One Country/2004 Nummer 3/Text

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„Die Erde ist nur ein Land, und al/e Menschen sind seine Barger.


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IMPRESSUM

ONE Couum wird herausgegeben von derBahá'i International Community, dieals Nicht-RegierungsOrganisation bei den Vereinten Nationen die weltweite Bahá’í-GemeindereprésenA tiert.

ONE Couumv, Office of Public InformaA tion,Bahá’í International Community, Suite 120,866 United Nations Plaza, New York, New York 10017, USA, EiMailz1country@bic.org Chefredakteur: Brad P0korny.Chefvom Dienst:Ann Boyles.Auslandsredaktionen: Christine Samandari-Hakim (Paris),K0ng Siew Huar (Macau), Guilda Walker(London).Deutschsprachige Redaktion: Peter Amsler,Teresa Kéther, Freie Korrespondenten: Hilde Fanta (Osterreich), Silvia Fréhlich (Schweiz),Jutta Bayani (Luxemburg). Geschéflsfflhrung: Hartmut Nowotny, Arezu Braun. Übersetzerpool: Lisa Hiemer, Beitrége aus ONE COUNTRY können kostenfrei nachgedruckt werden unter Angabe der Quelle. Anschrift: ONE Coumnv, Eppsteiner Str. 89, D-65719 HofheimALangenhain, Germany.Te|. +49-6192-99290,

Fax +49-6192-9929991Herausgeber derdeutschsprachigen Ausgabe: NationalerGeistigerRat derBahá'iin Deutschland e.V.

Einzelheft: Euro 2,25/SFr 4,-. Jahresabonnement: Euro 8,~/SFr15,(incl MWSt u. Porto). Die Zeitschrift kann beim Bahá'LVerlag,

Eppsteiner Str1 89, 65719 HofheimLangenhain, bestellt werden. Copyright 2003 by Bahá’í International Community. ISSN 09457062. Gedrucktauf1oo% Recyclingpapier.

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MUNCHEN. - Zum Tag der Deutschen Einheit haben die grol Sen Religionsgemeinschaften in Deutschland im TUrkisch—Islamischen Zentrum in Milnchen eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Darin setzen sie sich fUr das Recht der Religionen auf 0ffentliche Présenz ein.

Die vom Interkulturellen Rat in Deutschland herausgegebene Erklärung ist unterzeichnet von Dr. Henry Brand, Zentralrat derJuden in Deutschland, Dr. Nadeem Elyas, Zentralrat der Muslime in Deutschland, Prof. Dr. Ingo Hofmann, Nationaler Geistiger Rat der Bahá’í in Deutschland, Prof. Dr. Johannes Löhnemann, Religionen fUr den Frieden (WCRP/BRD), Dr. Jflrgen Micksch, Interkultureller

GENF.—Am1.Januar2005 startet das Weltprogramm fUr Menschenrechtsbildung der Vereinten Nationen. Dies beschloss die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen bei ihrer jéhrlichen Sitzung in Genf und empfahl der Generalversammlung die Ausrufung eines solchen Programms.

In der ersten Phase bis 2007 wird sich das Programm auf schulische Menschenrechtsbildung fokussieren und MafSnahmen erarbeiten, die die Mitgliedsstaaten der UNO umzusetzen haben.

Nach allgemeiner Auffassung innerhalb der deutschen NGOs hatten der Aktionsplan und die Leitlinien zur Dekade von 1995 bis 2004 aufdas Regierungshandeln in Bund und Lénder keinerlei Auswirkungen gehabt. In Schule, bei Polizei und Justiz sowie in der sozialen Arbeit fand Menschenrechtsbildung kaum

„Religion ist Bfientlich“ Erklärung der Religionen zum Tag der Deutschen Einheit

Rat in Deutschland, Barbara Rudolph, Geschäftsfuhrerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland und Dr. Alfred Weil, Deutsche Buddhistische Union.

Angesichts der gesellschaftlichen und juristischen Auseinandersetzungen um das Kopftuch muslimischer Lehrerinnen und das Kruzifix in deutschen Klassenzimmern nimmt die Erklärung Stellung zur Frage des AusmafSes religiöser Bezflge in der Offentlichkeit. Das friedliche Zusammenleben der Angehörigen unterschiedliCher Religionen könne nur gelingen, wenn den verschiedenen Religionsgemeinschaften im Rahmen der grundgesetzlichen Vorgaben staatlicherseits gleiche Rechte eingeraumt und gleiche

Programm betont Verpflichtung der Staaten Für Menschenrechtsbildung

statt. Das neue Programm könntejedoch nach Ansicht von Beobachtern die gegen Ende der Dekade einsetzende Dynamik innerhalb der Menschenrechts- und Bildungsorganisationen verstérken. So sei zu Beginn des Jahres 2005 mit einer Reihe von Initiativen zur Verbesserung der Menschenrechtsbildung in Deutschland zu rechnen.

Pflichten auferlegt wurden. Dabei brauche die Offentlichkeit den Einsatz der Religionen zum Wachhalten der Sinnfragen gegen einseitige Ideologien des Konsums und des Erfolgs, zur Fundierung der Ethik, zur kritischen und mahnenden Begleitung von politischen Prozessen im Sinne der sozial Schwachen und Marginalisierten, als Gewissen der Gesellschaft fUr ein solidarisches Miteinander der Generationen, fijr die Familien und die sozial Benachteiligten, zum Eintreten für die Unverngbarkeit menschlichen Lebens, besonders an seinen Grenzen, zur Wahrung eines reichen kulturellen Erbes in Literatur, Architektur, Kunst und Musik, zur Présenz der Wertetraditionen, von denen unsere Gemeinschaft lebt, in der bffentlichen Erziehung sowie zur Stérkung des Engagements fUr Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Natur.

Die Religionsgemeinschaften, so die Erklärung weiter, mflssten sich jederzeit daran messen lassen, 0b sie diese Funktionen in freiheitlich-demokratischer Weise wahrnehmen und sie Toleranz und Offenheit in wechselseitiger Achtung und in Achtung vor nicht religiös geprégten Menschen und Gruppen praktizieren. Die Présenz der Religionen in der Offentlichkeit werde dann dazu beitragen, die Gesellschaft lebendiger und humaner zu machen.

Women Helping Women Award

NEW YORK.— Die HauptreprésentantinderBahá'i International Community bei den Vereinten Nationen, Bani Dugal, erhielt von Soroptimist International den „Frauen Helfen Frauen“—Preis. Der Preis wurde in den Wochen vor dem 8. Mai, dem Internationalen Frauentag, der von vielen Bahá’í-Gemeinden auf der ganzen Welt begangen wird, ver|iehen.

„Frauen Helfen Frauen“ ist



einer von drei Preisen, die im Rahmen des Programms „Etwas fijr Frauen bewirken“ ver|iehen werden. Es wurde im Jahre 1986 von den Soroptimists ins Leben gerufen, um denjenigen Anderkennung zu schenken, die fUr die Verbesserung der Stellung der Frau in der Gesellschaft arbeiten. Soroptimist International ist eine vor 70 Jahren gegrUndete Freiwilligenorganisation fijr Frauen.

[Seite 3]Gemeinsames Manifest der Religionen in Stuttgart: Religionen wollen friedliches Miteinander

‘9.

STUTTGART. — „ Der interreligiöse Dialog braucht solche Nachrichten. Die Initiative von OberbUrgermeister Schuster ist eine Pionierleistung mit Beispielcharakter fUr weitere deutsche Städte."

Mit diesen Worten reagierte Michael Gollmer von der Bahá’í-Gemeinde in Stuttgart auf die Initiative des Stuttgarter Stadtoberhauptes, sieben Religionsgemeinschaften der baden-wijrttembergischen Landeshauptstadt an einen Tisch zu bringen.

„Wir wollen préventiv tétig werden“, begrflndete Oberbijrgermeister Wolfgang Schuster seine Initiative. Zwar gebe es derzeit keine ernsten Konflikte, doch sollte es dazu kommen, könne man mit Hilfe dieses Gremiums schnell reagieren, erklärte Schuster bei der Vorstellung eines gemeinsamen Manifestes „fUr ein friedliches und aktives Miteinander der Religionen in Stuttgart“. Beteiligt sind neben den beiden grofSen christlichen Kirchen die Israelitische Religionsgemeinschaft WUrttembergs, der 6rt|iche Geistige Rat der Bahá’í, das Buddha-Haus Stuttgart sowie mit der TUrkisch—Islamischen Union und der Bosnisch-Islamischen Gemeinschaft zwei muslimische Vereine.

Die Religionsgemeinschaften erklairen unter anderem, sich dafijr einsetzen zu wollen, dass eine Religion niemals zur Rechtfertigung von Gewalt dienen kann und nicht fUr politische Zwecke missbraucht werden darf. Außerdem sieht es vor, dass die Gemeinschaften den de


mokratischen Rechtsstaat aktiv unterstfltzen, damit Extremismus und Fundamentalismus keine Chance haben. „Wir wollen damit aufzeigen, dass Gewalt kein Weg ist, sondern nur Respekt und Toleranz zu einem friedlichen Miteinander fUhrt", so OberbUrgermeister Schuster.

Ziel sei es, auch andere Gemeinschaften zu einer Unterschrift zu bewegen. Dazu sind hundert Religionsgemeinschaften und Vereine in Stuttgart gebeten worden, sich dem Manifest anzuschliel Sen.„Wir hoffen auf eine noch breitere Basis“,

sagte OberbUrgermeister Wolfgang Schuster bei Vorstellung des Manifests, dass die Vertreter im Namen ihrer Organisationen am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, feierlich im Rathaus unterzeichnen wollen. „Dieses Datum erinnert an ein Ereignis, bei dem das friedliche Miteinander nicht mehr funktioniert hat", betonte Schuster. Mit der Unterzeichnung an diesem Datum wolle man ein Zeichen gegen dieses offensichtliche Versagen setzen.

„Deutsche Menschenrechtspolitik ist entwicklungsfähig“

BERLIN. - Unter dem Titel „FUr eine Kultur der Menschenrechte und der internationalen Rechtsstaatlichkeit in Deutschland“ hat das Forum Menschenrechte, ein Netzwerk von 45 Menschenrechtsorganisationen, eine Halbzeitbilanz der Menschenrechtspolitik von Bundesregierung und Bundestag vorgestellt.

Demnach könne die Bundesregierung internationale Rechtsstaatlichkeit unter Beweis stellen, wenn sie Vertrége wie die Kinderrechtskonvention und das Zusatzprotokoll zur UN-Anti-FolterKonvention „ohne Wenn und Aber“ ratifizieren und umsetzen wijrde.

Nach wie vor beklagen internationale Gremien wie das UN—Komitee gegen Folter oder das Komitee fUr die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte die ungenflgende Umsetzung der Menschenrechte in Deutschland. „Das Forum Menschenrechte erwartet, dass die Bundesregierung dies als Chance nutzt, den Grundrechteschutz in unserem Land weiter zu entwickeln, statt trotzig wegzuhören“, sagte


Andreas Selmeci, Referent fUr Menschenrechte beim Diakonischen Werk.

Menschenrechte werden in Deutschland zudem noch immer als eine Sache der Außenpolitik und kaum als Querschnittsaufgabe betrachtet. Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung sollte es darum nicht nur im Auswértigen Amt, sondern in allen Ressorts und im Bundeskanzleramt geben.

In seiner Zwischenbilanz wilrdigt das Forum Menschenrechte die offene Zusammenarbeit staatlicher Stellen mit Nichtregierungsorganisationen. Positiv sei auch das Engagement des Bundestages zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern zu bewerten. Schließlich sei es lobenswert, wenn das Außen- und das EntwickIungsministerium die Notwendigkeit von Krisenprévention betonen.

EUROPA-MAGAZIN

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DEBATTE


Anmerkung der Redaktion: Der nebenstehende Text ist ein Auszug aus einem ldngeren Artike/ der 20022003 Ausgabe von „ The Bahá’í World“. Der komp/ette Artike/ kann auf Seite 199 jener Version oder auf www.onecountry.org/

e154/social.pdf gefunden werden. ‘



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uf der ganzen Welt

gehen immer mehr

Menschen aufdie StraEen undprotestieren, weil sie davon Überzeugt sind, dass die großen globaIen Méchte das Wohlergehen des Durchschnittsbijrgers zugunsten des Großunternehmertums, multinationaler Firmen, der Regierungselite, der Kriegsmaschinerie, der Umweltzerstérung und anderer Ubel ignorieren. Sie sind der Meinung, dass ihre Regierungen versagt haben, sehen ihren Lebensunterhalt und ihre Lebensweise gefaihrdet und entdecken eindeutige Anzeichen sozialer Ungerechtigkeit.

Der Hauptausléser fUr die weit verbreiteten Proteste war„die Globalisierung“, ein Phénomen, das sich auf zwei vollkommen unterschiedliche Arten auswirkt. Einerseits trug sie, laut Joseph Stieglitz, dazu bei, dass Völker und Lénder durch „die enorme Verringerung der Kosten fUrTransport und Kommunikation, sowie das Niederreissen von kUnstlichen Grenzen beim Verkehr von Gütern, Dienstleistungen und Kapital,Wissen und (in geringerem Maße) Personen“ integriert wurden.

Kritiker sprechen von verheerenden Auswirkungen, die die wirtschaftlichen Aspekte der Globalisierung mit sich brachten, da sie ein unausgewogenes System, das den Reichen auf Kosten der Armen zugute kommt, fördern — ein Trend, den einige Statistiken bestétigen. Im Jahre 2003 waren es

' 54 Lander, die éirmer waren

a|s1oJahre zuvor und mehr als die Hélfte der 100 grdBten WirtschafissystemederWelt sind inzwischen schon eher Körperschaften als Nationalstaaten.

Naomi Klein, eine der am 6ftesten zu vernehmenden Sprecherinnen der Anti Persönliches in der globalen

Globalisierungs—Bewegung sieht das Versagen der Regierungen, in diesem Szenarium eine aktive Rolle beim Schutz des Wohlergehens ihrer BUrger zu Übernehmen, als einen „Betrug„ an der „absoluten Notwendigkeit an, aufgeschlossene Demokratien mit aktiver Bürgerbeteiligung zu praktizieren“.

Es ist also nicht verwunder|ich, dass eine wachsende Anzahl von Menschen nach neuen Wegen sucht, sich Gehör zu verschaffen und etwas zu bewirken. Seien sie beunruhigt Über das Elend, das die Handlungen multinationaler Firmen nach sich ziehen, besorgt Über die alarmierende Umweltzerstérung, entsetzt Über die sich verschlechtern de Lage der Armen in derWelt oder verargert Über die Teilnahme oder Nicht-Teilnahme ihrer Regierungen an militérischen Einsiatzen auf der ganzen Welt.

Trotzdem wird viel darÜber diskutiert, wie man voranschreiten könnte.Während einige den |angsameren Weg berrworten und Reformen innerhalb des existierenden gesetzlichen oder administrativen Rahmens durcthhren, bevorzugen andere direktes Handeln, also den schnelleren und wirkungsvolleren Weg, um soziale Misssténde zu beseitigen. Naomi Klein erklärt, dass „eine neue Kultur einer lebendigen, direkten Demokratie entsteht, eine Demokratie, genéhrt durch die direkte Teilnahme der einzelnen Mitglieder und nicht geschwécht durch passives Zusehen“.

Diese zunehmende Betonung der direkten Demokratie spiegelt sowohl die Enttéu schung gegenÜber bestehenden politischen Systemen wider, als auch die Überzeugung, dass die Kraft des Einzelnen das stérkste Mittel ist, um Wandel herbeizufUhren und soziale Gerechtigkeit zu bringen. Laut soziologischen Theorien von Individualisten und Anarchisten, mit denen die Anti—GlobalisierungsBewegung gewisse Gemeinsamkeiten hat, b|ockieren der Staat und die Gesellschaft, durch ihre BemUhungen sie zu kontrollieren, die „natUrlichen Energien“ von Einzelnen.

Michael Karlberg von der Western Washington University bemerkt:„Gesunder Kulturverstand bringt viele dazu zu glauben, die beste Artjegliche soziale Institution zu organisieren sei der Wettkampf. Paradoxerweise Überzeugt er auch viele davon, dass die beste Art diese Institutionen zu reformieren der Protest — sowie andere entgegenwirkende Strategien des sozialen Wandels — seien. Proteste, Demonstrationen, die Bildung unabhängiger Parteien, Rechtsstreit, Streiks und andere Strategien des Widerstandes sind die typischen Methoden, um soziale Verénderungen herbeizufijhren. In extremen Féllen kommen sogar Gewalt und Terrorismus zum Einsatz.“

Den verschiedenen Beispielen die dieser Ansatz umfasst unterliegt die Iangjaihrige Auffassung, dass derAngriff des „Anderen“ — seien es Regierungen, Firmen oder Institutionen — das wirkungsvollste Mittel zur Beschleunigung von Verénderung in der Gesellschaft sei.

Kann jedoch eine auf gegneri


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Engagement

livilgesellschaft

schen Strategien beruhende Bewegung die Einheit innerhalb der eigenen Reihen bewahren — oder eine Gesellschaft hervorbringen, die den BedUrfnissen all ihrer Mitglieder gerecht wird?

„Falls sie in der Vergangenheit brauchbarwaren, so scheinen sie nun an einem Punkt abnehmender Ertréige angelangt zu sein“ schreibt Dr. Karlberg.

„GegnerischeStrategien rechtfertigen die Annahmen im Hinblick aufdie menschliChe Natur und die Gesellv schaftsordnung, die das Dreimächtesystem tragen. Wenn sich Aktivisten der BUrgerinitiative parteipolitisch engagieren, rechtfertigen sie dadurch die wettkémpferischen Regierungsmodelle, von denen sie sténdig benachteiligt werden. Auch wenn sie sich an Rechtsstreitigkeiten beteiligen, rechtfertigen sie genau dadurch die auf Gegensétzlichkeit beruhenden Systeme der Rechtssprechung, von denen sie immerwährend benachteiligt werden. Sogar StralSenproteste, Demonstrationen und ziviler Ungehorsam rechtfertigen die grundlegende Annahme,dass Wettstreit und Opposition notwendige Formen sozialer Interaktion seien.„

Zu oft werden die Grundursachen fUr die Anliegen der Aktivlsten nicht angesproChen. Innerhalb dieses größeren Kontextes leistet die Bahá’í—Gemeinde, die sich auch mit den Problemen, die die menschliche Gesellschaft plagen beschäftigt, eine Anzahl von Beitrégen im Kampf um gesellschaftliche Verénderung —jedoch mit einer anderen Vision und einem

anderen Ansatz, auf Basis ihrer Heiligen Schriften. Eine grundlegende Lehre des Bahá’í-Glaubens ist, dass die Menschheit an der Schwelle ihrer Reife steht. Deshalb muss sie geeignete neue Fähigkeiten, Einstellungen und Fertigkeiten erwerben, die es der Menschheit ermöglichen Über ihre stark vereinfachte und begrenzte Überzeugung hinauszuwachsen, dass menschliche Wesen von Natur aus aggressiv und streitsUchtlg sind und nur durch gegenseitiges sich Ausspielen von „uns“ gegen „die anderen“ fortschreiten konnen.

In den Augen der Bahá’í konnen Konflikte am besten gelost und gesellschafilicher Wandel am besten durch ein neues Muster der Einheit und Zusammenarbeiterreicht werden, welches auf der Anerkennung der grundlegenden Einheit der Menschheit basiert. Es ist eine Vision der menschlichen Einheit, die vor allem die Wichtigkeit der geistigen Natur des Menschen betont.

Die Bahá’í streben also danach gesellschaftliche Probleme zu Ibsen, indem sie versuchen das anzusprechen, was sie als geistige Wurzel des Problems ansehen — ihrVersagen, die Einheit der menschlichen Rasse anzuerkennen und aus ganzem Herzen anzunehmen.

Wennjedoch gegnerische Beziehungen als die Norm fUr jegliches Handeln innerhalb derGesellschaftangesehen werden, wie konnen wir von diesem gegenwértigen Modell des „ln-Schach—Haltens“, in dem Institutionen als kontrollierend und die Freiheit

einschrénkend angesehen werden, zu einem Modell der Befähigung gelangen?

Das neue Muster, das von der Bahá’í—Rellgion vorgebracht wird,konzentriert sich darauf, Einzelne zu befähigen Botschafter des konstruktiven gesellschaftlichen Wandelsin ihren Gemeinden zu werden, oder, in den Worten eines Schriftstellers„die Fähigkeiten in Einzelnen und ihren Institutionen zu kultivieren, an ihrer eigenen Entwicklung teilzuhaben“.

Die Bahá’í-Ansicht,dassWandel etwas von Natur aus Organisches ist, ermoglicht es der Gemeinde ihn auf festgesetztem, rechtngltigem Wege zu verfolgen. So wie ein menschliches Wesen vom Séuglingsalter bis zur Reife zahlreiche Stufen der Entwicklung durchmachen muss, so kann sich auch „die politische Welt nicht plotzlich vom Nadir der Zerr L'Ittung zum Zenith der Rechtlichkeit und Vollkommenheit entwickeln. Befähigte Personlichkeiten mUssen sich vielmehrTag und Nacht bemUhen und alle Mittel, die zum Fortschritt fijhren, anwenden, damit sich Regierung und Volk Stufe um Stufe entwickeln,Tag fierag, ja Stunde fijr Stunde“ laut Abdu'l-Bahá.

Außerhalb des gegnerischen „Wettkampfmusters„ richtet die Bahá’í—Gemeinde ihre Energien darauf, zur Entwicklung „solcher Mittel“ zu ermutigen„,die dem Fortschritt zutréiglich sind". Als noch sehr junge Gemelnde sammelt sie wertvolle Erfahrungen darin wie man „Lernverbénde“ an der Basis derGesellschaft fordem, sowie Einzelne als auch Institutionen befähigen kann ihren eigenen Weg der Entwicklung zu gehen.

Sowohl das Reifen der demokratisch gewéhlten Bahá’iRegierungskorperschaften auf ortlicher Ebene als auch der Fortschritt eines weltwei ten Systems fijr das Training menschlicher Ressourcen sind ein Beweis lnnerhalb der Bahá’í—Gemeinde fUr den Erfolg dieses Musters Die Bahá’í versuchen auch Wege zu finden, die von ihrem Glauben inspirierten Einsichten und Fertigkeiten der Gesellschaft anzubieten; hauptsächlich in Form von BemUhungen im Bereich der sozialen und Wirtschafisentwicklung aufder ganzen Welt.

Die Anerkennung davon, dass geistigerWandel die Basis fUr die anhaltende Verbesserung der materiellen Umsténde sein muss ist der wichtigste Punkt des Bahá’í—Ansatzes fUr gesellschaftlichenWandel. „Der drängenden Notlage der Menschheit wird man nicht begegnen konnen durch einen Wettkampfrivalisierender Ambitionen oder durch Proteste gegen diese oder jene der zahllosen Ungerechtigkeiten,dieein Zeitalter voller Verzweiflung befallen haben,“ schreibt das Universale Haus derGerechtigkelt. „ES bedarf vielmehr eines grundsétzlichen Bewusstseinswandels, einer uneingeschrénkten Annahme der Lehre Bahá’u’lláhs, dass die Zeit gekommen ist, in der jeder Mensch lernen muss, VerantwortungfijrdasWohlergehen der gesamten Menschheit zu Übernehmen.“


Letztendlich kOnnen das vorÜbergehende Überlappen individualistischerTagesordnungen oder kurzleblge politische Verbindungen, wie es fUr die meisten Protestbewegungen Ublich ist, nicht zu anhaltendenVerénderungen fUhren.Wennjedoch eine Verénderung der Überzeugung entspringt, dass die Menschheit eins ist und dass sowohl der Einzelne als auch die Institutionen ihre sich gegenseitig beeinflussende Rolle im Dienst an der l Menschheit spielen, dann

wird sie von nachhaltigem

Charakter sein. ‘

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David Ngakele, der Regionalkoordinator von Aprodepit, pruft mit Papier und

Stift in der Hand , nach acht Monaten der Vorbereitung den ersten 1 Fischfach im Dorfe Kodjoguila.

In Tscahd lihft em Projekt zur


Férderung von umweltvertréiglichem Fischfang zu einer dynamischen Gemeindeentwicklung

TSCHAD


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Aprodepir, eine

Bahá’í’-i1zspiricrrc Nidlrrqgicr11;zg5m:qa;1isation, leg)“ bci ilzrml Bahá’í/zulzgcr'l I'm Bcrczr/z (1'65 Utnwclfsdzut:05 um! der Germindcmzrwidelzmg mf/ang (/05 C/Iari-F/usscs [wsonderm I/Vcrr atgf alkomciuc Bcrci/{qzmg

mm varmlg.

ALTAMA.Tschad 7 Ali Herstcllcr und Vcrkiiuth \‘011 Fischcrnctzcn \Vusste Ali Mahnnmtnurzu gut.dasshic‘1‘. im siidlichen Tcil dieses subsalmrischen ufi‘ikanischen Lundcs, die Fischc aus dem ChariFluss lungsam versclnvandcn. „Vor f1111f261111jglll‘611 ging dic Fischerei noch gut",berichtet Ali Mnhamnt. „/-\bcr sie wurdc immcr schlechtcr, bis es pruktisch nichts mchr gab.“ Bis VOI‘ cinigcnjahren. gibt Ali Mnhamat zu, hatte er mit seiner Unachtsamkeit sclbst zum Ausstcrben der Fische bciv gctragen. Er machtc dnmnls, \\ic crjctzt WciB. den gut geFchlcr.

klcinnmschigerc Netzc zu vcr mcinten immcr

knufen, um damit die lctztcn paar unausgmvnchsenen Fischc die 65 noch gab zu {angel}.

Bis er eincs Tagcs versuchA te, seine Netzc an die Fischcr disses D01fes. cm"! 70 Kilomgu ter stidbstlich v01] SnrlL der Hauptstadt dicscl Region. 211 vcrknufcn. Die Fischcr hicr huttcn undercVorstcllungcn. Sic hattcn eine (?emcindcgruppc gcgriindct und auch \‘0 ctwns \vic lokale Jugdgesctzc cingcfiihrt. um die Fischcrci \vicder nnzukurbcln.

„Sic sngtcn Illil, ich kfiinnc hicr kcinc cngnmschigcn Netze vcrkautln“, bcrichtet Ali Mahumnt. „Sic1neintcn, ich k611nc nur gmlfimnschige Netzc vcrknufcn Dies 501‘ um die Fischc zu sclliitzcn.“

[Seite 7]chte gibt es, uuf (yrund solcher Aktioncn, wieder zunchmend mchr Fischc im Chari—Fluss in del Snrh—Region und uuch underc Zcichen dcs Wolllstandes mnchen sich bemcrkbur. Ein (hoBteil dcs Erfolgcs muss APROINEPIT zugute gchalten warden. cincr 1331151‘i—inspiricrtcn Nichtrcgie1'11mgsorganisation. die hicr seit mchr als eintm jahrzehnt darun arbcitct. eineVielfalt vonVerthhrcn. die zur nachhaltigen Ent\\icklung bcitrngcn. an der Basis der Gemcindc zu fljrdcm..

Beratung mit den Dorfbewohnern als Grundlage der Selbstbestimmung und aktiven Beteiligung aller

AI’RODEPIT, die ihren Sitz in Sarh hat, konzentriert sich darauf, Gemeinden ein Training in velbesscrten Fischfimgmethoden. der Fischzucht und der Haltbarmachung V011 Fisch durch Riiuchcrn und Pékeln anzubictcn. Sic flirdert auch dns Kompostiercn, die Baumzuchn die Wicderuufforstung und den Schutz V011 Wildtiercn.

Seit ihrcr Gründung hat APRODEPIT dnbci gcholtkn mehr als 1-H) Gcmcindcgruppen in dieser Region, sowic einigc duzend mcln in den Gcbietcn um N‘Djamena, der Hauptstadt dos Lnndcs, zu bilden.Auf(1runddercinzigartigen Methods der Aktion und Bemtung an der Basis der Gemeindc. bci der def Einzelne aktiv integricrt \vird, sind nus cinigcn dicscr (huppcn undere Vorhnben hcrvorgcgangen, \Vic zum Beispicl die Verwalmug eincr von der Gcmcinde gcgfiindcten Schule.Alphabctisicrungsuntcrricht für Frauen und dje Errichtung V011 Kornspcichcrn für die Dérfcr.

..In Wahrheit konzentriert sich ddS von uns zurVerfiigung gcstelltc Training darauf, wie sich die Gemeinden selbst weitcr entwickeln können“.s;1gt

Yam—bel—yam Kosse Malla. der Gründer und Leiter v01) APRODEPIT. .,Die Grundidcc ist. einen organischen Prozess der Gemeindeentwicklung zu fdrdern.“

„Sie beginnen mit eincr Fischzucht und haben einen gcwisscn Ertmg. Dunn merken sic, dass sie mehr Geld haben, abcr ihre Kinder keinc Schulbildung. Also bcschlielicn sic.ei110 Gemeindcschulc zu griindcn. Danach kommen Sic Vicllcicht nuf die Ides. dass sie Problcmc mit ihrcr Gesundheit hubcn. also untcrstfitzcn Wir sic. indcm wir ilmcn Gcsumlhcitserzichung zmbieten. Nach diescm Muster schafft c S das l)01‘f.sich Schritt fiir Schritt sclbst zu cntwikkehl„. crzlihlt Kosse Malia.

DieserAnsatz hut in Walmmn gut fimktionicrt. Dieses Dorflbrmtc seine crste (Eruppe imjahrc 1995 und hut seitdcm eine Viclzahl von M‘JBnalmlcn zum Schutz des Fischbestandcs in Kraft gcsetzt. eine Dorfichulc gegriindct, einen Kornspcicher flir dns Dorferrichtct und. crst kürzlich, ein Alphabetisierungsprogramm fiir Frauen ins Leben gerufen.

.,Mciner Mcinung nach

@933; L, t

hclfcn dicsc (?ruppcn dem Dortschr“, bcrichtct Gnstonc Alladu, 7U, der Hiiuptling V011 Waltnmafhlch cr bcstlitigt die wichtigc R0119. die APRO|)EI’IT in dicscm Prozcss spiclt. „F1‘iiher gab cs kcinc Fische:

jctzt gibt cs Fisch. Frühcr gab

cs kcinc Sclmlc;_jctzt gibt es eine SChuchlso bin ich schr glücklich.„

Eines der firmsten tinder der Welt

Tsclmd, d JS im Hcrzenjencs Tciles Afi‘ikas siidlich der Sahara licgt. gchört zu den armstcn Ländern derWelt. 1m Weltc1ltwicklungsbericht 2003 C165 Elltwicklungsprogramms def Vereinten Nationen (UNDP) steht 65 an der 11. Stelle der Listc der unterennvickcltsten Nntionen.

1.21th UNDP lebt der durchschnittliche Tschndmncr V011 \Veniger 315 3 US Dollar pro Tag. Die Alphabetisicrungsrate bei Erwachscncn liegt bei Miinnem bci 53%,bci Frauen bci 36%. Lmd cthl 73% der Bevölkerung habcn kcinen stiindigen Zugang zu hinliinglich saubcrem Wzlsscr.




APRODEPI‘I' gibt Training in verbesserten Fischfangtechniken, Fischzucht und Schutz der Fische. Das Projekt organisierte mehr als 14o Gemeindegruppen und farderte die Gründung von Dorfschulen, AIphabetisierungsgruppen Für Frauen und Donspeicher Für Getreide.

Yam-bel—yam Kosse Malia, der Gründer und Direktor von Aprodepit. „Unsere entscheidende ldee ist es, einen organische Entwicklungsprozess in der Dorfgemeinde zu initiieren.„

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[Seite 8]„lndem sie das einheimische Wissen als Ausgangspunkt Für die Einfilhrung neuer Technologien einsetzt und sich in stfindigem Kontakt mit den teilnehmenden Gruppen befindet, hat Aprodepit eine beeindruckende Erfolgsrate erzielt. Dies ist ein Ansatz, der auch von anderen Stellen der Entwicklungsfarderung verfolgt

werden sollte.“ Nénodji Madingar stellv. Abteilungsleiter im Ministerium

fflr Umwelt u.Wasser


,7.

‘1

’ c?’ ‘ ONE COUNTRY 3/2004 - SEITE 8


Die Gesamtsituation des Landes hat sich durch die Entdcckung von betréchtlichen Ollcscrven und den Bau einer internatioml finanzierten Pipeline. die das 01 zu einem Hafcn in Kamerun transportiert, verbessert.

Ein Abkommen soll die Nutzung der Gewinne aus dem alverkauf für Entwicklungsaufgaben sicherstellen

Ein einzigartiges Abkommen zwischen Olfirmen V01] Übersee, derWeltbank und der Regierung des Tschad 5011 sicherstellen, dass der Erlés nus demVerkaufdes 015 für Schulen, Straßen,Wasser und anderc Entwicklungsprioritfiten eingesetzt wird.An den Verhzmdlungen fijr dieses Abkommen waren Nichtregicrungsorganisationen beteiligt, v01] denen man sich erhofli, dass sic auch in viele Bereichc der weiteren Entwicklungsbemfi hungen eingebunden werden.

APRODEI’IT, ein Akronym für Action pour 13 Immotion dcs Ressources des Organisations de Défcnse de l Environnement ct de la Pisciculture integrée nu Tchad (Aktion zur Fbrderung von Ressourcen für Organisationen, die sich Für die Umwelt und die ganzhcitliche Fisch INTERDICTIUN

d9 (yer les hqppas

Déche régl amen tée

zucht in Tschad einsctzcn), ist seit 1992 2115 nationals Nichtregierungsorganisation anerkannt. Regierungsbcamte machen auf sie als vorbildlichen Partner bei der Bemfihung um die Férderung nachhaltiger Entwicklung aufmerksam.

Nutzung des traditionellen Wissens der Dorfbewohner

„lndem sie das einheinfische Wissen als Ausgangspunkt für die Einfiihrung neuerTechnologien einsctzt und sich in Stiindigem Kontakt mit den teilnchmenden Gruppen befindet, hat APRODEPIT eine beeindruckende Erfolgsrate mit ihren Projekten erzielt“, sagt Nénodji Madingar, stellvertretender Leiter der Abteilung für Forstwirtschaft und Aufforstung im Ministerium für Umwelt und Wasser. „Dies ist offensichtlich ein Ansatz, der auch von anderen Stellen der Entwicklungsfo‘rderung unterstiitzt und verfolgt werden sollte.“

APRODEPIT entstand Mitte der 80er jahre vor einer Kulisse von sinkenden Wasserstinden der Flijsse und Seen, schadlichen Fischereipmktiken, wie zum Beispiel die Verwendung V0n Dynamit, dem Aussterben einiger im Wasser lebender Arten und dem Bedart nach mehr eiwcifihaltigerer Nahrung.

Vom Bahá’í—Glauben, der den Dienst an der Menschheit betont, inspiriert, beschloss KOSSC Malla in Bongor, wo er damals lebte, mit einem kleinen F i s c h z u c h t projekt zu beginnen. Einige Jahre zuvor hatte er cin spezi61165 Training über Fischzucht crhalten und so

begannen 1985 seine Frau und er damit, 25% ihres Haushaltsbudgets zur Seite zu legen, um das Projekt finanzieren zu k611nen.

Mit Hilfe eines cinzigen Angestellten hob er zwei Teiche mit etwa 600 m„ Gesamtoberflfiche aus und setzte darin etwa 3.001 )Tilapia—Fischc an, cine Sorte, die besonders schnell wiichst und sich gut fortpflanzt.

Der erste Erfblg dieser Bemühungen — nach etwa sechs Monaten hatte sich die M21556 an Fisch verdreifhcht —- fiihrte zur Criindung eines kleinen Vereins mit Kosse Mallas und 11 weiteren Familien als Mitglicder. Dieser Vcrein wurde spzitcr unter dem Namen APRODEPIT eingetragen.

Nach ciniger Zeit verlegte APRODEPIT seinen Sitz V0n Bongor nach Sarh und die Gruppe der ersten 12 Familien übergab die Kontrolle an sine formcllere Organisationsstruktur, die heute einen Vorstand und mehrere beratende Komitees umthsst.

Die sozialen Prinzipien der Bahá’í-Religion als Grundlage

APRODEPIT verfolgt einen besonderen Ansatz der Entwicklungshilfe, der großes Gewicht aufdie Gleichwcrtigkeit von Mann und Frau, den Umweltschutz, systematisches Wachstum und vor allem aufenge Beratung mit der (firthchen Gemeinde legt — Prinzipien, die alle den Bahá’í—Lchr_en entstammen.

„Es sind die Bahá’í—Lehren der Beratung und Zusammcnarbeit, die das ganze Konzept von APRODEPIT ausmaChen“, sagt Allataroum Bongo, der Personalchef der Organisation.

Die Dorfbewohner von Waltama sagen, dass der von APRODEI’IT gefdrderte Geist der Beratung einer der Schlfissel zu ihrcm Erfolg war. Ein Beispiel für diesen Geist ist die Schaffimg eines Kornspeichers

[Seite 9]fiir das Dorfi erzählt Michel Miramadjingaye, Prfisident der

\X/altama—Gruppe.

„Früher lagerte jcder sein Getreide im eigenen Haus“, berichtet Michel Miramadjingaye. „Oft geschah es damn abet. dass aus dem Getreidc Alkohol hergestellt Oder es für notwendige Kleinigkeitcn verkauft wurde.“

,Jetzt bringt jeder seine Ernte in die Gcmeindcgruppe. um das Getreide gemeinsam zu lagern. Nachdem das Getreide eingelagert wurde, erstcllen alle Mitglieder 21152111111161] cincn Verkaufskalender, in dem sie festhalten, wie langc sie das Getreide aufbewahren wollen bevor sie es verkaufemAufdic56 Art und Weiss können sie es nicht einfilch nchmen und verschwendcn.Vielmehr beobachten sie die Preise und verkaufen nur dam}, wenn es sich lohnt“, sagt Michel Miramadjingaye.

Obwohl die Idce des Kornspcichers nus der Gruppe selbst stammte, wurde sie von APRODEI’IT mit einem Training in Buchfiihrung und anderen Arten der Geschfiftsfiihrung, die fiir das Unternehmen wichtig waren. unterstiitzt. „Nun wird immer mehr vorausgeplant und den Lenten ist bcwusst. wie sic

ihr chen organisieren k611nen“, sagt Michel Miramadjingaye.

Schut: Für Nilpferde und Fische als bisher bestes Erfolgskonzept

In den Gebieten, in dcncn APRODEPIT arbeitet, hattc fi‘aglos die Schaffung geschfitzter Fischfimgzonen die größten Auswirkungen.

Wie bereits V011 Ali Mahamat, dem Netzverkziufer, crkliirt. haben Gemeindegruppcn in Waltama und den Nachbardbrfern Teile des Chari—Flusses als geschfitzt erklart und Regierungsbeschliisse elwirkt, die das Fischen mit engnaschigcn Netzen verbieten. So schrfinken sic ihren eigenen Fischfimg ein, damit sich heimische Fische wieder ansicdcln kfiilmen.

Diese Gruppcn gründeten einen Verband und schufcn zusatzlich eine Schutzzone für Nilpferdc — eine Idec. die auch in einem lrozess der Bcratung in der Gemeindc cntstand.

Die Dorfbewohner beobachteten, duss an Stellen, an denen es mehr Nilpferde gab, auch mehr Fische lebten — und so stellten sie mit Hilfe eines APRODEPIT—Mitarbeitcrs Schilder auf. die ihren Abschnitt


dcs Flusscs zum Tierschutzgebiet erkliirten. Aufierdem bildctcn sie Wachpatrouillen. um Wilddiebe 21bzuschrecken.

DaS Ergebnis ist, dass seit 1995 die Anzahl der Nilpferde von zwci aufungefiihr 200 angesticgcn ist, sagt David Ngakele, APRODEPITS Koordinator Für dieses Gebiet.

Die erhbhte Anzahl v01] Nilpr Iciexl hat ihrerseits den Fischbestand verbessert. In] Nilpferdmist briiten kleine Insekten. die dann zu Putter für die Fische \xrerden,Außerdem. erziihlt einer der Angestellten von APRODEPIT, sind Nilpferde die natürlichen Wichter der Fische. Leute von außerhalb trauen sich nicht an sic heran, wiihrend die ansiissigen Fischer gelernt haben durch cine I-Ierde zu manévrieren, ohne sic: zu veriirgern.

Fischer aus Waltmna und anderen Gemeindcn sagen, dass der Fischbestund fast wieder auf die Hilfie seincs fi‘iihercn Ausmchs angcwuchscn ist. „Zuvor könnten wir in diesemTeil des Flusses kcinen einzigen Fisch mehr finden“, sagt Bernard Noubaram, ein 27jiihriger Fischer nus \X/zlltnma.

Andere Gemeinden, die in éstlicher und wcstlicher Richtung entlang des Clmri—Flus


lm Dorf Waltama organisiert eine Frauengruppe eine AlphabetisierungsKlasse als eine der Grundlagen far den von Aprodepit initiierten Proezess, alle Probleme der Gemeinde gemein5am zu beraten.

„Es sind die Bahá iLehren der Baratung und der Zusammenarbeit, die das ganze Konzept von Aprodepit aus Allataroum Bonga Personalleiter von

Aprodepit

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Die Mdnnergruppe I'm Dorf Waltama organisierte den Bau einer Speicherhauses far Weizen.

„Es beeinflusst den Ausgang eines Projektes stark, ob einheimisches Wissen als wertvolle Anregung angesehen wird oder als etwas, das ignoriert - oder schlimmer naoch ausgerottet werden sollte. Die von dem Projekt Begiinstigten sehen sich selbst sofort als Partner an, nicht als reine Beobach ter.“

Nénodji Madingar stellv. Abteilungsleiter im Ministerium

fUr Umwelt u.Wasser

_

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11151111

565 gelsgcn sind 1111bc11 V011 den Erfolgen 111 und 11111 Wlltama gehblt und trctcn nun ;111 APRODEPIT 11911111, 11111 sic um Hilfe bci i11111lic11en Unterfangen zu bitten.

1111 etwa 31) Kilomctcr nordbstlich von Sarh galegencn Doerodjoguila zum Bcispicl hat Cint Gruppe, dem Ratschlag \o11 AI’RODEPIT F0]gend, dds Fischen 111 eincm der jahrcszcitlich bedingtcn Tcichc 1111 Flussbctt des Chari—Flusscs velbotcn. Scit der Gründung der Gruppe i111juni 2003 1111bcn die Dortbewohncr Hirscsclmlcn und Braurückstli11dc 111 denTcich ge\\o1TE-11.L1111 dic Fischc zu ,fiittem".

„Zu dcn Zeitcn unscrcr (11‘0I.’>cltc‘1‘11 k01111tc c111 Fischer 1111 Cilltlll Tag Vit‘l Kanus 111it Fisch fiIIHC‘D“. sugt Dangnbo Ng;111111ye,ein fi‘iihcrcr Fischer 111111111111 Lehrcr 111 Kodjoguila. .,l);11111 kam eine Invasion V011 Fischcm 111it thzon und wir bemcrkten, dass cinigc Fisch111'te11 Vcrschwnndcn.“

1111 Mlirz 2004 vc1‘sa111111elten sich die Dorfbewohner {cicrhch L1111 den Teich. 1115 F1scher das scit juni crste Netz nus de111\X/asscr zogcn. Sic wollten sehen, ob cs fi111ktio11ie1‘t hutte — und dds Ergebnis war


1'ccl1t zufi‘iede11stcllc11d. Die Mli1111cr zogen 6111c Vielzahl V(m Arten und viclc zicmlich grolic Fischc hcmus.

Den Kreislauf der Natur wieder ankurbeln durch Naturschutz

Dangabo Ngzunayc 11161111 JUBC‘I‘CIC‘H], dass es fi‘iiher Vielc vcrschiedeneWildtielc wie zum Beispiel Rotwild und Gaze11611 gegeben h;1ttc..,111dc111 \\i1‘ bci den Fischen bcginnenhoffen wir, duss dic Bcvélkcrung dadurch sieht. wic wirVerloreIlt S zurückbringcn k61111c‘11. Und wir l1()ffl‘11,d;1ss wir. wcnn sit sehcn duss cs funktionicrt, den Wald wieder nufforsten k61111611: und we1111 der Wald untcr Natumchutz steht, siedcln sich hofibntlich Wieder Ticrc a11“,s;1gt cr.

Wenn 6111 Dorf wic Kodjoguila bci APRODEPIT 11111 Hilfc bittet. verlangt dicxc als crstex eine Generalvcrsu11111111111g der Bevijlkcrung dcs l)01'1:CS. Sic crkllirt, wclchcs T111111111g sie unbieten k111111 und Iegt den Dortbcwohnern 113116. 111indestcns 6111 Oder zwci ..Aktionsgruppcn~ zu griindcn. N01'111alc1wcise bilden sich mtslichlich zwei Gruppcn: eine

fi'u Miinner und 6111c 1111‘ Frau(‘1).

Die Gruppcn wcrdcn (1111111 dnzu angeregt. iibcr die [’10bleme zu sprechen. 11111 de11e11 sie konfi'ontiertsind 1111di11 ei116111 Berntungsprozcss 111it APRODEPIT—Miturbcitern Lésu11gsn16glicl1keitc11 zu finden. Dieser Bcrutungsprozcss ist der Kern der \‘011 APRODEPIT 1111ge\\';111dtc11 Methods.

Der Respekt vor dem Wissen der Einheimischen entscheidet über Erfolg eines Projekts

.,Esbcci11flusstdc11 Ausgang 611165 Projcktcs st;11'k.0b 61111161mischc‘s Wisscn 1115 wertvolle Anregung angcschen wird OdC‘I‘ als etwas. das ignoriert — Odt‘l schli111111c1‘ 110c11 nuggelottet # stellt Frau Madingnr \‘0111 Ministerium 1111‘

wcrdcn solltc“.

Umwelt und Wnsser 17:51. ..l)1c V011 dem lrojckt Begiinstigtcn SChCI] sich sclbst sofort 1118 Partner i11 ci11c111 Aktionsplnn 1111, 11icl1t nls reins Beobachtcr. l )ics scheint der grundlcgcndc Allsatz V01] APRODEPIT zu scin. der 61116111 Vie] grbBcrcn 1’11blikum zugiinglich gcmncht wcrden sollte.“

jcan—Pierre Révillc, der I )11'ekt01‘ V011 „Aq11;1culturc Scr\icc Consultants". 61116111 inter111111011111611 Beratungskonzcrn 1111t Sitz 111 Kanada. der sich erst kiilzlich ausgiebig 1111t APROl)El IT beschlittigt hat. sngt. dnss es Al ROl)El ITs „Gcduld. Innovation. Erkllirungen und Einbczichung allcr Hauptakteurc. sowie 1111‘Vc1‘stii11d11is der (irtlichen U111gcbu11g“ “111911, die in dc‘l] Gcbictcn. 111 de11011 51:: 211111 Einsutz k;1111c‘11, zur Schaflhng „c‘111c1‘iiulEcrstpositivcn Gruppcndynannk“ beigetragcn habt IL

Eillt der Huuptsorgcn der Region war die Abnahme dcs FiscthStnndcs. Mir der Zcit machte 1111111 sich d;11111jedoch auch Sorgcn 11111 dnsVerschwindcn bmvnldctcr (?ebiete, 11111 Wildticrc fchlcndc Erziehung und All111p1111bct15111us bei Frau [Seite 11]

611.

1111 M1112 2003 111'b611616 APRODEPIT 111 c161~ R6g1011 11111 511111 11111 I43 Gruppen; 98 M5111161‘— [111d 45 1311111611g1‘11pp611. U11g6fi1'111‘ ()0 6161' M11111161‘g1‘upp611 b6scl1i1'ftigt611 SiCh 1111t Aktivitflten fund 11111 C1611 F15611fl111g, 6twa 28 6Xp61‘1111611t161‘t611 11111 b1010g156h61‘ Lnndwirtschafi 111111 1 1 bautcn Obstbiiu1116 1111. Die Hauptaktivitliten (161‘ F11111611g1'upp611 51nd P6k6111, Ri11161161'11 und V61‘k1111f611 v011 F15611, Womit $1611 C‘tW‘él 31) \7011 11111611 116561111111g611. Alld6r6 Gluppcn 831111116111 E1121111'1111g611 mit k16111611 k21111111111111isc11611 Aktivitiit611.


APRODEPIT ist LlLlCh 1111 Z611t1'alg6bi6t V011 Tschad, 111 (161' N11116 V011 N’Dj;1111611;1,t11 t1g,wo 516 61116 G656hziftsst6116

hat. $16 arb61t6t zu1‘Z6it1111t 6twa 49 Gruppen 111 (161‘ L61‘é—R6g1011,6tw;1 9 Grupp611 111 D6116111 1111 Chari—Baguirmi—Gc11161 111111 W61t6r611 9 111 d61‘ Batha—R6g10n.

V1616 davon 111:1(311611 g1‘0156 F01‘t5C111‘1ttC 111 1h1‘61' Entwick11111g — V0111 FiSChfilllg zu $611111611, 2111~ (165Llnd11tit — 111(16111 $16 d611 v011 K0556 M11114 b6r6its 61wviih11t611 „Organischen Pro2655“ dLll ChlllélChCl]. 111 Waltama ist C111: Grupp6 (161‘ 1:1„;1L1611 211111 Bcispicl v011 (161' Haltbar111ac11u11g und d6111V61‘ka11fV011 Fischen 211A1phab6t1516ru11gsklassen {111‘ 1hr6 Mitg116d6r 11b61‘g6gz111g611.


„Wir 112111611 11111 (1611 K11155611 b6g011116n, damit (116 M1'1tt61‘ 1111‘611 K111d61‘11 b61 d611

Hausautgaben 11611611 k61111611“, sagtc Ruth N6v1110, 41), C11C‘V01‘51tZ611c16 (161‘ Frauengruppe 111 Waltama. Sic crkliirt, d21ssj6d6 (161' FI‘HUEH v011 d6111 Geld, das $16 durch (1611 VCI‘k JUf VOIl Fisch V61‘C11L‘11t,€t\v21 1 US—Do11211 pro Mount €1112£1111L Davon wird 6111 LLhl CI‘ bezahlt, (1638611 (1E11’J1t 5111611 t€i1VV€1SC v011 APRODEPIT 1111911121611 wird.

„W61111 W11 65 SChafft I] V161 Geld zu 581111116111, “1011611 wir 61116 Do1fi1poth6k6 aufinachen, damit W11 M6d12111 1111 Dorf 111111611“, fiigt Frau N6V1110 11111zu.

111 \X/ahanm hat sugar All Mahamat, dCI' N6tZV6rkL111F61‘, 211111116 von APRODEPIT 1111t6rstiitzt611 1C16C‘n 11111g6st611t. E1" 16bt 111111 davon, dass 61~ $61116 Waren 111 L161] Schutzzon611 611t11111g c165 F1LISS€S V6rkz1uft.

„Nun V6rkauf6 16h fi'eiwil11g k61116 611g111asch1g611 N6tZ6 1116111“, 61‘211'111t 61. I



„Die Geduld, Innovation und Einbeziehung aller Akteure haben eine éiufserst positive Gruppendynamik

geschaffen.“ Jean-Pierre Réville Direktor von Aquaculture Service

Einige Frauen haben sich vor dem Rducherhaus versammelt, das mit Hilfe von Aprodepit errichtet wurde.

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„Feindbild Mann“ ist out NGOs für Frauenrechte setzen auf Méinner als Partner


Bani Dugal, links, Vorsitz der Frauenrechtskommission, bei der taglichen Besprechung fUr NGOs am 2. Mdrz 2004, mit Shifra Hadi AI Hamandi, Mitte, und May Mohammad Ali, beide Professorinnen aus lrak

ON COUNT 3/2004 - SEITE 12

UNO


Beim diegjcihrlgen Treffen der Frauemechts[commission Warm 141th Mmner derm je in einem Geist der Partnerschafr ems Rednerpult, um siclzfiir die Rechte der Frauen amszusprechen. chh diese Handllmg halfen sze bei der Férdemmg eines neuen Modells der Mdrmlzc/zleeit.

EREINTE NATIOS } NEN.—A13Gründer des Siidafi'ikanischen

Männerforums Mbuyiselo Botha hier, beim jlihrlichen Treffen der Frauen mag sich

rechtskonunission derVereinten Nationen (CSW), etwas deplazicrt vorgekommen sein.Als ei nes der ersten Forcn für die Diskussion V011 Frauenrechten und den Fortschritt der Frau, wurdc die CSW traditionsgemiiB vornehmlich von Frauen und Vertretern v01) FrauenVereinigungen besucht.

Mbuyiselo Botha fiihlte sichjedoch sehr wohl. In Siidamcrika haben er und seine Organisation den Ruf, standhafte Verteidiger von Frauenrechten zu sein — besonders als Gcgner von Gewalt gegcn Frauen.

Mbuyiselo Bothas Anwesenheit und seine Zufi‘iedenheir sind Zeichen dafür, dass in internationalen Kreiscn zunehmend erkannt wird, dass der Fortschritt der Frau in seinem vollsttn Ausmaß nur unter der Bctciligung — undTransformation — V011 Männern erreicht werden kann.

Beim 48.Treff"en der CSW Vom 1.42. Mai 2004 traten mehr Ménner denn je in einem Geist der Partnerschaft ans Rednerpult, um sich für die Rechte der Frauen auszuspre


Chen. Dutch diese Handlung halfen sie bei der Férderung eines neuen Modells der Mlinnlichkeit.

„Zum ersten Mal sieht man [in der CSW] Männer nicht nur als Alibi, sondern als gleichwertigc Teilnehmer,“ sagte Mbuyiselo Botha. „Es ist auch für Miinner ermutigend zu sehen, dass Mdnner und Frauen gemcinsam diese Krankheit der Gewalt gcgen Frauen ausrotten können.\X/enn Frauen unterdrückt sind, damn sind das auch die Miinner.“

Die Anerkennung „der R0116, die Minuet undjungcn bei der Errichtung V011 Gleichwertigkeit zwischen den Geschlechtern spielcn“, war eines der zwei Hauptthemen der diesjlihrigen CSW Das andere Hauptthema beschäftigte sich mit der „gleichwcrtigen Beteiligung“ von Frauen a1) Konfliktpriivcntion und Friedens bildung.

Männer und Frauen für Gleichberechtigung

In den Resolutionen, die am Ende des Treffens verfasst wurden, betonten die RegieIungen die Schlfisselrolle der Männer bei der Unterstfitzung des Fortschritts der Frauen sowie dieWichtigkeit der Einbeziehung von Frauen in die Konfliktlbsung. „Ferner £11161„kennt die K01111nission,dassjcder von der Gleichwertigkeit der Geschlechter profitiert und die negativen Auswirkungen einer Ungleichwertigkeit von der gesamten Gesellschaft getragen werden müssen. 816 betont deshalb, dass Miinner und Jungen, indem sie Verantwortung Libernehmen und mit


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Frauen und Mfidchen in Partnerschaft zusammenarbeiten, sine wesentliche R0116 bei der Erreichung der Ziele der Gleichberechtigung, der Entwicklung und des Friedens spielen“, erkliilte die Kommission.

Die Konfliktlésung betreffend meinte sie außerdcm: „Um anhaltenden Friedcn zu erreichen ist die V0116 und gleichwertige Teilnahme V01] Frauen an allen Aspekten der Konfliktprévention, des K011fliktmanagements, der Konfliktlésung und der Friedensbildung mach Konfliktsituatiomen von größterWichtigkeit. Frauen sind in den damit verbundenen Prozessen,1nstitL1tionen und Mechanismen noch immer zu wenig vertreten.“

Die Dokumente empfehlen ferner eine Reihe V011 Schritten aufinternationaler, nationaler und lokaler Ebenc zur Férderung einer geschlcchtersensiblen Erziehung und anderer Programme, „um den soziokulturellenMnde] in Richtung Gleichwertigkeit der Geschlechter zu beschleunigen“ und Frauen mehr in die Konfliktldsung und Friedensbildung miteinzubcziehen.

Die diesjdhrige CSW hatte ausserdem, alsVorbereitung auf das Treffen im kommendcn Jahr, eine wichtige Bedeutung. Dort wird ein Ubelblick über die Entwicklungen seit der 4. Weltfrauenkonferenz in Beijing imjahre 1995 gegeben werden. Inoffiziell VV’JI‘BD sich eine große Anzahl der Delegationen im Prinzip darubm einig die Verhandlungen über die Erklärung von Beijing nicht wieder aufzunehmen — cin Dokument das versichert, dass sich die internationals Gemeinschafi dazu verpflichtet, gleiche Rechte für Frauen auf globaler Ebene zu fbrdern.

„Das ist sehr wichtig,“ sagte Bani DugaLVorsitzende des Komitees der NGOS für die Stellung der FrauViele NGOS hatten die Sorge, class Vielleicht einige Regierungcn nichstes

jahr dichrhandlungen wieder aufnehmen Wfirdcn, um manches, zu dem sie sich verpflichtet hatten, wieder rückgfingig zu machen. Offiziell ist diese Entscheidung nichtTeil des Abkommens. Es sieht aber so nus, als 0b die Regierungen vorhlitten sich einzig und allein auf die Durchführung der letzten Übereinkommen zu konzentrieren und nicht die ihnen zu Grunde liegenden Prinzipien zu tindern.“

Bani Dugal, die auch die Hauptrepriisemantin der Bahá’í International Community bei denVereinten Nationen ist, sagte, dass die Regierungen sich bercitelklfilt hiitten, beim niichsten Treffen den interaktiven Dialog in erweitertem M2186 zu nutzen, indem eine breit gefiicherte Anzahl von Regierungsdelegationen, UNO—Biiros und NGOS teilnihme.

„Unser Ziel 31$ NGOS, die sich mit dem Fortschritt der Frau beschdftigen, ist 65, im ganzen ndchsten jahr Frauenbcwegungen aufallen Ebenen, besonders aber solche an der Basis der Gesellschaft, zu mobilisicren, damit sie daraufvorbereitet sind an 2111611T611b61‘61Chen des 1()—jiihrigen Riickblicks nachstes Jahr teilzunehmen,“ sagte Bani Dugal.

Die Beteiligung der NGOS war diesesjahr 56hr hoch. Mehr 2115 2000 Teilnehmer nus 400 NGOS waren 13th Tsu—Wci Chang aus der UNO—Abteilung für den Fortschritt der

Frau fijr die Konferenz angemeldct.

Auch wenn es hierzu keine Statistik gibt war der Prozentsatz der teilnehmenden M511ner diesesjahr betraichtlich hi3her 2115 zuvor. Teilweisc auf

Grund des Schwerpunktes, der R0116 von

thematischen

Mdnncrn beim Schaffen von Gleichwertigkeit der Geschlechter.

Einige Teilnchmcr aus NGOS stellten die Mitcinbeziehung von Ménnern in diesen lrozess in Frage mit der Sarge, dies Wiirde Entwicklungsorganisationen für Frauen wertvolle Ressourcen HehmenAndere nuchten sich Sorgen darüber, dass Männer auf Grund ihrer unterschiedlichen kulturellen Perspektive sich nicht in die Lage einer Frau einfühlen kblmten.

„Viele sind derAnsicht, class Männer, d3 sie V01] der Diskriminierung von Frauen profitieren, niemals V'Ollig unseren Kampfverstehen k61men“,sagte Njoki Waimina, die Gründerin von „Men for Gender Equality Now“, einer N GO aus Kcnia, bcim Podiumsgcsprfich der Eréffilungssitzung.

„Wenn sich jedoch,“ erklhrte sie wcitcr, „dasVerstiindnis für die Dynamik der Geschlechter,i}1re sozialc Darstellung, Méinnlichkeit, Weiblichkeit und ihrc Auswirkungen auf alle Gruppen der Gesellschzlft vertieft, wird es klarer. dnss Mlinner Vielc Gründc da


Zarin Hainsworth-Fedai von der Bahá’í—Gemeinde Grofibritanniens (links) leitet einen Workshop über die „Rolle der Mfirmer bei der Überwindung der Herausforderungen auf dem Wege zur Gleichberechtigung der Geschlechter“.

„Viele sind der Ansicht, dass Männer und Jungen, da sie von der Diskriminierung von Frauen und Midchen profitieren, niemals v6|lig unseren Kampf ver stehen kiinnen.“ NjokiWainaina Gründerin von „Men for Gender Equality Now“

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„Wir müssen die Zeit, in der die Geschlechterfrage ab und zu spontan miteinbezogen wurde, abschlleBen. Es muss die dazu notwendigen institutionellen Mechanismen und die Ressourcen aus festgesetzten Quellen geben, die nicht aus freiwilligen Spen den kommen.“

N6Ieen Heyser, Leiterin der UNIFEM USA

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fiir haben sich ändern zu wollen und class 516, so wie alle Gruppen der Gesellschaft, von der Gleichwertigkeit der Geschlechter profitieren würden.“

Die volle Entwitklung von Männern ist untrennbar mit dem Fortschritt der Frau verbunden

„Die Konzcntration, die sich seit der Konferenz V011 Beijing auf Miidchen richtet, hat besonders Mlinncr dazu bewogen sich aufjungen zu konzcntriercn,“ sagte Njoki Wainaina. „[n mehreren afrikanischen Ländern zielen lrogramme, die mit dem Geschlechterproblem zu tun haben, aufjungen ab, da sie erkannt haben, dass auch sie gewisse geschlechtsspezifische lrobleme haben, besonders mch der Sozialisierung.

„Es herrscht zum Beispiel wachsende Besorgnis darüber, dass, wiihrend Médchen mit ihrer Vcrantwortung flit die Familie, als Helferirmen ihrer Miitter, Liberbelastet wurden, jungen aufwachsen, Ohne zu lerncn und ohne Verantwortung autpersénlicher, familiarer Oder Gemeindeebene zu übernehmen,“ sagte Njoki Wainaina. D215 Ergebnis ist eine Zunahme des Drogemnissbrauchs, der Gewalt, Kriminalitét und anderer gesellschzlfilicher Probleme — ein hoher gesellschaftlicher Preis für einc Gemeinde, fiigte sie hinzu.

Die Kommission verlangte verstérkte Bemühungen — und größere Geldmittel — um sicherzustellen, dass Frauen und Frauenorganisation6n an der Beendigung V011 Kriegen und Konflikten beteiligt sind.

Frauen werden zur Lasung von Konflikten gebraucht

Ferner erwalmte die Kommission die „unterschiedlichen Auswirkung“ v01} bewaflheten Konflikten auf Frauen und

Mlinner und verlangte nach Vorkehrungcn, um sexueller Gcwult und scxuellem Handel 1111 Zuge von Konflikt— und Nachkonfliktsituationen vorzubcugen und ihn zu bestmfen.

Dieses Thcma betreffend drchtcn sich dieses Jahr Viele Diskussionen um die Umsetzung der 1111 Oktober 2000 ver(Sffentlichten Resolution 1325 des UNO—Sicherheitsrates, durch welche Frauen und geschlechterspezifische Fragen bei der Verhandlung von Friedensabkommen, der Planung V011 Flfichtlingslagern und friedenserhaltenden M38nahmen sowie beim Wiederaufbau von Kriegsgebieten eine R0116 spielen.

Es ist die erste,jenmls V0111 Sicherheitsmt entworfene Resolution, die speziell auf die Auswirkungen von Krieg nuf Frauen und auf ihren Beitrag zur Konfliktlésung und zu dauerhaftem Frieden eingeht. Ferner ist sie, da sis 315 internationales Gesetz gilt, für die Mitglieder der internationalen Gemeinde bindcnd.

„Wir müssen die Zeit, in der die Geschlechterfrage ab und zu spontan miteinbezogen wurde, abschlic Ben“, sagte Nbleen Heyser, Leiterin der UNIFEM in den USA. „Es reicht nicht nus zu sagen, dass die Geschlechterfragc ein Hauptthema sein muss. Es muss die dazu notwendigen institutionellen Mechanismen und die Ressourcen aus festgesetzten Quellen geben, die nicht aus freiwilligcn Spenden kommen.“

In vieltn der NGO—Arbeitsgruppen und Nebenveranstaltungen der Kemmission wurde die R0116 der Religion zu einem Kernpunkt der Diskussion. Unter den 176Veranstaltungen, die von den NGOS geleitet wurden, fanden sich zum Beispiel Albeitsgruppen des „Anglican Consultative Council“, der „Federation of Zoroastrian Associations of North America“ (Nordameri kanische Féderation Zoroastrischer Vereinigungen), der Internationalen Franziskaner und des Internationalen Islamischen Komitces für Frauen und Kinder sowie dc‘s UNOBiiros der Quliker.

Die Bahá’í International Community leitete eine Arbeitsgruppe mit demTitel ,.])ic R0116 des Mannes beim Überwindcn V01] Hindcmisscn bcim Fortschritt der Frau“. In ihrem Konnncntar an die Kommissi011 betonte die Bahá’í International Community auch die \X/ichtigkeit der Einbeziehung des Mannes in den Prozess der F'Orderung der Frau.

Anhaltende Veriinderung entsteht durch kooperative Zusammenarbeit

„Dic VOHC Entwicklung v01] Miinncm und jungen ist untrcnnbar 111it Clem Fortschritt der Frau verbunden“, wurde in dcm Kommentar der Bahá’í festgestellt. „Eine Gesellschaft, charakterisiert durch die Gleichwertigkeit der Geschlechter, dient den Interessen beider. Sie ermöglicht es sowohl Minnem als auch Frauen, sich auf ausgewogene und vielfziltige Art und Weiss zu entwickeln und mit den starren Rollcnbildern. die so wichtig bei der Verschiebung der Dynamik in der Familie sind, abzuschließen, sowie Frauen den vollen Zugang zurArbeitswelt zu ermöglichen."

„Anha1tende Veliinderung entsteht durch die kooperative Zusammemrbcit von Mimnern und Frauen nicht durch Konfrontation. Also rufcn wir alle Mitglicder der Gescllschuft auf, Frauen dnzu zu ennutigen und sie dabei zu unterstfitzem ihr volles Potential zu entwickeln und für ihrc Cleichberechtigung und ihre Rechte einzutrcten.AuBcrdcm crkennen wir an, dass langfi‘istig vie] mehr erreicht werden kann, wenn Männer und Frauen zusammenarbeiten.“ I

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Heilige Stéi tten der Bahá’í im

Iran zerstort - Weltweite

Anzeigenkampagne gestartet

Die Vegfolgung der Bahá’l im Iran dauert an. Seit über YOOJahren veyfolgt die {remische Regiemng die Bahd von Heiligen Starter; ist

1’. Die Zerstcimng

mu ein weiteres Ereigm's in der langen Zeit der Unterdmc/eung der Bahá’í im Iran. Mit einerAnzezgen/eampagne in gronen Tageszeitungen macht die

Bahdz- Gemeinde emf diese neue Entwicklung

atgfmer/esam.

EWYORK —-Wie Ndie Internationale Bahá’í—Gemeinde im

April erfahren hat, haben Regierungsbehérden 1111 Iran wieder Cine weitere Heilige Stétte der Bahá’í zerstört.

Die letzte Ruhestätte des Quddfis, eiuem herausragenden Gläubigen in der frühen Bahá’í—Geschichte, wurde ungeachtet der Proteste der Bahá’í auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene dem Erdboden gleich gemacht.

„Die Zerstörung und Entweihung dieses heiligen Ortes (and mit dem Wissen der nationalen Regierung start, bei der zuvor Beschwerde eingesagt Bani Dugal, Reprisentantin der

Bahá’í International Community bei der UNO.

legt worden war“,

„Dieser Akt ist ein weiteres Beispiel fijr die andauernde Verfolgung der iranischen Bahá’í—Gemeinde und ihren 300.000 Mitgliedern und steht in krassemWiderspruch zu den Beteuerungen der Regierung, dass sich die Situation der Menschenrechte im Iran V€1‘erlaiutert Bani Dugal.

Die Zerstörung der Ruhestzitte, die in der Stadt Babul liegt, begann im Februar, wur bessert“,

d6 aber vorübergehend gestoppt, nachdem Bahá’í vor Ort verlangten, Cine gesetzliche Genehmigung für die Abrissarbeiten zu sehen.

Ein Abbruch der Zerstiirung vorgetéiuscht

Man verwies die Bahá’í an nationals Behérden und fijr eine Zeit sah es so aus, 315 0b die Entweihung der Ruhestfitte zum Stillstand gekommen

wire. Erst vor kurzem (and man heraus, dass der Abbruch des


.

Grabmals über mehrere Tage hinweg heimlich bis zur V011stdndigen Zerstörung fortgesetzt worden war.

Das Bauwerk kennzeichnete die letzte Ruhestlitte von Mulla Muhammad Ali Barfurushi, bekannt als Quddfis (den) Heiligsten). Quddfis war der herausragendste Jünger des Báb, dem Vorlziufer des Bahá’í—Glaubens.

„Das Mindeste, was die Regierung zum jetzigen Zeitpunkt tun könnte, wcire seine sterblichen Überreste an die Bahá’í—Gemeinde zurückzugeben“, sagt Bani Dugal. „\X/ir bitten dabei die internationale Gemeinschaft um Unterstiitzung.“

Die Menschenrechtsverletzungen halten an

Bani Dugal fiigt hinzu, dass die Zerstbrung des Grabmals im engen zeitlichen Zusam IRAN

Das Gebaude von Quddus, eine Heilige Stdtte far die internationa/e Bahá’í—Cemeinde, im Prozess der Zerstörung.


K i ONE COUNTRY

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[Seite 16]Das Haus 1165 81111, des Stifters der 8deReligion, die den Bahá’í—Clauben vorbereitete, wurde in Shiraz in) Iran im Jahr 1979 zerstört.

„Dieser Akt ist ein weiteres Beispiel Für die andauernde Verfolgung der iranischen Bahá’í—Gemeinde und ihren 300.000 Mitgliedern und steht in krassem Widerspruch zu den Beteuerungen der Regierung, dass sich die Situation der Menschenrechte im

Iran verbessert.“ Bani Dugal, Représentantin der Bahá’í International Community bei den Vereinten Nationen

_

3/2004 — SEITE 16


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Zerstarung, Pliinderung, Beschlagnahmung, Verschleppung

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Kaine Zulassung zu Bildungseinrichtungen

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Anzeigenkampagne in großen Zeitungen

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[Seite 17]N GO-Experten untersuchen Rolle der Religion in Konfliktregionen

Die Rolle von Glauben and Religion bei der Ldstmg von Konfli/eten hat sich bei einem

Expertentrefien 12011 N COS als ein

Schlasselthema herausgestellt.

EREINTE NATIOS } NEN.— DasTretYen „Gesellschaften im

Übergang: Die Bedeutung des Internationalen Strafgerichtshofes für Frieden und Ausséhnung“ wurde V0111 Ethikrat der NGO-Koalition für den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) veranstaltet. Es fand am 1 1. und 12. März 2004 im UNKirchenzentrum statt und umfasste Ansprachen von prominenten NGO—Führern, ICC—Repriisentanten und UNBeamten.

Olara Otunna, der UNVize—Generalsckretéir fijr Kinder und bewaffnete Konflikte, einer der beiden Hauptredner, betonte dieWichtigkeit des Internationalen Strafgerichtshofes als einen Mechanismus der Verliisslichkeit, der Wahrheitssuche und der Heilung in Fal11611 eines extremen Konfliktes — bgsonders solchen, die auch Kinder betreffen.

Er sagte, dass rcligiése Gruppen eine Schlfisselrolle in der Heilung und Verséhnung spielen. Beispielsweise waren religiöse Fuhrer und Frauengruppen unter den Ersten, die sich gegen die Aktivitiiten von Rebellen in Sierra Leone gestellt haben.

Ferner berichtete Olara Otunna, Glaube und Religion sind 0ft die letzte Zuflucht für unschuldige Menschen 1111 An t ‘,

gesicht von extremen Konflikten.

Olara Otunna beschrieb den Zustand der Menschen inmitten der Krisen im Kongo, in Uganda, Sudan Sierra Leone, Liberia und Ka1nbodscha.„Sie leben in einer qualvollen H6116, W0 sich die Erde unter ihnen öffnet und sie im Boden versinken. Keiner da draußen kann sie aus dieser Situation retten.“

In solchen Ffillen, berichtete Olara Otunna, könnten sich die Menschen an nichts wenden außer an Gott. Und wenn Cine erste Stabilitzit Wiederhergestellt ist, so fuhr er fort, so sei eines der ersten Dinge, die ein solchesVolk Wiinscht,ei11 Platz fiir Gebet und Gottesdienst.

In einem Lager in Eritrea fi'agten er und andere UNOffizielle die Flijchtlinge, was sie am meisten briiuchtcn. „Zwei Oder drei der Altesten standen auf und sagten: Was wir am dringendsten brauchen

it


ist eine Moschee. Sie hatten nichts zu essen und kein Krsnkenhaus, nichts Von alledem, was uns als dringlichste Bedihfnissc einfallen würde. Und dennoch nennen sic als ihr dringlichstcs Anlicgen eine Moschee — und bei der christlichen Minderheit eine Kirche, denn sie hatten keinen Ort für ihre Gebete.“ Seine Schlussbemerkung lbste ein gewissen Lacheln aus: „Sie sollten die Panik gesehen haben in den Gesichtern der UNO—Biirokraten bei diesen Äußerungen der Betroffenen.“

Anders Sprecher betonten die praktische Rolle, die religiöse Gruppen bei der Ausséhmung und bei der Neuorganisation von konfliktzerrissenen Gesellschaften spielen können.

Wanda Hall, Beraterin vor Ort von der Anklagebehérde des Internationalen Strafgerichtshofes, hob die Notwendigkeit der Entwicklung V011


Olara Otunna, der UN-VizeGeneralsekretdrfar Kinder und bewafl‘nete Konflikte

UNO


fl? ONE COUNTRY

3/2004 - SEITE 17

[Seite 18]„Sie hatten nichts zu essen und kein Krankenhaus, nichts von allede, was uns als dtinglichste Bediirfnisse einfallen würde. Und dennoch nennen sie als ihr dringlichstes Anliegen eine Moschee und bei der christlichen Minderheit eine Kirche, denn sie hatten keinen Ort Für ihre Gebe te.“

Olara Otunna Vizegeneralsekretér de UN fUr Kinder und

bewaffnete Konflikte


vertrauensvollcn und nachhaltigen Beziehungen zwischen der Anklagebehérde und den lokalen Gemeinden hervor. Religiöse Genleinschaftefl und andere Einrichtungen der Zivilgesellschaft tragen wesentliches Wissen bei Liber die sozialen Normen der Gemeinden, in denen Menschenrechtsverletzungen und Griiucl aufgedeckt werden, und ermöglichen auf diese Weiss den Aufbau von Vertrauen zwischen dem Internationalen Strafgerichtshofund den lokalen Gemeinden, erkliilte \X/anda Hall. Dieses Vertrauen ist cntscheidend fijr den Erfolg in den Gemeinden, die durch die Konflikte zutictst aufgewfihlt sind.

Ein besonders kritisches Thema, mit dem der Gerichtshofkonfrontiert ist, ist die Forderung nach Gerechtigkeit und Frieden in solch konfliktzerrissenen Gesellschaften. 0ft fiihrt die Angst vor Strafverfol gung dazu, dass die Warlords ihren Kampffortführen.Andererseits fühlen sich bei blinden Amnestieprogrammen die Opfer nicht gerecht behandelt.

Isaac Flattau vom ICCBijro für die Hilfe der Opfer meint V0r diesem Hintergrund, class religiöse Gruppen dabei helfen können, die gesellschaftlichen Funktionen fin Gerechtigkeit wiederaufzubauen.

Glaubensgemeinschaften in den Konfliktgebieten können dazu beitragen, die traumatischen Erlebnissc der Betroffenen mic aufzuarbeiten. Und Glaubensgemeinschaften von außerhalb der Konfliktgebiete können ihre Mitglieder dazu mobilisieren, Für die Fonds zugunsten der Opfer zu spenden, um auf diese Weiss zur Reparation der Opfer beizutragen, meint Isaac Flattau.

Der stellvcrtretende Leiter des Ethikrats der NGO—Koalition für den Internationalen

Strafgerichtshof, Jeffrey Huffines, fasste die Ergebnisse des Treffens so zusammen: Das Trcffen machte die herausragende Bedeutung ethischer Fragen Für die Arbeit des Strafgerichtshofs deutlich, denn nur aufeiner ethischen Grundlage ließe sich ein Gleichgewicht zwischen Gerechtigkeit undVerséhnung finden:

„Wir sehen Gerechtigkeit und Verséhnung nicht als isolierte Ziele,sondern 315 die zwei Seiten derselben Medallie“, betonte jeftrcy Huffines, der gleichzeitig der Repriisentzmt der Bahá’í—Gemeinde der USA bei denVereinten Nationen ist. „Einer dt‘l zentralen Ziele des Ethikrats ist es, religiöse Gcmeinschaften zusammenzubringen, damjt diese gemeinsam mit dem Internationalen Strafgerichtshof koopcrieren, um diesem bei einer ganzheitlichen Heilung traumatisierter Gesellschaften zu helfen.“ I

Neueste Ausgabe von „The Bahá’í

World“ diskutiert relig

lose Tole ranz und neue Ansätze zu AIDS

REZENSION


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3/2004 - SEITE18


Das Beduifnis mach religiöser Toleranz, die Rolle des Individuums bei der Gestaltung der Gesellschqft und HIV/ AIDS gehören zu den Themen, die im erst learzlich ersclzienenen letzten Band des Nachschlagewer/ees

„ The Bahdz World “ behandelt weI/den.

AIFA, Israel — „The HBahá’iWorld 20022003“ ist der elfte

Band in einer jfihrlich veröffentlichten Serie, die sich sowohl an die Bahá’í—Leser als auch an die Oflentlichkeit richtet. Dabei geht es um die Ziele und Aktivitijten értlicher und 11ationaler Bahá’í—Gemeinden auf der ganzen Welt.

„Wenn die Menschen verstehen 1116chten,welchc Kräfte die Bahá’í—Gemeinde zum Handeln bewegt und auch etwas über die Ergebnisse ihres Handelns erfahren 1116chten, dann ist dieser Band genau das Buch, in dem man das Gcsuchte findet“, sagt Ann Boyles, die leitendc Redakteurin des Buches.

Die Artike] des Buches liefern eindrucksvofle Beweise für die Teilnahme der Bahá’í—Gemcinde an der Bearbcitung wichtiger Themen, die ernst und V011 globaler Bedeutung 51nd“, erlfiutcrt D1‘.B0yles.

So ist in diescr Ausgabe auch die erst k Lirzlich veréfFentlichte Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die religiösen Fuhrer der Welt in vollem Umfang abgedruckt. Diese Botschaft ruft zu entschlossenem Handeln auf gegen religiöse Intoleranz und Fanatismus und spricht die Warnung aus: „Mitjcdem neuen Tag wdchst die Gefahr, dass die auflodernden Feuer religiöserVorurteile einen Weltbrand entfachen, dessen Folgen sich


[Seite 19]11iem1111d11115111111111 11111111.„

Die 130151111111 11115 Univer5111611 Hauses 111‘1‘ (11‘11‘111tigk611 ist in (11656111 15111111 111 vollem Umfimg vcr1111b111111111, zusam111611 11111 61116111 BCI‘iCht 111161 dicVerteilung 111‘1 Botschaft 1111 C116 religiöscn F1111re1' durch die 13111111‘1—(161111‘111111‘11 1111f der ganzen Wclt.

Weitere bcdcutende Artike] 51nd 11.11. „1111 Angesicht dt‘l waiter W11111se11den HIV/ AIDS—Epi111‘11111‘: 61116 B111111 1Pcrspcktivc ‘ \OI) Dawn Smith; „V1‘rpfli11111111g 111111V1‘r1111tw11r11mg 111‘1111 Autbau einer Welt V011 H01111 M1111111011111; sowic 61116111 „\X/()1‘111 \X/1111‘11“— All13‘1112 V011 131113011115 [11111 1111‘ R0116 dc‘s Individu zivilisution

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„ The Bahá’í World" erscheintjdhrlich in einem Umfang von ca. 300 Seiten und berichtet über aktue/le Aktivitdten und Beitrdge der internationalen Baha’iGemeinde zu den Entwick/ungen der Welt gesellschaft.

K ONE COUNTRY

3/2004 - SEITE 19


[Seite 20]Über die Menschenrechte, die Vereinten N ationen und die Bahá’í im Iran


Nazila Chanea

Human Rights, the UN. and the Bahá’í in

Iran

Softcove, 628 Seiten, George Ronald, Oxford

ISBN 0-85398-479-4

REZENSION


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3/2004 - SEITE 20



eltweit liisst sich

cine starke Beto nung von religiös gcpriigten Gcfiihlcn beobachtcn. Dic Siikularisierung 115 großc Errungenschaft der Modernc schcint nur noch eine auslaufi‘ndc Welle zu sein.Tmurigcr Ncbcncfllkt dieser Form von Roligiositiit ist dichrhcrrlichung rcligiéser Intolemnz bis 11in zur Gcwalttiitigkeit. Dic Listc der Llinder, die von dicscm Phiinomen betroffc11 51nd, ist zu lung, um sie an dieser Stcllc aufzuziihlcn. Zeichen dicscr 111mlcranz und Gewalt kiinncnjedoch nuffastjedcm Kontincnt bcobachtet wcrdcn. Ist dies cin Vorbote eines „Zus;m1mcnprnlls der Kulturcn“?

In diesem Zusammcnlmng verdicnt das ncucstc Bud) von Nazila Ghancn mit dem Tirol Human Rights, I/u l 11\'..ana r/Iv Bahá’ís [II [mu bcsondere Aufmerksamkeit — nicllt nur deshalb,wci1 in dicscm Buch der besondere Fall der religiösen Verfolgung der Bahá’í im Iran aufgegrifi‘en wird. Die Auto1‘11] gibt zuglcich eine 501‘ng1tigc Analyse dcs schwierigen Zusammcn\virkcns von Menschenrechtcn und Religion.

chr die Situation der Bahá’í 1111 Iran ist sowohl gulf diescn Seiten 2115 auch in den Nachrichtenagenturcn wcltwcit nusfiihrlich bcrichtct worden.

Nebcn diescr seit über 2Qiiihligcn Leidensgcschichtc repriiscnticrt jcdoch der F311 dt‘l Bahá’í eines der crfolgreichsten Beispiele, wie Menschenrcchten trotzdem durch intermtiomlen Druck (Ecltung Vcrscllafi} wcrdcn konntc. um Schlimmcrcs zu verhindern.

1982 verabschiedctc die Menschenrechtskommission der Vcrcinten Nationen einc der crstcn LZinderrcso]utionen iibcrhuupt, in der die Bcsorgnis Liber die Menschemcchtssituation 1111 Iran, insbcsonderc im Hinblick uufdie Situation der Bahá’í,aLlsgedliickt wurdc. Länderresolution sind cincs der stlirksten Instrumentc dcs ansonstcn eher wirkungsunncn Mcnschenrechtsschutzsystcms der Vfireintcn Nutionen. Der Länderresolution zum [run 1982 folgten in den Folgcjahrcn pcunzehn wcitcrc. (?lcichzeitig vcrabschicdctc die Gcncrnlversanmflung dchcrcintcn Nationcn Resolutioncn iihnlichen Inhalts.

Obglcich die immischc RCgicrung nicmuls den Einfluss diesel" Resolutioncn bzw. dem sie bcgleitcndcn intcrnationa1611 Echo in den Medien und bci den chicmngen aufihrc Politik zugcgcben hat, sank dic Zahl der Hinrichtungen sowic der im Iran inhuftierten Bahá’í inncrhnlb wcniger Jahrc dmstisch. Subtilcrc Formcn der Menschenrcchtsverletzungcn dnucrn index noch L111,VV16b€1spiclswcisc schwerwiegcndc Vcrlctzungen beim Recht auf Bildung,nufEigcntum,auFArbcit,bei derVerszlmmlungsfi‘ciheir Oder b61111 Recht auf‘fi‘eie Re]igionsausfibung.

Nazila Ghanea, Dozcntin fiir Viilkclrecht und Menschcmechte an der Universitiit London. but 111it iiuISLrstcr Sorgfillt denVcrlaufund Inhnlt dicser Resolutioncn nus den jahren 19811bis 211(12 anulysicrt und dokumentiert.

V011 noch grblficrcm Intercssc sind abcr dic Sclllussfblgerungen der Autorin im Hin blick auf die Frngc, welche Riickschliissc nus dem F2111 der Bahá’í für die internutionalen Menschenrechtsschutzmcchanismen im Bcrcich der religiösen Intolerunz zu zichen sind. Beschreibt sie unfilngs das Bennihen um dic positive Setzung der Menschenrechte als seikularc Bcwcgt111g,so schlussfolgert Sic, dass aufgrund dieser politischen Wurzcln des Menschenrechtsgcdunkens die Fragc mach Rcligion nicht so ohnc weitcrcs in die Rechtsetzung JLlflgcnonnncn warden konntc. Lungs Zcit fiihrte disses Thenm @111 Schattendasein in der Entwicklumby der Menschen rmhtc. Dabei warcn — wc b schichtlich bctrachtct — rcligiéisc Kont1iktc schon seitje her Ursprung v01) Gcwalttiitigkeitcn und McnSchenrechtsvcrlctzungcn, zumcist dam]. wcnn cinc Religion sich den underen gcgcniibcr als 11101111isch h(ihcr\Vcrtig gefiihlt hat.

Die Idee der Mcnschenrcchtc bcinhaltct hingcgcn eine univcrscllc Sprache der Ethik. dic im Gcgensatz zu dcn schr spczicllen Zielen der vcrschiedentn Glaubcnsrirhtungcn stcht. In der hcutigcn, zunchmend komplexercn Welt von ,.(?111'ubigen und Nicht—Gläubigel1,eine1‘\X/elt verschicdcnster Kulturen. Religionen und Etlmien“ 561 CS hingcgcn fast unméghchdic Fragc von Menschenrechten v01] der Frage der Religion und (Huubcn zu trennen.Vi61mchr wiirdc sich eine Trennung mchtcilig uuswirken, schrcibt Ghanuc. Start dessen solltcn dir: Religionen ,.ermutigt warden, ilncVisioncn und Anschauungcn in die Weitercntwicklung der Menschenrechte cinflicBL‘n zu 1355611. I