Die Geschichte der Bahai-Bewegung (1913)/Text

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Evangelischer Pressiverbang > Da Waren: _

Die Gejchichte | Fe

der Bahni- EPRMEBUNG: EN —andssge

art, T: übinger-Str. 10:

Ein univerfaler Glaube

von Sydney Sprague.

Aus dem Englifchen überjegt von W. Herrigel.

„Die Bahai haben fein anderes Ziel als die Wohlfahrt und Bellerung der Welt und die Reinigung der Nationen.“

Zweite Auflage.

m Gelbjtverlag der Bahai-VBereinigung Stuttgart. Im Selbjtverlag der Bahai-VBereinigung ©


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[Seite 3] Die Bahni= Bewegung.

„Preis jei Gott, daß die Sahe Gottes in diefem — Bahai-Zeitalter eine jolde der abjoluten Liebe und reinen _ Geitigfeit it. Sie it nit vom Weide Ddiejer Melt. - denn fie ilt nit Krieg und Elend, nod die Unterdrüdung eines Volfes durh ein anderes. Ihre Armee 14 it die Liebe zu Gott; ihr Sieg ilt die Begeilterung für Die Erkenntnis Gottes; ihre Schladt gilt der Wahrheit der Wuslegung des Wortes; ihr Kampf geht gegen die Gelbitfuht; ihre WReferve it die Geduld; ihre

fiegende Macht it die Sanftmut, und ihr Ruhm sit

die Liebe für alle. Mit einem Wort, fie it Geilt und ® N Biebe.

@ - &s liegt an uns zu erwägen, wie wir die Menjcdhen %

erziehen wollen, dab die Finiternis der Unwillenheit und — Mchtlojigkeit verihwinde und die Strahlen von dem Kö-E. nigreihe Gottes die Melt umgeben mögen, dab Die

Nationen erlöjt werden von jelbitfühtigem Ehrgeiz und ‘ - Streit und da fie wiederbelebt werden durch die Düfte Gottes, dak Feindihaft und Hab zeritreut werden und gänzlid verihwinden, während die anziehende Macht der Liebe Gottes die Herzen der Menjichen jo voll-- fommen einigt, dah Tie alle jchlagen wie ein einziges — Herz; dak Streit und Irieg durdaus verihwinden

mögen, während Friede und PBerjöhnung ihre Fahnen

inmitten der Erde erheben und die Menihen einander herzlich lieben, daß die geiltigen Freuden vorherrihen

Ik


[Seite 4] 4 ee mögen über die materiellen Vergnügen, dak Oft und Weit ji aneinander erfreuen mögen wie Liebende und Nord

und Süd einander in treuer Liebe umarmen; daß die fihte

bare Welt der Spiegel von der Melt des himmlischen Königreihes werde, dak das Bild der allerhöditen Heer Ihfaren in allen Verfammlungen der Mienihen wiederges fpiegelt werde; dab die Erde verändert werden möge in das Paradies des Glorreihden und das göttlide Ierus falem die ganze Erde umfaile.‘

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Dies find Morte eines großen Lehrers, eines Ber

fers von Geburt, eines Verbannten von jeinem Paterlande und eines Gefangenen der türfilhen Regierung ie

in der fleinen befeitigten Stadt Acre oder Ulla, am Tube

des Berges Karmel, an der Külte Syriens,* eines Mans

nes, welder über vierzig ISahre lang verfolgt und verworfen wurde, der die Leiden und Entbehrungen des Gefängnislebens erduldete, von Ddeljen Lippen aber dennodb vor furzem dieje triumpbhierenden Morte des Fries dens und der Freude ertönten. Haben dieje feine Ber

deutung für den Welten? Das Leben und die Lehre dieles Mannes, der jebt wenige Meilen von Nazareth entfernt lebt** haben eine überaus anregende Mirkung im

Drient. Labt uns jehen, ob fie niht au auf die Nationen des Meitens anwendbar jind. In der Tat, diejer Lehrer richtet jeinen Appell für religiöje Einigkeit nicht

ei

nur an die Nationen des Ditens, jondern ebenjo an die BVölfer des Meitens, und it religiöle ae am Weiten

nicht ebenjo notwendig wie im Diten? Dan jagt, dab es heutzutage unter den verjchiedenen FE im Meiten

  • Anmerkung des Mleberfegers; Dur die allgemeine

Anneftie, welche der Sultan gelegentlich der Einfegung einer ie im Jahre 1909 erließ, wurde auch er in Freiheit gejegt.

    • vergleiche obige Fußnote.

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5 mehr Brhältigtäii und Bitterfeit er denn je zuvor. — Mie Tönnen jolhe Spaltungen geheilt werden ?

z Wir wollen uns für einen Augenblid nad Indien wenden und jehen, was die Bahai-Bewegung dort in einer a ehr furzen Zeit vollbradt hat. Als id vor einem Jahr in der Stadt Rangun weilte, bejuchte ich eine Bahai-Verfammlung, in welder Repräjentanten von jeds der größten Weltreligionen beieinander verjammelt waren; Jie waren geeinigt durd) ein wundervolles Band der Freund-Bine! und Einigkeit. Dieje VBerfammlung war hauptählic zufammengelett von Männern reifen Alters, Gelehrten, Gejeßgebern, Regierungsbeamten ufw., welde er= zogen waren als itrenge Mobammedaner, Bupddhiiten, - Hindus, Juden, Zoroajter und Chrüten; dennoch verhandelten jie hier miteinander.

Wenn diejer Bahai-Geilt der Liebe und Duldfanteit, wie er von dem Meilter in Alfa gelehrt wird, in Indien jo durchdringen und Menjhen von bisher einander feindlid gegenüberjtehenden Religionen jo vereinigen Tann, vermag er dann nidt aud en wohltuenden Einfluß über die Bewohner des Weitens auszuüben? Um zu fehen, was die Bahat-Bewegung vollbracht bat, ilt es aber nicht nötig, nad) Indien zu gehen. In der Stadt Baris hat lie in der Tat Ihon Katholifen, Proteitanten, : Freidenfer und Juden geeinigt. {

E Die Bahai-Bewegung beaniprudt, das Ban ‘ Mertzeug zu Sein, um m a in die Melt zu ‚ bringen, und jhon aus diejem Grund — wenn nidt um

- eines andern willen — verdient fie Beadhtung. Ihr An-- Sjprud) it zu wichtig und von zu weitgehender Bedeutung,

um beijeite gejeßt zu werden; die lange Lite ihrer Märtprer, das wundervolle Leben ihrer Gründer, ihr erneu=- ernder Einfluß in Berjien, die Tatjache, dah Leute beinabe aller Rajjen, elenenin und Gelten von ihr angezogen wurden, und endlich ihr Fortichritt im Weiten, dies alles erregt, wenn niht Bewunderung, jo dodh wer nigltens Interejfe.

Die Entitehung einer großen religiöfen Bewegung I iolte nit unbeadtet übergangen werden. Wer hätte in en frühelten Tagen des Ehriltentums, als ee lebenia we

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ie digen Lehren von Liebe und Einigfeit — weldhe jett jo

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fehr aus dem Gejichtsfreis verloren gingen — mit fo großer Kraft und Schönheit gelehrt wurden, gebach, daß es wenige Sahrhunderte jfpäter jo mädtig auf die Melt einwirfen würde. In unjerem Studium der Bahai-Bewegung werden wir mande auffallenden Punkte finden, BR der früheiten Bewegung des Chriltentums ähnlid in

Labt mich nun jo furz als möglid einige Merimale diejer neuen religiöfen Bewegung, befannt als die Bahaibewegung, erflären und dartun, was jie vollbradt, hat und heute no in der Melt vollbringt, und damit eini e Berichte verbinden über ihren gegenwärtigen Führer U dx dul Baba, den Mann jelbit und jeine Botidaft. 3

Um die Stellung Abdul Bahas in bezug auf Ddieje Bewegung zu veritehen, muß id) auf den großen Gründer Ddieler Religion, Baha’ o’Ilah und jeinen Bor- 3 läufer, den Bab, verweilen. j

Bei der Erwähnung des Bab mögen jih mande einbilden, der Babismus und die Bahai-Bewegung jeien ein und dasjelbe. Dies ilt jedoh nit jo; die leßtere it wohl aus dem eriteren ae ne unterjheidet ih | aber von diefem in manden welt ihen Bunften. Dies - fann man leicht dadurd; entdeden, dab man entweder die früheite Geihicdhte des Babismus itudiert und fie mit der gegenwärtigen Bewegung, befannt als die Bahai-Bewegung, vergleicht, oder dadurd, dak man die Shriften des Bab liejft und zwiihen ihnen und denen von Baha’ o’llab — von, dem die gegenwärtige Bewegung ihren Namen hat — einen Bergleid) zieht. Be

Wenn wir die zwei vergleihen, können wir die eng Aehnlihfeit bemerfen, welde fie mit der

Geihihte des Neuen Tejtaments haben. Wir willen, dab die religiöje Bewegung, welde Iohannes der erg ein= führte, materiell hier war von der, welde dur Selus begonnen wurde. Obihon Iohannes der Täufer flare Lehren und einen gewillen Modus für das Leben feiner Jünger gab, jo war dod fein Anjprud) der, „die Stimme eines Predigers in der ülte zu jein, welhe dem, der größer ilt, den Weg bereite“. Genau io war es mit dem jungen Berjer, genannt Bab, welder feinen Nahfolgern gewille Regeln in dem Bud, befannt

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als der ,„Beyan“ BEDERREEN. gleihgeitig verfündete

er aber fortwährend, dab er der Herold eines Größeren fei, welder nad) ihm Tommen werde, und daß er in be-Itändiger Erwartung von dem Tei, „welchen Gott offenbaren werde".

Der Bab hat in der Tat eine große Reform einge»

führt, aber dieje Bewegung blieb mehr oder weniger

perjiih und mohammedanild, und man fühlt es, dak lie hätte niemals univerjal werden fünnen. Es blieb Baha’ o’lMah, welder nah dem Bab fam, vorbehalten, dieler Bewegung ihren wirfliden, weiten und univerjalen Geilt zu geben, welden fie heute bejitt.

Als eine weitere Erläuterung will id bier eine furze Stizje diefer Bewegung von ihrem Anfang an geben.

Im Iahre 1844 nad) unjerer Zeitrehnung, weldes

- übereinjtimmt mit dem Sahr 1260 nad) mohammedaniidem Kalender, trat in PBerfien ein Peine auf namens Mirza Al Mohammed, welder ji) „, DER: das Tor nannte, durd weldes Die ren nr ne Er:

Tenntnis der Wahrheit Gottes gelangen fönnen.

Der Bab begann eine Miljion als „das Tor“ dadur, dab er dem Volk das Veritändnis für_die wirklihen Wahrheiten ihrer eigenen Religion öffnete, und lei allen großen PBropheten fam er niht um zu zertören, jondern um zu erfüllen. Er jagte feinen mohammedanilhen Zuhörern nit, lie jeien all die vergangenen

Dahre dur einen faljchen aba N worden, londern er halt fie laut — wie es Jejus bei den Phatijäern tat — wegen ihrer Heuchelei und ihrer Berdrehung der wahren Religion. Er erflärte ihnen aud die wahre Bedeutung ihrer Prophezeiungen und Ueberlieferungen,

nad welden ein Mahdi fommen werde. Ic) will hier feine

eigenen Worte anführen: „In den vergangenen Zeiten ließ Gott, jo oft es nötig war, einen Propheten auf der Erde aufitehen, welder ein Bud; Ichrieb, das Die galt lihden Offenbarungen enthielt, und er wird in Zu dasjelbe tun, jo oft es nötig it.“

Den Worten des Bab wurde natürlid von den mobammedanilhen PVhariläern mit Spott und Hohn begegnet, und er hatte Beleidigungen und Verfolgungen zu erdulden, welhe mit feiner Gefangennahme und jeinem

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Tod endigten. Er wurde auf Befehl der perjiihen Negierung auf einem öffentliden Pla in Iebriz erjchojlen. Das Leben diejes jungen Neformators wurde nit vergeblich geopfert. Während jeiner Lebenszeit hatte jid eine große Anzahl erniter Männer und Frauen in feiner Sade verbunden und verbreiteten die Lehren fleikig über ganz PVerjien, jo dab die Bewegung bald eine jolde Ausdehnung befam, da5 die perliihe Regierung und Die Mullas (Geiltlihen) beunruhigt wurden und an eine ernithafte Bedrohung der Herrihaft des Islam daten; jie glaubten, daß dieje Bewegung jowohl eine politiiche, als eine religiöje Bedeutung habe. &s wurden Befehle gegeben, die Nadhfolger des Bab zu plündern und zu verfolgen, und während diejer Dunklen - Sahre gaben viele Taujende ihr Leben hin und erduldeten die Ihlimmiten Iorturen für ihren Glauben. Dan üt Bea: bei Ddiefen erregten Ereignilien. der früheiten Tage diejer Bewegung länger zu verweilen, aber der Raum diejer Schrift geitattet mir nicht mehr als eine furze Anipielung auf diejelben. Es jollte aber fein Beriht gegeben werden, ohne den Namen der Karratul-Ayn zu

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PrENLENT ‚8

erwähnen; dieje bemerfenswerte Heldin wurde die Jeanne d’Arc ihres Landes und ihrer Zeit genannt. Sie war die Tochter eines führenden Ullemas im Islam, eine Yrau von Bildung und Stand, befannt als eine Poetin, Bhilolopbin, Spradfundige und Theologin; jig wurde bald zu der neuen Bewegung befehrt, dann verlieh fie ihr Heim und teilte in Perjien umber, wo fie viele zu dem neuen Glauben befehrte. Zulegt wurde ie von den aufge bradten Mohammedanern ergriffen und greulid) zu Tode | gemartert. Dieje edle Frau hat dur ihren großen Mut | ihren Schweitern im Orient den Weg bereitet; eine neue Aera hat für die Yrauen begonnen, denn jowohl der Bab als auh Baha’ v’llah predigten die Befreiung der Frauen. Als ein Vermächtnis hat der Bab feinen Nahfolgern eine |höne Hoffnung hinterlaffen, nämlich die, dah „der, welden Gott offenbaren werde‘, fommen und das, was er unvollfommen begonnen, vervollitändigen werde. Mehrere Jahre nad) dem Tod des Bab, etwa ums Sahr 1850, jhien es, als ob die Bewegung einen jehr - unliheren Stand hätte; jie jtand in einem jhledhten Ruf


[Seite 9] j Eh REN 9

"bei der perjishen Regierung, und beinahe alle Perjer von Reichtum und Stand jahen mit Verahtung auf fie herab; ihre Anhänger fonnten nur beimlih zulammenfommen, und feiner durfte es wagen, den verhakten Namen „Babi“ auszulprehen; eine Zeitlang hatte es in der Tat n Anjchein, als ob die Mullas mit der gänzlihen Ausrottung Ddiejes jungen Glaubens Erfolg hätten. Das Kommen des Berheibenen war nun jehr notwendig, um die Bewegung vor dem Erlöjchen zu bewahren und um den Eifer und den Mut der verfolgten Babis wieder herzuftellen. Sie wurden nicht enttäujht in ihrer Hoffnung, denn anfangs der jedhziger Jahre erhob jic einer, dejlen große Perjönlichkeit die wundervolle Macht feiner Worte und injpirierten Schriften bewiejen, dak er die Manifeitation jei, auf weldhe die Nachfolger des-Bab warteten, und als Baba’ o’lah erklärte, daß er der Verheibene Jei,

—  deilen Kommen der Bab vorausjagte, begrübten ihn in

der Tat die Mehrzahl der Babis mit Freuden als ihren Heren und Erlöjer. Es it wahr, dab es — Jogar in Baba’ o’llahbs Yamilie. — nod einige abweidende Stimmen gab, welde mit den Lehren des Bab zufrieden waren und nicht über dieje hinausgehen wollten. Diele lammelten jih um Subbh-i-Ezel, Ießterer hatte aber nie viele Anhänger, und nur wenige von ihnen jind übriggeblieben, jo dab ver Weigerung, die Lehren Baba’ ‚ollahs anzunehmen, nicht wohl der Name „Kirhenfpaltung“ Bere! werden fann. Die Bewegung hat jowohl dieje Tleinen Mühjale als aud eine andere neue überlebt, aber ihre Einigkeit blieb ungejhwädht, fie hat lid triumphierend über dieje Trübjale erhoben und der Welt ee zeigt, dak Tie die Einigkeit, welche fie lehrt, aud - wahren Tann. In Baba’. o’llahb war geboren im Sabre 1817 und itammte von einer reihen und vornehmen Wamilie, Schon als junger Mann wurde er ein Anhänger des Bab, obgleich er ihn nie gejehen hatte. Der Umitand, dab er ein hervorragender Yehrer diejes neuen Glaubens war, führte zu jeiner Gefangennahme in Teheran. Eine Zeitlang wurde er mit einigen andern mit Ketten zujammengeidhloffen, zulegt wurde fein Neichtum einge-3 zogen und er felbjt nad) der Stadt Bagdad in der Türkei verbannt. Wuh da fuhr er fort, das Bolt zu lehren,


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und fein Einfluß über dasjelbe war jehr groß. Wähtend der Dauer von zwei Jahren zog er ich im der Nähe von Bagdad in die Berge zurüd, wo er einjam lebte und jeine Zeit im Gebet und in Betradhtungen zubradte. Als er wieder zurüdtehrte, verfündigte er leine Million öffentlih; Ddiejelbe beitand in der Wufrichtung des Friedens und der religiöjen Einigkeit in der Melt. Er forderte die Menjchen aller Glaubensbefenntnilfe und Rajjen auf, unter die Fahne der Einigteit, welche er aufgerichtet hatte, zu Tommen, und ihm bei der Erridhtung des -Königreihes Gottes und Der Brüderjhaft der Menihen auf Erden behilflich zu jein. Die mohammedaniihen Mullas wurden dadurd, da fie eine joldh gefährlide Perfönlichfeit in ihrer Mitte hatten, bald beunruhigt und baten die DOttomanildhe Regierung, dah fie ihn wegihaffen möge. Baha’ »’llah wurde demgemäß nah Konitantinopel vorgeladen und verließ, zulammen mit jeiner Yamilie und einer Fleinen Anzahl feiner Nachfolger, die Stadt. Sein Verweilen in Konitantinopel war Turz, denn die türkiihe Regierung entidied, dab er nah der Stadt Wdrianopel verbannt ı werden joll. Bon Adrianopel aus, jhrieb Baha’ v’Mlah jene befannten Briefe an die Könige Europas und an den Bapit; in denjelben forderte er fie auf, ihre Ungerechtigfeit und ihre Gedanken des Krieges aufzugeben und ihm bei Errichtung von inigfeit beizuitehen. Dieje Fe enthielten au Brophezeiungen, weldhe bald darauf Erfüllung gingen. Nachdem er einige Jahre dort war, tuche er wieder verbannt, und zwar diesmal an einen weniger zugänglihen Ort, nad der tleinen befeitigten Stadt Acre oder Alla an der Külte Syriens. Hier verlebte Baha’ o’Ilah und jeine Tleine Schar von Nachfolgern die Ihlimmiten Jahre ihrer Verbannung, denn Atfa fann nur als ein überaus ungejunder Plab bezeichnet werden, und es jhien zwedmäßig, ihn dorthin zu verbannen, denn ie hofften, dab ein "ieber, ihn bald hinwegraffen j und jo die Melt von ihm befreit würde. Er war mit | feinen Nadhfolgern längere Zeit auf zwei Räume in den | Baraden beihränft, aber allmählih wurde ihm mehr | Milde zuteil, das Herz des Gouverneurs wurde erweidt beim Anblid der heldenhaften Leiden diefer Heinen Schar. In Affa verwandte Baha’ o’Mah jeine meilte Zeit


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auf die Belehrung jener wenigen Nachfolger, welde um ihn jein fonnten, aufs Schreiben jeiner Unterweilungen und Ermahnungen an die Welt, auf die Ausjendung von Sendjhreiben an die Nachfolger in den verihiedenen Teilen der Melt und aufs Schreiben eines Buches, De=

Tannt als Dans Bu des Gefehes.

In diejem Buche jagt er jeinen Nahfolgern, dab das Schwert für immer beijeite gelegt werden mülle; an feiner Stelle müffe ih das Wort erheben. Er verfündigt univerjalen Frieden und fordert alle Nationen auf, ihre Meinungsverihiedenheiten durh ein Schiedsgeridht beisulegen. Er tritt dafür ein, dah allen_Bölfern der Erde ein weiter Geilt der Freundihaft und Duldjamfeit erzeigt - werden Joll und drüdt jih fo Ihön aus, indem er jagt: „br jeid alle die Früchte eines Baumes, die Blätter eines Zweiges, die Bögel eines Rojengartens, die Tropfen eines Meeres, die Perlen einer See.‘ Er empfiehlt feinen Nachfolgern, nad einer univerjalen Sprade zu fuhen und laat: ‚„‚Menn ihr fie gefunden habt, jo it fie das Mittel

B zur Einigfeit. und die arökte Quelle des Einflangs und

der „Ztotlilation; würdet ihr es nur einjehen! Lehret die Kinder in allen Säulen dieje allgemeine Sprade, damit die ganze Welt bald ein Land und eine Heimat werden möge.“ Den Eltern jagt er, dab lie ihre Kinder, owohl Knaben als Mädchen, gleid) erziehen und ihnen ie beite Erziehung die fie ihnen verihaffen fönnen, zu= fommen lajjen jollen. Die Kinder der Armen müffen er: zogen werden durd ein Konzilium, weldes in jeder Stadt ee werden Soll; denn er geht davon aus, dah, jpange Die Umwifienheit nicht ausgerottet ilt, fein wirtlicher Fortihritt erzielt werden Tann. Den Wert der Er-- 3iehung ‚prägt er jeinen Nadhfolgern fo ein: „Wenn einer var eigenen Sohn oder den Sohn eines andern erzieht, dv. Mt es gerade, als ob er den Sohn Gottes erziehen würde.“

Alle müljen ein Handwerf, ein Gewerbe oder einen Beruf erlernen und ihn ausüben, und wenn diejer Bea gewillenhaft und fleihig ausgeübt wird, jo wird Dies

i Gott als der hödjite Att des Gebets und der PVerne betrachtet werden. Sih MWillenihaft und Kunit


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zu erwerben wird ebenfalls empfohlen. Die Ehe üt erwünicht und zwangswetie Ehelojigteit verdammt. Baha’ o’Uah wünjcht, daß jeine Religion eine joldhe der Freude und der Fröhlichfeit fein foll. Er fagte feinen Nadfolgern, daß lie mit allen VBöltern der Welt Verbindung juhen und ihnen zeigen follen, was fie Gutes haben. Sie jollen wohl in der Welt, aber nicht von der Melt fein. Das Spielen, den Gebraud) von Opiunt, die Un: mößigteit und andere Laiter verdammt er ftreng, aud) Ihrieb er einige interejlante hyaieniihe Gefege, Baha’ o’Ilah unterbreitet uns dies Buch des Gejeges als eine

mujterhafte Negel der Führung und als ein Mittel zur

Einigung der verihiedenen Völfer, weldye dDurd, die vielerlei Gebräuche, Borurteile und Zultände jo jehr getrennt wurden. Mir fönnen nicht anders, als den bemerfenswerten duldjamen Geilt bewundern, welder dieje Gejeße belebt. Alles, was heute von. den Reformatoren des Meitens angeitrebt wird, findet einen Platin diejer univerjalen Religion, und dod wurden dieje Gejege durd) Baba’ o’lah Ihon, vor über vierzig Jahren geichrieben, als er nodh in einem orientaliihen Gefängnis eingeferfert war. | |

Nun erhebt fi die Frage, bringen die Bahai zur Ausführung, was dieje Gefege von ihnen verlangen ? Sind jie belebt von demjelben Geilt der Duldfamkeit und des Mohlwollens, welher durd diefe Vorichriften atmet? Ich jelbit fann von dem Leben und von Der

praftiihen Betätigung der Bahai-Lehre durch ihre An

bänger mein perjönlihes Zeugnis ablegen, denn ich_habe diefelben in den verjchiedenen Teilen des Orients gejeben, und mit dem meinigen verbindet jid) das Zeugnis anderer Männer, nämlid das eines Engländers, eines Amerifaners und eines Pranzofen.

Profejlor Browne von Cambridge, der Berfaljer der unfhäßbaren „Geihichte. der perfiihen Literatur“ Tagt: „Der Geilt, welder die Bahai durddringt, ift ein derartiger, dem eine mädhtige Einwirfung faum fehlen dürfte, und der alles feinem Einfluß unterwerfen wird. Diejenigen, welde, feine eigenen Beobadhtungen gemadt haben, mögen vielleiht meine Worte bezweifeln; jollte ji ihnen aber einmal diejer Geilt jelbit offenbaren, dann werden


[Seite 13] en Er ” u - = = Eee ge

fie eine Gemütsbewegung an Nic, erfahren, die fie nicht jo leiht mehr vergellen werden.‘

Myron 9. Phelps von New Dort Ichreibt: „Wenn wir. den Geilt, welder die Babhai durddringt, prüfen, wenn wir das zu ergründen Juchen, was Jie vor andern Menihen auszeichnet, jo werden wir zu dem Schluß fommen, daß ihr Wejen mit dem einen Wort ‚Liebe‘ ausgedrüdt werden fann. Diele Leute lieben einander,

fie lieben Gott, ihren Meifter und Lehrer, fie lieben alle

Menichen. ;

‚Dr. juris Hippolyte Dreyfus von Paris, welder Fürzlih von Perjien zurüdfehrte, Ihrieb in einer franzöfiihen Zeitichrift, dab er gefunden habe, dak alle

_ Diejenigen Bewohner Teherans und anderer Städte,

weldhe von liberalen und fortjchrittlihen Anfichten durcdrungen Sind, Bahat waren. Vabt mid nun nodh etwas über Diejenigen Bahai

Sagen, die der engliihen Regierung unterworfen jind,

den Bahai in Indien und Birma, welde ich bei meinem

_ Fürzlihen Verweilen in Indien gut fennen lernte. Iede

ernitdentende Berjon, welde Indien bejucht und von guten Münden für diejes herrlihe Land bejeelt ilt, muß Die unglüdjeligen Unterjhiede bedauern, weihe Indien von Indien trennen und an welden hauptlählid die religiöjen Erbitterungen Ihuldig find. Wie jehnt man ih da nad) einer Löjung diejes Ihwierigen Problems. Ad, wenn nur ein grober Glaube gegründet werden fönnte, der all die

Itreitenden und ji feindlic gegenüberitehenden Selten

‚in jid) vereinigen würde! Nun, ich glaube ernitlih, dak die Löjung Ddiefer Schwierigteiten der Bahai-Bewegung Fix gelingt. sh babe Ihon ein Beilpiel angeführt von

angun, nach weldyem fie jene große Einigkeit zultande gebradt bat, welde alle erjehnen. Wie war jie fähig,

dies zu tun?

Das erite Gebot, das den Bahai von ihrem Wührer gegeben wurde, ilt: „Befämpfet oder verunglimpfet feine Religion.‘ Er lagt ferner: „Gott ilt für jedes menidlihe Mejen nur jo grob, als es ihm die individuelle Berllige Yäbigfeit erlaubt, ihn zu jehen.“

Der Bahai-Lehrer in Indien hat nit mit denjelben Schwierigfeiten zu fämpfen wie der driltlihde Miffionar, nämlich mit der des Niederreikens; feine Pflicht it


[Seite 14] nur, auf dem aufzubauen, das Ihon da ilt. Denn der - Bahai lehrt, dak das MWefen und die Mahrheiten aller Religionen eins jind; er jieht den Hindu, den Buddhilten. und den Mohammedaner mit denjelben Augen an und ehrt die Propheten eines jeden; anitatt, zu zeigen, wo dieje Unrecht hatten, zeigt er ihnen, wo lie Recht hatten, er anerkennt die allgemeine Wahrheit im Buddhismus, Nohammedanismus, im Chriltentum und in anderen Religionen; er zeigt ihren Anhängern, dab durch die Lehren Baha’ o’llahs eine weitere Offenbarung gefommen iit, dab ihre bejondere Million die it, die Wahrheit aller Religionen dadurdh aufzudeden, dak die Menjdhen von Unmwillenheit und Vorurteilen befreit und im Ges danfen, Glaube und Liebe geeinigt werden. Der Babai mikachtet die PBrophezeiungen anderer Religionen nicht, fondern weilt darauf bin, daß jih alle auf das Kommen eines großen Lehrers beziehen, weldher Friede und Harmonie auf Erden gründen werde. x

Labt mic bei diefer Gelegenheit einige Worte über Brophezeiungen jagen. Ich weiß, daß es viele gibt, welde jid für diejes Thema nicht interejlieren, wir müllen aber bevdenten, dab es Propbezeiungen in jeder Religion gibt und dak mit ihnen zu rechnen it. Wenn wir eine univerjale Bewegung in Betradht zu ziehen hätten, welde nur aus wenig gebildeten Menjchen beitände, jo könnten vielleicht Brophezeiungen ganz außer acht gelalfen wer den, aber dem it nicht jo; wir denfen an die Millionen von Chrilten, Buddhilten, Mohammedaner und andere, die alle an PBrophezeiungen glauben. Menn, eine Bewegung die Prophezeiungen und Erwartungen diejer verjhiedenen Nationen nicht Eden fann, dann wird es ihr au nicht gelingen, univerlal zu fein, es wird nur eme andere Sefte aus ihr werden. Die Tatjahe, dak der Bahai-Glaube die Prophezeiungen der verjchiedenen Religionen erfüllt, it einer der größten Beweile zugunften feiner Allgemeinheit. Ein anderer Faktor in der Ausbreitung des Bahai-Glaubens im Djten it — wie jhon er- - wähnt — der wundervolle Geilt, weldher die Bahai befeelt, und welcher bezeugt wird in ihrem jelbitaufopfernden Leben.

Einer der Gründe, warum das Chriltentum nit die vorherridhende Religion im Dijten geworden ilt, it


[Seite 15] 15

a dak man im Djten ein allgemeines Vorurteil gegen dasjelbe hat, und dies wurde verjhuldet durd die falle . Dazftelung, jeinss wahren Geiltes. In einem fürzlidh‘ er-Ihienenen Artitel jagt Profejlor Browne: „Im VBergleid) zu dem beinahe vollitändigen Mihlingen” ihrer eigenen Bemühungen habe ich oft chrütlihe Prediger ihre DBerwunderung ausipredhen hören über die außerordentlichen Erfolge der Bahai-Mifjionare. Sie jagen: „Wie fommt es, daß. die riltlihe Lehre, die hödjte und edelite, weldhe die Melt je gefannt hat — obgleich jie mit allen Hilfsmitteln der weitlihen Zivilijation unterjtügt wird — ihre Befehrten in mohammedaniihen Ländern mit zwei oder drei zählen Tann, während die Bahai ihre nad me: rechnen dürfen?“ Die Antwort it mir jo tar wie die Sonne am Mittag. Das weitlihe Chriltentum it zum Teil mehr weitlih als &riltlid, mehr nationaler als allgemein religiöjer Natur und dadurd, dak - fie Meinungen zulajjen die mit der reinen Lehre Chrüti - unvereinbar find, wie 53. B. die Theorie von der Ueberlegenheit der weißen Rafje und dergleichen, neigen lie ji) mehr oder weniger zur Barteilihfeit. Gehörte Chriltus - einer herrihenden Raile oder aud) nur einer europäilhen Ralfe_ an? . Die Ungebötigen der Ihwarzen Nalle, zu weldien die driltlihen Meilfionare gehen, find nicht fo töricht, die chriltlihe Lehre, au wenn fie von wohlmeinenden Leuten verfündigt wird, anzunehmen, jolange ie willen, dab mehr Gewicht auf die Ralfe als auf die Relegion gelegt wird. Die Infonjequenz jener it far. Denn obgleich Jie vorgeben, dak der Gott, den jie anbeten, in der Geltalt und im Kleilch eines aliatiihen Mannes Tam, bringen ie nihtsdeitoweniger den Bewohnern Afiens

gewohnheitsmäßig und injtinttiv — jowohl in Worten als

in ihren Handlungen — häufig Mikahtung entgegen. Bezüglih der Verdienite oder Nichtverdienite der Miffionare im Orient will id in feine fritiihe Beipredung eintreten, ich bringe dies nur vor, um einigen diejer erniten und lelbitaufopfernden Niffionare, die ich fenne, meinen Tribut zu zollen. Ich wundere mid) aber, wie mandhe von ihnen wirflih an die Mahriheinlihfeit oder Möglichleit glauben mögen, daß die vielen hundert Millionen Mohammedaner und andere, Chrüten


[Seite 16] RE TEERSEEIIEEREEREE

&

16

werden. Diejenigen, welhe im Djten gelebt haben,

willen, dab der all, in welhem ein Wohammedaner Chrijt wird, ebenjo jelten it, wie der, in weldem ein Ehrilt im Weiten Mohammedaner wird. Wir müljen bedenten, dab die Mohammedaner und andere ebenjo feit wie die Chrilten daran glauben, dab ihre Religion Die vorherrihende werde; aber, die Gejdichte widerlegt diefen Glauben. MWls Beilpiel wollen wir Die zwei größten Religionen, das Chriltentum und den Mohanımedanismus, nehmen. Können wir nad all dem Eifer, dem Ernit und den Bemühungen, mit welden jich u Anhänger gegenfeitig zu befehren juchten, jagen,

lie jih in bezug auf Einigkeit in den vergangenen 1300 Jahren näher gefommen jind? Bemerfen wir unter den Millionen Buddhilten in der Welt durd Webergang in

andere Religionen einen wahrnehmbaren Unterjhied in der Zahl? Und da, die Buddhilten aud Belehrungen

maden, jo ilt es nichts als ein fortwährender Tau, ohne der wirklichen Einigung näher zu fommen.

Die gegenwärtige Lage mödhte ich mit_ einer Byra- ze:

mide vergleihen: eine Seite gehört den Chrilten, eine

den Bupddhilten, eine den Mohammedanern und ‚eine den

Hindus. SIeder von ihnen verjudt, feinen Nachbar auf jeine Seite der Pyramide zu ziehen. Wenn fie anjtatt rundum zu Schauen, aufwärts nad dem Gipfel jehen wollten, dann würden jie das Licht, weldes fie alle fuchen, erbliden.

Die große Schranke, weldhe Chriten, Mohammedaner, Buddhilten und andere trennte, it endlich durd den Einfluß der, Bahai-Bewegung niebergeriljen und eine freundliche, jo jogar eine brüderlihe Beziehung it unter ihnen bergeitellt worden. Es jind nit nur einige

Dußende, welde ih _der Bahai-Bewegung genähert

ee jondern viele Taufende. Können wir unter Diefen Umjtänden noch bezweifeln, daß der wahre Geilt des Ehriltentums in diejer Bewegung ilt? Wir haben aukerden die Worte Ehrilti: „Kann man aud Trauben Jam: meln von den Dornen?” und „An ihren Früchten follt ihr Jie erfennen“.

In meinem Bud: „Ein Jahr unter, den Bahai in Indien“, deutih von W. Herrigel, habe ich einen Turzen Bericht über das Leben der Bahai in Indien geichrieben,

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und von Ddiefem möchte ih bier einen Zwildhenfall anführen, welder id ereignete, lolange ih in Bombay weilte. Ich habe erwähnt, dab Baha’ o’llah in jeinem Fi u des Gejekes“ die Anweifung gibt, daß in jeder — Babai-Gemeinde ein Konzilium gewählt werden joll, weldes nad; den Angelegenheiten der Gemeinde Jieht. In Bombay haben jie ein foldes Konzilium zulammen=

gejeßt aus neunzehn PBerfonen, es jind hauptjählih Mohbammedaner, und Yoroaiter. Diele zwei Bölfer waren

einnander feither nichts weniger denn freundihaftlid ge-—— jinnt, aber nun arbeiten jie harmonild) zulammen tür - das gemeinjame Gute. Als ich eines Abends einer Sibung Ddiejes Konziliums beiwohnte, fam ein armer Bahai-Krämer, ehemaliger Zoroaiter, und erzählte den Mitgliedern, dab fein Gejhäft ‚jehr jhleht gehe und dak er vor dem Banferott jtehe. Das Konzilium überlegte, was bier zu tun jei_und entidied, dab verjciedene der Mitglieder einen Teil ihrer Yeit darauf verwenden follen, ihm in feinem Laden zu helfen, ein neues Marenlager beihaffen, und wenn nötig, ihn finanziell unterftüßen jollten. Dies geihab, und bald war der Mann 5 wieder auf den wWühen. Ein joldes Beilpiel zeigt, dab die Bahai die Brüderlichkeit, welche te predigen, aud) - praftild; betätigen. ke An einem andern Abend fam ein Mohammedaner-— — Bahai in großer BVerlegenheit in die VBerfammlung. ‚Er

hatte joeben von einem mohammedaniihen Freund hundert Lotterieloje erhalten, welhe er verkaufen jollte.

Der Ertrag diejer Lotterie war für eine mohammedaniihe Wohltätigfeit beitimmt. Er jagte: „Ic weik nit, was ih mit diejen Lotterielofen anfangen joll. In dem Bud des Gejeßes von Baha’ o’llah it Spielen itreng verboten; ich bin nun nicht jiher, ob eine Lotterie unter - dies Kapitel fällt oder nit. Wenn id nun dieje Lotterieloje annehme und verfaufe, jo brede id, möglicherweile eines der Gejete, weile ih Jie aber zurüd, jo werde ich mir wahricheinlich diejen meinen Freund, welder ein ehr einflußreicher Mohammedaner ilt, zu meinem erbittertiten Beinde maden.“ Die neunzehn Mitglieder von dem „Haus der Gerechtigkeit — wie das Konzilium oder die E Verjammlung genannt wird — fingen nun an zu beraten, | — was bier zu tun jei. Endlidh jah ein :Zoroalter- Mitglied |

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einen Ausweg aus diejer Schwierigkeit, er machte den Borihlag: Ieder Bahai Joll ein Los nehmen, diejelben follen dann jamt den daraus erzielten Hundert Rupinen zus rüdgegeben und dazu gejhrieben werden, dab auf Gewinne verzichtet wird, daß Tie ji aber freuen, etwas zu einem mohammedanilcen wohltätigen Zwed beitragen zu föns nen. Ih würde midy wundern, wenn nit alle Lejer diefer Zeilen die Größe und Schönheit diefer Handlungs=- weile zu würdigen wühten. Gie zeigt zwei große NRefultate der BahaisLehre: aufs Spielen — eines der vorherrichenditen Later im Dften — wird mit Abjiheu geblidt; und das Gefühl der Erbitterung und des Halles, weldes die Zorvajter gegen die Mohammedaner jahrhundertelang unterhielten, wurde jo verändert, dak fie froh waren, einer mobhammedaniihen Mohltätigkeits- Hate italtung förderlic zu fönnen. Dies ilt wahrlidh Teine geringe Frudht am Bahai-Baum. Ic wollte, es wäre mir möglid, hier nod; über verjhiedene andere Yälle edler und uneigennügiger Beilpiele des Dienites für das allgemeine Gute, weldhe in Indien zu meiner Kenntnis gelangten, zu berichten.

Diejer Geilt der Liebe und des Dienjtes für jeinen Nebenmenihen wurde durh einen indiihen Bahat in MWirklihteit bewiejen, indem er bei einer Gelegenheit fein Leben für mich ließ, und „größere Liebe Tann nie= gun) haben, als daß er jein Leben läht für feine Brüer “

Ein perfiiher Bahai jagte einmal zu mir: „Als id) nod ein orthodoxrer Mohammedaner war, pflegte id immer meine Hände zu walhen, wenn ich einem Chriiten die Hand gereicht hatte, denn ih date, ih hätte mich Belledt, Zah mödte ich aller Welt die Hände jhütteln.‘“ o’lMlah im Jahr 1892 jtarb, hinterließ er jei-” nn die ee daß fie nach feinem Hingang ei feinen älteiten Sohn bas Effendi als ihren Lehrer und Führer a follen; er fei der, auf deilen Scdultern jein Mantel fallen werde, der Erflärer und Berbreiter feiner Lehren in der I Abbas Effendi, welder nadhher den Titel Abdul Baba, das heikt „Diener Gottes“, annahm, ilt jeit 1892 Führer der Bahai-Bewegung, und unter jeiner weilen Führung ilt fie - wachen und wurde ausgebreitet, bis ihr Einfluß an al

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vier Enden der Erde gefühlt wurde. Ih jah ein auffallendes Beilpiel davon, als ih vor etlihen Jahren Affa bejuhte und da Männer begegnete von Indien, Birma, Berjien, Arabien, Aegypten, der Türkei, Rubland, Sranfreih, England und Amerika, welde da verjammelt waren, um den Lehren des Meilters — wie Abdul Baba’

allgemein genannt wird — zu lauiden.

bdul Baba ilt mehr als ein Lehrer, er ilt den Menihen ein lebendiges Beilpiel von dem, was das Chriltus-Leben wirklih ilt, Liebe und Yreundlichteit jtrahlen von ihm aus, und jein täglihes Leben it ein Ausdrud_des Dienites für die Menjhen. Er zeigt dem materialiltiihen und zweifelnden zwanzigiten Jahrhundert, dab diejes Leben nit bloß ein Ideal, jondern eine Möglichkeit ilt, damit wir wieder Mut fallen und unjer Geliht nad innen wenden mögen, um Gott in uns zu finden, madtvoll, mädtig und allerhödhit (Baha’ o’llah), und damit wir in die Sohnihaft des Königreihes Gottes fommen möchten.

‚&s ilt ihon_geleugnet worden, daß eine jolde Berlönlihfeit wie JIejus auf Erden gelebt habe. Das Leben Abdul Baha’s beweilt die Wirklichkeit Ieju. Der wahre Bahai ilt aud der wahrite Chrilt, er dentt nicht

— mehr länger darüber nad, ob es möglih war, daß ein

lo vollfommenes MWejen vor neunzehnhundert Jahren die Erde betreten bat; er liebt auf das Leben Abdul Baha’s und weih es. Ein joldes Leben ilt eine Infpiration für die ganze menjhlihe NRafle. Es ilt ein größerer Beweis für die Liebe Gottes und die Wahrheit der Religion, als alle Bücher, weldhe je in der alten und neuen Iheologie gejhrieben wurden. Die Menihen jind der Theo- . rien und Spefulationen müde geworden, jie möchten wieder die Betonung der Liebe, der Gelbitlojigfeit und_der Brüderlichteit hören, wie jie vor neunzehnhundert Jahten gehört wurde. Eine jolhe Note ertönt heute wieder von demielben heiligen Land durd) den Diener Gottes, Abdul Baba, welher die Welt die vergejienen Wahrheiten lehrt, die wahre Berjöhnung, die Verjöhnung des Men-Ihen mit den Menihen und mit Gott, predigt, und die wahre Liebe, welde ein anderes Wort ilt für Dienit und das Aufgeben des Gelbit für das Ganze, offenbart. Er lehrt die Einheit aller Religionen, und deshalb

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verherrlicht er feine Lehre derart, dab ihre Nihtannahme eine Seele vom Himmelreid ausihließen würde, Er jagt: „xllles andere, ‚außer Liebe, jind nur oberflädlih ge äußerte Morte.“ Er fagt ferner: „Dies it eine Religion der Taten und niht der Worte.“ Er fordert Männer und rauen aller Rajjen und Befenntnilje auf unter die Fahne der Einigkeit, welde er hodhhält, zu Tommen, und ihm bei der Errihtung des Königreiches Gottes und . der Brüderihaft der Menihen auf Erden, bier und jebt, behilflich zu_jein. Labt diejenigen, welde wirtlid wünfchen, dab „Briede auf Erden und den Menjchen ein Wohgefallen‘ regiere, und die nicht bloß den Triumph ihrer | eigenen bejonderen Selte, ihres Beienntniljes oder den ihrer eigenen Meinungen anitreben, auf den Ruf Ddiejes Mannes, welcher uns aut Einigkeit ruft, hören. Können l wir heute außerhalb der Bahai-Bewegung ein beljeres Ei Werkzeug finden, das Ddiefe Einigkeit und Brüderidaft | der Mtenjchen, welde wir wünjhen, zultande bringt? Sie i gibt den Mienihen das, was einige Schriftiteller gejagt | haben, daß es däs beite jei, was eine Religion den Menihen geben Tann: „ein neues Herz". Sie, einigt die Menihen auf dem einzigen Meg, auf dem lie- gend werden fönnen, duch „Liebe, Veritändnis und Dienit“.,

Mir jehen jomit, dab die Botichaft der Bahai- Z nung für die Welt eine jolde des Sriedens ilt, und dab die Bahai dieje Mlanifeltation als eine weitere Aus gießung der Wahrheit auf Erden betradten; wir jehen, daß fie das Licht lieben, an weldem Horizont es aud er Icheinen mag; jie betradhten die verihiedenen Propheten und göttlihen Lehrer der Bergangenheit als Liter, durd) welche dies Licht geichienen hat und durch weldes die Melt erleuchtet wurde, deshalb nehmen jie an, dah alle Religionen göttlid find, und daß fie das Mejen der Wahrheit behiben, Aber duch Aberglauben und dur Feremonien, weldhe ihnen die Menichen hinzugefügt haben, wurden lie bisher verdunfelt.

Betradhten wir die Macht der Umwandlung, welde die Bahai-Bewegung bewiejen hat, ihr jhnelles Wadhstum unter jo verjhiedenen Raflen und Religionen, jowie das Band wirkliher Sympathie, der Liebe und des Bertändniljes, das zwilhen dem Diten und Weiten geihaften wurde, müjjen wir da nicht jagen, daß ihr Aniprud,

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eine univerjale Religion zu ein, niht blob ein Phantom, londern greifbare Wirklichkeit ilt ?

Melder ernite Beobadter des Lebens Tann leugnen, Daß heute in der Melt eine arabe RERUNS der Ge danken vor jih geht? Die alte Ordnung der Dinge ver> geht, ob wir es wünicen oder nicht, die Mtenihen Juchen überall nad Wahrheit und werden durch jeden Wind der Lehre umbergeworfen. Bon Bedeutung für Die Kritit der neuen Theologie it, daß fich jo viele Gemeinhaften und Sekten erheben, dal ji jo mande in prote-Itantiihen Ländern dem Katholizismus zuwenden, und dab mande in fatholiihen Ländern Proteitanten, und Wreidenfer werden. Dies Tommt vor unter riltliher Negietung; die gleihen Erhebungen fünnen wir aber aud in anderen Ländern finden. Was fommt dabei heraus? Es gibt viele, welde vor den falten und uniympatiihen Spitemen der Etif, wie fie duch geile NMtaterialiiten aufgeitellt werden, zurüdichreden, und welde zur jelben Zeit von den Extremen, zu welden gewille Offultiiten neigen, zurüdgeitoßen werden. Sie fühlen das Bedürfnis einer Religion, und doh genügt ihnen das, was ihnen die Kirhe bietet, nicht mehr. Dieje Leute find es, an welde die Babhai- Bewegung ganz bejonders appelliert. Eine Re=-

_ — ligion, welde die Arbeit, die Erziehung, die Millenihaft

und den Wrieden fördert und erhebi, jollte an die Bolitivilten, an die Ethiler und an die Sozialreformer appellieren. Während jie aber alle role zone teformen unteritüßt, verliert jie niemals den Belit der ewigen Mirklichfeiten. Sie enthält die Geiltestraft, den Iebendigen Glauben, weldher. notwendig ilt, Diele Reformen durdauführen. Eine loldye Religion, welde gänzlid getrennt it von dem Geilt der Gewinnjucht, und deren einiger Kampf gegen die Gelbitjuht gerichtet it, muB an .. was das hödjite und beite im |Mtenihen ilt, appelieren.

„DO Nationen der Welt! Das Glaubensbefenntnis von Gott ilt Liebe und Einigfeit, madet es nit zur Urjadhe des Mikkllangs und der Uneinigfeit; ich empfehle eud, der Menihheit und der Förderung des Friedens zu dienen.‘

[Seite 22] „DO Nationen der Welt! Das Zelt der Einigkeit aufgerichtet, blidet nicht einer auf den andern als Fre denn ihr jeid alle die Frühte eines Baumes und Blätter eines Zweiges.“ 7

„Berberrliht werde nicht der, der nur jein Vater gi land liebt, jondern der, der die ganze Melt liebt.“

(Worte von Baha’ o’llah.)

Zu beziehen dur Wilhelm Herrigel, Stuttgart, Hölderlinitr. 35.