuen und Gruppcn c1‘111i'1glicht so 6111111111 und rcibungslos global Z11 agicrcn ist nicht dic Pflrdestiirke und nicht Hardware. \‘011dL’I‘H Sothvurc — 1111c Altcn ncucr All\\c11d1111gc11
- 111 Z11511111111611spic‘1 mit der 5111311111113 cincs globalen 111561optischen thzwcrkcs, wclches 1111511111‘ 211 IlliChStCU Nachbarn gcnmcht l1;1t.“T110111;15 Fried1111111 identifizicrt 11115111119l3c11d dic „H)
REZENSION
Kriiftc, die die
\X/clt finch genmcht habcn“. Dicsc schlieflen ein: den Fall der Berliner Mauer, welcher 1111s c1‘1116glicl1t„1il1c‘1dic Wtlt 315 0111611 einzigen Markt. c111 Cinzigcs Okosysttm und einc cinzige Gemcinschaft nachz11de11kc‘11“; die Schaffung dcs Netscape—Browscrs, welchcr das Internet 1111 11111‘ 2113411111;lich machte: die Entwicklung V011 Arbeitsfiuss—lrogmnnncn, welchc Einzelncn 1111111111111 2m jedcm 011 1111 lrojcktcn mitzuwirken und der Kraft;1kt 2111‘ Korrektur dc‘s „JuhrZUUU—Fehlcrs“. wclchcr dds crstc grolie Outsourcing für Computerprogrumm111111111; Vcrursachtc. 1115 dic Unter11611111611 den Bcdurf~ 11:1tt1'11 lrogrammc 11111‘51‘111111111‘Wcisc 11611 211 schrcibcn,
ThOHLIS F1‘icd1111111konzcntricrt sich unschliclicnd11111111111 \Vic diesm Zus;1111111c111;111fder Trends~ 1111chc1111010gie11 zwci Stnatcn cincn CHOI‘IIICI) Schub gcgcbcn 11111: 1111111111 und (71111111. Mit relativ 1‘11‘51‘11g1‘0131‘11 Bcvéilkcrungcn 1101‘11 gcbildctcr Individucn. die darauf crpicht 511111 1111111ch in den globulcn Markt 211 gcl1e11.sind dicsc zwci Stanton 111 der Lage die gcschiiftlichen und technologischen Supermiichtc des 21. J11l11‘111111derts 211 werdcn.
A15 Bcispicl zitiert er X13 l)c1‘c11.d1‘11 Biirgenneister der chincsischen Stadt Dalian, bci der Bcsclneibung Chinesischer All1bitim1el1 6111 Machtzcnt1‘11111 der Sofiwareindustric 211
„In einerflachen Welt kannt ihr nicht weyIaufen, th kannt each nicht ventecken... Lebt euer leben ehrlich, denn was ouch immer ihr tut, welche Fehler auch immer ihr begeht, eines rages wird man as nachverfolgen kannen. “
Die Welt istflach: Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts Thomas L. Friedman Suhrkamp, Frankfurt/ M., September 2006
3/2006 - SE1TE15
[Seite 16]
Thomas L.Friedman
3/2006 - SEITE 16
warden: „Zuerst werden unsere jungen Leute durch Ausliinder eingestellt, und danach warden wir unsere eigenen Unternehmen gründen, Es ist wie das Bauen eincs Gebziudes. Heute sind die USA die Designer, die Architekten, und die Entwicklungsliinder legcn die Ziegel fiir die Gebiiude. Aber eines Tagesso hoffe ich, werden wir die Architekten 56in.“
Der Mittelteil des Buches behandelt primiir die Frage, wie Amerika sich umgestalten muss, wenn es darum geht in seiner Hach gewordcnen Welt zu überleben. Unter anderem wijnscht sich Friedmum,Amerika würde mehr in die wissenschaftliche Bildung investieren und sich Rahmenbedingungen aneignen, die Innovation und Führung bewirken, wie zum Beispiel ein Sonderprogramm fijr alternative Energien und Umweltschutz.
Der letzte Abschnitt des Buches behandelt die Frags, inwiefern dieser abfiachende Prozess mehr als nur die Geschiiftsbeziehungen betriftt. Er weist zum Beispiel darauf hin, class „F1achheiten“ zum Teil den Anstieg des islamischen Radikalismus erklliren. „Eine der unbeabsichtigten Konsequenzen der flachen Welt ist, dass es verschiedene Gesellschaften und Kulturen in einen viel größeren direkten Kontakt zueinander bringt“, schreibt Thomas Friedman. Er stellt fest, dass sich manChe Kulturen mit den M&Sglichkeiten der Zusammenarbeit entwickeln, wzihrend andere durch
diesen engen Kontakt „bedroht, frustriert und sogar gedemütigt“ sind,
„Wenn radikale Muslimc und Fundamentalisten zum Western schauen, dann sehen sie nurjene Offenheit, die um in ihren Augen dekadent und freiziigig erscheinen liisst“, schreibt Thomas Friedman. Und „wenn die Offenheit, die Befdhigung der Frauen und die Gedankenfreiheit und der Austausch die wahren Quellen der 6konomischen Stiirke des Westens sind, dann miisste sich die arabisch—muslimische Welt verändern. Und die Fundamentalisten und Extremisten wollcn sich nicht ändern.“
Bahá’í werden in diesem Buch wahrscheinlich einiges finden, was ihnen bekannt vorkommt. Bahá’u’lláh war
zwcifelsfrei der erste wahre Globalist der Welt — seine Vision entstammte nach Bahá'iVerstiindnis einer göttlichen Inspiration. Er sah — um an Thomas Friedmans Terminologie anzukniipfen — das „Flachwerden“ der Welt klar voraus in eincheise, dass die Menschheit crkcnnen würde, dass sie eine einzige Rasse ist, die in einem einzigen Land lebe — ein Land, welches der Planet selbst ist.
Bahá'u’lléh kennzeichnete auch einige der neuen Anforderungen für Frieden und Wohlstand in einem globalisierten Zeitalter. Diese umfassen religiöse Harmonie, die Gleichwertigkeit von Mann und Frau, h(ichste Wertschiitzung von Erziehung und dem Prinzip der Einhtit in der Verschiedenheit. Zum Beispiel sagt Thomas Friedman, dass die flache Welt durch Bine zunehmend verschiedenartige Gruppe von Spielern gestaltet werden wird. „Individuen aus allen Teilen der Welt werden ermiichtigt. Globalisierung 3.0 ermöglicht es sehr Vielen Menschen sich mehr zu beteiligen, und ihr werdet die Mitwirkung jeder Farbe des Regenbogens der Menschheit
sehcn.“ Bahfi'u'lléh sah sehr klar sine Zukunft voraus, in der alle Menschen derWelt, gleich welcher Rasse OdCl Hautfarbe, glcich behandelt würden. zugleich aktiv bei der Entwicklung einer neuen globalen Gcsellschaft. „Gott behandelt 2111c: Menschen gleich. Kein Unterschied wird gemacht.“, heilit es in den Bahá’í Schriften. „Alle Farbcn sind für Ihn annehmbar, egal ob sie weiß, schwarz Oder gelb sind.“
Thomas Friedman schreibt auch über die Bedeutung moralischer Tugenden und verweist darauf dass Internet Suchmaschinen es erschwert haben, zu liigen Oder beispielsweise die eigene Bedeutung Oder den Rufzu beschönigen. „In einer flachen Welt könnt ihr nicht weglaufen, ihr kéirmt euch nicht verstecken... Lebt euer Leben ehrlich. dcnn was auch immer ihr tut, welche Fehler auch immer ihr begeht, eines Tages wird man es nachVerfolgen können.“
Ebenso sah Bahfi'u'lléh, dass moralische Prinzipien in einer globalisierten Welt deutlich größere Bedeutung gewinnen Würden, denn die alten Standards von Vertrauen, wie die Zugehérigkeit zu einem Stamm, wijrden fiir den Zusammenhalt nicht ausreichen. „Wahrhaftigkeit ist die Grundlage aller menschlichen Tugenden“, heißt es in den Bahá’í Schriften. „Ohne Wahrhaftigkeit ist der Fortschritt der $6616 in allen Welten unmöglich.“
Div [Volt isrfladl ist ein bedeutsames Werk. Wfihrend vicle von uns eine abstrakte Vorstellung davon haben, in welchcr Geschwindigkeit die Welt cins wird, helfen die einsichtsvollen und detaillierten Ausfijhrungen von Thomas Friedman, solche Abstraktionen real warden zu lassen. Und das kann uns allen helfen, mit den Veranderungen klar zu kommen, die unsere heutige Welt so schnel] grundlegend VUdndern. I