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	<title>Bahaiworks - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=One_Country/2007_Nummer_1/Text&amp;diff=77504</id>
		<title>One Country/2007 Nummer 1/Text</title>
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		<updated>2022-06-03T11:53:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=One_Country_2007_01.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger.“ — Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=One_Country_2007_01.pdf|page=2}}IMPRESSUM&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
On: Coumnv wird herausgegeben von&lt;br /&gt;
der Bahá’í International Community,&lt;br /&gt;
die als Nicht-Regierungs-Organisation&lt;br /&gt;
bei den Vereinten Nationen die weltweite Bahá’í-Gemeinde repraisentiert.&lt;br /&gt;
On: Couumv, Office of Public Information, Bahá’í International Community,&lt;br /&gt;
Suite 120, 866 United Nations Plaza,&lt;br /&gt;
New York, New York 10017, USA,&lt;br /&gt;
E~Mai|z1country@bic.org.&lt;br /&gt;
Chefredakteur: Brad Pokorny. Chef vom&lt;br /&gt;
DienstAnn Boyles. Auslandsredaktionen: Nancy Ackerman (Moskau),Christine Samandari-Hakim (Paris), Kong&lt;br /&gt;
Siew Huar (Macau), Guilda Walker&lt;br /&gt;
(London). Deutschsprachige Redaktion:&lt;br /&gt;
Stephan Pemau, Gerhard Schaper,&lt;br /&gt;
Stefan Spiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E-Mail: roc@bahai.de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freie Korrespondenten: Sarvenas&lt;br /&gt;
Enayati, Hilda Fanta (Osterreich),&lt;br /&gt;
Silvia Fréhlich (Schweiz),Jutta Bayani&lt;br /&gt;
(Luxemburg) Geschäftsfﬂhrung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D: Hartmut Nowotny,Arezu Braun.&lt;br /&gt;
Übersetzerpool: Lisa Hiemer. Beitrége&lt;br /&gt;
aus ONE Couumv können kostenfrei&lt;br /&gt;
nachgedruckt werden unter Angabe&lt;br /&gt;
der Quelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschrift: ONE Couumv, Eppsteiner&lt;br /&gt;
Str. 89, D-65719 Hofheim-Langenhain,&lt;br /&gt;
Germany.Te|. +49-6192-99290,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fax +49-6192-992999. Herausgeber&lt;br /&gt;
der deutschsprachigen Ausgabe:&lt;br /&gt;
Nationaler Geistiger Rat der Bahá’í in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einzelheft: Euro 2,25/SFr 4,-.Jahresabonnement: Euro 8,—/SFr15,-(inc|.&lt;br /&gt;
MWSt u. Porto). Die Zeitschrift kann&lt;br /&gt;
beim Bahá’í—Verlag, Eppsteiner Str 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain, bestellt&lt;br /&gt;
werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Copyright1999—2006 by Bahá’í International Community. ISSN 0945-7062.&lt;br /&gt;
Gedruckt auf1oo% Recyclingpapier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K ONE COUNTRY&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1/2007 — SEITE 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KINGSTON,Jamaika —A|s&lt;br /&gt;
derGeneralgouverneurvon&lt;br /&gt;
Jamaika, Sir Howard Cooke,&lt;br /&gt;
vor dreieinhalb Jahren den&lt;br /&gt;
Nationalen Bahá’í-Tag fUr&lt;br /&gt;
diese tropische&lt;br /&gt;
Karibikinsel&lt;br /&gt;
ausrief,ahnten&lt;br /&gt;
die Bahá’í nicht,&lt;br /&gt;
dass dieserTag&lt;br /&gt;
zu einem jéhrlichen Ereignis&lt;br /&gt;
werden wUrde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bahá’í-Tag wurde erstmals im Jahre 2003 anlaisslich&lt;br /&gt;
des 60. Jahrestages der EinfUhrung des Bahá’í-Glaubens&lt;br /&gt;
in Jamaika begangen. Ein&lt;br /&gt;
Jahr spater entdeckten die&lt;br /&gt;
Bahá’í, dass eine solch offizielle Bekanntmachung dazu&lt;br /&gt;
fﬂhrt, dass das Ereignis zu&lt;br /&gt;
einer dauerhaften Einrichtung&lt;br /&gt;
auf der Insel wird. „Seitdem&lt;br /&gt;
begehen wir den Bahá’í-Tag&lt;br /&gt;
anjedem 25.Ju|i“, sagte&lt;br /&gt;
Linda Roche, die Sekretérin&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Gemeinde von&lt;br /&gt;
Jamaika. Das Ereignis wurde&lt;br /&gt;
nicht nur ein Fest fUr die 21&lt;br /&gt;
6rt|ichen Bahá’í—Gemeinden&lt;br /&gt;
auf der Insel. Auch die Fﬂhrer&lt;br /&gt;
anderer Religionen und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jamaikaner feiem den vierten Nationalen Bahá’í-Tag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Politiker von Jamaika nahmen&lt;br /&gt;
daran teil. Im Jahr2006 lud&lt;br /&gt;
der Nationale Geistige Rat&lt;br /&gt;
von Jamaika zu einem „Bahá&#039;iTag-Brunch“ ein. Dazu kamen&lt;br /&gt;
Vertreterverschiedener&lt;br /&gt;
Religionen, die dem Rat fUr&lt;br /&gt;
Glaubensfragen angehören,&lt;br /&gt;
darunter Muslime,Christen,&lt;br /&gt;
Buddhisten und Hindus sowie der BUrgermeister von&lt;br /&gt;
Kingston und Medienvertreter. Zudem gab es Feierlichkeiten in Kingston, Montego&lt;br /&gt;
Bay und Port Antonio. In der&lt;br /&gt;
Eiffentlichen Bibliothek von&lt;br /&gt;
Port Antonio gab es eine viertégige Ausstellung über die&lt;br /&gt;
Geschichte des Bahá’í—Glaubens in Jamaika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Höhepunkt des Feiertages&lt;br /&gt;
auf nationaler Ebene war die&lt;br /&gt;
Rede von Desmond McKenzie, des BUrgermeisters von&lt;br /&gt;
Kingston, in der er die Bahá&#039;iGemeinde von Jamaika fUr&lt;br /&gt;
ihre geistige Botschaft und&lt;br /&gt;
Einheit pries, zu einer Zeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der viele Menschen ihren&lt;br /&gt;
GIauben an die Politik und die&lt;br /&gt;
traditionellen Religionen verlieren.„Wir haben uns immer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf die traditionellen Kirchen&lt;br /&gt;
verlassen,wenn es darum&lt;br /&gt;
ging, die Grundlage fUr moralische Achtung und soziale&lt;br /&gt;
Toleranz zu schaffen“, sagte&lt;br /&gt;
BUrgermeister McKenzie.&lt;br /&gt;
„Aber es beunruhigt uns, dass&lt;br /&gt;
die traditionellen Kirchen in&lt;br /&gt;
letzter Zeit anscheinend ihre&lt;br /&gt;
Aussagekraft verloren haben,&lt;br /&gt;
wenn es um Werte geht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mr. McKenzie, der selbst kein&lt;br /&gt;
Bahá’í ist,fuhrfort:„Da man&lt;br /&gt;
ja von Politikern keine moralische Autoritét erwartet,&lt;br /&gt;
sind es die neueren Kirchen&lt;br /&gt;
und Religionen wie die Bahá’í&lt;br /&gt;
und ihre erfrischend neue&lt;br /&gt;
Ansicht in Bezug auf Moral,&lt;br /&gt;
denen wir uns zuwenden&lt;br /&gt;
mussen. Bahá’u’lláhs göttliche Mission war es, geistige&lt;br /&gt;
Erneuerung und die Einheit&lt;br /&gt;
der Menschheit zu bewirken,&lt;br /&gt;
die ihrerseits zu dauerhaftem&lt;br /&gt;
Weltfrieden und zur Errichtung des Gottesreiches auf&lt;br /&gt;
Erden fUhren&amp;quot;, so McKenzie.&lt;br /&gt;
„Die Stadt Kingston empféngt&lt;br /&gt;
die Bahá’í mit offenen Armen,&lt;br /&gt;
weil wir ihre Begeisterung fUr&lt;br /&gt;
Einheit und Frieden teilen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desmond McKenzie, BUrgermeister von Kingston, Jamaika, ldsst sich am Bahá’í—Tag von Dorothy&lt;br /&gt;
Whyte, der Vorsitzenden des Nationalen Geistigen Rates vom Jamaika, eine Présentation erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=One_Country_2007_01.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stﬁrkung der Menschenrechtsbildung&lt;br /&gt;
an Hamburger Schulen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HAMBURG - Zur Stérkung der&lt;br /&gt;
Menschenrechtsbildung in&lt;br /&gt;
Hamburgs Schulen fand am 8.&lt;br /&gt;
Februar 2007 ein RunderTisch&lt;br /&gt;
statt. Die Konferenz wurde&lt;br /&gt;
vom Forum Menschenrechte,&lt;br /&gt;
dem Landesinstitut fUr Lehrerbildung und Schulentwicklung und der Senatsverwaltung fUr Bildung und Sport&lt;br /&gt;
organisiert. Das Treffen brachte zum ersten Mal Bildungsverwaltung, Bildungspraktiker&lt;br /&gt;
und Nicht-Regierungsorganisationen zusammen.&lt;br /&gt;
Menschenrechtsbildung ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Deutschland in der schulischen Bildung noch nicht etabliert. Sie lenkt den Fokus auf&lt;br /&gt;
internationale Anforderungen, zu denen sich Deutschland im Rahmen der UNO&lt;br /&gt;
und der UNESCO verpflichtet&lt;br /&gt;
hat. Indem Menschenrechtsbildung Wissen, Werte und&lt;br /&gt;
Fähigkeiten gleichermaßen&lt;br /&gt;
generiert,trägt sie zu einer&lt;br /&gt;
Kultur der Menschenrechte&lt;br /&gt;
bei. Konferenzpartner am&lt;br /&gt;
Runden Tisch waren neben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Lutz Mbller, Deutsche&lt;br /&gt;
UNESCO-Kommission, Prof. Dr.&lt;br /&gt;
Karl—Peter Fritzsche, Universitét Magdeburg, Dr. Claudia&lt;br /&gt;
Lohrenscheit, Deutsches Institut fUr Menschenrechte, Peter&lt;br /&gt;
Amsler, Nationaler Geistiger&lt;br /&gt;
Rat der Bahá’í in Deutschland,&lt;br /&gt;
auch Martin Speck, Hamburger Bildungsbehbrde, Kurt&lt;br /&gt;
Edler, Landesinstituts fUr&lt;br /&gt;
Lehrerbildung und Schulentwicklung sowie zahlreiche&lt;br /&gt;
Fachreferenten/innen.&lt;br /&gt;
„Kinder haben ein Recht auf&lt;br /&gt;
Bildung und Menschenrechtsbildung“, sagte Prof. Fritzsche&lt;br /&gt;
einleitend am Runden Tisch.&lt;br /&gt;
„Sie erfahren dadurch,wovor&lt;br /&gt;
sie zu schﬂtzen sind,wozu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie berechtigt sind, aber auch&lt;br /&gt;
wozu sie verpflichtet sind.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Erst mit der Menschenrechtsbildung werde die Umsetzung&lt;br /&gt;
der Menschenrechte möglich.&lt;br /&gt;
„Denn nur, was wir kennen,&lt;br /&gt;
das ké‘mnen wir auch schUtzen“, so Prof. Fritzsche.&lt;br /&gt;
Claudia Lohrenscheit wies&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darauf hin, dass bei der Menschenrechtsbildung an Schulen auch die Relativierung der&lt;br /&gt;
Menschenrechte durch kulturelle und religiöse Begrﬂndungen sowie die Debatte um&lt;br /&gt;
Folter thematisiert werden&lt;br /&gt;
mUssen. Auch viele der anwesenden Lehrerinnen und&lt;br /&gt;
Lehrer meinten, dass Themen&lt;br /&gt;
wie Zwangsverheiratung und&lt;br /&gt;
Kopftuch oft zur Ratlosigkeit&lt;br /&gt;
an den Schulen fUhrten.&lt;br /&gt;
Peter Amsler stellte fest: „Die&lt;br /&gt;
Menschenrechte sind Ausdruck der Unrechtserfahrungen der Menschheit. lm séikuIaren Rechtsstaat lassen sich&lt;br /&gt;
Normen und Werte fUr staatliches Handeln und damit&lt;br /&gt;
auch in den Schulen aus den&lt;br /&gt;
Menschenrechten herleiten.“&lt;br /&gt;
Am Beispiel von Rahmenlehrplanen stellte er dar, wie&lt;br /&gt;
eine querschnittsorientierte&lt;br /&gt;
Menschenrechtsbildung in&lt;br /&gt;
den Unterricht eingebettet&lt;br /&gt;
werden kann.&lt;br /&gt;
Fachreferenten/innen und&lt;br /&gt;
Lehrer/innen waren gegenÜber vorgegebenen Lösungen&lt;br /&gt;
bei menschenrechtlichen Dilemmata im Unterricht skeptisch. Forschendes Lernen und&lt;br /&gt;
die selbsténdige Suche nach&lt;br /&gt;
Wahrheit mUsse möglich sein.&lt;br /&gt;
Der Raum fUr den diskursiven&lt;br /&gt;
Unterricht dUrfe nach PISA&lt;br /&gt;
nicht immer kleiner werden.&lt;br /&gt;
Die Teilnehmenden bemén&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gelten, dass zunehmend Vergleichsarbeiten und Abschlussarbeiten den Stundenplan&lt;br /&gt;
bestimmen. Bildungspléne&lt;br /&gt;
und Materialien seien ausreichend vorhanden, aber es sei&lt;br /&gt;
unklar,wie das&lt;br /&gt;
Geféille zwischen&lt;br /&gt;
Sollen und Sein&lt;br /&gt;
abgebaut werden kann.„Wie&lt;br /&gt;
kommen wir wieder zum&lt;br /&gt;
selbsténdigen Denken?“ war&lt;br /&gt;
dann auch eine Leitfrage in&lt;br /&gt;
der Diskussion. Viele Lehrerinnen und Lehrer brauchen&lt;br /&gt;
dazu konkrete Hilfen und den&lt;br /&gt;
fachlichen Austausch. Das Forum Menschenrechte will die&lt;br /&gt;
notwendige Weiterarbeit unterstUtzen; dazu verijffentlichte das Forum die „Standards&lt;br /&gt;
der Menschenrechtsbildung&lt;br /&gt;
in Schulen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ankiindigung: Deutschsprachige&lt;br /&gt;
EBBF-Jahreskonferenz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 20 Jahren gehört das&lt;br /&gt;
European Bahá’í Business Forum (EBBF) zu den filhrenden&lt;br /&gt;
europäischen NGOs. Das EBBF&lt;br /&gt;
unterstﬂtzt Menschen mit&lt;br /&gt;
Filhrungsverantwortung in&lt;br /&gt;
den Bereichen Wohlbefinden&lt;br /&gt;
und Ethik am Arbeitsplatz mit&lt;br /&gt;
Know-how und Training.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Berliner Konferenz treffen&lt;br /&gt;
sich Experten, Studierende,&lt;br /&gt;
Unternehmer, Unternehmerinnen undjunge Berufstétige mit FUhrungsaufgaben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Austausch von Erfahrungen, Methoden und Ideen&lt;br /&gt;
ﬁlr eine humanere Weltwirtschaft. Angesichts des globaIen Wandels gilt es, ethische&lt;br /&gt;
Gestaltungsmöglichkeiten fUr&lt;br /&gt;
den Einzelnen wahrnehmbar&lt;br /&gt;
und erfahrbar zu machen. Die&lt;br /&gt;
EBBF-Jahreskonferenz findet&lt;br /&gt;
in Berlin vom 26. bis 28. Oktober 2007 statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Programm und Anmeldung&lt;br /&gt;
sind erhéltlich bei bei uwetams@t-on|ine.de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EUROPA-MAGAZIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K ONE COUNTRY&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|4|file=One_Country_2007_01.pdf|page=4}}PERSPEKTIV&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine griiﬁere Betonung&lt;br /&gt;
des Rechtes auffreie&lt;br /&gt;
Wahl der Religion&lt;br /&gt;
kann - zusammen mit&lt;br /&gt;
anderen Rechten zur&lt;br /&gt;
„Freiheit der Religion&lt;br /&gt;
oder des GIaubens“&lt;br /&gt;
sehr dazu beitragen,&lt;br /&gt;
den religicisen Extremismus und die ihn&lt;br /&gt;
begIeitenden Bedrohungen Für die globale&lt;br /&gt;
Sicherheit zu bekiimpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K ; ONE COUNTRY&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religionsfreiheit und der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Is zweitklassig in der&lt;br /&gt;
Sorge um die Menschenrechte wurde die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religions- und&lt;br /&gt;
Glaubensfreiheit oft angesehen. Heute&lt;br /&gt;
steht dieses Thema im Zentrum von vielen dringlichen&lt;br /&gt;
globalen Herausforderungen.&lt;br /&gt;
Erfolgreiche soziale und&lt;br /&gt;
wirtschaﬁliche Entwicklung wird zum Beispiel&lt;br /&gt;
stark durch die verschiedenen&lt;br /&gt;
Glaubensrichtungen der Beteiligten beeinﬂusst. Solche&lt;br /&gt;
Glaubensrichtungen wirken&lt;br /&gt;
extrem auf die SchlUsseIfaktoren im Entwicklungsprozess&lt;br /&gt;
ein, wie auf die Motivation&lt;br /&gt;
des Einzelnen, den Zusammenhalt in der Gemeinde und&lt;br /&gt;
die Beteiligung der Frauen.&lt;br /&gt;
Dementsprechend ist das&lt;br /&gt;
Recht auf Religions- oder&lt;br /&gt;
Glaubensfreiheit von zentraIer Bedeutung fUr den Entwicklungsprozess.&lt;br /&gt;
Experten stellen zunehmend&lt;br /&gt;
Verbindungen zwischen der&lt;br /&gt;
religiösen Freiheit und anderen Grundrechten her. Dazu&lt;br /&gt;
gehören die Rede- und Versammlungsfreiheit,der gleiChe Schutz im Rechtsbereich&lt;br /&gt;
und die Rechte, die mit der&lt;br /&gt;
Familie, der Eheschließung&lt;br /&gt;
und den Kindern zusammenhéngen. Die Rechte der&lt;br /&gt;
Frauen sind haiufig sehrvom&lt;br /&gt;
religiösen GIauben abhéngig.&lt;br /&gt;
Gleiches gilt fUr den Status&lt;br /&gt;
der Kinder. Am Wichtigsten ist&lt;br /&gt;
wohl, dass heute nicht lénger&lt;br /&gt;
daran gezweifelt werden&lt;br /&gt;
kann, dass die Angelegenheiten des Friedens und der Sicherheit oft mit der Religionsund Glaubensfreiheit direkt in&lt;br /&gt;
Verbindung stehen.&lt;br /&gt;
Diese Tatsache muss deutlich&lt;br /&gt;
angesprochen werden: Unter&lt;br /&gt;
den hauptsächlichen Konfliktursachen, die bisher im neuen&lt;br /&gt;
Jahrtausend zutage traten,&lt;br /&gt;
waren Auseinandersetzungen&lt;br /&gt;
Über religiöse Ideologie. Die&lt;br /&gt;
Zunahme des Terrorismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kann im großen MaEe insbesondere mit einem gleichzeitigen Emporkommen des&lt;br /&gt;
religiösen Extremismus in Verbindung gebracht werden.&lt;br /&gt;
Am 25. November 2006 beging die Welt den 25.1ahrestag der Erklärung zurAchtung&lt;br /&gt;
aller Formen von religiijser&lt;br /&gt;
oder glaubensméfﬁiger IntoIeranz oder Diskriminierung.&lt;br /&gt;
Daher ist es an der Zeit, Über&lt;br /&gt;
die Erklärung, ihre Bedeutung&lt;br /&gt;
und ihre zuk L&#039;Inftige Rolle&lt;br /&gt;
nachzudenken. Die Erklairung&lt;br /&gt;
ist von wesentlicher Bedeutung, weil sie die religiöse&lt;br /&gt;
Freiheit beschreibt. Sie erweitert, was zuerst1948 in der&lt;br /&gt;
Universalen Erklärung der&lt;br /&gt;
Menschenrechte (U DH R) festgelegt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der UDHR heißt es in Artike|18:„Jeder hat das Recht&lt;br /&gt;
auf die Freiheit des Gedankens, des Gewissens und der&lt;br /&gt;
Religion; dieses Recht schließt&lt;br /&gt;
das Recht, seine Religion oder&lt;br /&gt;
seinen Glauben zu wechseln,&lt;br /&gt;
sowie die Freiheit, allein oder&lt;br /&gt;
in der Gemeinschaft mit anderen, tiffentlich oder privat,&lt;br /&gt;
seine Religion oder seinen&lt;br /&gt;
Glauben in Lehre,AusUbung,&lt;br /&gt;
Gottesdienst oder der Beachtung von Vorschriften zum&lt;br /&gt;
Ausdruck zu bringen,ein.“&lt;br /&gt;
Die Erklärung von 1981 zeigt&lt;br /&gt;
zum Beispiel auf, dass die&lt;br /&gt;
Freiheit der Religion oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Glaubens das Recht, Andachtsstétten „zu errichten&lt;br /&gt;
oder zu unterhalten&amp;quot; und&lt;br /&gt;
religiöse Veröffentlichungen&lt;br /&gt;
„zu verfassen, herauszugeben&lt;br /&gt;
oder verteilen“ einschließt.&lt;br /&gt;
Auch gehört dazu:„Tage der&lt;br /&gt;
Arbeitsruhe zu haben oder&lt;br /&gt;
Feiertage zu feiern„ und&lt;br /&gt;
„Kommunikation mit Einzelstehenden und Gemeinden&lt;br /&gt;
auf nationaler und internationaler Ebene in Fragen der&lt;br /&gt;
Religion und des Glaubens&lt;br /&gt;
aufzubauen und aufrechtzuerhalten“.Gleichzeitigjedoch&lt;br /&gt;
war die Erklärung von1981&lt;br /&gt;
nicht hinreichend, weil es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verséumt wurde, das Recht,&lt;br /&gt;
den Glauben zu „wechseln“,&lt;br /&gt;
auszuarbeiten. Dieser Punkt&lt;br /&gt;
war in der UHDR von 1948&lt;br /&gt;
klar umrissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spezialisten im Bereich der&lt;br /&gt;
Menschrechte wissen nur zu&lt;br /&gt;
gut, dass das Wort „wechseln“&lt;br /&gt;
aus der Erklärung von1981&lt;br /&gt;
entfernt wurde, weil einige&lt;br /&gt;
Lénder darauf bestanden.&lt;br /&gt;
Diejenigen, die gegen diesen&lt;br /&gt;
Bahá’í waren, sahen in dem&lt;br /&gt;
Recht auf„Wechse|“ der&lt;br /&gt;
Religion eine Bedrohungfﬂr&lt;br /&gt;
die etablierte Ordnung oder&lt;br /&gt;
gar ein Sakrileg. Dies bedeutet natUrIich nicht, dass das&lt;br /&gt;
Recht, seine Religion zu wechseln, ausgelöscht ist. Die Erklärung von1981se|bstste|lt&lt;br /&gt;
fest, dass nichts in ihr„a|s&lt;br /&gt;
irgend ein Recht der Universalen Erklärung der Menschenrechte einschrénkend oder&lt;br /&gt;
beeintréchtigend gedeutet&lt;br /&gt;
werden darf...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Sicht istjedoch, dass&lt;br /&gt;
eine gréfiere Betonung dieses Rechtes — zusammen mit&lt;br /&gt;
anderen Rechten zur„Freiheit&lt;br /&gt;
der Religion oder des Glaubens“ sehr dazu beitragen&lt;br /&gt;
kann, den religiösen Extremismus und die ihn begleitenden&lt;br /&gt;
Bedrohungen fUrdie globale&lt;br /&gt;
Sicherheit zu bekämpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An erster Stelle ist es eine&lt;br /&gt;
Tatsache,dass die zugrunde&lt;br /&gt;
liegenden Lehren aller größeren Religionen der Welt — Buddhismus, Christentum, Islam,&lt;br /&gt;
Sikhismus,Judentum und der&lt;br /&gt;
Bahá’í—Religion — Harmonie,&lt;br /&gt;
MéBigung, Gewaltlosigkeit&lt;br /&gt;
und andere ethische Lehren&lt;br /&gt;
f6rdern, diejeder Art von Extremismus entgegengesetzt&lt;br /&gt;
sind. Gréfﬁere Freiheit, eine&lt;br /&gt;
Vielzahl religiöser GlaubensÜberzeugungen zum Ausdruck zu bringen und zu lehren, bietet ein einflussreiches&lt;br /&gt;
Gegenmittel zum religiösen&lt;br /&gt;
Extremismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschenrechtsorganisationen haben eine„Überwachungsliste“ von denje&lt;br /&gt;
{{page|5|file=One_Country_2007_01.pdf|page=5}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nigen Léndern, in denen die&lt;br /&gt;
Freiheit der Religion oder des&lt;br /&gt;
Glaubens am deutlichsten&lt;br /&gt;
beschnitten werden. Und eine&lt;br /&gt;
Überprﬂfung praktisch aller&lt;br /&gt;
dieser Listen wird zeigen, dass&lt;br /&gt;
viele dieser Staaten auch von&lt;br /&gt;
religiösem Extremismus geplagt werden. Die Verbindung&lt;br /&gt;
ist klar: der Extremismus&lt;br /&gt;
neigt dazu, dort zu bIUhen,&lt;br /&gt;
wo weniger Freiheit besteht,&lt;br /&gt;
die Religion seinerWahl anzunehmen und auszuﬂben.&lt;br /&gt;
Aber um das Problem des religiösen Extremismus wirklich&lt;br /&gt;
anzupacken, muss man seine&lt;br /&gt;
zu Grunde liegenden Ursachen verstehen und ansprechen. In einer Stellungnahme&lt;br /&gt;
der Bahá’í International Community (BIC) an die Weltkonferenz Über Menschrechte im&lt;br /&gt;
Jahre 1993 in Wien heißt es:&lt;br /&gt;
„Viele Gléubige finden es&lt;br /&gt;
schwierig, eine tiefe religiöse Überzeugung mit der&lt;br /&gt;
Toleranz gegenijber ande&lt;br /&gt;
ren GIaubensrichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Einklang zu bringen. Es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist verfUhrerisch, daraufzu&lt;br /&gt;
bestehen, dass man selbst&lt;br /&gt;
die einzig richtige Wahrheit&lt;br /&gt;
erkannt hat, und die Massen&lt;br /&gt;
der Menschheit, die anderen&lt;br /&gt;
GIaubensrichtungen anhénA&lt;br /&gt;
gen, auf den Status von AbtrUnnigen oder Ungléubigen&lt;br /&gt;
zu degradieren. Sie gelten sodann als geistlich verdammt,&lt;br /&gt;
die im besten Falle Mitleid&lt;br /&gt;
verdienen, im schlechtesten&lt;br /&gt;
Fall der LécherIichkeit oder&lt;br /&gt;
der Verfolgung preisgegeben&lt;br /&gt;
werden.Während der ganzen&lt;br /&gt;
Geschichte wurden zu viele&lt;br /&gt;
aufrichtige Menschen in jedem Teil der Welt Opfer dieses&lt;br /&gt;
Denkens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sicht der Bahá’í sind&lt;br /&gt;
solche Geisteshaltungen&lt;br /&gt;
teilweise das Ergebnis der&lt;br /&gt;
Unwissenheit.Wenn andere&lt;br /&gt;
Religionen in Geheimnisse&lt;br /&gt;
gehﬂllt werden, dann werden&lt;br /&gt;
sie zu einem leeren Gef&#039;éfS.&lt;br /&gt;
Der Einzelne ist versucht, sie&lt;br /&gt;
mit Furcht und Phantasie&lt;br /&gt;
vorstellungen zu fﬂllen. Die&lt;br /&gt;
Erfahrung zeigt, dass Unwissenheit Aberglauben ausertet und religiöses Vorurteil&lt;br /&gt;
und Ablehnung immer weiter&lt;br /&gt;
treibt.“ Ein Teil der Antwort&lt;br /&gt;
auf religiösen Extremismus&lt;br /&gt;
liegt somit im Unterricht über&lt;br /&gt;
andere Religionen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í International Community (BIC) fUhrte in einer&lt;br /&gt;
Verlautbarung von 1989 aus:&lt;br /&gt;
„lndem das Unwissen Über&lt;br /&gt;
andere Religionen beseitigt&lt;br /&gt;
und dadurch Versténdnis gefördert wird, kbnnte die Erziehung die latenten Ursachen&lt;br /&gt;
der Intoleranz behandeln. Mit&lt;br /&gt;
der Zeit kbnnte Erziehung&lt;br /&gt;
schrittweisejenen Menschen,&lt;br /&gt;
die religiöse Lehren fUr ihre&lt;br /&gt;
Zwecke verdrehen, die Möglichkeit nehmen, die nötige&lt;br /&gt;
UnterstUtzung zu bekommen,&lt;br /&gt;
die sie brauchen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Punkt wird das&lt;br /&gt;
Recht auf Religionswechsel&lt;br /&gt;
Überaus wichtig, besonders&lt;br /&gt;
wenn diejenigen betroffen&lt;br /&gt;
sind, die Gewalt unter dem&lt;br /&gt;
Deckmantel religiöser Lehren fördern, was sowohl die&lt;br /&gt;
schérfste Form der Religionsverzerrung, als auch die héjchste Stufe des Extremismus&lt;br /&gt;
darstellt. In einigen Landern&lt;br /&gt;
wird zum Beispiel derVersuch&lt;br /&gt;
des Religionswechsels mit einer Anklage auf Abtrﬂnnigkeit&lt;br /&gt;
quittiert, worauf nach einigen&lt;br /&gt;
Interpretationen des Religionsrechtes die Todesstrafe&lt;br /&gt;
steht.Wenn die Regierungen&lt;br /&gt;
dauerhaft klarmachen wurden, dass solche Darlegungen&lt;br /&gt;
unakzeptabel sind, dann&lt;br /&gt;
könnte man dieser Form des&lt;br /&gt;
Extremismus einen schweren&lt;br /&gt;
Schlag versetzen. Der wirklicheTest fUr solche Toleranz&lt;br /&gt;
liegt in der Frage, ob das Recht&lt;br /&gt;
auf Religionswechsel&amp;quot;, uneingeschrénkt aufrechterhalten&lt;br /&gt;
wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die praktische Realitét dieses&lt;br /&gt;
Standpunktes wird durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Bahá’í—Vorstellung von&lt;br /&gt;
der Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kampf gegen Extremismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter erhellt. Nach diesem&lt;br /&gt;
Versténdnis gibt es,trotz&lt;br /&gt;
unterschiedlicher Namen fUr&lt;br /&gt;
Ihn, nur einen Gott, und alle&lt;br /&gt;
größeren Weltreligionen sind&lt;br /&gt;
fortschreitende Ausprägungen der Offenbarung Gottes&lt;br /&gt;
fUrdie Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Verlautbarung der BIC&lt;br /&gt;
von1989 heifSt es weiter:„Die&lt;br /&gt;
geistige Basis fijr religiöse&lt;br /&gt;
Toleranz ist die Anerkennung&lt;br /&gt;
der gemeinsamen Quelle aller&lt;br /&gt;
großen Glaubensrichtungen&lt;br /&gt;
der Welt. Eine unparteiische&lt;br /&gt;
PrUfung derjeweiligen Aufierungen der Stifter der großen&lt;br /&gt;
Religionen und des sozialen&lt;br /&gt;
Milieus, in dem sie ihre Mission durchﬁlhrten, wird zeigen:&lt;br /&gt;
Es gibt nichts, das die Behauptungen und Vorurteile,die&lt;br /&gt;
die religiösen Gemeinden der&lt;br /&gt;
Menschheit und damit alle&lt;br /&gt;
menschlichen Angelegenheiten stören, stUtzt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese unparteiische Prﬂfung&lt;br /&gt;
der Lehren anderer Religionen&lt;br /&gt;
kann nur kommen,wenn es&lt;br /&gt;
keine Barrieren mehrﬁjr das&lt;br /&gt;
Recht gibt, seine Religion in&lt;br /&gt;
„Lehre, AusUbung, Gottesdienst und der Beachtung von&lt;br /&gt;
Vorschriften&amp;quot; zum Ausdruck&lt;br /&gt;
zu bringen — und fUr das&lt;br /&gt;
Recht zum Religionswechsel.&lt;br /&gt;
Das Recht der Freiheit der Religion und des Glaubens und&lt;br /&gt;
alles, was dies einschließt,zu&lt;br /&gt;
fördern ist heute nicht mehr&lt;br /&gt;
nur eine Frage des moralischen Imperativs. Es ist eine&lt;br /&gt;
praktische Notwendigkeit.&lt;br /&gt;
Gegen Extremismus und Fanatismus bietet es das beste&lt;br /&gt;
Heilmittel und stellt einen&lt;br /&gt;
wesentlichen Schutz fUr unsere kollektive Sicherheit dar.&lt;br /&gt;
Unsere Zuversicht an dieser&lt;br /&gt;
Stelle Ieitet sich vom Clauben&lt;br /&gt;
an das grundsétzlich Gute im&lt;br /&gt;
menschlichen Geiste ab, und&lt;br /&gt;
von der Überzeugung, dass&lt;br /&gt;
bei uneingeschrénktem Austausch religiöser Ideen letztIich diejenigen Lehren triumphieren werden, die Frieden&lt;br /&gt;
und Harmonie unterstUtzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K _ f ONE COUNTRY&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE 5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=One_Country_2007_01.pdf|page=6}}Roma—Mütter in Ungarn befreien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe von MUttem&lt;br /&gt;
liest ihren Kindem aufeinem wöchentlichen Trejjen&lt;br /&gt;
in Jasz aus Aroshzalas Buch&lt;br /&gt;
„Franklin knows&amp;quot; (Franklin&lt;br /&gt;
weifs es) vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNGAR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Em V014 Bahd’l inspiriertes Projelet hilft&lt;br /&gt;
Mattem, ihre Angst vor&lt;br /&gt;
dem Lesen lemen zu&lt;br /&gt;
Liberwindeh. Indem sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ermutigt werden, ihren&lt;br /&gt;
Kindem Geschichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu erzdhlen und vorzulesen, schqffen sze zu&lt;br /&gt;
Hause eine Kultur des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lesens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EGION JASZAG,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungarn — Bevor sic&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
begann, im MESED&lt;br /&gt;
Alphabetisierungsprojekt zu&lt;br /&gt;
studieren, schéimte sich Agi&lt;br /&gt;
Racz über die Tatsache, dass&lt;br /&gt;
sie nicht lesen konntc — und sic&lt;br /&gt;
hatte Angst vor dem Versuch,&lt;br /&gt;
es zu lernen. „Zucrst hatter&lt;br /&gt;
ich Zweifel“, sagte Agi Racz,&lt;br /&gt;
Mutter von Vier Kindern und&lt;br /&gt;
Angehbrige der ethnischen&lt;br /&gt;
Minderheit der Roma. Aber&lt;br /&gt;
mit der Ermutigung durch das&lt;br /&gt;
MESED—Projekt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K“ ONE COUNTRY&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1/2007 — SEITE 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und zusammcn&lt;br /&gt;
mit anderen Teilnehmerinnen&lt;br /&gt;
Überwand sie ihrt Angste.„1ch&lt;br /&gt;
ﬁihlte mich wohl mit meinen&lt;br /&gt;
Freunden und das half mir.&lt;br /&gt;
Wenn eine von uns nicht lesen&lt;br /&gt;
konnte, erhielt sie Ermutigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von den anderen. Sie sagten,&lt;br /&gt;
,Mach dir keine Gedanken,&lt;br /&gt;
mach weiter!’ Ich sah, dass&lt;br /&gt;
sie nicht über Inich lachen&lt;br /&gt;
würden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Agi Racz ist eine von&lt;br /&gt;
etwa 40Teilnehmeri1men im&lt;br /&gt;
MESED—Projekt, das von der&lt;br /&gt;
Bahá’í—Gemeinde Ungarns im&lt;br /&gt;
Jahre 2003 begonnen wurde,&lt;br /&gt;
um Roma—Frauen im Lesen&lt;br /&gt;
und Schreiben zu unterrichten. Das Projekt, das derzeit in&lt;br /&gt;
acht kleineren und größeren&lt;br /&gt;
Stiidten durchgeführt wird,&lt;br /&gt;
zeichnet sich dadurch aus, dass&lt;br /&gt;
es das Geschichtenerziihlen&lt;br /&gt;
zur Alphabetisierung nutzt.&lt;br /&gt;
Die Abkiirzung MESED steht&lt;br /&gt;
ﬁir „Mesolo Edes Anyak“,&lt;br /&gt;
was „Geschichten erzzihlende&lt;br /&gt;
Miitter“ bedeutet. Indem die&lt;br /&gt;
Roma—Miitter ihren Kindern&lt;br /&gt;
Geschichtcn vorlc-sen und erzzihlen,er1nutigen sie sie nicht&lt;br /&gt;
nur dazu Lesen und Schreiben&lt;br /&gt;
zu lernen, sondern auch dazu,&lt;br /&gt;
cine Kultur des Lesens zuhause&lt;br /&gt;
zu schaffen — und so den Teufelskreis des Analphabetentums&lt;br /&gt;
zwischen den Generationen zu&lt;br /&gt;
brechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Vielen der Roma Frauen&lt;br /&gt;
fehlen die grundlegenden Fzihigkeiten zum Lesen und auch&lt;br /&gt;
das Selbstvertrauenhlaut zu&lt;br /&gt;
lesen“, sagte Furugh Switzer,&lt;br /&gt;
die Direktorin des Projektes.&lt;br /&gt;
„Normalerweise werden sic&lt;br /&gt;
in jungen Jahren zu Miittem,&lt;br /&gt;
was die Bescheiftigung mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Büchern weiter verzégcrt. Sic&lt;br /&gt;
neigen zur Entwicklung von&lt;br /&gt;
Mind6rwertigkeitsgcfühlen,&lt;br /&gt;
die ihre Sicht dc‘s Lebens und&lt;br /&gt;
ihrer selbst beeinﬂussen. Sic&lt;br /&gt;
sind nicht in der Lage, ihren&lt;br /&gt;
KindCrn bei den Schulaufgabcn zu l1e]f%n,110ch kélmcn sic&lt;br /&gt;
Begeisterung und Akzeptanz&lt;br /&gt;
für Bücher und das Lerncn&lt;br /&gt;
aus B(ichern weckcn. Der&lt;br /&gt;
Teufclskrcis dcs Analphabetentums schließt sich“, so Furugh&lt;br /&gt;
Switzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hajnal Racz, eine Teilnehmerin des Projektes und&lt;br /&gt;
Mutter von drei Kindern,&lt;br /&gt;
beschrieb, wie anfdngliche Gefühle der Scham undVerlegenheir der Zuversicht wichen.&lt;br /&gt;
„Zu Beginn war es seltsam,&lt;br /&gt;
dass wir lesen mussten“, sagte&lt;br /&gt;
Hajnal Racz, die nicht mit Agi&lt;br /&gt;
Racz verwandt ist — Racz ist&lt;br /&gt;
ein h&#039;éuﬁger Name unter den&lt;br /&gt;
Roma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir versuchten, Fehler&lt;br /&gt;
zu vermeiden, aber aus dieser&lt;br /&gt;
Furchtsamkeit heraus machten&lt;br /&gt;
wir noch mehr Fehler. Nach&lt;br /&gt;
einiger Zeit wurde uns bewusst, dass wir uns nicht schimen müssen. Bis zur Halbzeit&lt;br /&gt;
des Projektes verbesserte sich&lt;br /&gt;
unser Lesen schon erheblich&lt;br /&gt;
und zum Ende des Projektes&lt;br /&gt;
könnten wir ziemlich gut&lt;br /&gt;
lesen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imjahre 2003 wurdc MESED als eines von ﬁjnf Projekten ausgcw&#039;ﬁhlt, die dem&lt;br /&gt;
Europiiischen Parlamcnt als&lt;br /&gt;
Unterstiitzungsprogramm dcs&lt;br /&gt;
UNESCO—Projektes Jahrzehnts der Friedenskultur und&lt;br /&gt;
der Gewaltlosigkeit gegenüber&lt;br /&gt;
den Kindern derWelt priisentiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt erhiclt auch&lt;br /&gt;
die Aufmerksamkeit drtlicher&lt;br /&gt;
Amtstréigen Leko Belane Malika ist der stellvertretcnde&lt;br /&gt;
Biirgermeister V011 jakohalma,&lt;br /&gt;
einem Dorfin der Regionjaszsag mit einer großen Romaßevölkerung, und einer der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=One_Country_2007_01.pdf|page=7}}sich vom Analphabetentum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brennpunkte der Arbeit von&lt;br /&gt;
MESED. Er beschrieb kﬁrzlich&lt;br /&gt;
die Projektbeteiligten als „hingebungsvolle Professionelle,&lt;br /&gt;
die aus ganzem Herzen den&lt;br /&gt;
Wunsch haben, Gleichheit&lt;br /&gt;
herbeizuführen, welche eine&lt;br /&gt;
der Kernfragen der heutigen&lt;br /&gt;
Welt ist. Ich denke, dies ist ein&lt;br /&gt;
Pioniervorhaben auf diesem&lt;br /&gt;
Gebiet, und ich möchte meine&lt;br /&gt;
Dankbarkeit für diese Arbeit&lt;br /&gt;
zum Ausdruck bringen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Roma, die etwa sechs&lt;br /&gt;
Prozent der Bevölkerung Ungarns ausmachen, werden als&lt;br /&gt;
die am meisten benachteiligte&lt;br /&gt;
und diskriminierte Gruppe im&lt;br /&gt;
Land angesehen. Dem UNEntwicklungsprogramm zufolge ist der Alphabetisierungsgrad der Roma deutlich niedriger als der des Durchschnitts&lt;br /&gt;
der ungarischen Bevölkerung.&lt;br /&gt;
Dies gilt besonders für Menschen über 45. Wihrend 97&lt;br /&gt;
Prozent dieser Altersgruppe in&lt;br /&gt;
Ungarn des Lesens und Schreibens machtig sind, sind es nut&lt;br /&gt;
77 Prozent der Roma—Mdnner&lt;br /&gt;
und —Frauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch wichtiger&lt;br /&gt;
sind die Statistiken über die&lt;br /&gt;
Ausbildung der Roma—Kinder. Balazs Wizner schrieb im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
letzten Jahr in der Zeitschrift&lt;br /&gt;
„Hungarian Quarterly“, dass&lt;br /&gt;
etwa 36 Prozent der RomaKinder beim Abschluss der&lt;br /&gt;
Grundschule im Jahre 2000&lt;br /&gt;
versagten — gegenüber 5 Prozent anderer ungarischcr Kinder. Und je höher die Ausbildung, desto schlechter ist&lt;br /&gt;
diesesVerhailtnis. Imjahre 2001&lt;br /&gt;
traten etwa 20 Prozent der&lt;br /&gt;
Roma in die höhere Schule&lt;br /&gt;
ein, während es im Durchschnitt 73 Prozent waren.&lt;br /&gt;
Durch die Betonung der&lt;br /&gt;
Alphabetisierung von Miittem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— und die Konzentration auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Lesen in jungen Jahren&lt;br /&gt;
— hofft MESED, diesen Teufelskreis mit dem Angebot&lt;br /&gt;
kostenloser, wöchentlicher&lt;br /&gt;
Kurse zu durchbrechen.&lt;br /&gt;
„Aufeiner grundlegenden&lt;br /&gt;
Ebene erhalten Frauen mehr&lt;br /&gt;
Fiihigkeiten“, sagte Furugh&lt;br /&gt;
Switzer. „Es vereindert die&lt;br /&gt;
Beziehung der Mutter zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Büchern und zum Lernen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
indem eine positive Assozia&lt;br /&gt;
tion geschaffen wird, die auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
natürliche Weise an die Kinder&lt;br /&gt;
weitergegeben Wird. Die Frauen beginnen, sich als aktive&lt;br /&gt;
Beteiligte anVereinderungsprozessen zu sehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Teilnehmerin Andrea Racz&lt;br /&gt;
sagt, dass der Kurs ihr geholfen&lt;br /&gt;
habe, die Bedeutung der Mutter zu sehen. „Die R0116 einer&lt;br /&gt;
Mutter ist sehr wichtig in der&lt;br /&gt;
Familie“, sagte sie. „Wenn sich&lt;br /&gt;
in einer Familie die Mutter&lt;br /&gt;
gut ﬁjhlt, ist die gauze Familie&lt;br /&gt;
ghjcklich, weil die Mutter&lt;br /&gt;
nicht nur von einem Tag zum&lt;br /&gt;
n&#039;échsten denkt, sondern die&lt;br /&gt;
Familie auf das Leben vorbereitet. Wir sind Mutter, aber&lt;br /&gt;
wir ziehen die zükunftigen&lt;br /&gt;
Miitter undViiter groß.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Hauptziele des&lt;br /&gt;
Projektes ist es, ein Forum zu&lt;br /&gt;
schaffen, in dem Roma—Mütter sich sicher und wohl ﬁjhlen&lt;br /&gt;
und ihre Gefühle, Sorgen und&lt;br /&gt;
Hoﬁnungen ausdrijcken können. „Das Wichtigste“, sagt&lt;br /&gt;
Andrea Racz, „war, dass wir&lt;br /&gt;
eine ,neue Familie gefunden&lt;br /&gt;
haben, denn die Atmosphzire&lt;br /&gt;
war sehr warmherzig.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Furugh Switzer bcschrieb&lt;br /&gt;
den Prozess der Verbindung&lt;br /&gt;
und des Austausches zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Miittern. „Sie begannen,&lt;br /&gt;
sich Erlebnisse aus ihrer Kindheit zu erziihlen, nachdem sic&lt;br /&gt;
cine Atmosphzire der Annahme,&lt;br /&gt;
Liebe und Sicherheit gefunden&lt;br /&gt;
hatten — eine Erfahrung, die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jade Wochc uhultcn&lt;br /&gt;
d1: Mime! cln neues&lt;br /&gt;
Klnderbuch uml ﬁbcn&lt;br /&gt;
damn. SI: nchmcn cs&lt;br /&gt;
mit nach Manse und&lt;br /&gt;
luau ihnn Kindern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an laden! Abcnd der&lt;br /&gt;
Wad:- danus var. Auf&lt;br /&gt;
dine Wain üben 311&lt;br /&gt;
line ncucn Fdhlgkeitcn&lt;br /&gt;
safari In dc: Praxis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe von Mattem&lt;br /&gt;
und ihre Kinderfeiem in&lt;br /&gt;
Jaszbereny den Abschluss&lt;br /&gt;
der ersten Phase des Projektes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ﬂ ‘ ONE COUNTRY&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE 7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=One_Country_2007_01.pdf|page=8}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Auf einer glundlegender! Eben: erhalten&lt;br /&gt;
Frauen mehr F&amp;amp;higkeiten. Es veré&#039;ndert die&lt;br /&gt;
Beziehung der Mütter&lt;br /&gt;
zu Blichern and rum&lt;br /&gt;
Lernen, indent eine&lt;br /&gt;
positive Assoziation&lt;br /&gt;
geschaﬁen wird, die&lt;br /&gt;
ihrerseits auf natürlithe Wain an die&lt;br /&gt;
Kinder wettergegeben&lt;br /&gt;
wird. Die Frauen beginnen, sich als aktive&lt;br /&gt;
Beteiligte an Veninderungsprozessen zu&lt;br /&gt;
sehen. “&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Furugh Switzer, Direktorin des MESE’D Alphabetisierungsprojektes&lt;br /&gt;
in Ungarn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K . 1“ ONE COUNTRY&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE 8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihnen bisher in ihrem Leben in&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft VOHerVOrurteile vorenthaltcn worden ist.&lt;br /&gt;
Sic schütteten ihre Herzen aus&lt;br /&gt;
und tauschtcn sich über lange&lt;br /&gt;
zurückliegende Erfahrungen&lt;br /&gt;
nus.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Phase des Projektes konzentriert sich aufdie&lt;br /&gt;
Entwicklung grundlegender&lt;br /&gt;
Lesef&#039;éhigkeitcn durch das Lesen V011 Kinderbiichern — und&lt;br /&gt;
den Unterricht der geistigen&lt;br /&gt;
Werte, die in ihnen geschildert&lt;br /&gt;
werden. jcde Woche erhalten&lt;br /&gt;
die Miitter ein neues Kinderbuch und üben damit. Dahn&lt;br /&gt;
nehmen sie es mit mach Hause&lt;br /&gt;
und lesen ihren Kindernjeden&lt;br /&gt;
Abend daraus vor. Ant. diese&lt;br /&gt;
Weiss werden neu erlernte&lt;br /&gt;
Fiihigkeiten sofort praktisch&lt;br /&gt;
eingciibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Unsere Aufgabe war,&lt;br /&gt;
wenn wir nach Hause gingen,&lt;br /&gt;
unseren Kindern die Geschichte vorzulesen“, sagte Andrea&lt;br /&gt;
Racz. „Sie warteten neugierig&lt;br /&gt;
aufjeden Abend um zu sehen,&lt;br /&gt;
wie die Geschichte weitergehen wijrde.“ Insgesamt lasen&lt;br /&gt;
die Mijtter 15 Bücher, die&lt;br /&gt;
ihnen geschenkt wurden. So&lt;br /&gt;
entsmnd eine kleine Bibliothek&lt;br /&gt;
ﬁjrjede Familie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Forschung zeigt, dass,&lt;br /&gt;
je mehr Kindem vorgelesen&lt;br /&gt;
wird, bevor sie in sie Schulc&lt;br /&gt;
kommen, desto größer ist&lt;br /&gt;
die Wahrscheinlichkeit, class&lt;br /&gt;
sie akademisch erfolgreich&lt;br /&gt;
sein warden. Auf diese Weise&lt;br /&gt;
proﬁtieren die Roma—Kinder&lt;br /&gt;
doppelt V011 diesem Projekt.&lt;br /&gt;
Sic werden geistig Für das geschriebene Wort besser ausgeriistet sein und sie bekommen&lt;br /&gt;
zu Büchern und zum Lescn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine positive Einstellung“, so&lt;br /&gt;
Furugh Switzer. „Es ist auch&lt;br /&gt;
wahrscheinlicher, Class 516 von&lt;br /&gt;
ihren Miittern zu Hause unterstiitzt werden, die schon&lt;br /&gt;
jetzt einen gewissen Stolz&lt;br /&gt;
auf ihre Fﬁhigkeit zu lesen&lt;br /&gt;
entwickelt haben und besser&lt;br /&gt;
beﬁihigt sind, den Fortschritt&lt;br /&gt;
ihrer Kinder in der Schule zu&lt;br /&gt;
vertblgen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
julia Kovacs, Mutter von&lt;br /&gt;
drei Kindern, beschreibt, wie&lt;br /&gt;
ihre Kinder mit Bcgeisterung&lt;br /&gt;
auf das Vorlesen reagierten.&lt;br /&gt;
„Sie wartetenjede Woche auf&lt;br /&gt;
mein Kommen und fragten,&lt;br /&gt;
welches neue Geschichtenbuch ich mitbringe. Sie lasen&lt;br /&gt;
immer, alle drei, und stritten&lt;br /&gt;
sich darum, als erster lesen zu&lt;br /&gt;
dürfen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betonung der Erziehung der Kinder zu geistigen Werten hiingt direkt mit&lt;br /&gt;
den Büchern zusalnmen. Die&lt;br /&gt;
Miitter werden gelehrt, die&lt;br /&gt;
Geschichten, die 516 165611,&lt;br /&gt;
in ihrem tﬁglichen Lebtn&lt;br /&gt;
zu nutzen, um den Kindern&lt;br /&gt;
geistige Werte nahezubringen,&lt;br /&gt;
wie AufrichtigkeitNertrauenswürdigkeit, Frcundlichkeit und&lt;br /&gt;
Großziigigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Als mein kleiner Sohn&lt;br /&gt;
Verhaltensprobleme hatte Oder&lt;br /&gt;
etwas nicht richtig verstand“,&lt;br /&gt;
50 Andrea Racz, „las ich ihm&lt;br /&gt;
die Geschichte vor und sprach&lt;br /&gt;
mit ihm über die Hauptﬁguren.Wir diskutierten, wic sic&lt;br /&gt;
sich bellahmen, und 0b ihr&lt;br /&gt;
Benehmen richtig war Oder&lt;br /&gt;
nicht. Es gab Situationen, wo&lt;br /&gt;
ich nur sagen musste, weißt du,&lt;br /&gt;
,Franklin hilft (der Name des&lt;br /&gt;
Buches), und er wusste, was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich meinte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Teilnehmcrin Marika&lt;br /&gt;
Farkas meinte, das Zusammenkommen zum Lescn hätte&lt;br /&gt;
einen positiven Ettbkt aufihre&lt;br /&gt;
gauze Familie. ,Jede Woche&lt;br /&gt;
licst die Familie gemeinsam.&lt;br /&gt;
Es bringt die gauze Familic&lt;br /&gt;
Zusammen. Mutter,Vater und&lt;br /&gt;
die Kinder sitzen zusammen&lt;br /&gt;
und lesen, und so wird unscr&lt;br /&gt;
Zuhause durch die Geschichtcn zu einem Ort 111it mehr&lt;br /&gt;
Wiirme.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisjetzt haben zehn Miittergruppen in ganz Ungarn die&lt;br /&gt;
erste Phase des Projektes abgeschlossen, die V011 der Bahá’iGemeinde Ungams ﬂnanziert&lt;br /&gt;
wurde. Das MESED—Projekt&lt;br /&gt;
plant eint Erweiterung: der&lt;br /&gt;
nichste Schritt besteht darin,&lt;br /&gt;
Kurse für die Organisatoren&lt;br /&gt;
anzubieten, die dann 2115 Rootdinatoren der MESED—Treffen&lt;br /&gt;
ﬁmgieren warden. Sobald eine&lt;br /&gt;
Kerngruppt von Frauen ausgebildet ist, wird das Irojekt&lt;br /&gt;
mit Phase zwei beginncn: der&lt;br /&gt;
Entwicklung von Schreibfähigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich kann den Kurs auf&lt;br /&gt;
jeden Fall empfehlen“, sagt&lt;br /&gt;
Andrea Racz. „Roma und&lt;br /&gt;
ungarische Mutter lernen sich&lt;br /&gt;
kennel) und Liben gemcinsam,&lt;br /&gt;
und sie werden sehcn, wie&lt;br /&gt;
schön das ist. Daraus werden&lt;br /&gt;
sie einschen, dass es nicht&lt;br /&gt;
nur möglich ist, zusammen&lt;br /&gt;
zu leben sondern dass wir&lt;br /&gt;
es mussel). Lass: uns alle stolz&lt;br /&gt;
Stil], dass wir Miittcr sind, und&lt;br /&gt;
dass wir jede Anstrengung&lt;br /&gt;
zum Nutzen unserer Kinder&lt;br /&gt;
auf uns nehmen. Für Kinder&lt;br /&gt;
sollte die Wichtigste Aufgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein: Lernen, lernen, lernen.“&lt;br /&gt;
I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine MESED Absch/usszeremonie in Torokszentmiklos im&lt;br /&gt;
Jahre 2003&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=One_Country_2007_01.pdf|page=9}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UN: Die Bahá’í leiten eine Podiumsdiskussion über Gewalt gegen Frauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EREINTE NATIONEN — Generalsekretzir Koﬁ Allan machte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
imVorjahr die Menschenrech&lt;br /&gt;
te Zu einer zentralen Komponente in seinem Vorschlag&lt;br /&gt;
ﬁir eine UN—Reform „Kein&lt;br /&gt;
Sicherheitsplan und keine Entwicklungsférderung werden&lt;br /&gt;
erfolgreich sein, wenn sie nicht&lt;br /&gt;
auf die solide Grundlage gestellt wird, die Menschenwﬁr&lt;br /&gt;
de zu respektieren“, erkliirte&lt;br /&gt;
Koﬁ Annan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die globale Flut der Gewalt gegen Frauen einzudiimmen erfordert Anderungen in&lt;br /&gt;
den tief verwurzelten Verhaltensweisen, die meist kulturelle und staatliche Grenzen&lt;br /&gt;
überschreiten. So a&#039;uBerten&lt;br /&gt;
sich Teilnehmer einer am 8.&lt;br /&gt;
September 2006 abgehaltenen&lt;br /&gt;
Podiumsdiskussion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diskussion zum Thema „Mehr alsVorbeugung von&lt;br /&gt;
Gewalt: Schaffen einer Kultur,&lt;br /&gt;
die Frauen Sicherheit und Entwicklung ermöglicht“ wurde&lt;br /&gt;
von der Bahá’í International&lt;br /&gt;
Community und der International Presentation Association&lt;br /&gt;
geleitet. Sie war Tei] der 59.&lt;br /&gt;
Jahreskonferenz der Hauptabteilung Presse und Information&lt;br /&gt;
ﬁir Nichtstaatliche Organisationen der Vereinten Nationen. Die Podiumsteilnehmer&lt;br /&gt;
waren sich einig, dass Gewalt&lt;br /&gt;
gegen Frauen nach wie vor&lt;br /&gt;
in fast jedem Land und jeder&lt;br /&gt;
Kultur ein schwerwiegendes&lt;br /&gt;
Problem ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir alle Wissen, dass&lt;br /&gt;
mindestens jede dritte Frau&lt;br /&gt;
auf der ganzen Welt schon&lt;br /&gt;
einmal geschlagen, zum Sex&lt;br /&gt;
gezwungen Oder auf andere&lt;br /&gt;
Art undWeise in ihrem Leben&lt;br /&gt;
missbraucht worden ist“, sagte&lt;br /&gt;
Letty Chiwara. Sie ist Pro&lt;br /&gt;
grammspezialistin der Sektion&lt;br /&gt;
Afrika des Entwicklungsfonds&lt;br /&gt;
der Vereinten Nationen für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Frau (UNIFEM). „An&lt;br /&gt;
einigen Orten, wie im 15ndlichen Athiopien, werden&lt;br /&gt;
etwa 71 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
missbraucht. Schadliche traditionelle Praktiken — weibliche&lt;br /&gt;
Genitalverstﬁmmelung, Mitgiftmord, sogenannte Ehrentétungen und frühe Ehcschließung — bringen Millionen&lt;br /&gt;
Frauen Tod, Behinderung und&lt;br /&gt;
psychische Stdrungen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charlotte Bunch, Leiterin&lt;br /&gt;
des Center fOI‘Women’s Global&lt;br /&gt;
Leadership an der RutgersUniversitﬁt in New Jersey,&lt;br /&gt;
machte darauf aufmerksam,&lt;br /&gt;
dass Gewalt gegen Frauen&lt;br /&gt;
nicht nur als rein kulturelles&lt;br /&gt;
Problem betrachtet werden&lt;br /&gt;
sollte. „Wir sprechen nicht&lt;br /&gt;
nur fiber die Überbleibsel&lt;br /&gt;
kultureller Praktiken in ein&lt;br /&gt;
paar siidlichen Léndern“, sagte&lt;br /&gt;
Frau Bunch. „Gewalt wird in&lt;br /&gt;
der ganzen westlichen Welt&lt;br /&gt;
wie iibemll in der der Welt&lt;br /&gt;
toleriert. “&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulya Vekiloglu, Vertreterin der Bahá’í International&lt;br /&gt;
Community bei denVereinten&lt;br /&gt;
Nationen, sagte, dass internationale Rahmenabkommen&lt;br /&gt;
zum Schutz und zur Férderung der Frauen durch ein&lt;br /&gt;
neues globales soziales Klima&lt;br /&gt;
unterstﬁtzt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es ist offensichtlich, dass es&lt;br /&gt;
immer noch eine große Kluft&lt;br /&gt;
zwischen rechtlichen und kulturellen Praktiken gibt“, sagte&lt;br /&gt;
Frau Vekiloglu bei ihrer M0deration der Diskussion. Die&lt;br /&gt;
Herausforderung, der sich die&lt;br /&gt;
internationals Gemeinschaft&lt;br /&gt;
gegenüber sieht, ist herauszufinden, Wie man die sozialen,&lt;br /&gt;
materiellén und strukturellen&lt;br /&gt;
Bedingungen schafft, welche&lt;br /&gt;
die geistige und physische&lt;br /&gt;
Entwicklung von Frauen ﬂirdern.“ Derartige Bemühungen werden nicht nur aus&lt;br /&gt;
wohlüberlegten Versuchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bestehen, die gesetzlichen, politischen und wirtschaftlichen&lt;br /&gt;
Strukturen der Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
éndern sondern, was ebenso&lt;br /&gt;
Wichtig ist, auch die Wandlung der Einzelnen innerhalb&lt;br /&gt;
der Gesellschaft“, sagte Frau&lt;br /&gt;
Vekiloglu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Joan Burke, eine katholische Nonne, die über ZOJahre&lt;br /&gt;
in verschiedenen Ländern Afrikas gelebt und gearbeitet hat,&lt;br /&gt;
gab ihrer Auffassung Ausdruck,&lt;br /&gt;
dass seit Langem bestehende&lt;br /&gt;
kulturelle Praktiken, welche&lt;br /&gt;
den Frauen schaden — so die&lt;br /&gt;
Genitalverstﬁmmelung — geiindert warden können, wenn&lt;br /&gt;
die ihnen zugrunde liegenden&lt;br /&gt;
Werte angesprochen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Layli MiHer—Muro, Rechtsanweiltin und Begriinderin des&lt;br /&gt;
Tahirih Justice Center, einer&lt;br /&gt;
Bahá’í—inspirierten Organisation in Virginia zur Verteidigung V011 Frauen, sagte, Class&lt;br /&gt;
Gesetze oft nicht ausreichten,&lt;br /&gt;
um gegen tiefverwurzelteVerhaltensweisen anzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie beschrieb den Fall eines&lt;br /&gt;
12—jﬁhrigen Mﬁdchens. Es war&lt;br /&gt;
V0111 Stiefvater vergewaltigt&lt;br /&gt;
worden 211$ Vergeltung daﬁjr,&lt;br /&gt;
class es ihn bei der Polizei&lt;br /&gt;
angezeigt hatte, weil er seine&lt;br /&gt;
Mutter brutal geschlagen hatte. Die vorhandenen Gesetze&lt;br /&gt;
könnten den Missbrauch dieses Kindes nicht&lt;br /&gt;
verhindern. Sie&lt;br /&gt;
machte deutlich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FRAUEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Hemusforderung,&lt;br /&gt;
der sich die internationale Gemeinsdmft&lt;br /&gt;
gegenüber sieht, ist&lt;br /&gt;
hemuszufinden, wie&lt;br /&gt;
man die sozialen,&lt;br /&gt;
materiellen und strukturellen Bedingungen&lt;br /&gt;
schaﬁt, welche die&lt;br /&gt;
geistige und physische&lt;br /&gt;
Entwicklung van Frauen fbrdern. “&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fuly Vekiloglu,&lt;br /&gt;
Bahá’í International&lt;br /&gt;
Community&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dass solche Ver&lt;br /&gt;
haltensweisen nur durch eine&lt;br /&gt;
geistigeWandlung angegangen&lt;br /&gt;
werden können. „Religion hat&lt;br /&gt;
die Fzihigkeit zum Guten, die&lt;br /&gt;
F&#039;éhigkeit menschliches Verhalten zu inspirieren, zu motivicren und zu ändern“, sagte&lt;br /&gt;
Frau Miller—Muro. „Menschen&lt;br /&gt;
sind bereit, ihr Verhalten für&lt;br /&gt;
eine höhere Macht zu ändern,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht ﬁjr ein Darlehen der&lt;br /&gt;
Weltbank.„ I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
,  ONE COUNTRY&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE 9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=One_Country_2007_01.pdf|page=10}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Teilnehmer der Konferenz&lt;br /&gt;
über&amp;quot; Wissenschaﬁ’, Glauben und Klimawandel„, die&lt;br /&gt;
vom 15. bis zum 17. September 2006 am Balliol College&lt;br /&gt;
in Oxford, Grossbritannien&lt;br /&gt;
stattfand. Bei einem Quiz&lt;br /&gt;
testeten sie ihr Wissen über&lt;br /&gt;
nachhaltige Entwicklung&lt;br /&gt;
und K/imawandel. (Foto:&lt;br /&gt;
Gemma Parsons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KLIMAWANDEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oxford: Konferenz über&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Notwendigkeit weltweiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XFORI), Groﬁ&lt;br /&gt;
britannicn v 1111&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gcgensatz zur gegcnwartigen [raxis erfordert&lt;br /&gt;
die Herausforderung durch&lt;br /&gt;
die globale Erxxlirmung einc&lt;br /&gt;
weit héhcrc Ebcnc des k01lcktiven Handclns und der&lt;br /&gt;
internationalcn Kooperation&lt;br /&gt;
— das war eine wesentlichc&lt;br /&gt;
Erkenntnis der Konferenz am&lt;br /&gt;
Balliol College in Oxford. Die&lt;br /&gt;
Veranstaltung {and vom 15.&lt;br /&gt;
bis 17.Septembcr&lt;br /&gt;
2006 statt. Es galt,&lt;br /&gt;
die Beziehung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bl..&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE1O&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen Wissenschaft, Religion und dem&lt;br /&gt;
Klinmwandcl zu erkundcn.&lt;br /&gt;
Der Klimnwande] stellt „dic&lt;br /&gt;
Fihigktit der Menschhcit auf&lt;br /&gt;
die Probe, mit einer kollektiven Hcmusfbrderung umzugchen“. sagte HalldorThorgcirsson. Er ist der stellvcrtrctendc&lt;br /&gt;
Sekretlir der Gcschziftsstellc des&lt;br /&gt;
Rabmcnabkonmlcns zum Klimawnndc‘l der Vereintcn Nationen (UNFCCC). „Die Lösung dieser Herausfbrderung&lt;br /&gt;
wird die Zusammcnarbeit der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Regicrungen grundlcgend ﬂindern.“ 1n seinem Beitrag .,Die&lt;br /&gt;
Antwort der Internationalen&lt;br /&gt;
Gcmcinschaft auf den Klimawaudel“, stellte Dr. Thorgeirsson fest, dass die R0116&lt;br /&gt;
von Treibhausgasen durch die&lt;br /&gt;
Wissenschaft allgcmcin amerkunnt sei. „Der Sachverhalt&lt;br /&gt;
begründet himcichend cincsofortige Reaktion der Nationcn. Die Iroblcnmtik kann&lt;br /&gt;
durch einen cinzclnen Stunt&lt;br /&gt;
ullein nicht geliist wcrden.“&lt;br /&gt;
Die K011Fcrenz wurde V0111&lt;br /&gt;
Bahá’í—Biiro für soziale und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wirtschaftlichc Entwicklung&lt;br /&gt;
(?rOBbritannicn (BASEDUK)&lt;br /&gt;
und dem Internationalcn&lt;br /&gt;
Umweltforum (IEF) organisiert, einer Bahá’í—inspirierten&lt;br /&gt;
Organisation. Über sechzig&lt;br /&gt;
Teilnehmcrlnnen kamen nus&lt;br /&gt;
sieben Ländern zur Konferenz.&lt;br /&gt;
Über einhundert Interessicrte nahmen online über das&lt;br /&gt;
Internet tail. Spezialisten nus&lt;br /&gt;
verschicdtnen Bereichen der&lt;br /&gt;
Naturwisscnschaﬁen, Wirtschaftswisscnschaften, Iolitik&lt;br /&gt;
und Psychologie erbrterten die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhiingc dc‘s Klimawandels aus interdisziplinﬁrer&lt;br /&gt;
Sicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IEF Vorsitzender Arthur&lt;br /&gt;
Dahl sagtc, duss es ein Ziel der&lt;br /&gt;
Konferenz war, die „Sichtweisen zu vcreinen und sit in&lt;br /&gt;
eine Bezichung zutinander&lt;br /&gt;
zu bringen“. Ein andercs Zic‘l&lt;br /&gt;
war, die Bahá’í—Gemcinde in&lt;br /&gt;
den Prozess einzubringen, in&lt;br /&gt;
dem es durum geht, geistig6 Prinzipicn auf praktischc&lt;br /&gt;
Probleme der Welt anzuwcnden. Dr. Dahl, der ehcmalig6 stellvcrtrctcnde Dircktor&lt;br /&gt;
des Umweltprogramms der&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen, hiclt&lt;br /&gt;
den Hauptvortrag über ,.wissenschattlichc und religiéise&lt;br /&gt;
Blickwinkel“ zum Klimuwandel. Er stellte fest, dass die&lt;br /&gt;
meistcn Wissenschaftlcr sich&lt;br /&gt;
dariibcr einig sind, dnss in den&lt;br /&gt;
niichstenjahren einc dcutliche&lt;br /&gt;
Erwiirmung der Erde bcvorstcht. „Der Klimawandcl wird&lt;br /&gt;
die Mcnschheit zwingen, zu&lt;br /&gt;
erkenncn, dass sie eine Einheit&lt;br /&gt;
bildct“, so Dr. Duh]. „Ganze&lt;br /&gt;
Okosystcnw warden sich über&lt;br /&gt;
Ringers Zeitriiumc verändern,&lt;br /&gt;
wenn sie sich schncll gcnug&lt;br /&gt;
anpusscn kémlcn.“ Er ﬁigte&lt;br /&gt;
hinzu: „Wir schauen auf eine&lt;br /&gt;
lnngc Liste V011Vcriinderungen,&lt;br /&gt;
wie sie die Welt noch nie gesehen hat. Die Meeresspiegel&lt;br /&gt;
sind gestiegen und die verschitdenen Szenarien zeigen,&lt;br /&gt;
dass sich dieserTrend fortsetzt.&lt;br /&gt;
Das wird anderc Herausfmderungen zur Folge haben.&lt;br /&gt;
2.13. Unsicherhciten in der&lt;br /&gt;
Nahrungs— und Wnsserversorgung ‘ .. SolchcVcriinderungcn&lt;br /&gt;
brauchen mehr als technische&lt;br /&gt;
Lösungc IL“ Duh] vertrat die&lt;br /&gt;
Auffassung, dass insbcsonderc&lt;br /&gt;
cthischc und geistigc Prinzipien benötigt werdexL um „wertorienticrtc, wirtschaftlichc&lt;br /&gt;
Modelle“ zu schatfenjn denen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=One_Country_2007_01.pdf|page=11}}die Menschen bemüht sind&lt;br /&gt;
„cine dynamische, gerechte&lt;br /&gt;
und blühende Sozialordnung&lt;br /&gt;
aufzubauen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Beitrag&lt;br /&gt;
der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Religion“, sagte Dahl,&lt;br /&gt;
„kann Cine Schlijsselrolle dabei&lt;br /&gt;
spielen, den ethischen Rahmen&lt;br /&gt;
zu stérken, der erforderlich ist,&lt;br /&gt;
um den Klimawandel durch&lt;br /&gt;
Erziehung der Menschen zu&lt;br /&gt;
bewéltigen.“ Hierbei handelt&lt;br /&gt;
65 um Erziehung zu Werten,&lt;br /&gt;
zu globalerVerantwortung und&lt;br /&gt;
der Motivation zum Wandel.&lt;br /&gt;
Zugleich sollten die Menschen&lt;br /&gt;
ermutigt werden, Opfer zu&lt;br /&gt;
bringen, um eine nachhaltige&lt;br /&gt;
Entwicklung zu ermöglichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Konferenzbeitrége&lt;br /&gt;
befassmn sich mit besonderen&lt;br /&gt;
Aspekten des Klimawandels.&lt;br /&gt;
Lars Friberg, Wissenschaftler&lt;br /&gt;
der Universitzit Potsdam, beschäftigte sich mit dem Einﬂuss des Klimawandels auf die&lt;br /&gt;
Entwicklungslénder. „Afrika&lt;br /&gt;
wird vom Klimawandel am&lt;br /&gt;
hörtesten getroffen werden.&lt;br /&gt;
Eine Modellrechnung geht&lt;br /&gt;
von einer Erwiirmung von&lt;br /&gt;
1,8 bis 2,8 °C aus. Das wird&lt;br /&gt;
die Niederschlagsmenge in&lt;br /&gt;
diesem Land um weitere 40%&lt;br /&gt;
verringern.“ Minu Hemmati,&lt;br /&gt;
Psychologin, zeigte auf, wie&lt;br /&gt;
sich der Klimawandel auf die&lt;br /&gt;
Frauen weltweit auswirkt. Sie&lt;br /&gt;
berichtete, class 60% bis 75%&lt;br /&gt;
der eirmsten Menschen Frauen sind. „Arme Menschen&lt;br /&gt;
werden durch die Klimaveranderungen stirker betroffen“,&lt;br /&gt;
sagte Dr. Hemmati. „Daher&lt;br /&gt;
Wird es die Frauen am stiirksten&lt;br /&gt;
treffen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sic merkte an, dass Frauen&lt;br /&gt;
„eine höhere Empﬁndsamkeit&lt;br /&gt;
gegenüber Risiken besitzen,&lt;br /&gt;
was ihnen auch in der Wahr&lt;br /&gt;
nehmung der Klimaéinderungen hilft. Sie werden Cher&lt;br /&gt;
bereit sein, den Lebensstil zu&lt;br /&gt;
éndern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Luff arbeitet bei&lt;br /&gt;
„Handeln für eine weltweite&lt;br /&gt;
Khmagemeinde“. Er befasste&lt;br /&gt;
sich mit der Notwendigkeit&lt;br /&gt;
einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Nord und Siid.&lt;br /&gt;
„Europa versteht sich schon&lt;br /&gt;
auf die Zusammenarbeit“,&lt;br /&gt;
bestätigt Luff. „Die Frage ist:&lt;br /&gt;
Kann Europa mit den Lindern&lt;br /&gt;
des Sijdens eine tragfähige,&lt;br /&gt;
unterstützende Verbindung&lt;br /&gt;
aufbauen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augusto Lopez—Claros, leitender Okonom und Direktor&lt;br /&gt;
des GlobalenWettbewerbsprogramms am Welt—OkonomieForum (WEF),bearbeitete die&lt;br /&gt;
Frage „Welche 6konomischen&lt;br /&gt;
und politischen Systems sind&lt;br /&gt;
mit dem Schutz der Umwelt&lt;br /&gt;
vereinbar?“ Seine Ausführungen stützte er auf Studien,&lt;br /&gt;
die er am WEF erstellte. Dr.&lt;br /&gt;
Lopez—Claros berichtete, dass&lt;br /&gt;
jene 20 Leinder, die ihre Politik am umweltvertrﬁglichsten gestalten, auch zu den&lt;br /&gt;
ékonomisch erfolgreichsten&lt;br /&gt;
Leindern gehören. „Es gibt eine&lt;br /&gt;
positive Korrelation zwischen&lt;br /&gt;
Umwelt—, Sozialverantwortlichkeit und Wirtschaftlicher&lt;br /&gt;
Wettbewerbsfeihigkeit“, so Dr.&lt;br /&gt;
Lopez—Claros.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trainingsleiterin für&lt;br /&gt;
(Skologische und soziale Entwicklung an der Universitét&lt;br /&gt;
Brighton, Poppy Villiers—Stuart, sagte in ihrem Vortrag:&lt;br /&gt;
„Es ist notwendig, dass die&lt;br /&gt;
Basis der Bahá’í—Gemeinde den Dialog zum Thema&lt;br /&gt;
Klimawandel aufgreift.“ Sie&lt;br /&gt;
ﬁihrte dazu aus: „Alle Teile des&lt;br /&gt;
Universums sind systemisch&lt;br /&gt;
miteinander in einer Einheit&lt;br /&gt;
verbunden. Auch das Hauptaugenmerk der weltweiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klimawandel betont die&lt;br /&gt;
gemeinsamen Handelns&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bahá’í—Gemeinde ist auf die&lt;br /&gt;
Einheit ausgerichtet. Würden&lt;br /&gt;
wir die Lehren des Glaubens&lt;br /&gt;
dahingehend erforschen, welche Bedeutung die Erde für&lt;br /&gt;
unsere geistige Entwicklung&lt;br /&gt;
hat, dann Würden Wir Cine Liebe für sie entwickeln und mit&lt;br /&gt;
ihr verbunden sein wollen, was&lt;br /&gt;
die nachhaltige Entwicklung&lt;br /&gt;
deutlich fdrdern würde.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein möglicher Weg, bei&lt;br /&gt;
jungen Menschen eine solche&lt;br /&gt;
Art von Verbundenheit herzustellen, ist für Villiers—Stuart ein Programm für junge&lt;br /&gt;
Jugendliche. Es besteht aus&lt;br /&gt;
Kursen zur geistigen Entwicklung Jugendlicher zwischen 10 und 15Jahren.]unge&lt;br /&gt;
Menschen sind nach ihrer&lt;br /&gt;
Erfahrung sehr idealistisch.&lt;br /&gt;
„Sie haben die Energie,V€rﬁnderungen vorzunehmen. Es&lt;br /&gt;
sind diejungen Menschen, die&lt;br /&gt;
in der Lage sind, diesen Idealen&lt;br /&gt;
auch Ausdruck zu verleihen.“&lt;br /&gt;
Bericht uonjody Koomen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel stellt&lt;br /&gt;
„die F&amp;amp;higkeit der&lt;br /&gt;
Menschheit auf die&lt;br /&gt;
Probe, mit einer kolIektlven Herausforderung umzugehen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halldor Thorgeirsson,&lt;br /&gt;
stellvertretender Sekretcir der GeschclftssteI/e&lt;br /&gt;
des Rahmenabkommens zum Klimawandel der Vereinten Nationen (UNFCCC)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augusto Lopez—Claros,&lt;br /&gt;
Ieitender Okonom und&lt;br /&gt;
Direktor des Globa/en&lt;br /&gt;
Wettbewerbsprogramms&lt;br /&gt;
am Welt-Okonomie-Forum&lt;br /&gt;
(WEF), bearbeitete die Frage&lt;br /&gt;
„ Welche 6konomischen und&lt;br /&gt;
politischen Systeme sind&lt;br /&gt;
mit dem Schutz der Umwelt&lt;br /&gt;
vereinbar?„ (Foto: Gemma&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parsons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=One_Country_2007_01.pdf|page=12}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Agypten diskriminiert Biirger&lt;br /&gt;
durch Personalausweise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den kommenden&lt;br /&gt;
lahren wlrd Kgypten&lt;br /&gt;
waitere Konflikte In reIigiiisen Beziehungen&lt;br /&gt;
erleben, neuele Religionen warden nach&lt;br /&gt;
Anerkennung streben&lt;br /&gt;
sobald sie auﬁreten,&lt;br /&gt;
und deshalb sollten&lt;br /&gt;
wlr entweder alle Religionen anerkennen&lt;br /&gt;
oder die religié‘sen&lt;br /&gt;
Klassiﬁzierungen nus&lt;br /&gt;
den Personalauswelsen&lt;br /&gt;
entfemen. “&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boutros Boutros-Chali,&lt;br /&gt;
Prcisident des nationalen dgyptischen Rates&lt;br /&gt;
fUrMenschenrechte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AGYPTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K..&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE 12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichbereclztzgt szrzd nur&lt;br /&gt;
jene in der uemetzten&lt;br /&gt;
Welt, die einen computerlesbaren Personalausweis besitzcn. O/me den&lt;br /&gt;
leann man in Agypten&lt;br /&gt;
auch niclzt an der Deutschen Universitdt studieren. Den computerlesbaren Personalausweis&lt;br /&gt;
erhczlt in Agypten aber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur, wer sich im Antrag&lt;br /&gt;
als Muslim, Christ Oder&lt;br /&gt;
jade ausgibt — was fur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die czgyptischen Bahdz&lt;br /&gt;
mit ihrem Glauben mclzt&lt;br /&gt;
vereinbar ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AIRO — Den Frei&lt;br /&gt;
raum, um sich im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antragsformular FLir&lt;br /&gt;
die neuen Iersonalauswcise 31$&lt;br /&gt;
etwns „anderes“ zu bezeichnen&lt;br /&gt;
als Muslim, Christ Oder jude,&lt;br /&gt;
bictet das Antragsﬁnmular&lt;br /&gt;
absichtlich nicht. Und in jedem F2111 ist mit Strafe bedroht,&lt;br /&gt;
wer falsche Angaben macht.&lt;br /&gt;
Das steht gleich mit auf dem&lt;br /&gt;
Formular. Einzelne bttl OffCIle&lt;br /&gt;
Agypter, die Bahá’í sind und&lt;br /&gt;
damit einer seit 1960 in Agyptcn verbotenen&lt;br /&gt;
Gemeinde angehören, hatten&lt;br /&gt;
diese diskriminierende Praxis&lt;br /&gt;
auf dem Rechtsweg beenden&lt;br /&gt;
wollen. Mit Viel Larm und&lt;br /&gt;
letztinstanzlich beim Oberverwaltungsgericht in Kairo&lt;br /&gt;
wurde am 16. Dezember 2007&lt;br /&gt;
die Diskriminicrung allerdings&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weitcrhin als rechtens zu zementiercn versucht. Gerecht&lt;br /&gt;
ist sie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gauze ist nicht etwa&lt;br /&gt;
nur biirokratischer Kleinkrieg.&lt;br /&gt;
Die vor Gericht vorlsiuﬁg unterlcgenen agyptischen B&#039;LirgerInnen haben mit dem Urteil&lt;br /&gt;
geﬂihrliche Einschrzinkungen&lt;br /&gt;
ihrer Biirgerrechte erlittcn,&lt;br /&gt;
die von fundamentalistischen&lt;br /&gt;
Kreisen gewollt sind. Deren&lt;br /&gt;
beschwerliche Konsequenzen:&lt;br /&gt;
Schul— und Universitlitsanmcldung sind unmöglich, der&lt;br /&gt;
Zugang Zum Gesundheitsund Finanzsystem sowic Bewerbungen werden erheblich&lt;br /&gt;
erschwert, manchmul ganz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
undenkbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oberverwaltungsgericht in Kgypten&lt;br /&gt;
urteilt gegen&lt;br /&gt;
Rechtsgleichheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Urtei] des Oberverwaltungsgerichts llétigt die&lt;br /&gt;
ausführenden Behérden, diskriminiercndc Richtlinien bei&lt;br /&gt;
der Vergabe VOI] Personalausweisen gegenüber den Bahá’í&lt;br /&gt;
aufrecht zu erhalten. Diese&lt;br /&gt;
Richtlinicn der Behérden&lt;br /&gt;
versetzcn z.Bahá’í und 3116&lt;br /&gt;
nicht in derVerfassung und den&lt;br /&gt;
Fragebégen Genannten in das&lt;br /&gt;
Dilemma, beim Beantragcn&lt;br /&gt;
neuer Ausweise entweder falsche Angaben zu ihrer Religionszugehbrigkeit zu machen&lt;br /&gt;
Oder ihre Personalausweise&lt;br /&gt;
abzugcben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das iigyptische Obervcrwaltungsgericht hat den Bahá’í&lt;br /&gt;
damit cin Recht genommcn,&lt;br /&gt;
das ein unteres Gericht ihnen nusdrücklich zugestanden&lt;br /&gt;
hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Ehepaar Husam Izzat&lt;br /&gt;
Musa und Ranya Enayat Rushdy waren anfangs Ausweise&lt;br /&gt;
und Passe konﬁsziert worden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nachdem sie einen Antrag auf&lt;br /&gt;
Eintragung ihrer Töchter in&lt;br /&gt;
die Pzisse gestellt und 315 Religionszugehérigkeit ,Bahá’í’&lt;br /&gt;
angegeben hatten. Immerhin droht das Dokument bei&lt;br /&gt;
Falschaussagen Sanktionen&lt;br /&gt;
an: „ICh übernehme die V0116&lt;br /&gt;
Verantwortung für alle Konsequenzen und bin mir bewusst,&lt;br /&gt;
dass jegliche falsche Angabe&lt;br /&gt;
als Fiilschung amtlicher D0kumente gilt und mit Straten&lt;br /&gt;
entsprechend dem Strafgesetzbuch geahndet wird.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ehepaar klagte mit der&lt;br /&gt;
Begriindung, dass die KonﬁsZierung gemﬁB ﬁgyptischem&lt;br /&gt;
und internationalem Recht&lt;br /&gt;
unrechtmiiBig sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[In April urteilte das Gcricht im Sinne des Ehepaars&lt;br /&gt;
und ordnete an, dass neue Dokumente auszustellen seien, in&lt;br /&gt;
dencn das Ehepaar richtig als&lt;br /&gt;
Bahá’í ausgewiesen werde. Das&lt;br /&gt;
Gericht zitierte Priizcdenzﬁille und aus der islamischen&lt;br /&gt;
Rechtssprechung, dementsprechend Nicht—Moslems in&lt;br /&gt;
islamischen Linden) lcben&lt;br /&gt;
dürfen „0hne dass einer V011&lt;br /&gt;
ihncn dazu gezwungcn wird,&lt;br /&gt;
semen Clauben zu iindern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es widerspricht islamischer Rechtssprechung nicht,&lt;br /&gt;
Cine Religion im Ausweis&lt;br /&gt;
anzugeben, auch wenn die&lt;br /&gt;
Riten dieser Religion nicht&lt;br /&gt;
6ffenthch ausgeiibt werden&lt;br /&gt;
dijrfen, wie im Fall der Bahá’í&lt;br /&gt;
Oder anderer,“ schrieb das&lt;br /&gt;
Gericht. „Im Gegenteil, diese&lt;br /&gt;
Religionen müssen angegeben&lt;br /&gt;
werden, damit die Religionszugehbrigkeit dc‘s Ausweisinhabers bekamlt ist und damit&lt;br /&gt;
er aufgrund scines Glaubens&lt;br /&gt;
nicht den rechtlichen Status&lt;br /&gt;
genieBt, dcn er allsonsten in&lt;br /&gt;
einer muslimischen Gesellschaft hiittc“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Urteil cntfachte einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=One_Country_2007_01.pdf|page=13}}Sturm der Empérung unter extremistischen Gruppcn&lt;br /&gt;
Agyptens — darunter Gelehrte&lt;br /&gt;
der Al Azhar Universitit und&lt;br /&gt;
Reprisentantcn der Muslimbruderschaﬂ (eint-r auch im&lt;br /&gt;
nationalen larlament vertretellen Iartci). Sic verwahren&lt;br /&gt;
sich dagegen, Class andere 315&lt;br /&gt;
die drei im Koran erwdhnten&lt;br /&gt;
Religionen in ofﬁziellen D0kumenten erwiihnt werden&lt;br /&gt;
dürfen. Die harmloseren Bezeichnungen gegen die Bahá’í&lt;br /&gt;
kategorisierten sie als ,falsche&lt;br /&gt;
Religion. Die unbedacht Oder&lt;br /&gt;
absichtlich vorgetragenen Stigmatisierungen lauteten hingegen „Agenten des Zionismus&lt;br /&gt;
und Kolonialismus und Feinde&lt;br /&gt;
des Landes“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Agyptische Menschenrechtsgruppen hingegen begrößten die Entscheidung&lt;br /&gt;
sofort. Es entwickelte sich eine&lt;br /&gt;
breite Debatte über religiöse&lt;br /&gt;
Freiheit undToleranz. Mehrere&lt;br /&gt;
hundert Artikel, Reportagen,&lt;br /&gt;
Kommentare und Programme&lt;br /&gt;
wurden in agyptischen und&lt;br /&gt;
auch anderen Medien im arabischen Raum publiziert. Die&lt;br /&gt;
Mehrheit der Artikel nahm&lt;br /&gt;
gegen die Bahá’í Stellung.&lt;br /&gt;
Islamische Vertreter drzingten&lt;br /&gt;
schließlich die Regierung&lt;br /&gt;
auch im Parlament dazu, Berufung einzulegen, was sie am&lt;br /&gt;
7. Mai 2006 tat. Der Fall kam&lt;br /&gt;
deshalb vor das Obervewvaltungsgericht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kgyptischer Menschenrechtsrat macht Konflikt transparenter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í stellten sich&lt;br /&gt;
untcr anderem aufden Standpunkt, wer Fairness für sich&lt;br /&gt;
fordere müsse auch Fairness&lt;br /&gt;
anbieten. Muslims erwarten&lt;br /&gt;
in Landern in denen sie selbst&lt;br /&gt;
in der Minderheit sind zu&lt;br /&gt;
Recht, fair behandelt zu werden. Also miissten sie disses&lt;br /&gt;
auch in Agypten praktizicren. Unterstiitzt wurden sie&lt;br /&gt;
dabei auch vom Prﬁsidenten&lt;br /&gt;
des nationalen iigyptischen&lt;br /&gt;
Menschenrechtsrates, dem&lt;br /&gt;
frijheren UN—Generalsekretﬁr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Bundestagsab eordnete fordert&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin auf, sie Für die Rechte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Bahá i in Kgypten einzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BERLIN — In einer Pressemitteilung teilte die Kélner Bundestagsabgeordnete und Islambeauftragte der Sl D—Bundestagsfraktion, Dr. Lale Akgiin,&lt;br /&gt;
mit, dass sie Bundeskanzlerin&lt;br /&gt;
Merkcl in einem Brief dazu&lt;br /&gt;
aufgefordert habe, sich für eine&lt;br /&gt;
Verbesserung der Situation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Bahá’í in Agypten ein&lt;br /&gt;
zusetzen. Als Beispicl nannte&lt;br /&gt;
Akgiin den Fall eines jungen&lt;br /&gt;
Bahá’í—Wisscnschaftlers, dem&lt;br /&gt;
seine Stelle an der Deutschen&lt;br /&gt;
Universitiit in Kairo (German&lt;br /&gt;
University Cairo) gekiindigt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boutros Boutros—Ghali. Dieser&lt;br /&gt;
ermöglichte anldsslich eines&lt;br /&gt;
nationalen Hearings im August&lt;br /&gt;
2006 allen Betroffenen und&lt;br /&gt;
Interessierten sowie Beamten&lt;br /&gt;
einen angemessenen Austausch&lt;br /&gt;
derArgumente. Immerhin sind&lt;br /&gt;
die Bahá’í im Land seit 1960&lt;br /&gt;
staatlicherseits verboten und&lt;br /&gt;
könnten die Debatte nur als&lt;br /&gt;
Individuen,11ichtaber als eigene Organisation beeinﬂussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fundamentalistische islamische Gruppen argumentierten dabei mit Sorge um die&lt;br /&gt;
tiffentliche Ordnung, sollten&lt;br /&gt;
alldere Religionen registriert&lt;br /&gt;
werden. Unter andercm wurde&lt;br /&gt;
abcr auch die Beﬁirchcuug geäußert, dass vonVeriinderungen&lt;br /&gt;
in diesem Bereich Llllübersellbar viclc Fragen betrofﬂ‘n scicn&lt;br /&gt;
in Bezichung auf. Ehcschließung, Scheidung, Erbschaft,&lt;br /&gt;
die in Agypten traditionell&lt;br /&gt;
von den zugelassenen Religionsgemeinschaften selbstiindig&lt;br /&gt;
verwaltet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Bericht fundamentalistischer Kreise für das Oberverwaltungsgericht bezeichnet&lt;br /&gt;
denn auch den Bahá’í—Glauben&lt;br /&gt;
als Bedrohung für die nationals&lt;br /&gt;
Einheit Agyptens. Er mahnt&lt;br /&gt;
die Regierung, standhaft zu&lt;br /&gt;
bleiben und die Bahá’í—Religi&lt;br /&gt;
wurdc, wcil er die eﬂbrderlicher]&lt;br /&gt;
Auswcispapiere. die den Bahá’í in&lt;br /&gt;
Agyptcn nicht ausgestellt wcrdcn,&lt;br /&gt;
nicht vorwciscn konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es ist wichtig. dass auch in&lt;br /&gt;
Agypten die Angehörigen aller&lt;br /&gt;
Religionen eine gleichberechtigte&lt;br /&gt;
Bchandlung durch den dortigen&lt;br /&gt;
Staat und die Justiz erfahren.&lt;br /&gt;
Ein ernsthafter Friedensprozcss&lt;br /&gt;
im Nahen Osten bedingt die&lt;br /&gt;
gegenseitige Akzeptanz und den&lt;br /&gt;
gegenseitigen Respekt vor den&lt;br /&gt;
jeweiligen Nationalitéten und&lt;br /&gt;
Religionen in allen beteiligten&lt;br /&gt;
Lindern“, betonte Akgiin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
on nicht 2115 Religion ofﬁziell&lt;br /&gt;
anzuerkennen. Ferner heißt es&lt;br /&gt;
darin sogar, dass etwas getan&lt;br /&gt;
werden müsse um die Bahá’í&lt;br /&gt;
zu „identiﬁzier€n“, damit die&lt;br /&gt;
Gesellschaft vor diesem Glauben geschätzt werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entschcidung des&lt;br /&gt;
Obervsrwaltungsgerichts bestzitigt zwar die Regierungspolitik erst einmal. Aber „wir&lt;br /&gt;
missbilligen scharf das Gerichtsurteil, welches großeTei16 der internatiomlcn Gcsetzgebung über Menschenrechte&lt;br /&gt;
und Rehgionsfreiheit verletzt,&lt;br /&gt;
die in Agypten seit langem&lt;br /&gt;
gelten“, kommentiertc Bani&lt;br /&gt;
Dugal, Sprechcrin der Internationalen Bahá’í Cemeinde bei&lt;br /&gt;
den Vereinten Nationcn. „D;1&lt;br /&gt;
dies die letzte Instanz war, an&lt;br /&gt;
die appelliert werden konntt,&lt;br /&gt;
droht das Gerichtsurteil eine&lt;br /&gt;
gauze Religionsgemeinschaft&lt;br /&gt;
zu Nicht—Bürgern zu machen, und zwar ausschießlich&lt;br /&gt;
aufgrund ihrer Religion„.&lt;br /&gt;
„Unsere Hoffnung ist, daß&lt;br /&gt;
die 6ffentliche Debatte die&lt;br /&gt;
iigyptische Regierung dazu&lt;br /&gt;
veranlassen wird, ihre diskriminierende Politik zu beenden,“&lt;br /&gt;
so Frau Dugal weiter. „Dies&lt;br /&gt;
könnte entweder erreicht&lt;br /&gt;
warden, indem den Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Lale Akgun ist Bundestagsabgeordnete und&lt;br /&gt;
Islambeauftragte der SPDBundestagsfraktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.laleakguende&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In anderen Staaten&lt;br /&gt;
ohne islamische Mehtheit, „erwurten die&lt;br /&gt;
Muslime zurecht, dass&lt;br /&gt;
ihre Rethte ohne Einsdminkung gewﬁhrt&lt;br /&gt;
warden. Um dies, and&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um Nichts mehr, enuchen die Bahá’í.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bagma Moussa, Bahá’í&lt;br /&gt;
in Agypten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|14|file=One_Country_2007_01.pdf|page=14}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Basma Moussa wdhrend eines Fernseh-lnter&lt;br /&gt;
viewst I&#039;r Dream-z TV am&lt;br /&gt;
13. August 2006. Sie vertrat&lt;br /&gt;
den Bahá’í -Standpunkt&lt;br /&gt;
woihrend eines nationa/en&lt;br /&gt;
Hearings zum Thema Menschenrechte im gleichen&lt;br /&gt;
Monat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ﬂ 1 ONE COUNTRY&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlaubt wird, ihre Religion&lt;br /&gt;
in den ofﬁziellen Formularen&lt;br /&gt;
anzugeben, Oder indem der&lt;br /&gt;
Punkt Religionszugehbrigkeit&lt;br /&gt;
ganz weggelassen wird Oder&lt;br /&gt;
indem man auch „andere“ in&lt;br /&gt;
der Zeile angeben darf.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kontroverse ist also&lt;br /&gt;
keinesfalls beendet. Schon&lt;br /&gt;
wurden in den vergangenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monaten neue Gerichtsfélle&lt;br /&gt;
zum Thema des Bahá’í—Glaubens und religiöser Identitéit&lt;br /&gt;
verhandelt. Zu diesen Filler)&lt;br /&gt;
gchören:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fall eines Zwilhngspaares, denen die Geburtsurkunden verweigert wurden,&lt;br /&gt;
weil ihre Eltern sich weigerten&lt;br /&gt;
sie félschlich als Moslems aus&lt;br /&gt;
zugeben. Der Fall dines Universitétsstudenten, der von seinem Studium im Abschlussjahr&lt;br /&gt;
ausgeschlossen wurde, weil&lt;br /&gt;
ihm nicht erlaubt wurde seine&lt;br /&gt;
Freistellung vom Militérdienst&lt;br /&gt;
zu erneuern. Dies wurde ihm&lt;br /&gt;
verweigert, weil er keinen&lt;br /&gt;
neuen computerlesbaren Personalausweis besaß. I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Chronologie der Diskriminierung in Kgypten 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. April 2006 — Ein dreiképﬁges Richterteam des&lt;br /&gt;
Agyptischen Verwaltungsgerichts bestätigt das Recht&lt;br /&gt;
eines Bahá’í—Ehepaares, ihre&lt;br /&gt;
Religion rechtmsiBig aufihren&lt;br /&gt;
Personalausweisen anzugeben.&lt;br /&gt;
Ihre Ausweise waren zuvor&lt;br /&gt;
von der Regierung konﬁsziert worden, weil sie in ihren&lt;br /&gt;
Pissen auch den Namen ihrer&lt;br /&gt;
Tochter angeben wollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang April bis Mai 2006&lt;br /&gt;
— Verschiedene Nachrichtensender in Agypten und der&lt;br /&gt;
arabischeanlt berichten über&lt;br /&gt;
das Gerichtsurtcil, was einen&lt;br /&gt;
Sturm der Entriistung entfacht.&lt;br /&gt;
Agyptische Menschenrechtsgruppen sprcchen sich ﬂir&lt;br /&gt;
das Urteil und die Bahá’í aus;&lt;br /&gt;
während sich Reprisentanten&lt;br /&gt;
der Al Azhar Universitit wie&lt;br /&gt;
auch die Regierung negativ&lt;br /&gt;
duBern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28.A})ril 2006-Aufgrund&lt;br /&gt;
der zahlreichen Fchlinformationen, die über den Bahá&#039;iGlauben in den iigyptischen&lt;br /&gt;
Medien veréﬁentlicht wurden&lt;br /&gt;
und die zum Teil auf A1 Azhar&lt;br /&gt;
zurückzuführen sind, schreibt&lt;br /&gt;
das Biiro der Internationalcn&lt;br /&gt;
Bahá’í-Gemeinde derVercinten Nationen einen Brief an&lt;br /&gt;
die Führer des islamischen&lt;br /&gt;
Forschungsrats der Al Alzhar,&lt;br /&gt;
um die grundlegenden Prinzipien des Bahá’í—Glaubens&lt;br /&gt;
zu erkliiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Mai 2006— Die Regierung erhebt formell Einspruch&lt;br /&gt;
gegcn das Urteil des Vcrwaltungsgerichts. Der Einspruch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erfolgt, nachdem Vertreter der Al&lt;br /&gt;
Azhar das Urteil im Parlament&lt;br /&gt;
angegriffen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. Mai 2006 —Vertrcter der&lt;br /&gt;
iigyptischen Bahá’í-Gcmcinde&lt;br /&gt;
schreiben einen Brief an den Justizminister, in dem sie crkliiren,&lt;br /&gt;
dass sie nur die gleichen Rechte&lt;br /&gt;
beanspruchen, wie jcder andere&lt;br /&gt;
iigyptische Burger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. Mai 2006 - “Kifayah„&lt;br /&gt;
[Genug], eine Gruppe einer ziVilgcsellschaftlichen Organisation,&lt;br /&gt;
journalisten, Autoren, Künstler&lt;br /&gt;
und Akademiker veröffentlichen&lt;br /&gt;
cine gemeinsame Erklärung, in&lt;br /&gt;
der sie das Ende der Diskriminierung der Bahá’í fordem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15. Mai 2006 — D35 Oberste&lt;br /&gt;
Agyptische Verwaltungsgericht&lt;br /&gt;
hebt das Urteil, das den Bahá’í erlaubte, ihre Religion in ofﬁziellen&lt;br /&gt;
Dokumenten anzugeben, auf. Die&lt;br /&gt;
Anhérung der von der Regierung&lt;br /&gt;
geforderten Revision 5011 am 19.&lt;br /&gt;
Juni stattﬂnden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16.]mzi 2006 — Das Oberste&lt;br /&gt;
Vcrwaltungsgericht vcrtagt die&lt;br /&gt;
Anhérung nach einer kurzen verfahrenstechnischen Sitzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.]uli 2006 — Agyptens höchstes Verwaltungsgcricht vertagte&lt;br /&gt;
die Anhérung einer Regierungsklage auf den 16. September.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. August 2006 — Der vom&lt;br /&gt;
Staat untcrstiitzte Nationals Rat&lt;br /&gt;
für Menschenrcchte hält ein&lt;br /&gt;
größeres Symposium zum Thema “Religionszugehbrigkeit und&lt;br /&gt;
Personalausweise&amp;quot; ab, bei dem die&lt;br /&gt;
Bahá’í-Gemeinde beweiskrdftig&lt;br /&gt;
aussagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21. September 2006 — Das&lt;br /&gt;
Oberste Verwaltungsgericht ver&lt;br /&gt;
schiebt die Anhdrung zu dem&lt;br /&gt;
Urteil von April auf den 20.&lt;br /&gt;
November mit der Begrﬁndung, dass es aufein Gutachten&lt;br /&gt;
eines staatlichen Gerichtsbeauftragten warts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14. Oktober 2006 — Die&lt;br /&gt;
iigyptische Zeitung Rose ElYoussef veröffentlicht einen&lt;br /&gt;
Artikel, der behauptet, dass&lt;br /&gt;
das Gutachten abgeschlossen&lt;br /&gt;
sei und dass der staatliche Gerichtsbeauftragtc dazu rate, das&lt;br /&gt;
Urteil, das inVorinstanz gcﬁillt&lt;br /&gt;
wurde und den Bahá’í das&lt;br /&gt;
Recht zusprach, ihre Religion&lt;br /&gt;
in ofﬁziellen Dokumenten&lt;br /&gt;
anzugeben, aufzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25. November 2006 — Bci&lt;br /&gt;
einer verfahrensrechtlicheu&lt;br /&gt;
Anhérung am 20. November&lt;br /&gt;
vertagt Agyptens Oberstes&lt;br /&gt;
Verwaltungsgericht den Fall&lt;br /&gt;
aufden 2. Dezember 2006. E5&lt;br /&gt;
wird festgelegt, class dann das&lt;br /&gt;
vollzählige Dreiergericht in&lt;br /&gt;
einer Plenarsitzung darüber&lt;br /&gt;
verhandeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Dezembcr 2006 — Die&lt;br /&gt;
Anwdlte des Bahá’í—Ehepaars,&lt;br /&gt;
das seine Religionszugehérigkeit rechtmiiBig in scinen&lt;br /&gt;
Papieren angegeben haben&lt;br /&gt;
wollte, legen bei einer Anhéjrung vor dem Obersten Verwaltungsgericht letzte Beweise&lt;br /&gt;
vor. DieVerhandlung wird auf&lt;br /&gt;
den 16, Dezember vertagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I6. Dezcmbcr 2006 — Das&lt;br /&gt;
agyptische Oberverwaltungsgericht entscheidet, den Bahá’í&lt;br /&gt;
nicht das Recht zuzugestehen,&lt;br /&gt;
in Ausweispapieren korrekt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
identiﬂziert zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|15|file=One_Country_2007_01.pdf|page=15}}Kanadische Rechtsanwéiltin nimmt&lt;br /&gt;
ihre Arbeit beim Biiro der UN auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EW YORK - Tahirih Naylor, Cine&lt;br /&gt;
Rechtsanwiiltin aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kanada, hat ihre Arbeit bei&lt;br /&gt;
der Bahá’í International Community als Vertreterin bei den&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen aufgenommen. Frau Naylor, 28,&lt;br /&gt;
Wird in Menschenrechtsfragen&lt;br /&gt;
eng Init Bani Dugal zusammenarbeiten. Frau Dugal ist&lt;br /&gt;
bei denVereinten N ationen die&lt;br /&gt;
Hauptvertreterin der Bahá’í&lt;br /&gt;
International Community&lt;br /&gt;
(BIC). Frau Naylor wird auch&lt;br /&gt;
mit Fragen nachhaltiger und&lt;br /&gt;
sozialer Entwicklung zu tun&lt;br /&gt;
haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir freuen uns 56hr,&lt;br /&gt;
dass Frau Naylor in unserem&lt;br /&gt;
Biiro anfsingt“, sagte Frau&lt;br /&gt;
Dugal. “Sie verﬁigt über solide Rechtskenntnisse. Ihre&lt;br /&gt;
Erfahrungen im Biiro für&lt;br /&gt;
Regierungsbeziehungen der&lt;br /&gt;
kanadischen Bahá’í—Gemeinde&lt;br /&gt;
und Bahá’í-inspirierte Entwicklungsprojekte haben sie&lt;br /&gt;
nachhaltig geprzigt. Zu ihren&lt;br /&gt;
Aufgaben gehörte das Vertreten des Bahá’í—Standpunktes&lt;br /&gt;
gegenüber Regierungsbeamten und nichtstaatlichen&lt;br /&gt;
Organisationen.Außerdem 3rbeitete sie in Menschenrechtsund Einwanderungsprojekten&lt;br /&gt;
111it.Alsjunge Frau mit einer&lt;br /&gt;
fijr ihr Alter [iberdurchschnittlichen Reife hat sie bereits&lt;br /&gt;
neue Ideen und eine frische&lt;br /&gt;
Perspektive in unsere Arbeit&lt;br /&gt;
eingebracht“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Naylor nahm ihre&lt;br /&gt;
Arbeit bei der BIC im Bijro&lt;br /&gt;
der Vereinten Nationen im&lt;br /&gt;
Juli 2006 auf, nachdem Frau&lt;br /&gt;
Fulya Vekiloglu dort im Juni&lt;br /&gt;
ebenfalls alsVertreterin begonnen hatte. Davor arbeitete sic&lt;br /&gt;
ﬁir die Landesregierung von&lt;br /&gt;
Ontario in der Behérde für&lt;br /&gt;
Familienverantwortung. Sie&lt;br /&gt;
nahm verschiedene rechtliche&lt;br /&gt;
Aufgaben wahr, einschließlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Reprisentation, Forschung&lt;br /&gt;
und demVerfassen von Antrigen und Memoranden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Naylor schloss ihr&lt;br /&gt;
Jura—Studium an der juristischen Fakulttit Osgood Hall im&lt;br /&gt;
Jahre 2003 ab. Ihre akademische Grundausbildung erwarb&lt;br /&gt;
sie an der Universitdt von&lt;br /&gt;
West—Ontario. Ihren Bachelor&lt;br /&gt;
der Philosophie absolvierte&lt;br /&gt;
sie im jahre 2000 mit dem&lt;br /&gt;
besten Notendurchschnitt in&lt;br /&gt;
ihrem Kurs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erfahrung sammelte Frau&lt;br /&gt;
Naylor auch im Dienst an der&lt;br /&gt;
Gemeinschaft aufdem gesamten Gebiet V0n Entwicklung&lt;br /&gt;
und sozialer Gerechtigkeit. Sit:&lt;br /&gt;
ist Schatzmeisterin der Breakwell Education Association, einer NGO, die die Entwicklung&lt;br /&gt;
von zwei Erziehungseinrichtungen in Stratford, Ontario,&lt;br /&gt;
überwacht. Für Cine NGO in&lt;br /&gt;
Guelph, Ontario arbeitete sie&lt;br /&gt;
als Lehrerin für Englisch als&lt;br /&gt;
Fremdsprache. Sie koordinierte&lt;br /&gt;
kanadische Freiwillige für&lt;br /&gt;
das Analphabetenprogramm&lt;br /&gt;
„Y0uth Can Move the World„&lt;br /&gt;
in Guyana. Junge Menschen&lt;br /&gt;
in Samoa,Tonga und auf den&lt;br /&gt;
Bahamas schulte sie darin,&lt;br /&gt;
soziale Fragen durch Künste&lt;br /&gt;
anzusprechen. 1997 war sie&lt;br /&gt;
Programmkoordinatorin und&lt;br /&gt;
Tﬁnzerin 1111 Diversity Dance&lt;br /&gt;
Theatre in Europa. Dieses&lt;br /&gt;
Theater bietet piidagogische&lt;br /&gt;
Auftritte und Workshops zu&lt;br /&gt;
Fragen des Multikulturalismus&lt;br /&gt;
und desWeltbürgertums an. In&lt;br /&gt;
13 Lindern Europas war sie&lt;br /&gt;
aufTournee. Ahnliche kunstorientierte Projckte hat sis in&lt;br /&gt;
China und Papua Neu Guinea&lt;br /&gt;
durchgeﬁihrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich ﬁihle mich sehr g6ehrt, dass mir das Biiro der BIC&lt;br /&gt;
bei den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;
diese Arbeit angeboten hat“,&lt;br /&gt;
sagte Frau Naylor. „Es ist schon&lt;br /&gt;
lange mein Lebensziel, soziale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme zu behandeln, zum&lt;br /&gt;
Beispiel Probleme von Armut&lt;br /&gt;
und Ulnwelt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Einer der Gründe für&lt;br /&gt;
mein Jurastudium war, Fertigkeiten zu erwerben,um&lt;br /&gt;
Menschen und Gemeinden&lt;br /&gt;
auf praktische Art und Weiss&lt;br /&gt;
bei der Férderung sozialer Gerechtigkeit unterstützen k611nen. Nach meiner Erfahrung&lt;br /&gt;
lassen Methoden der sozialen&lt;br /&gt;
und nach&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tahirih Naylor, eine gebﬁrtige Kanadierin, wird sich&lt;br /&gt;
aufMenschenrechte und&lt;br /&gt;
sozia/e und nachhaltige&lt;br /&gt;
Entwick/ung konzentrieren.&lt;br /&gt;
Sie nahm im Juli 2006 ihre&lt;br /&gt;
Arbeit im BUro der Bahá’í&lt;br /&gt;
International Community&lt;br /&gt;
als Vertreterin bei den Vereinten Nationen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2:235:13 VEREINTE NATIONEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lung das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verstandnis und die Anwendung geistiger Prinzipien oft&lt;br /&gt;
unberücksichtigt, zugunsten&lt;br /&gt;
einer rein materialistischen&lt;br /&gt;
Perspektive. Meine Hoffnung&lt;br /&gt;
ist, dass mein Hintergrund&lt;br /&gt;
hilfreich sein kann, über die&lt;br /&gt;
Vereinten Nationen und ihre&lt;br /&gt;
Partner hinaus die Zivilgesellschaft zu erreichen, um die&lt;br /&gt;
besondere geistige Perspektive&lt;br /&gt;
der Bahá’í International Community in unsere Bemühungen einzubringen.“ I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K ONE COUNTRY&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE 15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=One_Country_2007_01.pdf|page=16}}Jugendkonferenz in Burundi legt&lt;br /&gt;
Schwerpunkt auf sozialen Wandel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Es gab vie! Freude&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der Versammlung&lt;br /&gt;
dieserjungen Leute,&lt;br /&gt;
denen die Aujlenwelt&lt;br /&gt;
normalerweise untentellen würde, sic&lt;br /&gt;
seien skh Vbllig fremd&lt;br /&gt;
und vielleicht sogar&lt;br /&gt;
Feinde.„&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Catie Honeyman, eine&lt;br /&gt;
Bahá’í—Jugendliche aus&lt;br /&gt;
Ruanda&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast 150 Bahá’í-Jugend/iche&lt;br /&gt;
versammelten sich im August 2006 zu einer Jugendkonferenz in Burundi, um&lt;br /&gt;
[Jber den sozia/en Wandel&lt;br /&gt;
der Gesellschaﬁ zu beraten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K 1 ONE COUNTRY&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1/2007 - SEITE 16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
szge Mcnsrlzcn aus&lt;br /&gt;
Vier zentralqﬁi/eamsrlml&lt;br /&gt;
Ldnaem — National,&lt;br /&gt;
die in den lctzrcnjalzrcn&lt;br /&gt;
S(lzauplatz intensivcr&lt;br /&gt;
ngﬂi/ete ware„ — versammelml sirll in: August 2006 1&#039;11 Bujmn[mm 211 eineqﬁ&#039;iqﬁdqégen&lt;br /&gt;
Konfermz. Sic berierm&lt;br /&gt;
damiber, wic die jugend&lt;br /&gt;
211 ﬂiedvollcn sozialen&lt;br /&gt;
Tatigleeiten zmd 214m&lt;br /&gt;
sozialen VVanael beitm&lt;br /&gt;
gen learm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UJUMBURA, Burundi — 50 Bahá’í—jugendliche aus Burundi,&lt;br /&gt;
der Demokratischen Republik&lt;br /&gt;
Kongo, Ruanda und Uganda&lt;br /&gt;
versammelten sich im Nationalen Bahá’í—Zentrum in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bujumbura. “Die Konferenz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
drehte sich hauptsiichlich um&lt;br /&gt;
die Möglichkeiten derjugcnd,&lt;br /&gt;
den positivenWande] ihrer Gesellschaftcn zu fbrdern&amp;quot;, sagtc&lt;br /&gt;
Cutie Honeymnn, «sine Bahá’ijugendlichc nus Ruandaf Wir&lt;br /&gt;
sprcchen unterschicdlicht&lt;br /&gt;
Sprachen, kommen aus unterschicdlichtn Nationen, habcn&lt;br /&gt;
Lmtcrschicdlichc Lebenserﬁlhrungcn und auBcrgcwéilmlich ausgcprﬁgtc kulturclle&lt;br /&gt;
Traditional&amp;quot;, meinte sic. „Da&lt;br /&gt;
dﬁrttc cs schwierig scin, zu&lt;br /&gt;
vcrstchen, wie wir so schnell&lt;br /&gt;
Freunde wurden.“ Cutie H0neyman stellte fest: „Es gab Vit]&lt;br /&gt;
Freude in der Versammlung&lt;br /&gt;
dieser jungcn Leute, denen&lt;br /&gt;
die AulSenwelt normalerweise&lt;br /&gt;
unterstellen würde, sie seien&lt;br /&gt;
sich völlig frcmd und vielleicht&lt;br /&gt;
sogar Fcinde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Zusammenleben in&lt;br /&gt;
Zentralafrika wurden wichtige&lt;br /&gt;
Fragen diskutiert: Wie kann&lt;br /&gt;
diejugend dazu beitragen, die&lt;br /&gt;
Welt zu veréndern? Welche&lt;br /&gt;
Dienstprojekte kann die Jugend schaffen? Wie kann die&lt;br /&gt;
Wichtigkeit der Erziehung&lt;br /&gt;
ﬁir die kijnftige Entwicklung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nachhaltig in die Gesellschaﬁ&lt;br /&gt;
eingebmcht wcrden? Welchc&lt;br /&gt;
Leitlinicn gibt es für eine erfblgreiche E116?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Vieltn Beratungcn ging&lt;br /&gt;
65 um Spiritualitiit und die&lt;br /&gt;
Notwcndigkeit, andercn zu&lt;br /&gt;
helfen, etwas Libcr dcn BnhfliGlaubcn zu erfahrcn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Silvestrc liwatemba, der&lt;br /&gt;
(?cnemldirektor des Ministeriums für jugend und Sport,&lt;br /&gt;
nahm an der K()11fErex12teil.Er&lt;br /&gt;
vcrspruch, die Bahá’í—jugcnd in&lt;br /&gt;
ihren Bemühungen zu unterstiitzcn,“leuchtende Bcispielc„&lt;br /&gt;
ﬁir die Anderung in der Welt&lt;br /&gt;
zu werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rundﬁmk—Journalisten&lt;br /&gt;
interviewten die Tcilnehmtr&lt;br /&gt;
und Teilnehmcrinnen in ﬁinf&lt;br /&gt;
Sprachen: Englisch, Franzésisch, Kirndi, Kinyarwunda&lt;br /&gt;
und Swahili. Kulturell wurde&lt;br /&gt;
die Konferenz durch Gebete,&lt;br /&gt;
Lieder, Ténze, Sketche und&lt;br /&gt;
Gedichte sehr anschaulich belebt. Ditjugend wurde ermutigt, neben ihrer Muttersprache&lt;br /&gt;
auch die franzésische und&lt;br /&gt;
englische Sprache zu lernen&lt;br /&gt;
und zu praktizieren. I&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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		<title>Diskussion:Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: Die Seite wurde neu angelegt: „# {{k}} ~~~~“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;# {{k}} [[Benutzer:Ludwig|Ludwig]] ([[Benutzer Diskussion:Ludwig|Diskussion]]) 23:56, 2. Jun. 2022 (PDT)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-03T06:55:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativiert das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner Eltern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologie nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeitig &lt;br /&gt;
erniedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksamkeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Probleme und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie bereits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fähigkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einem statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten ist dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ACHTSAMKEIT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. &lt;br /&gt;
Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ &lt;br /&gt;
(Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR) kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosine reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist eine aktive, reiche und sehr persönliche &lt;br /&gt;
Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten &lt;br /&gt;
des Lebens. In einem typischen Kurs finden sich Menschen aus allen Lebenskreisen und &lt;br /&gt;
Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere, die Stress in der Arbeit, in ihrer &lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
oder Familie erleben, bei manchen treffen alle diese Punkte zusammen. Viele haben nie in &lt;br /&gt;
ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufmerksamkeit auf den Moment&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann, dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach und bewusst zu sein, in der Lage, wie &lt;br /&gt;
Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende &lt;br /&gt;
von Menschen an Kursen teilgenommen: in Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palliativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen, in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen geben. Eine Flut wissenschaftlicher &lt;br /&gt;
Untersuchungen hat während der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass MBSR und andere &lt;br /&gt;
achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet &lt;br /&gt;
der Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der größte Lehrer: Das Leben selbst&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen &lt;br /&gt;
drei „formelle“ Praktiken: einen Körper-Scan, achtsame Körperbewusstseinsübungen und &lt;br /&gt;
Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs Tagen &lt;br /&gt;
der Woche mindestens eine Stunde zu praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten &lt;br /&gt;
mit den Übungen verwendet. Doch es sind besonders die „informellen“ Übungen, während &lt;br /&gt;
derer die Teilnehmenden lernen, Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden &lt;br /&gt;
gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den ganzen Körper zu wandern, und darüber &lt;br /&gt;
hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich verrichten, und diese als Tätigkeit &lt;br /&gt;
achtsam zu praktizieren. Häufig wird das Zähneputzen gewählt. Andere Aktivitäten sind &lt;br /&gt;
beispielsweise das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. &lt;br /&gt;
Wenn sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie vor allem Schmerzliches, Dunkles und &lt;br /&gt;
Unangenehmes im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden &lt;br /&gt;
ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene zu blicken, &lt;br /&gt;
etwa wie mit einem Zoom ganz nah an die Details heranzufahren und dann wieder &lt;br /&gt;
„wegzuzoomen‘, bis der Blick einem Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende &lt;br /&gt;
Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: &lt;br /&gt;
Es ist nicht die Situation selbst, die Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich weiten oder sogar verengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (O.W. Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: &lt;br /&gt;
Nicht-Beurteilen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, &lt;br /&gt;
Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabei entwickelt &lt;br /&gt;
jeder Mensch ein Verständnis davon, das in seinem eigenen Leben wurzelt. Eine solche&lt;br /&gt;
Art des Lernens reicht tief und ermöglicht Veränderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen &lt;br /&gt;
sind. So wie die Momente meines Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. phil. Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:geboren in New York,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
:Pädagogin. Gründerin des&lt;br /&gt;
:Instituts für Achtsamkeit&lt;br /&gt;
:und Stressbewältigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 14 - 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi, &lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff, Monika Schramm, &lt;br /&gt;
:Karl Türke jun., Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
:www.tempora.org&lt;br /&gt;
:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout und Illustration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fotos&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saman Rahmanian S.14/15, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi S.8, 11, 12, 13, 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo S.26, 27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===FASTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;KEINE LEICHTE ÜBUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung stehen die Angebote von Fastenkuren, &lt;br /&gt;
Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon &lt;br /&gt;
probiert, die meisten waren davon angetan und wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr tun. Andere wiederum graust es bei der &lt;br /&gt;
Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zu essen kriegen und nur von Wasser, Luft und &lt;br /&gt;
Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer &lt;br /&gt;
Indikation. Damit werden Verdauungs- und Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt. Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente &lt;br /&gt;
sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* als Askese,&lt;br /&gt;
:* als Übung der Selbstverleugnung und Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
:* als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
:* als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
:* als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
:* als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
:* als Sühne und persönliches Opfer, etwa nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
:* zur Sammlung von Willenskräften, etwa um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu haben,&lt;br /&gt;
:* als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
:* als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
:* um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
:* um seinem Karma zu entgehen, in der Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
:* zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
:* um Naturkatastrophen abzuwehren, die als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
:* und auch ganz einfach als sittliches und gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie ein roter Faden, und all diese &lt;br /&gt;
Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, &lt;br /&gt;
sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch &lt;br /&gt;
zwischen dem Fasten als völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem Vermeiden bestimmter &lt;br /&gt;
Nahrungsmittel. Auf Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein oder ganz allgemein berauschender &lt;br /&gt;
Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahr folgt, wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen &lt;br /&gt;
Breitengraden liegenden islamischen Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich &lt;br /&gt;
bei 40 Grad Celsius der Nahrung und besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische &lt;br /&gt;
Kalender fünf Fastentage zum Gedenken an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter &lt;br /&gt;
geistiger Sensibilität zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen &lt;br /&gt;
wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden abgebaut. Man reagiert &lt;br /&gt;
bewusster. Man kann feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich nach etwa drei Tagen &lt;br /&gt;
verschwindet. Es folgt, wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die &lt;br /&gt;
schöne Zeit ohne äußeres Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit &lt;br /&gt;
an Magen und Körper. Der Geist „erhebt“ sich über die Materie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert &lt;br /&gt;
wird dagegen aus äußerem Zwang und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, ob es noch ohne geht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder hygienische und die zweite, nämlich die &lt;br /&gt;
vergeistigende, die geforderte Loslösung von der Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i-Fastenmonat &lt;br /&gt;
immer zur gleichen Jahreszeit, und zwar Anfang März bis zum Bahá’í-Neujahr am 21. März. &lt;br /&gt;
Dann herrscht überall auf der Welt eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind klimatische &lt;br /&gt;
Extreme in dieser Zeit nirgends zu befürchten. Der Hauptunterschied zwischen medizinischem &lt;br /&gt;
Fasten und Bahá’í-Fasten liegt in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwindet &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen das Hungergefühl. Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahá’í-Fasten dagegen tritt dieser Effekt nicht auf, denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und so knurrt einem der Magen während dieser ganzen 19 Tage. Hier ist unschwer zu &lt;br /&gt;
erkennen, dass es sich um eine geistige Übung handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), &lt;br /&gt;
sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung in ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religiösen Gebot besonders deutlich, an das sich zu halten dem Gläubigen viel &lt;br /&gt;
leichter fällt. Voraussetzung dafür ist freilich die Anerkennung dieser höheren Autorität, &lt;br /&gt;
die Erkenntnis Gottes, denn vor uns selbst haben wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung der eigenen guten Vorsätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schielt eben nicht missmutig nach dem kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt &lt;br /&gt;
werden, nur dann ist sie glaubwürdig. Und so wird auch das Fasten, wenn es im Sinn&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Jede Stunde dieser Tage hast Du mit einer besonderen Wirkkraft ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir, Dessen Wissen alles Erschaffene umfaßt. Auch hast Du jede Seele an dieser Wirkkraft teilhaben lassen gemäß der Tafel Deines Ratschlusses und den Schriften Deines unwiderruflichen Urteils.“&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
:bei einer großen&lt;br /&gt;
:Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;WENN SELBST DIE EINFACHSTEN DINGE NICHT KLAPPEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen in Burkina Faso===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung. Die Transportkosten in eine größere Stadt mit Krankenhaus sind für viele zu hoch.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anti-Aging, Delfin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt immer noch Länder, in denen nicht einmal der Luxus erlaubt ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem der ärmsten Länder dieser Welt. Es rangiert laut einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern. Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze, die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner mit dem Thema „Gesundheit“ assoziieren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was die Burknabé tun für Ihre Gesundheit? Nichts, sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Ernährung hat hier niemand Ahnung, selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich die Leute nicht gesund. Gemüse wird in Afrika grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der Nahrung zu erhöhen. Sport machen nur wenige Leute bewusst; die meisten unfreiwillig in Form harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An den medizinischen Einrichtungen dürfte sich kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte könnten höchstens von Internationalen Geldgebern gesponsert werden. Und die Arztmisere ist groß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten schon unsere Geschenktüte gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für das &lt;br /&gt;
Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes sollte diesen Monat ein Kind &lt;br /&gt;
bekommen. Da klopft es eines Morgens an unsere Türe: Soumaï&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; hatte vor &lt;br /&gt;
zwei Tagen ihr Kind geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert? Schließlich &lt;br /&gt;
befinden wir uns in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, wo es die besten &lt;br /&gt;
Kliniken des Landes gibt. Früher sagte man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumaï immer noch in ihrem Dorf, dann hätte Ihr Mann sie &lt;br /&gt;
bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads in das nächste Dispensaire&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
gebracht. Und im schlechtesten Fall hätte sie ihr Baby allein im Busch bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht &lt;br /&gt;
wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen lieber das Risiko zu sterben als die Scham. &lt;br /&gt;
Bis heute bestehen manche der Fulbefrauen auf dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox! Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind — bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nur darauf wartend, dass ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fulbefrau beim Hirsestampfen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko, doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumaï ist doch so eine junge und gesunde Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen &lt;br /&gt;
ihr Kind bekommen hatte. Nach dem ersten Schock versammeln sich die in der Nähe &lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann, und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe. Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europäische &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man in &lt;br /&gt;
Burkina gar nicht Medizin studieren kann. Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine &lt;br /&gt;
Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir, was passiert ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie seien überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben Soumaï nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kaiserschnitt. Davon abgesehen gibt es auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. &lt;br /&gt;
Die Reaktion der ebenfalls schockierten Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen. Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
Somit klagt niemand die Ärzte an - das Leben muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe aus Strohmatten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten ohne, mit und mit internationaler Versicherung. &lt;br /&gt;
Doch bei all meiner Bewunderung für ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumaï uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie ist &lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme und macht Scherze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Name geändert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Frz. Bezeichnung der einfachen Dorfkrankenhäuser im frankophonen Afrika, die oft nur von einem Pfleger betreut werden, der Arzt kommt nur ein oder zwei Mal in der Woche vorbei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
:Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
:für den Deutschen&lt;br /&gt;
:Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
:in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Basisdaten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Einwohnerzahl: 13.228.000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/191&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Müttersterblichkeit: (auf 100 000 Lebendgeburten, 2000): 1000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003): 68 US-Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Krankenpfleger für 1000 Einwohner: 0,41&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quelle : Datenbank der WHO,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die weltweite Aidsepidemie 2006,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die menschliche Entwicklung UNDP&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aus dem Gleichgewicht geraten===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund &lt;br /&gt;
sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen &lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft &lt;br /&gt;
und unsere kulturellen Vorstellungen vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen. Die &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits 1997 die Fettleibigkeit als ein großes &lt;br /&gt;
Problem der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen &lt;br /&gt;
Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt als die Norm. Zur Bestimmung von Übergewicht &lt;br /&gt;
und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ursachen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige &lt;br /&gt;
biologische, psychische und soziokulturelle Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits &lt;br /&gt;
im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Übergewichtige Kinder leiden körperlich und seelisch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes mellitus, &lt;br /&gt;
orthopädische Beschwerden und Leberverfettung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind adipöse Kinder auch von psychosozialen &lt;br /&gt;
Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige beurteilen ein übergewichtiges Kind nur &lt;br /&gt;
aufgrund seiner Erscheinung als „faul, schmutzig, dumm und unattraktiv”. Adipöse Kinder &lt;br /&gt;
entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme &lt;br /&gt;
und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, &lt;br /&gt;
so scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen &lt;br /&gt;
zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kostenlawine rollt&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können. In der Schweiz werden bis zum heutigen &lt;br /&gt;
Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die Folgeerscheinungen werden von der jewelligen &lt;br /&gt;
Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verantwortung der Gesellschaft&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. &lt;br /&gt;
Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Konsum &lt;br /&gt;
dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern; zu &lt;br /&gt;
fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie und ihr Einfluss auf die Kinder wurden &lt;br /&gt;
untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt die einschlägige Industrie jährlich &lt;br /&gt;
10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind &lt;br /&gt;
an Schulen Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und hochkalorischen Snacks zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichgewicht des Körpers&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund eines Nahrungsüberangebots aus dem &lt;br /&gt;
Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle spielt der zunehmende Bewegungsmangel &lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig &lt;br /&gt;
dicker, nicht nur infolge eingeschränkter Bewegung, sondern auch infolge exzessiv &lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweieinhalb &lt;br /&gt;
Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich etwa &lt;br /&gt;
eineinhalb Stunden. Noch höher sind die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Therapieangebote&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können &lt;br /&gt;
Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf einer engen Zusammenarbeit mit &lt;br /&gt;
Experten, beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die Verbraucher vermehrt Gedanken über den &lt;br /&gt;
Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über &lt;br /&gt;
ihr tatsächliches Essverhalten. Denn der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht zeigt es &lt;br /&gt;
klar: Beim Essverhalten besteht ein großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt wird und &lt;br /&gt;
einen hohen Anteil an Früchten und Gemüse aufweist. Functional Food kann eine bewusste &lt;br /&gt;
Ernährung im besten Fall sinnvoll ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann auch mit &lt;br /&gt;
einem erhöhten Konsum solcher Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können &lt;br /&gt;
damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Die Erziehung und Ausbildung der Kinder gehört zu den verdienstvollsten Taten der Menschheit. Sie zieht die Gnade und den Segen des Allbarmherzigen auf sich; denn Erziehung ist die unentbehrliche Grundlage jeder herausragenden menschlichen Leistung und erlaubt dem Menschen, sich seinen Weg zu den Höhen immerwährender Herrlichkeit zu bahnen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;Abdu&#039;l-Bahá&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
:am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
:in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
:Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DURCH GEZIELTE ERNÄHRUNG KRANKHEITEN HEILEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die &lt;br /&gt;
ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie im Körper wiederherstellen? Die &lt;br /&gt;
ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, &lt;br /&gt;
mit den Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind in ihren Grundzügen &lt;br /&gt;
Jahrtausende alt, wurden jedoch zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder aufgegriffen &lt;br /&gt;
und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat, war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare Organtheorie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit der Leber als Mittelpunkt, die durch den &lt;br /&gt;
Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen selbstständigen Kreislauf bilden &lt;br /&gt;
und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und koordinieren. Zuvor sollen &lt;br /&gt;
aber das Wesen des angeborenen Wissens und die fundamentale Frage über die &lt;br /&gt;
Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage nach der &lt;br /&gt;
Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist, wenn auch verborgen. Das Wesen &lt;br /&gt;
der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden, dass alles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}&lt;br /&gt;
ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten &lt;br /&gt;
geschaffen, die als „das Gesetz“ (das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar wird und alles Leben ständig Verwandlung &lt;br /&gt;
und Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt. Damit entspricht die Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge &lt;br /&gt;
dessen ist die Gesundheit ebenfalls den Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen, Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich &lt;br /&gt;
betrachtet scheint es, als ob alles in der Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird das Prinzip von Aktion und Reaktion als &lt;br /&gt;
Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet, dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird &lt;br /&gt;
die absolute Weisheit des Schöpfers und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung &lt;br /&gt;
und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit. Das alles setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes und das führt meist zur Missachtung der &lt;br /&gt;
Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im &lt;br /&gt;
gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie bringen die Abläufe im Mikro- und &lt;br /&gt;
Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen Beziehungen und Abläufe im Leben &lt;br /&gt;
und die Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der &lt;br /&gt;
Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen eng miteinander verbunden, so wie die &lt;br /&gt;
Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen &lt;br /&gt;
und gewährleistet den Informationsfluss und die Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein lebendiger Organismus ist und dementsprechend &lt;br /&gt;
funktioniert. In der Atmosphäre kreisen ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren, um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden. Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, &lt;br /&gt;
der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze, Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes Element hat ein unveränderbares Wesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers ist heiß und das des Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues &lt;br /&gt;
Temperament, das nie einzeln in der Natur vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm &lt;br /&gt;
oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. &lt;br /&gt;
Folglich muss in der Schöpfung auch ein echtes (absolutes), unerreichbares Temperament &lt;br /&gt;
existieren. Ein Temperament, das dem „echten“ am nächsten steht, ist am ehesten im &lt;br /&gt;
Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am &lt;br /&gt;
nächsten. Daher wurde er als Krone der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen &lt;br /&gt;
mit spezifischen Säften. Diese enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteilig aus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von &lt;br /&gt;
Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf, die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei Hauptorgane oder -systeme, die zusammen mit der &lt;br /&gt;
Seele, dem Blut und dem Skelett einen funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen ist folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger &lt;br /&gt;
Zeit den Magen und landet im Darm. Hier wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament &lt;br /&gt;
unserer Nahrung zusammengesetzt ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält mehr oder weniger die Vorstufen aller &lt;br /&gt;
Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die Dünndarmwand, durchlaufen die &lt;br /&gt;
Pfortader und erreichen die Leber. In der Leber werden sie durch deren Wärmeeinwirkung &lt;br /&gt;
in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}&lt;br /&gt;
Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang in der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen: Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Haut,&lt;br /&gt;
:* sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
:* Bodensatz,&lt;br /&gt;
:* die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(Schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan in diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische &lt;br /&gt;
Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, &lt;br /&gt;
der die entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe weiterleitet und so alles in &lt;br /&gt;
Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. So erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz (Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, in einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit Wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen &lt;br /&gt;
Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird &lt;br /&gt;
(Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich simplen &lt;br /&gt;
Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach &lt;br /&gt;
sich zieht. Aus diesem langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und Urinschau typisiert und zum Beispiel nach &lt;br /&gt;
ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen gewünschten Temperament und Gleichgewicht &lt;br /&gt;
zurückkehren und echte Gesundheit erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben genannten Prinzipien hilft dem Körper im &lt;br /&gt;
Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt &lt;br /&gt;
stellen, werden bei dieser Betrachtung der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“ Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
:ist praktizierender&lt;br /&gt;
:Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hauptsache gesund?===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Menschenbild eines Gläubigen relativiert das Streben nach Gesundheit. Wie kann man herausfinden, was einem Menschen besonders wichtig ist?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus, an &lt;br /&gt;
dessen Ende, wenn überhaupt, eine mehr oder weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint es da zu sein, Standarddialoge in einer &lt;br /&gt;
Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: &lt;br /&gt;
„Ich wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das ist das Allerwichtigste. Was wären wir ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung &lt;br /&gt;
jederzeit reproduzieren lässt und immer wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen davon überzeugt sind, Gesundheit sei das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick, in dem es gesagt wird, sind auch alle &lt;br /&gt;
Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man ist gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hält diese Meinung einer Überprüfung stand? Das kann man am ehesten herausfinden, &lt;br /&gt;
indem man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen dementsprechend verhalten oder bestimmte &lt;br /&gt;
Verhaltensweisen als Fehler erkennen und korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren Beruf schaden sie ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank, um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes ist die Frage erlaubt, ob Gesundheit wirklich das Größte ist. Und&lt;br /&gt;
was ist mit denen, die sich unter Einsatz ihres Lebens für eine gute oder gerechte Sache &lt;br /&gt;
einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer Standardsituation als Grundlage für die &lt;br /&gt;
Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschiedlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes &lt;br /&gt;
Glied oder so etwas wie ein kleinster gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der &lt;br /&gt;
alle anderen entspringen: Was ist der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man ihn, was ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bahá’í überall auf der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und &lt;br /&gt;
anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
:1. Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
:2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahá’í in bester Gesellschaft. Der heilige Ignatius von Loyola, der &lt;br /&gt;
Gründer des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch &lt;br /&gt;
ist erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Bahá’í auf die Frage nach dem Menschsein: Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich alle anderen Sätze ab, auch die über den &lt;br /&gt;
Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius nachzuschlagen, denn bereits er zieht &lt;br /&gt;
weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz: „Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt, dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür &lt;br /&gt;
hindern.“ Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles, auch den Stellenwert der Gesundheit. &lt;br /&gt;
Um das zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib, Geist und Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib, Seele und Geist &lt;br /&gt;
bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen gemeinsam ist, dass sie &lt;br /&gt;
der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. &lt;br /&gt;
Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt. Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und ist - folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich &lt;br /&gt;
nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen, sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen oder auch nicht. Wir können Umwege und &lt;br /&gt;
Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Bahá’í-Glauben diesen Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es - dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so wie Gott unbegreiflich ist. Was weiß ein &lt;br /&gt;
Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}&lt;br /&gt;
Seele lebt ewig und befindet sich auf einer endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt. In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte &lt;br /&gt;
sie auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung, Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich im menschlichen Geist und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen &lt;br /&gt;
und intellektuellen Seiten des Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der Geist braucht &lt;br /&gt;
Verstand und der Verstand ein Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen, Gelenke, Blut, Herz, &lt;br /&gt;
kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten Emotionen wie Liebe &lt;br /&gt;
und Geborgenheit durch den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, &lt;br /&gt;
einen Kuss? Um sich wirklich ausdrücken zu können, um weiter zu kommen auf dem Weg zu ihrer &lt;br /&gt;
Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so haben wir gesehen, die Raum-Zeit-Komponente, &lt;br /&gt;
in der ein Mensch sich entfalten und entwickeln kann. Ist der Körper nun das Instrument, &lt;br /&gt;
auf dem Geist und Seele die Melodie des Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument &lt;br /&gt;
kann ein Musiker wirklich spielen. Stimmen bedeutet ins Gleichgewicht kommen. Alle &lt;br /&gt;
Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander passen, ineinander &lt;br /&gt;
greifen und miteinander harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit &lt;br /&gt;
sein? Sich Im Gleichgewicht zu befinden. Und Krankheit wäre dann, das Gleichgewicht &lt;br /&gt;
verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch und gerade, weil Krankheiten unausweichliche &lt;br /&gt;
Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine &lt;br /&gt;
Hilfestellung zu geben, sich im Leben wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass die Seele nach dem Verständnis der Bahá’í &lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, so trifft das die Seele nicht. &lt;br /&gt;
Sie geht jenseits von Krankheit und Behinderung ihren Weg, sie selbst kann nicht krank &lt;br /&gt;
werden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher und geistiger Harmonie. Das macht das Streben &lt;br /&gt;
nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite ist sie nicht abhängig davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen und gleichzeitig nicht an ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. &lt;br /&gt;
Ich bezeuge in diesem Augenblick meine Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut und Deinen &lt;br /&gt;
Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ &lt;br /&gt;
(Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl. Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
:Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativiert das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ACHTSAMKEIT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. &lt;br /&gt;
Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ &lt;br /&gt;
(Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR) kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosine reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist eine aktive, reiche und sehr persönliche &lt;br /&gt;
Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten &lt;br /&gt;
des Lebens. In einem typischen Kurs finden sich Menschen aus allen Lebenskreisen und &lt;br /&gt;
Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere, die Stress in der Arbeit, in ihrer &lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
oder Familie erleben, bei manchen treffen alle diese Punkte zusammen. Viele haben nie in &lt;br /&gt;
ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufmerksamkeit auf den Moment&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann, dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach und bewusst zu sein, in der Lage, wie &lt;br /&gt;
Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende &lt;br /&gt;
von Menschen an Kursen teilgenommen: in Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen, in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen geben. Eine Flut wissenschaftlicher &lt;br /&gt;
Untersuchungen hat während der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass MBSR und andere &lt;br /&gt;
achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet &lt;br /&gt;
der Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der größte Lehrer: Das Leben selbst&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen &lt;br /&gt;
drei „formelle“ Praktiken: einen Körper-Scan, achtsame Körperbewusstseinsübungen und &lt;br /&gt;
Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs Tagen &lt;br /&gt;
der Woche mindestens eine Stunde zu praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten &lt;br /&gt;
mit den Übungen verwendet. Doch es sind besonders die „informellen“ Übungen, während &lt;br /&gt;
derer die Teilnehmenden lernen, Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden &lt;br /&gt;
gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den ganzen Körper zu wandern, und darüber &lt;br /&gt;
hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich verrichten, und diese als Tätigkeit &lt;br /&gt;
achtsam zu praktizieren. Häufig wird das Zähneputzen gewählt. Andere Aktivitäten sind &lt;br /&gt;
beispielsweise das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. &lt;br /&gt;
Wenn sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie vor allem Schmerzliches, Dunkles und &lt;br /&gt;
Unangenehmes im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden &lt;br /&gt;
ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene zu blicken, &lt;br /&gt;
etwa wie mit einem Zoom ganz nah an die Details heranzufahren und dann wieder &lt;br /&gt;
„wegzuzoomen‘, bis der Blick einem Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende &lt;br /&gt;
Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: &lt;br /&gt;
Es ist nicht die Situation selbst, die Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich weiten oder sogar verengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (O.W. Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: &lt;br /&gt;
Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, &lt;br /&gt;
Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabei entwickelt &lt;br /&gt;
jeder Mensch ein Verständnis davon, das in seinem eigenen Leben wurzelt. Eine solche&lt;br /&gt;
Art des Lernens reicht tief und ermöglicht Veränderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen &lt;br /&gt;
sind. So wie die Momente meines Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:geboren in New York,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
:Pächagogin. Gründerin des&lt;br /&gt;
:Instituts für Achtsamkeit&lt;br /&gt;
:und Stressbewältigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 14 - 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi, &lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff, Monika Schramm, &lt;br /&gt;
:Karl Türke jun., Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
:www.tempora.org&lt;br /&gt;
:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout und Illustration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fotos&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saman Rahmanian S.14/15, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi S.8, 11, 12, 13, 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo S.26, 27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
restliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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:Bahá’í—Vertrieb&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint einmal jährlich.&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die&lt;br /&gt;
Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder. Für unverlangt &lt;br /&gt;
eingesandte Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion keine &lt;br /&gt;
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schriftlicher Genehmigung der Redaktion.&lt;br /&gt;
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Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH 2007 ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===FASTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;KEINE LEICHTE ÜBUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung stehen die Angebote von Fastenkuren, &lt;br /&gt;
Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon &lt;br /&gt;
probiert, die meisten waren davon angetan und wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr tun. Andere wiederum graust es bei der &lt;br /&gt;
Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zu essen kriegen und nur von Wasser, Luft und &lt;br /&gt;
Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer &lt;br /&gt;
Indikation. Damit werden Verdauungs- und Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt. Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente &lt;br /&gt;
sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* als Askese,&lt;br /&gt;
:* als Übung der Selbstverleugnung und Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
:* als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
:* als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
:* als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
:* als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
:* als Sühne und persönliches Opfer, etwa nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
:* zur Sammlung von Willenskräften, etwa um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu haben,&lt;br /&gt;
:* als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
:* als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
:* um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
:* um seinem Karma zu entgehen, in der Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
:* zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
:* um Naturkatastrophen abzuwehren, die als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
:* und auch ganz einfach als sittliches und gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie ein roter Faden, und all diese &lt;br /&gt;
Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, &lt;br /&gt;
sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch &lt;br /&gt;
zwischen dem Fasten als völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem Vermeiden bestimmter &lt;br /&gt;
Nahrungsmittel. Auf Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein oder ganz allgemein berauschender &lt;br /&gt;
Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahr folgt, wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen &lt;br /&gt;
Breitengraden liegenden islamischen Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich &lt;br /&gt;
bei 40 Grad Celsius der Nahrung und besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische &lt;br /&gt;
Kalender fünf Fastentage zum Gedenken an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter &lt;br /&gt;
geistiger Sensibilität zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen &lt;br /&gt;
wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden abgebaut. Man reagiert &lt;br /&gt;
bewusster. Man kann feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich nach etwa drei Tagen &lt;br /&gt;
verschwindet. Es folgt, wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die &lt;br /&gt;
schöne Zeit ohne äußeres Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit &lt;br /&gt;
an Magen und Körper. Der Geist „erhebt“ sich über die Materie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert &lt;br /&gt;
wird dagegen aus äußerem Zwang und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, ob es noch ohne geht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder hygienische und die zweite, nämlich die &lt;br /&gt;
vergeistigende, die geforderte Loslösung von der Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i-Fastenmonat &lt;br /&gt;
immer zur gleichen Jahreszeit, und zwar Anfang März bis zum Bahá’í-Neujahr am 21. März. &lt;br /&gt;
Dann herrscht überall auf der Welt eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind klimatische &lt;br /&gt;
Extreme in dieser Zeit nirgends zu befürchten. Der Hauptunterschied zwischen medizinischem &lt;br /&gt;
Fasten und Bahá’í-Fasten liegt in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwindet &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen das Hungergefühl. Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahá’í-Fasten dagegen tritt dieser Effekt nicht auf, denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und so knurrt einem der Magen während dieser ganzen 19 Tage. Hier ist unschwer zu &lt;br /&gt;
erkennen, dass es sich um eine gelstige Übung handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), &lt;br /&gt;
sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung in ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an das sich zu halten dem Gläubigen viel &lt;br /&gt;
leichter fällt. Voraussetzung dafür ist freilich die Anerkennung dieser höheren Autorität, &lt;br /&gt;
die Erkenntnis Gottes, denn vor uns selbst haben wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung der eigenen guten Vorsätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schielt eben nicht missmutig nach dem kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt &lt;br /&gt;
werden, nur dann ist sie glaubwürdig. Und sowird auch das Fasten, wenn es im Sinn&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Jede Stunde dieser Tage hast Du mit einer besonderen Wirkkraft ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir, Dessen Wissen alles Erschaffene umfaßt. Auch hast Du jede Seele an dieser Wirkkraft teilhaben lassen gemäß der Tafel Deines Ratschlusses und den Schriften Deines unwiderruflichen Urteils.“&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
:bei einer großen&lt;br /&gt;
:Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;WENN SELBST DIE EINFACHSTEN DINGE NICHT KLAPPEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen in Burkina Faso===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung. Die Transportkosten in eine größere Stadt mit Krankenhaus sind für viele zu hoch.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anti-Aging, Delfin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt immer noch Länder, in denen nicht einmal der Luxus erlaubt ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem der ärmsten Länder dieser Welt. Es rangiert laut einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern. Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze, die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner mit dem Thema „Gesundheit“ assoziieren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was die Burknabé tun für Ihre Gesundheit? Nichts, sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung, selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich die Leute nicht gesund. Gemüse wird in Afrika grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der Nahrungzu erhöhen. Sport machen nur wenige Leute bewusst; die meisten unfreiwilig in Form harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An den medizinischen Einrichtungen dürfte sich kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte könnten höchstens von Internationalen Geldgebern gesponsert werden. Und die Arztmisere ist groß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten schon unsere Geschenktüte gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für das &lt;br /&gt;
Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes sollte diesen Monat ein Kind &lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft es eines Morgens an unsere Türe: Soumaï&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; hatte vor &lt;br /&gt;
zwei Tagen ihr Kind geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert? Schließlich &lt;br /&gt;
befinden wir unsin Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, wo es die besten &lt;br /&gt;
Kliniken des Landes gibt. Früher sagte man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumaï immer noch in ihrem Dorf, dann hätte Ihr Mann sie &lt;br /&gt;
bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads in das nächste Dispensaire&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
gebracht. Und im schlechtesten Fall hätte sie ihr Baby allein im Busch bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht &lt;br /&gt;
wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen lieber das Risiko zu sterben als die Scham. &lt;br /&gt;
Bis heute bestehen manche der Fulbefrauen auf dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox! Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind — bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nur darauf wartend, dass ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fulbefrau beim Hirsestampfen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko, doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumaï ist doch so eine junge und gesunde Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen &lt;br /&gt;
ihr Kind bekommen hatte. Nach dem ersten Schock versammeln sich die in der Nähe &lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann, und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe. Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europäische &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man in &lt;br /&gt;
Burkina gar nicht Medizin studieren kann. Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine &lt;br /&gt;
Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir, was passiert ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie seien überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben Soumaï nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. &lt;br /&gt;
Die Reaktion der ebenfalls schockierten Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen. Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
Somit klagt niemand die Ärzte an - das Leben muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe aus Strohmatten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten ohne, mit und mit internationaler Versicherung. &lt;br /&gt;
Doch bei all meiner Bewunderung für ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumaï uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie ist &lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme und macht Scherze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Name geändart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Frz. Bezeichnung der einfachen Dorfkrankenäuser im frankophonen Afrika, die oft nur von einem Pfleger betreut werden, der Arzt kommt nur ein oder zwei Mal in der Woche vorbei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
:Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
:für den Deutschen&lt;br /&gt;
:Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
:in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Basisdaten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Einwohnerzahl: 13.228.000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/191&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Müttersterblichkeit: (auf 100 000 Lebendgeburten, 2000): 1000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003): 68 US-Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Krankenpfleger für 1000 Einwohner: 0,41&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quelle : Datenbank der WHO,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die weltweite Aldsepidemie 2006,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die menschliche Entwicklung UNDP&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aus dem Gleichgewicht geraten===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund &lt;br /&gt;
sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen &lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft &lt;br /&gt;
und unsere kulturellen Vorstellungen vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen. Die &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits 1997 die Fettleibigkeit als ein großes &lt;br /&gt;
Problem der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen &lt;br /&gt;
Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt als die Norm. Zur Bestimmung von Übergewicht &lt;br /&gt;
und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ursachen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige &lt;br /&gt;
biologische, psychische und soziokulturelle Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits &lt;br /&gt;
im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Übergewichtige Kinder leiden körperlich und seelisch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes mellitus, &lt;br /&gt;
orthopädische Beschwerden und Leberverfettung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind adipöse Kinder auch von psychosozialen &lt;br /&gt;
Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige beurteilen ein übergewichtiges Kind nur &lt;br /&gt;
aufgrund seiner Erscheinung als „faul, schmutzig, dumm und unattraktiv”. Adipöse Kinder &lt;br /&gt;
entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme &lt;br /&gt;
und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, &lt;br /&gt;
so scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen &lt;br /&gt;
zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kostenlawine rollt&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können. In der Schweiz werden bis zum heutigen &lt;br /&gt;
Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die Folgeerscheinungen werden von der jewelligen &lt;br /&gt;
Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verantwortung der Gesellschaft&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. &lt;br /&gt;
Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Konsum &lt;br /&gt;
dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern; zu &lt;br /&gt;
fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie und ihr Einfluss auf die Kinder wurden &lt;br /&gt;
untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt die einschlägige Industrie jährlich &lt;br /&gt;
10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind &lt;br /&gt;
an Schulen Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und hochkalorischen Snacks zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichgewicht des Körpers&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund eines Nahrungsüberangebots aus dem &lt;br /&gt;
Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle spielt der zunehmende Bewegungsmangel &lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig &lt;br /&gt;
dicker, nicht nur infolge eingeschränkter Bewegung, sondern auch infolge exzessiv &lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweieinhalb &lt;br /&gt;
Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich etwa &lt;br /&gt;
eineinhalb Stunden. Noch höher sind die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Therapieangebote&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können &lt;br /&gt;
Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf einer engen Zusammenarbeit mit &lt;br /&gt;
Experten, beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die Verbraucher vermehrt Gedanken über den &lt;br /&gt;
Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über &lt;br /&gt;
ihr tatsächliches Essverhalten. Denn der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht zeigt es &lt;br /&gt;
klar: Beim Essverhalten besteht ein großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt wird und &lt;br /&gt;
einen hohen Anteil an Früchten und Gemüse aufweist. Functional Food kann eine bewusste &lt;br /&gt;
Ernährung im besten Fall sinnvoll ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann auch mit &lt;br /&gt;
einem erhöhten Konsum solcher Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können &lt;br /&gt;
damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Die Erziehung und Ausbildung der Kinder gehört zu den verdienstvollsten Taten der Menschheit. Sie zieht die Gnade und den Segen des Allbarmherzigen auf sich; denn Erziehung ist die unentbehrliche Grundlage jeder herausragenden menschlichen Leistung und erlaubt dem Menschen, sich seinen Weg zu den Höhen immerwährender Herrlichkeit zu bahnen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;Abdu&#039;l-Bahá&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
:am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
:in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
:Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DURCH GEZIELTE ERNÄHRUNG KRANKHEITEN HEILEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die &lt;br /&gt;
ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie im Körper wiederherstellen? Die &lt;br /&gt;
ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, &lt;br /&gt;
mit den Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind in ihren Grundzügen &lt;br /&gt;
Jahrtausende alt, wurden jedoch zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder aufgegriffen &lt;br /&gt;
und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat, war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare Organtheorie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit der Leber als Mittelpunkt, die durch den &lt;br /&gt;
Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen selbstständigen Kreislauf bilden &lt;br /&gt;
und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und koordinieren. Zuvor sollen &lt;br /&gt;
aber das Wesen des angeborenen Wissens und die fundamentale Frage über die &lt;br /&gt;
Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage nach der &lt;br /&gt;
Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist, wenn auch verborgen. Das Wesen &lt;br /&gt;
der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden, dass alles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}&lt;br /&gt;
ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten &lt;br /&gt;
geschaffen, die als „das Gesetz“ (das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar wird und alles Leben ständig Verwandlung &lt;br /&gt;
und Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt. Damit entspricht die Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge &lt;br /&gt;
dessen ist die Gesundheit ebenfalls den Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen, Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich &lt;br /&gt;
betrachtet scheint es, als ob alles in der Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird das Prinzip von Aktion und Reaktion als &lt;br /&gt;
Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet, dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird &lt;br /&gt;
die absolute Weisheit des Schöpfers und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung &lt;br /&gt;
und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit. Das alles setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes und das führt meist zur Missachtung der &lt;br /&gt;
Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im &lt;br /&gt;
gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie bringen die Abläufe im Mikro- und &lt;br /&gt;
Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen Beziehungen und Abläufe im Leben &lt;br /&gt;
und die Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der &lt;br /&gt;
Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen eng miteinander verbunden, so wie die &lt;br /&gt;
Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen &lt;br /&gt;
und gewährleistet den Informationsfluss und die Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein lebendiger Organismus ist und dementsprechend &lt;br /&gt;
funktioniert. In der Atmosphäre kreisen ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren, um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden. Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, &lt;br /&gt;
der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze, Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes Element hat ein unveränderbares Wesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers ist heiß und das des Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues &lt;br /&gt;
Temperament, das nie einzeln in der Natur vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm &lt;br /&gt;
oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. &lt;br /&gt;
Folglich muss in der Schöpfung auch ein echtes (absolutes), unerreichbares Temperament &lt;br /&gt;
existieren. Ein Temperament, das dem „echten“ am nächsten steht, ist am ehesten im &lt;br /&gt;
Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am &lt;br /&gt;
nächsten. Daher wurde er als Krone der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen &lt;br /&gt;
mit spezifischen Säften. Diese enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteilig aus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von &lt;br /&gt;
Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf, die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei Hauptorgane oder -systeme, die zusammen mit der &lt;br /&gt;
Seele, dem Blut und dem Skelett einen funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen ist folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger &lt;br /&gt;
Zeit den Magen und landet im Darm. Hier wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament &lt;br /&gt;
unserer Nahrung zusammengesetzt ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält mehr oder weniger die Vorstufen aller &lt;br /&gt;
Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die Dünndarmwand, durchlaufen die &lt;br /&gt;
Pfortader und erreichen die Leber. In der Leber werden sie durch deren Wärmeeinwirkung &lt;br /&gt;
in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}&lt;br /&gt;
Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang in der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen: Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Haut,&lt;br /&gt;
:* sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
:* Bodensatz,&lt;br /&gt;
:* die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(Schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan in diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische &lt;br /&gt;
Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, &lt;br /&gt;
der die entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe weiterleitet und so alles in &lt;br /&gt;
Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. So erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz (Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, in einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen &lt;br /&gt;
Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird &lt;br /&gt;
(Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich simplen &lt;br /&gt;
Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach &lt;br /&gt;
sich zieht. Aus diesem langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und Urinschau typisiert und zum Beispiel nach &lt;br /&gt;
ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen gewünschten Temperament und Gleichgewicht &lt;br /&gt;
zurückkehren und echte Gesundheit erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben genannten Prinzipien hilft dem Körper im &lt;br /&gt;
Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt &lt;br /&gt;
stellen, werden bei dieser Betrachtung der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“ Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
:ist praktizierender&lt;br /&gt;
:Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hauptsache gesund?===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Menschenbild eines Gläubigen relativiert das Streben nach Gesundheit. Wie kann man herausfinden, was einem Menschen besonders wichtig ist?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus, an &lt;br /&gt;
dessen Ende, wenn überhaupt, eine mehr oder weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint es da zu sein, Standarddialoge in einer &lt;br /&gt;
Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: &lt;br /&gt;
„Ich wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das ist das Allerwichtigste. Was wären wir ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung &lt;br /&gt;
jederzeit reproduzieren lässt und immer wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen davon überzeugt sind, Gesundheit sei das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick, in dem es gesagt wird, sind auch alle &lt;br /&gt;
Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man ist gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hält diese Meinung einer Überprüfung stand? Das kann man am ehesten herausfinden, &lt;br /&gt;
indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen dementsprechend verhalten oder bestimmte &lt;br /&gt;
Verhaltensweisen als Fehler erkennen und korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren Beruf schaden sie ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank, um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes ist die Frage erlaubt, ob Gesundheit wirklich das Größte ist. Und&lt;br /&gt;
was ist mit denen, die sich unter Einsatz ihres Lebens für eine gute oder gerechte Sache &lt;br /&gt;
einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer Standardsituation als Grundlage für die &lt;br /&gt;
Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes &lt;br /&gt;
Glied oder so etwas wie ein kleinster gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der &lt;br /&gt;
alle anderen entspringen: Was ist der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man ihn, was ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bahá’í überall auf der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und &lt;br /&gt;
anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
:1. Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
:2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahá’í in bester Gesellschaft. Der heilige Ignatius von Loyola, der &lt;br /&gt;
Gründer des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch &lt;br /&gt;
ist erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Bahá’í auf die Frage nach dem Menschsein: Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich alle anderen Sätze ab, auch die über den &lt;br /&gt;
Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius nachzuschlagen, denn bereits er zieht &lt;br /&gt;
weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz: „Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt, dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür &lt;br /&gt;
hindern.“ Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles, auch den Stellenwert der Gesundheit. &lt;br /&gt;
Um das zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib, Geist und Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib, Seele und Geist &lt;br /&gt;
bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen gemeinsam ist, dass sie &lt;br /&gt;
der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. &lt;br /&gt;
Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt. Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und ist - folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich &lt;br /&gt;
nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen, sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen oder auch nicht. Wir können Umwege und &lt;br /&gt;
Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Bahá’í-Glauben diesen Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es - dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so wie Gott unbegreiflich ist. Was weiß ein &lt;br /&gt;
Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}&lt;br /&gt;
Seele lebt ewig und befindet sich auf einer endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt. In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte &lt;br /&gt;
sie auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung, Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich im menschlichen Geist und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen &lt;br /&gt;
und intellektuellen Seiten des Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der Geist braucht &lt;br /&gt;
Verstand und der Verstand ein Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen, Gelenke, Blut, Herz, &lt;br /&gt;
kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten Emotionen wie Liebe &lt;br /&gt;
und Geborgenheit durch den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, &lt;br /&gt;
einen Kuss? Um sich wirklich ausdrücken zu können, um weiter zu kommen auf dem Weg zu ihrer &lt;br /&gt;
Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so haben wir gesehen, die Raum-Zeit-Komponente, &lt;br /&gt;
in der ein Mensch sich entfalten und entwickeln kann. Ist der Körper nun das Instrument, &lt;br /&gt;
auf dem Geist und Seele die Melodie des Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument &lt;br /&gt;
kann ein Musiker wirklich spielen. Stimmen bedeutet ins Gleichgewicht kommen. Alle &lt;br /&gt;
Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander passen, ineinander &lt;br /&gt;
greifen und miteinander harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit &lt;br /&gt;
sein? Sich Im Gleichgewicht zu befinden. Und Krankheit wäre dann, das Gleichgewicht &lt;br /&gt;
verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch und gerade, weil Krankheiten unausweichliche &lt;br /&gt;
Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine &lt;br /&gt;
Hilfestellung zu geben, sich im Leben wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass die Seele nach dem Verständnis der Bahá’í &lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, so trifft das die Seele nicht. &lt;br /&gt;
Sie geht jenseits von Krankheit und Behinderung ihren Weg, sie selbst kann nicht krank &lt;br /&gt;
werden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher und geistiger Harmonie. Das macht das Streben &lt;br /&gt;
nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite ist sie nicht abhängig davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen und gleichzeitig nicht an ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. &lt;br /&gt;
Ich bezeuge in diesem Augenblick meine Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut und Deinen &lt;br /&gt;
Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ &lt;br /&gt;
(Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
:Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-02T16:14:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativiert das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ACHTSAMKEIT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. &lt;br /&gt;
Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ &lt;br /&gt;
(Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR) kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosine reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist eine aktive, reiche und sehr persönliche &lt;br /&gt;
Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten &lt;br /&gt;
des Lebens. In einem typischen Kurs finden sich Menschen aus allen Lebenskreisen und &lt;br /&gt;
Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere, die Stress in der Arbeit, in ihrer &lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
oder Familie erleben, bei manchen treffen alle diese Punkte zusammen. Viele haben nie in &lt;br /&gt;
ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufmerksamkeit auf den Moment&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann, dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach und bewusst zu sein, in der Lage, wie &lt;br /&gt;
Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende &lt;br /&gt;
von Menschen an Kursen teilgenommen: in Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen, in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen geben. Eine Flut wissenschaftlicher &lt;br /&gt;
Untersuchungen hat während der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass MBSR und andere &lt;br /&gt;
achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet &lt;br /&gt;
der Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der größte Lehrer: Das Leben selbst&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen &lt;br /&gt;
drei „formelle“ Praktiken: einen Körper-Scan, achtsame Körperbewusstseinsübungen und &lt;br /&gt;
Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs Tagen &lt;br /&gt;
der Woche mindestens eine Stunde zu praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten &lt;br /&gt;
mit den Übungen verwendet. Doch es sind besonders die „informellen“ Übungen, während &lt;br /&gt;
derer die Teilnehmenden lernen, Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden &lt;br /&gt;
gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den ganzen Körper zu wandern, und darüber &lt;br /&gt;
hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich verrichten, und diese als Tätigkeit &lt;br /&gt;
achtsam zu praktizieren. Häufig wird das Zähneputzen gewählt. Andere Aktivitäten sind &lt;br /&gt;
beispielsweise das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. &lt;br /&gt;
Wenn sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie vor allem Schmerzliches, Dunkles und &lt;br /&gt;
Unangenehmes im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden &lt;br /&gt;
ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene zu blicken, &lt;br /&gt;
etwa wie mit einem Zoom ganz nah an die Details heranzufahren und dann wieder &lt;br /&gt;
„wegzuzoomen‘, bis der Blick einem Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende &lt;br /&gt;
Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: &lt;br /&gt;
Es ist nicht die Situation selbst, die Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich weiten oder sogar verengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (O.W. Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: &lt;br /&gt;
Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, &lt;br /&gt;
Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabei entwickelt &lt;br /&gt;
jeder Mensch ein Verständnis davon, das in seinem eigenen Leben wurzelt. Eine solche&lt;br /&gt;
Art des Lernens reicht tief und ermöglicht Veränderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen &lt;br /&gt;
sind. So wie die Momente meines Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:geboren in New York,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
:Pächagogin. Gründerin des&lt;br /&gt;
:Instituts für Achtsamkeit&lt;br /&gt;
:und Stressbewältigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 14 - 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi, &lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff, Monika Schramm, &lt;br /&gt;
:Karl Türke jun., Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
:www.tempora.org&lt;br /&gt;
:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout und Illustration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fotos&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saman Rahmanian S.14/15, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi S.8, 11, 12, 13, 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo S.26, 27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
restliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
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:Bahá’í—Vertrieb&lt;br /&gt;
:Benzweg 4&lt;br /&gt;
:D-64293 Darmstadt&lt;br /&gt;
:Tel.: 061 92 / 2 29 21&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint einmal jährlich.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH 2007 ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===FASTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;KEINE LEICHTE ÜBUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung stehen die Angebote von Fastenkuren, &lt;br /&gt;
Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon &lt;br /&gt;
probiert, die meisten waren davon angetan und wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr tun. Andere wiederum graust es bei der &lt;br /&gt;
Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zu essen kriegen und nur von Wasser, Luft und &lt;br /&gt;
Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer &lt;br /&gt;
Indikation. Damit werden Verdauungs- und Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt. Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente &lt;br /&gt;
sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* als Askese,&lt;br /&gt;
:* als Übung der Selbstverleugnung und Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
:* als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
:* als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
:* als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
:* als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
:* als Sühne und persönliches Opfer, etwa nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
:* zur Sammlung von Willenskräften, etwa um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu haben,&lt;br /&gt;
:* als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
:* als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
:* um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
:* um seinem Karma zu entgehen, in der Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
:* zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
:* um Naturkatastrophen abzuwehren, die als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
:* und auch ganz einfach als sittliches und gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie ein roter Faden, und all diese &lt;br /&gt;
Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, &lt;br /&gt;
sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch &lt;br /&gt;
zwischen dem Fasten als völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem Vermeiden bestimmter &lt;br /&gt;
Nahrungsmittel. Auf Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein oder ganz allgemein berauschender &lt;br /&gt;
Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahr folgt, wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen &lt;br /&gt;
Breitengraden liegenden islamischen Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich &lt;br /&gt;
bei 40 Grad Celsius der Nahrung und besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische &lt;br /&gt;
Kalender fünf Fastentage zum Gedenken an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter &lt;br /&gt;
geistiger Sensibilität zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen &lt;br /&gt;
wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden abgebaut. Man reagiert &lt;br /&gt;
bewusster. Man kann feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich nach etwa drei Tagen &lt;br /&gt;
verschwindet. Es folgt, wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die &lt;br /&gt;
schöne Zeit ohne äußeres Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit &lt;br /&gt;
an Magen und Körper. Der Geist „erhebt“ sich über die Materie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert &lt;br /&gt;
wird dagegen aus äußerem Zwang und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, ob es noch ohne geht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder hygienische und die zweite, nämlich die &lt;br /&gt;
vergeistigende, die geforderte Loslösung von der Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i-Fastenmonat &lt;br /&gt;
immer zur gleichen Jahreszeit, und zwar Anfang März bis zum Bahá’í-Neujahr am 21. März. &lt;br /&gt;
Dann herrscht überall auf der Welt eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind klimatische &lt;br /&gt;
Extreme in dieser Zeit nirgends zu befürchten. Der Hauptunterschied zwischen medizinischem &lt;br /&gt;
Fasten und Bahá’í-Fasten liegt in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwindet &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen das Hungergefühl. Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahá’í-Fasten dagegen tritt dieser Effekt nicht auf, denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und so knurrt einem der Magen während dieser ganzen 19 Tage. Hier ist unschwer zu &lt;br /&gt;
erkennen, dass es sich um eine gelstige Übung handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), &lt;br /&gt;
sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung in ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an das sich zu halten dem Gläubigen viel &lt;br /&gt;
leichter fällt. Voraussetzung dafür ist freilich die Anerkennung dieser höheren Autorität, &lt;br /&gt;
die Erkenntnis Gottes, denn vor uns selbst haben wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung der eigenen guten Vorsätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schielt eben nicht missmutig nach dem kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt &lt;br /&gt;
werden, nur dann ist sie glaubwürdig. Und sowird auch das Fasten, wenn es im Sinn&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Jede Stunde dieser Tage hast Du mit einer besonderen Wirkkraft ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir, Dessen Wissen alles Erschaffene umfaßt. Auch hast Du jede Seele an dieser Wirkkraft teilhaben lassen gemäß der Tafel Deines Ratschlusses und den Schriften Deines unwiderruflichen Urteils.“&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
:bei einer großen&lt;br /&gt;
:Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;WENN SELBST DIE EINFACHSTEN DINGE NICHT KLAPPEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen in Burkina Faso===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung. Die Transportkosten in eine größere Stadt mit Krankenhaus sind für viele zu hoch.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anti-Aging, Delfin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt immer noch Länder, in denen nicht einmal der Luxus erlaubt ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem der ärmsten Länder dieser Welt. Es rangiert laut einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern. Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze, die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner mit dem Thema „Gesundheit“ assoziieren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was die Burknabé tun für Ihre Gesundheit? Nichts, sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung, selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich die Leute nicht gesund. Gemüse wird in Afrika grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der Nahrungzu erhöhen. Sport machen nur wenige Leute bewusst; die meisten unfreiwilig in Form harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An den medizinischen Einrichtungen dürfte sich kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte könnten höchstens von Internationalen Geldgebern gesponsert werden. Und die Arztmisere ist groß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten schon unsere Geschenktüte gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für das &lt;br /&gt;
Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes sollte diesen Monat ein Kind &lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft es eines Morgens an unsere Türe: Soumaï&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; hatte vor &lt;br /&gt;
zwei Tagen ihr Kind geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert? Schließlich &lt;br /&gt;
befinden wir unsin Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, wo es die besten &lt;br /&gt;
Kliniken des Landes gibt. Früher sagte man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumaï immer noch in ihrem Dorf, dann hätte Ihr Mann sie &lt;br /&gt;
bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads in das nächste Dispensaire&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
gebracht. Und im schlechtesten Fall hätte sie ihr Baby allein im Busch bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht &lt;br /&gt;
wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen lieber das Risiko zu sterben als die Scham. &lt;br /&gt;
Bis heute bestehen manche der Fulbefrauen auf dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox! Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind — bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nur darauf wartend, dass ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fulbefrau beim Hirsestampfen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko, doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumaï ist doch so eine junge und gesunde Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen &lt;br /&gt;
ihr Kind bekommen hatte. Nach dem ersten Schock versammeln sich die in der Nähe &lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann, und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe. Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europäische &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man in &lt;br /&gt;
Burkina gar nicht Medizin studieren kann. Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine &lt;br /&gt;
Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir, was passiert ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie seien überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben Soumaï nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. &lt;br /&gt;
Die Reaktion der ebenfalls schockierten Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen. Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
Somit klagt niemand die Ärzte an - das Leben muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe aus Strohmatten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten ohne, mit und mit internationaler Versicherung. &lt;br /&gt;
Doch bei all meiner Bewunderung für ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumaï uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie ist &lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme und macht Scherze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Name geändart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Frz. Bezeichnung der einfachen Dorfkrankenäuser im frankophonen Afrika, die oft nur von einem Pfleger betreut werden, der Arzt kommt nur ein oder zwei Mal in der Woche vorbei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
:Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
:für den Deutschen&lt;br /&gt;
:Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
:in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Basisdaten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Einwohnerzahl: 13.228.000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/191&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Müttersterblichkeit: (auf 100 000 Lebendgeburten, 2000): 1000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003): 68 US-Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Krankenpfleger für 1000 Einwohner: 0,41&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quelle : Datenbank der WHO,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die weltweite Aldsepidemie 2006,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die menschliche Entwicklung UNDP&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aus dem Gleichgewicht geraten===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund &lt;br /&gt;
sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen &lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft &lt;br /&gt;
und unsere kulturellen Vorstellungen vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen. Die &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits 1997 die Fettleibigkeit als ein großes &lt;br /&gt;
Problem der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen &lt;br /&gt;
Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt als die Norm. Zur Bestimmung von Übergewicht &lt;br /&gt;
und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ursachen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige &lt;br /&gt;
biologische, psychische und soziokulturelle Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits &lt;br /&gt;
im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Übergewichtige Kinder leiden körperlich und seelisch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes mellitus, &lt;br /&gt;
orthopädische Beschwerden und Leberverfettung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind adipöse Kinder auch von psychosozialen &lt;br /&gt;
Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige beurteilen ein übergewichtiges Kind nur &lt;br /&gt;
aufgrund seiner Erscheinung als „faul, schmutzig, dumm und unattraktiv”. Adipöse Kinder &lt;br /&gt;
entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme &lt;br /&gt;
und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, &lt;br /&gt;
so scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen &lt;br /&gt;
zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kostenlawine rollt&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können. In der Schweiz werden bis zum heutigen &lt;br /&gt;
Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die Folgeerscheinungen werden von der jewelligen &lt;br /&gt;
Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verantwortung der Gesellschaft&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. &lt;br /&gt;
Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Konsum &lt;br /&gt;
dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern; zu &lt;br /&gt;
fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie und ihr Einfluss auf die Kinder wurden &lt;br /&gt;
untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt die einschlägige Industrie jährlich &lt;br /&gt;
10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind &lt;br /&gt;
an Schulen Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und hochkalorischen Snacks zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichgewicht des Körpers&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund eines Nahrungsüberangebots aus dem &lt;br /&gt;
Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle spielt der zunehmende Bewegungsmangel &lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig &lt;br /&gt;
dicker, nicht nur infolge eingeschränkter Bewegung, sondern auch infolge exzessiv &lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweieinhalb &lt;br /&gt;
Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich etwa &lt;br /&gt;
eineinhalb Stunden. Noch höher sind die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Therapieangebote&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können &lt;br /&gt;
Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf einer engen Zusammenarbeit mit &lt;br /&gt;
Experten, beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die Verbraucher vermehrt Gedanken über den &lt;br /&gt;
Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über &lt;br /&gt;
ihr tatsächliches Essverhalten. Denn der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht zeigt es &lt;br /&gt;
klar: Beim Essverhalten besteht ein großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt wird und &lt;br /&gt;
einen hohen Anteil an Früchten und Gemüse aufweist. Functional Food kann eine bewusste &lt;br /&gt;
Ernährung im besten Fall sinnvoll ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann auch mit &lt;br /&gt;
einem erhöhten Konsum solcher Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können &lt;br /&gt;
damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Die Erziehung und Ausbildung der Kinder gehört zu den verdienstvollsten Taten der Menschheit. Sie zieht die Gnade und den Segen des Allbarmherzigen auf sich; denn Erziehung ist die unentbehrliche Grundlage jeder herausragenden menschlichen Leistung und erlaubt dem Menschen, sich seinen Weg zu den Höhen immerwährender Herrlichkeit zu bahnen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;Abdu&#039;l-Bahá&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
:am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
:in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
:Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DURCH GEZIELTE ERNÄHRUNG KRANKHEITEN HEILEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die &lt;br /&gt;
ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie im Körper wiederherstellen? Die &lt;br /&gt;
ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, &lt;br /&gt;
mit den Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind in ihren Grundzügen &lt;br /&gt;
Jahrtausende alt, wurden jedoch zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder aufgegriffen &lt;br /&gt;
und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat, war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare Organtheorie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit der Leber als Mittelpunkt, die durch den &lt;br /&gt;
Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen selbstständigen Kreislauf bilden &lt;br /&gt;
und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und koordinieren. Zuvor sollen &lt;br /&gt;
aber das Wesen des angeborenen Wissens und die fundamentale Frage über die &lt;br /&gt;
Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage nach der &lt;br /&gt;
Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist, wenn auch verborgen. Das Wesen &lt;br /&gt;
der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden, dass alles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}&lt;br /&gt;
ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten &lt;br /&gt;
geschaffen, die als „das Gesetz“ (das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar wird und alles Leben ständig Verwandlung &lt;br /&gt;
und Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt. Damit entspricht die Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge &lt;br /&gt;
dessen ist die Gesundheit ebenfalls den Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen, Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich &lt;br /&gt;
betrachtet scheint es, als ob alles in der Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird das Prinzip von Aktion und Reaktion als &lt;br /&gt;
Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet, dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird &lt;br /&gt;
die absolute Weisheit des Schöpfers und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung &lt;br /&gt;
und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit. Das alles setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes und das führt meist zur Missachtung der &lt;br /&gt;
Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im &lt;br /&gt;
gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie bringen die Abläufe im Mikro- und &lt;br /&gt;
Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen Beziehungen und Abläufe im Leben &lt;br /&gt;
und die Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der &lt;br /&gt;
Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen eng miteinander verbunden, so wie die &lt;br /&gt;
Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen &lt;br /&gt;
und gewährleistet den Informationsfluss und die Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein lebendiger Organismus ist und dementsprechend &lt;br /&gt;
funktioniert. In der Atmosphäre kreisen ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren, um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden. Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, &lt;br /&gt;
der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze, Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes Element hat ein unveränderbares Wesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers ist heiß und das des Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues &lt;br /&gt;
Temperament, das nie einzeln in der Natur vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm &lt;br /&gt;
oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. &lt;br /&gt;
Folglich muss in der Schöpfung auch ein echtes (absolutes), unerreichbares Temperament &lt;br /&gt;
existieren. Ein Temperament, das dem „echten“ am nächsten steht, ist am ehesten im &lt;br /&gt;
Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am &lt;br /&gt;
nächsten. Daher wurde er als Krone der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen &lt;br /&gt;
mit spezifischen Säften. Diese enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteilig aus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von &lt;br /&gt;
Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf, die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei Hauptorgane oder -systeme, die zusammen mit der &lt;br /&gt;
Seele, dem Blut und dem Skelett einen funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen ist folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger &lt;br /&gt;
Zeit den Magen und landet im Darm. Hier wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament &lt;br /&gt;
unserer Nahrung zusammengesetzt ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält mehr oder weniger die Vorstufen aller &lt;br /&gt;
Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die Dünndarmwand, durchlaufen die &lt;br /&gt;
Pfortader und erreichen die Leber. In der Leber werden sie durch deren Wärmeeinwirkung &lt;br /&gt;
in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}&lt;br /&gt;
Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang in der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen: Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Haut,&lt;br /&gt;
:* sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
:* Bodensatz,&lt;br /&gt;
:* die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(Schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan in diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische &lt;br /&gt;
Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, &lt;br /&gt;
der die entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe weiterleitet und so alles in &lt;br /&gt;
Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. So erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz (Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, in einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen &lt;br /&gt;
Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird &lt;br /&gt;
(Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich simplen &lt;br /&gt;
Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach &lt;br /&gt;
sich zieht. Aus diesem langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und Urinschau typisiert und zum Beispiel nach &lt;br /&gt;
ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen gewünschten Temperament und Gleichgewicht &lt;br /&gt;
zurückkehren und echte Gesundheit erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben genannten Prinzipien hilft dem Körper im &lt;br /&gt;
Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt &lt;br /&gt;
stellen, werden bei dieser Betrachtung der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“ Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
:ist praktizierender&lt;br /&gt;
:Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hauptsache gesund?===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Menschenbild eines Gläubigen relativiert das Streben nach Gesundheit. Wie kann man herausfinden, was einem Menschen besonders wichtig ist?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus, an &lt;br /&gt;
dessen Ende, wenn überhaupt, eine mehr oder weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint es da zu sein, Standarddialoge in einer &lt;br /&gt;
Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: &lt;br /&gt;
„Ich wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das ist das Allerwichtigste. Was wären wir ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung &lt;br /&gt;
jederzeit reproduzieren lässt und immer wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen davon überzeugt sind, Gesundheit sei das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick, in dem es gesagt wird, sind auch alle &lt;br /&gt;
Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man ist gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hält diese Meinung einer Überprüfung stand? Das kann man am ehesten herausfinden, &lt;br /&gt;
indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen dementsprechend verhalten oder bestimmte &lt;br /&gt;
Verhaltensweisen als Fehler erkennen und korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren Beruf schaden sie ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank, um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes ist die Frage erlaubt, ob Gesundheit wirklich das Größte ist. Und&lt;br /&gt;
was ist mit denen, die sich unter Einsatz ihres Lebens für eine gute oder gerechte Sache &lt;br /&gt;
einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer Standardsituation als Grundlage für die &lt;br /&gt;
Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes &lt;br /&gt;
Glied oder so etwas wie ein kleinster gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der &lt;br /&gt;
alle anderen entspringen: Was ist der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man ihn, was ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bahá’í überall auf der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und &lt;br /&gt;
anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
:1. Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
:2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahá’í in bester Gesellschaft. Der heilige Ignatius von Loyola, der &lt;br /&gt;
Gründer des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch &lt;br /&gt;
ist erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Bahá’í auf die Frage nach dem Menschsein: Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich alle anderen Sätze ab, auch die über den &lt;br /&gt;
Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius nachzuschlagen, denn bereits er zieht &lt;br /&gt;
weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz: „Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt, dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür &lt;br /&gt;
hindern.“ Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles, auch den Stellenwert der Gesundheit. &lt;br /&gt;
Um das zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib, Geist und Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib, Seele und Geist &lt;br /&gt;
bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen gemeinsam ist, dass sie &lt;br /&gt;
der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_14/Text&amp;diff=77499</id>
		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-02T16:13:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativiert das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ACHTSAMKEIT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. &lt;br /&gt;
Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ &lt;br /&gt;
(Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR) kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosine reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist eine aktive, reiche und sehr persönliche &lt;br /&gt;
Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten &lt;br /&gt;
des Lebens. In einem typischen Kurs finden sich Menschen aus allen Lebenskreisen und &lt;br /&gt;
Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere, die Stress in der Arbeit, in ihrer &lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
oder Familie erleben, bei manchen treffen alle diese Punkte zusammen. Viele haben nie in &lt;br /&gt;
ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufmerksamkeit auf den Moment&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann, dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach und bewusst zu sein, in der Lage, wie &lt;br /&gt;
Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende &lt;br /&gt;
von Menschen an Kursen teilgenommen: in Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen, in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen geben. Eine Flut wissenschaftlicher &lt;br /&gt;
Untersuchungen hat während der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass MBSR und andere &lt;br /&gt;
achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet &lt;br /&gt;
der Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der größte Lehrer: Das Leben selbst&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen &lt;br /&gt;
drei „formelle“ Praktiken: einen Körper-Scan, achtsame Körperbewusstseinsübungen und &lt;br /&gt;
Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs Tagen &lt;br /&gt;
der Woche mindestens eine Stunde zu praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten &lt;br /&gt;
mit den Übungen verwendet. Doch es sind besonders die „informellen“ Übungen, während &lt;br /&gt;
derer die Teilnehmenden lernen, Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden &lt;br /&gt;
gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den ganzen Körper zu wandern, und darüber &lt;br /&gt;
hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich verrichten, und diese als Tätigkeit &lt;br /&gt;
achtsam zu praktizieren. Häufig wird das Zähneputzen gewählt. Andere Aktivitäten sind &lt;br /&gt;
beispielsweise das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. &lt;br /&gt;
Wenn sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie vor allem Schmerzliches, Dunkles und &lt;br /&gt;
Unangenehmes im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden &lt;br /&gt;
ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene zu blicken, &lt;br /&gt;
etwa wie mit einem Zoom ganz nah an die Details heranzufahren und dann wieder &lt;br /&gt;
„wegzuzoomen‘, bis der Blick einem Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende &lt;br /&gt;
Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: &lt;br /&gt;
Es ist nicht die Situation selbst, die Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich weiten oder sogar verengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (O.W. Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: &lt;br /&gt;
Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, &lt;br /&gt;
Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabei entwickelt &lt;br /&gt;
jeder Mensch ein Verständnis davon, das in seinem eigenen Leben wurzelt. Eine solche&lt;br /&gt;
Art des Lernens reicht tief und ermöglicht Veränderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen &lt;br /&gt;
sind. So wie die Momente meines Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:geboren in New York,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
:Pächagogin. Gründerin des&lt;br /&gt;
:Instituts für Achtsamkeit&lt;br /&gt;
:und Stressbewältigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 14 - 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi, &lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff, Monika Schramm, &lt;br /&gt;
:Karl Türke jun., Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
:www.tempora.org&lt;br /&gt;
:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout und Illustration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fotos&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saman Rahmanian S.14/15, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi S.8, 11, 12, 13, 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo S.26, 27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
restliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung stehen die Angebote von Fastenkuren, &lt;br /&gt;
Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon &lt;br /&gt;
probiert, die meisten waren davon angetan und wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr tun. Andere wiederum graust es bei der &lt;br /&gt;
Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zu essen kriegen und nur von Wasser, Luft und &lt;br /&gt;
Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer &lt;br /&gt;
Indikation. Damit werden Verdauungs- und Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt. Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente &lt;br /&gt;
sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* als Askese,&lt;br /&gt;
:* als Übung der Selbstverleugnung und Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
:* als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
:* als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
:* als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
:* als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
:* als Sühne und persönliches Opfer, etwa nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
:* zur Sammlung von Willenskräften, etwa um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu haben,&lt;br /&gt;
:* als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
:* als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
:* um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
:* um seinem Karma zu entgehen, in der Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
:* zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
:* um Naturkatastrophen abzuwehren, die als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
:* und auch ganz einfach als sittliches und gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie ein roter Faden, und all diese &lt;br /&gt;
Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, &lt;br /&gt;
sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch &lt;br /&gt;
zwischen dem Fasten als völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem Vermeiden bestimmter &lt;br /&gt;
Nahrungsmittel. Auf Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein oder ganz allgemein berauschender &lt;br /&gt;
Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahr folgt, wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen &lt;br /&gt;
Breitengraden liegenden islamischen Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich &lt;br /&gt;
bei 40 Grad Celsius der Nahrung und besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische &lt;br /&gt;
Kalender fünf Fastentage zum Gedenken an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter &lt;br /&gt;
geistiger Sensibilität zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen &lt;br /&gt;
wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden abgebaut. Man reagiert &lt;br /&gt;
bewusster. Man kann feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich nach etwa drei Tagen &lt;br /&gt;
verschwindet. Es folgt, wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die &lt;br /&gt;
schöne Zeit ohne äußeres Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit &lt;br /&gt;
an Magen und Körper. Der Geist „erhebt“ sich über die Materie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert &lt;br /&gt;
wird dagegen aus äußerem Zwang und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, ob es noch ohne geht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder hygienische und die zweite, nämlich die &lt;br /&gt;
vergeistigende, die geforderte Loslösung von der Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i-Fastenmonat &lt;br /&gt;
immer zur gleichen Jahreszeit, und zwar Anfang März bis zum Bahá’í-Neujahr am 21. März. &lt;br /&gt;
Dann herrscht überall auf der Welt eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind klimatische &lt;br /&gt;
Extreme in dieser Zeit nirgends zu befürchten. Der Hauptunterschied zwischen medizinischem &lt;br /&gt;
Fasten und Bahá’í-Fasten liegt in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwindet &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen das Hungergefühl. Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahá’í-Fasten dagegen tritt dieser Effekt nicht auf, denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und so knurrt einem der Magen während dieser ganzen 19 Tage. Hier ist unschwer zu &lt;br /&gt;
erkennen, dass es sich um eine gelstige Übung handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), &lt;br /&gt;
sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung in ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an das sich zu halten dem Gläubigen viel &lt;br /&gt;
leichter fällt. Voraussetzung dafür ist freilich die Anerkennung dieser höheren Autorität, &lt;br /&gt;
die Erkenntnis Gottes, denn vor uns selbst haben wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung der eigenen guten Vorsätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schielt eben nicht missmutig nach dem kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt &lt;br /&gt;
werden, nur dann ist sie glaubwürdig. Und sowird auch das Fasten, wenn es im Sinn&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Jede Stunde dieser Tage hast Du mit einer besonderen Wirkkraft ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir, Dessen Wissen alles Erschaffene umfaßt. Auch hast Du jede Seele an dieser Wirkkraft teilhaben lassen gemäß der Tafel Deines Ratschlusses und den Schriften Deines unwiderruflichen Urteils.“&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
:bei einer großen&lt;br /&gt;
:Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;WENN SELBST DIE EINFACHSTEN DINGE NICHT KLAPPEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen in Burkina Faso===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung. Die Transportkosten in eine größere Stadt mit Krankenhaus sind für viele zu hoch.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anti-Aging, Delfin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt immer noch Länder, in denen nicht einmal der Luxus erlaubt ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem der ärmsten Länder dieser Welt. Es rangiert laut einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern. Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze, die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner mit dem Thema „Gesundheit“ assoziieren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was die Burknabé tun für Ihre Gesundheit? Nichts, sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung, selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich die Leute nicht gesund. Gemüse wird in Afrika grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der Nahrungzu erhöhen. Sport machen nur wenige Leute bewusst; die meisten unfreiwilig in Form harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An den medizinischen Einrichtungen dürfte sich kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte könnten höchstens von Internationalen Geldgebern gesponsert werden. Und die Arztmisere ist groß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten schon unsere Geschenktüte gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für das &lt;br /&gt;
Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes sollte diesen Monat ein Kind &lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft es eines Morgens an unsere Türe: Soumaï&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; hatte vor &lt;br /&gt;
zwei Tagen ihr Kind geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert? Schließlich &lt;br /&gt;
befinden wir unsin Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, wo es die besten &lt;br /&gt;
Kliniken des Landes gibt. Früher sagte man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumaï immer noch in ihrem Dorf, dann hätte Ihr Mann sie &lt;br /&gt;
bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads in das nächste Dispensaire&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
gebracht. Und im schlechtesten Fall hätte sie ihr Baby allein im Busch bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht &lt;br /&gt;
wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen lieber das Risiko zu sterben als die Scham. &lt;br /&gt;
Bis heute bestehen manche der Fulbefrauen auf dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox! Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind — bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nur darauf wartend, dass ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fulbefrau beim Hirsestampfen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko, doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumaï ist doch so eine junge und gesunde Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen &lt;br /&gt;
ihr Kind bekommen hatte. Nach dem ersten Schock versammeln sich die in der Nähe &lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann, und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe. Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europäische &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man in &lt;br /&gt;
Burkina gar nicht Medizin studieren kann. Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine &lt;br /&gt;
Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir, was passiert ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie seien überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben Soumaï nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. &lt;br /&gt;
Die Reaktion der ebenfalls schockierten Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen. Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
Somit klagt niemand die Ärzte an - das Leben muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe aus Strohmatten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten ohne, mit und mit internationaler Versicherung. &lt;br /&gt;
Doch bei all meiner Bewunderung für ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumaï uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie ist &lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme und macht Scherze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Name geändart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Frz. Bezeichnung der einfachen Dorfkrankenäuser im frankophonen Afrika, die oft nur von einem Pfleger betreut werden, der Arzt kommt nur ein oder zwei Mal in der Woche vorbei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
:Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
:für den Deutschen&lt;br /&gt;
:Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
:in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Basisdaten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Einwohnerzahl: 13.228.000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/191&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Müttersterblichkeit: (auf 100 000 Lebendgeburten, 2000): 1000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003): 68 US-Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Krankenpfleger für 1000 Einwohner: 0,41&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quelle : Datenbank der WHO,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die weltweite Aldsepidemie 2006,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die menschliche Entwicklung UNDP&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aus dem Gleichgewicht geraten===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund &lt;br /&gt;
sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen &lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft &lt;br /&gt;
und unsere kulturellen Vorstellungen vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen. Die &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits 1997 die Fettleibigkeit als ein großes &lt;br /&gt;
Problem der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen &lt;br /&gt;
Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt als die Norm. Zur Bestimmung von Übergewicht &lt;br /&gt;
und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ursachen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige &lt;br /&gt;
biologische, psychische und soziokulturelle Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits &lt;br /&gt;
im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Übergewichtige Kinder leiden körperlich und seelisch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes mellitus, &lt;br /&gt;
orthopädische Beschwerden und Leberverfettung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind adipöse Kinder auch von psychosozialen &lt;br /&gt;
Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige beurteilen ein übergewichtiges Kind nur &lt;br /&gt;
aufgrund seiner Erscheinung als „faul, schmutzig, dumm und unattraktiv”. Adipöse Kinder &lt;br /&gt;
entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme &lt;br /&gt;
und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, &lt;br /&gt;
so scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen &lt;br /&gt;
zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kostenlawine rollt&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können. In der Schweiz werden bis zum heutigen &lt;br /&gt;
Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die Folgeerscheinungen werden von der jewelligen &lt;br /&gt;
Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verantwortung der Gesellschaft&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. &lt;br /&gt;
Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Konsum &lt;br /&gt;
dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern; zu &lt;br /&gt;
fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie und ihr Einfluss auf die Kinder wurden &lt;br /&gt;
untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt die einschlägige Industrie jährlich &lt;br /&gt;
10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind &lt;br /&gt;
an Schulen Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und hochkalorischen Snacks zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichgewicht des Körpers&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund eines Nahrungsüberangebots aus dem &lt;br /&gt;
Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle spielt der zunehmende Bewegungsmangel &lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig &lt;br /&gt;
dicker, nicht nur infolge eingeschränkter Bewegung, sondern auch infolge exzessiv &lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweieinhalb &lt;br /&gt;
Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich etwa &lt;br /&gt;
eineinhalb Stunden. Noch höher sind die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Therapieangebote&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können &lt;br /&gt;
Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf einer engen Zusammenarbeit mit &lt;br /&gt;
Experten, beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die Verbraucher vermehrt Gedanken über den &lt;br /&gt;
Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über &lt;br /&gt;
ihr tatsächliches Essverhalten. Denn der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht zeigt es &lt;br /&gt;
klar: Beim Essverhalten besteht ein großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt wird und &lt;br /&gt;
einen hohen Anteil an Früchten und Gemüse aufweist. Functional Food kann eine bewusste &lt;br /&gt;
Ernährung im besten Fall sinnvoll ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann auch mit &lt;br /&gt;
einem erhöhten Konsum solcher Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können &lt;br /&gt;
damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Die Erziehung und Ausbildung der Kinder gehört zu den verdienstvollsten Taten der Menschheit. Sie zieht die Gnade und den Segen des Allbarmherzigen auf sich; denn Erziehung ist die unentbehrliche Grundlage jeder herausragenden menschlichen Leistung und erlaubt dem Menschen, sich seinen Weg zu den Höhen immerwährender Herrlichkeit zu bahnen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;Abdu&#039;l-Bahá&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
:am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
:in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
:Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DURCH GEZIELTE ERNÄHRUNG KRANKHEITEN HEILEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die &lt;br /&gt;
ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie im Körper wiederherstellen? Die &lt;br /&gt;
ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, &lt;br /&gt;
mit den Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind in ihren Grundzügen &lt;br /&gt;
Jahrtausende alt, wurden jedoch zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder aufgegriffen &lt;br /&gt;
und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat, war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare Organtheorie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit der Leber als Mittelpunkt, die durch den &lt;br /&gt;
Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen selbstständigen Kreislauf bilden &lt;br /&gt;
und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und koordinieren. Zuvor sollen &lt;br /&gt;
aber das Wesen des angeborenen Wissens und die fundamentale Frage über die &lt;br /&gt;
Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage nach der &lt;br /&gt;
Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist, wenn auch verborgen. Das Wesen &lt;br /&gt;
der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden, dass alles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}&lt;br /&gt;
ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten &lt;br /&gt;
geschaffen, die als „das Gesetz“ (das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar wird und alles Leben ständig Verwandlung &lt;br /&gt;
und Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt. Damit entspricht die Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge &lt;br /&gt;
dessen ist die Gesundheit ebenfalls den Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen, Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich &lt;br /&gt;
betrachtet scheint es, als ob alles in der Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird das Prinzip von Aktion und Reaktion als &lt;br /&gt;
Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet, dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird &lt;br /&gt;
die absolute Weisheit des Schöpfers und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung &lt;br /&gt;
und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit. Das alles setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes und das führt meist zur Missachtung der &lt;br /&gt;
Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im &lt;br /&gt;
gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie bringen die Abläufe im Mikro- und &lt;br /&gt;
Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen Beziehungen und Abläufe im Leben &lt;br /&gt;
und die Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der &lt;br /&gt;
Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen eng miteinander verbunden, so wie die &lt;br /&gt;
Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen &lt;br /&gt;
und gewährleistet den Informationsfluss und die Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein lebendiger Organismus ist und dementsprechend &lt;br /&gt;
funktioniert. In der Atmosphäre kreisen ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren, um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden. Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, &lt;br /&gt;
der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze, Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes Element hat ein unveränderbares Wesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers ist heiß und das des Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues &lt;br /&gt;
Temperament, das nie einzeln in der Natur vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm &lt;br /&gt;
oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. &lt;br /&gt;
Folglich muss in der Schöpfung auch ein echtes (absolutes), unerreichbares Temperament &lt;br /&gt;
existieren. Ein Temperament, das dem „echten“ am nächsten steht, ist am ehesten im &lt;br /&gt;
Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am &lt;br /&gt;
nächsten. Daher wurde er als Krone der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen &lt;br /&gt;
mit spezifischen Säften. Diese enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteilig aus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von &lt;br /&gt;
Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf, die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei Hauptorgane oder -systeme, die zusammen mit der &lt;br /&gt;
Seele, dem Blut und dem Skelett einen funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen ist folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger &lt;br /&gt;
Zeit den Magen und landet im Darm. Hier wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament &lt;br /&gt;
unserer Nahrung zusammengesetzt ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält mehr oder weniger die Vorstufen aller &lt;br /&gt;
Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die Dünndarmwand, durchlaufen die &lt;br /&gt;
Pfortader und erreichen die Leber. In der Leber werden sie durch deren Wärmeeinwirkung &lt;br /&gt;
in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}&lt;br /&gt;
Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang in der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen: Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Haut,&lt;br /&gt;
:* sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
:* Bodensatz,&lt;br /&gt;
:* die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(Schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan in diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische &lt;br /&gt;
Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, &lt;br /&gt;
der die entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe weiterleitet und so alles in &lt;br /&gt;
Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. So erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz (Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, in einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen &lt;br /&gt;
Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird &lt;br /&gt;
(Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich simplen &lt;br /&gt;
Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach &lt;br /&gt;
sich zieht. Aus diesem langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und Urinschau typisiert und zum Beispiel nach &lt;br /&gt;
ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen gewünschten Temperament und Gleichgewicht &lt;br /&gt;
zurückkehren und echte Gesundheit erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben genannten Prinzipien hilft dem Körper im &lt;br /&gt;
Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt &lt;br /&gt;
stellen, werden bei dieser Betrachtung der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“ Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
:ist praktizierender&lt;br /&gt;
:Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hauptsache gesund?===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Menschenbild eines Gläubigen relativiert das Streben nach Gesundheit. Wie kann man herausfinden, was einem Menschen besonders wichtig ist?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus, an &lt;br /&gt;
dessen Ende, wenn überhaupt, eine mehr oder weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint es da zu sein, Standarddialoge in einer &lt;br /&gt;
Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: &lt;br /&gt;
„Ich wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das ist das Allerwichtigste. Was wären wir ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung &lt;br /&gt;
jederzeit reproduzieren lässt und immer wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen davon überzeugt sind, Gesundheit sei das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick, in dem es gesagt wird, sind auch alle &lt;br /&gt;
Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man ist gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hält diese Meinung einer Überprüfung stand? Das kann man am ehesten herausfinden, &lt;br /&gt;
indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen dementsprechend verhalten oder bestimmte &lt;br /&gt;
Verhaltensweisen als Fehler erkennen und korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren Beruf schaden sie ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank, um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes ist die Frage erlaubt, ob Gesundheit wirklich das Größte ist. Und&lt;br /&gt;
was ist mit denen, die sich unter Einsatz ihres Lebens für eine gute oder gerechte Sache &lt;br /&gt;
einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer Standardsituation als Grundlage für die &lt;br /&gt;
Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes &lt;br /&gt;
Glied oder so etwas wie ein kleinster gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der &lt;br /&gt;
alle anderen entspringen: Was ist der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man ihn, was ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bahá’í überall auf der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und &lt;br /&gt;
anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
:1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
:2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahá’í in bester Gesellschaft. Der heilige Ignatius von Loyola, der &lt;br /&gt;
Gründer des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch &lt;br /&gt;
ist erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Bahá’í auf die Frage nach dem Menschsein: Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich alle anderen Sätze ab, auch die über den &lt;br /&gt;
Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius nachzuschlagen, denn bereits er zieht &lt;br /&gt;
weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz: „Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt, dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür &lt;br /&gt;
hindern.“ Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles, auch den Stellenwert der Gesundheit. &lt;br /&gt;
Um das zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib, Geist und Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib, Seele und Geist &lt;br /&gt;
bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen gemeinsam ist, dass sie &lt;br /&gt;
der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-02T15:57:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativiert das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ACHTSAMKEIT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. &lt;br /&gt;
Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ &lt;br /&gt;
(Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR) kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosine reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist eine aktive, reiche und sehr persönliche &lt;br /&gt;
Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten &lt;br /&gt;
des Lebens. In einem typischen Kurs finden sich Menschen aus allen Lebenskreisen und &lt;br /&gt;
Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere, die Stress in der Arbeit, in ihrer &lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
oder Familie erleben, bei manchen treffen alle diese Punkte zusammen. Viele haben nie in &lt;br /&gt;
ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufmerksamkeit auf den Moment&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann, dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach und bewusst zu sein, in der Lage, wie &lt;br /&gt;
Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende &lt;br /&gt;
von Menschen an Kursen teilgenommen: in Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen, in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen geben. Eine Flut wissenschaftlicher &lt;br /&gt;
Untersuchungen hat während der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass MBSR und andere &lt;br /&gt;
achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet &lt;br /&gt;
der Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der größte Lehrer: Das Leben selbst&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen &lt;br /&gt;
drei „formelle“ Praktiken: einen Körper-Scan, achtsame Körperbewusstseinsübungen und &lt;br /&gt;
Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs Tagen &lt;br /&gt;
der Woche mindestens eine Stunde zu praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten &lt;br /&gt;
mit den Übungen verwendet. Doch es sind besonders die „informellen“ Übungen, während &lt;br /&gt;
derer die Teilnehmenden lernen, Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden &lt;br /&gt;
gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den ganzen Körper zu wandern, und darüber &lt;br /&gt;
hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich verrichten, und diese als Tätigkeit &lt;br /&gt;
achtsam zu praktizieren. Häufig wird das Zähneputzen gewählt. Andere Aktivitäten sind &lt;br /&gt;
beispielsweise das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. &lt;br /&gt;
Wenn sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie vor allem Schmerzliches, Dunkles und &lt;br /&gt;
Unangenehmes im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden &lt;br /&gt;
ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene zu blicken, &lt;br /&gt;
etwa wie mit einem Zoom ganz nah an die Details heranzufahren und dann wieder &lt;br /&gt;
„wegzuzoomen‘, bis der Blick einem Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende &lt;br /&gt;
Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: &lt;br /&gt;
Es ist nicht die Situation selbst, die Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich weiten oder sogar verengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (O.W. Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: &lt;br /&gt;
Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, &lt;br /&gt;
Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabei entwickelt &lt;br /&gt;
jeder Mensch ein Verständnis davon, das in seinem eigenen Leben wurzelt. Eine solche&lt;br /&gt;
Art des Lernens reicht tief und ermöglicht Veränderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen &lt;br /&gt;
sind. So wie die Momente meines Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:geboren in New York,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
:Pächagogin. Gründerin des&lt;br /&gt;
:Instituts für Achtsamkeit&lt;br /&gt;
:und Stressbewältigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 14 - 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi, &lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff, Monika Schramm, &lt;br /&gt;
:Karl Türke jun., Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
:www.tempora.org&lt;br /&gt;
:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout und Illustration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fotos&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saman Rahmanian S.14/15, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi S.8, 11, 12, 13, 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo S.26, 27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
restliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint einmal jährlich.&lt;br /&gt;
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schriftlicher Genehmigung der Redaktion.&lt;br /&gt;
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Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH 2007 ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===FASTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;KEINE LEICHTE ÜBUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung stehen die Angebote von Fastenkuren, &lt;br /&gt;
Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon &lt;br /&gt;
probiert, die meisten waren davon angetan und wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr tun. Andere wiederum graust es bei der &lt;br /&gt;
Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zu essen kriegen und nur von Wasser, Luft und &lt;br /&gt;
Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer &lt;br /&gt;
Indikation. Damit werden Verdauungs- und Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt. Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente &lt;br /&gt;
sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* als Askese,&lt;br /&gt;
:* als Übung der Selbstverleugnung und Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
:* als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
:* als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
:* als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
:* als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
:* als Sühne und persönliches Opfer, etwa nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
:* zur Sammlung von Willenskräften, etwa um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu haben,&lt;br /&gt;
:* als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
:* als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
:* um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
:* um seinem Karma zu entgehen, in der Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
:* zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
:* um Naturkatastrophen abzuwehren, die als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
:* und auch ganz einfach als sittliches und gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie ein roter Faden, und all diese &lt;br /&gt;
Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, &lt;br /&gt;
sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch &lt;br /&gt;
zwischen dem Fasten als völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem Vermeiden bestimmter &lt;br /&gt;
Nahrungsmittel. Auf Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein oder ganz allgemein berauschender &lt;br /&gt;
Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahr folgt, wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen &lt;br /&gt;
Breitengraden liegenden islamischen Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich &lt;br /&gt;
bei 40 Grad Celsius der Nahrung und besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische &lt;br /&gt;
Kalender fünf Fastentage zum Gedenken an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter &lt;br /&gt;
geistiger Sensibilität zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen &lt;br /&gt;
wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden abgebaut. Man reagiert &lt;br /&gt;
bewusster. Man kann feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich nach etwa drei Tagen &lt;br /&gt;
verschwindet. Es folgt, wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die &lt;br /&gt;
schöne Zeit ohne äußeres Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit &lt;br /&gt;
an Magen und Körper. Der Geist „erhebt“ sich über die Materie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert &lt;br /&gt;
wird dagegen aus äußerem Zwang und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, ob es noch ohne geht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder hygienische und die zweite, nämlich die &lt;br /&gt;
vergeistigende, die geforderte Loslösung von der Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i-Fastenmonat &lt;br /&gt;
immer zur gleichen Jahreszeit, und zwar Anfang März bis zum Bahá’í-Neujahr am 21. März. &lt;br /&gt;
Dann herrscht überall auf der Welt eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind klimatische &lt;br /&gt;
Extreme in dieser Zeit nirgends zu befürchten. Der Hauptunterschied zwischen medizinischem &lt;br /&gt;
Fasten und Bahá’í-Fasten liegt in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwindet &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen das Hungergefühl. Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahá’í-Fasten dagegen tritt dieser Effekt nicht auf, denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und so knurrt einem der Magen während dieser ganzen 19 Tage. Hier ist unschwer zu &lt;br /&gt;
erkennen, dass es sich um eine gelstige Übung handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), &lt;br /&gt;
sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung in ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an das sich zu halten dem Gläubigen viel &lt;br /&gt;
leichter fällt. Voraussetzung dafür ist freilich die Anerkennung dieser höheren Autorität, &lt;br /&gt;
die Erkenntnis Gottes, denn vor uns selbst haben wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung der eigenen guten Vorsätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schielt eben nicht missmutig nach dem kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt &lt;br /&gt;
werden, nur dann ist sie glaubwürdig. Und sowird auch das Fasten, wenn es im Sinn&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Jede Stunde dieser Tage hast Du mit einer besonderen Wirkkraft ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir, Dessen Wissen alles Erschaffene umfaßt. Auch hast Du jede Seele an dieser Wirkkraft teilhaben lassen gemäß der Tafel Deines Ratschlusses und den Schriften Deines unwiderruflichen Urteils.“&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
:bei einer großen&lt;br /&gt;
:Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;WENN SELBST DIE EINFACHSTEN DINGE NICHT KLAPPEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen in Burkina Faso===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung. Die Transportkosten in eine größere Stadt mit Krankenhaus sind für viele zu hoch.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anti-Aging, Delfin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt immer noch Länder, in denen nicht einmal der Luxus erlaubt ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem der ärmsten Länder dieser Welt. Es rangiert laut einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern. Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze, die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner mit dem Thema „Gesundheit“ assoziieren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was die Burknabé tun für Ihre Gesundheit? Nichts, sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung, selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich die Leute nicht gesund. Gemüse wird in Afrika grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der Nahrungzu erhöhen. Sport machen nur wenige Leute bewusst; die meisten unfreiwilig in Form harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An den medizinischen Einrichtungen dürfte sich kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte könnten höchstens von Internationalen Geldgebern gesponsert werden. Und die Arztmisere ist groß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten schon unsere Geschenktüte gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für das &lt;br /&gt;
Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes sollte diesen Monat ein Kind &lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft es eines Morgens an unsere Türe: Soumaï&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; hatte vor &lt;br /&gt;
zwei Tagen ihr Kind geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert? Schließlich &lt;br /&gt;
befinden wir unsin Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, wo es die besten &lt;br /&gt;
Kliniken des Landes gibt. Früher sagte man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumaï immer noch in ihrem Dorf, dann hätte Ihr Mann sie &lt;br /&gt;
bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads in das nächste Dispensaire&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
gebracht. Und im schlechtesten Fall hätte sie ihr Baby allein im Busch bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht &lt;br /&gt;
wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen lieber das Risiko zu sterben als die Scham. &lt;br /&gt;
Bis heute bestehen manche der Fulbefrauen auf dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox! Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind — bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nur darauf wartend, dass ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fulbefrau beim Hirsestampfen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko, doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumaï ist doch so eine junge und gesunde Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen &lt;br /&gt;
ihr Kind bekommen hatte. Nach dem ersten Schock versammeln sich die in der Nähe &lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann, und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe. Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europäische &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man in &lt;br /&gt;
Burkina gar nicht Medizin studieren kann. Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine &lt;br /&gt;
Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir, was passiert ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie seien überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben Soumaï nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. &lt;br /&gt;
Die Reaktion der ebenfalls schockierten Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen. Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
Somit klagt niemand die Ärzte an - das Leben muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe aus Strohmatten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten ohne, mit und mit internationaler Versicherung. &lt;br /&gt;
Doch bei all meiner Bewunderung für ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumaï uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie ist &lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme und macht Scherze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Name geändart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Frz. Bezeichnung der einfachen Dorfkrankenäuser im frankophonen Afrika, die oft nur von einem Pfleger betreut werden, der Arzt kommt nur ein oder zwei Mal in der Woche vorbei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
:Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
:für den Deutschen&lt;br /&gt;
:Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
:in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Basisdaten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Einwohnerzahl: 13.228.000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/191&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Müttersterblichkeit: (auf 100 000 Lebendgeburten, 2000): 1000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003): 68 US-Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Krankenpfleger für 1000 Einwohner: 0,41&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quelle : Datenbank der WHO,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die weltweite Aldsepidemie 2006,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die menschliche Entwicklung UNDP&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aus dem Gleichgewicht geraten===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund &lt;br /&gt;
sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen &lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft &lt;br /&gt;
und unsere kulturellen Vorstellungen vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen. Die &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits 1997 die Fettleibigkeit als ein großes &lt;br /&gt;
Problem der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen &lt;br /&gt;
Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt als die Norm. Zur Bestimmung von Übergewicht &lt;br /&gt;
und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ursachen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige &lt;br /&gt;
biologische, psychische und soziokulturelle Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits &lt;br /&gt;
im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Übergewichtige Kinder leiden körperlich und seelisch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes mellitus, &lt;br /&gt;
orthopädische Beschwerden und Leberverfettung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind adipöse Kinder auch von psychosozialen &lt;br /&gt;
Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige beurteilen ein übergewichtiges Kind nur &lt;br /&gt;
aufgrund seiner Erscheinung als „faul, schmutzig, dumm und unattraktiv”. Adipöse Kinder &lt;br /&gt;
entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme &lt;br /&gt;
und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, &lt;br /&gt;
so scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen &lt;br /&gt;
zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kostenlawine rollt&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können. In der Schweiz werden bis zum heutigen &lt;br /&gt;
Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die Folgeerscheinungen werden von der jewelligen &lt;br /&gt;
Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verantwortung der Gesellschaft&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. &lt;br /&gt;
Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Konsum &lt;br /&gt;
dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern; zu &lt;br /&gt;
fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie und ihr Einfluss auf die Kinder wurden &lt;br /&gt;
untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt die einschlägige Industrie jährlich &lt;br /&gt;
10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind &lt;br /&gt;
an Schulen Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und hochkalorischen Snacks zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichgewicht des Körpers&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund eines Nahrungsüberangebots aus dem &lt;br /&gt;
Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle spielt der zunehmende Bewegungsmangel &lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig &lt;br /&gt;
dicker, nicht nur infolge eingeschränkter Bewegung, sondern auch infolge exzessiv &lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweieinhalb &lt;br /&gt;
Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich etwa &lt;br /&gt;
eineinhalb Stunden. Noch höher sind die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Therapieangebote&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können &lt;br /&gt;
Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf einer engen Zusammenarbeit mit &lt;br /&gt;
Experten, beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die Verbraucher vermehrt Gedanken über den &lt;br /&gt;
Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über &lt;br /&gt;
ihr tatsächliches Essverhalten. Denn der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht zeigt es &lt;br /&gt;
klar: Beim Essverhalten besteht ein großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt wird und &lt;br /&gt;
einen hohen Anteil an Früchten und Gemüse aufweist. Functional Food kann eine bewusste &lt;br /&gt;
Ernährung im besten Fall sinnvoll ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann auch mit &lt;br /&gt;
einem erhöhten Konsum solcher Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können &lt;br /&gt;
damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Die Erziehung und Ausbildung der Kinder gehört zu den verdienstvollsten Taten der Menschheit. Sie zieht die Gnade und den Segen des Allbarmherzigen auf sich; denn Erziehung ist die unentbehrliche Grundlage jeder herausragenden menschlichen Leistung und erlaubt dem Menschen, sich seinen Weg zu den Höhen immerwährender Herrlichkeit zu bahnen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;Abdu&#039;l-Bahá&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
:am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
:in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
:Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DURCH GEZIELTE ERNÄHRUNG KRANKHEITEN HEILEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die &lt;br /&gt;
ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie im Körper wiederherstellen? Die &lt;br /&gt;
ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, &lt;br /&gt;
mit den Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind in ihren Grundzügen &lt;br /&gt;
Jahrtausende alt, wurden jedoch zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder aufgegriffen &lt;br /&gt;
und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat, war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare Organtheorie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit der Leber als Mittelpunkt, die durch den &lt;br /&gt;
Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen selbstständigen Kreislauf bilden &lt;br /&gt;
und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und koordinieren. Zuvor sollen &lt;br /&gt;
aber das Wesen des angeborenen Wissens und die fundamentale Frage über die &lt;br /&gt;
Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage nach der &lt;br /&gt;
Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist, wenn auch verborgen. Das Wesen &lt;br /&gt;
der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden, dass alles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}&lt;br /&gt;
ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten &lt;br /&gt;
geschaffen, die als „das Gesetz“ (das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar wird und alles Leben ständig Verwandlung &lt;br /&gt;
und Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt. Damit entspricht die Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge &lt;br /&gt;
dessen ist die Gesundheit ebenfalls den Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen, Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich &lt;br /&gt;
betrachtet scheint es, als ob alles in der Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird das Prinzip von Aktion und Reaktion als &lt;br /&gt;
Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet, dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird &lt;br /&gt;
die absolute Weisheit des Schöpfers und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung &lt;br /&gt;
und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit. Das alles setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes und das führt meist zur Missachtung der &lt;br /&gt;
Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im &lt;br /&gt;
gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie bringen die Abläufe im Mikro- und &lt;br /&gt;
Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen Beziehungen und Abläufe im Leben &lt;br /&gt;
und die Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der &lt;br /&gt;
Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen eng miteinander verbunden, so wie die &lt;br /&gt;
Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen &lt;br /&gt;
und gewährleistet den Informationsfluss und die Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein lebendiger Organismus ist und dementsprechend &lt;br /&gt;
funktioniert. In der Atmosphäre kreisen ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren, um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden. Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, &lt;br /&gt;
der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze, Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes Element hat ein unveränderbares Wesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers ist heiß und das des Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues &lt;br /&gt;
Temperament, das nie einzeln in der Natur vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm &lt;br /&gt;
oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. &lt;br /&gt;
Folglich muss in der Schöpfung auch ein echtes (absolutes), unerreichbares Temperament &lt;br /&gt;
existieren. Ein Temperament, das dem „echten“ am nächsten steht, ist am ehesten im &lt;br /&gt;
Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am &lt;br /&gt;
nächsten. Daher wurde er als Krone der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen &lt;br /&gt;
mit spezifischen Säften. Diese enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteilig aus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von &lt;br /&gt;
Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf, die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei Hauptorgane oder -systeme, die zusammen mit der &lt;br /&gt;
Seele, dem Blut und dem Skelett einen funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen ist folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger &lt;br /&gt;
Zeit den Magen und landet im Darm. Hier wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament &lt;br /&gt;
unserer Nahrung zusammengesetzt ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält mehr oder weniger die Vorstufen aller &lt;br /&gt;
Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die Dünndarmwand, durchlaufen die &lt;br /&gt;
Pfortader und erreichen die Leber. In der Leber werden sie durch deren Wärmeeinwirkung &lt;br /&gt;
in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}&lt;br /&gt;
Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang in der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen: Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Haut,&lt;br /&gt;
:* sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
:* Bodensatz,&lt;br /&gt;
:* die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(Schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan in diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische &lt;br /&gt;
Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, &lt;br /&gt;
der die entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe weiterleitet und so alles in &lt;br /&gt;
Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. So erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz (Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, in einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen &lt;br /&gt;
Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird &lt;br /&gt;
(Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich simplen &lt;br /&gt;
Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach &lt;br /&gt;
sich zieht. Aus diesem langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und Urinschau typisiert und zum Beispiel nach &lt;br /&gt;
ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen gewünschten Temperament und Gleichgewicht &lt;br /&gt;
zurückkehren und echte Gesundheit erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben genannten Prinzipien hilft dem Körper im &lt;br /&gt;
Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt &lt;br /&gt;
stellen, werden bei dieser Betrachtung der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“ Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
:ist praktizierender&lt;br /&gt;
:Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hauptsache gesund?===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Menschenbild eines Gläubigen relativiert das Streben nach Gesundheit. Wie kann man herausfinden, was einem Menschen besonders wichtig ist?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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	<entry>
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		<updated>2022-06-02T14:12:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativiert das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ACHTSAMKEIT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. &lt;br /&gt;
Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ &lt;br /&gt;
(Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR) kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosine reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist eine aktive, reiche und sehr persönliche &lt;br /&gt;
Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten &lt;br /&gt;
des Lebens. In einem typischen Kurs finden sich Menschen aus allen Lebenskreisen und &lt;br /&gt;
Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere, die Stress in der Arbeit, in ihrer &lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
oder Familie erleben, bei manchen treffen alle diese Punkte zusammen. Viele haben nie in &lt;br /&gt;
ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufmerksamkeit auf den Moment&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann, dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach und bewusst zu sein, in der Lage, wie &lt;br /&gt;
Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende &lt;br /&gt;
von Menschen an Kursen teilgenommen: in Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen, in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen geben. Eine Flut wissenschaftlicher &lt;br /&gt;
Untersuchungen hat während der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass MBSR und andere &lt;br /&gt;
achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet &lt;br /&gt;
der Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der größte Lehrer: Das Leben selbst&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen &lt;br /&gt;
drei „formelle“ Praktiken: einen Körper-Scan, achtsame Körperbewusstseinsübungen und &lt;br /&gt;
Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs Tagen &lt;br /&gt;
der Woche mindestens eine Stunde zu praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten &lt;br /&gt;
mit den Übungen verwendet. Doch es sind besonders die „informellen“ Übungen, während &lt;br /&gt;
derer die Teilnehmenden lernen, Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden &lt;br /&gt;
gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den ganzen Körper zu wandern, und darüber &lt;br /&gt;
hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich verrichten, und diese als Tätigkeit &lt;br /&gt;
achtsam zu praktizieren. Häufig wird das Zähneputzen gewählt. Andere Aktivitäten sind &lt;br /&gt;
beispielsweise das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. &lt;br /&gt;
Wenn sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie vor allem Schmerzliches, Dunkles und &lt;br /&gt;
Unangenehmes im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden &lt;br /&gt;
ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene zu blicken, &lt;br /&gt;
etwa wie mit einem Zoom ganz nah an die Details heranzufahren und dann wieder &lt;br /&gt;
„wegzuzoomen‘, bis der Blick einem Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende &lt;br /&gt;
Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: &lt;br /&gt;
Es ist nicht die Situation selbst, die Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich weiten oder sogar verengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (O.W. Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: &lt;br /&gt;
Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, &lt;br /&gt;
Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabei entwickelt &lt;br /&gt;
jeder Mensch ein Verständnis davon, das in seinem eigenen Leben wurzelt. Eine solche&lt;br /&gt;
Art des Lernens reicht tief und ermöglicht Veränderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen &lt;br /&gt;
sind. So wie die Momente meines Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:geboren in New York,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
:Pächagogin. Gründerin des&lt;br /&gt;
:Instituts für Achtsamkeit&lt;br /&gt;
:und Stressbewältigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 14 - 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi, &lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff, Monika Schramm, &lt;br /&gt;
:Karl Türke jun., Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
:www.tempora.org&lt;br /&gt;
:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout und Illustration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fotos&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saman Rahmanian S.14/15, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi S.8, 11, 12, 13, 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo S.26, 27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
restliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
===FASTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;KEINE LEICHTE ÜBUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung stehen die Angebote von Fastenkuren, &lt;br /&gt;
Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon &lt;br /&gt;
probiert, die meisten waren davon angetan und wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr tun. Andere wiederum graust es bei der &lt;br /&gt;
Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zu essen kriegen und nur von Wasser, Luft und &lt;br /&gt;
Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer &lt;br /&gt;
Indikation. Damit werden Verdauungs- und Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt. Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente &lt;br /&gt;
sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* als Askese,&lt;br /&gt;
:* als Übung der Selbstverleugnung und Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
:* als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
:* als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
:* als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
:* als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
:* als Sühne und persönliches Opfer, etwa nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
:* zur Sammlung von Willenskräften, etwa um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu haben,&lt;br /&gt;
:* als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
:* als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
:* um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
:* um seinem Karma zu entgehen, in der Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
:* zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
:* um Naturkatastrophen abzuwehren, die als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
:* und auch ganz einfach als sittliches und gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie ein roter Faden, und all diese &lt;br /&gt;
Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, &lt;br /&gt;
sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch &lt;br /&gt;
zwischen dem Fasten als völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem Vermeiden bestimmter &lt;br /&gt;
Nahrungsmittel. Auf Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein oder ganz allgemein berauschender &lt;br /&gt;
Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahr folgt, wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen &lt;br /&gt;
Breitengraden liegenden islamischen Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich &lt;br /&gt;
bei 40 Grad Celsius der Nahrung und besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische &lt;br /&gt;
Kalender fünf Fastentage zum Gedenken an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter &lt;br /&gt;
geistiger Sensibilität zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen &lt;br /&gt;
wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden abgebaut. Man reagiert &lt;br /&gt;
bewusster. Man kann feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich nach etwa drei Tagen &lt;br /&gt;
verschwindet. Es folgt, wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die &lt;br /&gt;
schöne Zeit ohne äußeres Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit &lt;br /&gt;
an Magen und Körper. Der Geist „erhebt“ sich über die Materie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert &lt;br /&gt;
wird dagegen aus äußerem Zwang und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, ob es noch ohne geht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder hygienische und die zweite, nämlich die &lt;br /&gt;
vergeistigende, die geforderte Loslösung von der Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i-Fastenmonat &lt;br /&gt;
immer zur gleichen Jahreszeit, und zwar Anfang März bis zum Bahá’í-Neujahr am 21. März. &lt;br /&gt;
Dann herrscht überall auf der Welt eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind klimatische &lt;br /&gt;
Extreme in dieser Zeit nirgends zu befürchten. Der Hauptunterschied zwischen medizinischem &lt;br /&gt;
Fasten und Bahá’í-Fasten liegt in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwindet &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen das Hungergefühl. Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahá’í-Fasten dagegen tritt dieser Effekt nicht auf, denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und so knurrt einem der Magen während dieser ganzen 19 Tage. Hier ist unschwer zu &lt;br /&gt;
erkennen, dass es sich um eine gelstige Übung handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), &lt;br /&gt;
sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung in ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an das sich zu halten dem Gläubigen viel &lt;br /&gt;
leichter fällt. Voraussetzung dafür ist freilich die Anerkennung dieser höheren Autorität, &lt;br /&gt;
die Erkenntnis Gottes, denn vor uns selbst haben wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung der eigenen guten Vorsätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schielt eben nicht missmutig nach dem kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt &lt;br /&gt;
werden, nur dann ist sie glaubwürdig. Und sowird auch das Fasten, wenn es im Sinn&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Jede Stunde dieser Tage hast Du mit einer besonderen Wirkkraft ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir, Dessen Wissen alles Erschaffene umfaßt. Auch hast Du jede Seele an dieser Wirkkraft teilhaben lassen gemäß der Tafel Deines Ratschlusses und den Schriften Deines unwiderruflichen Urteils.“&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
:bei einer großen&lt;br /&gt;
:Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;WENN SELBST DIE EINFACHSTEN DINGE NICHT KLAPPEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen in Burkina Faso===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung. Die Transportkosten in eine größere Stadt mit Krankenhaus sind für viele zu hoch.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anti-Aging, Delfin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt immer noch Länder, in denen nicht einmal der Luxus erlaubt ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem der ärmsten Länder dieser Welt. Es rangiert laut einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern. Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze, die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner mit dem Thema „Gesundheit“ assoziieren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was die Burknabé tun für Ihre Gesundheit? Nichts, sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung, selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich die Leute nicht gesund. Gemüse wird in Afrika grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der Nahrungzu erhöhen. Sport machen nur wenige Leute bewusst; die meisten unfreiwilig in Form harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An den medizinischen Einrichtungen dürfte sich kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte könnten höchstens von Internationalen Geldgebern gesponsert werden. Und die Arztmisere ist groß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten schon unsere Geschenktüte gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für das &lt;br /&gt;
Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes sollte diesen Monat ein Kind &lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft es eines Morgens an unsere Türe: Soumaï&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; hatte vor &lt;br /&gt;
zwei Tagen ihr Kind geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert? Schließlich &lt;br /&gt;
befinden wir unsin Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, wo es die besten &lt;br /&gt;
Kliniken des Landes gibt. Früher sagte man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumaï immer noch in ihrem Dorf, dann hätte Ihr Mann sie &lt;br /&gt;
bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads in das nächste Dispensaire&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
gebracht. Und im schlechtesten Fall hätte sie ihr Baby allein im Busch bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht &lt;br /&gt;
wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen lieber das Risiko zu sterben als die Scham. &lt;br /&gt;
Bis heute bestehen manche der Fulbefrauen auf dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox! Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind — bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nur darauf wartend, dass ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fulbefrau beim Hirsestampfen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko, doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumaï ist doch so eine junge und gesunde Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen &lt;br /&gt;
ihr Kind bekommen hatte. Nach dem ersten Schock versammeln sich die in der Nähe &lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann, und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe. Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europäische &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man in &lt;br /&gt;
Burkina gar nicht Medizin studieren kann. Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine &lt;br /&gt;
Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir, was passiert ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie seien überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben Soumaï nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. &lt;br /&gt;
Die Reaktion der ebenfalls schockierten Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen. Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
Somit klagt niemand die Ärzte an - das Leben muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe aus Strohmatten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten ohne, mit und mit internationaler Versicherung. &lt;br /&gt;
Doch bei all meiner Bewunderung für ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumaï uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie ist &lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme und macht Scherze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Name geändart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Frz. Bezeichnung der einfachen Dorfkrankenäuser im frankophonen Afrika, die oft nur von einem Pfleger betreut werden, der Arzt kommt nur ein oder zwei Mal in der Woche vorbei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
:Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
:für den Deutschen&lt;br /&gt;
:Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
:in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Basisdaten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Einwohnerzahl: 13.228.000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/191&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Müttersterblichkeit: (auf 100 000 Lebendgeburten, 2000): 1000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003): 68 US-Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Krankenpfleger für 1000 Einwohner: 0,41&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quelle : Datenbank der WHO,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die weltweite Aldsepidemie 2006,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die menschliche Entwicklung UNDP&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aus dem Gleichgewicht geraten===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund &lt;br /&gt;
sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen &lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft &lt;br /&gt;
und unsere kulturellen Vorstellungen vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen. Die &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits 1997 die Fettleibigkeit als ein großes &lt;br /&gt;
Problem der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen &lt;br /&gt;
Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt als die Norm. Zur Bestimmung von Übergewicht &lt;br /&gt;
und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ursachen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige &lt;br /&gt;
biologische, psychische und soziokulturelle Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits &lt;br /&gt;
im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Übergewichtige Kinder leiden körperlich und seelisch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes mellitus, &lt;br /&gt;
orthopädische Beschwerden und Leberverfettung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind adipöse Kinder auch von psychosozialen &lt;br /&gt;
Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige beurteilen ein übergewichtiges Kind nur &lt;br /&gt;
aufgrund seiner Erscheinung als „faul, schmutzig, dumm und unattraktiv”. Adipöse Kinder &lt;br /&gt;
entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme &lt;br /&gt;
und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, &lt;br /&gt;
so scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen &lt;br /&gt;
zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kostenlawine rollt&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können. In der Schweiz werden bis zum heutigen &lt;br /&gt;
Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die Folgeerscheinungen werden von der jewelligen &lt;br /&gt;
Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verantwortung der Gesellschaft&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. &lt;br /&gt;
Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Konsum &lt;br /&gt;
dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern; zu &lt;br /&gt;
fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie und ihr Einfluss auf die Kinder wurden &lt;br /&gt;
untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt die einschlägige Industrie jährlich &lt;br /&gt;
10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind &lt;br /&gt;
an Schulen Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und hochkalorischen Snacks zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichgewicht des Körpers&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund eines Nahrungsüberangebots aus dem &lt;br /&gt;
Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle spielt der zunehmende Bewegungsmangel &lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig &lt;br /&gt;
dicker, nicht nur infolge eingeschränkter Bewegung, sondern auch infolge exzessiv &lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweieinhalb &lt;br /&gt;
Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich etwa &lt;br /&gt;
eineinhalb Stunden. Noch höher sind die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Therapieangebote&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können &lt;br /&gt;
Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf einer engen Zusammenarbeit mit &lt;br /&gt;
Experten, beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die Verbraucher vermehrt Gedanken über den &lt;br /&gt;
Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über &lt;br /&gt;
ihr tatsächliches Essverhalten. Denn der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht zeigt es &lt;br /&gt;
klar: Beim Essverhalten besteht ein großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt wird und &lt;br /&gt;
einen hohen Anteil an Früchten und Gemüse aufweist. Functional Food kann eine bewusste &lt;br /&gt;
Ernährung im besten Fall sinnvoll ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann auch mit &lt;br /&gt;
einem erhöhten Konsum solcher Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können &lt;br /&gt;
damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Die Erziehung und Ausbildung der Kinder gehört zu den verdienstvollsten Taten der Menschheit. Sie zieht die Gnade und den Segen des Allbarmherzigen auf sich; denn Erziehung ist die unentbehrliche Grundlage jeder herausragenden menschlichen Leistung und erlaubt dem Menschen, sich seinen Weg zu den Höhen immerwährender Herrlichkeit zu bahnen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;Abdu&#039;l-Bahá&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
:am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
:in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
:Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DURCH GEZIELTE ERNÄHRUNG KRANKHEITEN HEILEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die &lt;br /&gt;
ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie im Körper wiederherstellen? Die &lt;br /&gt;
ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, &lt;br /&gt;
mit den Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind in ihren Grundzügen &lt;br /&gt;
Jahrtausende alt, wurden jedoch zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder aufgegriffen &lt;br /&gt;
und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat, war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare Organtheorie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit der Leber als Mittelpunkt, die durch den &lt;br /&gt;
Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen selbstständigen Kreislauf bilden &lt;br /&gt;
und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und koordinieren. Zuvor sollen &lt;br /&gt;
aber das Wesen des angeborenen Wissens und die fundamentale Frage über die &lt;br /&gt;
Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage nach der &lt;br /&gt;
Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist, wenn auch verborgen. Das Wesen &lt;br /&gt;
der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden, dass alles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}&lt;br /&gt;
ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten &lt;br /&gt;
geschaffen, die als „das Gesetz“ (das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar wird und alles Leben ständig Verwandlung &lt;br /&gt;
und Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt. Damit entspricht die Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge &lt;br /&gt;
dessen ist die Gesundheit ebenfalls den Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen, Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich &lt;br /&gt;
betrachtet scheint es, als ob alles in der Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird das Prinzip von Aktion und Reaktion als &lt;br /&gt;
Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet, dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird &lt;br /&gt;
die absolute Weisheit des Schöpfers und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung &lt;br /&gt;
und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit. Das alles setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes und das führt meist zur Missachtung der &lt;br /&gt;
Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im &lt;br /&gt;
gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie bringen die Abläufe im Mikro- und &lt;br /&gt;
Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen Beziehungen und Abläufe im Leben &lt;br /&gt;
und die Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der &lt;br /&gt;
Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen eng miteinander verbunden, so wie die &lt;br /&gt;
Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen &lt;br /&gt;
und gewährleistet den Informationsfluss und die Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein lebendiger Organismus ist und dementsprechend &lt;br /&gt;
funktioniert. In der Atmosphäre kreisen ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren, um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden. Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, &lt;br /&gt;
der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze, Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes Element hat ein unveränderbares Wesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers ist heiß und das des Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ACHTSAMKEIT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. &lt;br /&gt;
Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ &lt;br /&gt;
(Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR) kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosine reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist eine aktive, reiche und sehr persönliche &lt;br /&gt;
Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten &lt;br /&gt;
des Lebens. In einem typischen Kurs finden sich Menschen aus allen Lebenskreisen und &lt;br /&gt;
Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere, die Stress in der Arbeit, in ihrer &lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
oder Familie erleben, bei manchen treffen alle diese Punkte zusammen. Viele haben nie in &lt;br /&gt;
ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufmerksamkeit auf den Moment&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann, dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach und bewusst zu sein, in der Lage, wie &lt;br /&gt;
Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende &lt;br /&gt;
von Menschen an Kursen teilgenommen: in Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen, in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen geben. Eine Flut wissenschaftlicher &lt;br /&gt;
Untersuchungen hat während der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass MBSR und andere &lt;br /&gt;
achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet &lt;br /&gt;
der Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der größte Lehrer: Das Leben selbst&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen &lt;br /&gt;
drei „formelle“ Praktiken: einen Körper-Scan, achtsame Körperbewusstseinsübungen und &lt;br /&gt;
Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs Tagen &lt;br /&gt;
der Woche mindestens eine Stunde zu praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten &lt;br /&gt;
mit den Übungen verwendet. Doch es sind besonders die „informellen“ Übungen, während &lt;br /&gt;
derer die Teilnehmenden lernen, Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden &lt;br /&gt;
gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den ganzen Körper zu wandern, und darüber &lt;br /&gt;
hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich verrichten, und diese als Tätigkeit &lt;br /&gt;
achtsam zu praktizieren. Häufig wird das Zähneputzen gewählt. Andere Aktivitäten sind &lt;br /&gt;
beispielsweise das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. &lt;br /&gt;
Wenn sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie vor allem Schmerzliches, Dunkles und &lt;br /&gt;
Unangenehmes im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden &lt;br /&gt;
ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene zu blicken, &lt;br /&gt;
etwa wie mit einem Zoom ganz nah an die Details heranzufahren und dann wieder &lt;br /&gt;
„wegzuzoomen‘, bis der Blick einem Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende &lt;br /&gt;
Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: &lt;br /&gt;
Es ist nicht die Situation selbst, die Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich weiten oder sogar verengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (O.W. Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: &lt;br /&gt;
Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, &lt;br /&gt;
Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabei entwickelt &lt;br /&gt;
jeder Mensch ein Verständnis davon, das in seinem eigenen Leben wurzelt. Eine solche&lt;br /&gt;
Art des Lernens reicht tief und ermöglicht Veränderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen &lt;br /&gt;
sind. So wie die Momente meines Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:geboren in New York,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
:Pächagogin. Gründerin des&lt;br /&gt;
:Instituts für Achtsamkeit&lt;br /&gt;
:und Stressbewältigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 14 - 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi, &lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff, Monika Schramm, &lt;br /&gt;
:Karl Türke jun., Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
:www.tempora.org&lt;br /&gt;
:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout und Illustration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fotos&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saman Rahmanian S.14/15, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi S.8, 11, 12, 13, 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo S.26, 27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
restliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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:Bahá’í—Vertrieb&lt;br /&gt;
:Benzweg 4&lt;br /&gt;
:D-64293 Darmstadt&lt;br /&gt;
:Tel.: 061 92 / 2 29 21&lt;br /&gt;
:Fax: 06151 / 9517299&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint einmal jährlich.&lt;br /&gt;
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Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH 2007 ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===FASTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;KEINE LEICHTE ÜBUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung stehen die Angebote von Fastenkuren, &lt;br /&gt;
Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon &lt;br /&gt;
probiert, die meisten waren davon angetan und wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr tun. Andere wiederum graust es bei der &lt;br /&gt;
Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zu essen kriegen und nur von Wasser, Luft und &lt;br /&gt;
Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer &lt;br /&gt;
Indikation. Damit werden Verdauungs- und Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt. Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente &lt;br /&gt;
sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* als Askese,&lt;br /&gt;
:* als Übung der Selbstverleugnung und Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
:* als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
:* als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
:* als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
:* als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
:* als Sühne und persönliches Opfer, etwa nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
:* zur Sammlung von Willenskräften, etwa um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu haben,&lt;br /&gt;
:* als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
:* als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
:* um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
:* um seinem Karma zu entgehen, in der Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
:* zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
:* um Naturkatastrophen abzuwehren, die als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
:* und auch ganz einfach als sittliches und gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie ein roter Faden, und all diese &lt;br /&gt;
Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, &lt;br /&gt;
sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch &lt;br /&gt;
zwischen dem Fasten als völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem Vermeiden bestimmter &lt;br /&gt;
Nahrungsmittel. Auf Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein oder ganz allgemein berauschender &lt;br /&gt;
Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahr folgt, wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen &lt;br /&gt;
Breitengraden liegenden islamischen Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich &lt;br /&gt;
bei 40 Grad Celsius der Nahrung und besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische &lt;br /&gt;
Kalender fünf Fastentage zum Gedenken an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter &lt;br /&gt;
geistiger Sensibilität zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen &lt;br /&gt;
wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden abgebaut. Man reagiert &lt;br /&gt;
bewusster. Man kann feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich nach etwa drei Tagen &lt;br /&gt;
verschwindet. Es folgt, wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die &lt;br /&gt;
schöne Zeit ohne äußeres Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit &lt;br /&gt;
an Magen und Körper. Der Geist „erhebt“ sich über die Materie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert &lt;br /&gt;
wird dagegen aus äußerem Zwang und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, ob es noch ohne geht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder hygienische und die zweite, nämlich die &lt;br /&gt;
vergeistigende, die geforderte Loslösung von der Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i-Fastenmonat &lt;br /&gt;
immer zur gleichen Jahreszeit, und zwar Anfang März bis zum Bahá’í-Neujahr am 21. März. &lt;br /&gt;
Dann herrscht überall auf der Welt eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind klimatische &lt;br /&gt;
Extreme in dieser Zeit nirgends zu befürchten. Der Hauptunterschied zwischen medizinischem &lt;br /&gt;
Fasten und Bahá’í-Fasten liegt in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwindet &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen das Hungergefühl. Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahá’í-Fasten dagegen tritt dieser Effekt nicht auf, denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und so knurrt einem der Magen während dieser ganzen 19 Tage. Hier ist unschwer zu &lt;br /&gt;
erkennen, dass es sich um eine gelstige Übung handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), &lt;br /&gt;
sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung in ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an das sich zu halten dem Gläubigen viel &lt;br /&gt;
leichter fällt. Voraussetzung dafür ist freilich die Anerkennung dieser höheren Autorität, &lt;br /&gt;
die Erkenntnis Gottes, denn vor uns selbst haben wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung der eigenen guten Vorsätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schielt eben nicht missmutig nach dem kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt &lt;br /&gt;
werden, nur dann ist sie glaubwürdig. Und sowird auch das Fasten, wenn es im Sinn&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Jede Stunde dieser Tage hast Du mit einer besonderen Wirkkraft ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir, Dessen Wissen alles Erschaffene umfaßt. Auch hast Du jede Seele an dieser Wirkkraft teilhaben lassen gemäß der Tafel Deines Ratschlusses und den Schriften Deines unwiderruflichen Urteils.“&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
:bei einer großen&lt;br /&gt;
:Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;WENN SELBST DIE EINFACHSTEN DINGE NICHT KLAPPEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen in Burkina Faso===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung. Die Transportkosten in eine größere Stadt mit Krankenhaus sind für viele zu hoch.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anti-Aging, Delfin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt immer noch Länder, in denen nicht einmal der Luxus erlaubt ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem der ärmsten Länder dieser Welt. Es rangiert laut einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern. Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze, die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner mit dem Thema „Gesundheit“ assoziieren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was die Burknabé tun für Ihre Gesundheit? Nichts, sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung, selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich die Leute nicht gesund. Gemüse wird in Afrika grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der Nahrungzu erhöhen. Sport machen nur wenige Leute bewusst; die meisten unfreiwilig in Form harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An den medizinischen Einrichtungen dürfte sich kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte könnten höchstens von Internationalen Geldgebern gesponsert werden. Und die Arztmisere ist groß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten schon unsere Geschenktüte gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für das &lt;br /&gt;
Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes sollte diesen Monat ein Kind &lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft es eines Morgens an unsere Türe: Soumaï&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; hatte vor &lt;br /&gt;
zwei Tagen ihr Kind geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert? Schließlich &lt;br /&gt;
befinden wir unsin Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, wo es die besten &lt;br /&gt;
Kliniken des Landes gibt. Früher sagte man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumaï immer noch in ihrem Dorf, dann hätte Ihr Mann sie &lt;br /&gt;
bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads in das nächste Dispensaire&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
gebracht. Und im schlechtesten Fall hätte sie ihr Baby allein im Busch bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht &lt;br /&gt;
wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen lieber das Risiko zu sterben als die Scham. &lt;br /&gt;
Bis heute bestehen manche der Fulbefrauen auf dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox! Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind — bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nur darauf wartend, dass ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fulbefrau beim Hirsestampfen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko, doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumaï ist doch so eine junge und gesunde Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen &lt;br /&gt;
ihr Kind bekommen hatte. Nach dem ersten Schock versammeln sich die in der Nähe &lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann, und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe. Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europäische &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man in &lt;br /&gt;
Burkina gar nicht Medizin studieren kann. Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine &lt;br /&gt;
Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir, was passiert ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie seien überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben Soumaï nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. &lt;br /&gt;
Die Reaktion der ebenfalls schockierten Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen. Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
Somit klagt niemand die Ärzte an - das Leben muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe aus Strohmatten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten ohne, mit und mit internationaler Versicherung. &lt;br /&gt;
Doch bei all meiner Bewunderung für ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumaï uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie ist &lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme und macht Scherze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Name geändart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Frz. Bezeichnung der einfachen Dorfkrankenäuser im frankophonen Afrika, die oft nur von einem Pfleger betreut werden, der Arzt kommt nur ein oder zwei Mal in der Woche vorbei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
:Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
:für den Deutschen&lt;br /&gt;
:Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
:in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Basisdaten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Einwohnerzahl: 13.228.000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/191&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Müttersterblichkeit: (auf 100 000 Lebendgeburten, 2000): 1000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003): 68 US-Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Krankenpfleger für 1000 Einwohner: 0,41&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quelle : Datenbank der WHO,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die weltweite Aldsepidemie 2006,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die menschliche Entwicklung UNDP&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aus dem Gleichgewicht geraten===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund &lt;br /&gt;
sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen &lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft &lt;br /&gt;
und unsere kulturellen Vorstellungen vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen. Die &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits 1997 die Fettleibigkeit als ein großes &lt;br /&gt;
Problem der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen &lt;br /&gt;
Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt als die Norm. Zur Bestimmung von Übergewicht &lt;br /&gt;
und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ursachen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige &lt;br /&gt;
biologische, psychische und soziokulturelle Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits &lt;br /&gt;
im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Übergewichtige Kinder leiden körperlich und seelisch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes mellitus, &lt;br /&gt;
orthopädische Beschwerden und Leberverfettung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind adipöse Kinder auch von psychosozialen &lt;br /&gt;
Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige beurteilen ein übergewichtiges Kind nur &lt;br /&gt;
aufgrund seiner Erscheinung als „faul, schmutzig, dumm und unattraktiv”. Adipöse Kinder &lt;br /&gt;
entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme &lt;br /&gt;
und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, &lt;br /&gt;
so scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen &lt;br /&gt;
zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kostenlawine rollt&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können. In der Schweiz werden bis zum heutigen &lt;br /&gt;
Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die Folgeerscheinungen werden von der jewelligen &lt;br /&gt;
Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verantwortung der Gesellschaft&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. &lt;br /&gt;
Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Konsum &lt;br /&gt;
dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern; zu &lt;br /&gt;
fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie und ihr Einfluss auf die Kinder wurden &lt;br /&gt;
untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt die einschlägige Industrie jährlich &lt;br /&gt;
10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind &lt;br /&gt;
an Schulen Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und hochkalorischen Snacks zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichgewicht des Körpers&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund eines Nahrungsüberangebots aus dem &lt;br /&gt;
Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle spielt der zunehmende Bewegungsmangel &lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig &lt;br /&gt;
dicker, nicht nur infolge eingeschränkter Bewegung, sondern auch infolge exzessiv &lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweieinhalb &lt;br /&gt;
Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich etwa &lt;br /&gt;
eineinhalb Stunden. Noch höher sind die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Therapieangebote&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können &lt;br /&gt;
Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf einer engen Zusammenarbeit mit &lt;br /&gt;
Experten, beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die Verbraucher vermehrt Gedanken über den &lt;br /&gt;
Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über &lt;br /&gt;
ihr tatsächliches Essverhalten. Denn der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht zeigt es &lt;br /&gt;
klar: Beim Essverhalten besteht ein großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt wird und &lt;br /&gt;
einen hohen Anteil an Früchten und Gemüse aufweist. Functional Food kann eine bewusste &lt;br /&gt;
Ernährung im besten Fall sinnvoll ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann auch mit &lt;br /&gt;
einem erhöhten Konsum solcher Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können &lt;br /&gt;
damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Die Erziehung und Ausbildung der Kinder gehört zu den verdienstvollsten Taten der Menschheit. Sie zieht die Gnade und den Segen des Allbarmherzigen auf sich; denn Erziehung ist die unentbehrliche Grundlage jeder herausragenden menschlichen Leistung und erlaubt dem Menschen, sich seinen Weg zu den Höhen immerwährender Herrlichkeit zu bahnen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;Abdu&#039;l-Bahá&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
:am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
:in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
:Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DURCH GEZIELTE ERNÄHRUNG KRANKHEITEN HEILEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die &lt;br /&gt;
ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie im Körper wiederherstellen? Die &lt;br /&gt;
ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, &lt;br /&gt;
mit den Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind in ihren Grundzügen &lt;br /&gt;
Jahrtausende alt, wurden jedoch zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder aufgegriffen &lt;br /&gt;
und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat, war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare Organtheorie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit der Leber als Mittelpunkt, die durch den &lt;br /&gt;
Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen selbstständigen Kreislauf bilden &lt;br /&gt;
und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und koordinieren. Zuvor sollen &lt;br /&gt;
aber das Wesen des angeborenen Wissens und die fundamentale Frage über die &lt;br /&gt;
Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage nach der &lt;br /&gt;
Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist, wenn auch verborgen. Das Wesen &lt;br /&gt;
der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden, dass alles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}&lt;br /&gt;
ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten &lt;br /&gt;
geschaffen, die als „das Gesetz“ (das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar wird und alles Leben ständig Verwandlung &lt;br /&gt;
und Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt. Damit entspricht die Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge &lt;br /&gt;
dessen ist die Gesundheit ebenfalls den Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen, Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich &lt;br /&gt;
betrachtet scheint es, als ob alles in der Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird das Prinzip von Aktion und Reaktion als &lt;br /&gt;
Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet, dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird &lt;br /&gt;
die absolute Weisheit des Schöpfers und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung &lt;br /&gt;
und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit. Das alles setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes und das führt meist zur Missachtung der &lt;br /&gt;
Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im &lt;br /&gt;
gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie bringen die Abläufe im Mikro- und &lt;br /&gt;
Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen Beziehungen und Abläufe im Leben &lt;br /&gt;
und die Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der &lt;br /&gt;
Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen eng miteinander verbunden, so wie die &lt;br /&gt;
Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen &lt;br /&gt;
und gewährleistet den Informationsfluss und die Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein lebendiger Organismus ist und dementsprechend &lt;br /&gt;
funktioniert. In der Atmosphäre kreisen ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren, um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden. Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, &lt;br /&gt;
der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze, Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes Element hat ein unveränderbares Wesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers ist heiß und das des Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-02T08:50:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ACHTSAMKEIT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. &lt;br /&gt;
Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ &lt;br /&gt;
(Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR) kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosine reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist eine aktive, reiche und sehr persönliche &lt;br /&gt;
Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten &lt;br /&gt;
des Lebens. In einem typischen Kurs finden sich Menschen aus allen Lebenskreisen und &lt;br /&gt;
Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere, die Stress in der Arbeit, in ihrer &lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
oder Familie erleben, bei manchen treffen alle diese Punkte zusammen. Viele haben nie in &lt;br /&gt;
ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufmerksamkeit auf den Moment&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann, dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach und bewusst zu sein, in der Lage, wie &lt;br /&gt;
Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende &lt;br /&gt;
von Menschen an Kursen teilgenommen: in Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen, in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen geben. Eine Flut wissenschaftlicher &lt;br /&gt;
Untersuchungen hat während der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass MBSR und andere &lt;br /&gt;
achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet &lt;br /&gt;
der Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der größte Lehrer: Das Leben selbst&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen &lt;br /&gt;
drei „formelle“ Praktiken: einen Körper-Scan, achtsame Körperbewusstseinsübungen und &lt;br /&gt;
Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs Tagen &lt;br /&gt;
der Woche mindestens eine Stunde zu praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten &lt;br /&gt;
mit den Übungen verwendet. Doch es sind besonders die „informellen“ Übungen, während &lt;br /&gt;
derer die Teilnehmenden lernen, Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden &lt;br /&gt;
gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den ganzen Körper zu wandern, und darüber &lt;br /&gt;
hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich verrichten, und diese als Tätigkeit &lt;br /&gt;
achtsam zu praktizieren. Häufig wird das Zähneputzen gewählt. Andere Aktivitäten sind &lt;br /&gt;
beispielsweise das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. &lt;br /&gt;
Wenn sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie vor allem Schmerzliches, Dunkles und &lt;br /&gt;
Unangenehmes im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden &lt;br /&gt;
ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene zu blicken, &lt;br /&gt;
etwa wie mit einem Zoom ganz nah an die Details heranzufahren und dann wieder &lt;br /&gt;
„wegzuzoomen‘, bis der Blick einem Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende &lt;br /&gt;
Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: &lt;br /&gt;
Es ist nicht die Situation selbst, die Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich weiten oder sogar verengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (O.W. Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: &lt;br /&gt;
Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, &lt;br /&gt;
Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabei entwickelt &lt;br /&gt;
jeder Mensch ein Verständnis davon, das in seinem eigenen Leben wurzelt. Eine solche&lt;br /&gt;
Art des Lernens reicht tief und ermöglicht Veränderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen &lt;br /&gt;
sind. So wie die Momente meines Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:geboren in New York,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
:Pächagogin. Gründerin des&lt;br /&gt;
:Instituts für Achtsamkeit&lt;br /&gt;
:und Stressbewältigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 14 - 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi, &lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff, Monika Schramm, &lt;br /&gt;
:Karl Türke jun., Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
:www.tempora.org&lt;br /&gt;
:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout und Illustration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fotos&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saman Rahmanian S.14/15, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi S.8, 11, 12, 13, 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo S.26, 27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
restliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
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:Bahá’í—Vertrieb&lt;br /&gt;
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:D-64293 Darmstadt&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint einmal jährlich.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===FASTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;KEINE LEICHTE ÜBUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung stehen die Angebote von Fastenkuren, &lt;br /&gt;
Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon &lt;br /&gt;
probiert, die meisten waren davon angetan und wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr tun. Andere wiederum graust es bei der &lt;br /&gt;
Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zu essen kriegen und nur von Wasser, Luft und &lt;br /&gt;
Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer &lt;br /&gt;
Indikation. Damit werden Verdauungs- und Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt. Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente &lt;br /&gt;
sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* als Askese,&lt;br /&gt;
:* als Übung der Selbstverleugnung und Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
:* als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
:* als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
:* als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
:* als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
:* als Sühne und persönliches Opfer, etwa nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
:* zur Sammlung von Willenskräften, etwa um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu haben,&lt;br /&gt;
:* als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
:* als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
:* um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
:* um seinem Karma zu entgehen, in der Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
:* zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
:* um Naturkatastrophen abzuwehren, die als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
:* und auch ganz einfach als sittliches und gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie ein roter Faden, und all diese &lt;br /&gt;
Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, &lt;br /&gt;
sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch &lt;br /&gt;
zwischen dem Fasten als völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem Vermeiden bestimmter &lt;br /&gt;
Nahrungsmittel. Auf Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein oder ganz allgemein berauschender &lt;br /&gt;
Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahr folgt, wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen &lt;br /&gt;
Breitengraden liegenden islamischen Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich &lt;br /&gt;
bei 40 Grad Celsius der Nahrung und besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische &lt;br /&gt;
Kalender fünf Fastentage zum Gedenken an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter &lt;br /&gt;
geistiger Sensibilität zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen &lt;br /&gt;
wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden abgebaut. Man reagiert &lt;br /&gt;
bewusster. Man kann feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich nach etwa drei Tagen &lt;br /&gt;
verschwindet. Es folgt, wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die &lt;br /&gt;
schöne Zeit ohne äußeres Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit &lt;br /&gt;
an Magen und Körper. Der Geist „erhebt“ sich über die Materie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert &lt;br /&gt;
wird dagegen aus äußerem Zwang und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, ob es noch ohne geht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder hygienische und die zweite, nämlich die &lt;br /&gt;
vergeistigende, die geforderte Loslösung von der Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i-Fastenmonat &lt;br /&gt;
immer zur gleichen Jahreszeit, und zwar Anfang März bis zum Bahá’í-Neujahr am 21. März. &lt;br /&gt;
Dann herrscht überall auf der Welt eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind klimatische &lt;br /&gt;
Extreme in dieser Zeit nirgends zu befürchten. Der Hauptunterschied zwischen medizinischem &lt;br /&gt;
Fasten und Bahá’í-Fasten liegt in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwindet &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen das Hungergefühl. Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahá’í-Fasten dagegen tritt dieser Effekt nicht auf, denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und so knurrt einem der Magen während dieser ganzen 19 Tage. Hier ist unschwer zu &lt;br /&gt;
erkennen, dass es sich um eine gelstige Übung handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), &lt;br /&gt;
sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung in ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an das sich zu halten dem Gläubigen viel &lt;br /&gt;
leichter fällt. Voraussetzung dafür ist freilich die Anerkennung dieser höheren Autorität, &lt;br /&gt;
die Erkenntnis Gottes, denn vor uns selbst haben wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung der eigenen guten Vorsätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schielt eben nicht missmutig nach dem kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt &lt;br /&gt;
werden, nur dann ist sie glaubwürdig. Und sowird auch das Fasten, wenn es im Sinn&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Jede Stunde dieser Tage hast Du mit einer besonderen Wirkkraft ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir, Dessen Wissen alles Erschaffene umfaßt. Auch hast Du jede Seele an dieser Wirkkraft teilhaben lassen gemäß der Tafel Deines Ratschlusses und den Schriften Deines unwiderruflichen Urteils.“&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
:bei einer großen&lt;br /&gt;
:Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;WENN SELBST DIE EINFACHSTEN DINGE NICHT KLAPPEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen in Burkina Faso===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung. Die Transportkosten in eine größere Stadt mit Krankenhaus sind für viele zu hoch.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anti-Aging, Delfin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt immer noch Länder, in denen nicht einmal der Luxus erlaubt ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem der ärmsten Länder dieser Welt. Es rangiert laut einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern. Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze, die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner mit dem Thema „Gesundheit“ assoziieren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was die Burknabé tun für Ihre Gesundheit? Nichts, sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung, selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich die Leute nicht gesund. Gemüse wird in Afrika grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der Nahrungzu erhöhen. Sport machen nur wenige Leute bewusst; die meisten unfreiwilig in Form harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An den medizinischen Einrichtungen dürfte sich kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte könnten höchstens von Internationalen Geldgebern gesponsert werden. Und die Arztmisere ist groß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten schon unsere Geschenktüte gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für das &lt;br /&gt;
Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes sollte diesen Monat ein Kind &lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft es eines Morgens an unsere Türe: Soumaï&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; hatte vor &lt;br /&gt;
zwei Tagen ihr Kind geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert? Schließlich &lt;br /&gt;
befinden wir unsin Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, wo es die besten &lt;br /&gt;
Kliniken des Landes gibt. Früher sagte man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumaï immer noch in ihrem Dorf, dann hätte Ihr Mann sie &lt;br /&gt;
bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads in das nächste Dispensaire&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
gebracht. Und im schlechtesten Fall hätte sie ihr Baby allein im Busch bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht &lt;br /&gt;
wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen lieber das Risiko zu sterben als die Scham. &lt;br /&gt;
Bis heute bestehen manche der Fulbefrauen auf dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox! Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind — bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nur darauf wartend, dass ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fulbefrau beim Hirsestampfen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko, doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumaï ist doch so eine junge und gesunde Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen &lt;br /&gt;
ihr Kind bekommen hatte. Nach dem ersten Schock versammeln sich die in der Nähe &lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann, und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe. Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europäische &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man in &lt;br /&gt;
Burkina gar nicht Medizin studieren kann. Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine &lt;br /&gt;
Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir, was passiert ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie seien überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben Soumaï nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. &lt;br /&gt;
Die Reaktion der ebenfalls schockierten Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen. Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
Somit klagt niemand die Ärzte an - das Leben muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe aus Strohmatten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten ohne, mit und mit internationaler Versicherung. &lt;br /&gt;
Doch bei all meiner Bewunderung für ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumaï uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie ist &lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme und macht Scherze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Name geändart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Frz. Bezeichnung der einfachen Dorfkrankenäuser im frankophonen Afrika, die oft nur von einem Pfleger betreut werden, der Arzt kommt nur ein oder zwei Mal in der Woche vorbei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
:Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
:für den Deutschen&lt;br /&gt;
:Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
:in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Basisdaten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Einwohnerzahl: 13.228.000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/191&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Müttersterblichkeit: (auf 100 000 Lebendgeburten, 2000): 1000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003): 68 US-Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Krankenpfleger für 1000 Einwohner: 0,41&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quelle : Datenbank der WHO,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die weltweite Aldsepidemie 2006,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die menschliche Entwicklung UNDP&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-02T08:49:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ACHTSAMKEIT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. &lt;br /&gt;
Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ &lt;br /&gt;
(Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR) kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosine reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist eine aktive, reiche und sehr persönliche &lt;br /&gt;
Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten &lt;br /&gt;
des Lebens. In einem typischen Kurs finden sich Menschen aus allen Lebenskreisen und &lt;br /&gt;
Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere, die Stress in der Arbeit, in ihrer &lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
oder Familie erleben, bei manchen treffen alle diese Punkte zusammen. Viele haben nie in &lt;br /&gt;
ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufmerksamkeit auf den Moment&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann, dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach und bewusst zu sein, in der Lage, wie &lt;br /&gt;
Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende &lt;br /&gt;
von Menschen an Kursen teilgenommen: in Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen, in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen geben. Eine Flut wissenschaftlicher &lt;br /&gt;
Untersuchungen hat während der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass MBSR und andere &lt;br /&gt;
achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet &lt;br /&gt;
der Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der größte Lehrer: Das Leben selbst&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen &lt;br /&gt;
drei „formelle“ Praktiken: einen Körper-Scan, achtsame Körperbewusstseinsübungen und &lt;br /&gt;
Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs Tagen &lt;br /&gt;
der Woche mindestens eine Stunde zu praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten &lt;br /&gt;
mit den Übungen verwendet. Doch es sind besonders die „informellen“ Übungen, während &lt;br /&gt;
derer die Teilnehmenden lernen, Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden &lt;br /&gt;
gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den ganzen Körper zu wandern, und darüber &lt;br /&gt;
hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich verrichten, und diese als Tätigkeit &lt;br /&gt;
achtsam zu praktizieren. Häufig wird das Zähneputzen gewählt. Andere Aktivitäten sind &lt;br /&gt;
beispielsweise das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. &lt;br /&gt;
Wenn sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie vor allem Schmerzliches, Dunkles und &lt;br /&gt;
Unangenehmes im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden &lt;br /&gt;
ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene zu blicken, &lt;br /&gt;
etwa wie mit einem Zoom ganz nah an die Details heranzufahren und dann wieder &lt;br /&gt;
„wegzuzoomen‘, bis der Blick einem Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende &lt;br /&gt;
Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: &lt;br /&gt;
Es ist nicht die Situation selbst, die Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich weiten oder sogar verengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (O.W. Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: &lt;br /&gt;
Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, &lt;br /&gt;
Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabei entwickelt &lt;br /&gt;
jeder Mensch ein Verständnis davon, das in seinem eigenen Leben wurzelt. Eine solche&lt;br /&gt;
Art des Lernens reicht tief und ermöglicht Veränderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen &lt;br /&gt;
sind. So wie die Momente meines Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:geboren in New York,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
:Pächagogin. Gründerin des&lt;br /&gt;
:Instituts für Achtsamkeit&lt;br /&gt;
:und Stressbewältigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 14 - 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi, &lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff, Monika Schramm, &lt;br /&gt;
:Karl Türke jun., Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
:www.tempora.org&lt;br /&gt;
:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout und Illustration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fotos&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saman Rahmanian S.14/15, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi S.8, 11, 12, 13, 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo S.26, 27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
restliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
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:Benzweg 4&lt;br /&gt;
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:Fax: 06151 / 9517299&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint einmal jährlich.&lt;br /&gt;
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schriftlicher Genehmigung der Redaktion.&lt;br /&gt;
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Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH 2007 ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===FASTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;KEINE LEICHTE ÜBUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung stehen die Angebote von Fastenkuren, &lt;br /&gt;
Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon &lt;br /&gt;
probiert, die meisten waren davon angetan und wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr tun. Andere wiederum graust es bei der &lt;br /&gt;
Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zu essen kriegen und nur von Wasser, Luft und &lt;br /&gt;
Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer &lt;br /&gt;
Indikation. Damit werden Verdauungs- und Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt. Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente &lt;br /&gt;
sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* als Askese,&lt;br /&gt;
:* als Übung der Selbstverleugnung und Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
:* als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
:* als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
:* als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
:* als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
:* als Sühne und persönliches Opfer, etwa nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
:* zur Sammlung von Willenskräften, etwa um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu haben,&lt;br /&gt;
:* als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
:* als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
:* um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
:* um seinem Karma zu entgehen, in der Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
:* zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
:* um Naturkatastrophen abzuwehren, die als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
:* und auch ganz einfach als sittliches und gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie ein roter Faden, und all diese &lt;br /&gt;
Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, &lt;br /&gt;
sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch &lt;br /&gt;
zwischen dem Fasten als völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem Vermeiden bestimmter &lt;br /&gt;
Nahrungsmittel. Auf Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein oder ganz allgemein berauschender &lt;br /&gt;
Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahr folgt, wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen &lt;br /&gt;
Breitengraden liegenden islamischen Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich &lt;br /&gt;
bei 40 Grad Celsius der Nahrung und besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische &lt;br /&gt;
Kalender fünf Fastentage zum Gedenken an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter &lt;br /&gt;
geistiger Sensibilität zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen &lt;br /&gt;
wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden abgebaut. Man reagiert &lt;br /&gt;
bewusster. Man kann feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich nach etwa drei Tagen &lt;br /&gt;
verschwindet. Es folgt, wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die &lt;br /&gt;
schöne Zeit ohne äußeres Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit &lt;br /&gt;
an Magen und Körper. Der Geist „erhebt“ sich über die Materie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert &lt;br /&gt;
wird dagegen aus äußerem Zwang und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, ob es noch ohne geht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder hygienische und die zweite, nämlich die &lt;br /&gt;
vergeistigende, die geforderte Loslösung von der Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i-Fastenmonat &lt;br /&gt;
immer zur gleichen Jahreszeit, und zwar Anfang März bis zum Bahá’í-Neujahr am 21. März. &lt;br /&gt;
Dann herrscht überall auf der Welt eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind klimatische &lt;br /&gt;
Extreme in dieser Zeit nirgends zu befürchten. Der Hauptunterschied zwischen medizinischem &lt;br /&gt;
Fasten und Bahá’í-Fasten liegt in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwindet &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen das Hungergefühl. Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahá’í-Fasten dagegen tritt dieser Effekt nicht auf, denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und so knurrt einem der Magen während dieser ganzen 19 Tage. Hier ist unschwer zu &lt;br /&gt;
erkennen, dass es sich um eine gelstige Übung handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), &lt;br /&gt;
sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung in ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an das sich zu halten dem Gläubigen viel &lt;br /&gt;
leichter fällt. Voraussetzung dafür ist freilich die Anerkennung dieser höheren Autorität, &lt;br /&gt;
die Erkenntnis Gottes, denn vor uns selbst haben wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung der eigenen guten Vorsätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schielt eben nicht missmutig nach dem kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt &lt;br /&gt;
werden, nur dann ist sie glaubwürdig. Und sowird auch das Fasten, wenn es im Sinn&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Jede Stunde dieser Tage hast Du mit einer besonderen Wirkkraft ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir, Dessen Wissen alles Erschaffene umfaßt. Auch hast Du jede Seele an dieser Wirkkraft teilhaben lassen gemäß der Tafel Deines Ratschlusses und den Schriften Deines unwiderruflichen Urteils.“&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
:bei einer großen&lt;br /&gt;
:Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;WENN SELBST DIE EINFACHSTEN DINGE NICHT KLAPPEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen in Burkina Faso===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung. Die Transportkosten in eine größere Stadt mit Krankenhaus sind für viele zu hoch.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anti-Aging, Delfin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt immer noch Länder, in denen nicht einmal der Luxus erlaubt ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem der ärmsten Länder dieser Welt. Es rangiert laut einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern. Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze, die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner mit dem Thema „Gesundheit“ assoziieren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was die Burknabé tun für Ihre Gesundheit? Nichts, sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung, selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich die Leute nicht gesund. Gemüse wird in Afrika grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der Nahrungzu erhöhen. Sport machen nur wenige Leute bewusst; die meisten unfreiwilig in Form harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An den medizinischen Einrichtungen dürfte sich kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte könnten höchstens von Internationalen Geldgebern gesponsert werden. Und die Arztmisere ist groß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten schon unsere Geschenktüte gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für das &lt;br /&gt;
Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes sollte diesen Monat ein Kind &lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft es eines Morgens an unsere Türe: Soumaï&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; hatte vor &lt;br /&gt;
zwei Tagen ihr Kind geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert? Schließlich &lt;br /&gt;
befinden wir unsin Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, wo es die besten &lt;br /&gt;
Kliniken des Landes gibt. Früher sagte man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumaï immer noch in ihrem Dorf, dann hätte Ihr Mann sie &lt;br /&gt;
bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads in das nächste Dispensaire&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
gebracht. Und im schlechtesten Fall hätte sie ihr Baby allein im Busch bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht &lt;br /&gt;
wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen lieber das Risiko zu sterben als die Scham. &lt;br /&gt;
Bis heute bestehen manche der Fulbefrauen auf dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox! Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind — bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nur darauf wartend, dass ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fulbefrau beim Hirsestampfen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko, doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumaï ist doch so eine junge und gesunde Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen &lt;br /&gt;
ihr Kind bekommen hatte. Nach dem ersten Schock versammeln sich die in der Nähe &lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann, und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe. Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europäische &lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man in &lt;br /&gt;
Burkina gar nicht Medizin studieren kann. Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine &lt;br /&gt;
Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir, was passiert ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie seien überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben Soumaï nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. &lt;br /&gt;
Die Reaktion der ebenfalls schockierten Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen. Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
Somit klagt niemand die Ärzte an - das Leben muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe aus Strohmatten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten ohne, mit und mit internationaler Versicherung. &lt;br /&gt;
Doch bei all meiner Bewunderung für ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumaï uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie ist &lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme und macht Scherze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Name geändart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Frz. Bezeichnung der einfachen Dorfkrankenäuser im&lt;br /&gt;
frankophonen Afrika, die oft nur von einem Pfleger betreut werden, &lt;br /&gt;
der Arzt kommt nur ein oder zwei Mal in der Woche vorbei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
:Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
:für den Deutschen&lt;br /&gt;
:Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
:in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Basisdaten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Einwohnerzahl: 13.228.000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/191&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Müttersterblichkeit: (auf 100 000 Lebendgeburten, 2000): 1000&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003): 68 US-Dollar&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Anzahl der Krankenpfleger für 1000 Einwohner: 0,41&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quelle : Datenbank der WHO,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die weltweite Aldsepidemie 2006,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bericht über die menschliche Entwicklung UNDP&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-01T16:01:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ACHTSAMKEIT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. &lt;br /&gt;
Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ &lt;br /&gt;
(Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR) kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosine reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist eine aktive, reiche und sehr persönliche &lt;br /&gt;
Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten &lt;br /&gt;
des Lebens. In einem typischen Kurs finden sich Menschen aus allen Lebenskreisen und &lt;br /&gt;
Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere, die Stress in der Arbeit, in ihrer &lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
oder Familie erleben, bei manchen treffen alle diese Punkte zusammen. Viele haben nie in &lt;br /&gt;
ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufmerksamkeit auf den Moment&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann, dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach und bewusst zu sein, in der Lage, wie &lt;br /&gt;
Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende &lt;br /&gt;
von Menschen an Kursen teilgenommen: in Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen, in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen geben. Eine Flut wissenschaftlicher &lt;br /&gt;
Untersuchungen hat während der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass MBSR und andere &lt;br /&gt;
achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet &lt;br /&gt;
der Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der größte Lehrer: Das Leben selbst&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen &lt;br /&gt;
drei „formelle“ Praktiken: einen Körper-Scan, achtsame Körperbewusstseinsübungen und &lt;br /&gt;
Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs Tagen &lt;br /&gt;
der Woche mindestens eine Stunde zu praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten &lt;br /&gt;
mit den Übungen verwendet. Doch es sind besonders die „informellen“ Übungen, während &lt;br /&gt;
derer die Teilnehmenden lernen, Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden &lt;br /&gt;
gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den ganzen Körper zu wandern, und darüber &lt;br /&gt;
hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich verrichten, und diese als Tätigkeit &lt;br /&gt;
achtsam zu praktizieren. Häufig wird das Zähneputzen gewählt. Andere Aktivitäten sind &lt;br /&gt;
beispielsweise das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. &lt;br /&gt;
Wenn sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie vor allem Schmerzliches, Dunkles und &lt;br /&gt;
Unangenehmes im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden &lt;br /&gt;
ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene zu blicken, &lt;br /&gt;
etwa wie mit einem Zoom ganz nah an die Details heranzufahren und dann wieder &lt;br /&gt;
„wegzuzoomen‘, bis der Blick einem Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende &lt;br /&gt;
Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: &lt;br /&gt;
Es ist nicht die Situation selbst, die Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich weiten oder sogar verengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (O.W. Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: &lt;br /&gt;
Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, &lt;br /&gt;
Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabei entwickelt &lt;br /&gt;
jeder Mensch ein Verständnis davon, das in seinem eigenen Leben wurzelt. Eine solche&lt;br /&gt;
Art des Lernens reicht tief und ermöglicht Veränderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen &lt;br /&gt;
sind. So wie die Momente meines Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:geboren in New York,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
:Pächagogin. Gründerin des&lt;br /&gt;
:Instituts für Achtsamkeit&lt;br /&gt;
:und Stressbewältigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 14 - 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi, &lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff, Monika Schramm, &lt;br /&gt;
:Karl Türke jun., Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
:www.tempora.org&lt;br /&gt;
:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout und Illustration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fotos&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saman Rahmanian S.14/15, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi S.8, 11, 12, 13, 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo S.26, 27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===FASTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;KEINE LEICHTE ÜBUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung stehen die Angebote von Fastenkuren, &lt;br /&gt;
Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon &lt;br /&gt;
probiert, die meisten waren davon angetan und wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr tun. Andere wiederum graust es bei der &lt;br /&gt;
Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zu essen kriegen und nur von Wasser, Luft und &lt;br /&gt;
Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer &lt;br /&gt;
Indikation. Damit werden Verdauungs- und Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt. Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente &lt;br /&gt;
sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* als Askese,&lt;br /&gt;
:* als Übung der Selbstverleugnung und Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
:* als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
:* als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
:* als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
:* als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
:* als Sühne und persönliches Opfer, etwa nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
:* zur Sammlung von Willenskräften, etwa um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu haben,&lt;br /&gt;
:* als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
:* als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
:* um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
:* um seinem Karma zu entgehen, in der Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
:* zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
:* um Naturkatastrophen abzuwehren, die als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
:* und auch ganz einfach als sittliches und gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie ein roter Faden, und all diese &lt;br /&gt;
Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene &lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, &lt;br /&gt;
sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch &lt;br /&gt;
zwischen dem Fasten als völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem Vermeiden bestimmter &lt;br /&gt;
Nahrungsmittel. Auf Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein oder ganz allgemein berauschender &lt;br /&gt;
Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahr folgt, wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen &lt;br /&gt;
Breitengraden liegenden islamischen Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich &lt;br /&gt;
bei 40 Grad Celsius der Nahrung und besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische &lt;br /&gt;
Kalender fünf Fastentage zum Gedenken an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter &lt;br /&gt;
geistiger Sensibilität zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen &lt;br /&gt;
wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden abgebaut. Man reagiert &lt;br /&gt;
bewusster. Man kann feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich nach etwa drei Tagen &lt;br /&gt;
verschwindet. Es folgt, wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die &lt;br /&gt;
schöne Zeit ohne äußeres Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit &lt;br /&gt;
an Magen und Körper. Der Geist „erhebt“ sich über die Materie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert &lt;br /&gt;
wird dagegen aus äußerem Zwang und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, ob es noch ohne geht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder hygienische und die zweite, nämlich die &lt;br /&gt;
vergeistigende, die geforderte Loslösung von der Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i-Fastenmonat &lt;br /&gt;
immer zur gleichen Jahreszeit, und zwar Anfang März bis zum Bahá’í-Neujahr am 21. März. &lt;br /&gt;
Dann herrscht überall auf der Welt eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind klimatische &lt;br /&gt;
Extreme in dieser Zeit nirgends zu befürchten. Der Hauptunterschied zwischen medizinischem &lt;br /&gt;
Fasten und Bahá’í-Fasten liegt in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwindet &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen das Hungergefühl. Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahá’í-Fasten dagegen tritt dieser Effekt nicht auf, denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und so knurrt einem der Magen während dieser ganzen 19 Tage. Hier ist unschwer zu &lt;br /&gt;
erkennen, dass es sich um eine gelstige Übung handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), &lt;br /&gt;
sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung in ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an das sich zu halten dem Gläubigen viel &lt;br /&gt;
leichter fällt. Voraussetzung dafür ist freilich die Anerkennung dieser höheren Autorität, &lt;br /&gt;
die Erkenntnis Gottes, denn vor uns selbst haben wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung der eigenen guten Vorsätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schielt eben nicht missmutig nach dem kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt &lt;br /&gt;
werden, nur dann ist sie glaubwürdig. Und sowird auch das Fasten, wenn es im Sinn&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláhs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Jede Stunde dieser Tage hast Du mit einer besonderen Wirkkraft ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir, Dessen Wissen alles Erschaffene umfaßt. Auch hast Du jede Seele an dieser Wirkkraft teilhaben lassen gemäß der Tafel Deines Ratschlusses und den Schriften Deines unwiderruflichen Urteils.“&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
:bei einer großen&lt;br /&gt;
:Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-01T09:25:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ACHTSAMKEIT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. &lt;br /&gt;
Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ &lt;br /&gt;
(Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR) kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosine reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist eine aktive, reiche und sehr persönliche &lt;br /&gt;
Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten &lt;br /&gt;
des Lebens. In einem typischen Kurs finden sich Menschen aus allen Lebenskreisen und &lt;br /&gt;
Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere, die Stress in der Arbeit, in ihrer &lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
oder Familie erleben, bei manchen treffen alle diese Punkte zusammen. Viele haben nie in &lt;br /&gt;
ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufmerksamkeit auf den Moment&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann, dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach und bewusst zu sein, in der Lage, wie &lt;br /&gt;
Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende &lt;br /&gt;
von Menschen an Kursen teilgenommen: in Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen, in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen geben. Eine Flut wissenschaftlicher &lt;br /&gt;
Untersuchungen hat während der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass MBSR und andere &lt;br /&gt;
achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet &lt;br /&gt;
der Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der größte Lehrer: Das Leben selbst&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen &lt;br /&gt;
drei „formelle“ Praktiken: einen Körper-Scan, achtsame Körperbewusstseinsübungen und &lt;br /&gt;
Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs Tagen &lt;br /&gt;
der Woche mindestens eine Stunde zu praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten &lt;br /&gt;
mit den Übungen verwendet. Doch es sind besonders die „informellen“ Übungen, während &lt;br /&gt;
derer die Teilnehmenden lernen, Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden &lt;br /&gt;
gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den ganzen Körper zu wandern, und darüber &lt;br /&gt;
hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich verrichten, und diese als Tätigkeit &lt;br /&gt;
achtsam zu praktizieren. Häufig wird das Zähneputzen gewählt. Andere Aktivitäten sind &lt;br /&gt;
beispielsweise das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. &lt;br /&gt;
Wenn sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie vor allem Schmerzliches, Dunkles und &lt;br /&gt;
Unangenehmes im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden &lt;br /&gt;
ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene zu blicken, &lt;br /&gt;
etwa wie mit einem Zoom ganz nah an die Details heranzufahren und dann wieder &lt;br /&gt;
„wegzuzoomen‘, bis der Blick einem Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende &lt;br /&gt;
Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: &lt;br /&gt;
Es ist nicht die Situation selbst, die Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich weiten oder sogar verengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (O.W. Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: &lt;br /&gt;
Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, &lt;br /&gt;
Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabei entwickelt &lt;br /&gt;
jeder Mensch ein Verständnis davon, das in seinem eigenen Leben wurzelt. Eine solche&lt;br /&gt;
Art des Lernens reicht tief und ermöglicht Veränderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen &lt;br /&gt;
sind. So wie die Momente meines Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:geboren in New York,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
:Pächagogin. Gründerin des&lt;br /&gt;
:Instituts für Achtsamkeit&lt;br /&gt;
:und Stressbewältigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 14 - 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi, &lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff, Monika Schramm, &lt;br /&gt;
:Karl Türke jun., Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
:www.tempora.org&lt;br /&gt;
:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout und Illustration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fotos&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saman Rahmanian S.14/15, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi S.8, 11, 12, 13, 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo S.26, 27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
restliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint einmal jährlich.&lt;br /&gt;
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Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH 2007 ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_14/Text&amp;diff=77491</id>
		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-01T09:23:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ACHTSAMKEIT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. &lt;br /&gt;
Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ &lt;br /&gt;
(Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR) kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosine reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist eine aktive, reiche und sehr persönliche &lt;br /&gt;
Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten &lt;br /&gt;
des Lebens. In einem typischen Kurs finden sich Menschen aus allen Lebenskreisen und &lt;br /&gt;
Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere, die Stress in der Arbeit, in ihrer &lt;br /&gt;
Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
oder Familie erleben, bei manchen treffen alle diese Punkte zusammen. Viele haben nie in &lt;br /&gt;
ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Aufmerksamkeit auf den Moment&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann, dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach und bewusst zu sein, in der Lage, wie &lt;br /&gt;
Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende &lt;br /&gt;
von Menschen an Kursen teilgenommen: in Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen, in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen geben. Eine Flut wissenschaftlicher &lt;br /&gt;
Untersuchungen hat während der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass MBSR und andere &lt;br /&gt;
achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet &lt;br /&gt;
der Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der größte Lehrer: Das Leben selbst&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen &lt;br /&gt;
drei „formelle“ Praktiken: einen Körper-Scan, achtsame Körperbewusstseinsübungen und &lt;br /&gt;
Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs Tagen &lt;br /&gt;
der Woche mindestens eine Stunde zu praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten &lt;br /&gt;
mit den Übungen verwendet. Doch es sind besonders die „informellen“ Übungen, während &lt;br /&gt;
derer die Teilnehmenden lernen, Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden &lt;br /&gt;
gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den ganzen Körper zu wandern, und darüber &lt;br /&gt;
hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich verrichten, und diese als Tätigkeit &lt;br /&gt;
achtsam zu praktizieren. Häufig wird das Zähneputzen gewählt. Andere Aktivitäten sind &lt;br /&gt;
beispielsweise das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. &lt;br /&gt;
Wenn sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie vor allem Schmerzliches, Dunkles und &lt;br /&gt;
Unangenehmes im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden &lt;br /&gt;
ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene zu blicken, &lt;br /&gt;
etwa wie mit einem Zoom ganz nah an die Details heranzufahren und dann wieder &lt;br /&gt;
„wegzuzoomen‘, bis der Blick einem Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende &lt;br /&gt;
Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: &lt;br /&gt;
Es ist nicht die Situation selbst, die Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich weiten oder sogar verengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (O.W. Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: &lt;br /&gt;
Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, &lt;br /&gt;
Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabei entwickelt &lt;br /&gt;
jeder Mensch ein Verständnis davon, das in seinem eigenen Leben wurzelt. Eine solche&lt;br /&gt;
Art des Lernens reicht tief und ermöglicht Veränderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen &lt;br /&gt;
sind. So wie die Momente meines Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:geboren in New York,&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
:Pächagogin. Gründerin des&lt;br /&gt;
:Instituts für Achtsamkeit&lt;br /&gt;
:und Stressbewältigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 14 - 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi, &lt;br /&gt;
:Thomas Schaaff, Monika Schramm, &lt;br /&gt;
:Karl Türke jun., Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
:www.tempora.org&lt;br /&gt;
:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout und Illustration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fotos&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saman Rahmanian S.14/15, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi S.8, 11, 12, 13, 37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo S.26, 27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
restliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint einmal jährlich.&lt;br /&gt;
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{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_14/Text&amp;diff=77490</id>
		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-01T07:02:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule.&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ÄCHTSAMKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in&lt;br /&gt;
Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR)&lt;br /&gt;
kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt&lt;br /&gt;
hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle&lt;br /&gt;
Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem&lt;br /&gt;
Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit&lt;br /&gt;
werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht&lt;br /&gt;
darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosi&lt;br /&gt;
ne reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und&lt;br /&gt;
die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete&lt;br /&gt;
Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich&lt;br /&gt;
habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist&lt;br /&gt;
es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist&lt;br /&gt;
eine aktive, reiche und sehr persönliche Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der&lt;br /&gt;
Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten des&lt;br /&gt;
Lebens. In einem typischen Kurs finden sich&lt;br /&gt;
Menschen aus allen Lebenskreisen und Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere,&lt;br /&gt;
die Stress in der Arbeit, in ihrer Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}oder Familie erleben, bei manchen treffen alle&lt;br /&gt;
diese Punkte zusammen. Viele haben nie in ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des&lt;br /&gt;
Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf den Moment&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und&lt;br /&gt;
wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen Inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann,&lt;br /&gt;
dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach&lt;br /&gt;
und bewusst zu sein, in der Lage, wie Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem&lt;br /&gt;
Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center&lt;br /&gt;
in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende von Menschen an Kursenteilgenommen: in&lt;br /&gt;
Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen,&lt;br /&gt;
in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen&lt;br /&gt;
geben. Eine Flut wissenschaftlicher Untersuchungen hat während der vergangenen 20&lt;br /&gt;
Jahre gezeigt, dass MBSR und andere achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen&lt;br /&gt;
Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet der&lt;br /&gt;
Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Lehrer: Das Leben selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung&lt;br /&gt;
durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen drei „formelle“ Praktiken: einen KörperScan, achtsame Körperbewusstseinsübungen&lt;br /&gt;
und Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs&lt;br /&gt;
Tagen der Woche mindestens eine Stunde zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten mit den Übungen verwendet. Doch es&lt;br /&gt;
sind besonders die „informellen“ Übungen,&lt;br /&gt;
während derer die Teilnehmenden lernen,&lt;br /&gt;
Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des&lt;br /&gt;
‚Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
‚Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den&lt;br /&gt;
ganzen Körper zu wandern, und darüber hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich&lt;br /&gt;
verrichten, und diese als Tätigkeit achtsam zu&lt;br /&gt;
praktizieren. Häufig wird das Zähneputzengewählt. Andere Aktivitäten sind beispielsweise&lt;br /&gt;
das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. Wenn&lt;br /&gt;
sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend&lt;br /&gt;
über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der&lt;br /&gt;
Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den&lt;br /&gt;
Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder&lt;br /&gt;
unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen&lt;br /&gt;
gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie&lt;br /&gt;
vor allem Schmerzliches, Dunkles und Unangenehmes Im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene&lt;br /&gt;
zu blicken, etwa wie mit einem Zoom ganz&lt;br /&gt;
nah an die Details heranzufahren und dann&lt;br /&gt;
wieder „wegzuzoomen‘, bis der Blick einem&lt;br /&gt;
Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: Es ist nicht die Situation selbst, die&lt;br /&gt;
Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive&lt;br /&gt;
zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich&lt;br /&gt;
weiten oder sogar verengen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (0.&lt;br /&gt;
W.Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie&lt;br /&gt;
Üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des&lt;br /&gt;
Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende&lt;br /&gt;
erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabel entwikkeit jeder Mensch ein Verständnis davon, das&lt;br /&gt;
in seinem eigenen Leben wurzelt.Eine solche&lt;br /&gt;
Art desLernens reicht tief und ermöglicht Veränderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen&lt;br /&gt;
Ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß&lt;br /&gt;
ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind. So wie die Momente meines&lt;br /&gt;
Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
geboren in New York,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
Pächagogin Gründerin des&lt;br /&gt;
Instituts für Achtsarnkeit&lt;br /&gt;
und Stressbewältigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten&lt;br /&gt;
erfordert in allen Bereichen ein gänzlich&lt;br /&gt;
neues Denken und Handeln. TEMPORA&lt;br /&gt;
beschäftigt sich auf dem Hintergrund der&lt;br /&gt;
Bahä-Lehren mit aktuellen Zeitfragen&lt;br /&gt;
und möchte durch Cedankenimpulse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Entwicklung zu einer besseren Weit&lt;br /&gt;
fordem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harausgabar&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä&#039;tin&lt;br /&gt;
Deutschland eV, Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion&lt;br /&gt;
Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi,&lt;br /&gt;
Tnomas Schaaft, Monika Schramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun. Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
D-Ssn1g Hofheim&lt;br /&gt;
wwetemporaorg&lt;br /&gt;
tempora®@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
layout und Illustration&lt;br /&gt;
Witra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos&lt;br /&gt;
Saman Rahmanlan Saas, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi 53,71,12,13,37&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo 5. 28,27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
festliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vartriab und Bastallungen&lt;br /&gt;
Baha Vertrieb&lt;br /&gt;
Benzweg 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-84293 Darmstadt&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Fax oBisı 79517299&lt;br /&gt;
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‚Abonnementpreis für&lt;br /&gt;
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4Ausgaben 13,00 EUR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Namentlich gekennzeichnete Beiträge,&lt;br /&gt;
geben nicht unbedingtdie Meinungder&lt;br /&gt;
Reaktion wieder, Für unverlangt&lt;br /&gt;
eingesandte Manuskripte und Fotos&lt;br /&gt;
übernimmt die Radaktion keine Haftung,&lt;br /&gt;
Die Redaktion behält sich smnbewahrende&lt;br /&gt;
Kürzungen und Änderungen der Beiträge&lt;br /&gt;
or. Die Zeitschrift und allen ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen&lt;br /&gt;
sind urheberrechtlich geschützt.&lt;br /&gt;
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit&lt;br /&gt;
schriftlicher Genehmigung der Redaktion,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
OBahziverlag GmbH 2007ISSN 133-2078&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_14/Text&amp;diff=77489</id>
		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-01T07:00:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ÄCHTSAMKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in&lt;br /&gt;
Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR)&lt;br /&gt;
kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt&lt;br /&gt;
hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle&lt;br /&gt;
Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem&lt;br /&gt;
Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit&lt;br /&gt;
werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht&lt;br /&gt;
darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosi&lt;br /&gt;
ne reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und&lt;br /&gt;
die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete&lt;br /&gt;
Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich&lt;br /&gt;
habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist&lt;br /&gt;
es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist&lt;br /&gt;
eine aktive, reiche und sehr persönliche Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der&lt;br /&gt;
Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten des&lt;br /&gt;
Lebens. In einem typischen Kurs finden sich&lt;br /&gt;
Menschen aus allen Lebenskreisen und Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere,&lt;br /&gt;
die Stress in der Arbeit, in ihrer Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}oder Familie erleben, bei manchen treffen alle&lt;br /&gt;
diese Punkte zusammen. Viele haben nie in ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des&lt;br /&gt;
Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf den Moment&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und&lt;br /&gt;
wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen Inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann,&lt;br /&gt;
dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach&lt;br /&gt;
und bewusst zu sein, in der Lage, wie Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem&lt;br /&gt;
Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center&lt;br /&gt;
in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende von Menschen an Kursenteilgenommen: in&lt;br /&gt;
Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen,&lt;br /&gt;
in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen&lt;br /&gt;
geben. Eine Flut wissenschaftlicher Untersuchungen hat während der vergangenen 20&lt;br /&gt;
Jahre gezeigt, dass MBSR und andere achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen&lt;br /&gt;
Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet der&lt;br /&gt;
Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Lehrer: Das Leben selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung&lt;br /&gt;
durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen drei „formelle“ Praktiken: einen KörperScan, achtsame Körperbewusstseinsübungen&lt;br /&gt;
und Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs&lt;br /&gt;
Tagen der Woche mindestens eine Stunde zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten mit den Übungen verwendet. Doch es&lt;br /&gt;
sind besonders die „informellen“ Übungen,&lt;br /&gt;
während derer die Teilnehmenden lernen,&lt;br /&gt;
Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des&lt;br /&gt;
‚Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
‚Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den&lt;br /&gt;
ganzen Körper zu wandern, und darüber hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich&lt;br /&gt;
verrichten, und diese als Tätigkeit achtsam zu&lt;br /&gt;
praktizieren. Häufig wird das Zähneputzengewählt. Andere Aktivitäten sind beispielsweise&lt;br /&gt;
das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. Wenn&lt;br /&gt;
sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend&lt;br /&gt;
über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der&lt;br /&gt;
Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den&lt;br /&gt;
Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder&lt;br /&gt;
unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen&lt;br /&gt;
gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie&lt;br /&gt;
vor allem Schmerzliches, Dunkles und Unangenehmes Im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene&lt;br /&gt;
zu blicken, etwa wie mit einem Zoom ganz&lt;br /&gt;
nah an die Details heranzufahren und dann&lt;br /&gt;
wieder „wegzuzoomen‘, bis der Blick einem&lt;br /&gt;
Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: Es ist nicht die Situation selbst, die&lt;br /&gt;
Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive&lt;br /&gt;
zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich&lt;br /&gt;
weiten oder sogar verengen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (0.&lt;br /&gt;
W.Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie&lt;br /&gt;
Üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des&lt;br /&gt;
Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende&lt;br /&gt;
erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabel entwikkeit jeder Mensch ein Verständnis davon, das&lt;br /&gt;
in seinem eigenen Leben wurzelt.Eine solche&lt;br /&gt;
Art desLernens reicht tief und ermöglicht Veränderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen&lt;br /&gt;
Ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß&lt;br /&gt;
ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind. So wie die Momente meines&lt;br /&gt;
Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
geboren in New York,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
Pächagogin Gründerin des&lt;br /&gt;
Instituts für Achtsarnkeit&lt;br /&gt;
und Stressbewältigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten&lt;br /&gt;
erfordert in allen Bereichen ein gänzlich&lt;br /&gt;
neues Denken und Handeln. TEMPORA&lt;br /&gt;
beschäftigt sich auf dem Hintergrund der&lt;br /&gt;
Bahä-Lehren mit aktuellen Zeitfragen&lt;br /&gt;
und möchte durch Cedankenimpulse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Entwicklung zu einer besseren Weit&lt;br /&gt;
fordem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harausgabar&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä&#039;tin&lt;br /&gt;
Deutschland eV, Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion&lt;br /&gt;
Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi,&lt;br /&gt;
Tnomas Schaaft, Monika Schramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun. Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
D-Ssn1g Hofheim&lt;br /&gt;
wwetemporaorg&lt;br /&gt;
tempora®@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
layout und Illustration&lt;br /&gt;
Witra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos&lt;br /&gt;
Saman Rahmanlan Saas, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi 53,71,12,13,37&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo 5. 28,27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
festliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vartriab und Bastallungen&lt;br /&gt;
Baha Vertrieb&lt;br /&gt;
Benzweg 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-84293 Darmstadt&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Fax oBisı 79517299&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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4Ausgaben 13,00 EUR&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge,&lt;br /&gt;
geben nicht unbedingtdie Meinungder&lt;br /&gt;
Reaktion wieder, Für unverlangt&lt;br /&gt;
eingesandte Manuskripte und Fotos&lt;br /&gt;
übernimmt die Radaktion keine Haftung,&lt;br /&gt;
Die Redaktion behält sich smnbewahrende&lt;br /&gt;
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or. Die Zeitschrift und allen ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen&lt;br /&gt;
sind urheberrechtlich geschützt.&lt;br /&gt;
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit&lt;br /&gt;
schriftlicher Genehmigung der Redaktion,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
OBahziverlag GmbH 2007ISSN 133-2078&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-01T06:59:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, &lt;br /&gt;
diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, &lt;br /&gt;
den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen &lt;br /&gt;
empfindungslos zuschanden werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ÄCHTSAMKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in&lt;br /&gt;
Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR)&lt;br /&gt;
kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt&lt;br /&gt;
hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle&lt;br /&gt;
Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem&lt;br /&gt;
Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit&lt;br /&gt;
werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht&lt;br /&gt;
darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosi&lt;br /&gt;
ne reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und&lt;br /&gt;
die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete&lt;br /&gt;
Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich&lt;br /&gt;
habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist&lt;br /&gt;
es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist&lt;br /&gt;
eine aktive, reiche und sehr persönliche Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der&lt;br /&gt;
Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten des&lt;br /&gt;
Lebens. In einem typischen Kurs finden sich&lt;br /&gt;
Menschen aus allen Lebenskreisen und Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere,&lt;br /&gt;
die Stress in der Arbeit, in ihrer Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}oder Familie erleben, bei manchen treffen alle&lt;br /&gt;
diese Punkte zusammen. Viele haben nie in ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des&lt;br /&gt;
Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf den Moment&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und&lt;br /&gt;
wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen Inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann,&lt;br /&gt;
dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach&lt;br /&gt;
und bewusst zu sein, in der Lage, wie Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem&lt;br /&gt;
Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center&lt;br /&gt;
in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende von Menschen an Kursenteilgenommen: in&lt;br /&gt;
Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen,&lt;br /&gt;
in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen&lt;br /&gt;
geben. Eine Flut wissenschaftlicher Untersuchungen hat während der vergangenen 20&lt;br /&gt;
Jahre gezeigt, dass MBSR und andere achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen&lt;br /&gt;
Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet der&lt;br /&gt;
Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Lehrer: Das Leben selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung&lt;br /&gt;
durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen drei „formelle“ Praktiken: einen KörperScan, achtsame Körperbewusstseinsübungen&lt;br /&gt;
und Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs&lt;br /&gt;
Tagen der Woche mindestens eine Stunde zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten mit den Übungen verwendet. Doch es&lt;br /&gt;
sind besonders die „informellen“ Übungen,&lt;br /&gt;
während derer die Teilnehmenden lernen,&lt;br /&gt;
Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des&lt;br /&gt;
‚Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
‚Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den&lt;br /&gt;
ganzen Körper zu wandern, und darüber hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich&lt;br /&gt;
verrichten, und diese als Tätigkeit achtsam zu&lt;br /&gt;
praktizieren. Häufig wird das Zähneputzengewählt. Andere Aktivitäten sind beispielsweise&lt;br /&gt;
das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. Wenn&lt;br /&gt;
sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend&lt;br /&gt;
über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der&lt;br /&gt;
Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den&lt;br /&gt;
Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder&lt;br /&gt;
unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen&lt;br /&gt;
gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie&lt;br /&gt;
vor allem Schmerzliches, Dunkles und Unangenehmes Im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene&lt;br /&gt;
zu blicken, etwa wie mit einem Zoom ganz&lt;br /&gt;
nah an die Details heranzufahren und dann&lt;br /&gt;
wieder „wegzuzoomen‘, bis der Blick einem&lt;br /&gt;
Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: Es ist nicht die Situation selbst, die&lt;br /&gt;
Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive&lt;br /&gt;
zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich&lt;br /&gt;
weiten oder sogar verengen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (0.&lt;br /&gt;
W.Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie&lt;br /&gt;
Üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des&lt;br /&gt;
Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende&lt;br /&gt;
erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabel entwikkeit jeder Mensch ein Verständnis davon, das&lt;br /&gt;
in seinem eigenen Leben wurzelt.Eine solche&lt;br /&gt;
Art desLernens reicht tief und ermöglicht Veränderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen&lt;br /&gt;
Ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß&lt;br /&gt;
ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind. So wie die Momente meines&lt;br /&gt;
Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
geboren in New York,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
Pächagogin Gründerin des&lt;br /&gt;
Instituts für Achtsarnkeit&lt;br /&gt;
und Stressbewältigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten&lt;br /&gt;
erfordert in allen Bereichen ein gänzlich&lt;br /&gt;
neues Denken und Handeln. TEMPORA&lt;br /&gt;
beschäftigt sich auf dem Hintergrund der&lt;br /&gt;
Bahä-Lehren mit aktuellen Zeitfragen&lt;br /&gt;
und möchte durch Cedankenimpulse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Entwicklung zu einer besseren Weit&lt;br /&gt;
fordem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harausgabar&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä&#039;tin&lt;br /&gt;
Deutschland eV, Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion&lt;br /&gt;
Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi,&lt;br /&gt;
Tnomas Schaaft, Monika Schramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun. Shirin Weisser&lt;br /&gt;
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Redaktionsanschrift&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
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Dr.Valerie Diallo 5. 28,27, 28&lt;br /&gt;
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{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_14/Text&amp;diff=77487</id>
		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-01T06:58:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, &lt;br /&gt;
diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, &lt;br /&gt;
den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen &lt;br /&gt;
empfindungslos zuschanden werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ÄCHTSAMKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in&lt;br /&gt;
Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR)&lt;br /&gt;
kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt&lt;br /&gt;
hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle&lt;br /&gt;
Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem&lt;br /&gt;
Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit&lt;br /&gt;
werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht&lt;br /&gt;
darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosi&lt;br /&gt;
ne reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und&lt;br /&gt;
die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete&lt;br /&gt;
Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich&lt;br /&gt;
habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist&lt;br /&gt;
es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist&lt;br /&gt;
eine aktive, reiche und sehr persönliche Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der&lt;br /&gt;
Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten des&lt;br /&gt;
Lebens. In einem typischen Kurs finden sich&lt;br /&gt;
Menschen aus allen Lebenskreisen und Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere,&lt;br /&gt;
die Stress in der Arbeit, in ihrer Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}oder Familie erleben, bei manchen treffen alle&lt;br /&gt;
diese Punkte zusammen. Viele haben nie in ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des&lt;br /&gt;
Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf den Moment&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und&lt;br /&gt;
wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen Inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann,&lt;br /&gt;
dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach&lt;br /&gt;
und bewusst zu sein, in der Lage, wie Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem&lt;br /&gt;
Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center&lt;br /&gt;
in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende von Menschen an Kursenteilgenommen: in&lt;br /&gt;
Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen,&lt;br /&gt;
in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen&lt;br /&gt;
geben. Eine Flut wissenschaftlicher Untersuchungen hat während der vergangenen 20&lt;br /&gt;
Jahre gezeigt, dass MBSR und andere achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen&lt;br /&gt;
Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet der&lt;br /&gt;
Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Lehrer: Das Leben selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung&lt;br /&gt;
durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen drei „formelle“ Praktiken: einen KörperScan, achtsame Körperbewusstseinsübungen&lt;br /&gt;
und Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs&lt;br /&gt;
Tagen der Woche mindestens eine Stunde zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten mit den Übungen verwendet. Doch es&lt;br /&gt;
sind besonders die „informellen“ Übungen,&lt;br /&gt;
während derer die Teilnehmenden lernen,&lt;br /&gt;
Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des&lt;br /&gt;
‚Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
‚Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den&lt;br /&gt;
ganzen Körper zu wandern, und darüber hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich&lt;br /&gt;
verrichten, und diese als Tätigkeit achtsam zu&lt;br /&gt;
praktizieren. Häufig wird das Zähneputzengewählt. Andere Aktivitäten sind beispielsweise&lt;br /&gt;
das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. Wenn&lt;br /&gt;
sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend&lt;br /&gt;
über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der&lt;br /&gt;
Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den&lt;br /&gt;
Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder&lt;br /&gt;
unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen&lt;br /&gt;
gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie&lt;br /&gt;
vor allem Schmerzliches, Dunkles und Unangenehmes Im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene&lt;br /&gt;
zu blicken, etwa wie mit einem Zoom ganz&lt;br /&gt;
nah an die Details heranzufahren und dann&lt;br /&gt;
wieder „wegzuzoomen‘, bis der Blick einem&lt;br /&gt;
Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: Es ist nicht die Situation selbst, die&lt;br /&gt;
Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive&lt;br /&gt;
zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich&lt;br /&gt;
weiten oder sogar verengen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (0.&lt;br /&gt;
W.Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie&lt;br /&gt;
Üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des&lt;br /&gt;
Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende&lt;br /&gt;
erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabel entwikkeit jeder Mensch ein Verständnis davon, das&lt;br /&gt;
in seinem eigenen Leben wurzelt.Eine solche&lt;br /&gt;
Art desLernens reicht tief und ermöglicht Veränderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen&lt;br /&gt;
Ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß&lt;br /&gt;
ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind. So wie die Momente meines&lt;br /&gt;
Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
geboren in New York,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
Pächagogin Gründerin des&lt;br /&gt;
Instituts für Achtsarnkeit&lt;br /&gt;
und Stressbewältigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten&lt;br /&gt;
erfordert in allen Bereichen ein gänzlich&lt;br /&gt;
neues Denken und Handeln. TEMPORA&lt;br /&gt;
beschäftigt sich auf dem Hintergrund der&lt;br /&gt;
Bahä-Lehren mit aktuellen Zeitfragen&lt;br /&gt;
und möchte durch Cedankenimpulse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Entwicklung zu einer besseren Weit&lt;br /&gt;
fordem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harausgabar&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä&#039;tin&lt;br /&gt;
Deutschland eV, Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion&lt;br /&gt;
Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi,&lt;br /&gt;
Tnomas Schaaft, Monika Schramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun. Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
D-Ssn1g Hofheim&lt;br /&gt;
wwetemporaorg&lt;br /&gt;
tempora®@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
layout und Illustration&lt;br /&gt;
Witra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos&lt;br /&gt;
Saman Rahmanlan Saas, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi 53,71,12,13,37&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo 5. 28,27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
festliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vartriab und Bastallungen&lt;br /&gt;
Baha Vertrieb&lt;br /&gt;
Benzweg 4&lt;br /&gt;
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geben nicht unbedingtdie Meinungder&lt;br /&gt;
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übernimmt die Radaktion keine Haftung,&lt;br /&gt;
Die Redaktion behält sich smnbewahrende&lt;br /&gt;
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or. Die Zeitschrift und allen ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen&lt;br /&gt;
sind urheberrechtlich geschützt.&lt;br /&gt;
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit&lt;br /&gt;
schriftlicher Genehmigung der Redaktion,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
OBahziverlag GmbH 2007ISSN 133-2078&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_14/Text&amp;diff=77486</id>
		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-06-01T06:56:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, &lt;br /&gt;
die von einer oder mehreren Drogen abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen und Körper, Geist und Seele ruinieren, die &lt;br /&gt;
dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und &lt;br /&gt;
jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische &lt;br /&gt;
Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich ähnlich hohe Summe für &lt;br /&gt;
Cannabisprodukte ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen beträgt in Deutschland &lt;br /&gt;
20 bis 22 Millionen, 9,3 Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten &lt;br /&gt;
Alkoholkonsum, 4,3 Millionen gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind Männer. &lt;br /&gt;
Die Zahl der Cannabiskonsumenten wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische &lt;br /&gt;
Forscher heute davon ausgehen, dass Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen die Kontrolle über ihren Körper und Geist &lt;br /&gt;
verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier &lt;br /&gt;
unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesellschaft, &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
in der mindestens jeder Zehnte durch den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger aus dem Arbeitsprozess ausscheidet, zum &lt;br /&gt;
Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der &lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft &lt;br /&gt;
für die Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal politischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor allem auf Folgen für Seele und Geist &lt;br /&gt;
hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken auf. Langfristig bilden sich chronische &lt;br /&gt;
neuropsychologische Defizite in den Bereichen Aufmerksarnikeit, Konzentration, &lt;br /&gt;
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und &lt;br /&gt;
Problemlösungs-Strategien.” (ebd. S.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei &lt;br /&gt;
Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der Teil des Gehirns aus, der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle, für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42, Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische &lt;br /&gt;
und soziale Folgen chronischen Alkoholismus).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus, wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an &lt;br /&gt;
seiner Entwicklung gehindert wird. Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend unfähig &lt;br /&gt;
sind, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
die für den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten. &lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen &lt;br /&gt;
sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 14. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird, kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen &lt;br /&gt;
nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, womit sie beraits ihre Jugend vergeudet haben: In einem &lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten &lt;br /&gt;
weiter zu ruinieren, bis sie schließlich am Rande der Gesellschaft ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht &lt;br /&gt;
feststellen, und wenn man nachfragt, welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltung &lt;br /&gt;
hat, findet man bei den Betroffenen meist auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch in der Kriminalstatistik.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss, bei &lt;br /&gt;
Totschlag sind es 40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen &lt;br /&gt;
von 1997, vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alkoholismus in der Familie&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs auf die Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen &lt;br /&gt;
leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder &lt;br /&gt;
gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran &lt;br /&gt;
erkennen, dass solche Kinder meist unter generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu 90 Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent &lt;br /&gt;
als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt, geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Cannabiskonsum in Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange Tradition hat und in allen Altersgruppen &lt;br /&gt;
auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ kurze Geschichte in Deutschland. Erst &lt;br /&gt;
in den 60er Jahren beginnen Jugendliche und dann auch zunehmend Erwachsene Haschisch &lt;br /&gt;
und Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert zu &lt;br /&gt;
haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März 1999). Für Deutschland gibt es keine vergleichbaren &lt;br /&gt;
Zahlen, aber bereits 1984 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass &lt;br /&gt;
80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden schon in den 70er und 80er Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen müssen. Sie wurden 1987 in deutscher &lt;br /&gt;
Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch - Zerstörung einer Legende) publiziert. &lt;br /&gt;
Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten &lt;br /&gt;
im Körper verbleiben und jedes wichtige Organ des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund: Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis &lt;br /&gt;
vorkommen, sind fettlöslich und können daher nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, &lt;br /&gt;
ein Zellbiologe, fand heraus, dass der Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System, das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten &lt;br /&gt;
hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit, aber auch die übermäßigen &lt;br /&gt;
Wutausbrüche, die Haschisch rauchende Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte &lt;br /&gt;
Schädigung bedeutet, dass solche Menschen ihr natürliches Belohnungssystem zerstören, &lt;br /&gt;
das dafür sorgt, dass erreichte Ziele und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung des &lt;br /&gt;
Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten iIst dies nur noch durch zunehmende Mengen von &lt;br /&gt;
Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden &lt;br /&gt;
Teile des Stirnlappens (frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem Alkohol ähnliche Wirkung. &lt;br /&gt;
Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich selbst bei ehemaligen &lt;br /&gt;
Potrauchern doppelt so häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr. Susan Dalterio &lt;br /&gt;
fand bei Mäusen, die mit THC behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. &lt;br /&gt;
Die Hälfte der Tiere war zeugungsunfähig, und die Nachkommen der übrigen zeigten &lt;br /&gt;
schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch Chromosomen-Abnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche Zellen untersucht habe, habe ich niemals &lt;br /&gt;
irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff &lt;br /&gt;
THC die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. &lt;br /&gt;
Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung von Krankheiten stellte eine &lt;br /&gt;
dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen fest, die exakt mit der Wachstumsrate &lt;br /&gt;
des Cannabis-Konsums in den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger in der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten 22jährigen Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest S. Tennant untersuchte 20jährige Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei 91 Prozent der Doppelraucher stellte er squamöse &lt;br /&gt;
Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf der Website der Befürworter einer Legalisierung &lt;br /&gt;
von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, &lt;br /&gt;
dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei -, der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erleidet, &lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
die es zulässt, dass Menschen sich der Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als &#039;Abdu&#039;l-Bahá das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert &lt;br /&gt;
Jahren begründete, wählte er Worte, die sich wie eine Zusammenfassung der erst viel &lt;br /&gt;
später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, &lt;br /&gt;
diese faule Frucht des Höllenbaums, und das elende Haschisch lassen den Verstand erlöschen, &lt;br /&gt;
den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen &lt;br /&gt;
empfindungslos zuschanden werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitáb-i-Aqdas S. 279f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--------&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstellefür Suchtfragen e.V, Berlin/Hamm, 12. Januar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
:Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
:davon 6 Jahre an&lt;br /&gt;
:einer Waldorfschule&lt;br /&gt;
:Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ÄCHTSAMKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in&lt;br /&gt;
Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR)&lt;br /&gt;
kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt&lt;br /&gt;
hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle&lt;br /&gt;
Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem&lt;br /&gt;
Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit&lt;br /&gt;
werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht&lt;br /&gt;
darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosi&lt;br /&gt;
ne reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und&lt;br /&gt;
die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete&lt;br /&gt;
Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich&lt;br /&gt;
habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist&lt;br /&gt;
es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist&lt;br /&gt;
eine aktive, reiche und sehr persönliche Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der&lt;br /&gt;
Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten des&lt;br /&gt;
Lebens. In einem typischen Kurs finden sich&lt;br /&gt;
Menschen aus allen Lebenskreisen und Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere,&lt;br /&gt;
die Stress in der Arbeit, in ihrer Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}oder Familie erleben, bei manchen treffen alle&lt;br /&gt;
diese Punkte zusammen. Viele haben nie in ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des&lt;br /&gt;
Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf den Moment&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und&lt;br /&gt;
wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen Inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann,&lt;br /&gt;
dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach&lt;br /&gt;
und bewusst zu sein, in der Lage, wie Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem&lt;br /&gt;
Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center&lt;br /&gt;
in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende von Menschen an Kursenteilgenommen: in&lt;br /&gt;
Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen,&lt;br /&gt;
in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen&lt;br /&gt;
geben. Eine Flut wissenschaftlicher Untersuchungen hat während der vergangenen 20&lt;br /&gt;
Jahre gezeigt, dass MBSR und andere achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen&lt;br /&gt;
Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet der&lt;br /&gt;
Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Lehrer: Das Leben selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung&lt;br /&gt;
durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen drei „formelle“ Praktiken: einen KörperScan, achtsame Körperbewusstseinsübungen&lt;br /&gt;
und Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs&lt;br /&gt;
Tagen der Woche mindestens eine Stunde zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten mit den Übungen verwendet. Doch es&lt;br /&gt;
sind besonders die „informellen“ Übungen,&lt;br /&gt;
während derer die Teilnehmenden lernen,&lt;br /&gt;
Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des&lt;br /&gt;
‚Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
‚Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den&lt;br /&gt;
ganzen Körper zu wandern, und darüber hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich&lt;br /&gt;
verrichten, und diese als Tätigkeit achtsam zu&lt;br /&gt;
praktizieren. Häufig wird das Zähneputzengewählt. Andere Aktivitäten sind beispielsweise&lt;br /&gt;
das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. Wenn&lt;br /&gt;
sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend&lt;br /&gt;
über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der&lt;br /&gt;
Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den&lt;br /&gt;
Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder&lt;br /&gt;
unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen&lt;br /&gt;
gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie&lt;br /&gt;
vor allem Schmerzliches, Dunkles und Unangenehmes Im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene&lt;br /&gt;
zu blicken, etwa wie mit einem Zoom ganz&lt;br /&gt;
nah an die Details heranzufahren und dann&lt;br /&gt;
wieder „wegzuzoomen‘, bis der Blick einem&lt;br /&gt;
Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: Es ist nicht die Situation selbst, die&lt;br /&gt;
Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive&lt;br /&gt;
zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich&lt;br /&gt;
weiten oder sogar verengen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (0.&lt;br /&gt;
W.Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie&lt;br /&gt;
Üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des&lt;br /&gt;
Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende&lt;br /&gt;
erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabel entwikkeit jeder Mensch ein Verständnis davon, das&lt;br /&gt;
in seinem eigenen Leben wurzelt.Eine solche&lt;br /&gt;
Art desLernens reicht tief und ermöglicht Veränderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen&lt;br /&gt;
Ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß&lt;br /&gt;
ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind. So wie die Momente meines&lt;br /&gt;
Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
geboren in New York,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
Pächagogin Gründerin des&lt;br /&gt;
Instituts für Achtsarnkeit&lt;br /&gt;
und Stressbewältigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten&lt;br /&gt;
erfordert in allen Bereichen ein gänzlich&lt;br /&gt;
neues Denken und Handeln. TEMPORA&lt;br /&gt;
beschäftigt sich auf dem Hintergrund der&lt;br /&gt;
Bahä-Lehren mit aktuellen Zeitfragen&lt;br /&gt;
und möchte durch Cedankenimpulse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Entwicklung zu einer besseren Weit&lt;br /&gt;
fordem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harausgabar&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä&#039;tin&lt;br /&gt;
Deutschland eV, Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion&lt;br /&gt;
Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi,&lt;br /&gt;
Tnomas Schaaft, Monika Schramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun. Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
D-Ssn1g Hofheim&lt;br /&gt;
wwetemporaorg&lt;br /&gt;
tempora®@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
layout und Illustration&lt;br /&gt;
Witra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos&lt;br /&gt;
Saman Rahmanlan Saas, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi 53,71,12,13,37&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo 5. 28,27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
festliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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OBahziverlag GmbH 2007ISSN 133-2078&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_14/Text&amp;diff=77485</id>
		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-05-31T20:16:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in&lt;br /&gt;
Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind&lt;br /&gt;
dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, die von einer oder mehreren Drogen&lt;br /&gt;
abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen&lt;br /&gt;
und Körper, Geist und Seele ruinieren, die dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für&lt;br /&gt;
ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich&lt;br /&gt;
ähnlich hohe Summe für Cannabisprodukte&lt;br /&gt;
ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen&lt;br /&gt;
beträgt in Deutschland 20 bis 22 Millionen, 9,3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten Alkoholkonsum, 4,3 Millionen&lt;br /&gt;
gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind&lt;br /&gt;
Männer. Die Zahl der Cannabiskonsumenten&lt;br /&gt;
wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische Forscher heute davon ausgehen, dass&lt;br /&gt;
Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. {1}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen&lt;br /&gt;
die Kontrolle über ihren Körper und Geist verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesell{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}schaft, in der mindestens jeder Zehnte durch&lt;br /&gt;
den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger&lt;br /&gt;
ausdem Arbeitsprozess ausscheidet, zum Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und&lt;br /&gt;
von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte&lt;br /&gt;
Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen&lt;br /&gt;
Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der&lt;br /&gt;
Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Te&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das&lt;br /&gt;
Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der&lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern&lt;br /&gt;
ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft für die&lt;br /&gt;
Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal poitischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen&lt;br /&gt;
Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor&lt;br /&gt;
allem auf Folgen für Seele und Geist hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken&lt;br /&gt;
auf, Langfristig bilden sich chronische neuropsychologische Defizite in den Bereichen&lt;br /&gt;
‚Aufmerksarnikeit, Konzentration, Gedächtnis,&lt;br /&gt;
Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und ProblemlösungsStrategien.” (ebd. 5.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das&lt;br /&gt;
heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der&lt;br /&gt;
Teil des Gehirns aus der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle,&lt;br /&gt;
für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42,&lt;br /&gt;
Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische und&lt;br /&gt;
soziale Folgen chronischen Alkoholismus)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus,&lt;br /&gt;
wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an seiner Entwicklung gehindert wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend&lt;br /&gt;
unfähig sind, Ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
diefür den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit&lt;br /&gt;
verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten&lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz&lt;br /&gt;
und Selbstaisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen&lt;br /&gt;
sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind&lt;br /&gt;
zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser&lt;br /&gt;
abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 1. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird,&lt;br /&gt;
kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes&lt;br /&gt;
Leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, wornit sie&lt;br /&gt;
beraitsihre Jugend vergeudethaben: Ineinem&lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung Ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten weiter zu ruinieren, bis sie schließlich&lt;br /&gt;
am Rande der Gesellschaft Ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht feststellen, und wenn man nachtragt,&lt;br /&gt;
welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltunghat,findetnanbei den Betroffenenmeist&lt;br /&gt;
auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko,anı Schizophrenie zu erkranken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch&lt;br /&gt;
in der Kriminalstatistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss bei Totschlag sind es40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen von 1997,&lt;br /&gt;
vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}Alkoholismus in der Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs&lt;br /&gt;
aufdie Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45&lt;br /&gt;
Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum&lt;br /&gt;
Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher&lt;br /&gt;
dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl&lt;br /&gt;
von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran erkennen, dass solche Kinder meist unter&lt;br /&gt;
generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent&lt;br /&gt;
starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu go Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar&lt;br /&gt;
und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern&lt;br /&gt;
mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale&lt;br /&gt;
Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt,&lt;br /&gt;
geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern&lt;br /&gt;
geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cannabiskonsum in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange&lt;br /&gt;
Tradition hat und in allen Altersgruppen auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ&lt;br /&gt;
kurze Geschichte in Deutschland. Erst in den&lt;br /&gt;
60er Jahren beginnen Jugendliche und dann&lt;br /&gt;
auch zunehmend Erwachsene Haschisch und&lt;br /&gt;
Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert&lt;br /&gt;
zu haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März&lt;br /&gt;
1999). Für Deutschland gibt es keine vergleich&lt;br /&gt;
baren Zahlen, aber bereits 1934 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass 80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden&lt;br /&gt;
schon in den 70er und 8oer Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen&lt;br /&gt;
müssen. Sie wurden 1987 in deutscher Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch&lt;br /&gt;
- Zerstörung einer Legende) publiziert. Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten im&lt;br /&gt;
Körper verbleiben und jedes wichtige Organ&lt;br /&gt;
des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund:&lt;br /&gt;
Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis vorkommen, sind fettlöslich und können daher&lt;br /&gt;
nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, ein Zellbiologe, fand heraus, dass der&lt;br /&gt;
Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und&lt;br /&gt;
höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System,&lt;br /&gt;
das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen&lt;br /&gt;
entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das&lt;br /&gt;
Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit&lt;br /&gt;
und Gleichgültigkeit, aberauch die übermäßigen Wutausbrüche, die Haschisch rauchende&lt;br /&gt;
Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte Schädigung bedeutet, dass solche&lt;br /&gt;
Menschen ihr natürliches Belohnungssystem&lt;br /&gt;
zerstören, das dafür sorgt, dass erreichte Ziele&lt;br /&gt;
und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung&lt;br /&gt;
des Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten Ist dies nur noch durch zunehmende Mengen von Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden Teile des Stirnlappens&lt;br /&gt;
(frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem&lt;br /&gt;
Alkohol ähnliche Wirkung. Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich&lt;br /&gt;
selbst beiehemaligen Potrauchern doppelt so&lt;br /&gt;
häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr.&lt;br /&gt;
Susan Dalterio fand bei Mäusen, die mit THC&lt;br /&gt;
behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. Die Hälfte der Tiere war&lt;br /&gt;
zeugungsunfähig, und die Nachkommen der&lt;br /&gt;
übrigen zeigten schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch ChromosomenAbnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem&lt;br /&gt;
Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen&lt;br /&gt;
Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche&lt;br /&gt;
Zellen untersucht habe, habe ich niemals irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich&lt;br /&gt;
Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff THC die Produktion von Testosteron und&lt;br /&gt;
anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung&lt;br /&gt;
von Krankheiten stellte eine dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen&lt;br /&gt;
fest, die exakt mit der Wachstumsrate des&lt;br /&gt;
Cannabis-Konsums In den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger In der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten a2Jährigen&lt;br /&gt;
Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest 5. Tennant untersuchte 2ojährige&lt;br /&gt;
Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei g1 Prozent&lt;br /&gt;
der Doppelraucher stellte er squamöse Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss&lt;br /&gt;
daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor&lt;br /&gt;
Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf&lt;br /&gt;
der Website der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei-,&lt;br /&gt;
der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erlei{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}det, die es zulässt, dass Menschen sich der&lt;br /&gt;
Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als Abdu’|-Bahä das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert Jahren&lt;br /&gt;
begründete, wählte er Worte, die sich wie eine&lt;br /&gt;
Zusammenfassungder erst viel später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt&lt;br /&gt;
Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und&lt;br /&gt;
das elende Haschisch lassen den Verstand&lt;br /&gt;
erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitäb-iAqdas 5. 2791.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstellefür Suchtfragen e.V, Berlin/&lt;br /&gt;
Hamm, 12.lanuar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon 6 Jahrean&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer Waldorfschule&lt;br /&gt;
Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ÄCHTSAMKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in&lt;br /&gt;
Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR)&lt;br /&gt;
kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt&lt;br /&gt;
hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle&lt;br /&gt;
Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem&lt;br /&gt;
Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit&lt;br /&gt;
werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht&lt;br /&gt;
darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosi&lt;br /&gt;
ne reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und&lt;br /&gt;
die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete&lt;br /&gt;
Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich&lt;br /&gt;
habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist&lt;br /&gt;
es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist&lt;br /&gt;
eine aktive, reiche und sehr persönliche Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der&lt;br /&gt;
Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten des&lt;br /&gt;
Lebens. In einem typischen Kurs finden sich&lt;br /&gt;
Menschen aus allen Lebenskreisen und Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere,&lt;br /&gt;
die Stress in der Arbeit, in ihrer Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}oder Familie erleben, bei manchen treffen alle&lt;br /&gt;
diese Punkte zusammen. Viele haben nie in ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des&lt;br /&gt;
Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf den Moment&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und&lt;br /&gt;
wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen Inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann,&lt;br /&gt;
dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach&lt;br /&gt;
und bewusst zu sein, in der Lage, wie Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem&lt;br /&gt;
Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center&lt;br /&gt;
in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende von Menschen an Kursenteilgenommen: in&lt;br /&gt;
Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen,&lt;br /&gt;
in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen&lt;br /&gt;
geben. Eine Flut wissenschaftlicher Untersuchungen hat während der vergangenen 20&lt;br /&gt;
Jahre gezeigt, dass MBSR und andere achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen&lt;br /&gt;
Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet der&lt;br /&gt;
Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Lehrer: Das Leben selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung&lt;br /&gt;
durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen drei „formelle“ Praktiken: einen KörperScan, achtsame Körperbewusstseinsübungen&lt;br /&gt;
und Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs&lt;br /&gt;
Tagen der Woche mindestens eine Stunde zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten mit den Übungen verwendet. Doch es&lt;br /&gt;
sind besonders die „informellen“ Übungen,&lt;br /&gt;
während derer die Teilnehmenden lernen,&lt;br /&gt;
Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des&lt;br /&gt;
‚Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
‚Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den&lt;br /&gt;
ganzen Körper zu wandern, und darüber hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich&lt;br /&gt;
verrichten, und diese als Tätigkeit achtsam zu&lt;br /&gt;
praktizieren. Häufig wird das Zähneputzengewählt. Andere Aktivitäten sind beispielsweise&lt;br /&gt;
das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. Wenn&lt;br /&gt;
sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend&lt;br /&gt;
über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der&lt;br /&gt;
Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den&lt;br /&gt;
Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder&lt;br /&gt;
unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen&lt;br /&gt;
gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie&lt;br /&gt;
vor allem Schmerzliches, Dunkles und Unangenehmes Im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene&lt;br /&gt;
zu blicken, etwa wie mit einem Zoom ganz&lt;br /&gt;
nah an die Details heranzufahren und dann&lt;br /&gt;
wieder „wegzuzoomen‘, bis der Blick einem&lt;br /&gt;
Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: Es ist nicht die Situation selbst, die&lt;br /&gt;
Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive&lt;br /&gt;
zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich&lt;br /&gt;
weiten oder sogar verengen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (0.&lt;br /&gt;
W.Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie&lt;br /&gt;
Üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des&lt;br /&gt;
Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende&lt;br /&gt;
erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabel entwikkeit jeder Mensch ein Verständnis davon, das&lt;br /&gt;
in seinem eigenen Leben wurzelt.Eine solche&lt;br /&gt;
Art desLernens reicht tief und ermöglicht Veränderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen&lt;br /&gt;
Ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß&lt;br /&gt;
ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind. So wie die Momente meines&lt;br /&gt;
Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
geboren in New York,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
Pächagogin Gründerin des&lt;br /&gt;
Instituts für Achtsarnkeit&lt;br /&gt;
und Stressbewältigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten&lt;br /&gt;
erfordert in allen Bereichen ein gänzlich&lt;br /&gt;
neues Denken und Handeln. TEMPORA&lt;br /&gt;
beschäftigt sich auf dem Hintergrund der&lt;br /&gt;
Bahä-Lehren mit aktuellen Zeitfragen&lt;br /&gt;
und möchte durch Cedankenimpulse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Entwicklung zu einer besseren Weit&lt;br /&gt;
fordem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harausgabar&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä&#039;tin&lt;br /&gt;
Deutschland eV, Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion&lt;br /&gt;
Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi,&lt;br /&gt;
Tnomas Schaaft, Monika Schramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun. Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
D-Ssn1g Hofheim&lt;br /&gt;
wwetemporaorg&lt;br /&gt;
tempora®@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
layout und Illustration&lt;br /&gt;
Witra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos&lt;br /&gt;
Saman Rahmanlan Saas, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi 53,71,12,13,37&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo 5. 28,27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
festliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vartriab und Bastallungen&lt;br /&gt;
Baha Vertrieb&lt;br /&gt;
Benzweg 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-84293 Darmstadt&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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geben nicht unbedingtdie Meinungder&lt;br /&gt;
Reaktion wieder, Für unverlangt&lt;br /&gt;
eingesandte Manuskripte und Fotos&lt;br /&gt;
übernimmt die Radaktion keine Haftung,&lt;br /&gt;
Die Redaktion behält sich smnbewahrende&lt;br /&gt;
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sind urheberrechtlich geschützt.&lt;br /&gt;
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit&lt;br /&gt;
schriftlicher Genehmigung der Redaktion,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
OBahziverlag GmbH 2007ISSN 133-2078&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-05-31T20:14:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen &lt;br /&gt;
körperlichen Verfassung dem Tod bereits recht nahe gestanden. Doch ich hatte überlebt. &lt;br /&gt;
Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen sein. Ich sah es als meine zweite Lebenschance &lt;br /&gt;
an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit im alternativ-medizinischen Bereich und &lt;br /&gt;
helfen mir, meine Entgiftung und den körperlichen Aufbau voran zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die Psycho-Onkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, &lt;br /&gt;
mich nun auch auf geistiger Ebene mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie &lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch die Visualisierung auch kreativ auf die eigene &lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt. Ich habe sehr viel lernen und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich &lt;br /&gt;
zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Dein Name ist meine Heilung, o mein Gott, Dein Gedenken meine Arznei, Deine Nähe meine Hoffnung und die Liebe zu Dir mein Gefährte. Dein Erbarmen ist meine Heilung und Hilfe in beiden Welten, in dieser und der künftigen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Du bist wahrlich der Allgütige, der Allwissende, der Allweise.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Bahá’u’lláh, Gebete Nr. 142)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„O Du gütiger Gott!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vergib meine Sünden, schenke mir Deine Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich, tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld und heile mich von allen Krankheiten und Gebrechen. Läutere und heilige mich und lass mich teilhaben an der Ausgießung der Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit schwinden und Freude und Glück herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht, und dass der Mut die Angst verdränge. ...“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete Nr. 140)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten &lt;br /&gt;
der Vergebung und der Heilung so ermutigend, dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich &lt;br /&gt;
wandeln in Freude und Zuversicht und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch wunderbare &lt;br /&gt;
Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren Schöpfer, unser &lt;br /&gt;
Leben tatkräftig und mutig in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin ich dankbar für &lt;br /&gt;
die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin ich für &lt;br /&gt;
die große Unterstützung durch meine Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die &lt;br /&gt;
bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, S. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
:ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
:Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
:Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Alkohol &amp;amp; Haschisch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Wege der Selbstzersörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in&lt;br /&gt;
Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind&lt;br /&gt;
dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, die von einer oder mehreren Drogen&lt;br /&gt;
abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen&lt;br /&gt;
und Körper, Geist und Seele ruinieren, die dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für&lt;br /&gt;
ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich&lt;br /&gt;
ähnlich hohe Summe für Cannabisprodukte&lt;br /&gt;
ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen&lt;br /&gt;
beträgt in Deutschland 20 bis 22 Millionen, 9,3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten Alkoholkonsum, 4,3 Millionen&lt;br /&gt;
gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind&lt;br /&gt;
Männer. Die Zahl der Cannabiskonsumenten&lt;br /&gt;
wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische Forscher heute davon ausgehen, dass&lt;br /&gt;
Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. {1}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen&lt;br /&gt;
die Kontrolle über ihren Körper und Geist verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesell{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}schaft, in der mindestens jeder Zehnte durch&lt;br /&gt;
den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger&lt;br /&gt;
ausdem Arbeitsprozess ausscheidet, zum Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und&lt;br /&gt;
von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte&lt;br /&gt;
Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen&lt;br /&gt;
Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der&lt;br /&gt;
Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Te&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das&lt;br /&gt;
Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der&lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern&lt;br /&gt;
ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft für die&lt;br /&gt;
Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal poitischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen&lt;br /&gt;
Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor&lt;br /&gt;
allem auf Folgen für Seele und Geist hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken&lt;br /&gt;
auf, Langfristig bilden sich chronische neuropsychologische Defizite in den Bereichen&lt;br /&gt;
‚Aufmerksarnikeit, Konzentration, Gedächtnis,&lt;br /&gt;
Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und ProblemlösungsStrategien.” (ebd. 5.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das&lt;br /&gt;
heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der&lt;br /&gt;
Teil des Gehirns aus der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle,&lt;br /&gt;
für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42,&lt;br /&gt;
Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische und&lt;br /&gt;
soziale Folgen chronischen Alkoholismus)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus,&lt;br /&gt;
wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an seiner Entwicklung gehindert wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend&lt;br /&gt;
unfähig sind, Ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
diefür den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit&lt;br /&gt;
verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten&lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz&lt;br /&gt;
und Selbstaisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen&lt;br /&gt;
sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind&lt;br /&gt;
zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser&lt;br /&gt;
abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 1. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird,&lt;br /&gt;
kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes&lt;br /&gt;
Leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, wornit sie&lt;br /&gt;
beraitsihre Jugend vergeudethaben: Ineinem&lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung Ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten weiter zu ruinieren, bis sie schließlich&lt;br /&gt;
am Rande der Gesellschaft Ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht feststellen, und wenn man nachtragt,&lt;br /&gt;
welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltunghat,findetnanbei den Betroffenenmeist&lt;br /&gt;
auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko,anı Schizophrenie zu erkranken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch&lt;br /&gt;
in der Kriminalstatistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss bei Totschlag sind es40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen von 1997,&lt;br /&gt;
vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}Alkoholismus in der Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs&lt;br /&gt;
aufdie Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45&lt;br /&gt;
Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum&lt;br /&gt;
Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher&lt;br /&gt;
dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl&lt;br /&gt;
von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran erkennen, dass solche Kinder meist unter&lt;br /&gt;
generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent&lt;br /&gt;
starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu go Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar&lt;br /&gt;
und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern&lt;br /&gt;
mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale&lt;br /&gt;
Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt,&lt;br /&gt;
geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern&lt;br /&gt;
geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cannabiskonsum in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange&lt;br /&gt;
Tradition hat und in allen Altersgruppen auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ&lt;br /&gt;
kurze Geschichte in Deutschland. Erst in den&lt;br /&gt;
60er Jahren beginnen Jugendliche und dann&lt;br /&gt;
auch zunehmend Erwachsene Haschisch und&lt;br /&gt;
Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert&lt;br /&gt;
zu haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März&lt;br /&gt;
1999). Für Deutschland gibt es keine vergleich&lt;br /&gt;
baren Zahlen, aber bereits 1934 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass 80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden&lt;br /&gt;
schon in den 70er und 8oer Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen&lt;br /&gt;
müssen. Sie wurden 1987 in deutscher Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch&lt;br /&gt;
- Zerstörung einer Legende) publiziert. Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten im&lt;br /&gt;
Körper verbleiben und jedes wichtige Organ&lt;br /&gt;
des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund:&lt;br /&gt;
Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis vorkommen, sind fettlöslich und können daher&lt;br /&gt;
nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, ein Zellbiologe, fand heraus, dass der&lt;br /&gt;
Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und&lt;br /&gt;
höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System,&lt;br /&gt;
das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen&lt;br /&gt;
entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das&lt;br /&gt;
Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit&lt;br /&gt;
und Gleichgültigkeit, aberauch die übermäßigen Wutausbrüche, die Haschisch rauchende&lt;br /&gt;
Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte Schädigung bedeutet, dass solche&lt;br /&gt;
Menschen ihr natürliches Belohnungssystem&lt;br /&gt;
zerstören, das dafür sorgt, dass erreichte Ziele&lt;br /&gt;
und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung&lt;br /&gt;
des Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten Ist dies nur noch durch zunehmende Mengen von Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden Teile des Stirnlappens&lt;br /&gt;
(frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem&lt;br /&gt;
Alkohol ähnliche Wirkung. Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich&lt;br /&gt;
selbst beiehemaligen Potrauchern doppelt so&lt;br /&gt;
häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr.&lt;br /&gt;
Susan Dalterio fand bei Mäusen, die mit THC&lt;br /&gt;
behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. Die Hälfte der Tiere war&lt;br /&gt;
zeugungsunfähig, und die Nachkommen der&lt;br /&gt;
übrigen zeigten schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch ChromosomenAbnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem&lt;br /&gt;
Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen&lt;br /&gt;
Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche&lt;br /&gt;
Zellen untersucht habe, habe ich niemals irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich&lt;br /&gt;
Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff THC die Produktion von Testosteron und&lt;br /&gt;
anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung&lt;br /&gt;
von Krankheiten stellte eine dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen&lt;br /&gt;
fest, die exakt mit der Wachstumsrate des&lt;br /&gt;
Cannabis-Konsums In den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger In der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten a2Jährigen&lt;br /&gt;
Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest 5. Tennant untersuchte 2ojährige&lt;br /&gt;
Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei g1 Prozent&lt;br /&gt;
der Doppelraucher stellte er squamöse Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss&lt;br /&gt;
daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor&lt;br /&gt;
Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf&lt;br /&gt;
der Website der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei-,&lt;br /&gt;
der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erlei{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}det, die es zulässt, dass Menschen sich der&lt;br /&gt;
Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als Abdu’|-Bahä das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert Jahren&lt;br /&gt;
begründete, wählte er Worte, die sich wie eine&lt;br /&gt;
Zusammenfassungder erst viel später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt&lt;br /&gt;
Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und&lt;br /&gt;
das elende Haschisch lassen den Verstand&lt;br /&gt;
erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitäb-iAqdas 5. 2791.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstellefür Suchtfragen e.V, Berlin/&lt;br /&gt;
Hamm, 12.lanuar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon 6 Jahrean&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer Waldorfschule&lt;br /&gt;
Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ÄCHTSAMKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in&lt;br /&gt;
Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR)&lt;br /&gt;
kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt&lt;br /&gt;
hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle&lt;br /&gt;
Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem&lt;br /&gt;
Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit&lt;br /&gt;
werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht&lt;br /&gt;
darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosi&lt;br /&gt;
ne reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und&lt;br /&gt;
die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete&lt;br /&gt;
Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich&lt;br /&gt;
habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist&lt;br /&gt;
es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist&lt;br /&gt;
eine aktive, reiche und sehr persönliche Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der&lt;br /&gt;
Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten des&lt;br /&gt;
Lebens. In einem typischen Kurs finden sich&lt;br /&gt;
Menschen aus allen Lebenskreisen und Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere,&lt;br /&gt;
die Stress in der Arbeit, in ihrer Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}oder Familie erleben, bei manchen treffen alle&lt;br /&gt;
diese Punkte zusammen. Viele haben nie in ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des&lt;br /&gt;
Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf den Moment&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und&lt;br /&gt;
wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen Inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann,&lt;br /&gt;
dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach&lt;br /&gt;
und bewusst zu sein, in der Lage, wie Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem&lt;br /&gt;
Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center&lt;br /&gt;
in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende von Menschen an Kursenteilgenommen: in&lt;br /&gt;
Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen,&lt;br /&gt;
in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen&lt;br /&gt;
geben. Eine Flut wissenschaftlicher Untersuchungen hat während der vergangenen 20&lt;br /&gt;
Jahre gezeigt, dass MBSR und andere achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen&lt;br /&gt;
Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet der&lt;br /&gt;
Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Lehrer: Das Leben selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung&lt;br /&gt;
durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen drei „formelle“ Praktiken: einen KörperScan, achtsame Körperbewusstseinsübungen&lt;br /&gt;
und Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs&lt;br /&gt;
Tagen der Woche mindestens eine Stunde zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten mit den Übungen verwendet. Doch es&lt;br /&gt;
sind besonders die „informellen“ Übungen,&lt;br /&gt;
während derer die Teilnehmenden lernen,&lt;br /&gt;
Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des&lt;br /&gt;
‚Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
‚Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den&lt;br /&gt;
ganzen Körper zu wandern, und darüber hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich&lt;br /&gt;
verrichten, und diese als Tätigkeit achtsam zu&lt;br /&gt;
praktizieren. Häufig wird das Zähneputzengewählt. Andere Aktivitäten sind beispielsweise&lt;br /&gt;
das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. Wenn&lt;br /&gt;
sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend&lt;br /&gt;
über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der&lt;br /&gt;
Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den&lt;br /&gt;
Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder&lt;br /&gt;
unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen&lt;br /&gt;
gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie&lt;br /&gt;
vor allem Schmerzliches, Dunkles und Unangenehmes Im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene&lt;br /&gt;
zu blicken, etwa wie mit einem Zoom ganz&lt;br /&gt;
nah an die Details heranzufahren und dann&lt;br /&gt;
wieder „wegzuzoomen‘, bis der Blick einem&lt;br /&gt;
Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: Es ist nicht die Situation selbst, die&lt;br /&gt;
Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive&lt;br /&gt;
zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich&lt;br /&gt;
weiten oder sogar verengen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (0.&lt;br /&gt;
W.Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie&lt;br /&gt;
Üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des&lt;br /&gt;
Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende&lt;br /&gt;
erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabel entwikkeit jeder Mensch ein Verständnis davon, das&lt;br /&gt;
in seinem eigenen Leben wurzelt.Eine solche&lt;br /&gt;
Art desLernens reicht tief und ermöglicht Veränderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen&lt;br /&gt;
Ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß&lt;br /&gt;
ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind. So wie die Momente meines&lt;br /&gt;
Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
geboren in New York,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
Pächagogin Gründerin des&lt;br /&gt;
Instituts für Achtsarnkeit&lt;br /&gt;
und Stressbewältigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten&lt;br /&gt;
erfordert in allen Bereichen ein gänzlich&lt;br /&gt;
neues Denken und Handeln. TEMPORA&lt;br /&gt;
beschäftigt sich auf dem Hintergrund der&lt;br /&gt;
Bahä-Lehren mit aktuellen Zeitfragen&lt;br /&gt;
und möchte durch Cedankenimpulse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Entwicklung zu einer besseren Weit&lt;br /&gt;
fordem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harausgabar&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä&#039;tin&lt;br /&gt;
Deutschland eV, Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion&lt;br /&gt;
Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi,&lt;br /&gt;
Tnomas Schaaft, Monika Schramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun. Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
D-Ssn1g Hofheim&lt;br /&gt;
wwetemporaorg&lt;br /&gt;
tempora®@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
layout und Illustration&lt;br /&gt;
Witra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos&lt;br /&gt;
Saman Rahmanlan Saas, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi 53,71,12,13,37&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo 5. 28,27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
festliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vartriab und Bastallungen&lt;br /&gt;
Baha Vertrieb&lt;br /&gt;
Benzweg 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge,&lt;br /&gt;
geben nicht unbedingtdie Meinungder&lt;br /&gt;
Reaktion wieder, Für unverlangt&lt;br /&gt;
eingesandte Manuskripte und Fotos&lt;br /&gt;
übernimmt die Radaktion keine Haftung,&lt;br /&gt;
Die Redaktion behält sich smnbewahrende&lt;br /&gt;
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or. Die Zeitschrift und allen ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen&lt;br /&gt;
sind urheberrechtlich geschützt.&lt;br /&gt;
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit&lt;br /&gt;
schriftlicher Genehmigung der Redaktion,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
OBahziverlag GmbH 2007ISSN 133-2078&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-05-31T15:02:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der Mäßigung, der Ruhe und Meditation, der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise &lt;br /&gt;
die Hygienegebote (Waschungen), das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und Drogen, die Monogamie &lt;br /&gt;
oder Keuschheit vor der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot eines respektvollen Umgangs mit &lt;br /&gt;
dem Körper, da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen &lt;br /&gt;
Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen Mitteln wählen, die wenig &lt;br /&gt;
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen nehmen, versucht die andere Gruppe &lt;br /&gt;
den alt überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der &lt;br /&gt;
Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren &lt;br /&gt;
und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
--------------------------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; Aus den Schriften Bahá’u’lláhs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dr. med. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
:als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
:eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heilung ist möglich===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten in der Achselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt &lt;br /&gt;
und angespannt in meiner Lebensumgebung, als dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. &lt;br /&gt;
War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte ja &lt;br /&gt;
sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein Wissen, das ist nicht untersucht oder erwiesen. Es einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten Besuch zu Hause (Schwägerin mit drei Kindern), &lt;br /&gt;
der Mann für eine Woche unterwegs, im Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche nach den &lt;br /&gt;
Ferien (mit der damit verbundenen Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner neusten &lt;br /&gt;
Erkenntnis! Schon früher hatte ich öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ich dachte mir immer, erst mal machst &lt;br /&gt;
du gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren, nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf die &lt;br /&gt;
ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen ist mir besonders in Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen, wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste &lt;br /&gt;
nur, es war sehr wichtig, zügig System in die neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und &lt;br /&gt;
zu beraten. Dann besorgte ich mir einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin &lt;br /&gt;
in Frankfurt. Dort war die Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. &lt;br /&gt;
Und nachdem ich zu meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, &lt;br /&gt;
war ich trotz aller Anspannung fast erleichtert und sandte viele „Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten einen in der eigenen Freizeitgestaltung in Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging dann alles - das heißt das normale &lt;br /&gt;
schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt &lt;br /&gt;
und euch freut, damit andere durch euch glücklich werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Bahá’í und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen &lt;br /&gt;
meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende Gebet besonders an Herz: &#039;&#039;&#039;„O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz, entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht länger traurig und bekümmert, sondern ein glückliches und strahlendes Wesen sein. O Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren. O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Gebete 44)&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: &#039;&#039;&#039;„Wir belasten keine Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 52:2)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit. Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet, doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine &lt;br /&gt;
Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und &lt;br /&gt;
es half mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der Gewissheit, dass Gott die Hände der &lt;br /&gt;
Operateure schon führen werde. Die Operation und der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an. Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war &lt;br /&gt;
es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben sich diese harten Monate auch als sehr &lt;br /&gt;
lehr- und erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit der Chemotherapie sehr schlecht. Bis &lt;br /&gt;
heute habe ich mit der Regeneration meines Körpers zu tun, weil die Nebenwirkungen so &lt;br /&gt;
heftig sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen &lt;br /&gt;
Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie &lt;br /&gt;
hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine &lt;br /&gt;
Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: „Hey Walburga, denke daran, das Leben ist zur Freude erschaffen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche Führung ... (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Star of the West, Bd. 7, S. 163).&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste. Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt. So kam meine Mutter nach einer &lt;br /&gt;
Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zu sehen und mich zu versorgen. Schon vor ihrem &lt;br /&gt;
Besuch hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde aus der Bahá’í-Gemeinde eine große Stütze &lt;br /&gt;
für mich und meine Familie waren. Während ihres einige Tage währenden Besuchs bekam sie es &lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos, auch dank der Unterstützung einiger Freunde, &lt;br /&gt;
da ich während dieser Wochen bei ihnen auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf &lt;br /&gt;
meine geistige Regsamkeit aus. Über Monate hatte ich mich wie in einem Nebel gefühlt, ich &lt;br /&gt;
war zu schwach zum Denken. Inzwischen war es April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben &lt;br /&gt;
hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja &lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer offener, immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit &lt;br /&gt;
mit zum Teil konkreten Hinweisen (Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen, Bahá’í-Verlag). &lt;br /&gt;
Darin ist deutlich zu lesen, dass Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen; da aber heute die Wissenschaft der Medizin noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten Wasserkuren durchgeführt werden.“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá,  Beantwortete Fragen 73:6)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich &lt;br /&gt;
mich nun mit gezielter Ernährung in Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im Internet &lt;br /&gt;
neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich las mich in diese &lt;br /&gt;
besonders interessante und überzeugende Thematik ein, setzte es zügig um und habe inzwischen &lt;br /&gt;
sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch in diesem Bereich ein Kreis zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las Bücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und sekundären Krankheitsgewinne? Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein Körper mitteilen, wenn er sich dabei &lt;br /&gt;
einen so wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt? Diese und andere Fragen waren &lt;br /&gt;
so ganz nach meinem Geschmack. Sie wiesen den Weg nach vorn und als gläubiger Mensch, &lt;br /&gt;
stets der Unterstützung Gottes gewiss, weckten sie Kraft, Zuversicht und Motivation &lt;br /&gt;
in mir, mein Leben in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierung und die Einbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins &lt;br /&gt;
zur Gesundung schienen mir so klar und einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen &lt;br /&gt;
Therapien vermisst. Sind wir als Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele und Geist, egal &lt;br /&gt;
ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. &lt;br /&gt;
Wo blieben die geistigen Aspekte bei der Therapie? Wie kann jemand glauben, einen Menschen &lt;br /&gt;
gesund zu machen, wenn er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele &lt;br /&gt;
und seine Geistigkeit, nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern sogar völlig ausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die Chemotherapie einen enorm zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur auf den Organismus im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell die kranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen. Dabei bleibt der Geist klar und ist in der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig &lt;br /&gt;
emiedrigende und menschenverachtende Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen körperlichen Verfassung dem Tod bereits&lt;br /&gt;
recht nahe gestanden. Doch Ich hatte überlebt. Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen&lt;br /&gt;
sein. Ich sah esals meine zweite Lebenschance an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche&lt;br /&gt;
Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit Im&lt;br /&gt;
alternativ.medizinischen Bereich und helfen&lt;br /&gt;
mir, meine Entgiftung und den körperlichen&lt;br /&gt;
‚Aufbau voran zu bringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die PsychoOnkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, mich nun auch auf geistiger Ebene&lt;br /&gt;
mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie&lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und&lt;br /&gt;
konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch&lt;br /&gt;
die Visualisierung auch kreativ auf die dgene&lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt, Ich habe sehr viel lernen&lt;br /&gt;
und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch&lt;br /&gt;
die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben&lt;br /&gt;
entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dein Name ist meine Heilung,&lt;br /&gt;
o mein Gott,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Gedenken meine Arznei,&lt;br /&gt;
Deine Nähe meine Hoffnung und&lt;br /&gt;
die Liebe zu Dir mein Gefährte.&lt;br /&gt;
Dein Erbarmen ist meine Heilung&lt;br /&gt;
und Hilfe in beiden Welten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dieser und der künftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du bist wahrlich der Allgütige,&lt;br /&gt;
der Allwissende, der Allweise.“&lt;br /&gt;
{Bahä’u&#039;lläh, Gebete Nr. 142)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Du gütiger Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergib meine Sünden, schenke mir Deine&lt;br /&gt;
Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich,&lt;br /&gt;
tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld&lt;br /&gt;
und heile mich von allen Krankheiten und&lt;br /&gt;
Gebrechen. Läutere und heilige mich und&lt;br /&gt;
lass mich teilhaben an der Ausgießung der&lt;br /&gt;
Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit&lt;br /&gt;
schwinden und Freude und Glück&lt;br /&gt;
herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude&lt;br /&gt;
und Zuversicht, und dass der Mut die Angst&lt;br /&gt;
verdränge. ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Abdu‘l-Bahä, Gebete Nr. 140)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei&lt;br /&gt;
der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten&lt;br /&gt;
Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten der Vergebung und der Heilung so ermutigend,dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht&lt;br /&gt;
und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch&lt;br /&gt;
wunderbare Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren&lt;br /&gt;
Schöpfer, unser Leben tatkräftig und mutig&lt;br /&gt;
in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin&lt;br /&gt;
ich dankbar für die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin&lt;br /&gt;
ich für die große Unterstützung durch meine&lt;br /&gt;
Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten&lt;br /&gt;
Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das&lt;br /&gt;
folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze&lt;br /&gt;
dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge&lt;br /&gt;
stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel&lt;br /&gt;
hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in&lt;br /&gt;
Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, 5. 7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in&lt;br /&gt;
Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind&lt;br /&gt;
dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, die von einer oder mehreren Drogen&lt;br /&gt;
abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen&lt;br /&gt;
und Körper, Geist und Seele ruinieren, die dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für&lt;br /&gt;
ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich&lt;br /&gt;
ähnlich hohe Summe für Cannabisprodukte&lt;br /&gt;
ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen&lt;br /&gt;
beträgt in Deutschland 20 bis 22 Millionen, 9,3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten Alkoholkonsum, 4,3 Millionen&lt;br /&gt;
gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind&lt;br /&gt;
Männer. Die Zahl der Cannabiskonsumenten&lt;br /&gt;
wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische Forscher heute davon ausgehen, dass&lt;br /&gt;
Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. {1}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen&lt;br /&gt;
die Kontrolle über ihren Körper und Geist verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesell{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}schaft, in der mindestens jeder Zehnte durch&lt;br /&gt;
den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger&lt;br /&gt;
ausdem Arbeitsprozess ausscheidet, zum Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und&lt;br /&gt;
von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte&lt;br /&gt;
Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen&lt;br /&gt;
Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der&lt;br /&gt;
Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Te&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das&lt;br /&gt;
Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der&lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern&lt;br /&gt;
ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft für die&lt;br /&gt;
Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal poitischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen&lt;br /&gt;
Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor&lt;br /&gt;
allem auf Folgen für Seele und Geist hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken&lt;br /&gt;
auf, Langfristig bilden sich chronische neuropsychologische Defizite in den Bereichen&lt;br /&gt;
‚Aufmerksarnikeit, Konzentration, Gedächtnis,&lt;br /&gt;
Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und ProblemlösungsStrategien.” (ebd. 5.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das&lt;br /&gt;
heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der&lt;br /&gt;
Teil des Gehirns aus der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle,&lt;br /&gt;
für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42,&lt;br /&gt;
Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische und&lt;br /&gt;
soziale Folgen chronischen Alkoholismus)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus,&lt;br /&gt;
wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an seiner Entwicklung gehindert wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend&lt;br /&gt;
unfähig sind, Ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
diefür den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit&lt;br /&gt;
verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten&lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz&lt;br /&gt;
und Selbstaisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen&lt;br /&gt;
sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind&lt;br /&gt;
zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser&lt;br /&gt;
abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 1. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird,&lt;br /&gt;
kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes&lt;br /&gt;
Leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, wornit sie&lt;br /&gt;
beraitsihre Jugend vergeudethaben: Ineinem&lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung Ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten weiter zu ruinieren, bis sie schließlich&lt;br /&gt;
am Rande der Gesellschaft Ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht feststellen, und wenn man nachtragt,&lt;br /&gt;
welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltunghat,findetnanbei den Betroffenenmeist&lt;br /&gt;
auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko,anı Schizophrenie zu erkranken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch&lt;br /&gt;
in der Kriminalstatistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss bei Totschlag sind es40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen von 1997,&lt;br /&gt;
vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}Alkoholismus in der Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs&lt;br /&gt;
aufdie Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45&lt;br /&gt;
Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum&lt;br /&gt;
Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher&lt;br /&gt;
dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl&lt;br /&gt;
von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran erkennen, dass solche Kinder meist unter&lt;br /&gt;
generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent&lt;br /&gt;
starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu go Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar&lt;br /&gt;
und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern&lt;br /&gt;
mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale&lt;br /&gt;
Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt,&lt;br /&gt;
geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern&lt;br /&gt;
geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cannabiskonsum in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange&lt;br /&gt;
Tradition hat und in allen Altersgruppen auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ&lt;br /&gt;
kurze Geschichte in Deutschland. Erst in den&lt;br /&gt;
60er Jahren beginnen Jugendliche und dann&lt;br /&gt;
auch zunehmend Erwachsene Haschisch und&lt;br /&gt;
Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert&lt;br /&gt;
zu haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März&lt;br /&gt;
1999). Für Deutschland gibt es keine vergleich&lt;br /&gt;
baren Zahlen, aber bereits 1934 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass 80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden&lt;br /&gt;
schon in den 70er und 8oer Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen&lt;br /&gt;
müssen. Sie wurden 1987 in deutscher Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch&lt;br /&gt;
- Zerstörung einer Legende) publiziert. Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten im&lt;br /&gt;
Körper verbleiben und jedes wichtige Organ&lt;br /&gt;
des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund:&lt;br /&gt;
Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis vorkommen, sind fettlöslich und können daher&lt;br /&gt;
nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, ein Zellbiologe, fand heraus, dass der&lt;br /&gt;
Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und&lt;br /&gt;
höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System,&lt;br /&gt;
das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen&lt;br /&gt;
entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das&lt;br /&gt;
Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit&lt;br /&gt;
und Gleichgültigkeit, aberauch die übermäßigen Wutausbrüche, die Haschisch rauchende&lt;br /&gt;
Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte Schädigung bedeutet, dass solche&lt;br /&gt;
Menschen ihr natürliches Belohnungssystem&lt;br /&gt;
zerstören, das dafür sorgt, dass erreichte Ziele&lt;br /&gt;
und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung&lt;br /&gt;
des Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten Ist dies nur noch durch zunehmende Mengen von Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden Teile des Stirnlappens&lt;br /&gt;
(frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem&lt;br /&gt;
Alkohol ähnliche Wirkung. Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich&lt;br /&gt;
selbst beiehemaligen Potrauchern doppelt so&lt;br /&gt;
häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr.&lt;br /&gt;
Susan Dalterio fand bei Mäusen, die mit THC&lt;br /&gt;
behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. Die Hälfte der Tiere war&lt;br /&gt;
zeugungsunfähig, und die Nachkommen der&lt;br /&gt;
übrigen zeigten schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch ChromosomenAbnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem&lt;br /&gt;
Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen&lt;br /&gt;
Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche&lt;br /&gt;
Zellen untersucht habe, habe ich niemals irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich&lt;br /&gt;
Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff THC die Produktion von Testosteron und&lt;br /&gt;
anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung&lt;br /&gt;
von Krankheiten stellte eine dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen&lt;br /&gt;
fest, die exakt mit der Wachstumsrate des&lt;br /&gt;
Cannabis-Konsums In den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger In der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten a2Jährigen&lt;br /&gt;
Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest 5. Tennant untersuchte 2ojährige&lt;br /&gt;
Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei g1 Prozent&lt;br /&gt;
der Doppelraucher stellte er squamöse Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss&lt;br /&gt;
daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor&lt;br /&gt;
Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf&lt;br /&gt;
der Website der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei-,&lt;br /&gt;
der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erlei{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}det, die es zulässt, dass Menschen sich der&lt;br /&gt;
Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als Abdu’|-Bahä das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert Jahren&lt;br /&gt;
begründete, wählte er Worte, die sich wie eine&lt;br /&gt;
Zusammenfassungder erst viel später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt&lt;br /&gt;
Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und&lt;br /&gt;
das elende Haschisch lassen den Verstand&lt;br /&gt;
erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitäb-iAqdas 5. 2791.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstellefür Suchtfragen e.V, Berlin/&lt;br /&gt;
Hamm, 12.lanuar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon 6 Jahrean&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer Waldorfschule&lt;br /&gt;
Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ÄCHTSAMKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in&lt;br /&gt;
Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR)&lt;br /&gt;
kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt&lt;br /&gt;
hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle&lt;br /&gt;
Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem&lt;br /&gt;
Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit&lt;br /&gt;
werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht&lt;br /&gt;
darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosi&lt;br /&gt;
ne reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und&lt;br /&gt;
die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete&lt;br /&gt;
Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich&lt;br /&gt;
habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist&lt;br /&gt;
es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist&lt;br /&gt;
eine aktive, reiche und sehr persönliche Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der&lt;br /&gt;
Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten des&lt;br /&gt;
Lebens. In einem typischen Kurs finden sich&lt;br /&gt;
Menschen aus allen Lebenskreisen und Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere,&lt;br /&gt;
die Stress in der Arbeit, in ihrer Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}oder Familie erleben, bei manchen treffen alle&lt;br /&gt;
diese Punkte zusammen. Viele haben nie in ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des&lt;br /&gt;
Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf den Moment&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und&lt;br /&gt;
wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen Inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann,&lt;br /&gt;
dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach&lt;br /&gt;
und bewusst zu sein, in der Lage, wie Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem&lt;br /&gt;
Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center&lt;br /&gt;
in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende von Menschen an Kursenteilgenommen: in&lt;br /&gt;
Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen,&lt;br /&gt;
in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen&lt;br /&gt;
geben. Eine Flut wissenschaftlicher Untersuchungen hat während der vergangenen 20&lt;br /&gt;
Jahre gezeigt, dass MBSR und andere achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen&lt;br /&gt;
Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet der&lt;br /&gt;
Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Lehrer: Das Leben selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung&lt;br /&gt;
durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen drei „formelle“ Praktiken: einen KörperScan, achtsame Körperbewusstseinsübungen&lt;br /&gt;
und Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs&lt;br /&gt;
Tagen der Woche mindestens eine Stunde zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten mit den Übungen verwendet. Doch es&lt;br /&gt;
sind besonders die „informellen“ Übungen,&lt;br /&gt;
während derer die Teilnehmenden lernen,&lt;br /&gt;
Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des&lt;br /&gt;
‚Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
‚Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den&lt;br /&gt;
ganzen Körper zu wandern, und darüber hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich&lt;br /&gt;
verrichten, und diese als Tätigkeit achtsam zu&lt;br /&gt;
praktizieren. Häufig wird das Zähneputzengewählt. Andere Aktivitäten sind beispielsweise&lt;br /&gt;
das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. Wenn&lt;br /&gt;
sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend&lt;br /&gt;
über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der&lt;br /&gt;
Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den&lt;br /&gt;
Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder&lt;br /&gt;
unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen&lt;br /&gt;
gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie&lt;br /&gt;
vor allem Schmerzliches, Dunkles und Unangenehmes Im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene&lt;br /&gt;
zu blicken, etwa wie mit einem Zoom ganz&lt;br /&gt;
nah an die Details heranzufahren und dann&lt;br /&gt;
wieder „wegzuzoomen‘, bis der Blick einem&lt;br /&gt;
Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: Es ist nicht die Situation selbst, die&lt;br /&gt;
Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive&lt;br /&gt;
zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich&lt;br /&gt;
weiten oder sogar verengen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (0.&lt;br /&gt;
W.Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie&lt;br /&gt;
Üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des&lt;br /&gt;
Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende&lt;br /&gt;
erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabel entwikkeit jeder Mensch ein Verständnis davon, das&lt;br /&gt;
in seinem eigenen Leben wurzelt.Eine solche&lt;br /&gt;
Art desLernens reicht tief und ermöglicht Veränderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen&lt;br /&gt;
Ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß&lt;br /&gt;
ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind. So wie die Momente meines&lt;br /&gt;
Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
geboren in New York,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
Pächagogin Gründerin des&lt;br /&gt;
Instituts für Achtsarnkeit&lt;br /&gt;
und Stressbewältigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten&lt;br /&gt;
erfordert in allen Bereichen ein gänzlich&lt;br /&gt;
neues Denken und Handeln. TEMPORA&lt;br /&gt;
beschäftigt sich auf dem Hintergrund der&lt;br /&gt;
Bahä-Lehren mit aktuellen Zeitfragen&lt;br /&gt;
und möchte durch Cedankenimpulse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Entwicklung zu einer besseren Weit&lt;br /&gt;
fordem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harausgabar&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä&#039;tin&lt;br /&gt;
Deutschland eV, Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion&lt;br /&gt;
Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi,&lt;br /&gt;
Tnomas Schaaft, Monika Schramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun. Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
D-Ssn1g Hofheim&lt;br /&gt;
wwetemporaorg&lt;br /&gt;
tempora®@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
layout und Illustration&lt;br /&gt;
Witra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos&lt;br /&gt;
Saman Rahmanlan Saas, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi 53,71,12,13,37&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo 5. 28,27, 28&lt;br /&gt;
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Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
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OBahziverlag GmbH 2007ISSN 133-2078&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_14/Text&amp;diff=77482</id>
		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-05-31T07:43:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf&lt;br /&gt;
der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische&lt;br /&gt;
Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Aus den Schriften Baha’u llahs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere&lt;br /&gt;
Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der&lt;br /&gt;
Mäßigung, der Ruhe und Meditation,der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den&lt;br /&gt;
sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres&lt;br /&gt;
Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert&lt;br /&gt;
effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise die Hygienegebote (Waschungen),&lt;br /&gt;
das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und&lt;br /&gt;
Drogen, die Monogamie oder Keuschheit vor&lt;br /&gt;
der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot&lt;br /&gt;
eines respektvollen Umgangs mit dem Körper,&lt;br /&gt;
da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung Ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem&lt;br /&gt;
Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen&lt;br /&gt;
Mitteln wählen, die wenig Rücksicht auf die&lt;br /&gt;
Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen&lt;br /&gt;
nehmen, versucht die andere Gruppe den alt&lt;br /&gt;
überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von&lt;br /&gt;
unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin:&lt;br /&gt;
„Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.med Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}Ein sehr persönlicher&lt;br /&gt;
Bericht über eine&lt;br /&gt;
Krebserfahrung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten inderAchselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt und&lt;br /&gt;
angespannt in meiner Lebensumgebung, als&lt;br /&gt;
dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte&lt;br /&gt;
ja sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um&lt;br /&gt;
inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung&lt;br /&gt;
in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein W n,das ist&lt;br /&gt;
nicht untersucht oder erwiesen. E einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten&lt;br /&gt;
chwägerin mit drei Kin&lt;br /&gt;
dern),der Mann fi ne Woche unterwegs, im&lt;br /&gt;
Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche&lt;br /&gt;
nach den Ferien (mit der damit verbundenen&lt;br /&gt;
Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner&lt;br /&gt;
chon früher hatte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ichdachte mirimmer,erst mal machst du&lt;br /&gt;
gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren,&lt;br /&gt;
nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf&lt;br /&gt;
die ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben&lt;br /&gt;
wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber&lt;br /&gt;
doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen Ist mir besonders in&lt;br /&gt;
Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und&lt;br /&gt;
trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da&lt;br /&gt;
ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen,&lt;br /&gt;
wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr&lt;br /&gt;
sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick&lt;br /&gt;
nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung&lt;br /&gt;
geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe&lt;br /&gt;
dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt&lt;br /&gt;
oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste nur,es war sehr wichtig, zügig System in die&lt;br /&gt;
neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und zu beraten. Dann besorgte ich mir&lt;br /&gt;
einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin in Frankfurt. Dort war die&lt;br /&gt;
Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. Und nachdem ich zu&lt;br /&gt;
meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, war ich trotz aller&lt;br /&gt;
Anspannung fast erleichtert und sandte viele&lt;br /&gt;
„Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen&lt;br /&gt;
Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass&lt;br /&gt;
ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten&lt;br /&gt;
einen in der eigenen Freizeitgestaltung in&lt;br /&gt;
Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel&lt;br /&gt;
Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst&lt;br /&gt;
später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig&lt;br /&gt;
auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging&lt;br /&gt;
dann alles - das heißt das normale schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass&lt;br /&gt;
ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt und&lt;br /&gt;
euch freut, damit andere durch euch glücklich&lt;br /&gt;
werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach&lt;br /&gt;
fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Baha‘i und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende&lt;br /&gt;
Gebet besonders an Herz: „O Gott! Erquicke&lt;br /&gt;
und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz,&lt;br /&gt;
entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist&lt;br /&gt;
mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht&lt;br /&gt;
länger traurig und bekümmert, sondern ein&lt;br /&gt;
glückliches und strahlendes Wesen sein. O&lt;br /&gt;
Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und&lt;br /&gt;
Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den&lt;br /&gt;
Widrigkeiten dieses Lebens verharren.O Gott!&lt;br /&gt;
Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich&lt;br /&gt;
weihe mich Dir, o Herr!“ (Abdu‘l-Bahä, Gebete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich&lt;br /&gt;
sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen&lt;br /&gt;
vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft&lt;br /&gt;
dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: „Wir belasten keine&lt;br /&gt;
Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Niemals wird Erungerecht mitirgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über&lt;br /&gt;
ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der&lt;br /&gt;
Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahä‘u‘lläh,&lt;br /&gt;
Ährenlese 52:2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit.&lt;br /&gt;
Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet,&lt;br /&gt;
doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu&lt;br /&gt;
sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und es half&lt;br /&gt;
mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der&lt;br /&gt;
Gewissheit, dass Gott die Hände der Operateure schon führen werde. Die Operation und&lt;br /&gt;
der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an.&lt;br /&gt;
Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war&lt;br /&gt;
damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen&lt;br /&gt;
sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe,&lt;br /&gt;
weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben&lt;br /&gt;
sich diese harten Monate auch als sehr lehrund erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit&lt;br /&gt;
der Chemotherapie sehr schlecht. Bis heute&lt;br /&gt;
habe ich mit der Regeneration meines Körpers&lt;br /&gt;
zu tun, weil die Nebenwirkungen so heftig&lt;br /&gt;
sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu&lt;br /&gt;
meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser&lt;br /&gt;
Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach&lt;br /&gt;
und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte&lt;br /&gt;
auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: ‚Hey Walburga, denke daran, das Leben&lt;br /&gt;
ist zur Freude erschaffen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist&lt;br /&gt;
zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges&lt;br /&gt;
Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis&lt;br /&gt;
und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses&lt;br /&gt;
Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein&lt;br /&gt;
Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche&lt;br /&gt;
Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche&lt;br /&gt;
Führung ... (Abdu‘l-Bahä, Star of the West, Bd.&lt;br /&gt;
7,5. 163).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste.&lt;br /&gt;
Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich&lt;br /&gt;
wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese&lt;br /&gt;
Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt.&lt;br /&gt;
So kam meine Mutter nach einer Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zusehen und&lt;br /&gt;
mich zu versorgen. Schon vor ihrem Besuch&lt;br /&gt;
hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde&lt;br /&gt;
aus der Bahá’í-Gemeindeeine große Stütze für&lt;br /&gt;
mich und meine Familie waren. Während ihres&lt;br /&gt;
einige Tage währenden Besuchs bekam sie es&lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie&lt;br /&gt;
mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu&lt;br /&gt;
mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie&lt;br /&gt;
schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos,&lt;br /&gt;
auch dank der Unterstützung einiger Freunde, da ich während dieser Wochen bei ihnen&lt;br /&gt;
auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit&lt;br /&gt;
nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte&lt;br /&gt;
körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf meine geistige Regsamkeit aus. Über&lt;br /&gt;
Monate hatte ich mich wie in einem Nebel&lt;br /&gt;
gefühlt, ich war zu schwach zum Denken. Inzwischen wares April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was&lt;br /&gt;
habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel&lt;br /&gt;
hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem&lt;br /&gt;
Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja&lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte&lt;br /&gt;
ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer&lt;br /&gt;
offener, Immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen&lt;br /&gt;
einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäfl-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit mit zum Teil konkreten Hinweisen&lt;br /&gt;
(Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen,&lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag). Darin ist deutlich zu lesen, dass&lt;br /&gt;
Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin&lt;br /&gt;
der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch&lt;br /&gt;
Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen;&lt;br /&gt;
da aber heute die Wissenschaft der Medizin&lt;br /&gt;
noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache&lt;br /&gt;
noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten&lt;br /&gt;
Wasserkuren durchgeführt werden.“ (Abdu’lBahä, Beantwortete Fragen 73:6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit&lt;br /&gt;
Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich mich nun mit gezielter Ernährung In Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im&lt;br /&gt;
Internet neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich&lt;br /&gt;
las mich In diese besonders Interessante und&lt;br /&gt;
überzeugende Thematik ein, setzte es zügig&lt;br /&gt;
um und habe inzwischen sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete&lt;br /&gt;
sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach&lt;br /&gt;
Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch In diesem Bereich ein Kreis&lt;br /&gt;
zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue&lt;br /&gt;
Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lasBücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und&lt;br /&gt;
sekundären Krankheitsgewinne Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die&lt;br /&gt;
Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein&lt;br /&gt;
Körper mitteilen, wenn er sich dabei einen so&lt;br /&gt;
wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt?&lt;br /&gt;
Diese und andere Fragen waren so ganz nach&lt;br /&gt;
meiner Geschrnack.Sie wiesen den Wegnach&lt;br /&gt;
vom und als gläubiger Mensch, stets der Unterstützung Gottes gewiss weckten sie Kraft,&lt;br /&gt;
Zuversicht und Motivation in mir, mein Leben&lt;br /&gt;
in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwik&lt;br /&gt;
kein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierungund dieEinbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins zur Gesundung schienen mir so klar und&lt;br /&gt;
einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen Therapien vermisst. Sind wir als&lt;br /&gt;
Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele&lt;br /&gt;
und Geist, egal ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische&lt;br /&gt;
Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. Wo blieben die geistigen Aspekte&lt;br /&gt;
bei der Therapie? Wie kann jemand glauben,&lt;br /&gt;
einen Menschen gesund zu machen, wenn&lt;br /&gt;
er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele und seine Geistigkeit, nichtnursträflich vernachlässigt, sondern&lt;br /&gt;
sogar völligausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die&lt;br /&gt;
Chemotherapie einen enorm. zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur&lt;br /&gt;
auf den Organismus Im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend&lt;br /&gt;
auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell&lt;br /&gt;
diekranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen&lt;br /&gt;
Dabei bleibt der Geist klar und istin der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in&lt;br /&gt;
hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig emiedrigende und menschenverachtende&lt;br /&gt;
Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr&lt;br /&gt;
leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen körperlichen Verfassung dem Tod bereits&lt;br /&gt;
recht nahe gestanden. Doch Ich hatte überlebt. Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen&lt;br /&gt;
sein. Ich sah esals meine zweite Lebenschance an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche&lt;br /&gt;
Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit Im&lt;br /&gt;
alternativ.medizinischen Bereich und helfen&lt;br /&gt;
mir, meine Entgiftung und den körperlichen&lt;br /&gt;
‚Aufbau voran zu bringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die PsychoOnkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, mich nun auch auf geistiger Ebene&lt;br /&gt;
mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie&lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und&lt;br /&gt;
konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch&lt;br /&gt;
die Visualisierung auch kreativ auf die dgene&lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt, Ich habe sehr viel lernen&lt;br /&gt;
und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch&lt;br /&gt;
die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben&lt;br /&gt;
entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dein Name ist meine Heilung,&lt;br /&gt;
o mein Gott,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Gedenken meine Arznei,&lt;br /&gt;
Deine Nähe meine Hoffnung und&lt;br /&gt;
die Liebe zu Dir mein Gefährte.&lt;br /&gt;
Dein Erbarmen ist meine Heilung&lt;br /&gt;
und Hilfe in beiden Welten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dieser und der künftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du bist wahrlich der Allgütige,&lt;br /&gt;
der Allwissende, der Allweise.“&lt;br /&gt;
{Bahä’u&#039;lläh, Gebete Nr. 142)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Du gütiger Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergib meine Sünden, schenke mir Deine&lt;br /&gt;
Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich,&lt;br /&gt;
tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld&lt;br /&gt;
und heile mich von allen Krankheiten und&lt;br /&gt;
Gebrechen. Läutere und heilige mich und&lt;br /&gt;
lass mich teilhaben an der Ausgießung der&lt;br /&gt;
Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit&lt;br /&gt;
schwinden und Freude und Glück&lt;br /&gt;
herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude&lt;br /&gt;
und Zuversicht, und dass der Mut die Angst&lt;br /&gt;
verdränge. ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Abdu‘l-Bahä, Gebete Nr. 140)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei&lt;br /&gt;
der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten&lt;br /&gt;
Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten der Vergebung und der Heilung so ermutigend,dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht&lt;br /&gt;
und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch&lt;br /&gt;
wunderbare Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren&lt;br /&gt;
Schöpfer, unser Leben tatkräftig und mutig&lt;br /&gt;
in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin&lt;br /&gt;
ich dankbar für die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin&lt;br /&gt;
ich für die große Unterstützung durch meine&lt;br /&gt;
Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten&lt;br /&gt;
Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das&lt;br /&gt;
folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze&lt;br /&gt;
dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge&lt;br /&gt;
stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel&lt;br /&gt;
hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in&lt;br /&gt;
Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, 5. 7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in&lt;br /&gt;
Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind&lt;br /&gt;
dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, die von einer oder mehreren Drogen&lt;br /&gt;
abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen&lt;br /&gt;
und Körper, Geist und Seele ruinieren, die dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für&lt;br /&gt;
ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich&lt;br /&gt;
ähnlich hohe Summe für Cannabisprodukte&lt;br /&gt;
ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen&lt;br /&gt;
beträgt in Deutschland 20 bis 22 Millionen, 9,3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten Alkoholkonsum, 4,3 Millionen&lt;br /&gt;
gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind&lt;br /&gt;
Männer. Die Zahl der Cannabiskonsumenten&lt;br /&gt;
wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische Forscher heute davon ausgehen, dass&lt;br /&gt;
Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. {1}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen&lt;br /&gt;
die Kontrolle über ihren Körper und Geist verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesell{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}schaft, in der mindestens jeder Zehnte durch&lt;br /&gt;
den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger&lt;br /&gt;
ausdem Arbeitsprozess ausscheidet, zum Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und&lt;br /&gt;
von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte&lt;br /&gt;
Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen&lt;br /&gt;
Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der&lt;br /&gt;
Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Te&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das&lt;br /&gt;
Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der&lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern&lt;br /&gt;
ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft für die&lt;br /&gt;
Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal poitischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen&lt;br /&gt;
Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor&lt;br /&gt;
allem auf Folgen für Seele und Geist hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken&lt;br /&gt;
auf, Langfristig bilden sich chronische neuropsychologische Defizite in den Bereichen&lt;br /&gt;
‚Aufmerksarnikeit, Konzentration, Gedächtnis,&lt;br /&gt;
Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und ProblemlösungsStrategien.” (ebd. 5.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das&lt;br /&gt;
heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der&lt;br /&gt;
Teil des Gehirns aus der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle,&lt;br /&gt;
für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42,&lt;br /&gt;
Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische und&lt;br /&gt;
soziale Folgen chronischen Alkoholismus)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus,&lt;br /&gt;
wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an seiner Entwicklung gehindert wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend&lt;br /&gt;
unfähig sind, Ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
diefür den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit&lt;br /&gt;
verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten&lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz&lt;br /&gt;
und Selbstaisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen&lt;br /&gt;
sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind&lt;br /&gt;
zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser&lt;br /&gt;
abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 1. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird,&lt;br /&gt;
kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes&lt;br /&gt;
Leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, wornit sie&lt;br /&gt;
beraitsihre Jugend vergeudethaben: Ineinem&lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung Ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten weiter zu ruinieren, bis sie schließlich&lt;br /&gt;
am Rande der Gesellschaft Ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht feststellen, und wenn man nachtragt,&lt;br /&gt;
welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltunghat,findetnanbei den Betroffenenmeist&lt;br /&gt;
auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko,anı Schizophrenie zu erkranken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch&lt;br /&gt;
in der Kriminalstatistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss bei Totschlag sind es40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen von 1997,&lt;br /&gt;
vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}Alkoholismus in der Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs&lt;br /&gt;
aufdie Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45&lt;br /&gt;
Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum&lt;br /&gt;
Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher&lt;br /&gt;
dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl&lt;br /&gt;
von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran erkennen, dass solche Kinder meist unter&lt;br /&gt;
generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent&lt;br /&gt;
starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu go Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar&lt;br /&gt;
und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern&lt;br /&gt;
mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale&lt;br /&gt;
Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt,&lt;br /&gt;
geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern&lt;br /&gt;
geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cannabiskonsum in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange&lt;br /&gt;
Tradition hat und in allen Altersgruppen auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ&lt;br /&gt;
kurze Geschichte in Deutschland. Erst in den&lt;br /&gt;
60er Jahren beginnen Jugendliche und dann&lt;br /&gt;
auch zunehmend Erwachsene Haschisch und&lt;br /&gt;
Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert&lt;br /&gt;
zu haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März&lt;br /&gt;
1999). Für Deutschland gibt es keine vergleich&lt;br /&gt;
baren Zahlen, aber bereits 1934 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass 80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden&lt;br /&gt;
schon in den 70er und 8oer Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen&lt;br /&gt;
müssen. Sie wurden 1987 in deutscher Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch&lt;br /&gt;
- Zerstörung einer Legende) publiziert. Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten im&lt;br /&gt;
Körper verbleiben und jedes wichtige Organ&lt;br /&gt;
des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund:&lt;br /&gt;
Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis vorkommen, sind fettlöslich und können daher&lt;br /&gt;
nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, ein Zellbiologe, fand heraus, dass der&lt;br /&gt;
Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und&lt;br /&gt;
höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System,&lt;br /&gt;
das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen&lt;br /&gt;
entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das&lt;br /&gt;
Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit&lt;br /&gt;
und Gleichgültigkeit, aberauch die übermäßigen Wutausbrüche, die Haschisch rauchende&lt;br /&gt;
Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte Schädigung bedeutet, dass solche&lt;br /&gt;
Menschen ihr natürliches Belohnungssystem&lt;br /&gt;
zerstören, das dafür sorgt, dass erreichte Ziele&lt;br /&gt;
und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung&lt;br /&gt;
des Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten Ist dies nur noch durch zunehmende Mengen von Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden Teile des Stirnlappens&lt;br /&gt;
(frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem&lt;br /&gt;
Alkohol ähnliche Wirkung. Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich&lt;br /&gt;
selbst beiehemaligen Potrauchern doppelt so&lt;br /&gt;
häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr.&lt;br /&gt;
Susan Dalterio fand bei Mäusen, die mit THC&lt;br /&gt;
behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. Die Hälfte der Tiere war&lt;br /&gt;
zeugungsunfähig, und die Nachkommen der&lt;br /&gt;
übrigen zeigten schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch ChromosomenAbnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem&lt;br /&gt;
Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen&lt;br /&gt;
Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche&lt;br /&gt;
Zellen untersucht habe, habe ich niemals irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich&lt;br /&gt;
Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff THC die Produktion von Testosteron und&lt;br /&gt;
anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung&lt;br /&gt;
von Krankheiten stellte eine dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen&lt;br /&gt;
fest, die exakt mit der Wachstumsrate des&lt;br /&gt;
Cannabis-Konsums In den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger In der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten a2Jährigen&lt;br /&gt;
Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest 5. Tennant untersuchte 2ojährige&lt;br /&gt;
Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei g1 Prozent&lt;br /&gt;
der Doppelraucher stellte er squamöse Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss&lt;br /&gt;
daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor&lt;br /&gt;
Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf&lt;br /&gt;
der Website der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei-,&lt;br /&gt;
der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erlei{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}det, die es zulässt, dass Menschen sich der&lt;br /&gt;
Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als Abdu’|-Bahä das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert Jahren&lt;br /&gt;
begründete, wählte er Worte, die sich wie eine&lt;br /&gt;
Zusammenfassungder erst viel später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt&lt;br /&gt;
Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und&lt;br /&gt;
das elende Haschisch lassen den Verstand&lt;br /&gt;
erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitäb-iAqdas 5. 2791.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstellefür Suchtfragen e.V, Berlin/&lt;br /&gt;
Hamm, 12.lanuar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon 6 Jahrean&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer Waldorfschule&lt;br /&gt;
Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ÄCHTSAMKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in&lt;br /&gt;
Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR)&lt;br /&gt;
kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt&lt;br /&gt;
hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle&lt;br /&gt;
Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem&lt;br /&gt;
Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit&lt;br /&gt;
werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht&lt;br /&gt;
darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosi&lt;br /&gt;
ne reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und&lt;br /&gt;
die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete&lt;br /&gt;
Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich&lt;br /&gt;
habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist&lt;br /&gt;
es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist&lt;br /&gt;
eine aktive, reiche und sehr persönliche Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der&lt;br /&gt;
Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten des&lt;br /&gt;
Lebens. In einem typischen Kurs finden sich&lt;br /&gt;
Menschen aus allen Lebenskreisen und Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere,&lt;br /&gt;
die Stress in der Arbeit, in ihrer Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}oder Familie erleben, bei manchen treffen alle&lt;br /&gt;
diese Punkte zusammen. Viele haben nie in ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des&lt;br /&gt;
Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf den Moment&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und&lt;br /&gt;
wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen Inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann,&lt;br /&gt;
dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach&lt;br /&gt;
und bewusst zu sein, in der Lage, wie Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem&lt;br /&gt;
Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center&lt;br /&gt;
in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende von Menschen an Kursenteilgenommen: in&lt;br /&gt;
Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen,&lt;br /&gt;
in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen&lt;br /&gt;
geben. Eine Flut wissenschaftlicher Untersuchungen hat während der vergangenen 20&lt;br /&gt;
Jahre gezeigt, dass MBSR und andere achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen&lt;br /&gt;
Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet der&lt;br /&gt;
Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Lehrer: Das Leben selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung&lt;br /&gt;
durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen drei „formelle“ Praktiken: einen KörperScan, achtsame Körperbewusstseinsübungen&lt;br /&gt;
und Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs&lt;br /&gt;
Tagen der Woche mindestens eine Stunde zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten mit den Übungen verwendet. Doch es&lt;br /&gt;
sind besonders die „informellen“ Übungen,&lt;br /&gt;
während derer die Teilnehmenden lernen,&lt;br /&gt;
Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des&lt;br /&gt;
‚Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
‚Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den&lt;br /&gt;
ganzen Körper zu wandern, und darüber hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich&lt;br /&gt;
verrichten, und diese als Tätigkeit achtsam zu&lt;br /&gt;
praktizieren. Häufig wird das Zähneputzengewählt. Andere Aktivitäten sind beispielsweise&lt;br /&gt;
das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. Wenn&lt;br /&gt;
sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend&lt;br /&gt;
über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der&lt;br /&gt;
Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den&lt;br /&gt;
Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder&lt;br /&gt;
unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen&lt;br /&gt;
gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie&lt;br /&gt;
vor allem Schmerzliches, Dunkles und Unangenehmes Im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene&lt;br /&gt;
zu blicken, etwa wie mit einem Zoom ganz&lt;br /&gt;
nah an die Details heranzufahren und dann&lt;br /&gt;
wieder „wegzuzoomen‘, bis der Blick einem&lt;br /&gt;
Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: Es ist nicht die Situation selbst, die&lt;br /&gt;
Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive&lt;br /&gt;
zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich&lt;br /&gt;
weiten oder sogar verengen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (0.&lt;br /&gt;
W.Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie&lt;br /&gt;
Üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des&lt;br /&gt;
Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende&lt;br /&gt;
erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabel entwikkeit jeder Mensch ein Verständnis davon, das&lt;br /&gt;
in seinem eigenen Leben wurzelt.Eine solche&lt;br /&gt;
Art desLernens reicht tief und ermöglicht Veränderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen&lt;br /&gt;
Ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß&lt;br /&gt;
ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind. So wie die Momente meines&lt;br /&gt;
Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
geboren in New York,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
Pächagogin Gründerin des&lt;br /&gt;
Instituts für Achtsarnkeit&lt;br /&gt;
und Stressbewältigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten&lt;br /&gt;
erfordert in allen Bereichen ein gänzlich&lt;br /&gt;
neues Denken und Handeln. TEMPORA&lt;br /&gt;
beschäftigt sich auf dem Hintergrund der&lt;br /&gt;
Bahä-Lehren mit aktuellen Zeitfragen&lt;br /&gt;
und möchte durch Cedankenimpulse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Entwicklung zu einer besseren Weit&lt;br /&gt;
fordem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harausgabar&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä&#039;tin&lt;br /&gt;
Deutschland eV, Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion&lt;br /&gt;
Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi,&lt;br /&gt;
Tnomas Schaaft, Monika Schramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun. Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
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tempora®@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
layout und Illustration&lt;br /&gt;
Witra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos&lt;br /&gt;
Saman Rahmanlan Saas, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi 53,71,12,13,37&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo 5. 28,27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
festliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
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Vartriab und Bastallungen&lt;br /&gt;
Baha Vertrieb&lt;br /&gt;
Benzweg 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_14/Text&amp;diff=77481</id>
		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-05-31T07:42:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;29 . . . . . Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;32 . . . . . Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über ganzheitliche Heilmethoden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;37 . . . . . Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie das Streben nach Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir &lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir sie &lt;br /&gt;
eingebüßt haben. Manche trifft eine Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich oder &lt;br /&gt;
fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel tun, um Leib und Seele in Balance zu halten.&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften, wie das Verbot von Drogen, würde so manche &lt;br /&gt;
Krankheit verhindern. Der respektvolle Umgang mit dem Körper als dem Tempel der Seele &lt;br /&gt;
ist eine wichtige Aufgabe - freilich nicht die einzige im Leben eines Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Anregungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen &lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Für das Wohlbefinden müssen alle Seinsebenen des Menschen in Harmonie zueinander stehen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Versuch einer Definition&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig immer wieder wünschen, und von ihrer &lt;br /&gt;
großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der Menschen von ihren uns heute bekannten &lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen &lt;br /&gt;
und griechischen Gelehrten und ihre medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr &lt;br /&gt;
stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike: Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen, Bädern sowie umliegende kulturelle &lt;br /&gt;
Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit sich und der Schöpfung im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen. Eine offizielle Definition der &lt;br /&gt;
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: &#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist ein Zustand &lt;br /&gt;
vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße &lt;br /&gt;
Abwesenheit von Krankheiten oder Gebrechen.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sigmund Freud sagt über diesen Begriff: &#039;&#039;&#039;„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und &lt;br /&gt;
arbeiten zu können.“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, &lt;br /&gt;
Glücklichsein und Produktivität ist, was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und &lt;br /&gt;
ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt der ganzen &lt;br /&gt;
Menschheit hat. Gesundheit ist nach diesen Definitionen auch kein statischer Zustand und &lt;br /&gt;
ebensowenig durchschnittlich, obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie beispielsweise &lt;br /&gt;
Blutdruck, Blutanalysewerte, Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit in drei Dimensionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes Individuum aus &lt;br /&gt;
drei Dimensionen besteht&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet &lt;br /&gt;
sich das Individuum im Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese drei Dimensionen oder &lt;br /&gt;
Daseinsbereiche des Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und &lt;br /&gt;
physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft beschrieben werden. Die Seele &lt;br /&gt;
ist immateriell und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, &lt;br /&gt;
Verstehen. Der Geist oder die vernunftbegabte Seele wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund verschiedener &lt;br /&gt;
Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, &lt;br /&gt;
ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen Körpers, &lt;br /&gt;
zu orientieren. Er lässt sich in Glieder, Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen &lt;br /&gt;
Zustand bezeichnet man als Krankheit. Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, &lt;br /&gt;
sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder &lt;br /&gt;
das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ beeinflusst. Krankheit &lt;br /&gt;
kann angeboren oder erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den &lt;br /&gt;
gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze, Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen- oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Erworbene Ursachen wie Organ- und Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit, Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser, Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen Liste&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; ist ersichtlich, wie das physische &lt;br /&gt;
und psychische Wohlbefinden des Individuums zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich &lt;br /&gt;
immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie Gesundheitssysteme um Gesundheit oder Vermeidung von Krankheiten &lt;br /&gt;
bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt einen äußerlichen Mindeststandard &lt;br /&gt;
vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und die Mühe für die Erhaltung der &lt;br /&gt;
Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht &lt;br /&gt;
und Harmonie zueinander stehen, sondern auch der Mensch mit der Schöpfung. In den Schriften &lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion finden wir hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit größeren Maße durch das andere beeinflusst wird, als man gewöhnlich denkt.“&#039;&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf&lt;br /&gt;
der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische&lt;br /&gt;
Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Aus den Schriften Baha’u llahs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere&lt;br /&gt;
Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der&lt;br /&gt;
Mäßigung, der Ruhe und Meditation,der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den&lt;br /&gt;
sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres&lt;br /&gt;
Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert&lt;br /&gt;
effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise die Hygienegebote (Waschungen),&lt;br /&gt;
das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und&lt;br /&gt;
Drogen, die Monogamie oder Keuschheit vor&lt;br /&gt;
der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot&lt;br /&gt;
eines respektvollen Umgangs mit dem Körper,&lt;br /&gt;
da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung Ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem&lt;br /&gt;
Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen&lt;br /&gt;
Mitteln wählen, die wenig Rücksicht auf die&lt;br /&gt;
Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen&lt;br /&gt;
nehmen, versucht die andere Gruppe den alt&lt;br /&gt;
überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von&lt;br /&gt;
unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin:&lt;br /&gt;
„Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.med Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}Ein sehr persönlicher&lt;br /&gt;
Bericht über eine&lt;br /&gt;
Krebserfahrung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten inderAchselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt und&lt;br /&gt;
angespannt in meiner Lebensumgebung, als&lt;br /&gt;
dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte&lt;br /&gt;
ja sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um&lt;br /&gt;
inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung&lt;br /&gt;
in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein W n,das ist&lt;br /&gt;
nicht untersucht oder erwiesen. E einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten&lt;br /&gt;
chwägerin mit drei Kin&lt;br /&gt;
dern),der Mann fi ne Woche unterwegs, im&lt;br /&gt;
Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche&lt;br /&gt;
nach den Ferien (mit der damit verbundenen&lt;br /&gt;
Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner&lt;br /&gt;
chon früher hatte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ichdachte mirimmer,erst mal machst du&lt;br /&gt;
gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren,&lt;br /&gt;
nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf&lt;br /&gt;
die ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben&lt;br /&gt;
wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber&lt;br /&gt;
doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen Ist mir besonders in&lt;br /&gt;
Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und&lt;br /&gt;
trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da&lt;br /&gt;
ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen,&lt;br /&gt;
wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr&lt;br /&gt;
sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick&lt;br /&gt;
nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung&lt;br /&gt;
geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe&lt;br /&gt;
dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt&lt;br /&gt;
oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste nur,es war sehr wichtig, zügig System in die&lt;br /&gt;
neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und zu beraten. Dann besorgte ich mir&lt;br /&gt;
einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin in Frankfurt. Dort war die&lt;br /&gt;
Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. Und nachdem ich zu&lt;br /&gt;
meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, war ich trotz aller&lt;br /&gt;
Anspannung fast erleichtert und sandte viele&lt;br /&gt;
„Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen&lt;br /&gt;
Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass&lt;br /&gt;
ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten&lt;br /&gt;
einen in der eigenen Freizeitgestaltung in&lt;br /&gt;
Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel&lt;br /&gt;
Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst&lt;br /&gt;
später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig&lt;br /&gt;
auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging&lt;br /&gt;
dann alles - das heißt das normale schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit&lt;br /&gt;
der Bahá’í-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass&lt;br /&gt;
ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt und&lt;br /&gt;
euch freut, damit andere durch euch glücklich&lt;br /&gt;
werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach&lt;br /&gt;
fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Baha‘i und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende&lt;br /&gt;
Gebet besonders an Herz: „O Gott! Erquicke&lt;br /&gt;
und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz,&lt;br /&gt;
entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist&lt;br /&gt;
mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht&lt;br /&gt;
länger traurig und bekümmert, sondern ein&lt;br /&gt;
glückliches und strahlendes Wesen sein. O&lt;br /&gt;
Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und&lt;br /&gt;
Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den&lt;br /&gt;
Widrigkeiten dieses Lebens verharren.O Gott!&lt;br /&gt;
Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich&lt;br /&gt;
weihe mich Dir, o Herr!“ (Abdu‘l-Bahä, Gebete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich&lt;br /&gt;
sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen&lt;br /&gt;
vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft&lt;br /&gt;
dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: „Wir belasten keine&lt;br /&gt;
Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Niemals wird Erungerecht mitirgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über&lt;br /&gt;
ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der&lt;br /&gt;
Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahä‘u‘lläh,&lt;br /&gt;
Ährenlese 52:2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit.&lt;br /&gt;
Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet,&lt;br /&gt;
doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu&lt;br /&gt;
sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und es half&lt;br /&gt;
mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der&lt;br /&gt;
Gewissheit, dass Gott die Hände der Operateure schon führen werde. Die Operation und&lt;br /&gt;
der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an.&lt;br /&gt;
Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war&lt;br /&gt;
damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen&lt;br /&gt;
sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe,&lt;br /&gt;
weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben&lt;br /&gt;
sich diese harten Monate auch als sehr lehrund erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit&lt;br /&gt;
der Chemotherapie sehr schlecht. Bis heute&lt;br /&gt;
habe ich mit der Regeneration meines Körpers&lt;br /&gt;
zu tun, weil die Nebenwirkungen so heftig&lt;br /&gt;
sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu&lt;br /&gt;
meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser&lt;br /&gt;
Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach&lt;br /&gt;
und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte&lt;br /&gt;
auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: ‚Hey Walburga, denke daran, das Leben&lt;br /&gt;
ist zur Freude erschaffen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist&lt;br /&gt;
zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges&lt;br /&gt;
Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis&lt;br /&gt;
und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses&lt;br /&gt;
Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein&lt;br /&gt;
Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche&lt;br /&gt;
Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche&lt;br /&gt;
Führung ... (Abdu‘l-Bahä, Star of the West, Bd.&lt;br /&gt;
7,5. 163).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste.&lt;br /&gt;
Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich&lt;br /&gt;
wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese&lt;br /&gt;
Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Bahá’í wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt.&lt;br /&gt;
So kam meine Mutter nach einer Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zusehen und&lt;br /&gt;
mich zu versorgen. Schon vor ihrem Besuch&lt;br /&gt;
hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde&lt;br /&gt;
aus der Bahá’í-Gemeindeeine große Stütze für&lt;br /&gt;
mich und meine Familie waren. Während ihres&lt;br /&gt;
einige Tage währenden Besuchs bekam sie es&lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie&lt;br /&gt;
mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu&lt;br /&gt;
mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie&lt;br /&gt;
schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos,&lt;br /&gt;
auch dank der Unterstützung einiger Freunde, da ich während dieser Wochen bei ihnen&lt;br /&gt;
auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit&lt;br /&gt;
nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte&lt;br /&gt;
körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf meine geistige Regsamkeit aus. Über&lt;br /&gt;
Monate hatte ich mich wie in einem Nebel&lt;br /&gt;
gefühlt, ich war zu schwach zum Denken. Inzwischen wares April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was&lt;br /&gt;
habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel&lt;br /&gt;
hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem&lt;br /&gt;
Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja&lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte&lt;br /&gt;
ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer&lt;br /&gt;
offener, Immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen&lt;br /&gt;
einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäfl-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit mit zum Teil konkreten Hinweisen&lt;br /&gt;
(Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen,&lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag). Darin ist deutlich zu lesen, dass&lt;br /&gt;
Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin&lt;br /&gt;
der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch&lt;br /&gt;
Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen;&lt;br /&gt;
da aber heute die Wissenschaft der Medizin&lt;br /&gt;
noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache&lt;br /&gt;
noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten&lt;br /&gt;
Wasserkuren durchgeführt werden.“ (Abdu’lBahä, Beantwortete Fragen 73:6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit&lt;br /&gt;
Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich mich nun mit gezielter Ernährung In Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im&lt;br /&gt;
Internet neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich&lt;br /&gt;
las mich In diese besonders Interessante und&lt;br /&gt;
überzeugende Thematik ein, setzte es zügig&lt;br /&gt;
um und habe inzwischen sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete&lt;br /&gt;
sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach&lt;br /&gt;
Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch In diesem Bereich ein Kreis&lt;br /&gt;
zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue&lt;br /&gt;
Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lasBücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und&lt;br /&gt;
sekundären Krankheitsgewinne Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die&lt;br /&gt;
Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein&lt;br /&gt;
Körper mitteilen, wenn er sich dabei einen so&lt;br /&gt;
wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt?&lt;br /&gt;
Diese und andere Fragen waren so ganz nach&lt;br /&gt;
meiner Geschrnack.Sie wiesen den Wegnach&lt;br /&gt;
vom und als gläubiger Mensch, stets der Unterstützung Gottes gewiss weckten sie Kraft,&lt;br /&gt;
Zuversicht und Motivation in mir, mein Leben&lt;br /&gt;
in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwik&lt;br /&gt;
kein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierungund dieEinbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins zur Gesundung schienen mir so klar und&lt;br /&gt;
einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen Therapien vermisst. Sind wir als&lt;br /&gt;
Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele&lt;br /&gt;
und Geist, egal ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische&lt;br /&gt;
Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. Wo blieben die geistigen Aspekte&lt;br /&gt;
bei der Therapie? Wie kann jemand glauben,&lt;br /&gt;
einen Menschen gesund zu machen, wenn&lt;br /&gt;
er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele und seine Geistigkeit, nichtnursträflich vernachlässigt, sondern&lt;br /&gt;
sogar völligausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die&lt;br /&gt;
Chemotherapie einen enorm. zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur&lt;br /&gt;
auf den Organismus Im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend&lt;br /&gt;
auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell&lt;br /&gt;
diekranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen&lt;br /&gt;
Dabei bleibt der Geist klar und istin der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in&lt;br /&gt;
hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig emiedrigende und menschenverachtende&lt;br /&gt;
Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr&lt;br /&gt;
leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen körperlichen Verfassung dem Tod bereits&lt;br /&gt;
recht nahe gestanden. Doch Ich hatte überlebt. Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen&lt;br /&gt;
sein. Ich sah esals meine zweite Lebenschance an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche&lt;br /&gt;
Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit Im&lt;br /&gt;
alternativ.medizinischen Bereich und helfen&lt;br /&gt;
mir, meine Entgiftung und den körperlichen&lt;br /&gt;
‚Aufbau voran zu bringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die PsychoOnkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, mich nun auch auf geistiger Ebene&lt;br /&gt;
mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie&lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und&lt;br /&gt;
konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch&lt;br /&gt;
die Visualisierung auch kreativ auf die dgene&lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt, Ich habe sehr viel lernen&lt;br /&gt;
und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch&lt;br /&gt;
die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben&lt;br /&gt;
entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dein Name ist meine Heilung,&lt;br /&gt;
o mein Gott,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Gedenken meine Arznei,&lt;br /&gt;
Deine Nähe meine Hoffnung und&lt;br /&gt;
die Liebe zu Dir mein Gefährte.&lt;br /&gt;
Dein Erbarmen ist meine Heilung&lt;br /&gt;
und Hilfe in beiden Welten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dieser und der künftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du bist wahrlich der Allgütige,&lt;br /&gt;
der Allwissende, der Allweise.“&lt;br /&gt;
{Bahä’u&#039;lläh, Gebete Nr. 142)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Du gütiger Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergib meine Sünden, schenke mir Deine&lt;br /&gt;
Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich,&lt;br /&gt;
tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld&lt;br /&gt;
und heile mich von allen Krankheiten und&lt;br /&gt;
Gebrechen. Läutere und heilige mich und&lt;br /&gt;
lass mich teilhaben an der Ausgießung der&lt;br /&gt;
Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit&lt;br /&gt;
schwinden und Freude und Glück&lt;br /&gt;
herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude&lt;br /&gt;
und Zuversicht, und dass der Mut die Angst&lt;br /&gt;
verdränge. ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Abdu‘l-Bahä, Gebete Nr. 140)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei&lt;br /&gt;
der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten&lt;br /&gt;
Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten der Vergebung und der Heilung so ermutigend,dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht&lt;br /&gt;
und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch&lt;br /&gt;
wunderbare Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren&lt;br /&gt;
Schöpfer, unser Leben tatkräftig und mutig&lt;br /&gt;
in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin&lt;br /&gt;
ich dankbar für die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin&lt;br /&gt;
ich für die große Unterstützung durch meine&lt;br /&gt;
Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten&lt;br /&gt;
Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das&lt;br /&gt;
folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze&lt;br /&gt;
dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge&lt;br /&gt;
stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel&lt;br /&gt;
hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in&lt;br /&gt;
Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Rosen der Liebe, 5. 7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in&lt;br /&gt;
Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind&lt;br /&gt;
dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, die von einer oder mehreren Drogen&lt;br /&gt;
abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen&lt;br /&gt;
und Körper, Geist und Seele ruinieren, die dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für&lt;br /&gt;
ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich&lt;br /&gt;
ähnlich hohe Summe für Cannabisprodukte&lt;br /&gt;
ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen&lt;br /&gt;
beträgt in Deutschland 20 bis 22 Millionen, 9,3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten Alkoholkonsum, 4,3 Millionen&lt;br /&gt;
gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind&lt;br /&gt;
Männer. Die Zahl der Cannabiskonsumenten&lt;br /&gt;
wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische Forscher heute davon ausgehen, dass&lt;br /&gt;
Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. {1}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen&lt;br /&gt;
die Kontrolle über ihren Körper und Geist verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesell{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}schaft, in der mindestens jeder Zehnte durch&lt;br /&gt;
den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger&lt;br /&gt;
ausdem Arbeitsprozess ausscheidet, zum Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und&lt;br /&gt;
von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte&lt;br /&gt;
Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen&lt;br /&gt;
Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der&lt;br /&gt;
Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Te&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das&lt;br /&gt;
Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der&lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern&lt;br /&gt;
ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft für die&lt;br /&gt;
Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal poitischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen&lt;br /&gt;
Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor&lt;br /&gt;
allem auf Folgen für Seele und Geist hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken&lt;br /&gt;
auf, Langfristig bilden sich chronische neuropsychologische Defizite in den Bereichen&lt;br /&gt;
‚Aufmerksarnikeit, Konzentration, Gedächtnis,&lt;br /&gt;
Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und ProblemlösungsStrategien.” (ebd. 5.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das&lt;br /&gt;
heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der&lt;br /&gt;
Teil des Gehirns aus der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle,&lt;br /&gt;
für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42,&lt;br /&gt;
Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische und&lt;br /&gt;
soziale Folgen chronischen Alkoholismus)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus,&lt;br /&gt;
wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an seiner Entwicklung gehindert wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend&lt;br /&gt;
unfähig sind, Ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
diefür den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit&lt;br /&gt;
verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten&lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz&lt;br /&gt;
und Selbstaisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen&lt;br /&gt;
sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind&lt;br /&gt;
zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser&lt;br /&gt;
abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 1. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird,&lt;br /&gt;
kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes&lt;br /&gt;
Leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, wornit sie&lt;br /&gt;
beraitsihre Jugend vergeudethaben: Ineinem&lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung Ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten weiter zu ruinieren, bis sie schließlich&lt;br /&gt;
am Rande der Gesellschaft Ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht feststellen, und wenn man nachtragt,&lt;br /&gt;
welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltunghat,findetnanbei den Betroffenenmeist&lt;br /&gt;
auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko,anı Schizophrenie zu erkranken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch&lt;br /&gt;
in der Kriminalstatistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss bei Totschlag sind es40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen von 1997,&lt;br /&gt;
vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}Alkoholismus in der Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs&lt;br /&gt;
aufdie Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45&lt;br /&gt;
Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum&lt;br /&gt;
Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher&lt;br /&gt;
dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl&lt;br /&gt;
von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran erkennen, dass solche Kinder meist unter&lt;br /&gt;
generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent&lt;br /&gt;
starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu go Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar&lt;br /&gt;
und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern&lt;br /&gt;
mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale&lt;br /&gt;
Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt,&lt;br /&gt;
geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern&lt;br /&gt;
geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cannabiskonsum in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange&lt;br /&gt;
Tradition hat und in allen Altersgruppen auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ&lt;br /&gt;
kurze Geschichte in Deutschland. Erst in den&lt;br /&gt;
60er Jahren beginnen Jugendliche und dann&lt;br /&gt;
auch zunehmend Erwachsene Haschisch und&lt;br /&gt;
Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert&lt;br /&gt;
zu haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März&lt;br /&gt;
1999). Für Deutschland gibt es keine vergleich&lt;br /&gt;
baren Zahlen, aber bereits 1934 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass 80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden&lt;br /&gt;
schon in den 70er und 8oer Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen&lt;br /&gt;
müssen. Sie wurden 1987 in deutscher Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch&lt;br /&gt;
- Zerstörung einer Legende) publiziert. Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten im&lt;br /&gt;
Körper verbleiben und jedes wichtige Organ&lt;br /&gt;
des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund:&lt;br /&gt;
Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis vorkommen, sind fettlöslich und können daher&lt;br /&gt;
nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, ein Zellbiologe, fand heraus, dass der&lt;br /&gt;
Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und&lt;br /&gt;
höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System,&lt;br /&gt;
das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen&lt;br /&gt;
entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das&lt;br /&gt;
Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit&lt;br /&gt;
und Gleichgültigkeit, aberauch die übermäßigen Wutausbrüche, die Haschisch rauchende&lt;br /&gt;
Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte Schädigung bedeutet, dass solche&lt;br /&gt;
Menschen ihr natürliches Belohnungssystem&lt;br /&gt;
zerstören, das dafür sorgt, dass erreichte Ziele&lt;br /&gt;
und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung&lt;br /&gt;
des Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten Ist dies nur noch durch zunehmende Mengen von Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden Teile des Stirnlappens&lt;br /&gt;
(frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem&lt;br /&gt;
Alkohol ähnliche Wirkung. Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich&lt;br /&gt;
selbst beiehemaligen Potrauchern doppelt so&lt;br /&gt;
häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr.&lt;br /&gt;
Susan Dalterio fand bei Mäusen, die mit THC&lt;br /&gt;
behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. Die Hälfte der Tiere war&lt;br /&gt;
zeugungsunfähig, und die Nachkommen der&lt;br /&gt;
übrigen zeigten schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch ChromosomenAbnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem&lt;br /&gt;
Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen&lt;br /&gt;
Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche&lt;br /&gt;
Zellen untersucht habe, habe ich niemals irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich&lt;br /&gt;
Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff THC die Produktion von Testosteron und&lt;br /&gt;
anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung&lt;br /&gt;
von Krankheiten stellte eine dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen&lt;br /&gt;
fest, die exakt mit der Wachstumsrate des&lt;br /&gt;
Cannabis-Konsums In den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger In der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten a2Jährigen&lt;br /&gt;
Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest 5. Tennant untersuchte 2ojährige&lt;br /&gt;
Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei g1 Prozent&lt;br /&gt;
der Doppelraucher stellte er squamöse Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss&lt;br /&gt;
daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor&lt;br /&gt;
Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf&lt;br /&gt;
der Website der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei-,&lt;br /&gt;
der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erlei{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}det, die es zulässt, dass Menschen sich der&lt;br /&gt;
Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahá’í-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als Abdu’|-Bahä das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert Jahren&lt;br /&gt;
begründete, wählte er Worte, die sich wie eine&lt;br /&gt;
Zusammenfassungder erst viel später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt&lt;br /&gt;
Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und&lt;br /&gt;
das elende Haschisch lassen den Verstand&lt;br /&gt;
erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&lt;br /&gt;
(&#039;Abdu&#039;l-Bahá, Erläuterung 170 zum Kitäb-iAqdas 5. 2791.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstellefür Suchtfragen e.V, Berlin/&lt;br /&gt;
Hamm, 12.lanuar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon 6 Jahrean&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer Waldorfschule&lt;br /&gt;
Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ÄCHTSAMKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in&lt;br /&gt;
Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR)&lt;br /&gt;
kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt&lt;br /&gt;
hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle&lt;br /&gt;
Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem&lt;br /&gt;
Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit&lt;br /&gt;
werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht&lt;br /&gt;
darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosi&lt;br /&gt;
ne reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und&lt;br /&gt;
die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete&lt;br /&gt;
Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich&lt;br /&gt;
habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist&lt;br /&gt;
es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist&lt;br /&gt;
eine aktive, reiche und sehr persönliche Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der&lt;br /&gt;
Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten des&lt;br /&gt;
Lebens. In einem typischen Kurs finden sich&lt;br /&gt;
Menschen aus allen Lebenskreisen und Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere,&lt;br /&gt;
die Stress in der Arbeit, in ihrer Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}oder Familie erleben, bei manchen treffen alle&lt;br /&gt;
diese Punkte zusammen. Viele haben nie in ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des&lt;br /&gt;
Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf den Moment&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und&lt;br /&gt;
wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen Inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann,&lt;br /&gt;
dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach&lt;br /&gt;
und bewusst zu sein, in der Lage, wie Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem&lt;br /&gt;
Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center&lt;br /&gt;
in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende von Menschen an Kursenteilgenommen: in&lt;br /&gt;
Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen,&lt;br /&gt;
in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen&lt;br /&gt;
geben. Eine Flut wissenschaftlicher Untersuchungen hat während der vergangenen 20&lt;br /&gt;
Jahre gezeigt, dass MBSR und andere achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen&lt;br /&gt;
Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet der&lt;br /&gt;
Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Lehrer: Das Leben selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung&lt;br /&gt;
durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen drei „formelle“ Praktiken: einen KörperScan, achtsame Körperbewusstseinsübungen&lt;br /&gt;
und Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs&lt;br /&gt;
Tagen der Woche mindestens eine Stunde zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten mit den Übungen verwendet. Doch es&lt;br /&gt;
sind besonders die „informellen“ Übungen,&lt;br /&gt;
während derer die Teilnehmenden lernen,&lt;br /&gt;
Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des&lt;br /&gt;
‚Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
‚Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den&lt;br /&gt;
ganzen Körper zu wandern, und darüber hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich&lt;br /&gt;
verrichten, und diese als Tätigkeit achtsam zu&lt;br /&gt;
praktizieren. Häufig wird das Zähneputzengewählt. Andere Aktivitäten sind beispielsweise&lt;br /&gt;
das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. Wenn&lt;br /&gt;
sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend&lt;br /&gt;
über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der&lt;br /&gt;
Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den&lt;br /&gt;
Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder&lt;br /&gt;
unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen&lt;br /&gt;
gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie&lt;br /&gt;
vor allem Schmerzliches, Dunkles und Unangenehmes Im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene&lt;br /&gt;
zu blicken, etwa wie mit einem Zoom ganz&lt;br /&gt;
nah an die Details heranzufahren und dann&lt;br /&gt;
wieder „wegzuzoomen‘, bis der Blick einem&lt;br /&gt;
Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: Es ist nicht die Situation selbst, die&lt;br /&gt;
Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive&lt;br /&gt;
zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich&lt;br /&gt;
weiten oder sogar verengen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (0.&lt;br /&gt;
W.Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie&lt;br /&gt;
Üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des&lt;br /&gt;
Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende&lt;br /&gt;
erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabel entwikkeit jeder Mensch ein Verständnis davon, das&lt;br /&gt;
in seinem eigenen Leben wurzelt.Eine solche&lt;br /&gt;
Art desLernens reicht tief und ermöglicht Veränderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen&lt;br /&gt;
Ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß&lt;br /&gt;
ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind. So wie die Momente meines&lt;br /&gt;
Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
geboren in New York,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
Pächagogin Gründerin des&lt;br /&gt;
Instituts für Achtsarnkeit&lt;br /&gt;
und Stressbewältigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten&lt;br /&gt;
erfordert in allen Bereichen ein gänzlich&lt;br /&gt;
neues Denken und Handeln. TEMPORA&lt;br /&gt;
beschäftigt sich auf dem Hintergrund der&lt;br /&gt;
Bahä-Lehren mit aktuellen Zeitfragen&lt;br /&gt;
und möchte durch Cedankenimpulse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Entwicklung zu einer besseren Weit&lt;br /&gt;
fordem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harausgabar&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä&#039;tin&lt;br /&gt;
Deutschland eV, Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion&lt;br /&gt;
Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi,&lt;br /&gt;
Tnomas Schaaft, Monika Schramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun. Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
D-Ssn1g Hofheim&lt;br /&gt;
wwetemporaorg&lt;br /&gt;
tempora®@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
layout und Illustration&lt;br /&gt;
Witra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos&lt;br /&gt;
Saman Rahmanlan Saas, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi 53,71,12,13,37&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo 5. 28,27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
festliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
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Vartriab und Bastallungen&lt;br /&gt;
Baha Vertrieb&lt;br /&gt;
Benzweg 4&lt;br /&gt;
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geben nicht unbedingtdie Meinungder&lt;br /&gt;
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Die Redaktion behält sich smnbewahrende&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
OBahziverlag GmbH 2007ISSN 133-2078&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahá’í antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahá’í-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahá’í verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Bahá’u’lláh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahá’í&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-05-31T07:08:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20 . . . . . Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;23 . . . . . Fasten: Keine leichte Übung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie&lt;br /&gt;
das Streben nach Gesundheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}EDITORIAL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht&lt;br /&gt;
zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir&lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir&lt;br /&gt;
sie eingebüßt haben. Manche trifft. eine&lt;br /&gt;
Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich&lt;br /&gt;
oder fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel&lt;br /&gt;
tun, um Leib und Seele in Balance zu halten&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften,&lt;br /&gt;
wie das Verbot von Drogen, würde so manche Krankheit verhindern. Der respektvolle&lt;br /&gt;
Umgang mit dem Körper als dem Tempel der&lt;br /&gt;
Seeleist eine wichtige Aufgabe- freilich nicht&lt;br /&gt;
die einzige im Leben eines Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Antegungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen&lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESUNDHEI&lt;br /&gt;
ABER OHNE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IST ALLES NICHTS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im&lt;br /&gt;
Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig&lt;br /&gt;
immer wieder wünschen, und von ihrer großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der&lt;br /&gt;
Menschen von ihren uns heute bekannten&lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele&lt;br /&gt;
lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen&lt;br /&gt;
Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen und griechischen Gelehrten und ihre&lt;br /&gt;
medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike:Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine Ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen&lt;br /&gt;
Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen,&lt;br /&gt;
Bädern sowie umliegende kulturelle Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was Ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ESUNDHEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NICHT ALLES,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Wohlbefinden müssen alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seinsebenen des Menschen in Harmonie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zueinander stehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuch einer Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit&lt;br /&gt;
sich und der Schöpfung Im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen.&lt;br /&gt;
Eine offizielle Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet:&lt;br /&gt;
„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen&lt;br /&gt;
körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von&lt;br /&gt;
Krankheiten oder Gebrechen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sigmund Freud sagt über diesen Begriff:&lt;br /&gt;
„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit&lt;br /&gt;
die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, Glücklichsein und Produktivität ist,&lt;br /&gt;
was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt&lt;br /&gt;
der ganzen Menschheit hat. Gesundheit Ist&lt;br /&gt;
nach diesen Definitionen auch kein statischer&lt;br /&gt;
Zustand und ebensowenig durchschnittlich,&lt;br /&gt;
obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie&lt;br /&gt;
beispielsweise Blutdruck, Blutanalysewerte,&lt;br /&gt;
Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}Gesundheit in drei Dimensionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes&lt;br /&gt;
Individuum aus drei Dimensionen besteht.&lt;br /&gt;
Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet sich das Individuum im Zustand&lt;br /&gt;
der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese&lt;br /&gt;
drei Dimensionen oder Daseinsbereiche des&lt;br /&gt;
Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft&lt;br /&gt;
beschrieben werden. Die Seele ist immateriell&lt;br /&gt;
und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, Verstehen.Der Geist oder die vernunftbegabte Seele&lt;br /&gt;
wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind&lt;br /&gt;
sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund&lt;br /&gt;
verschiedener Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes&lt;br /&gt;
Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen&lt;br /&gt;
Körpers, zu orientieren. Er lässt sich in Glieder,&lt;br /&gt;
Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen Zustand bezeichnet man als Krankheit.&lt;br /&gt;
Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ&lt;br /&gt;
beeinflusst. Krankheit kann angeboren oder&lt;br /&gt;
erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze,&lt;br /&gt;
Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® _ _Erworbene Ursachen wie Organ- und&lt;br /&gt;
Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit,&lt;br /&gt;
Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser,&lt;br /&gt;
Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung&lt;br /&gt;
und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen&lt;br /&gt;
Liste? ist ersichtlich, wie das physische und&lt;br /&gt;
psychische Wohlbefinden des Individuums&lt;br /&gt;
zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie&lt;br /&gt;
Gesundheitssysteme um Gesundheit oder&lt;br /&gt;
Vermeidung von Krankheiten bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt&lt;br /&gt;
einen äußerlichen Mindeststandard vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten&lt;br /&gt;
und die Mühe für die Erhaltung der Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht&lt;br /&gt;
immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des&lt;br /&gt;
Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht und Harmonie zueinander stehen,&lt;br /&gt;
sondern auch der Mensch mit der Schöpfung.&lt;br /&gt;
In den Schriften der Bahä&#039;i-Religion finden wir&lt;br /&gt;
hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen&lt;br /&gt;
Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und&lt;br /&gt;
Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst&lt;br /&gt;
mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit&lt;br /&gt;
größeren Maße durch das andere beeinflusst&lt;br /&gt;
wird, als man gewöhnlich denkt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf&lt;br /&gt;
der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische&lt;br /&gt;
Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Aus den Schriften Baha’u llahs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere&lt;br /&gt;
Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der&lt;br /&gt;
Mäßigung, der Ruhe und Meditation,der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den&lt;br /&gt;
sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres&lt;br /&gt;
Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert&lt;br /&gt;
effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise die Hygienegebote (Waschungen),&lt;br /&gt;
das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und&lt;br /&gt;
Drogen, die Monogamie oder Keuschheit vor&lt;br /&gt;
der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot&lt;br /&gt;
eines respektvollen Umgangs mit dem Körper,&lt;br /&gt;
da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung Ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem&lt;br /&gt;
Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen&lt;br /&gt;
Mitteln wählen, die wenig Rücksicht auf die&lt;br /&gt;
Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen&lt;br /&gt;
nehmen, versucht die andere Gruppe den alt&lt;br /&gt;
überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von&lt;br /&gt;
unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin:&lt;br /&gt;
„Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.med Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}Ein sehr persönlicher&lt;br /&gt;
Bericht über eine&lt;br /&gt;
Krebserfahrung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten inderAchselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt und&lt;br /&gt;
angespannt in meiner Lebensumgebung, als&lt;br /&gt;
dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte&lt;br /&gt;
ja sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um&lt;br /&gt;
inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung&lt;br /&gt;
in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein W n,das ist&lt;br /&gt;
nicht untersucht oder erwiesen. E einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten&lt;br /&gt;
chwägerin mit drei Kin&lt;br /&gt;
dern),der Mann fi ne Woche unterwegs, im&lt;br /&gt;
Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche&lt;br /&gt;
nach den Ferien (mit der damit verbundenen&lt;br /&gt;
Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner&lt;br /&gt;
chon früher hatte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ichdachte mirimmer,erst mal machst du&lt;br /&gt;
gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren,&lt;br /&gt;
nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf&lt;br /&gt;
die ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben&lt;br /&gt;
wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber&lt;br /&gt;
doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen Ist mir besonders in&lt;br /&gt;
Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und&lt;br /&gt;
trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da&lt;br /&gt;
ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen,&lt;br /&gt;
wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr&lt;br /&gt;
sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick&lt;br /&gt;
nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung&lt;br /&gt;
geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe&lt;br /&gt;
dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt&lt;br /&gt;
oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste nur,es war sehr wichtig, zügig System in die&lt;br /&gt;
neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und zu beraten. Dann besorgte ich mir&lt;br /&gt;
einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin in Frankfurt. Dort war die&lt;br /&gt;
Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. Und nachdem ich zu&lt;br /&gt;
meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, war ich trotz aller&lt;br /&gt;
Anspannung fast erleichtert und sandte viele&lt;br /&gt;
„Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen&lt;br /&gt;
Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass&lt;br /&gt;
ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten&lt;br /&gt;
einen in der eigenen Freizeitgestaltung in&lt;br /&gt;
Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel&lt;br /&gt;
Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst&lt;br /&gt;
später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig&lt;br /&gt;
auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging&lt;br /&gt;
dann alles - das heißt das normale schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit&lt;br /&gt;
der Bahä&#039;i-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass&lt;br /&gt;
ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt und&lt;br /&gt;
euch freut, damit andere durch euch glücklich&lt;br /&gt;
werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach&lt;br /&gt;
fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Baha‘i und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende&lt;br /&gt;
Gebet besonders an Herz: „O Gott! Erquicke&lt;br /&gt;
und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz,&lt;br /&gt;
entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist&lt;br /&gt;
mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht&lt;br /&gt;
länger traurig und bekümmert, sondern ein&lt;br /&gt;
glückliches und strahlendes Wesen sein. O&lt;br /&gt;
Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und&lt;br /&gt;
Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den&lt;br /&gt;
Widrigkeiten dieses Lebens verharren.O Gott!&lt;br /&gt;
Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich&lt;br /&gt;
weihe mich Dir, o Herr!“ (Abdu‘l-Bahä, Gebete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich&lt;br /&gt;
sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen&lt;br /&gt;
vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft&lt;br /&gt;
dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: „Wir belasten keine&lt;br /&gt;
Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Niemals wird Erungerecht mitirgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über&lt;br /&gt;
ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der&lt;br /&gt;
Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahä‘u‘lläh,&lt;br /&gt;
Ährenlese 52:2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit.&lt;br /&gt;
Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet,&lt;br /&gt;
doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu&lt;br /&gt;
sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und es half&lt;br /&gt;
mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der&lt;br /&gt;
Gewissheit, dass Gott die Hände der Operateure schon führen werde. Die Operation und&lt;br /&gt;
der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an.&lt;br /&gt;
Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war&lt;br /&gt;
damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen&lt;br /&gt;
sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe,&lt;br /&gt;
weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben&lt;br /&gt;
sich diese harten Monate auch als sehr lehrund erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit&lt;br /&gt;
der Chemotherapie sehr schlecht. Bis heute&lt;br /&gt;
habe ich mit der Regeneration meines Körpers&lt;br /&gt;
zu tun, weil die Nebenwirkungen so heftig&lt;br /&gt;
sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu&lt;br /&gt;
meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser&lt;br /&gt;
Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach&lt;br /&gt;
und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte&lt;br /&gt;
auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: ‚Hey Walburga, denke daran, das Leben&lt;br /&gt;
ist zur Freude erschaffen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist&lt;br /&gt;
zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges&lt;br /&gt;
Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis&lt;br /&gt;
und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses&lt;br /&gt;
Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein&lt;br /&gt;
Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche&lt;br /&gt;
Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche&lt;br /&gt;
Führung ... (Abdu‘l-Bahä, Star of the West, Bd.&lt;br /&gt;
7,5. 163).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste.&lt;br /&gt;
Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich&lt;br /&gt;
wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese&lt;br /&gt;
Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Baha&#039;i wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt.&lt;br /&gt;
So kam meine Mutter nach einer Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zusehen und&lt;br /&gt;
mich zu versorgen. Schon vor ihrem Besuch&lt;br /&gt;
hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde&lt;br /&gt;
aus der Bahä&#039;i-Gemeindeeine große Stütze für&lt;br /&gt;
mich und meine Familie waren. Während ihres&lt;br /&gt;
einige Tage währenden Besuchs bekam sie es&lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie&lt;br /&gt;
mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu&lt;br /&gt;
mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie&lt;br /&gt;
schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos,&lt;br /&gt;
auch dank der Unterstützung einiger Freunde, da ich während dieser Wochen bei ihnen&lt;br /&gt;
auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit&lt;br /&gt;
nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte&lt;br /&gt;
körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf meine geistige Regsamkeit aus. Über&lt;br /&gt;
Monate hatte ich mich wie in einem Nebel&lt;br /&gt;
gefühlt, ich war zu schwach zum Denken. Inzwischen wares April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was&lt;br /&gt;
habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel&lt;br /&gt;
hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem&lt;br /&gt;
Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja&lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte&lt;br /&gt;
ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer&lt;br /&gt;
offener, Immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen&lt;br /&gt;
einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäfl-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit mit zum Teil konkreten Hinweisen&lt;br /&gt;
(Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen,&lt;br /&gt;
Baha&#039;i-Verlag). Darin ist deutlich zu lesen, dass&lt;br /&gt;
Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin&lt;br /&gt;
der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch&lt;br /&gt;
Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen;&lt;br /&gt;
da aber heute die Wissenschaft der Medizin&lt;br /&gt;
noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache&lt;br /&gt;
noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten&lt;br /&gt;
Wasserkuren durchgeführt werden.“ (Abdu’lBahä, Beantwortete Fragen 73:6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit&lt;br /&gt;
Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich mich nun mit gezielter Ernährung In Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im&lt;br /&gt;
Internet neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich&lt;br /&gt;
las mich In diese besonders Interessante und&lt;br /&gt;
überzeugende Thematik ein, setzte es zügig&lt;br /&gt;
um und habe inzwischen sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete&lt;br /&gt;
sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach&lt;br /&gt;
Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch In diesem Bereich ein Kreis&lt;br /&gt;
zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue&lt;br /&gt;
Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lasBücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und&lt;br /&gt;
sekundären Krankheitsgewinne Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die&lt;br /&gt;
Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein&lt;br /&gt;
Körper mitteilen, wenn er sich dabei einen so&lt;br /&gt;
wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt?&lt;br /&gt;
Diese und andere Fragen waren so ganz nach&lt;br /&gt;
meiner Geschrnack.Sie wiesen den Wegnach&lt;br /&gt;
vom und als gläubiger Mensch, stets der Unterstützung Gottes gewiss weckten sie Kraft,&lt;br /&gt;
Zuversicht und Motivation in mir, mein Leben&lt;br /&gt;
in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwik&lt;br /&gt;
kein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierungund dieEinbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins zur Gesundung schienen mir so klar und&lt;br /&gt;
einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen Therapien vermisst. Sind wir als&lt;br /&gt;
Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele&lt;br /&gt;
und Geist, egal ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische&lt;br /&gt;
Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. Wo blieben die geistigen Aspekte&lt;br /&gt;
bei der Therapie? Wie kann jemand glauben,&lt;br /&gt;
einen Menschen gesund zu machen, wenn&lt;br /&gt;
er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele und seine Geistigkeit, nichtnursträflich vernachlässigt, sondern&lt;br /&gt;
sogar völligausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die&lt;br /&gt;
Chemotherapie einen enorm. zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur&lt;br /&gt;
auf den Organismus Im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend&lt;br /&gt;
auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell&lt;br /&gt;
diekranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen&lt;br /&gt;
Dabei bleibt der Geist klar und istin der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in&lt;br /&gt;
hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig emiedrigende und menschenverachtende&lt;br /&gt;
Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr&lt;br /&gt;
leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen körperlichen Verfassung dem Tod bereits&lt;br /&gt;
recht nahe gestanden. Doch Ich hatte überlebt. Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen&lt;br /&gt;
sein. Ich sah esals meine zweite Lebenschance an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche&lt;br /&gt;
Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit Im&lt;br /&gt;
alternativ.medizinischen Bereich und helfen&lt;br /&gt;
mir, meine Entgiftung und den körperlichen&lt;br /&gt;
‚Aufbau voran zu bringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die PsychoOnkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, mich nun auch auf geistiger Ebene&lt;br /&gt;
mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie&lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und&lt;br /&gt;
konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch&lt;br /&gt;
die Visualisierung auch kreativ auf die dgene&lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt, Ich habe sehr viel lernen&lt;br /&gt;
und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch&lt;br /&gt;
die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben&lt;br /&gt;
entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dein Name ist meine Heilung,&lt;br /&gt;
o mein Gott,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Gedenken meine Arznei,&lt;br /&gt;
Deine Nähe meine Hoffnung und&lt;br /&gt;
die Liebe zu Dir mein Gefährte.&lt;br /&gt;
Dein Erbarmen ist meine Heilung&lt;br /&gt;
und Hilfe in beiden Welten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dieser und der künftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du bist wahrlich der Allgütige,&lt;br /&gt;
der Allwissende, der Allweise.“&lt;br /&gt;
{Bahä’u&#039;lläh, Gebete Nr. 142)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Du gütiger Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergib meine Sünden, schenke mir Deine&lt;br /&gt;
Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich,&lt;br /&gt;
tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld&lt;br /&gt;
und heile mich von allen Krankheiten und&lt;br /&gt;
Gebrechen. Läutere und heilige mich und&lt;br /&gt;
lass mich teilhaben an der Ausgießung der&lt;br /&gt;
Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit&lt;br /&gt;
schwinden und Freude und Glück&lt;br /&gt;
herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude&lt;br /&gt;
und Zuversicht, und dass der Mut die Angst&lt;br /&gt;
verdränge. ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Abdu‘l-Bahä, Gebete Nr. 140)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei&lt;br /&gt;
der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten&lt;br /&gt;
Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten der Vergebung und der Heilung so ermutigend,dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht&lt;br /&gt;
und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch&lt;br /&gt;
wunderbare Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren&lt;br /&gt;
Schöpfer, unser Leben tatkräftig und mutig&lt;br /&gt;
in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin&lt;br /&gt;
ich dankbar für die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin&lt;br /&gt;
ich für die große Unterstützung durch meine&lt;br /&gt;
Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten&lt;br /&gt;
Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das&lt;br /&gt;
folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze&lt;br /&gt;
dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge&lt;br /&gt;
stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel&lt;br /&gt;
hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in&lt;br /&gt;
Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (Abdu’l-Bahä, Rosen der Liebe, 5. 7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in&lt;br /&gt;
Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind&lt;br /&gt;
dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, die von einer oder mehreren Drogen&lt;br /&gt;
abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen&lt;br /&gt;
und Körper, Geist und Seele ruinieren, die dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für&lt;br /&gt;
ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich&lt;br /&gt;
ähnlich hohe Summe für Cannabisprodukte&lt;br /&gt;
ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen&lt;br /&gt;
beträgt in Deutschland 20 bis 22 Millionen, 9,3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten Alkoholkonsum, 4,3 Millionen&lt;br /&gt;
gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind&lt;br /&gt;
Männer. Die Zahl der Cannabiskonsumenten&lt;br /&gt;
wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische Forscher heute davon ausgehen, dass&lt;br /&gt;
Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. {1}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen&lt;br /&gt;
die Kontrolle über ihren Körper und Geist verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesell{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}schaft, in der mindestens jeder Zehnte durch&lt;br /&gt;
den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger&lt;br /&gt;
ausdem Arbeitsprozess ausscheidet, zum Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und&lt;br /&gt;
von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte&lt;br /&gt;
Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen&lt;br /&gt;
Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der&lt;br /&gt;
Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Te&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das&lt;br /&gt;
Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der&lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern&lt;br /&gt;
ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft für die&lt;br /&gt;
Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal poitischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen&lt;br /&gt;
Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor&lt;br /&gt;
allem auf Folgen für Seele und Geist hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken&lt;br /&gt;
auf, Langfristig bilden sich chronische neuropsychologische Defizite in den Bereichen&lt;br /&gt;
‚Aufmerksarnikeit, Konzentration, Gedächtnis,&lt;br /&gt;
Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und ProblemlösungsStrategien.” (ebd. 5.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das&lt;br /&gt;
heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der&lt;br /&gt;
Teil des Gehirns aus der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle,&lt;br /&gt;
für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42,&lt;br /&gt;
Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische und&lt;br /&gt;
soziale Folgen chronischen Alkoholismus)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus,&lt;br /&gt;
wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an seiner Entwicklung gehindert wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend&lt;br /&gt;
unfähig sind, Ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
diefür den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit&lt;br /&gt;
verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten&lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz&lt;br /&gt;
und Selbstaisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen&lt;br /&gt;
sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind&lt;br /&gt;
zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser&lt;br /&gt;
abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 1. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird,&lt;br /&gt;
kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes&lt;br /&gt;
Leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, wornit sie&lt;br /&gt;
beraitsihre Jugend vergeudethaben: Ineinem&lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung Ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten weiter zu ruinieren, bis sie schließlich&lt;br /&gt;
am Rande der Gesellschaft Ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht feststellen, und wenn man nachtragt,&lt;br /&gt;
welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltunghat,findetnanbei den Betroffenenmeist&lt;br /&gt;
auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko,anı Schizophrenie zu erkranken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch&lt;br /&gt;
in der Kriminalstatistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss bei Totschlag sind es40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen von 1997,&lt;br /&gt;
vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}Alkoholismus in der Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs&lt;br /&gt;
aufdie Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45&lt;br /&gt;
Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum&lt;br /&gt;
Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher&lt;br /&gt;
dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl&lt;br /&gt;
von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran erkennen, dass solche Kinder meist unter&lt;br /&gt;
generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent&lt;br /&gt;
starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu go Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar&lt;br /&gt;
und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern&lt;br /&gt;
mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale&lt;br /&gt;
Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt,&lt;br /&gt;
geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern&lt;br /&gt;
geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cannabiskonsum in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange&lt;br /&gt;
Tradition hat und in allen Altersgruppen auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ&lt;br /&gt;
kurze Geschichte in Deutschland. Erst in den&lt;br /&gt;
60er Jahren beginnen Jugendliche und dann&lt;br /&gt;
auch zunehmend Erwachsene Haschisch und&lt;br /&gt;
Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert&lt;br /&gt;
zu haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März&lt;br /&gt;
1999). Für Deutschland gibt es keine vergleich&lt;br /&gt;
baren Zahlen, aber bereits 1934 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass 80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden&lt;br /&gt;
schon in den 70er und 8oer Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen&lt;br /&gt;
müssen. Sie wurden 1987 in deutscher Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch&lt;br /&gt;
- Zerstörung einer Legende) publiziert. Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten im&lt;br /&gt;
Körper verbleiben und jedes wichtige Organ&lt;br /&gt;
des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund:&lt;br /&gt;
Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis vorkommen, sind fettlöslich und können daher&lt;br /&gt;
nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, ein Zellbiologe, fand heraus, dass der&lt;br /&gt;
Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und&lt;br /&gt;
höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System,&lt;br /&gt;
das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen&lt;br /&gt;
entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das&lt;br /&gt;
Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit&lt;br /&gt;
und Gleichgültigkeit, aberauch die übermäßigen Wutausbrüche, die Haschisch rauchende&lt;br /&gt;
Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte Schädigung bedeutet, dass solche&lt;br /&gt;
Menschen ihr natürliches Belohnungssystem&lt;br /&gt;
zerstören, das dafür sorgt, dass erreichte Ziele&lt;br /&gt;
und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung&lt;br /&gt;
des Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten Ist dies nur noch durch zunehmende Mengen von Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden Teile des Stirnlappens&lt;br /&gt;
(frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem&lt;br /&gt;
Alkohol ähnliche Wirkung. Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich&lt;br /&gt;
selbst beiehemaligen Potrauchern doppelt so&lt;br /&gt;
häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr.&lt;br /&gt;
Susan Dalterio fand bei Mäusen, die mit THC&lt;br /&gt;
behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. Die Hälfte der Tiere war&lt;br /&gt;
zeugungsunfähig, und die Nachkommen der&lt;br /&gt;
übrigen zeigten schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch ChromosomenAbnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem&lt;br /&gt;
Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen&lt;br /&gt;
Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche&lt;br /&gt;
Zellen untersucht habe, habe ich niemals irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich&lt;br /&gt;
Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff THC die Produktion von Testosteron und&lt;br /&gt;
anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung&lt;br /&gt;
von Krankheiten stellte eine dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen&lt;br /&gt;
fest, die exakt mit der Wachstumsrate des&lt;br /&gt;
Cannabis-Konsums In den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger In der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten a2Jährigen&lt;br /&gt;
Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest 5. Tennant untersuchte 2ojährige&lt;br /&gt;
Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei g1 Prozent&lt;br /&gt;
der Doppelraucher stellte er squamöse Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss&lt;br /&gt;
daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor&lt;br /&gt;
Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf&lt;br /&gt;
der Website der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei-,&lt;br /&gt;
der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erlei{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}det, die es zulässt, dass Menschen sich der&lt;br /&gt;
Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahä&#039;i-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als Abdu’|-Bahä das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert Jahren&lt;br /&gt;
begründete, wählte er Worte, die sich wie eine&lt;br /&gt;
Zusammenfassungder erst viel später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt&lt;br /&gt;
Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und&lt;br /&gt;
das elende Haschisch lassen den Verstand&lt;br /&gt;
erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&lt;br /&gt;
(Abdu’l-Baha, Erläuterung 170 zum Kitäb-iAqdas 5. 2791.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstellefür Suchtfragen e.V, Berlin/&lt;br /&gt;
Hamm, 12.lanuar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon 6 Jahrean&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer Waldorfschule&lt;br /&gt;
Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ÄCHTSAMKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in&lt;br /&gt;
Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR)&lt;br /&gt;
kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt&lt;br /&gt;
hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle&lt;br /&gt;
Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem&lt;br /&gt;
Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit&lt;br /&gt;
werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht&lt;br /&gt;
darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosi&lt;br /&gt;
ne reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und&lt;br /&gt;
die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete&lt;br /&gt;
Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich&lt;br /&gt;
habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist&lt;br /&gt;
es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist&lt;br /&gt;
eine aktive, reiche und sehr persönliche Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der&lt;br /&gt;
Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten des&lt;br /&gt;
Lebens. In einem typischen Kurs finden sich&lt;br /&gt;
Menschen aus allen Lebenskreisen und Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere,&lt;br /&gt;
die Stress in der Arbeit, in ihrer Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}oder Familie erleben, bei manchen treffen alle&lt;br /&gt;
diese Punkte zusammen. Viele haben nie in ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des&lt;br /&gt;
Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf den Moment&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und&lt;br /&gt;
wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen Inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann,&lt;br /&gt;
dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach&lt;br /&gt;
und bewusst zu sein, in der Lage, wie Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem&lt;br /&gt;
Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center&lt;br /&gt;
in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende von Menschen an Kursenteilgenommen: in&lt;br /&gt;
Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen,&lt;br /&gt;
in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen&lt;br /&gt;
geben. Eine Flut wissenschaftlicher Untersuchungen hat während der vergangenen 20&lt;br /&gt;
Jahre gezeigt, dass MBSR und andere achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen&lt;br /&gt;
Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet der&lt;br /&gt;
Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Lehrer: Das Leben selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung&lt;br /&gt;
durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen drei „formelle“ Praktiken: einen KörperScan, achtsame Körperbewusstseinsübungen&lt;br /&gt;
und Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs&lt;br /&gt;
Tagen der Woche mindestens eine Stunde zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten mit den Übungen verwendet. Doch es&lt;br /&gt;
sind besonders die „informellen“ Übungen,&lt;br /&gt;
während derer die Teilnehmenden lernen,&lt;br /&gt;
Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des&lt;br /&gt;
‚Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
‚Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den&lt;br /&gt;
ganzen Körper zu wandern, und darüber hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich&lt;br /&gt;
verrichten, und diese als Tätigkeit achtsam zu&lt;br /&gt;
praktizieren. Häufig wird das Zähneputzengewählt. Andere Aktivitäten sind beispielsweise&lt;br /&gt;
das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. Wenn&lt;br /&gt;
sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend&lt;br /&gt;
über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der&lt;br /&gt;
Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den&lt;br /&gt;
Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder&lt;br /&gt;
unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen&lt;br /&gt;
gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie&lt;br /&gt;
vor allem Schmerzliches, Dunkles und Unangenehmes Im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene&lt;br /&gt;
zu blicken, etwa wie mit einem Zoom ganz&lt;br /&gt;
nah an die Details heranzufahren und dann&lt;br /&gt;
wieder „wegzuzoomen‘, bis der Blick einem&lt;br /&gt;
Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: Es ist nicht die Situation selbst, die&lt;br /&gt;
Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive&lt;br /&gt;
zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich&lt;br /&gt;
weiten oder sogar verengen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (0.&lt;br /&gt;
W.Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie&lt;br /&gt;
Üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des&lt;br /&gt;
Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende&lt;br /&gt;
erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabel entwikkeit jeder Mensch ein Verständnis davon, das&lt;br /&gt;
in seinem eigenen Leben wurzelt.Eine solche&lt;br /&gt;
Art desLernens reicht tief und ermöglicht Veränderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen&lt;br /&gt;
Ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß&lt;br /&gt;
ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind. So wie die Momente meines&lt;br /&gt;
Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
geboren in New York,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
Pächagogin Gründerin des&lt;br /&gt;
Instituts für Achtsarnkeit&lt;br /&gt;
und Stressbewältigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten&lt;br /&gt;
erfordert in allen Bereichen ein gänzlich&lt;br /&gt;
neues Denken und Handeln. TEMPORA&lt;br /&gt;
beschäftigt sich auf dem Hintergrund der&lt;br /&gt;
Bahä-Lehren mit aktuellen Zeitfragen&lt;br /&gt;
und möchte durch Cedankenimpulse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Entwicklung zu einer besseren Weit&lt;br /&gt;
fordem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harausgabar&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä&#039;tin&lt;br /&gt;
Deutschland eV, Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion&lt;br /&gt;
Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi,&lt;br /&gt;
Tnomas Schaaft, Monika Schramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun. Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
D-Ssn1g Hofheim&lt;br /&gt;
wwetemporaorg&lt;br /&gt;
tempora®@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
layout und Illustration&lt;br /&gt;
Witra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos&lt;br /&gt;
Saman Rahmanlan Saas, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi 53,71,12,13,37&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo 5. 28,27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
festliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vartriab und Bastallungen&lt;br /&gt;
Baha Vertrieb&lt;br /&gt;
Benzweg 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-84293 Darmstadt&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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‚Abonnementpreis für&lt;br /&gt;
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4Ausgaben 13,00 EUR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Namentlich gekennzeichnete Beiträge,&lt;br /&gt;
geben nicht unbedingtdie Meinungder&lt;br /&gt;
Reaktion wieder, Für unverlangt&lt;br /&gt;
eingesandte Manuskripte und Fotos&lt;br /&gt;
übernimmt die Radaktion keine Haftung,&lt;br /&gt;
Die Redaktion behält sich smnbewahrende&lt;br /&gt;
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or. Die Zeitschrift und allen ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen&lt;br /&gt;
sind urheberrechtlich geschützt.&lt;br /&gt;
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit&lt;br /&gt;
schriftlicher Genehmigung der Redaktion,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
OBahziverlag GmbH 2007ISSN 133-2078&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahä’i antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahä’i-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahä’i verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Baha’u’lläh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahä&#039;i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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	<entry>
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		<title>Tempora/Nummer 14/Text</title>
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		<updated>2022-05-31T07:06:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_14.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_14.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 . . . . . Gesundheit ist nicht alles: Aber ohne Gesundheit ist alles nichts&lt;br /&gt;
::Dr. Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 . . . . . Heilung ist möglich: Ein sehr persönlicher Bericht über eine Krebserfahrung&lt;br /&gt;
::Walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14 . . . . . Alkohol und Haschisch: Zwei Wege der Selbstzerstörung&lt;br /&gt;
:Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganze Welt in einer Rosine: Stressbewältigung durch Achtsamkeit&lt;br /&gt;
Dr. Linda Lehrhaupt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten: Keine leichte Übung&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn selbst einfachste Dinge nicht klappen: Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Gleichgewicht geraten: Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Ernährung Krankheiten heilen: Eine philosophische Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
Dr. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptsache gesund? Das Menschenbild eines Gläubigen relativie&lt;br /&gt;
das Streben nach Gesundheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_14.pdf|page=3}}EDITORIAL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist mit noch so viel Geld nicht&lt;br /&gt;
zu kaufen. Sie ist ein Geschenk, mit dem wir&lt;br /&gt;
sorgsam umgehen sollten. Aber wir schätzen ihren Wert meist erst dann, wenn wir&lt;br /&gt;
sie eingebüßt haben. Manche trifft. eine&lt;br /&gt;
Krankheit, manche ruinieren sie vorsätzlich&lt;br /&gt;
oder fahrlässig, Erst wenn der Arzt es empfiehit, ändern wir liebgewordene, aber schlechte&lt;br /&gt;
Gewohnheiten. Dabei können wir selbst viel&lt;br /&gt;
tun, um Leib und Seele in Balance zu halten&lt;br /&gt;
Schon das Einhalten religiöser Vorschriften,&lt;br /&gt;
wie das Verbot von Drogen, würde so manche Krankheit verhindern. Der respektvolle&lt;br /&gt;
Umgang mit dem Körper als dem Tempel der&lt;br /&gt;
Seeleist eine wichtige Aufgabe- freilich nicht&lt;br /&gt;
die einzige im Leben eines Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeweils das Richtige zu tun und zu lassen: Antegungen dafür mögen Sie, liebe Leserinnen&lt;br /&gt;
und Leser, dieser Ausgabe entnehmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_14.pdf|page=4}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESUNDHEI&lt;br /&gt;
ABER OHNE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IST ALLES NICHTS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit nimmt eine zentrale Stellung im&lt;br /&gt;
Leben der Menschen auf der ganzen Welt ein.&lt;br /&gt;
Sie ist ein hohes Gut, das sie sich gegenseitig&lt;br /&gt;
immer wieder wünschen, und von ihrer großen Bedeutung zeugen die Bemühungen der&lt;br /&gt;
Menschen von ihren uns heute bekannten&lt;br /&gt;
Anfängen bis in die Gegenwart: Als Beispiele&lt;br /&gt;
lassen sich das bemerkenswerte Wissen der&lt;br /&gt;
ägyptischen, persischen und chinesischen&lt;br /&gt;
Ärzte anführen oder die Kenntnisse der römischen und griechischen Gelehrten und ihre&lt;br /&gt;
medizinischen Einrichtungen. Nicht von ungefähr stammt das heutige Symbol der Heilkunst aus der Antike:Der griechische Heilsgott&lt;br /&gt;
Äskulap (asklepios) mit seinem Stab ziert heute noch Arztpraxen und Apotheken. Eine Ihm&lt;br /&gt;
zugeschriebene Wirkungsstätte im heutigen&lt;br /&gt;
Epidauros zeigt medizinische Infrastrukturen&lt;br /&gt;
von Krankenhäusern, Behandlungsräumen,&lt;br /&gt;
Bädern sowie umliegende kulturelle Einrichtungen - ein erstes Zeugnis von Medizin-Tourismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch was Ist Gesundheit genau? Hier soll versucht werden, die heutigen Definitionen von&lt;br /&gt;
Gesundheit und Krankheit aufzuzeigen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ESUNDHEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NICHT ALLES,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Wohlbefinden müssen alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seinsebenen des Menschen in Harmonie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zueinander stehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuch einer Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darzustellen, auf welchen Ebenen der Mensch&lt;br /&gt;
Gesundheit erlangen muss und kann, um mit&lt;br /&gt;
sich und der Schöpfung Im Einklang zu leben&lt;br /&gt;
und um wirkliches Wohlbefinden zu erlangen.&lt;br /&gt;
Eine offizielle Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet:&lt;br /&gt;
„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen&lt;br /&gt;
körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von&lt;br /&gt;
Krankheiten oder Gebrechen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sigmund Freud sagt über diesen Begriff:&lt;br /&gt;
„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Definitionen zeigen, dass Gesundheit&lt;br /&gt;
die Voraussetzung für individuelles Wohlbefinden, Glücklichsein und Produktivität ist,&lt;br /&gt;
was wiederum großen Einfluss auf den sozialen und ökonomischen Zustand der Gesellschaft, korrekter gesagt für den Fortschritt&lt;br /&gt;
der ganzen Menschheit hat. Gesundheit Ist&lt;br /&gt;
nach diesen Definitionen auch kein statischer&lt;br /&gt;
Zustand und ebensowenig durchschnittlich,&lt;br /&gt;
obwohl es dafür Durchschnittswerte gibt, wie&lt;br /&gt;
beispielsweise Blutdruck, Blutanalysewerte,&lt;br /&gt;
Gewicht und Größe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_14.pdf|page=5}}Gesundheit in drei Dimensionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Gesundheit besser beschreiben zu können, muss man berücksichtigen, dass jedes&lt;br /&gt;
Individuum aus drei Dimensionen besteht.&lt;br /&gt;
Nur wenn diese in Harmonie zueinander stehen, befindet sich das Individuum im Zustand&lt;br /&gt;
der Gesundheit und des Wohlbefindens. Diese&lt;br /&gt;
drei Dimensionen oder Daseinsbereiche des&lt;br /&gt;
Menschen betreffen seine seelischen, geistigen (intellektuellen) und physischen Fähigkeiten und sollen im Folgenden skizzenhaft&lt;br /&gt;
beschrieben werden. Die Seele ist immateriell&lt;br /&gt;
und wird durch ihre Ausdrucksformen wahrnehmbar, wie etwa Liebe, Mitfühlen, Verstehen.Der Geist oder die vernunftbegabte Seele&lt;br /&gt;
wirkt vor allem durch organische Strukturen&lt;br /&gt;
(die Sinnesorgane), die Ausdrucksformen sind&lt;br /&gt;
sowohl äußerlich (sehen, hören, sprechen) als&lt;br /&gt;
auch innerlich (freier Wille, das Begreifen, Handeln). Die physische Ebene ist der materielle&lt;br /&gt;
Teil und als solcher am ehesten wahrnehmbar; ebenso seine Veränderungen aufgrund&lt;br /&gt;
verschiedener Einwirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder dieser Bereiche ist ein sehr komplexes&lt;br /&gt;
Gebilde. Um diese Zusammenhänge zu erläutern, ist es am einfachsten, sich an der physischen Ebene, der Anatomie des menschlichen&lt;br /&gt;
Körpers, zu orientieren. Er lässt sich in Glieder,&lt;br /&gt;
Organe, Gewebe, Zellen und Zellplasma, Kern&lt;br /&gt;
und vieles andere unterteilen. Natürlich eröffnet diese Komplexität auch Angriffsflächen&lt;br /&gt;
für viele Noxen (noxa = Schaden) sowie Verschleißerscheinungen. Den dadurch entstandenen Zustand bezeichnet man als Krankheit.&lt;br /&gt;
Darunter ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, sozialen und/oder seelischen Funktionen zu verstehen, welche die Leistungsfähigkeit oder das Wohlbefinden eines Individuums subjektiv oder wahrnehmbar negativ&lt;br /&gt;
beeinflusst. Krankheit kann angeboren oder&lt;br /&gt;
erworben sein, plötzlich oder langsam auftreten und verlaufen. Zu den gesundheitsstörenden oder -mindernden Ursachen gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Drogen, Gifte, Alkohol, Nikotin, Hitze,&lt;br /&gt;
Strahlung, Lärm, Fehl- oder Überernährung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Lebende Noxen wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ Angeborene Ursachen wie Organ-, Chromosomen oder Gendefekte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® _ _Erworbene Ursachen wie Organ- und&lt;br /&gt;
Verschleißerkrankungen, Traumata&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Psychosoziale Noxen wie Einsamkeit,&lt;br /&gt;
Bindungen, Stress, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend sind als gesundheitsfördernde Faktoren zu nennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« Ernährung in richtiger Menge und Zusammensetzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Umwelt: Luft, Licht, Temperatur, Wasser,&lt;br /&gt;
Sonne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« Alltag und Lebensart: Arbeit, Bewegung&lt;br /&gt;
und Ruhe, sozialer Stand und Bildungsstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser durchaus unvollständigen&lt;br /&gt;
Liste? ist ersichtlich, wie das physische und&lt;br /&gt;
psychische Wohlbefinden des Individuums&lt;br /&gt;
zusammenwirken und durch äußere Einflüsse&lt;br /&gt;
beeinträchtigt werden kann. Gesundheit benötigt demnach Pflege und Vorsorge. So haben sich immer eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Wirtschaftszweige sowie&lt;br /&gt;
Gesundheitssysteme um Gesundheit oder&lt;br /&gt;
Vermeidung von Krankheiten bemüht und zumindest in den Ländern der westlichen Welt&lt;br /&gt;
einen äußerlichen Mindeststandard vorgegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten&lt;br /&gt;
und die Mühe für die Erhaltung der Gesundheit wesentlich geringer sind als deren - nicht&lt;br /&gt;
immer mögliche - Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nicht nur diese drei Dimensionen des&lt;br /&gt;
Menschen müssen in störungsfreiem Gleichgewicht und Harmonie zueinander stehen,&lt;br /&gt;
sondern auch der Mensch mit der Schöpfung.&lt;br /&gt;
In den Schriften der Bahä&#039;i-Religion finden wir&lt;br /&gt;
hierzu folgende Aussage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Unsere physische Gesundheit ist so mit unserer gedanklichen, sittlichen und geistigen&lt;br /&gt;
Gesundheit und ebenso mit dem Einzel- und&lt;br /&gt;
Gemeinwohl unserer Mitmenschen, ja selbst&lt;br /&gt;
mit dem Leben der Tiere und Pflanzen verbunden, dass jedes von diesen in einem weit&lt;br /&gt;
größeren Maße durch das andere beeinflusst&lt;br /&gt;
wird, als man gewöhnlich denkt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Hiervon gehen die gängigen Lehren der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Weltreligionen aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Dabei dieser Abhandlung der Schwerpunkt der Ausführungen auf&lt;br /&gt;
der körperlichen Ebene lag, konnte die psychische und seelische&lt;br /&gt;
Ebene hier nur erwähnt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3 Aus den Schriften Baha’u llahs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_14.pdf|page=6}}6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Sinngebung des Lebens und das innere&lt;br /&gt;
Glücklichsein ist die Religion mit ihren Lehren&lt;br /&gt;
und Geboten zuständig. Mit den Geboten der&lt;br /&gt;
Mäßigung, der Ruhe und Meditation,der Liebe&lt;br /&gt;
und Harmonie mit der Schöpfung sowie den&lt;br /&gt;
sozialen Geboten wie Gerechtigkeit, Bildung&lt;br /&gt;
oder dem Erlernen eines Berufs kann inneres&lt;br /&gt;
Gleichgewicht erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen bieten zugleich bemerkenswert&lt;br /&gt;
effektive Gebote, die eine sehr große Wirkung&lt;br /&gt;
auf der physischen Ebene haben oder prophylaktisch wirksam sein können. Hier sind beispielsweise die Hygienegebote (Waschungen),&lt;br /&gt;
das Meiden von Rauschmitteln, Alkohol und&lt;br /&gt;
Drogen, die Monogamie oder Keuschheit vor&lt;br /&gt;
der Ehe zu nennen. Hinzu kommt das Gebot&lt;br /&gt;
eines respektvollen Umgangs mit dem Körper,&lt;br /&gt;
da dieser die Wohnstätte der Seele ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung der Gesundheit oder deren Wiederherstellung Ist nach wie vor ein Traumziel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Menschen. Jedoch ist der Weg zu diesem&lt;br /&gt;
Ziel gespalten: Während manche den hochtechnischen Pfad mit Gen- und Chemotherapien sowie physikalischen und chemischen&lt;br /&gt;
Mitteln wählen, die wenig Rücksicht auf die&lt;br /&gt;
Bedürfnisse der Seinsebenen des Menschen&lt;br /&gt;
nehmen, versucht die andere Gruppe den alt&lt;br /&gt;
überlieferten Weg fortzusetzen und verweigert sich mitunter den Fortschritten der Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ideal und an der Zeit wäre es, sich an dem von&lt;br /&gt;
unserem Schöpfer vorgegebenen Weg zu orientieren und dem Weg der Wissenschaft, gepaart mit dem des Glaubens, zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber bei allem Nachdenken über das Thema Gesundheit hilft vielleicht ein Zitat des&lt;br /&gt;
Münchner Volksschauspielers Karl Valentin:&lt;br /&gt;
„Gar nicht krank ist auch nicht gesund.“&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_14.pdf|page=7}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr.med Mina Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Studium der Medizin in München&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach Abschluss der Facharztausbildung&lt;br /&gt;
als Mutter, Hausfrau und Kinderärztin in&lt;br /&gt;
eigener Praxis tätig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_14.pdf|page=8}}Ein sehr persönlicher&lt;br /&gt;
Bericht über eine&lt;br /&gt;
Krebserfahrung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich im Juni 2005 einen Knoten inderAchselhöhle tastete, war ich viel zu beschäftigt und&lt;br /&gt;
angespannt in meiner Lebensumgebung, als&lt;br /&gt;
dass ich intensiver darüber nachgedacht hätte. War es vielleicht ein geschwollener Lymphknoten durch einen latenten Infekt? Könnte&lt;br /&gt;
ja sein. Scheinbar hatte ich nicht die Zeit, um&lt;br /&gt;
inne zu halten und nachzudenken. Doch als&lt;br /&gt;
ich Anfang August eine knotige Veränderung&lt;br /&gt;
in der Brust tastete, wusste ich sofort, was los&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
war. Ich hatte Krebs. Es gibt ein W n,das ist&lt;br /&gt;
nicht untersucht oder erwiesen. E einfach&lt;br /&gt;
da - und so war es jetzt bei mir. Wir hatten&lt;br /&gt;
chwägerin mit drei Kin&lt;br /&gt;
dern),der Mann fi ne Woche unterwegs, im&lt;br /&gt;
Dienst sehr viel Arbeit, die erste Schulwoche&lt;br /&gt;
nach den Ferien (mit der damit verbundenen&lt;br /&gt;
Unruhe) und ich allein mittendrin mit meiner&lt;br /&gt;
chon früher hatte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
öfter darüber nachgedacht: Und was machst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_14.pdf|page=9}}du, wenn du Krebs hast? (Als Krankenschwester hat man sich ja in der Ausbildung und&lt;br /&gt;
auch später je nach Abteilung damit beschäftigt.) Ichdachte mirimmer,erst mal machst du&lt;br /&gt;
gar nichts. Stattdessen lieber: Ruhe bewahren,&lt;br /&gt;
nachdenken, lesen, mit vertrauten Menschen&lt;br /&gt;
sprechen, ohne Hetze nachdenken, was du neben der dann anstehenden Behandlung (auf&lt;br /&gt;
die ich bitte Einfluss und Mitsprache ausüben&lt;br /&gt;
wollte) zu lernen und zu ändern hast. Und so&lt;br /&gt;
wollte ich es auch machen. Es kam dann aber&lt;br /&gt;
doch etwas anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das normale Alltagsleben ging weiter, ich behielt meine Vermutung zunächst für mich. Ein&lt;br /&gt;
Erlebnis in diesen Tagen Ist mir besonders in&lt;br /&gt;
Erinnerung: Mit Schwägerin und allen Kindern&lt;br /&gt;
waren wir am Strand. Es war ein windiger und&lt;br /&gt;
trotz Sonne eher kühler Tag. Für mich keine&lt;br /&gt;
idealen Bedingungen zum Schwimmen, da&lt;br /&gt;
ich sehr kälteempfindlich bin. Und trotzdem&lt;br /&gt;
überwand ich mich und sprang in die Wellen,&lt;br /&gt;
wusste ich doch in meinem Inneren, dass dies&lt;br /&gt;
für mich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr&lt;br /&gt;
sein würde, im Meer zu baden. Mir war klar,&lt;br /&gt;
dass sich im Laufe der nächsten Tage mein Leben verändern würde. Und während ich in der&lt;br /&gt;
Brandung stand, dachte ich mit einem Blick&lt;br /&gt;
nach oben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bitte, wenn Du mir jetzt diese Erkrankung&lt;br /&gt;
geschickt hast, dann schick mir auch die Hilfe&lt;br /&gt;
dazu, dann werde ich das schon schaffen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war nicht in Panik, aufgeregt, verängstigt&lt;br /&gt;
oder verzweifelt. Ich war sehr ruhig. Ich wusste nur,es war sehr wichtig, zügig System in die&lt;br /&gt;
neue Situation zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes wartete ich auf die Rückkehr meines Mannes, um mit ihm gemeinsam zu überlegen und zu beraten. Dann besorgte ich mir&lt;br /&gt;
einen Termin bei meiner vertrauten und tüchtigen Gynäkologin in Frankfurt. Dort war die&lt;br /&gt;
Diagnose dann mit allen dazugehörigen Untersuchungen eindeutig. Und nachdem ich zu&lt;br /&gt;
meiner inneren Gewissheit nun auch die medizinische erhalten hatte, war ich trotz aller&lt;br /&gt;
Anspannung fast erleichtert und sandte viele&lt;br /&gt;
„Danke“ nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott sei Dank - ich konnte nun mindestens ein Jahr zu Hause bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott sei Dank - ich war mehr bei meinen&lt;br /&gt;
Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott sei Dank - ich hatte mindestens ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr jedes Wochenende frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Gott seiDank-ich wusste nun sicher, dass&lt;br /&gt;
ich bei der Goldenen Hochzeit meiner EItern 2006 frei haben würde (die regelmäßigen Dienstplanänderungen hielten&lt;br /&gt;
einen in der eigenen Freizeitgestaltung in&lt;br /&gt;
Daueranspannung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Gedanken merkte ich, wie viel&lt;br /&gt;
Aufatmen und Erleichterung mich durchfuhr,&lt;br /&gt;
für zunächst welchen Preis, das sollte ich erst&lt;br /&gt;
später merken. Gefühle der Ohnmacht und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit kamen nur sehr kurzzeitig&lt;br /&gt;
auf. Dafür hatte ich zu sehr den Gedanken in&lt;br /&gt;
mir, dass ich „etwas“ zu lernen hätte. Es ging&lt;br /&gt;
dann alles - das heißt das normale schulmedizinische Programm - seinen Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit&lt;br /&gt;
der Bahä&#039;i-Religion in Kontakt kam, geschah&lt;br /&gt;
dies durch folgendes Zitat. „Ich wünsche, dass&lt;br /&gt;
ihr glücklich seid, dass ihr lacht, strahlt und&lt;br /&gt;
euch freut, damit andere durch euch glücklich&lt;br /&gt;
werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch wunderbare, positive und lebensbejahende Gedanken, das gefiel mir sehr gut und&lt;br /&gt;
ich wurde aufmerksam und interessiert. Nach&lt;br /&gt;
fünf Jahren geistigen Suchens mit Höhen und&lt;br /&gt;
Tiefen wurde ich Baha‘i und wusste ganz sicher, dass dies eine der besten Entscheidungen meines Lebens sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre wuchs mir das folgende&lt;br /&gt;
Gebet besonders an Herz: „O Gott! Erquicke&lt;br /&gt;
und erfreue meinen Geist, läutere mein Herz,&lt;br /&gt;
entflamme meine Kraft. Alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand. Du bist&lt;br /&gt;
mein Geleit und meine Zuflucht. Ich will nicht&lt;br /&gt;
länger traurig und bekümmert, sondern ein&lt;br /&gt;
glückliches und strahlendes Wesen sein. O&lt;br /&gt;
Gott! Angst soll mich nicht länger plagen und&lt;br /&gt;
Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den&lt;br /&gt;
Widrigkeiten dieses Lebens verharren.O Gott!&lt;br /&gt;
Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich&lt;br /&gt;
weihe mich Dir, o Herr!“ (Abdu‘l-Bahä, Gebete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okay, es gibt diese Widrigkeiten, aber letztlich&lt;br /&gt;
sind es doch Prüfungen, die Gott uns schickt.&lt;br /&gt;
Und wenn wir uns beim Suchen von Lösungen&lt;br /&gt;
vertrauensvoll Seiner Führung unterwerfen,&lt;br /&gt;
so werden wir auch die Ideen und die Kraft&lt;br /&gt;
dazu finden. Dabei war ich (fast) immer sehr&lt;br /&gt;
zuversichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_14.pdf|page=10}}10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es doch die Zitate: „Wir belasten keine&lt;br /&gt;
Seele über ihr Vermögen.“ (Koran 6:42)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Niemals wird Erungerecht mitirgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über&lt;br /&gt;
ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der&lt;br /&gt;
Mitleidige, der Allbarmherzige.“ (Bahä‘u‘lläh,&lt;br /&gt;
Ährenlese 52:2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erfordert das Bemühen und Arbeit.&lt;br /&gt;
Doch ich war bereit, mich auf diese Arbeit&lt;br /&gt;
einzulassen. Dazu gehörte in der jetzigen Situation als erste Maßnahme die Operation.&lt;br /&gt;
Die ganzen Tage hatte ich schon viel gebetet,&lt;br /&gt;
doch auf dem direkten Weg zur OP war ich&lt;br /&gt;
nicht mehr in der Lage, ein weiteres Gebet zu&lt;br /&gt;
sprechen. Einzig den Satz: „... alle meine Angelegenheiten lege ich in Deine Hand, ...” wiederholte ich, ich weiß nicht wie oft und es half&lt;br /&gt;
mir, ruhig und zuversichtlich zu sein mit der&lt;br /&gt;
Gewissheit, dass Gott die Hände der Operateure schon führen werde. Die Operation und&lt;br /&gt;
der direkte Verlauf waren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran schloss sich die Chemotherapie an.&lt;br /&gt;
Seit Jahren schon hatte ich mich im privaten&lt;br /&gt;
Rahmen naturheilkundlich orientiert und war&lt;br /&gt;
damit sehr zufrieden. Wieso ich mich dann&lt;br /&gt;
trotzdem ohne viel Nach- und Hinterfragen&lt;br /&gt;
sehr blauäugig und brav auf diese aggressive&lt;br /&gt;
und zerstörerische Therapie eingelassen habe,&lt;br /&gt;
weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war es einfach mein Weg, denn im Nachhinein haben&lt;br /&gt;
sich diese harten Monate auch als sehr lehrund erkenntnisreich erwiesen. Es ging mir mit&lt;br /&gt;
der Chemotherapie sehr schlecht. Bis heute&lt;br /&gt;
habe ich mit der Regeneration meines Körpers&lt;br /&gt;
zu tun, weil die Nebenwirkungen so heftig&lt;br /&gt;
sind. Und ich glaube nicht (mehr), dass sie zu&lt;br /&gt;
meiner Heilung beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige positive Erfahrung aus dieser&lt;br /&gt;
Zeit aber war trotz der miserablen körperlichen Verfassung ein intensives Gefühl des Getragen- und Behütet-Seins. Meine eigene Familie hielt völlig und stark zu mir, die gemeinsame Kraft war deutlich zu spüren. Meine Eltern und Geschwister nahmen intensiven Anteil und unterstützten uns auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen. Viele Freunde riefen an, fragten nach&lt;br /&gt;
und boten Hilfe an. Ich bekam unglaublich viel&lt;br /&gt;
Post und kleine Geschenke. Und all dies wirkte&lt;br /&gt;
auf mich, als wollten diese Aufmerksamkeiten&lt;br /&gt;
sagen: ‚Hey Walburga, denke daran, das Leben&lt;br /&gt;
ist zur Freude erschaffen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist&lt;br /&gt;
zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges&lt;br /&gt;
Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis&lt;br /&gt;
und auf diese Ehre keine Schande. Auf dieses&lt;br /&gt;
Leben folgt kein Tod, auf dieses Dasein kein&lt;br /&gt;
Vergehen. Dieser große Segen, diese köstliche&lt;br /&gt;
Gabe erreicht der Mensch nur durch göttliche&lt;br /&gt;
Führung ... (Abdu‘l-Bahä, Star of the West, Bd.&lt;br /&gt;
7,5. 163).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele sagten mir, dass sie für mich beten würden und ich glaube, noch viele mehr haben es&lt;br /&gt;
einfach getan, ohne dass ich davon wusste.&lt;br /&gt;
Doch ich spürte es genau. Körperlich war ich&lt;br /&gt;
sehr schwach. Doch innerlich fühlte ich mich&lt;br /&gt;
wie auf einer Wolke von Liebe getragen. Und&lt;br /&gt;
das tat so gut. Es beruhigte und half, diese&lt;br /&gt;
Monate auszuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass ich Baha&#039;i wurde und aus der katholischen Kirche austrat, ist für meine Eltern bis&lt;br /&gt;
heute schmerzhaft und schwer nachvollziehbar. Andererseits besteht zu meinen Eltern ein&lt;br /&gt;
sehr herzlicher und vertrauensvoller Kontakt.&lt;br /&gt;
So kam meine Mutter nach einer Chemotherapieeinheit zu uns, um nach mir zusehen und&lt;br /&gt;
mich zu versorgen. Schon vor ihrem Besuch&lt;br /&gt;
hatte sie mitbekommen, dass unsere Freunde&lt;br /&gt;
aus der Bahä&#039;i-Gemeindeeine große Stütze für&lt;br /&gt;
mich und meine Familie waren. Während ihres&lt;br /&gt;
einige Tage währenden Besuchs bekam sie es&lt;br /&gt;
dann selbst mit, und als sie abfuhr, sagte sie&lt;br /&gt;
mit einem staunenden, fast ehrfurchtsvollen&lt;br /&gt;
und sehr ehrlichen Ausdruck in der Stimme zu&lt;br /&gt;
mir: „Walburga, ja, du bist wirklich getragen&lt;br /&gt;
durch viele Gebete, ich spüre es richtig.“ Wie&lt;br /&gt;
schön war es, das von meiner Mutter zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit der Bestrahlung verging problemlos,&lt;br /&gt;
auch dank der Unterstützung einiger Freunde, da ich während dieser Wochen bei ihnen&lt;br /&gt;
auf dem Festland wohnen durfte (auf Sylt gibt&lt;br /&gt;
es keine Bestrahlungsmöglichkeit) und somit&lt;br /&gt;
nette, individuelle Begleitung und auch etwas&lt;br /&gt;
Abwechslung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch die Chemotherapie verursachte&lt;br /&gt;
körperliche Schwäche wirkte sich auch dämpfend auf meine geistige Regsamkeit aus. Über&lt;br /&gt;
Monate hatte ich mich wie in einem Nebel&lt;br /&gt;
gefühlt, ich war zu schwach zum Denken. Inzwischen wares April geworden, ich fuhr zur&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_14.pdf|page=11}}Reha und allmählich erwachte ich aus meinem Dämmerzustand. Nun stellte sich mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
immer stärker die Frage: Wofür das alles? Was&lt;br /&gt;
habe ich zu lernen? Wie wird sich mein Leben&lt;br /&gt;
entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn dass die Erkrankung einen Sinn, ein Ziel&lt;br /&gt;
hatte, daran gab es für mich keinen Zweifel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so näherte Ich mich nun allmählich dem&lt;br /&gt;
Zustand, von dem ich anfangs bereits geschrieben hatte: Was hatte Ich zu verändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wusste in mir, auf dieselbe Art und Weise zu leben wie vor der Erkrankung wollte, ja&lt;br /&gt;
durfte ich auf gar keinen Fall. Der Krebs hatte&lt;br /&gt;
ja eine Bedeutung, sollte mich einer Änderung&lt;br /&gt;
meines Lebens zuführen. Ich wurde immer&lt;br /&gt;
offener, Immer neugieriger auf das, was nun&lt;br /&gt;
kommen würde. Das Ganze hatte inzwischen&lt;br /&gt;
einen Hauch von innerer Aufbruchstimmung.&lt;br /&gt;
Und so begann Ich in verschiedenen Bereichen, mich auf neue Dinge einzulassen oder&lt;br /&gt;
mich mit bereits bekannten Gebieten aus einem anderen Blickwinkel zu befassen: Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Reiki, alternative Heilmethoden bei Krebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bahäfl-Religion hat einen großen Fundus an Zitaten zum Thema Heilung und Gesundheit mit zum Teil konkreten Hinweisen&lt;br /&gt;
(Gesundheit, Ernährung, Medizin und Heilen,&lt;br /&gt;
Baha&#039;i-Verlag). Darin ist deutlich zu lesen, dass&lt;br /&gt;
Krankheiten durch Ernährung geheilt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können und dass die Ernährung die Medizin&lt;br /&gt;
der Zukunft sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es ist daher klar, dass es möglich ist, durch&lt;br /&gt;
Nahrung, Lebensmittel und Früchte zu heilen;&lt;br /&gt;
da aber heute die Wissenschaft der Medizin&lt;br /&gt;
noch unvollkommen ist, wird diese Tatsache&lt;br /&gt;
noch nicht ganz verstanden. Sobald die medizinische Wissenschaft Vollkommenheit erreicht, wird die Behandlung mit Nahrung, Lebensmitteln, duftenden Früchten und Pflanzen sowie verschiedenen heißen und kalten&lt;br /&gt;
Wasserkuren durchgeführt werden.“ (Abdu’lBahä, Beantwortete Fragen 73:6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon seit einigen Jahren hatte ich mich mit&lt;br /&gt;
Ernährung beschäftigt. Neu inspiriert befasste ich mich nun mit gezielter Ernährung In Bezug auf Heilung von Krebs und stieß dabei im&lt;br /&gt;
Internet neben anderen Dingen auf die Empfehlung, bittere Aprikosenkerne zu essen. Ich&lt;br /&gt;
las mich In diese besonders Interessante und&lt;br /&gt;
überzeugende Thematik ein, setzte es zügig&lt;br /&gt;
um und habe inzwischen sehr gute Erfahrungen damit gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank des Hinweises einer Freundin eröffnete&lt;br /&gt;
sich mir noch ein weiteres, inzwischen sehr&lt;br /&gt;
hilfreiches Gebiet: die Psycho-Onkologle nach&lt;br /&gt;
Dr. Simonton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon viele Jahre hatte ich mich gern und interessiert mit Psychologie beschäftigt. Nun&lt;br /&gt;
schien sich auch In diesem Bereich ein Kreis&lt;br /&gt;
zu schließen und meine schon einige Wochen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_14.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anhaltende Aufbruchstimmung bekam neue&lt;br /&gt;
Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lasBücher zu diesem Thema, und diese Gedanken entsprachen so ganz meiner inneren&lt;br /&gt;
Grundhaltung. Was sind deine primären und&lt;br /&gt;
sekundären Krankheitsgewinne Zu welchen&lt;br /&gt;
Veränderungen in deinem Leben gibt dir die&lt;br /&gt;
Erkrankung Gelegenheit? Welche Chancen&lt;br /&gt;
eröffnen sich? Welche Botschaft will dir dein&lt;br /&gt;
Körper mitteilen, wenn er sich dabei einen so&lt;br /&gt;
wichtigen Boten wie den Krebs zur Hilfe holt?&lt;br /&gt;
Diese und andere Fragen waren so ganz nach&lt;br /&gt;
meiner Geschrnack.Sie wiesen den Wegnach&lt;br /&gt;
vom und als gläubiger Mensch, stets der Unterstützung Gottes gewiss weckten sie Kraft,&lt;br /&gt;
Zuversicht und Motivation in mir, mein Leben&lt;br /&gt;
in die Hand zu nehmen und Ideen zu entwik&lt;br /&gt;
kein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit Visualisierungund dieEinbeziehung der geistigen Aspekte unseres Menschseins zur Gesundung schienen mir so klar und&lt;br /&gt;
einfach. Genau das hatte ich bei den schulmedizinischen Therapien vermisst. Sind wir als&lt;br /&gt;
Mensch nicht eine Einheit von Körper, Seele&lt;br /&gt;
und Geist, egal ob gesund oder krank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunehmend sah ich die schulmedizinische&lt;br /&gt;
Therapie, die ich erhalten hatte, als unzureichend an. Wo blieben die geistigen Aspekte&lt;br /&gt;
bei der Therapie? Wie kann jemand glauben,&lt;br /&gt;
einen Menschen gesund zu machen, wenn&lt;br /&gt;
er das Wesentliche das den Menschen ausmacht, nämlich seine Seele und seine Geistigkeit, nichtnursträflich vernachlässigt, sondern&lt;br /&gt;
sogar völligausklammert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei zum Tell sehr fragwürdigem Erfolg hat die&lt;br /&gt;
Chemotherapie einen enorm. zerstörenden&lt;br /&gt;
Anteil im menschlichen Körper, der nicht nur&lt;br /&gt;
auf den Organismus Im gesunden und im&lt;br /&gt;
kranken Bereich, sondern auch krankmachend&lt;br /&gt;
auf die Psyche wirkt. Ich habe im alternativen&lt;br /&gt;
Bereich Therapien kennen gelernt, die speziell&lt;br /&gt;
diekranken Zellen eliminieren und gleichzeitig&lt;br /&gt;
die gesunden Bereiche stärken und kräftigen&lt;br /&gt;
Dabei bleibt der Geist klar und istin der Lage,&lt;br /&gt;
seinerseits die Gesundung auf der gedanklichen Ebene zu unterstützen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch ergab sich bei mir immer drängender die Frage: Wie kann die Medizin es ethisch&lt;br /&gt;
verantworten und vertreten, eine solche, in&lt;br /&gt;
hohem Maße organisch destruktive, gleichzeltig emiedrigende und menschenverachtende&lt;br /&gt;
Therapie anzuwenden, die den Menschen auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen seines Daseins so sehr&lt;br /&gt;
leiden lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkenntnisse haben mich sehr ernüchtert und auch nachdenklich gemacht&lt;br /&gt;
Gleichzeitig spürte ich eine große Dankbarkeit In mir. Ich hatte mit meiner katastrophalen körperlichen Verfassung dem Tod bereits&lt;br /&gt;
recht nahe gestanden. Doch Ich hatte überlebt. Dies konnte ja nicht ohne Sinn gewesen&lt;br /&gt;
sein. Ich sah esals meine zweite Lebenschance an. Sehr intensiv begann ich, um göttliche&lt;br /&gt;
Führung zu beten. Wieder und wieder stellte&lt;br /&gt;
sich mir die Frage: Was habe ich nun zu verändern? Mit welchen konkreten Schritten sollte&lt;br /&gt;
ich beginnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im körperlichen Bereich fühlte ich mich inzwischen gut versorgt. Einige Freundinnen,&lt;br /&gt;
die Ärztinnen sind, leisten sehr gute Arbeit Im&lt;br /&gt;
alternativ.medizinischen Bereich und helfen&lt;br /&gt;
mir, meine Entgiftung und den körperlichen&lt;br /&gt;
‚Aufbau voran zu bringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dank der Information über die PsychoOnkologie hatte ich einen guten Weg gefunden, mich nun auch auf geistiger Ebene&lt;br /&gt;
mit meiner Krebserfahrung zu befassen. Sie&lt;br /&gt;
vermittelt gute Möglichkeiten, positiv und&lt;br /&gt;
konstruktiv das Leben zu gestalten, durch die&lt;br /&gt;
Erkrankung innerlich zu wachsen und durch&lt;br /&gt;
die Visualisierung auch kreativ auf die dgene&lt;br /&gt;
Heilung einzuwirken. Heute, eineinhalb Jahre nach Auftreten des Krebses fühle ich mich&lt;br /&gt;
innerlich gestärkt, Ich habe sehr viel lernen&lt;br /&gt;
und erfahren dürfen. Natürlich gibt es weiter&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_14.pdf|page=13}}noch viel zu lernen und zu überdenken. Doch&lt;br /&gt;
die körperliche Schwäche lässt langsam nach.&lt;br /&gt;
Ich habe zuversichtlich Pläne für mein Leben&lt;br /&gt;
entwickelt und auch schon Möglichkeiten der&lt;br /&gt;
Umsetzung gefunden und damit begonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebete des Dankes, für Heilung und um Führung begleiten weiter mein Leben. Hier möchte ich zwei Gebete einfügen, die mir viel bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dein Name ist meine Heilung,&lt;br /&gt;
o mein Gott,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Gedenken meine Arznei,&lt;br /&gt;
Deine Nähe meine Hoffnung und&lt;br /&gt;
die Liebe zu Dir mein Gefährte.&lt;br /&gt;
Dein Erbarmen ist meine Heilung&lt;br /&gt;
und Hilfe in beiden Welten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dieser und der künftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du bist wahrlich der Allgütige,&lt;br /&gt;
der Allwissende, der Allweise.“&lt;br /&gt;
{Bahä’u&#039;lläh, Gebete Nr. 142)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Du gütiger Gott!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergib meine Sünden, schenke mir Deine&lt;br /&gt;
Gaben, übersieh meine Fehler, behüte mich,&lt;br /&gt;
tauche mich ein in den Quell Deiner Geduld&lt;br /&gt;
und heile mich von allen Krankheiten und&lt;br /&gt;
Gebrechen. Läutere und heilige mich und&lt;br /&gt;
lass mich teilhaben an der Ausgießung der&lt;br /&gt;
Heiligkeit, so dass Gram und Traurigkeit&lt;br /&gt;
schwinden und Freude und Glück&lt;br /&gt;
herniedersteigen. Gib, dass Verzagtheit und&lt;br /&gt;
Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude&lt;br /&gt;
und Zuversicht, und dass der Mut die Angst&lt;br /&gt;
verdränge. ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Abdu‘l-Bahä, Gebete Nr. 140)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Gebet gefällt mir so gut, dass bei&lt;br /&gt;
der Heilung auf die geistige Verbindung zu&lt;br /&gt;
Gott so viel Wert gelegt wird. Beim zweiten&lt;br /&gt;
Gebet finde ich es neben den tröstlichen Aspekten der Vergebung und der Heilung so ermutigend,dass „Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit sich wandeln in Freude und Zuversicht&lt;br /&gt;
und dass der Mut die Angst verdränge“. Welch&lt;br /&gt;
wunderbare Aufforderung, welch ein großartiges Unterstützungsangebot durch unseren&lt;br /&gt;
Schöpfer, unser Leben tatkräftig und mutig&lt;br /&gt;
in die Hand zu nehmen. Und täglich neu bin&lt;br /&gt;
ich dankbar für die Hilfe, die mir durch meine Freunde zuteil wurde. Besonders aber bin&lt;br /&gt;
ich für die große Unterstützung durch meine&lt;br /&gt;
Familie dankbar, meine Töchter und meinen&lt;br /&gt;
Mann, die ganz großartig zu mir halten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mich auf meinen neuen Wegen wunderbar&lt;br /&gt;
begleiten. Bei allem Optimismus gibt es natürlich auch immer mal Hindernisse, die bewältigt werden wollen. Doch mit den gemachten&lt;br /&gt;
Erfahrungen der vergangenen Monate kann&lt;br /&gt;
ich noch ruhiger und gelöster als früher das&lt;br /&gt;
folgende Zitat in mir schwingen lassen, mit&lt;br /&gt;
dem ich schließen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Fürchte dich nicht, sorge dich nicht, hetze&lt;br /&gt;
dich nicht ab für die Dinge dieser Welt! Folge&lt;br /&gt;
stetig der Führung Gottes. Sein Reich als Ziel&lt;br /&gt;
hier wie dort vor Augen tragend. Bei Ihm, in&lt;br /&gt;
Ihm, durch Ihn bist du immer und überall geborgen!“ (Abdu’l-Bahä, Rosen der Liebe, 5. 7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
walburga Löffelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankenschwester&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist verheiratet, hat zwei&lt;br /&gt;
Töchter und arbeitet als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_14.pdf|page=14}}&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zehn- bis zwölftausend Menschen in&lt;br /&gt;
Deutschland begehen jedes Jahr Selbstmord.&lt;br /&gt;
Diese Zahlen sind irreführend, denn tatsächlich versuchen Millionen Menschen diesen&lt;br /&gt;
Weg zu gehen und mindestens 170.000 sind&lt;br /&gt;
dabei erfolgreich. Gemeint sind die Menschen, die von einer oder mehreren Drogen&lt;br /&gt;
abhängig sind, Menschen, die auf mehr oder&lt;br /&gt;
weniger qualvolle Weise ihr Leben verkürzen&lt;br /&gt;
und Körper, Geist und Seele ruinieren, die dabei häufig schwerwiegende Folgeschäden für&lt;br /&gt;
ihre Mitmenschen in Kauf nehmen und jährlich mindestens 20 Milliarden Euro für Zigaretten, 16 Milliarden für alkoholische Getränke und eine noch nicht ermittelte, vermutlich&lt;br /&gt;
ähnlich hohe Summe für Cannabisprodukte&lt;br /&gt;
ausgeben. Die Zahl der Nikotinabhängigen&lt;br /&gt;
beträgt in Deutschland 20 bis 22 Millionen, 9,3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Millionen Menschen haben einen gesundheitlich riskanten Alkoholkonsum, 4,3 Millionen&lt;br /&gt;
gelten als Alkoholiker, 70 Prozent davon sind&lt;br /&gt;
Männer. Die Zahl der Cannabiskonsumenten&lt;br /&gt;
wird auf 4 Millionen geschätzt, wobei medizinische Forscher heute davon ausgehen, dass&lt;br /&gt;
Haschischkonsum größere bleibende Schäden&lt;br /&gt;
verursacht als Alkohol. {1}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders gravierend, weil für die Zukunft&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft von Ausschlag gebender&lt;br /&gt;
Bedeutung, ist die wachsende Zahl jugendlicher Konsumenten. Vor allem Alkohol und&lt;br /&gt;
Haschisch haben Wirkungen, die Menschen&lt;br /&gt;
die Kontrolle über ihren Körper und Geist verlieren lassen und damit die menschlichen Eigenschaften zerstören, die ihn vom Tier unterscheiden. Was aber geschieht mit einer Gesell{{page|15|file=Tempora_14.pdf|page=15}}schaft, in der mindestens jeder Zehnte durch&lt;br /&gt;
den zunehmenden Verfall seiner körperlichen&lt;br /&gt;
und geistigen Fähigkeiten mehr oder weniger&lt;br /&gt;
ausdem Arbeitsprozess ausscheidet, zum Therapiefall und häufig zur Bedrohung wird und&lt;br /&gt;
von den Anderen getragen werden muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte&lt;br /&gt;
Droge. Das drückt sich darin aus, dass es als&lt;br /&gt;
normal empfunden wird, bei allen möglichen&lt;br /&gt;
Gelegenheiten zu trinken. Die Erwachsenen&lt;br /&gt;
wirken dabei als Vorbild für ihre Kinder, die bereits frühzeitig die Überzeugung entwickeln,&lt;br /&gt;
dass Reife sich in Alkoholkonsum niederschlage. Je mehr man verträgt, desto erwachsener&lt;br /&gt;
ist man, lautet die Devise, bei Jungen von der&lt;br /&gt;
Wahnvorstellung ergänzt, dass man seine&lt;br /&gt;
Männlichkeit am besten beweist, indem man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Te&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Kontrolle über Körper und Geist verliert.&lt;br /&gt;
Dieses Menschenbild, von dem 85.000 Beschäftigte in der Alkoholindustrie profitieren&lt;br /&gt;
und das jedes Jahr 42.000 Bundesbürger das&lt;br /&gt;
Leben kostet, verursacht nach Schätzungen&lt;br /&gt;
einen materiellen Schaden von 40 Milliarden Euro jährlich. Demgegenüber nimmt der&lt;br /&gt;
Staat 3,5 Milliarden Euro an Alkoholsteuern&lt;br /&gt;
ein. Ein wahrhaft glänzendes Geschäft für die&lt;br /&gt;
Gesamtgesellschaft und ein Leuchtsignal poitischer Wirtschaftskompetenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Vielzahl der tödlichen&lt;br /&gt;
Krankheiten, die Alkoholismus verursacht&lt;br /&gt;
(vgl. Wikipedia, Alkoholkrankheit), soll hier vor&lt;br /&gt;
allem auf Folgen für Seele und Geist hingewiesen werden. „Alkoholkonsum beeinträchtigt Gehirn und Nervensystem. Schon bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_14.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einzelnen Räuschen treten Gedächtnislücken&lt;br /&gt;
auf, Langfristig bilden sich chronische neuropsychologische Defizite in den Bereichen&lt;br /&gt;
‚Aufmerksarnikeit, Konzentration, Gedächtnis,&lt;br /&gt;
Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung und ProblemlösungsStrategien.” (ebd. 5.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet das konkret etwa für Jugendliche, die sich regelmäßig zunächst bei Wochenendfeten betrinken, ein Verhalten, das&lt;br /&gt;
heute bei 14jährigen als normal gilt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Entwicklungsphase bildet sich der&lt;br /&gt;
Teil des Gehirns aus der als frontaler Kortex&lt;br /&gt;
bezeichnet wird und für die Impulskontrolle,&lt;br /&gt;
für vernunftgesteuertes Verhalten zuständig&lt;br /&gt;
ist (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 42,&lt;br /&gt;
Oktober 2001, Michael Soyka: Psychische und&lt;br /&gt;
soziale Folgen chronischen Alkoholismus)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauer gesagt er bildet sich wenig aus,&lt;br /&gt;
wenn er durch regelmäßige Alkoholspülungen an seiner Entwicklung gehindert wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis sind Menschen, die zunehmend&lt;br /&gt;
unfähig sind, Ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, was sich vor allem darin zeigt, dass sie&lt;br /&gt;
diefür den Schulerfolg maßgebliche Fähigkeit&lt;br /&gt;
verlieren, langfristig an Zielen zu arbeiten&lt;br /&gt;
Anstatt die dafür nötige Frustrationstoleranz&lt;br /&gt;
und Selbstaisziplin aufzubringen und sich erst&lt;br /&gt;
bei erzieltem Ergebnis zu belohnen, greifen&lt;br /&gt;
sie bei jeder Gelegenheit zu Mitteln, von denen sie sich Befriedigung erhoffen. Dies sind&lt;br /&gt;
zunehmend solche, die sie Ihre Problerne und&lt;br /&gt;
deren immer deutlicher werdende Folgen verdrängen lassen, nämlich erneut Alkohol oder&lt;br /&gt;
andere betäubende Drogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Gehirn den Schaden, der ihm in dieser&lt;br /&gt;
abschließenden Entwicklungsphase (etwa&lt;br /&gt;
vom 1. bis 18. Lebensjahr) zugefügt wird,&lt;br /&gt;
kaum reparieren kann, bleibt für solche Menschen nur beschränkt erreichbar, was den Erwachsenen ausmacht: ein selbstbestimmtes&lt;br /&gt;
Leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen setzen sie häufig fort, wornit sie&lt;br /&gt;
beraitsihre Jugend vergeudethaben: Ineinem&lt;br /&gt;
Teufelskreis von Frustration und Ersatzbefriedigung Ihre geistigen und seelischen Fählgkeiten weiter zu ruinieren, bis sie schließlich&lt;br /&gt;
am Rande der Gesellschaft Ihrem verfrühten&lt;br /&gt;
Ende entgegen vegetieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitive Defizite wie die oben im Zitat beschriebenen lassen sich zunehmend im Unterricht feststellen, und wenn man nachtragt,&lt;br /&gt;
welchen Anteil Alkohol an der Freizeitgestaltunghat,findetnanbei den Betroffenenmeist&lt;br /&gt;
auch diesen Hintergrund. Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;
führt darüber hinaus zu einern statistisch signifikanten Anstieg psychischer Störungen&lt;br /&gt;
wie Angst- und Panikattacken, Phobien, Depressionen bis hin zu einem vierfach höheren&lt;br /&gt;
Risiko,anı Schizophrenie zu erkranken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gesteigerte Aggressionsbereitschaft zeigt sich auch&lt;br /&gt;
in der Kriminalstatistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Gewaltkriminalität geschehen 24,3 Prozent der Delikte unter Alkoholeinfluss bei Totschlag sind es40,8, bei Raubmord 30,2, bei Vergewaltigung 28,7 Prozent. (Zahlen von 1997,&lt;br /&gt;
vgl. Michael Soyka ebd.)&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_14.pdf|page=17}}Alkoholismus in der Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs&lt;br /&gt;
aufdie Familien werden erkennbar, wenn man&lt;br /&gt;
weiß, dass 75 Prozent der weiblichen und 45&lt;br /&gt;
Prozent der männlichen Alkoholiker ein oder&lt;br /&gt;
mehrere Kinder haben, die in 45 und 30 Prozent der Fälle im Haushalt der Betroffenen leben. Was es für ein Kind bedeutet, Eltern zum&lt;br /&gt;
Vorbild zu haben, die in der Regel beschränkt&lt;br /&gt;
zurechnungsfähig sind, deren Interesse eher&lt;br /&gt;
dem Drogennachschub als dem Wohl der Kinder gilt, die ihren Kindern niemals das Gefühl&lt;br /&gt;
von Verlässlichkeit vermitteln, kann man daran erkennen, dass solche Kinder meist unter&lt;br /&gt;
generalisierten Beziehungsstörungen leiden.&lt;br /&gt;
Untersuchungen ergaben, dass 60 Prozent&lt;br /&gt;
starke bis schwere Persönlichkeitsstörungen&lt;br /&gt;
aufweisen, bis zu go Prozent überdurchschnittlich depressiv sind und bis zu 65 Prozent als ungesellig, zurückhaltend, irritierbar&lt;br /&gt;
und unsicher auffielen. Das Risiko, selbst zu&lt;br /&gt;
Drogen zu greifen, ist bei Alkoholikerkindern&lt;br /&gt;
mehr als doppelt so hoch (vgl. Birgit Mamood:&lt;br /&gt;
Kinder aus Alkoholikerfamilien - eine soziale&lt;br /&gt;
Risikogruppe?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Rolle Gewalt in solchen Familien spielt,&lt;br /&gt;
geht daraus hervor, dass 50 Prozent der Frauen&lt;br /&gt;
von Alkoholikern angaben, von ihren Männern&lt;br /&gt;
geschlagen zu werden und etwa ein Viertel&lt;br /&gt;
der Kinder. (ebd)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cannabiskonsum in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Alkoholismus in Europa eine lange&lt;br /&gt;
Tradition hat und in allen Altersgruppen auftritt, hat Cannabiskonsum noch eine relativ&lt;br /&gt;
kurze Geschichte in Deutschland. Erst in den&lt;br /&gt;
60er Jahren beginnen Jugendliche und dann&lt;br /&gt;
auch zunehmend Erwachsene Haschisch und&lt;br /&gt;
Marihuana zu konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit die Karlsruher Verfassungsrichter 1994 Straffreiheit für die Weitergabe&lt;br /&gt;
von Haschisch in geringen Mengen verkündeten, erlebt Cannabis einen Siegeszug als&lt;br /&gt;
Genussdroge. Nach dem Motto, was nicht verboten ist, kann nicht gefährlich sein, greifen&lt;br /&gt;
immer mehr Jugendliche zum Joint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gaben 27 Prozent der 15jährigen an, Haschisch und Marihuana konsumiert&lt;br /&gt;
zu haben (Neue Zürcher Zeitung vom 2.März&lt;br /&gt;
1999). Für Deutschland gibt es keine vergleich&lt;br /&gt;
baren Zahlen, aber bereits 1934 ergab eine anonyme Umfrage an einem Düsseldorfer Gymnasium, dass 80 Prozent der Oberstufenschüler Erfahrungen mit Cannabis hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem von Forschern in den USA wurden&lt;br /&gt;
schon in den 70er und 8oer Jahren Ergebnisse&lt;br /&gt;
veröffentlicht, die hätten aufhorchen lassen&lt;br /&gt;
müssen. Sie wurden 1987 in deutscher Übersetzung von der Autorin Peggy Mann (Hasch&lt;br /&gt;
- Zerstörung einer Legende) publiziert. Demnach ist Haschisch die Droge, deren 421 Wirkstoffe (wie sonst nur bei DDT) am längsten im&lt;br /&gt;
Körper verbleiben und jedes wichtige Organ&lt;br /&gt;
des Körpers, jedes System und jede einzelne&lt;br /&gt;
Zelle angreifen (Dr. Carlton Turner). Der Grund:&lt;br /&gt;
Die 61 Substanzen, die nur in Cannabis vorkommen, sind fettlöslich und können daher&lt;br /&gt;
nicht mit dem Urin ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nisten sich vor allem im Gehirn und in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Geschlechtsorganen ein. Dr. Austin Fitzjarrell, ein Zellbiologe, fand heraus, dass der&lt;br /&gt;
Cannabis-Rauschstoff THC vor allem die Teile&lt;br /&gt;
des Gehirns schädigt, die für Kreativität und&lt;br /&gt;
höhere Denkvorgänge zuständig sind. Am&lt;br /&gt;
schlimmsten aber wird das limbische System,&lt;br /&gt;
das Stimmungen, Sexualverhalten, Hunger,&lt;br /&gt;
Aggressionen steuert, angegriffen. Die untersuchten Hirne zeigten Veränderungen wie sie&lt;br /&gt;
bei alten Menschen mit Senilitäts-Symptomen zu beobachten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Robert Heath, ein Neurologe, fand bei Rhesus-Affen, die THC in einer Dosis erhalten hatten, die zwei Joints am Tag beim Menschen&lt;br /&gt;
entspricht, ein apathisches Verhalten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_14.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stellte bei Hirnuntersuchungen fest, dass das&lt;br /&gt;
Zentrum für Freude und Motivation zerstört&lt;br /&gt;
worden war. Das erklärt die Antriebslosigkeit&lt;br /&gt;
und Gleichgültigkeit, aberauch die übermäßigen Wutausbrüche, die Haschisch rauchende&lt;br /&gt;
Jugendliche oft an den Tag legen. Eine dauerhafte Schädigung bedeutet, dass solche&lt;br /&gt;
Menschen ihr natürliches Belohnungssystem&lt;br /&gt;
zerstören, das dafür sorgt, dass erreichte Ziele&lt;br /&gt;
und erbrachte Leistungen zur Ausschüttung&lt;br /&gt;
des Glückshormons Endorphin führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim fortgeschrittenen Cannabiskonsumenten Ist dies nur noch durch zunehmende Mengen von Haschisch möglich. Mit der wachsenden Schädigung der Angst und Aggressionen kontrollierenden Teile des Stirnlappens&lt;br /&gt;
(frontaler Kortex) hat Haschisch eine dem&lt;br /&gt;
Alkohol ähnliche Wirkung. Angstgefühle, Verfolgungswahn und Schizophrenie lassen sich&lt;br /&gt;
selbst beiehemaligen Potrauchern doppelt so&lt;br /&gt;
häufig finden wie bei Nichtkonsumenten. Dr.&lt;br /&gt;
Susan Dalterio fand bei Mäusen, die mit THC&lt;br /&gt;
behandelt worden waren, ein völlig abnormes Sexualverhalten. Die Hälfte der Tiere war&lt;br /&gt;
zeugungsunfähig, und die Nachkommen der&lt;br /&gt;
übrigen zeigten schwerste vererbbare Missbildungen, verursacht durch ChromosomenAbnormitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Akira Morishima sagte 1974 bei einer Pressekonferenz, dass er bei Leuten, die vier Jahre&lt;br /&gt;
zwischen zwei Joints pro Woche und einem&lt;br /&gt;
Joint täglich geraucht hatten, in einem Drittel&lt;br /&gt;
der Zellen weniger als die normale Chromosomenzahl fand und zwar reduziert von 46 auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20 bis 30 bei der Gruppe der wöchentlichen&lt;br /&gt;
Raucher und sogar nur 5 bis 12 bei den täglich&lt;br /&gt;
Rauchenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In den 20 Jahren, in denen ich menschliche&lt;br /&gt;
Zellen untersucht habe, habe ich niemals irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich&lt;br /&gt;
Heroin, die ähnlich schlimme DNS-Schäden&lt;br /&gt;
hervorgerufen hat wie Marihuana“ (Dr. A. Morishima).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine indische Studie mit 1238 männlichen Cannabis-Konsumenten ergab, dass der Rauschstoff THC die Produktion von Testosteron und&lt;br /&gt;
anderen Hormonen auf das Niveau von Kastraten reduzierte. Das Zentrum der amerikanischen Bundesregierung zur Überwachung&lt;br /&gt;
von Krankheiten stellte eine dramatische Zunahme von Herzschäden bei Neugeborenen&lt;br /&gt;
fest, die exakt mit der Wachstumsrate des&lt;br /&gt;
Cannabis-Konsums In den verschiedenen Teilen des Landes korrelierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haschisch schädigt aber auch das Immunsystem. Dr. Gabriel Nahas fand heraus, dass die&lt;br /&gt;
T-Lymphozyten, die 70 Prozent des Immunsystems ausmachen, sich bei Haschischrauchern&lt;br /&gt;
deutlich träger teilten und zu 44 Prozent weniger In der Lage waren, Krankheitskeime zu&lt;br /&gt;
bekämpfen. Die untersuchten a2Jährigen&lt;br /&gt;
Männer hatten eine Immunität vergleichbar&lt;br /&gt;
der alter Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Forest 5. Tennant untersuchte 2ojährige&lt;br /&gt;
Pot-Raucher und verglich sie mit solchen, die&lt;br /&gt;
zusätzlich Zigaretten rauchten. Bei g1 Prozent&lt;br /&gt;
der Doppelraucher stellte er squamöse Metaplasie, ein Vorkrebsstadium fest. Er schloss&lt;br /&gt;
daraus, dass dieser Gruppe bereits nach zehn&lt;br /&gt;
bis zwanzig Jahren das Risiko des Lungenkrebses drohte, statt nach 30 bis 40 Jahren wie bei&lt;br /&gt;
Zigarettenkonsum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aufschlussreich, dass diese bereits vor&lt;br /&gt;
Jahrzehnten veröffentlichten Entdeckungen&lt;br /&gt;
weitgehend ignoriert wurden und heute auf&lt;br /&gt;
der Website der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis als „veraltet“ abgetan werden. Noch aufschlussreicher ist aber der Umstand, dass in Ländern, die bereits Jahrhunderte lang Erfahrungen mit Haschischkonsum&lt;br /&gt;
haben - Taiwan, Iran, Algerien oder die Türkei-,&lt;br /&gt;
der Schmuggel mit Cannabisprodukten mit&lt;br /&gt;
bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft wird. Offensichtlich hat man dort genügend Beweise&lt;br /&gt;
für den Schaden, den eine Gesellschaft erlei{{page|19|file=Tempora_14.pdf|page=19}}det, die es zulässt, dass Menschen sich der&lt;br /&gt;
Fähigkeiten berauben, die sie erst zum Menschen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse wird verständlich, warum&lt;br /&gt;
in der Bahä&#039;i-Religion neben anderen schädlichen Drogen Alkohol, Haschisch und Opium&lt;br /&gt;
strikt untersagt sind. Als Abdu’|-Bahä das Verbot dieser Drogen vor etwa hundert Jahren&lt;br /&gt;
begründete, wählte er Worte, die sich wie eine&lt;br /&gt;
Zusammenfassungder erst viel später wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alkohol verzehrt den Verstand und lässt&lt;br /&gt;
Menschen sinnlose Taten begehen, doch Opium, diese faule Frucht des Höllenbaums, und&lt;br /&gt;
das elende Haschisch lassen den Verstand&lt;br /&gt;
erlöschen, den Geist erstarren, die Seele versteinern, den Leib verkümmern und den Menschen empfindungslos zuschanden werden.“&lt;br /&gt;
(Abdu’l-Baha, Erläuterung 170 zum Kitäb-iAqdas 5. 2791.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Zahlen von Deutsche Hauptstellefür Suchtfragen e.V, Berlin/&lt;br /&gt;
Hamm, 12.lanuar 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit 30 Jahren&lt;br /&gt;
Gymnasiallehrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon 6 Jahrean&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einer Waldorfschule&lt;br /&gt;
Bildhauer und Buchautor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_14.pdf|page=20}}  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GANZE WELT IN EINER ROSINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH ÄCHTSAMKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtsamkeit wird an vielen Orten und in ganz&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Zusammenhängen praktiziert. Seit Jahren wird sie auch erfolgreich in&lt;br /&gt;
Kursen zur Stressbewältigung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer zum ersten Abend eines Kurses in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR)&lt;br /&gt;
kommt, ist oft überrascht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er tun soll, nachdem er sich vorgestellt&lt;br /&gt;
hat, ist, eine Rosine zu essen. Und nicht nur&lt;br /&gt;
zu essen. Er wird gebeten, das kleine, dunkle&lt;br /&gt;
Objekt auf seiner Handfläche anzufassen, zu&lt;br /&gt;
riechen und genau zu betrachten. Der Kursleiter wird vielleicht einige Fragestellungen&lt;br /&gt;
vorschlagen, um die Erfahrung noch zu vertiefen. Wie viele Farben reflektiert die Haut der&lt;br /&gt;
Rosine? Wie viele Menschen waren an ihrem&lt;br /&gt;
Produktionsprozess beteiligt (Bauern, Pflücker,&lt;br /&gt;
Packer, Lastwagenfahrer)? Nach einiger Zeit&lt;br /&gt;
werden die TeilnehmerInnen aufgefordert, die&lt;br /&gt;
Rosine in den Mund zu stecken - aber nicht&lt;br /&gt;
darauf zu beißen. Dann werden sie gebeten,&lt;br /&gt;
darauf zu achten, wie ihr Mund auf die Rosi&lt;br /&gt;
ne reagiert, wie sie sich auf der Zunge anfühlt,&lt;br /&gt;
wie stark der Impuls ist, sie zu zerkauen und&lt;br /&gt;
die Sache einfach zu erledigen. Schließlich&lt;br /&gt;
kommt der Moment, auf die getrocknete&lt;br /&gt;
Frucht zu beißen und sehr langsam zu kauen,&lt;br /&gt;
bis keine Faser mehr übrig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anschließende Austausch ist lebhaft. „Ich&lt;br /&gt;
habe nicht gewusst, dass eine Rosine so süß&lt;br /&gt;
ist“, sagt eine Frau erstaunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendjemand macht gewöhnlich die folgende Aussage, bei der viele in der Klasse nicken:&lt;br /&gt;
„Wenn ich so viel verpasse, indem ich eine Rosine nicht achtsam esse, wie viel verpasse ich&lt;br /&gt;
dann von meinem Leben?“ Und das genau ist&lt;br /&gt;
es, was die Teilnehmenden in den folgenden&lt;br /&gt;
acht Wochen untersuchen. Ein MBSR-Kurs ist&lt;br /&gt;
eine aktive, reiche und sehr persönliche Möglichkeit, um zu verstehen, wie die Praxis der&lt;br /&gt;
Achtsamkeit Bezug hat zu allen Aspekten des&lt;br /&gt;
Lebens. In einem typischen Kurs finden sich&lt;br /&gt;
Menschen aus allen Lebenskreisen und Altersstufen, manche mit einer Krankheit, andere,&lt;br /&gt;
die Stress in der Arbeit, in ihrer Partnerschaft&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_14.pdf|page=21}}oder Familie erleben, bei manchen treffen alle&lt;br /&gt;
diese Punkte zusammen. Viele haben nie in ihrem Leben meditiert und sind auch nicht besonders daran interessiert, das in Zukunft zu&lt;br /&gt;
tun. Aber sie „leiden“ im wahrsten Sinne des&lt;br /&gt;
Wortes und sie suchen nach einer Erleichterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit auf den Moment&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das MBSR-Programm und sein Schlüsselelement — die Achtsamkeitspraxis - fordert die&lt;br /&gt;
Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder und&lt;br /&gt;
wieder auf, sich mit ihrem eigenen Leben zu&lt;br /&gt;
befassen und das mit Aufmerksamkeit, Engagement und einer tiefen Inneren Bereitschaft&lt;br /&gt;
zu tun, auch wenn sie mit Enttäuschung konfrontiert sind oder sich das erhoffte Ergebnis&lt;br /&gt;
nicht einstellt. Viele verstehen irgendwann,&lt;br /&gt;
dass Achtsamkeit keine schnelle Methode&lt;br /&gt;
oder Technik ist, sondern die Fähigkeit, wach&lt;br /&gt;
und bewusst zu sein, in der Lage, wie Jon Kabat-Zinn, der Gründer von MBSR, sagt, „dem&lt;br /&gt;
Moment absichtlich Aufmerksamkeit zu&lt;br /&gt;
schenken, und das ohne Bewertung&amp;quot;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit begann 1980 In der Stressreduktionsklinik des&lt;br /&gt;
University of Massachusetts Medical Center&lt;br /&gt;
in Worcester, USA. Seither haben Zehntausende von Menschen an Kursenteilgenommen: in&lt;br /&gt;
Krankenhäusern, psychosomatischen Kliniken,&lt;br /&gt;
Schulen, Gefängnissen, Hospizen und Einrichtungen für Palllativmedizin, in Programmen&lt;br /&gt;
zur Suchtüberwindung, Volkshochschulen,&lt;br /&gt;
in Geburtshäusern, Onkologiezentren und&lt;br /&gt;
Unternehmen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird es bald mehr als&lt;br /&gt;
100 deutschsprachige MBSR KursleiterInnen&lt;br /&gt;
geben. Eine Flut wissenschaftlicher Untersuchungen hat während der vergangenen 20&lt;br /&gt;
Jahre gezeigt, dass MBSR und andere achtsamkeitsbasierte Bemühungen einen tiefen&lt;br /&gt;
Einfluss auf das rasch wachsende Gebiet der&lt;br /&gt;
Körper-Geist-Medizin haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der größte Lehrer: Das Leben selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines Kurses in Stressbewältigung&lt;br /&gt;
durch Achtsamkeit lernen die TeilnehmerInnen drei „formelle“ Praktiken: einen KörperScan, achtsame Körperbewusstseinsübungen&lt;br /&gt;
und Sitzmeditation. Während des achtwöchigen Kurses verpflichten sie sich, an sechs&lt;br /&gt;
Tagen der Woche mindestens eine Stunde zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
praktizieren. Dabei werden vor allem Hörkassetten mit den Übungen verwendet. Doch es&lt;br /&gt;
sind besonders die „informellen“ Übungen,&lt;br /&gt;
während derer die Teilnehmenden lernen,&lt;br /&gt;
Achtsamkeit zu praktizieren. Da ist etwa die&lt;br /&gt;
Hausaufgabe nach dem ersten Abend des&lt;br /&gt;
‚Achtwochenkurses. Die Teilnehmenden werden gebeten, an sechs Tagen der Woche einen Körper-Scan zu machen, also mit Ihrer&lt;br /&gt;
‚Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch den&lt;br /&gt;
ganzen Körper zu wandern, und darüber hinaus eine Aktivität zu wählen, die sie täglich&lt;br /&gt;
verrichten, und diese als Tätigkeit achtsam zu&lt;br /&gt;
praktizieren. Häufig wird das Zähneputzengewählt. Andere Aktivitäten sind beispielsweise&lt;br /&gt;
das Schuhe anziehen, Betten machen, Windeln wechseln, den Müll wegbringen. Wenn&lt;br /&gt;
sich die TeilnehmerInnen am zweiten Abend&lt;br /&gt;
über ihre Erfahrungen austauschen, berichten&lt;br /&gt;
viele von den Einsichten, die sie während der&lt;br /&gt;
Übung gewonnen haben, ähnlich denen nach&lt;br /&gt;
dem Essen der Rosine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die informellen Übungen ermöglichen es den&lt;br /&gt;
Teilnehmenden, Studenten und Studentinnen&lt;br /&gt;
des Lebens zu werden, indem sie Ihnen erlauben, sich dem Leben als dem größten Lehrer&lt;br /&gt;
zu öffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der zweiten und dritten Woche sollen die TeilnehmerInnen ein Tagebuch führen,&lt;br /&gt;
in dem sie einmal täglich angenehme oder&lt;br /&gt;
unangenehme Erlebnisse notieren, Es werden&lt;br /&gt;
verschiedene Fragen zu diesen Erlebnissen&lt;br /&gt;
gestellt, zum Beispiel, wo die Erfahrung im&lt;br /&gt;
Körper zu spüren war. Vielen wird klar, dass sie&lt;br /&gt;
vor allem Schmerzliches, Dunkles und Unangenehmes Im Blick haben und dass angenehme Erlebnisse zu bemerken eine der tiefsten&lt;br /&gt;
Freuden der Achtsamkeitspraxis ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer anderen Übung, Sehmeditation genannt, lädt der MBSR-Anleitende den Lernenden ein, auf verschiedene Arten aus einem Fenster oder auf eine bestimmte Szene&lt;br /&gt;
zu blicken, etwa wie mit einem Zoom ganz&lt;br /&gt;
nah an die Details heranzufahren und dann&lt;br /&gt;
wieder „wegzuzoomen‘, bis der Blick einem&lt;br /&gt;
Weitwinkelobjektiv gleicht. Die anschließende Diskussion hilft, ein Schlüsselthema der&lt;br /&gt;
Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu verstehen: Es ist nicht die Situation selbst, die&lt;br /&gt;
Stress verursacht, sondern unsere Art, darauf&lt;br /&gt;
zu reagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_14.pdf|page=22}}  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir lernen können, unsere Perspektive&lt;br /&gt;
zu verändern, kann die Art und Weise, wie wir&lt;br /&gt;
etwas betrachten, sich öffnen, sie kann sich&lt;br /&gt;
weiten oder sogar verengen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ (0.&lt;br /&gt;
W.Barth Verlag), nennt Jon Kabat-Zinn sieben&lt;br /&gt;
Faktoren der Achtsamkeitspraxis. Man soll sie&lt;br /&gt;
Üben, sie verkörpern, sich mit Ihnen konfrontieren: Nicht-Beurtellen, Geduld, den Geist des&lt;br /&gt;
Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen. Viele Übende&lt;br /&gt;
erleben während der acht Wochen, wie sich&lt;br /&gt;
diese Faktoren von äußeren Lehren zu persönlichen Wahrheiten verändern. Dabel entwikkeit jeder Mensch ein Verständnis davon, das&lt;br /&gt;
in seinem eigenen Leben wurzelt.Eine solche&lt;br /&gt;
Art desLernens reicht tief und ermöglicht Veränderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frau, bei der erneut Krebs ausgebrochen&lt;br /&gt;
Ist, drückt es so aus: „Ich dachte immer, dass&lt;br /&gt;
ich weiß, wie Rosinen schmecken. Nun weiß&lt;br /&gt;
ich, dass da viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind. So wie die Momente meines&lt;br /&gt;
Lebens. Wie wundervoll!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. phil Linda Lehrhaupt,&lt;br /&gt;
geboren in New York,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 35 Jahren als&lt;br /&gt;
Pächagogin Gründerin des&lt;br /&gt;
Instituts für Achtsarnkeit&lt;br /&gt;
und Stressbewältigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 14 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten&lt;br /&gt;
erfordert in allen Bereichen ein gänzlich&lt;br /&gt;
neues Denken und Handeln. TEMPORA&lt;br /&gt;
beschäftigt sich auf dem Hintergrund der&lt;br /&gt;
Bahä-Lehren mit aktuellen Zeitfragen&lt;br /&gt;
und möchte durch Cedankenimpulse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Entwicklung zu einer besseren Weit&lt;br /&gt;
fordem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harausgabar&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä&#039;tin&lt;br /&gt;
Deutschland eV, Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktion&lt;br /&gt;
Roland Greis, Mitra Pommer-Mahmoudi,&lt;br /&gt;
Tnomas Schaaft, Monika Schramm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Türke jun. Shirin Weisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Redaktionsanschrift&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteinerstraße 89,&lt;br /&gt;
D-Ssn1g Hofheim&lt;br /&gt;
wwetemporaorg&lt;br /&gt;
tempora®@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
layout und Illustration&lt;br /&gt;
Witra Pommer-Mahmoudi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos&lt;br /&gt;
Saman Rahmanlan Saas, 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitra Pommer-Mahmoudi 53,71,12,13,37&lt;br /&gt;
Dr.Valerie Diallo 5. 28,27, 28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
festliche Bilder von stockexchange&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druck&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
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Vartriab und Bastallungen&lt;br /&gt;
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geben nicht unbedingtdie Meinungder&lt;br /&gt;
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übernimmt die Radaktion keine Haftung,&lt;br /&gt;
Die Redaktion behält sich smnbewahrende&lt;br /&gt;
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or. Die Zeitschrift und allen ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen&lt;br /&gt;
sind urheberrechtlich geschützt.&lt;br /&gt;
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit&lt;br /&gt;
schriftlicher Genehmigung der Redaktion,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
OBahziverlag GmbH 2007ISSN 133-2078&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_14.pdf|page=23}}I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FASTEN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEINE LEICHTE ÜBUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IN JEDER RELIGION SPIELT FASTEN EINE WICHTIGE ROLLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist in. In jeder besseren Reisezeitung&lt;br /&gt;
stehen die Angebote von Fastenkuren, Fastenwanderungen, Saftfasten unter Gleichgesinnten und ähnliches. Viele haben es schon probiert, die meisten waren davon angetan und&lt;br /&gt;
wären bereit, es wieder zu versuchen, oder sie&lt;br /&gt;
sind gleich so begeistert, dass sie es jedes Jahr&lt;br /&gt;
tun. Andere wiederum graust es bei der Vorstellung, dass sie zwei Wochen nichts zueessen&lt;br /&gt;
kriegen und nur von Wasser, Luft und Liebe leben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt die verschiedensten Gründe. Heute&lt;br /&gt;
am weitesten verbreitet: Fasten aus medizinischer Indikation. Damit werden Verdauungsund Ausscheidungsorgane entlastet und der&lt;br /&gt;
ganze Stoffwechsel mal etwas anders gepolt.&lt;br /&gt;
Meistens tut man es, um abzuspecken. Es ist&lt;br /&gt;
keine Frage, dass eine Fastenkur einen positiven Effekt auf die körperliche Verfassung des&lt;br /&gt;
Menschen ausübt. Manche fasten aus Überzeugung, weil sie darin eine geistige Komponente sehen, und manche fasten aus religiösen Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fasten ist „die freiwillige Einschränkung oder&lt;br /&gt;
gänzliche Enthaltung der Nahrung aus medizinischen oder religiösen Gründen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Religionen hat Fasten eine uralte Tradition:&lt;br /&gt;
. als Askese,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e als Übung der Selbstverleugnung und&lt;br /&gt;
Enthaltsamkeit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Förderungsmittel der Andacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Vorbereitung zu wichtigen Entschlüssen oder Taten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigungsritual zum Beispiel vor bestimmten Zeremonien,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« als Zeichen der Trauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Sühne und persönliches Opfer, etwa&lt;br /&gt;
nach einer schlimmen Tat,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. zur Sammlung von Willenskräften, etwa&lt;br /&gt;
um im Krieg oder auf der Jagd Glück zu&lt;br /&gt;
haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«e als Reinigung in Vorbereitung auf wichtige Dinge,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. als Mittel, um in Ekstase zu geraten oder&lt;br /&gt;
Visionen hervorzurufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um der Welt zu entsagen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um seinem Karma zu entgehen, in der&lt;br /&gt;
Yogapraxis zusammen mit anderen Reinigungsritualen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« _ zur Schulung geistiger Aktivitäten (Pythagoräer, kontemplative Gemeinschaften),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. um Naturkatastrophen abzuwehren, die&lt;br /&gt;
als besonders schlimm angesehen wurden: Sonnenfinsternis, Dürreperiode etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e und auch ganz einfach als sittliches und&lt;br /&gt;
gutes Werk an sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fasten zieht sich durch die Geschichte wie&lt;br /&gt;
ein roter Faden, und all diese Anwendungsbereiche haben mit der transzendenten Ebene&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_14.pdf|page=24}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun, überall wurde es als Verbindung hin&lt;br /&gt;
zum Göttlichen, zum Übermenschlichen angesehen, sowohl in den Hoch- wie den Naturreligionen. Beim religiösen Aspekt unterscheidet man noch zwischen dem Fasten als&lt;br /&gt;
völlige Enthaltsamkeit von Nahrung und dem&lt;br /&gt;
Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel. Auf&lt;br /&gt;
Speisen wie Fleisch und Getränke wie Wein&lt;br /&gt;
oder ganz allgemein berauschender Getränke zu verzichten, war früher offenbar eine besondere Leistung, denn die Enthaltung gerade&lt;br /&gt;
von diesen beiden findet sich in so gut wie allen Religionen als geistige Übung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Hochreligionen ist das Fasten meist an&lt;br /&gt;
bestimmte Tage oder Ereignisse gebunden. Im&lt;br /&gt;
Islam ist der 9. Monat des Jahres der Ramadan, der Fastenmonat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschrift lautet, von Sonnenaufgang bis&lt;br /&gt;
Sonnenuntergang nichts zu essen und nichts&lt;br /&gt;
zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das moslemische Jahr dem Mondjahrfolgt,&lt;br /&gt;
wandert dieser Monat im Jahreslauf mit, und&lt;br /&gt;
so kommt es vor, dass der Ramadan in den&lt;br /&gt;
Sommer fällt. Das führt in den meist in südlichen Breitengraden liegenden islamischen&lt;br /&gt;
Gesellschaften zu Problemen im täglichen Ablauf. Sich bei go Grad Celsius der Nahrung und&lt;br /&gt;
besonders des Trinkens zu enthalten, lähmt so&lt;br /&gt;
gut wie alle körperlichen Kräfte und Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem findet sich das Fasten im Alten Testament, und zwar oft als Akt der Demut und&lt;br /&gt;
Buße, um den Zorn Gottes abzuwenden. Man&lt;br /&gt;
fastete bei schweren Heimsuchungen. Als&lt;br /&gt;
Verordnung findet es sich zunächst nur für&lt;br /&gt;
den Versöhnungstag, später enthielt der jüdische Kalender fünf Fastentage zum Gedenken&lt;br /&gt;
an besondere Begebenheiten. Bibellesern sind&lt;br /&gt;
vor allem die Stellen bekannt, wo es von den&lt;br /&gt;
Propheten hieß, dass sie in die Wüste gingen&lt;br /&gt;
und fasteten. Man kann sagen, dass Fasten&lt;br /&gt;
ein Mittel ist, um in einen Zustand gesteigerter geistiger Sensibilität zu gelangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fest steht, dass es die Sinne schärft und neue&lt;br /&gt;
Sphären der Erkenntnisfähigkeit schafft. Es&lt;br /&gt;
fördert daher die Vergeistigung. Der Mensch&lt;br /&gt;
reduziert seine körperlichen Vorgänge, Automatismen wie die regelmäßige oder unsystematische Nahrungsaufnahme werden&lt;br /&gt;
abgebaut. Man reagiert bewusster. Man kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
feststellen, dass das Hungergefühl tatsächlich&lt;br /&gt;
nach etwa drei Tagen verschwindet. Es folgt,&lt;br /&gt;
wie es von vielen, die es versucht haben, beschrieben wird, die schöne Zeit ohne äußeres&lt;br /&gt;
Nahrungsbedürfnis, die Befreiung von der irdischen Gebundenheit an Magen und Körper.&lt;br /&gt;
Der Geist „erhebt“ sich über die Materie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt auch der Unterschied zwischen bewusstem Fasten und erzwungenem Hunger:&lt;br /&gt;
Gefastet wird aus klarer Einsicht, aus freiem&lt;br /&gt;
Willen, überlegenem Humor und für religiöse&lt;br /&gt;
Menschen aus Liebe zu Gott und seiner Manifestation, die dieses Gebot gebracht hat. Gehungert wird dagegen aus äußerem Zwang&lt;br /&gt;
und in blinder, zehrender Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gibt es die Fastenzeit vom&lt;br /&gt;
Aschermittwoch bis Ostern. Man trifft nicht&lt;br /&gt;
selten Menschen, die zwar der Kirche fernstehen, sich aber für die Fastenzeit bestimmte&lt;br /&gt;
Ziele gesetzt haben: nicht fernsehen, nicht&lt;br /&gt;
rauchen oder Verzicht auf Alkohol (damit kann&lt;br /&gt;
man jedes Jahr prüfen, obes noch ohne geht),&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fastengebot in den Religionen hat von&lt;br /&gt;
seiner ursprünglichen Absicht her sicherlich&lt;br /&gt;
zwei Funktionen, eine soziokulturelle oder&lt;br /&gt;
hygienische und die zweite, nämlich die vergeistigende, die geforderte Loslösung von der&lt;br /&gt;
Materie. Viele Menschen wehren verächtlich&lt;br /&gt;
ab, wenn sie hören, dass ihnen eine Religion&lt;br /&gt;
Fasten vorschreibt. Sie können und wollen&lt;br /&gt;
diesen Verzicht nicht üben. Dabei ist Fasten&lt;br /&gt;
eine überaus eindrucksvolle Übung in Sachen&lt;br /&gt;
Selbstdisziplin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baha’i-Religion schreibt ebenfalls eine&lt;br /&gt;
Fastenzeit vor. Sie dauert 19 Tage, und auch&lt;br /&gt;
hier gilt, sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jeglicher Speisen und Getränke&lt;br /&gt;
zu enthalten. Daher ist es kein Fasten in medizinischem Sinn. Dagegen opponieren viele&lt;br /&gt;
Außenstehende, weil sie das für medizinisch&lt;br /&gt;
falsch halten oder sogar gefährlich. Aber ein&lt;br /&gt;
gesunder Mensch hat keine echten Probleme&lt;br /&gt;
zu erwarten, außerdem ist der Baha‘i- Fastenmonat immer zur gleichen Jahreszeit, und&lt;br /&gt;
zwar Anfang März bis zum Bahä i-Neujahr am&lt;br /&gt;
21. März. Dann herrscht überall auf der welt&lt;br /&gt;
eine Tag- und Nachtgleiche, außerdem sind&lt;br /&gt;
klimatische Extreme in dieser Zeit nirgends zu&lt;br /&gt;
befürchten. Der Hauptunterschied zwischen&lt;br /&gt;
medizinischem Fasten und Baha‘i-Fasten liegt&lt;br /&gt;
in folgender Wirkung: Beim Fasten verschwin{{page|25|file=Tempora_14.pdf|page=25}}det nach etwa drei Tagen das Hungergefühl&lt;br /&gt;
Der Körper hat sich umgestellt und hält Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bahäi-Fasten dagegen tritt dieser Effekt&lt;br /&gt;
nicht auf,.denn man isst und trinkt ja morgens&lt;br /&gt;
und abends, und soknurrt einem der Magen&lt;br /&gt;
während dieser ganzen 19 Tage. Hier Ist unschwer zu erkennen, dass es sich um eine gelstige Übunghandelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen, die unbedingt abnehmen&lt;br /&gt;
wollen und daher notgedrungen fasten (müssen), sind für Ihre Umgebung eine wahre Zumutung In Ihrer schlechten Laune und ihrem&lt;br /&gt;
Missmut. Hier wird der Unterschied zwischen&lt;br /&gt;
dem materiellen, persönlichen Wunsch und&lt;br /&gt;
dem religlösen Gebot besonders deutlich, an&lt;br /&gt;
das sich zu halten dem Gläubigen viel leichter fällt. Voraussetzung dafür Ist freilich die&lt;br /&gt;
Anerkennung dieser höheren Autorität, die&lt;br /&gt;
Erkenntnis Gottes denn vor uns selbst haben&lt;br /&gt;
wir oft genug eher zu wenig Achtung, das&lt;br /&gt;
sieht man an der inkonsequenten Einhaltung&lt;br /&gt;
der eigenen guten Vorsätze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gläubiger Mensch, der fastet, schieit eben&lt;br /&gt;
nicht missmutig nach den kalten Buffet und&lt;br /&gt;
bedauert sich, er kann vielmehr leichten Herzens darauf verzichten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fasten als Gebot der Religion ist es&lt;br /&gt;
wie mit der Religion als Ganzes: Sie muss gelebt werden, nur dann ist sie glaubwürdig&lt;br /&gt;
Und sowird auch das Fasten, wenn esim Sinn&lt;br /&gt;
Bahä’utlähs gehalten wird, die Wirkung entfalten, die Er uns zugesagt hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monika Schramm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beieiner großen&lt;br /&gt;
Tageszeitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
arbeitet als Redakteurin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jede Stunde dieser S&lt;br /&gt;
Tage hast Du mit einer&lt;br /&gt;
besonderen Wirkkraft&lt;br /&gt;
ausgestattet, unerforschlich allen außer Dir,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Wissen alles&lt;br /&gt;
Erschaffene umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hast Du jede Seele&lt;br /&gt;
an dieser Wirkkraft&lt;br /&gt;
teilhaben lassen gemäß&lt;br /&gt;
der Tafel Deines&lt;br /&gt;
Ratschlusses und den&lt;br /&gt;
Schriften Deines&lt;br /&gt;
unwiderruflichen&lt;br /&gt;
Urteils.“ &lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_14.pdf|page=26}}WENN SELBST DIE EINFACHSTEN&lt;br /&gt;
DINGE NICHT KLAPPEN:&lt;br /&gt;
Erfahrungen in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anti-Aging, Deifin-Therapie oder therapeutisches Reiten: All das ist hierzulande als Heilmethode anerkannt. Aber es gibt Immer noch&lt;br /&gt;
Länder, in denen nichteinmal der Luxus erlaubt&lt;br /&gt;
ist, über Gesundheit nachzudenken. Daher hat&lt;br /&gt;
die Tempora-Redaktion entschieden, die Leser&lt;br /&gt;
mit einem Bericht aus dem „Land der Aufrechten“, aus Burkina Faso, zu konfrontieren, einem&lt;br /&gt;
‚der ärmsten Länder dieser Welt. Es ranglert laut&lt;br /&gt;
einer UN-Studie auf Platz 174 von 177 Ländern,&lt;br /&gt;
‚Mehr als 45 Prozent der 13 Millionen Einwohner leben unter der nationalen Armutsgrenze,&lt;br /&gt;
die Analphabetenquote der Erwachsenen beträgt 78,2 Prozent. Knapp 40 Prozent der Kinder&lt;br /&gt;
unter fünf Jahren sind mangelernährt. Auf die&lt;br /&gt;
Frage, was die meist bäuerlichen Einwohner&lt;br /&gt;
mitdem Thema „Gesundheit“ assozileren, antwortete die Autorin: „Gesundheit ist hier einfach die Abwesenheit von Krankheit, und was&lt;br /&gt;
die Burkmabe tun für Ihre Gesundheit? Nichts,&lt;br /&gt;
sie müssen sehen, wie sie über die Runden kommen, dass sie genug zu essen haben. Von gesunder Emährung hat hier niemand Ahnung,&lt;br /&gt;
selbst wenn genug Geld da wäre, ernähren sich&lt;br /&gt;
die Leute nicht gesund. Gemüse wird In Afrika&lt;br /&gt;
grundsätzlich verkocht, Öl wird als Luxusprodukt oft zu üppig verwendet, um den Wert der&lt;br /&gt;
Nahrungzu erhöhen. Sportmachennur wenige&lt;br /&gt;
Leute bewusst; die meisten unfrelwilig In Form&lt;br /&gt;
harter körperlicher Arbeit, und das ist der Gesundheit auch nicht unbedingt zuträglich. An&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den entlegenen Dörfern stehen den Einwohnern nur traditionelle Heilmethoden zur Verfügung,&lt;br /&gt;
Die Transportkosten in eine größere Stadtmit Krankenhaus sind für viele zuhoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen dürfte sich&lt;br /&gt;
kurzfristig kaum etwas ändern. Solche Projekte&lt;br /&gt;
könnten höchstens von Internationalen Geld‚geben gesponsert werden. Und die Arztmisere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
istgroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W, hatten schon unsere Geschenktü&lt;br /&gt;
te gepackt: Anziehsachen und Spielzeug für&lt;br /&gt;
das Neugeborene. Die Cousine meines burkinischen Mannes solltediesen Monat ein Kind&lt;br /&gt;
bekommen.Da klopft eseinesMorgensanunsereTüre:Soumai&#039;hattevor zweiTagenihrkind&lt;br /&gt;
‚geboren, aber nun ist es tot. Was war passiert?&lt;br /&gt;
Schließlich befinden wir unsin Ouagadougou,&lt;br /&gt;
der Hauptstadt Burkina Fasos wo es die besten Kliniken des Landes gibt. Früher sagte&lt;br /&gt;
man hier von einer Schwangeren: Sie hat ein&lt;br /&gt;
Bein im Grab. Lebte Soumai&#039; immer noch in&lt;br /&gt;
ihrem Dorf. dann hätte Ihr Mann sie bestenfalls auf dem Gepäckträger seines Fahrrads&lt;br /&gt;
in das nächste Dispensalre® gebracht. Und im&lt;br /&gt;
schlechtesten Fall hätte ste Ihr Baby allein im&lt;br /&gt;
Busch bekommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen der Fulbe, deren Ethnie die Familie meines Mannes angehört, sind sehr stolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Temegeindart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Fra Bersichnungdereinfschen Dorfkranlanäuser im&lt;br /&gt;
Frankephonen false of nurvon einem Pfkgerbetrutwerkn,&lt;br /&gt;
(derärs kommt nureinoder sei MalinderWochevorbei&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_14.pdf|page=27}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= &amp;gt; we&lt;br /&gt;
Die wenigsten Menschen mit Gehbehinderung&lt;br /&gt;
in Burkina Faso haben einen Rollstuhl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionellerweise gebären sie ihre Kinder in&lt;br /&gt;
stiller Abgeschiedenheit, weil sie nicht wollen, dass jemand ihre Schreie hört. Sie wählen&lt;br /&gt;
lieber das Risiko zu sterben als die Scham. Bis&lt;br /&gt;
heute bestehen manche der Fulbefrauen auf&lt;br /&gt;
dieser Intimität. Im Gegensatz dazu gibt es in&lt;br /&gt;
Europa Ehemänner, die ihre gebärende Frau&lt;br /&gt;
filmen, im Privatfernsehen kann man sogar&lt;br /&gt;
regelmäßig Geburten verfolgen. Ein Paradox!&lt;br /&gt;
Der Tod ist den Menschen hier näher als den&lt;br /&gt;
Europäern. Auf meinem Weg zur Arbeit sehe&lt;br /&gt;
ich bei jedem Ampelhalt Menschen, die Opfer&lt;br /&gt;
verschiedener Krankheiten sind. Sie sind alte&lt;br /&gt;
Bekannte für mich: Da gibt es den überaus&lt;br /&gt;
höflichen Mann, der sich aufgrund von Kinderlähmung mehr schlecht als recht in der Hocke&lt;br /&gt;
fortbewegt - trotzdem scheint er immer gut&lt;br /&gt;
gelaunt zu sein, er lächelt immer freundlich.&lt;br /&gt;
Ein anderer mit Lepra hat Mühe, das erhaltene Kleingeld in seine Tasche zu stecken, weil&lt;br /&gt;
er nur noch Fingerstummel hat. Die Frau&lt;br /&gt;
mit den Zwillingen, von denen ich dachte,&lt;br /&gt;
sie seien neugeboren, weil sie so winzig sind&lt;br /&gt;
— bis ich sie eines Tages stehen sah! Sie sind&lt;br /&gt;
schlichtweg mangelernährt. So stehen sie jeden Tag an ihrer Ampel, der Sonne und den&lt;br /&gt;
Abgasen ausgesetzt, nurdarauf wartend, dass&lt;br /&gt;
ihnen ein Autofahrer ein bisschen von seinem&lt;br /&gt;
Wohlstand abgibt. Solche Krankheiten oder&lt;br /&gt;
Unterernährung kann man in Europa nicht&lt;br /&gt;
beobachten. In Deutschland beklagen sich die&lt;br /&gt;
Leute darüber, dass sie jetzt im Quartal zehn&lt;br /&gt;
Euro für die Krankenkasse zuzahlen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fulbefrau beim Hirsestampfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Geburt immer ein Risiko,&lt;br /&gt;
doch die Nachricht traf uns völlig unerwartet.&lt;br /&gt;
Soumai ist doch so eine junge und gesunde&lt;br /&gt;
Frau, die hier unter den bestmöglichen Bedingungen ihr Kind bekommen hatte. Nach dem&lt;br /&gt;
ersten Schock versammeln sich die inder Nähe&lt;br /&gt;
wohnenden Cousins, darunter mein Mann,&lt;br /&gt;
und fahren gemeinsam ins Krankenhaus. Ich&lt;br /&gt;
selbst bleibe mit meiner vier Monate alten&lt;br /&gt;
Tochter zu Hause und bin nochmals dankbar,&lt;br /&gt;
dass ich sie in Deutschland bekommen habe.&lt;br /&gt;
Wir waren in den besten Händen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Burkina dagegen gibt es viel zu wenig Ärzte&lt;br /&gt;
und vor allem viel zu wenig gute. Diejenigen,&lt;br /&gt;
die eine ordentliche Ausbildung in Europa erhalten haben, ziehen es meist vor auszuwandern. Die Verdienstmöglichkeiten in Burkina&lt;br /&gt;
sind schlecht, die Patienten können nicht viel&lt;br /&gt;
bezahlen. In den staatlichen Krankenhäusern&lt;br /&gt;
kostet eine Konsultation etwa 1,50 Euro - und&lt;br /&gt;
meist ist sie auch nicht mehr wert. Ein Besuch&lt;br /&gt;
bei den Spitzenärzten in Ouagadougou kostet&lt;br /&gt;
etwa 15 Euro. Für den Betrag würden europaä&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_14.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ische Ärzte nicht einmal den Telefonhörer abheben. Diese Situation führt dazu, dass man&lt;br /&gt;
in Burkina gar nicht Medizin studieren kann.&lt;br /&gt;
Denn es gibt - aus dem gleichen Grund - keine Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mein Mann zurückkommt, erklärt er mir,&lt;br /&gt;
was passiert Ist. Das Kind war übertragen, das&lt;br /&gt;
heißt, es war einfach zu lange Im Bauch geblieben. Die Ärzte sagten, sie selen überrascht&lt;br /&gt;
gewesen, dass es überhaupt zwei Tage überlebt habe. Ich bin schockiert: Ein so simples&lt;br /&gt;
Problem und sie haben soumai nicht geholfen? Auch einfache Kliniken hier beherrschen&lt;br /&gt;
den Kalserschnitt. Davon abgesehen gibt es&lt;br /&gt;
auch Hausmittel, um eine Geburt einzuleiten. Die Reaktion der ebenfalls schockierten&lt;br /&gt;
Cousins und Cousinen: Gott hat es so gewollt.&lt;br /&gt;
Aha, Gott hat also mal wieder zugeschlagen.&lt;br /&gt;
Der einzige Gedanke, der Trost spenden kann.&lt;br /&gt;
somit klagt niemand die Ärzte an- das Leben&lt;br /&gt;
muss weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traditionelles Haus der nomadisierenden Fulbe&lt;br /&gt;
aus Strohmatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Valerie Diallo,&lt;br /&gt;
Agraringenieurin,&lt;br /&gt;
arbeitet seit Mai 2005&lt;br /&gt;
für den Deutschen&lt;br /&gt;
Entwicklungsdienst&lt;br /&gt;
in Burkina Faso&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann die Unfähigkeit dieser Ärzte nicht&lt;br /&gt;
begreifen. Meine bisherigen Erfahrungen mit&lt;br /&gt;
den medizinischen Einrichtungen des Landes waren ebenfalls ziemlich schlecht. Es gibt&lt;br /&gt;
nur eine Klinik, die ich empfehlen würde. Sie&lt;br /&gt;
wird von einem burkinisch-französischen Paar&lt;br /&gt;
geleitet, beide Ärzte haben in Frankreich studiert. Beide sind sehr engagiert und nehmen&lt;br /&gt;
sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, obwohl&lt;br /&gt;
sie total überlastet sind: Sie arbeiten selbst&lt;br /&gt;
am Wochenende und an Feiertagen. Damit&lt;br /&gt;
auch weniger betuchte Kranke Zugang haben,&lt;br /&gt;
gibt es drei verschiedene Tarife: für Patienten&lt;br /&gt;
ohne, mit und mit internationaler Versicherung. Doch bei all meiner Bewunderung für&lt;br /&gt;
ihren Einsatz frage Ich mich, wann die Kinder&lt;br /&gt;
dieses Ärztepaars ihre Eltern überhaupt zu&lt;br /&gt;
Gesicht bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später kommt Soumai&#039; uns besuchen. Man sieht ihr den Verlust nicht an. Sie Ist&lt;br /&gt;
so tapfer, nimmt unsere Tochter in die Arme&lt;br /&gt;
und macht Scherze,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basisdaten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einwohnerzahl: 13.228.000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIP pro Kopf (2003): 1,262 US - Dollar&lt;br /&gt;
Lebenserwartung M/F: 47/48 Jahre&lt;br /&gt;
Kindersterblichkeit J/M (auf 1000): 193/197&lt;br /&gt;
Müttersterblichkeit: (auf100 000&lt;br /&gt;
Lebendgeburten, 2000): 1000&lt;br /&gt;
Gesundheitsausgaben pro Einwohner (2003):&lt;br /&gt;
68 US-Dollar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzahl der Ärzte für 1000 Einwohner: 0,06&lt;br /&gt;
Anzahl der Krankenpfleger für 1000&lt;br /&gt;
Einwohner: 0,41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle : Datenbank der WHO, Bericht über die&lt;br /&gt;
weltweite Aldsepidemie 2006, Bericht über die&lt;br /&gt;
menschliche Entwicklung UNDP&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_14.pdf|page=29}}Aus dem Gleichgewicht geraten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Betrachtung aus Schweizer Sicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder sind das Potenzial der Zukunft. Wir&lt;br /&gt;
tragen die Verantwortung dafür, dass sie gesund sind und es auch bleiben. Kinder und Jugendliche bedürfen unseres ganz besonderen&lt;br /&gt;
Schutzes. Sie wachsen unter den Rahmenbedingungen heran, die ihnen unsere Gesellschaft und unsere kulturellen Vorstellungen&lt;br /&gt;
vorgeben und vorleben. International ist eine&lt;br /&gt;
Zunahme von übergewichtigen Kindern und&lt;br /&gt;
Jugendlichen zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits&lt;br /&gt;
1997 die Fettleibigkeit als ein großes Problem&lt;br /&gt;
der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und&lt;br /&gt;
spricht mittlerweile von einer weltweiten&lt;br /&gt;
Epidemie. Daher wurden auf verschiedenen&lt;br /&gt;
Ebenen Anstrengungen unternommen, die&lt;br /&gt;
Ursachen hierfür zu untersuchen, geeignete&lt;br /&gt;
Behandlungsstrategien zu entwickeln sowie&lt;br /&gt;
präventive Maßnahmen einzuleiten, um dieser Entwicklung sowie den damit verbundenen Begleit- und Folgeerkrankungen gegenzusteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Definition&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als übergewichtig gilt jeder, der mehr wiegt&lt;br /&gt;
als die Norm. Zur Bestimmung von Überge&lt;br /&gt;
wicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter werden entsprechende&lt;br /&gt;
Berechnungen angestellt. Eine davon ist der&lt;br /&gt;
Body Mass Index (BMI), er wird für jedes Kind&lt;br /&gt;
entsprechend seinem Alter bestimmt. Liegt es&lt;br /&gt;
mit seinem BMI jenseits seiner Maßgabe, ist&lt;br /&gt;
es adipös und sollte behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Ursachen und der Aufrechterhaltung der Adipositas werden heute vielfältige biologische, psychische und soziokulturelle&lt;br /&gt;
Faktoren diskutiert. Übergewicht resultiert&lt;br /&gt;
aus einem Ungleichgewicht zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch, die Ursachen dafür&lt;br /&gt;
können einerseits auf die genetische Disposition zurückgeführt werden und sind anderseits im Lebensstil gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übergewichtige Kinder leiden&lt;br /&gt;
körperlich und seelisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Übermaß an Fettreserven ist nicht in jedem Fall direkt gesundheitsschädigend, wohl&lt;br /&gt;
aber dann, wenn Risikofaktoren damit einhergehen. Die körperlichen Folgen der Adipositas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_14.pdf|page=30}}30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei Kindern gleichen mit zunehmender Krankheitsdauer denjenigen von Erwachsenen und&lt;br /&gt;
umfassen ein erhöhtes Risiko unter anderem&lt;br /&gt;
für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes melIitus, orthopädische Beschwerden und Leberverfettung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer von körperlichen Risikofaktoren sind&lt;br /&gt;
adipöse Kinder auch von psychosozialen Auswirkungen betroffen. Sie werden früh mit&lt;br /&gt;
negativen Einstellungen gegenüber ihrem&lt;br /&gt;
Aussehen konfrontiert. Bereits Sechsjährige&lt;br /&gt;
beurteilen ein übergewichtiges Kind nur aufgrund seiner Erscheinung als ‚faul,schmutzig,&lt;br /&gt;
dumm und unattraktiv&amp;quot;. Adipöse Kinder entwickeln häufiger als Normalgewichtige ein&lt;br /&gt;
negativ gefärbtes Körperbild sowie Schulprobleme und Kontaktschwierigkeiten. Aktuelle&lt;br /&gt;
Befunde weisen darauf hin, dass psychische&lt;br /&gt;
Störungen zwar nicht deutlich gehäuft auftreten. Bleibt die Adipositas jedoch bestehen, so&lt;br /&gt;
scheint sie das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter affektive und Angststörungen zu&lt;br /&gt;
entwickeln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kostenlawine rollt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den gewichtigen Zahlen sind auch enorme Kosten verbunden. Der WHO-Report 2000&lt;br /&gt;
geht davon aus, dass etwa zwei bis sieben Prozent der Kosten im Gesundheitswesen direkt&lt;br /&gt;
der Adipositas zugeschrieben werden können&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden bis zum heutigen Zeitpunkt die Kosten für die Ernährungstherapie&lt;br /&gt;
bei übergewichtigen und adipösen Kindern&lt;br /&gt;
und Jugendlichen nicht übernommen. Erst die&lt;br /&gt;
Folgeerscheinungen werden von der jewelligen Krankenkasse bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verantwortung der Gesellschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch, seit jeher erfinderisch, wenn es&lt;br /&gt;
darum geht, sich das Leben so bequem wie&lt;br /&gt;
möglich zu gestalten, hat sich im 20. Jahrhundert an Fortschritt selbst übertroffen. Bisher&lt;br /&gt;
wurde viel Aufwand betrieben, einzelne Sündenböcke für das Adipositasproblem zu finden. Nährstoffe, Nahrungsfaktoren, einzelne&lt;br /&gt;
Lebensmittel, die Mahlzeitenfrequenzen und&lt;br /&gt;
die Portionengröße - kaum etwas, was nicht&lt;br /&gt;
im Einzelnen bereits untersucht wurde. Im&lt;br /&gt;
Zuge der Betrachtung sorgen immer wieder&lt;br /&gt;
Berichte über die Softdrink-, Fastfood- und&lt;br /&gt;
Snackfood-Industrie für Schlagzeilen. Ansatzpunkte für Kritik gibt es genügend. Der Kon&lt;br /&gt;
sum dieser Dinge steigt sowohl in den Industrie, als auch in den Entwicklungsländern;&lt;br /&gt;
zu fett, zu süß, zu energiedicht, zu groß sind&lt;br /&gt;
die angebotenen - und verzehrten - Mengen.&lt;br /&gt;
Auch die Werbung der Lebensmittelindustrie&lt;br /&gt;
und ihr Einfluss auf die Kinder wurden untersucht. Allein in den Vereinigten Staaten gibt&lt;br /&gt;
die einschlägige Industrie Jährlich 10 Milliarden Dollar für Werbung aus, die sich an Schulkinder richtet. Auch bei uns sind an Schulen&lt;br /&gt;
Automaten mit zuckerreichen Softdrinks und&lt;br /&gt;
hochkalorischen Snacks zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichgewicht des Körpers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Energiebilanz ist aber nicht nur aufgrund&lt;br /&gt;
eines Nahrungsüberangebots ausdem Gleichgewicht geraten, eine ebenso wichtige Rolle&lt;br /&gt;
spielt der zunehmende Bewegungsmangel&lt;br /&gt;
unserer Gesellschaft. Der sich weltweit ausbreitende „Fernsehvirus“ gilt ebenso wie der&lt;br /&gt;
„Computervirus“ als einer der wichtigsten&lt;br /&gt;
Gründe für Inaktivität. Vielseher sind eindeutig dicker, nicht nur infolge eingeschränkter&lt;br /&gt;
Bewegung, sondern auch infolge exzessiv&lt;br /&gt;
betriebenen Snacking währenddessen. Jeden&lt;br /&gt;
Tag sitzen wir durchschnittlich etwa zweleinhalb Stunden vor dem Fernsehgerät, Kinder&lt;br /&gt;
zwischen 3 und 14 Jahren durchschnittlich&lt;br /&gt;
etwa eineinhalb Stunden. Noch höher sind&lt;br /&gt;
die Zahlen bei Kindern, die ein Gerät in ihrem&lt;br /&gt;
Zimmer haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Therapieangebote&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gilt: Je früher, desto erfolgreicher und langfristiger können Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Das bedarf&lt;br /&gt;
einer engen Zusammenarbeit mit Experten,&lt;br /&gt;
beiden Eltern sowie weiteren Bezugspersonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_14.pdf|page=31}}Angesichts des hohen Stellenwerts der Ernährung für die öffentliche Gesundheit ist&lt;br /&gt;
eine objektive und transparente Information&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig ist es jedoch, dass sich die&lt;br /&gt;
Verbraucher vermehrt Gedanken über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit machen und sich Rechenschaft ablegen über ihr tatsächliches Essverhalten. Denn&lt;br /&gt;
der Fünfte schweizerische Ernährungsbericht&lt;br /&gt;
zeigt es klar: Beim Essverhalten besteht ein&lt;br /&gt;
großes Verbesserungspotenzial für die Volksgesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein gilt: Der Gesundheit förderlich ist&lt;br /&gt;
die Ernährung dann, wenn sie dem jeweiligen&lt;br /&gt;
Energiebedarf angepasst ist, abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt&lt;br /&gt;
wird und einen hohen Anteil an Früchten und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemüse aufweist. Functional Food kann eine&lt;br /&gt;
bewusste Ernährung im besten Fall sinnvoll&lt;br /&gt;
ergänzen. Eine einseitige Ernährung kann&lt;br /&gt;
auch mit einem erhöhten Konsum solcher&lt;br /&gt;
Produkte nicht ausgeglichen werden. Keinesfalls können damit gravierende Ernährungsfehler behoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Erziehung und&lt;br /&gt;
Ausbildung der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder gehört zu den&lt;br /&gt;
verdienstvollsten Taten&lt;br /&gt;
der Menschheit. Sie zieht&lt;br /&gt;
die Gnade und den Segen&lt;br /&gt;
des Allbarmherzigen auf&lt;br /&gt;
sich; denn Erziehung ist die&lt;br /&gt;
unentbehrliche Grundlage&lt;br /&gt;
jeder herausragenden&lt;br /&gt;
menschlichen Leistung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und erlaubt dem Menschen,&lt;br /&gt;
sich seinen Weg zu den&lt;br /&gt;
Höhen immerwährender&lt;br /&gt;
Herrlichkeit zu bahnen.“&lt;br /&gt;
Abdu‘l-Bahä&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shima Yazdani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl. Ernährungsberaterin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Universitäts-Kinderspital&lt;br /&gt;
in Basel, Abteilung&lt;br /&gt;
Ernährungsberatung Pädiatrie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3l&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_14.pdf|page=32}}DURCH&lt;br /&gt;
GEZIELTE&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
KRANKHEITEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine philosophische&lt;br /&gt;
Abhandlung über&lt;br /&gt;
ganzheitliche Heilmethoden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeuten Gesundheit, Krankheit, Ernährung? Wie können wir mit Nahrung die ursprüngliche Gesundheit sowie die Harmonie&lt;br /&gt;
im Körper wiederherstellen? Die ganzheitlichen, auf Ernährung basierenden Heilmethoden sind eine logisch-systematische, mit den&lt;br /&gt;
Naturgesetzen im Einklang stehende Wissenschaft. Sie sind In ihren Grundzügen Jahrtausendealt, wurden jedoch zu unterschiedlichen&lt;br /&gt;
Zeiten immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte außergewöhnlich fähige Arzt und&lt;br /&gt;
Philosoph, der diese Wissenschaft erneuert&lt;br /&gt;
und auf das Wesentliche konzentriert hat,&lt;br /&gt;
war Saber Moltanie, der vor etwa 100 Jahren&lt;br /&gt;
in Pakistan lebte und wirkte. Er veröffentlichte seine wissenschaftlichen Forschungen und&lt;br /&gt;
Abhandlungen unter dem Titel „Elementare&lt;br /&gt;
Organtheorie“,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei handelt es sich um die Lehre von den&lt;br /&gt;
einzelnen Zellen in den drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
des Organismus: Des Nervensystems mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Gehirn als Zentrum, des Muskelsystems&lt;br /&gt;
mit dem Herz und des Epithelsystems mit&lt;br /&gt;
der Leber als Mittelpunkt, die durch den Blutkreislauf miteinander verbunden sind, einen&lt;br /&gt;
selbstständigen Kreislaufbilden und so die gesamte Funktion des Körpers beherrschen und&lt;br /&gt;
koordinieren. Zuvor sollen aber das Wesen des&lt;br /&gt;
angeborenen Wissens und die fundamentale&lt;br /&gt;
Frage über die Grundwahrheiten der Schöpfung Gottes betont werden, etwa die Frage&lt;br /&gt;
nach der Entstehung der Elemente. Wir müssen verstehen, dass in der Natur immer und&lt;br /&gt;
jederzeit alles als Möglichkeit vorhanden ist,&lt;br /&gt;
wenn auch verborgen. Das Wesen der Krankheit ist immer da, wenn auch unsichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit ist demnach nur die Abwesenheit&lt;br /&gt;
von Gesundheit, so wie Dunkelheit nur die&lt;br /&gt;
Abwesenheit des Lichtes Ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem müssen wir uns bewusst werden,&lt;br /&gt;
dassalles in diesem unendlichen Kosmos nach&lt;br /&gt;
bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft. Und&lt;br /&gt;
diese Gesetze sind durch die Allmacht Gottes&lt;br /&gt;
{{page|33|file=Tempora_14.pdf|page=33}}ins Leben gerufen worden. Sie ist die Kraft, mit&lt;br /&gt;
der sich der Schöpfer alles in seiner Schöpfung&lt;br /&gt;
unterworfen hat. Für die Umsetzung dieser&lt;br /&gt;
Kraft hat Er bestimmte allumfassende Gesetzmäßigkeiten geschaffen, die als „das Gesetz“&lt;br /&gt;
(das Festgeschriebene) bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Die Natur ist die Kraft, durch die alles sichtbar&lt;br /&gt;
wird und alles Leben ständigVerwandlung und&lt;br /&gt;
Entwicklung erfährt. Sie spiegelt das Gesetz&lt;br /&gt;
der Allmacht wider, wie ein Spiegel das Bild&lt;br /&gt;
der Sonne widerspiegelt.Damit entspricht die&lt;br /&gt;
Natur dem Gesetz und dem Willen Gottes. Infolge dessen ist die Gesundheit ebenfalls den&lt;br /&gt;
Gesetzen der Allmacht Gottes unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Gesundheit ist das Suchen,&lt;br /&gt;
Erkennen, Verstehen und Einhalten dieser&lt;br /&gt;
Gesetze. Es ist wahr und einleuchtend, dass&lt;br /&gt;
der Schöpfer Seine Schöpfung nach seinem&lt;br /&gt;
eigenen Willen erschaffen hat, dass alle Bewegungen und Entwicklungen im Mikro- und&lt;br /&gt;
Makrokosmos miteinander verknüpft sind&lt;br /&gt;
und von Seinem Willen abhängen. Oberflächlich betrachtet scheint es, als ob alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung zwangsläufig so und nicht anders&lt;br /&gt;
funktioniert. Geht man aber in die Tiefe, wird&lt;br /&gt;
das Prinzip von Aktion und Reaktion als Konsequenz von Handlungen sichtbar. Das bedeutet,&lt;br /&gt;
dass alles aufeinander wirkt und in Beziehung&lt;br /&gt;
zueinander steht. Jede Aktion bedingt eine&lt;br /&gt;
Reaktion, aus der Konsequenzen folgen. Diese&lt;br /&gt;
drei Komponenten sind eng miteinander verbunden und Ausdruck der Naturgesetze. Hierin wird die absolute Weisheit des Schöpfers&lt;br /&gt;
und Seines Willens deutlich, indem alles in der&lt;br /&gt;
Schöpfung nach Gesetzmäßigkeiten erschaffen ist, die wir als Naturgesetze bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Naturgesetze sind logische Wahrheiten&lt;br /&gt;
und entsprechen dem Willen Gottes. Die Anerkennung und Einhaltung von Gottes Willen ist die Voraussetzung für inneren Frieden,&lt;br /&gt;
Ausgewogenheit und wahre Freiheit.Das alles&lt;br /&gt;
setzt wiederum voraus, dass wir die Wahrheit,&lt;br /&gt;
die nur eine ist, erkennen, sie lieben und ihr&lt;br /&gt;
dienen. Wenn man die Wahrheit missachtet,&lt;br /&gt;
dann stellt man sich gegen den Willen Gottes&lt;br /&gt;
und das führt meist zur Missachtung der Naturgesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konsequenzen daraus werden in drei Bereichen sichtbar: im persönlichen, im gesellschaftlichen sowie im kosmischen Bereich. Sie&lt;br /&gt;
bringen die Abläufe im Mikro- und Makrokosmos aus dem Gleichgewicht. Die alltäglichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen und Abläufe im Leben und die&lt;br /&gt;
Funktionen der Systeme im Körper werden gestört. Daraus folgt ein Zustand der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise merkt der Mensch, wenn seine Lebensfunktionen durcheinander geraten&lt;br /&gt;
und dadurch Krankheiten entstehen. Aber nur&lt;br /&gt;
wenigen Menschen ist bewusst, dass wegen&lt;br /&gt;
des schlechten Umgangs mit der Natur die&lt;br /&gt;
Harmonie des Kosmos aus dem Gleichgewicht&lt;br /&gt;
gerät und daraus Katastrophen entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Schöpfung sind alle Teilchen&lt;br /&gt;
eng miteinander verbunden, so wie die Zellen eines menschlichen Körpers. Hier verbindet der Blutkreislauf die einzelnen Zellen und&lt;br /&gt;
gewährleistet den Informationsfluss und die&lt;br /&gt;
Ernährung, da im Blut alle lebenswichtigen&lt;br /&gt;
Dinge kreisen, wie Wärme, Flüssigkeit, chemische Verbindungen und andere Stoffe. So&lt;br /&gt;
wie das Blut im Körper verbindet das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre in der Natur alle Teilchen&lt;br /&gt;
miteinander. Das bedeutet, dass die Erde ein&lt;br /&gt;
lebendiger Organismus ist und dementsprechend funktioniert. In der Atmosphäre kreisen&lt;br /&gt;
ebenfalls Wärme, Flüssigkeit/Feuchtigkeit,&lt;br /&gt;
chemische Stoffe und Verbindungen sowie&lt;br /&gt;
verschiedene Gase und Wellen, die sich selbst&lt;br /&gt;
regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Nadelstich löst im menschlichen Körper&lt;br /&gt;
Schmerzen, Reiz und Schwellung aus. Dieser&lt;br /&gt;
Zustand führt zu Veränderungen verschiedener Art im Körper und veranlasst die Kräfte des&lt;br /&gt;
Körpers, sich auf diese Stelle zu konzentrieren,&lt;br /&gt;
um sie zu heilen. Genauso ist es, wenn der&lt;br /&gt;
Natur Störungen und Reize zugefügt werden.&lt;br /&gt;
Es entstehen an dieser Stelle Ansammlungen&lt;br /&gt;
verschiedener Kräfte, die durch das Medium&lt;br /&gt;
oder die Atmosphäre an einer anderen Stelle&lt;br /&gt;
zu einer Katastrophe führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss die Wahrhaftigkeit als Grundstein&lt;br /&gt;
aller Tugenden hervorgehoben werden. Wenn&lt;br /&gt;
man sich ihr verpflichtet, dann gehen daraus&lt;br /&gt;
liebevolle, gerechte Taten hervor - was dem&lt;br /&gt;
Willen Gottes entspricht. Das ist der Zustand&lt;br /&gt;
der Freude, des Friedens, der inneren Freiheit&lt;br /&gt;
und der wahren Gesundheit. Das Gegenteil&lt;br /&gt;
davon ist der Zustand der Rebellion, des Leides, der Katastrophen und der Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinsten nicht mehr teilbaren in der Natur vorkommenden Teilchen bezeichnet man&lt;br /&gt;
als Elemente, aus denen alle Daseinsstufen in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|34|file=Tempora_14.pdf|page=34}}34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Schöpfung Gottes - ob Mineral, Pflanze,&lt;br /&gt;
Tier oder Mensch - zusammengesetzt sind.&lt;br /&gt;
Diese sind Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedes&lt;br /&gt;
Element hat ein unveränderbares \WVesen, das&lt;br /&gt;
zu den Grundwahrheiten gezählt und als dessen Temperament bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
Das Wesen des Feuers Ist heiß und das des&lt;br /&gt;
Wassers feucht - Feuer erwärmt Wasser und&lt;br /&gt;
Wasser löscht Feuer! Das ist eine unumstößliche Grundwahrheit der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt diese Elemente aufeinander wirken, dann entsteht ein angenommenes neues Temperament, das nie einzeln in der Natur&lt;br /&gt;
vorkommt, als kombinierte Form, wie feuchtwarm oder feucht-kalt. Der Schöpfer hat für&lt;br /&gt;
alle Daseinsstufen eine spezifische Aufgabe&lt;br /&gt;
bestimmt und zu deren Erfüllung ein geeignetes Temperament erschaffen. Beim Menschen&lt;br /&gt;
können diese angenommenen Temperamente durch Ernährung, das Alter, Klimawechsel,&lt;br /&gt;
Krankheiten, Angst, Stress, psychische und&lt;br /&gt;
physische Traumata verändert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle in der Schöpfung vorhandenen Temperamente sind „angenommene (relative) Temperamente“. Folglich muss in der Schöpfung&lt;br /&gt;
auch ein echtes (absolutes), unerreichbares&lt;br /&gt;
Temperament existieren. Ein Temperament,&lt;br /&gt;
das dem „echten“ am nächsten steht, ist am&lt;br /&gt;
ehesten im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit den anderen Daseinsstufen&lt;br /&gt;
steht der Mensch diesem „echten“ Temperament am nächsten. Daher wurde er als Krone&lt;br /&gt;
der Schöpfung bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufeinanderwirken der kombinierten Temperamente entstehen bestimmte Substanzen mit spezifischen Säften. Diese&lt;br /&gt;
enthalten feste und flüssige Bestandteile.&lt;br /&gt;
Aus den festen Bestandteilen der jeweiligen&lt;br /&gt;
Säfte entstehen spezifische Zellen (Nerven,&lt;br /&gt;
Muskeln, Epithel), die sich durch weitere Entwicklungsprozesse zu spezifischem Gewebe&lt;br /&gt;
organisieren, und daraus werden komplexe&lt;br /&gt;
Systeme, wie das Nerven-, das Epithel- und&lt;br /&gt;
das Muskelsystem mit ihren spezifischen Säften (Schleim, Soda und Safra/Galle). Sie sind&lt;br /&gt;
die Hauptorgane oder Hauptsysteme im Körper und anteiligaus allen drei Hauptsystemen&lt;br /&gt;
aufgebaut. Daher muss auch klar sein, dass&lt;br /&gt;
die Zellen der Hauptorgane ein spezifisch&lt;br /&gt;
kombiniertes Temperament haben (beispielsweise Ist das Temperament von Nervenzellen&lt;br /&gt;
feucht-warm oder feucht-kalt; von Muskelzellen trocken-warm oder trocken-kalt; von Epithelzellen warm-trocken oder warm-feucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zellen müssen sich ihrem Temperament&lt;br /&gt;
entsprechend ernähren, damit sie am Leben&lt;br /&gt;
bleiben, sich vermehren und ihre spezifischen&lt;br /&gt;
Funktionen erfüllen können. Sie nehmen nur&lt;br /&gt;
die Säfte oder die Nahrung aus dem Blut auf,&lt;br /&gt;
die für ihr Temperament bestimmt sind. Alle&lt;br /&gt;
komplexen Organismen haben diese drei&lt;br /&gt;
Hauptorgane oder -systeme, die zusammen&lt;br /&gt;
mit der Seele, dem Blut und dem Skelett einen&lt;br /&gt;
funktionierenden Organismus ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles Lebendige muss ernährt werden, und&lt;br /&gt;
das Geheimnis der Nahrungsaufnahme und&lt;br /&gt;
der damit verbundenen Veränderungen Ist&lt;br /&gt;
folgendes: Die Nahrung passiert nach einiger Zeit den Magen und landet im Darm. Hier&lt;br /&gt;
wird sie ihre endgültige Form erreichen, die&lt;br /&gt;
einer milchähnlichen homogenen Flüssigkeit entspricht. Je nachdem, wie das Temperament unserer Nahrung zusammengesetzt&lt;br /&gt;
ist, verändern sich Zusammensetzung und&lt;br /&gt;
Temperament dieser Flüssigkeit. Sie enthält&lt;br /&gt;
mehr oder weniger die Vorstufen aller Säfte. Die feinsten Stoffe diffundieren durch die&lt;br /&gt;
Dünndarmwand, durchlaufen die Pfortader&lt;br /&gt;
und erreichen die Leber. In der Leber werden&lt;br /&gt;
sie durch deren Wärmeeinwirkung in Ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und gereift. Der&lt;br /&gt;
{{page|35|file=Tempora_14.pdf|page=35}}Rest bleibt im Darm und wird als Abfall ausgeschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Vorgang In der Leber sowie die Wichtigkeit und Wirkung von Wärme und Kälte im&lt;br /&gt;
Körper zu verdeutlichen, soll folgendes Beispiel dienen:Kalte Milch ist homogen. Wird sie&lt;br /&gt;
erwärmt, teilt sie sich in vier Bestandteile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. Haut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sandförmige Kügelchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodensatz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eigentliche, alle Bestandteile zusammenhaltende Flüssigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Säfte, die durch die Wärme in der Leber&lt;br /&gt;
entstehen und reifen, werden als natürliche&lt;br /&gt;
(schleim, Soda, Safra/Galle) bezeichnet. Sie&lt;br /&gt;
kreisen im Blut und werden je nach Bedarf&lt;br /&gt;
den jeweiligen Organen hinzugefügt. Im&lt;br /&gt;
Krankheitszustand entstehen außerhalb der&lt;br /&gt;
Leber unnatürliche Säfte, die miteinander vermischt werden und die Organe beschädigen&lt;br /&gt;
können. Das natürliche Blut kann sich ganz&lt;br /&gt;
nach Bedarf in verschiedenen Hauptorganen&lt;br /&gt;
in unterschiedliche Formen verwandeln, um&lt;br /&gt;
die spezifischen Aufgaben zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie erwähnt haben die Hauptorgane ihre&lt;br /&gt;
spezifischen Säfte, die einerseits das jeweilige&lt;br /&gt;
Hauptorgan ernähren und andererseits nach&lt;br /&gt;
Verwandlung durch dieses für das nächste&lt;br /&gt;
Hauptorgan In diesem Kreislauf zur Verfügung stehen. Diese Säfte haben sichtbare und&lt;br /&gt;
unsichtbare Bestandteile, wobei man letztere&lt;br /&gt;
als Gase bezeichnen kann, die wir „Seele der&lt;br /&gt;
Säfte“ oder „Vitale Kräfte“ nennen. Das bedeutet, dass jedes Hauptorgan eine spezifische Seele hat. Diese erzeugt durch ihre Einwirkung eine spezifische Kraft, die im Wesen&lt;br /&gt;
der Menschen sichtbar wird und zur Geltung&lt;br /&gt;
kommt. Die drei Seelen zusammen erzeugen&lt;br /&gt;
die „Urkraft“. Die ist zu vergleichen mit der Explosion in einem Verbrennungsmotor, der die&lt;br /&gt;
entstandene Kraft gebündelt auf das Getriebe&lt;br /&gt;
weiterleitet und so alles in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so exakt funktioniert dieses auf Ernährung basierende System in der Praxis: Alle&lt;br /&gt;
Speisen mit Ihren verschiedenen Bestandteilen haben ein bestimmtes Temperament und&lt;br /&gt;
reizen oder ernähren ein bestimmtes Hauptorgan im Körper. 50 erklärt sich das Geheimnis&lt;br /&gt;
der Nahrung als Heilmittel. Wenn der Körper&lt;br /&gt;
gesund und im relativen Gleichgewicht ist,&lt;br /&gt;
sind die ursprüngliche Wärme, Feuchtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und alle anderen Parameter ebenfalls relativ&lt;br /&gt;
im Gleichgewicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber durch einen übermäßigen Reiz&lt;br /&gt;
(Brennen), also durch falsche Ernährung oder&lt;br /&gt;
einen beliebigen anderen (Krankheits-) Verursacher, In einem System des Körpers Kälte und&lt;br /&gt;
Trockenheit sowie erhöhte Kohlendioxid-Werte zustande kommen und der Körper dadurch&lt;br /&gt;
aus dem Gleichgewicht gerät, veranlasst das&lt;br /&gt;
Immunsystem den Kreislauf, vermehrt Blut zu&lt;br /&gt;
dieser Stelle zu transportieren. So wird sie mit&lt;br /&gt;
wärme, Feuchtigkeit und anderen notwendigen Stoffen versorgt, bis der ursprüngliche&lt;br /&gt;
Zustand wieder hergestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|36|file=Tempora_14.pdf|page=36}}36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle soll betont werden, dass in&lt;br /&gt;
einem System, in dem ein Reiz ist, auch Kälte&lt;br /&gt;
und Trockenheit sind, es muss daher mit Wärme und Feuchtigkeit behandelt werden. Ein&lt;br /&gt;
Körper im relativen Gleichgewicht kann alles&lt;br /&gt;
selbständig regulieren. Wenn ein Mensch sich&lt;br /&gt;
falsch ernährt und falsch verhält, so dass das&lt;br /&gt;
Immunsystem seines Körpers irritiert wird und&lt;br /&gt;
er durch Medikation und verschiedene andere&lt;br /&gt;
Maßnahmen lange Zeit symptomfrei gehalten wird (Symptomfreiheit bedeutet nicht Gesundheit!), dann kann aus einer ursprünglich&lt;br /&gt;
simplen Temperamentveränderung eine Saftveränderung werden, die wiederum eine Organveränderung nach sich zieht. Aus diesem&lt;br /&gt;
langwierigen Prozess resultiert eine chronische Erkrankung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde dieser Mensch durch Pulsdiagnose und&lt;br /&gt;
Urinschau typisiert und zum Beispiel nach ayurvedischen Grundsätzen behandelt, so könnte er durch gezielte Ernährung und geänderte&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen zu seinem ursprünglichen&lt;br /&gt;
gewünschten Temperament und Gleichgewicht zurückkehren und echte Gesundheit&lt;br /&gt;
erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fazit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganzheitliche Heilkunst im Sinne der oben&lt;br /&gt;
genannten Prinzipien hilft dem Körper im Einklang mit den Naturgesetzen und Grundwahrheiten zu agieren. Sie hilft, das, was im Körper&lt;br /&gt;
zu viel ist, auszuscheiden und andererseits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was ihm fehlt, durch gezielte Ernährung&lt;br /&gt;
wieder zuzuführen. Die Ernährung ist der Mittelpunkt der Therapie, weil die Nahrung durch&lt;br /&gt;
den Prozess der Verdauung selbst ein Teil des&lt;br /&gt;
Körpers wird und somit die Biochemie des&lt;br /&gt;
Körpers verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielfältigen anderen Therapiemöglichkeiten, ob medikamentös, physiotherapeutisch&lt;br /&gt;
oder durch Akupunktur, die nicht die oben beschriebene gezielte Ernährung in den Mittelpunkt stellen, werden bei dieser Betrachtung&lt;br /&gt;
der Dinge nicht als selbständige Methode&lt;br /&gt;
angesehen, da sie auf Dauer keine „wirkliche“&lt;br /&gt;
Heilung bewirken können. Sie dienen jedoch&lt;br /&gt;
als sehr hilfreiche Unterstützung, die nicht&lt;br /&gt;
unterschätzt werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. med. Amir Bahrinipour&lt;br /&gt;
ist praktizierender&lt;br /&gt;
Ayurveda-Arzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|37|file=Tempora_14.pdf|page=37}}   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die direkte Frage führt nicht wirklich zum Erfolg. Sie löst einen Denkprozess aus an dessen Ende wenn überhaupt, eine mehr oder&lt;br /&gt;
weniger differenzierte, auf jeden Fall aber&lt;br /&gt;
kontrollierte Antwort steht, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, wer&lt;br /&gt;
gefragt hat. So wird die Antwort bei einem&lt;br /&gt;
Bewerbungsgespräch anders lauten als am&lt;br /&gt;
Stammtisch. Erfolgversprechender scheint&lt;br /&gt;
es da zu sein, Standarddialoge in einer Standardsituation unter die Lupe zu nehmen. Zum&lt;br /&gt;
Beispiel eine Geburtstagsgratulation. Er: „Ich&lt;br /&gt;
wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles&lt;br /&gt;
Gute und vor allem Gesundheit.” Sie darauf:&lt;br /&gt;
„Ja, das Ist das Allerwichtigste. Was wären wir&lt;br /&gt;
ohne Gesundheit.” Da sich diese Redewendung jederzeit reproduzieren lässt und immer&lt;br /&gt;
wieder so oder so ähnlich abläuft, kann man&lt;br /&gt;
davon ausgehen, dass sehr viele Menschen&lt;br /&gt;
davon überzeugt sind, Gesundheit sel das&lt;br /&gt;
Wichtigste im Leben. Und in dem Augenblick,&lt;br /&gt;
in dem es gesagt wird, sind auch alle Beteiligten davon überzeugt, dass es stimmt. Hauptsache, man Ist gesund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Aber hält diese Meinung einer Überprüfung&lt;br /&gt;
stand? Das kann man am ehesten herausfinden, indern man die Worte mit den Handlungen vergleicht. Ist Gesundheit wirklich der&lt;br /&gt;
höchste Wert, dann müssten sich Menschen&lt;br /&gt;
dementsprechend verhalten oder bestimmte Verhaltensweisen als Fehler erkennen und&lt;br /&gt;
korrigieren. Ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PTSACHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läubigen relativiert&lt;br /&gt;
esundheit. Wie kann man&lt;br /&gt;
einem Menschen besonders&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen arbeiten zu viel. Für Ihren&lt;br /&gt;
Beruf schaden sie Ihrer Gesundheit. Und sie&lt;br /&gt;
wissen das auch. Eltern opfern sich auf für&lt;br /&gt;
ihre Kinder und Kinder für Ihre Eltern. Und das&lt;br /&gt;
ganz bewusst. Für den Sport, das Hobby, ein&lt;br /&gt;
‚Abenteuer nehmen viele ein hohes Risiko auf&lt;br /&gt;
sich. Wie viele Menschen hungern sich krank,&lt;br /&gt;
um einem bestimmten Schönheitsideal zu&lt;br /&gt;
genügen oder greifen zu Mitteln, die nicht frei&lt;br /&gt;
von Nebenwirkungen sind. Spätestens bei der&lt;br /&gt;
nächsten Tüte Pommes Ist die Frage erlaubt,&lt;br /&gt;
ob Gesundheit wirklich das Größte Ist. Und&lt;br /&gt;
wasistmit denen, die sich unter Einsatzihres&lt;br /&gt;
Lebens für eine gute oder gerechte Sache einsetzen? Wie viel ärmer wäre unsere Welt ohne&lt;br /&gt;
sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich gibt es noch andere Werte, die&lt;br /&gt;
mit der Gesundheit in Wettstreit um Platz&lt;br /&gt;
1 treten. Der Versuch, die Meinung aus einer&lt;br /&gt;
Standardsituation als Grundlage für die Frage nach dem Wert der Gesundheit zu nehmen, greift zu kurz. Auf die Frage: Was Ist für&lt;br /&gt;
dich das höchste Gut? gibt es offensichtlich&lt;br /&gt;
verschiedene Antworten: Freiheit, Schönheit,&lt;br /&gt;
Gesundheit, Genuss, Entspannung, aber auch&lt;br /&gt;
Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Treue und vieles&lt;br /&gt;
mehr. Lässt sich bei so unterschledlichen Werten eine Gemeinsamkeit finden? Ein verbindendes Glied oder so etwas wie ein kleinster&lt;br /&gt;
gemeinsamer Nenner? Es gibt eine Wurzelfrage, aus der alle anderen entspringen: Was ist&lt;br /&gt;
der Mensch? Von der Antwort auf diese Frage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ternpora 14&lt;br /&gt;
{{page|38|file=Tempora_14.pdf|page=38}}38&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hängt die Entscheidung für das höchste Gut&lt;br /&gt;
oder der Stellenwert der Gesundheit ab. Was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde ein Bahä’i antworten, fragte man Ihn,&lt;br /&gt;
was Ist der Mensch? Er würde vielleicht aus&lt;br /&gt;
einem Gebet zitieren, das Bah3’i überall auf&lt;br /&gt;
der Welt einmal am Tag beten und in dem es&lt;br /&gt;
heißt: „Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich&lt;br /&gt;
erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wesensaussagen lassen sich hier erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Der Mensch Ist ein Geschöpf Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Sinn und Ziel des menschlichen Lebens&lt;br /&gt;
sind, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihn anbetet. Mit dieser Antwort&lt;br /&gt;
befindet sich der Bahä’l in bester Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer&lt;br /&gt;
des Jesuitenordens, schreibt 1548 in seinem&lt;br /&gt;
berühmten Exerzitienbuch: „Der Mensch ist&lt;br /&gt;
erschaffen, um Gott, unseren Herrn zu loben,&lt;br /&gt;
ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen&lt;br /&gt;
und mittels dessen seine Seele zu retten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wer jemals in früheren Zeiten Katechismusfragen auswendig lernen musste, wird&lt;br /&gt;
sich an ganz ähnliche Formulierungen erinnern. Festzuhalten ist die Antwort unseres&lt;br /&gt;
Baha’i auf die Frage nach dem Menschsein:&lt;br /&gt;
Gott hat mich erschaffen, Ihn zu erkennen&lt;br /&gt;
und anzubeten. Von diesem Satz leiten sich&lt;br /&gt;
alle anderen Sätze ab, auch die über den Stellenwert der Gesundheit. Das soll nun im Folgenden näher beleuchtet werden. Hilfreich&lt;br /&gt;
kann es hier sein, noch einmal bei Ignatius&lt;br /&gt;
nachzuschlagen, denn bereits er zieht weitreichende Konsequenzen aus dem Wurzelsatz:&lt;br /&gt;
„Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht&lt;br /&gt;
der Erde sind für den Menschen geschaffen&lt;br /&gt;
und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels&lt;br /&gt;
helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt,&lt;br /&gt;
dass der Mensch sie so weit gebrauchen soll,&lt;br /&gt;
als sie ihm für sein Ziel helfen und sich soweit&lt;br /&gt;
von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.“&lt;br /&gt;
Das bedeutet, der Wurzelsatz relativiert alles,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch den Stellenwert der Gesundheit. Um das&lt;br /&gt;
zu verstehen, muss man die Aussagen des Gebets genau betrachten. Die erste lautet, dass&lt;br /&gt;
Gott den Menschen erschaffen hat - mit Leib,&lt;br /&gt;
Geist und Seele,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Menschen kommen wie in einem&lt;br /&gt;
Schmelztiegel drei Welten zusammen: Leib,&lt;br /&gt;
Seele und Geist bilden eine Einheit und müssen das rechte Maß zueinander finden. Allen&lt;br /&gt;
gemeinsam ist, dass sie der Pflege und Fürsorge bedürfen, um sich entwickeln zu können und dass sie verkümmern, werden ihre&lt;br /&gt;
Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Dem Leib&lt;br /&gt;
zugeordnet ist die Gesundheitspflege, dem&lt;br /&gt;
Geist die Psychohygiene und der Seele die Spiritualität. Erleiden eine oder mehrere einen&lt;br /&gt;
dauerhaften Mangel, dann nehmen sie Schaden, unser Wohlbefinden verschlechtert sich,&lt;br /&gt;
der Mensch wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Aussage, dass Gott der Schöpfer&lt;br /&gt;
ist und wir Seine Geschöpfe sind, ist nicht&lt;br /&gt;
nur eine Wesensbestimmung, sondern damit&lt;br /&gt;
werden eine Stufe und eine Rangfolge festgelegt. Als Schöpfer bestimmt Er Sinn und Ziel&lt;br /&gt;
Seiner Schöpfung. Diese sind uns bekannt&lt;br /&gt;
und werden in den Religionen der Welt mehr&lt;br /&gt;
oder weniger gleich beantwortet: Lernen, Ihn&lt;br /&gt;
zu erkennen und anzubeten. Da wird in Worte gefasst, was jeder Mensch am eigenen&lt;br /&gt;
Leib erfährt: Wir sind prozesshaft angelegt.&lt;br /&gt;
Das Leben fängt klein an und entwickelt sich,&lt;br /&gt;
wächst, nimmt zu an Alter und Weisheit und&lt;br /&gt;
ist- folgt man gedanklich der von der Religion&lt;br /&gt;
vorgelegten Wesensbestimmung - zu einem&lt;br /&gt;
Ziel hin unterwegs. Da Gott uns aber offensichtlich nicht nur auf ein Ziel hin erschaffen,&lt;br /&gt;
sondern auch mit Freiheit ausgestattet hat,&lt;br /&gt;
können wir unseren Weg zielstrebig verfolgen&lt;br /&gt;
oder auch nicht. Wir können Umwege und Abwege einbauen, ja uns sogar ganz davon verabschieden und eigene Wege gehen. Was wir&lt;br /&gt;
nicht ändern können ist, dass wir unterwegs&lt;br /&gt;
sind und uns täglich entwickeln. Selbst der&lt;br /&gt;
Tod beendet nach dem Baha’i-Glauben diesen&lt;br /&gt;
Prozess nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es- dritte Aussage - das Ziel des Prozesses ist, Gott zu erkennen und anzubeten, dann&lt;br /&gt;
ist es die Seele, die das Wesen des Menschen&lt;br /&gt;
auszeichnet. Nach Bahä’i-Verständnis ist die&lt;br /&gt;
Seele göttlich und letztlich unbegreiflich, so&lt;br /&gt;
wie Gott unbegreiflich Ist. Was weiß ein Geschöpf über das Wesen seines Schöpfers? Die&lt;br /&gt;
{{page|39|file=Tempora_14.pdf|page=39}}Seele lebt ewig und befindet sich auf einer&lt;br /&gt;
endlosen Reise zu Gott, während der Körper&lt;br /&gt;
schließlich wieder in seine Elemente zerfällt.&lt;br /&gt;
In diesem seinem irdischen Leben soll der&lt;br /&gt;
Mensch nach Entwicklung, Geistigkeit und&lt;br /&gt;
Vervollkommnung streben, um Gott näher zu&lt;br /&gt;
kommen. Auf diesem Weg braucht die Seele&lt;br /&gt;
Ausdrucksformen. In einer stofflichen Welt&lt;br /&gt;
braucht sie stofflich leibliches Leben, um sich&lt;br /&gt;
zu gestalten und zu entfalten. Wie sollte sie&lt;br /&gt;
auf der Erde unterwegs sein ohne Füße? Wie&lt;br /&gt;
sollte sie sehen ohne Augen? Lieben lernen&lt;br /&gt;
ohne Geist, Phantasie, Sprache, Bewegung,&lt;br /&gt;
Zärtlichkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele gestaltet sich Im menschlichen Geist&lt;br /&gt;
und in seinem Körper. Darum kommt beiden&lt;br /&gt;
eine so große Bedeutung zu. Der Geist entwickelt die sozialen, emotionalen, zwischenmenschlichen und intellektuellen Seiten des&lt;br /&gt;
Lebens, und er tut dies In einem Körper. Der&lt;br /&gt;
Geist braucht Verstand und der Verstand ein&lt;br /&gt;
Gehirn, ein Nervensystem, Muskeln, Knochen,&lt;br /&gt;
Gelenke, Blut, Herz, kurz, er braucht einen Körper. Und werden nicht auch die elementarsten&lt;br /&gt;
Emotionen wie Liebe und Geborgenheit durch&lt;br /&gt;
den Körper vermittelt, durch Berührung, Mienenspiel, eine Umarmung, einen Kuss? Um&lt;br /&gt;
sich wirklich ausdrücken zu können, um weiterzu kommen auf dem Weg zu ihrer Wesensbestimmung, braucht die göttliche Seele im&lt;br /&gt;
Menschen einen Körper und einen Geist. Und&lt;br /&gt;
man mag ergänzen: einen gesunden Körper&lt;br /&gt;
und einen gesunden Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\Was ist Gesundheit? Das irdische Leben ist, so&lt;br /&gt;
haben wir gesehen, die Raum - Zeit - Komponente, in der ein Mensch sich entfalten und&lt;br /&gt;
entwickeln kann.Ist der Körper nun das Instrument, auf dem Geist und Seele die Melodie des&lt;br /&gt;
Leben spielen, so muss, um im Bild zu bleiben,&lt;br /&gt;
das Instrument gestimmt sein, um Wohlklang&lt;br /&gt;
zu erzeugen. Nur auf einem gestimmten Instrument kann ein Musiker wirklich spielen.&lt;br /&gt;
Stimmen bedeutet Ins Gleichgewicht kommen. Alle Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass sie zueinander&lt;br /&gt;
passen, ineinander greifen und miteinander&lt;br /&gt;
harmonieren. Kann das nicht exakt eine Definition von Gesundheit sein? Sich Im Gleichgewicht zu zbefinden. Und Krankheit wäre dann,&lt;br /&gt;
das Gleichgewicht verloren zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten bringen Schmerzen und Leid mit&lt;br /&gt;
sich, das Leben kann zur Qual werden. Schon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb bedarf der Mensch der Heilung, auch&lt;br /&gt;
und gerade, weil Krankheiten unausweichliche Erscheinungen im Leben sind. Im Sinne&lt;br /&gt;
eines gläubigen Bahä’i verfolgt Heilung das&lt;br /&gt;
Ziel, den Menschen in Ansätzen von Leid und&lt;br /&gt;
Krankheit zu erlösen und ihm folglich eine Hilfestellung zu geben, sich Im Leben wieder auf&lt;br /&gt;
das Wesentliche zu konzentrieren, unterwegs&lt;br /&gt;
zu sein zu seinem Schöpfer. Zugleich gilt, dass&lt;br /&gt;
die Seele nach dem Verständnis der Baha’l&lt;br /&gt;
nicht abhängig ist von Gesundheit. Mag der&lt;br /&gt;
Geist von einer Krankheit beeinträchtigt und&lt;br /&gt;
im Falle einer Ohnmacht sogar zeitweilig ausgeschaltet sein, sotrifft das die Seele nicht. Sie&lt;br /&gt;
geht jenseits von Krankheit und Behinderung&lt;br /&gt;
ihren Weg, sie selbst kann nicht krank werdent&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein dialektischer Spagat, der nicht ganz&lt;br /&gt;
einfach auszuhalten ist. Auf der einen Seite&lt;br /&gt;
bedient sich die Seele der Körper-Geist-Einheit, um sich in der Welt auszudrücken und zu&lt;br /&gt;
entfalten und bedarf so gesehen körperlicher&lt;br /&gt;
und geistiger Harmonie. Das macht das Streben nach Heilung und Gesundheit auch jenseits eines Körperkultes zu einem hohen Wert.&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite Ist sie nicht abhängig&lt;br /&gt;
davon und weiß, selbst unsterblich, um die&lt;br /&gt;
Vergänglichkeit der Körpers. Das wiederum&lt;br /&gt;
relativiert das Streben nach Gesundheit. Das&lt;br /&gt;
Leben zu bejahen und sich daran zu erfreuen&lt;br /&gt;
und gleichzeitig nicht an Ihm zu hängen: Das&lt;br /&gt;
ist die hohe Kunst, welche die Seele lernen&lt;br /&gt;
muss. So zumindest will es ihr Schöpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bezeuge, o mein Gott, dass Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und anzubeten. Ich bezeuge in diesem Augenblick meine&lt;br /&gt;
Ohnmacht und Deine Macht, meine Armut&lt;br /&gt;
und Deinen Reichtum. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“ (Baha’u’lläh)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
Dipl.Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
) seit dem Jahr 2000 Bahä&#039;i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Y Arbeitet als Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
39&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tempora 14&lt;br /&gt;
{{page|40|file=Tempora_14.pdf|page=40}} &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Diskussion:Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77478</id>
		<title>Diskussion:Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-30T15:37:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: Die Seite wurde neu angelegt: „# {{k}} ~~~~“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;# {{k}} [[Benutzer:Ludwig|Ludwig]] ([[Benutzer Diskussion:Ludwig|Diskussion]]) 08:37, 30. Mai 2022 (PDT)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-30T15:37:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensiteigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen der &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltensauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer, sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkord hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die Welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc. rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens Society von Penang Island/Malaysia,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der Schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der Welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen«. &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
weist auf die wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der Welt ... hin. Er stellt sich vor, dass &lt;br /&gt;
die Entwicklung auf eine geeinte Welt hin zunehmen und als »Einheit des Denkens in weltweiten &lt;br /&gt;
Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird. Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. &lt;br /&gt;
»Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche &lt;br /&gt;
Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen &lt;br /&gt;
der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken &lt;br /&gt;
sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen, und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren &lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist dann neben Toleranz und Idealismus auch der Verzicht &lt;br /&gt;
auf Komfort gefordert. Meist dauert es nicht lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu &lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf &lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogramme! Auch die Presse ist voll des Lobes. Dabei &lt;br /&gt;
stehen für die eher technisch orientierte Fachwelt das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit &lt;br /&gt;
im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. &lt;br /&gt;
Ubuntu ist der Shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die Technik mit Mitmenschlichkeit &lt;br /&gt;
erobert und durch Leistung überzeugt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das geht völlig gefahrlos über eine sogenannte &lt;br /&gt;
Live-CD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm &lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran &lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben, findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch &lt;br /&gt;
(natürlich) kostenlos im Internet, sondern auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntu-Gemeinde, &lt;br /&gt;
die über alle Hürden hinweghilft. Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, &lt;br /&gt;
wie der Deutschlandfunk seine Sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt noch anzumerken, &lt;br /&gt;
dass in Mazedonien gerade 5000 Schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei Gründen: Es ist &lt;br /&gt;
kostenlos, es läuft auch auf alten Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.UBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNETADRESSE DES VEREINS UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://WWW.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCHAAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AUTORS. ÜBER IHN GIBT ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.-Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:ehemals kath. Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet heute als&lt;br /&gt;
:Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===MOÇAMBIOUE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Facetten einer Integration in Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;ALLE MENSCHEN SIND SEINE BÜRGER.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nur eine.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Moçambique zu integrieren bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, &lt;br /&gt;
Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, &lt;br /&gt;
Wachsen, Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein, Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. &lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Moçambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Andersseins zu einer Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von &lt;br /&gt;
verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts &lt;br /&gt;
der Unterschiede, aber auch Momente des tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren lassen, &lt;br /&gt;
dass diese Partnerschaft die Anstrengungen wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander &lt;br /&gt;
zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt — wenn &lt;br /&gt;
ich mich etwa dazu durchringe, mich genau wie meine Mutter um die Anziehsachen meines Mannes zu &lt;br /&gt;
kümmern, ihm das Wasser zum Baden zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die Wohnung sauber &lt;br /&gt;
zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines solchen Verhaltens &lt;br /&gt;
für Frauen in Moçambique gar nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch darüber beschwert, dass &lt;br /&gt;
ich ihm die Banane nur in der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er &lt;br /&gt;
besteht darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, &lt;br /&gt;
dass wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere jeweils eigenen Schwächen und Ängste &lt;br /&gt;
anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in Toleranz gegenüber den Grenzen des &lt;br /&gt;
anderen allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte zu lösen, anzunähern. Dabei ist es &lt;br /&gt;
uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere Kultur im täglichen Leben &lt;br /&gt;
kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
Mit den Kindern - bei unserem Umzug nach Moçambique waren sie 11 und 13 Jahre alt - plötzlich &lt;br /&gt;
in einer anderen Kultur zu leben, ist eine ganz eigene Herausforderung. Besonders, wenn sie im &lt;br /&gt;
Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder Entwicklungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich &lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und doch wegen &lt;br /&gt;
ihrer so anderen kulturellen Erfahrungen eben auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die &lt;br /&gt;
uns allen helfen, Menschen in ihrer Abhängigkeit von dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, verstehen &lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, was es wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Familie sein &lt;br /&gt;
soll und dass es manchmal eine große Bereicherung und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
meinen anderen Brüdern und Schwestern wirklich familiär verbunden zu fühlen. Und es ist faszinierend &lt;br /&gt;
zu erkennen, welch scharfe Beobachtungen die eigenen Kinder anstellen - sowohl an anderen Menschen &lt;br /&gt;
als auch an sich selbst - bezüglich der hiesigen oder auch der europäischen Kultur und &lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da noch all die Selbstverständlichkeiten eines normalen Lebens, die plötzlich &lt;br /&gt;
gar nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen: ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich &lt;br /&gt;
bei Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; die Freude, im Haus zu sein, wenn es draußen regnet (während &lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass Ihre Hütte einstürzt); die Menge an Wissen über die Natur, die &lt;br /&gt;
Religionen, die Möglichkeit, Bücher zu lesen und gut gestaltete Lehrbücher zu haben. Für uns als &lt;br /&gt;
Eltern und speziell für mich Mutter und Bahá’í bedeutet das vor allem, die Begrenztheit des &lt;br /&gt;
gegenwärtigen Entwicklungsstadiums der Menschheit sowie die großen Unterschiede in den materiellen &lt;br /&gt;
Lebensumständen bei der Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, oft einfach hinzunehmen, nicht &lt;br /&gt;
schönzureden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique als Frau heißt auch Konfrontation mit einem Geschlechterverhältnis, das &lt;br /&gt;
einen manchmal erschauern lässt. Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe ich mich mitunter &lt;br /&gt;
plötzlich hineinversetzt in die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die gewalttätigen Männern schutzlos ausgeliefert sind und auch nicht auf die Unterstützung der Nachbarn zahlen können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die bei der Schwangerenuntersuchung feststellen, dass sie HIV-positiv sind und daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutter auf die Strasse geworfen werden selbst dann, wenn sie sich nur bei ihrem eigenen Mann infiziert haben können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil er ihr die Schuld an seiner eigenen misslichen Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- eine Mutter, die Wochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zu einer anderen Frau in ihrer Verzweiflung ihre kleinen Kinder bei der Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht mehr um die Kinder kümmern konnte - die Polizei dann aber nichts anderes tat, als die Frau eine Nacht einzusperren, „damit sie lernt, dass eine Mutter niemals ihre Kinder verlassen darf”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die von Ihren Männern wegen einer anderen Frau verlassen &lt;br /&gt;
wurden - eine eigentlich schon ganz normale Erscheinung; gleichzeitig haben wir es in Moçambique mit &lt;br /&gt;
einer Gesellschaft zu tun, in der die Mehrheit der Frauen mit ihren Kindern in wirtschaftlich &lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die sie &lt;br /&gt;
selbst anwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sind so umfassend und so allgegenwärtig, dass an die Lösung &lt;br /&gt;
der Entwicklungsprobleme dieses Landes kaum zu denken ist, solange solch ein Chaos in der &lt;br /&gt;
Geschlechterbeziehung herrscht. Das Erleben dieser Geschichten lässt erahnen, welch unermessliche &lt;br /&gt;
Macht hinter den Worten Bahá’u’lláhs steckt, wenn Er die Menschen zur Gleichwertigkeit von Mann &lt;br /&gt;
und Frau aufruft und zu einem Leben nach Seinen Gesetzen. In einem Land wie Moçambique wird &lt;br /&gt;
deutlich, dass die Beachtung geistiger Prinzipien schlichtweg überlebensnotwendig sein &lt;br /&gt;
kann. Und dass geistige Prinzipien Hand in Hand gehen sollten mit der materiellen Entwicklung &lt;br /&gt;
zur Beseitigung von Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique heißt natürlich auch Leben als  „Weiße” unter einer Mehrheit von &lt;br /&gt;
„Schwarzen“. Im Großen und Ganzen ist dies ein eher nebensächlicher Aspekt und nicht schwer &lt;br /&gt;
auszuhalten, sofern man damit klarkommt, immer irgendwie als etwas Besonderes gesehen zu &lt;br /&gt;
werden. Dabei möchte ich betonen, dass ich nicht gern mit dunkelhäutigen Ausländern in &lt;br /&gt;
Deutschland tauschen möchte, die ihr&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
Anderssein mitunter ganz offen negativ erleben müssen, während der Nachteil des Weiß-Seins &lt;br /&gt;
in Moçambique zunächst einmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit größerem &lt;br /&gt;
Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann natürlich auch recht unangenehm werden - wenn ich zum Beispiel &lt;br /&gt;
spüre, dass ich von vornherein den Reichen zugeordnet und als potentieller Geldgeber betrachtet &lt;br /&gt;
werde und damit rechnen muss, dass das Interesse anderer Menschen an einer Freundschaft von &lt;br /&gt;
der Hoffnung auf etwaige Vorteile gespeist wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dann ganz ohne Bitterkeit, aber mit vollem Ernst geäußert wird, dass die Weißen ja das Glück &lt;br /&gt;
hätten, von Gott besonders geliebt zu werden oder wenn ein alter Mann sich dafür einsetzt, mich in &lt;br /&gt;
der Warteschlange vorzulassen, weil ich doch schließlich weiß sei, dann sehe ich, wie weit das Ziel &lt;br /&gt;
der Einheit der Rassen noch entfernt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alltägliche Umgang mit Armut ist ein weiterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, was es heißt, zu &lt;br /&gt;
den Reichen dieser Welt zu gehören - ob ich mich in Deutschland jemals so wahrgenommen habe &lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ich &lt;br /&gt;
nicht bei jedem Schritt von Ihnen umringt sein. Es ist fast schon erschreckend festzustellen, wie &lt;br /&gt;
leicht mir dieser harte Tonfall mittlerweile fällt. Dann spüre ich den Wunsch, &#039;Abdu&#039;l-Bahá bei &lt;br /&gt;
mir zu haben, um zu erfahren, wie ich angemessen mit der Situation der Bettler umgehe. Hat er &lt;br /&gt;
nicht jeden Tag einen armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann ich das, &lt;br /&gt;
wo wir uns schon um all die eigenen armen Familienangehörigen zu kümmern haben. Will ich als &lt;br /&gt;
Gnädige, Barmherzige, Heilige verehrt werden, nur weil ich jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration bedeutet für mich auch die alltägliche Auseinandersetzung mit all jenen Erscheinungsformen &lt;br /&gt;
einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen kann. Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie denen, &lt;br /&gt;
dass man mit Entsetzen feststellt, dass im Garten die Grünpflanzen so gestutzt wurden, dass kaum &lt;br /&gt;
etwas davon übrigblieb - leicht zu verstehen, da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes &lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier vorrangig eine Bedrohung darstellen (wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es, wenn ich völlig unvorbereitet erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Familie haben, für das wir verantwortlich sind: Der Schwager hat es einfach bei uns gelassen und &lt;br /&gt;
ist abgereist. Der Versuch anzunehmen, dass das nach traditioneller Lebensweise normal sei, &lt;br /&gt;
kann mich nicht von einem Gefühl der Wut und Verletztheit abbringen, weil jemand mit &lt;br /&gt;
Selbstverständlichkeit unsere Hilfe in Anspruch nimmt, ohne uns auch nur eines Wortes für &lt;br /&gt;
würdig zu halten. Und wenn ich dann von der individualistischen europäischen und der &lt;br /&gt;
gemeinschaftsorientierten afrikanischen Gesellschaft höre, dann erweckt das in mir nur eine &lt;br /&gt;
Sehnsucht nach der Weisheit der Bahá’í-Lehren, die so vielfältige Wege aufzeigen, wie sowohl  gemeinschaftsverbindende als auch das einzelne Individuum wertschätzende Handlungsweisen &lt;br /&gt;
miteinander verbunden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist es auch notwendig und mitunter sehr schwierig, sich an problematische Situationen &lt;br /&gt;
zu gewöhnen, die mir meiner Herkunft wegen wenig vertraut sind, dass etwa Abmachungen nicht &lt;br /&gt;
eingehalten, Verbindlichkeiten nicht ernst genommen werden, dass nichts richtig klappt, immer &lt;br /&gt;
irgendwelche Hindernisse auftreten - oft bedingt durch Fehlverhalten oder Inkompetenz einzelner &lt;br /&gt;
Menschen oder Institutionen. Oder das verbreitete Denken und Handeln in Hierarchien nach dem &lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bei dem es dem Mächtigeren, Reicheren erlaubt ist, einen Untergebenen &lt;br /&gt;
in demütigender Art zu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann in solchen Situationen eine gewisse Wut spüre, merke ich, dass ich anfange, &lt;br /&gt;
Menschen zu verurteilen. Auch wenn mir bewusst ist, dass viele Europäer in Moçambique verzweifeln &lt;br /&gt;
und nicht selten mit recht üblen Überzeugungen wieder nach Hause fahren - finde ich es zunächst &lt;br /&gt;
erschreckend festzustellen, wie schnell ich zu solchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurteilen &lt;br /&gt;
gelange - trotz all der Bahá’í-Ideale von der Einheit der Rassen. Aber es sind gerade die Schriften, &lt;br /&gt;
die mich zu dem Schluss gelangen lassen: Nein, so simpel kann das nicht sein. Und es ist mir eine &lt;br /&gt;
große Hilfe zu wissen, dass es keine Unterschiede der Rassen gibt, dass all die Phänomene alle &lt;br /&gt;
möglichen Ursachen haben können, nicht jedoch solche, die auf die Zugehörigkeit zu einer &lt;br /&gt;
Menschengruppe zurückzuführen sind. Oder besser ausgedrückt: Dass das Wort „Die Erde ist nur &lt;br /&gt;
ein Land und alle Menschen sind seine Bürger” auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen oder -gruppen verschiedener Herkunft geben &lt;br /&gt;
kann, dass es sich hierbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. &lt;br /&gt;
Und dass verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umständen auch tendenziell ähnlich handeln &lt;br /&gt;
würden. Während die Menschen meiner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für ein Problem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheit anzunehmen und durchzustehen. Nachdem ich das in unserer &lt;br /&gt;
eigenen Familie mehrfach erlebt hatte, wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und &lt;br /&gt;
Nachteile haben, während ich bei der Suche nach optimalen Wegen oft in Stress gerate, im &lt;br /&gt;
positiven Falle dann aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht möglich erschienen, &lt;br /&gt;
steckt hinter der Haltung, Probleme zunächst einmal anzunehmen, die Gefahr, von vornherein &lt;br /&gt;
aufzugeben, gar nicht erst nach Alternativen zu suchen, im positiven Falle aber auch die &lt;br /&gt;
Fähigkeit, mit wirklichen Problemen gelassener umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare Lösungen zu finden. Beide Handlungsweisen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem. Zusammen können sie aber zu einer gegenseitigen Bereicherung &lt;br /&gt;
werden. Die Auseinandersetzung mit den Erscheinungen der anderen Kultur führt automatisch zu &lt;br /&gt;
einer vertiefteren Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur. Es wird mir immer bewusster, wie &lt;br /&gt;
sehr die Ausrichtung auf ein geistiges Leben auch von der Erfüllung materieller Grundbedürfnisse &lt;br /&gt;
abhängig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besondere Kraft nachsagt, ist die &lt;br /&gt;
Spiritualität, das geistige Leben. Wie sieht hier Integration für mich als Europäerin aus? &lt;br /&gt;
Eines konnte/musste ich schnell lernen: Es erscheint mir auch in dieser Hinsicht ein Stereotyp, &lt;br /&gt;
ein zu banaler Versuch, Gesellschaften einzuteilen - hier die eher materiell orientierten &lt;br /&gt;
Europäer, die immer mehr an Spiritualität verlieren, dort die Afrikaner mit ihrer inneren &lt;br /&gt;
Religiosität. Es stimmt einfach so nicht. Die Menschen in Moçambique sind - sicherlich auch &lt;br /&gt;
wegen der vielen existenziellen Probleme und der Abkehr von Religion in den kommunistischen &lt;br /&gt;
Jahrzehnten - mindestens genauso stark materiell orientiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Bahá’í? Es waren die kleinen christlichen Gemeinden, die ich zuerst &lt;br /&gt;
zu meinen Bahá’í-Abenden eingeladen hatte. Beeindruckend war zunächst einmal die unglaubliche &lt;br /&gt;
Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren Bahá’u’lláhs ohne Vorurteil anzuhören, Ihn &lt;br /&gt;
sogar auf ihre Art als wichtige Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite bleibt da aber auch jene mich ständig begleitende Unsicherheit angesichts &lt;br /&gt;
dessen, dass ich die einzige Bahá’í und noch dazu als Ausländerin mit der Denkweise, den &lt;br /&gt;
Gewohnheiten, dem Fühlen der einheimischen Menschen kaum vertraut bin, dass mir der Unterschied &lt;br /&gt;
zwischen ihrer viel emotionaleren, kraftvolleren und meinem eher verstandesmäßigen, besinnlichen &lt;br /&gt;
Umgang mit Spiritualität und Religion jedoch deutlich bewusst ist. Eine Botschaft Bahá’u’lláhs &lt;br /&gt;
haben sie sehr gut verstanden: Dass Bahá’í Menschen sind, die ihre Türen öffnen, sie auf ihren &lt;br /&gt;
Möbeln sitzen lassen, mit ihnen Ihr Essen teilen - eigentlich eine Selbstverständlichkeit für &lt;br /&gt;
jeden Bahá’í und bei jeder Bahá’í-Veranstaltung, hier jedoch angesichts der unterschiedlichen &lt;br /&gt;
Rassen und des damit einhergehenden großen Unterschieds zwischen Arm und Reich offensichtlich &lt;br /&gt;
leider eine herausragende Besonderheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so wurde dann auch die Geburtstagsfeier Bahá’u’lláhs zu einer der schönsten Bahá’í-Feiern, &lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer, die während der Feier regelrecht an meinen &lt;br /&gt;
Lippen hingen, als ich einen Tell der Lebensgeschichte Bahá’u’lláhs erzählte, bedankten sich am &lt;br /&gt;
Ende dafür, dass ich durch dieses Fest einige eigentlich zerstrittene Gemeinden zusammengebracht &lt;br /&gt;
hätte. Sie bedankten sich auch bei Bahá’u’lláh in dem festen Glauben, dass die Kraft, die mich &lt;br /&gt;
dazu führe, Menschen unabhängig von Ihrer Religion, Rasse und Herkunft in eine Einheit &lt;br /&gt;
zusammenzubringen, von Ihm ausgehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich in eine andere Gesellschaft zu integrieren, spürt man wohl am intensivsten in &lt;br /&gt;
persönlich einschneidenden Lebenssituationen - bei der Geburt eines Kindes zum Beispiel. Schon bei &lt;br /&gt;
der Frage des Entbindungsortes wurde mir der riesige Unterschied zwischen Europa und den Umständen &lt;br /&gt;
bewusst, unter denen die meisten Frauen leben und entbinden. Und während ich mit meinem Mann noch &lt;br /&gt;
darüber nachdachte, ob wir lieber einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf nehmen, um unser Kind in &lt;br /&gt;
einer deutschen Klinik zur Welt zu bringen oder ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen, wachte ich an &lt;br /&gt;
einem Morgen auf und stellte fest, dass in aller Frühe eine Frau ihre Tochter direkt auf dem Sandweg &lt;br /&gt;
vor unserem Hauseingang entbunden hat, weil ihr der Weg zum lokalen Hospital einfach zu lang &lt;br /&gt;
geworden war. Integration in Moçambique - das bedeutet noch vieles, vieles mehr. Zum Beispiel beim &lt;br /&gt;
Rückflug von Deutschland nach Moçambique die freudige Erkenntnis: „Ich fahre nach Hause.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Kordula Koksch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN MOÇAMBIQUE HEISST FÜR MICH&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* eigene Vorurteile zu erkennen und zu hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei befremdlichen Situationen unterscheiden zu lernen, ob es sich um andere Lebensweisen handelt, die es zu respektieren gilt, oder um wirkliche Probleme, die einer Entwicklung bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in Gedanken einen Brief an deutsche Freunde zu schreiben und erst nach einer Weile zu merken, dass ich die Sätze die ganze Zeit in portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* die Einheit von materiellem und geistigem Fortschritt verstehen zu lernen - zu erkennen, wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben auch an eine materielle Grundsicherung gebunden ist; zu erkennen aber auch, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im menschlichen Verhalten und somit Antrieb zu Neuentwicklung geben kann und dass ein Mangel solch einer Ausrichtung immense Umwege und Blockaden in der Entwicklung einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* angesichts der Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Zitate Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás nicht mehr nur als schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie sagen „Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* mein Verhalten und das meines Partners in seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen Kultur verstehen und mich dann davon auch lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in der Beziehung zu meinem Mann in einem Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der gegenseitigen Überforderung und Verzweiflung angesichts der allgegenwärtigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa und der Hinterfragung der eigenen Ansichten hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===„Is gaans anders als in Iran, aber auch guut!“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÁ’Í IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“ Sie tat so, als würde sie das nur mäßig &lt;br /&gt;
interessieren und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten &lt;br /&gt;
um jeden Preis hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche und entschieden sich, glücklich &lt;br /&gt;
zu sein.” Sie guckte weiter geradeaus, hörte aber genau hin. Er setzte wieder an: „Die anderen &lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts klappte. Sie haderten mit dem Land. Sie fuhren immer wieder &lt;br /&gt;
in den Iran, ihre Eltern suchten ihnen eine Frau aus, sie brachten sie mit nach Deutschland, aber &lt;br /&gt;
sie waren einfach am falschen Ort.“ Wo er das denn gelesen hätte, fragte sie jetzt „Gelesen? Das &lt;br /&gt;
habe ich erlebt.“ Und dann erzählte er ihr die Geschichte von dem Architekturstudenten, die &lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut aus, eine unglücklich, &lt;br /&gt;
nämlich die des Architekturstudenten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahá’í in die deutsche Gemeinde ist eine Erfolgsgeschichte, &lt;br /&gt;
mit nur kleinen Talfahrten. Die erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde in den 50er Jahren. &lt;br /&gt;
Damals kamen vor allem junge Männer, um hier zu studieren. Sie kamen aus einer intakten und aktiven &lt;br /&gt;
Bahá’í-Gemeinde, oft mit dem Wunsch, die Prinzipien Bahá’u’lláhs im Nachkriegsdeutschland zu &lt;br /&gt;
verbreiten. Obwohl die jungen Studenten anfangs fremd waren und nicht gut Deutsch sprachen, wurde &lt;br /&gt;
ihnen Respekt entgegengebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland der Religion, der sich Deutsche &lt;br /&gt;
und Iraner gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt war das Öl, das die kleine Maschine &lt;br /&gt;
Integration zum Laufen brachte. Jenseits von unterschiedlicher Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Bahá’í empfingen uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder. Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen &lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abgeschlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums &lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Bahá’í-Gemeinde. Sie hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung.&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Bahá’í und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahá’í zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich einen Hafen und die junge Familie Rastegar &lt;br /&gt;
große Verantwortung und Anerkennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Bahá’í in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang es &lt;br /&gt;
nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche schafften es einfach nicht, diese Angst zu überwinden, &lt;br /&gt;
die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging daneben und wurde ein Desaster: Die persische Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste Firma ging pleite, bei der zweiten haute ihn der Kompagnon übers Ohr - hat &lt;br /&gt;
er immer gesagt - , mit Mitte fünfzig fand er keine Anstellung, er machte sich wieder selbständig. &lt;br /&gt;
Mit den üblichen Import-Exportgeschäften, bei denen keiner weiß, mit was er&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
da handelte. Er handelte auch nicht sonderlich lange und war bald finanziell ruiniert. Zu den &lt;br /&gt;
Bahá’í-Veranstaltungen ging er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum ging er denn nicht &lt;br /&gt;
zurück?“ Natürlich wusste er mehr über den Architekten, aber er murmelte „keine Ahnung&amp;quot;, „das Haus“, &lt;br /&gt;
„die Kinder“. Er blieb einen Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von Anfang an nicht. &lt;br /&gt;
Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den 50er und 60er Jahren von der ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran. Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler &lt;br /&gt;
wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. &lt;br /&gt;
Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie kamen, um sich und ihre Kinder vor der &lt;br /&gt;
systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte, die über die Türkei oder Pakistan aus &lt;br /&gt;
dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst, nie wieder ihre Angehörigen, ihre &lt;br /&gt;
Freunde sehen zu können. Natürlich trugen sie auch noch den Zweifel mit sich, ob sie die anderen &lt;br /&gt;
im Stich gelassen hatten, um sich zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen. &lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, Wohnberechtigungsschein waren die Worte, die nun irgendwie ins &lt;br /&gt;
Persische übersetzt werden mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht, der Ende der 80er Jahre gekommen ist. Ich habe dir nie von &lt;br /&gt;
ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen &lt;br /&gt;
hatte. „Er kam ganz allein hierher, sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er seinem Sohn die &lt;br /&gt;
Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in Deutschland &lt;br /&gt;
ankam, war er dünn, nervös und hatte schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er die Kraft &lt;br /&gt;
genommen hat, in kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er einer der Tüchtigsten.” &lt;br /&gt;
Natürlich wusste sie, wen er meinte, sie bewunderte diesen Mann seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es sich handele. „Der hat es sogar &lt;br /&gt;
geschafft, einen Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun hier leben. Und der Witz ist, er &lt;br /&gt;
hat es geschafft. Verheiratet, eine Frau, ein Kind, er ist glücklich und eine Säule seiner Gemeinde. &lt;br /&gt;
Er ist der andere Typ, der, der bleiben will, der glücklich sein will, der Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind &lt;br /&gt;
deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was &lt;br /&gt;
schade ist -, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der &lt;br /&gt;
Stoff, aus dem diese Erfolgsgeschichte gemacht ist - auch nicht. Würde man die Erfahrungswerte &lt;br /&gt;
beschreiben, die man für andere Integrationsprozesse nutzen kann, dann wären dies einige:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Die Zugewanderten sollen den Ureinwohnern etwas beibringen. Wertschätzung und Neugier sind wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitig sein, und wenn dann mal der eine oder die andere sich ineinander verlieben und heiraten, ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt, eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu sagen, Gott zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte er ihr nicht beantwortet. „Und was ist mit &lt;br /&gt;
dir selber,“ fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte einen Moment, lachte kurz und sagte: &lt;br /&gt;
„Dreimal darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das gab ihr ein gutes Gefühl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für jede Integration“, &lt;br /&gt;
formulierte es der verstorbene Altbundespräsident Johannes Rau.&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Die Schule ist hier &lt;br /&gt;
ein zentraler Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistet der gemeinnützige, Bahá’í-inspirierte &lt;br /&gt;
Verein „People&#039;s Theater e.V.” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Als Medium &lt;br /&gt;
bedient er sich der „People&#039;s Theater Show“, einer Kombination von Talkshow und Theater. Alltägliche Schulkonflikte werden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation eines Konflikts &lt;br /&gt;
nachgespielt. Anschließend sucht der Moderator gemeinsam mit den Schülern nach alternativen &lt;br /&gt;
positiven Handlungsmöglichkeiten, die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei steht immer &lt;br /&gt;
wieder das Stichwort Integration im Mittelpunkt, und in Offenbach ist es besonders aktuell. Denn &lt;br /&gt;
die Stadt hat mit 33,9 Prozent den höchsten Ausländeranteil In Hessen&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit 40 bis 41 Prozent sogar die &lt;br /&gt;
höchste tatsächliche Ausländerquote in ganz Deutschland, eingebürgerte Personen inbegriffen. &lt;br /&gt;
Auch aufgrund des Einbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 13,5 Prozent &lt;br /&gt;
aller in Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die soziologische, soziale, kulturelle und &lt;br /&gt;
religiöse Vielfalt bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt auch in einer ohnehin nicht &lt;br /&gt;
homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste auf allen Seiten.“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; Konsequenzen der nicht erfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnen wir &lt;br /&gt;
tagtäglich. Ob klar ersichtlich wie bei den Ausschreitungen in Pariser Vororten oder in eher &lt;br /&gt;
unterschwellig ablaufenden Prozessen - es führt dazu, dass es in Deutschland immer noch &lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen Herkunft und Chancen gibt. Sich diesen Verhältnissen &lt;br /&gt;
zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin &lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}&lt;br /&gt;
Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen &lt;br /&gt;
oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen und &lt;br /&gt;
damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater e.V. und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände, Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen und Ausländern in besonderer Weise engagieren.&amp;quot;&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze des Vereins vor allem helfen, Vorurteile zu &lt;br /&gt;
benennen und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle und religiöse. Der Verein hilft &lt;br /&gt;
Konflikte zu bearbeiten, die auf Grund sozialer Unterschiede entstehen. Er vermittelt seinem &lt;br /&gt;
Publikum Erfahrungen, die hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s Theater sind offen &lt;br /&gt;
für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller Beteiligten, unabhängig &lt;br /&gt;
von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit von People’s Theater“, &lt;br /&gt;
so Stadträtin Birgit Simon in ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s Theater selbst sind &lt;br /&gt;
eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen, aus Iran, Griechenland, &lt;br /&gt;
Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich &lt;br /&gt;
und natürlich Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem Multiplikatorenprojekt beim Bundeswettbewerb &lt;br /&gt;
„startsocial 2005”, unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel, im &lt;br /&gt;
April 2006 „als eine der sieben herausragendsten Initiativen bürgerschaftlichen Engagements &lt;br /&gt;
Deutschlands geehrt”.&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; Auch von diesem Projekt erhofft sich People&#039;s Theater &lt;br /&gt;
direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren. Die Gruppe bemüht &lt;br /&gt;
sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitrag auf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im &lt;br /&gt;
Zusammenspiel vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist daher die Aufgabe, die &lt;br /&gt;
wir gemeinsam anpacken müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich und friedlich &lt;br /&gt;
gestalten wollen.”&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Anke Keitel&lt;br /&gt;
::Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; RAU, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, AM 12. Mai 2000 IM HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; SIEHE AUCH SCHULZE, RENÉ: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT: EIN AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11 - FRIEDENSWEGE, S.10&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER A14-J/03, S.7, WIESBADEN, AUGUST 2004&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; PRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;  OFFENBACH POST, 30. DEZEMBER 2005, S.2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; OFFENBACH POST, 12. APRIL 2006, S.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DUISBURG - DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und &lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt &lt;br /&gt;
haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg auf den ersten Blick &lt;br /&gt;
nicht von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine andere Stadt in Nordrhein-Westfalen so &lt;br /&gt;
sehr von Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und &lt;br /&gt;
weist darauf hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund 48 000 Eingebürgerte leben, die oder &lt;br /&gt;
deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten bilden Muslime mit rund 70 000 die &lt;br /&gt;
Mehrheit. Sie beten in über 40 Moscheen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als vorübergehend geplant war, genügte es den &lt;br /&gt;
ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in zurückgezogenen Räumlichkeiten &lt;br /&gt;
einzurichten - ein Refugium für die eigene Religion und Kultur. Doch mit dem Nachwachsen der &lt;br /&gt;
nächsten Generationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub erlebt, trat immer stärker der &lt;br /&gt;
Wille zutage, sich nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern auch im Bereich der Religion &lt;br /&gt;
und in der Gesellschaft anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass &lt;br /&gt;
die Hinterhof-Moscheen aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels &lt;br /&gt;
derer die eigene Kultur und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne &lt;br /&gt;
aggressiv zu wirken. So beteiligen sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße an Bürgerfesten, &lt;br /&gt;
laden zu Besichtigungen ein und klären über den islamischen Glauben, dessen Sitten und &lt;br /&gt;
Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;MUSTERPROJEKT: „MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-Merkez-Moschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der &lt;br /&gt;
Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine &lt;br /&gt;
der ältesten und größten islamischen Gemeinden in Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den &lt;br /&gt;
muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen, die ihre ehemalige Werkskantine zum Gebets- und &lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen islamischen Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs &lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern dieser Stadt eine Stätte der Begegnung, des &lt;br /&gt;
Dialogs und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein &lt;br /&gt;
Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, &lt;br /&gt;
wo am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige &lt;br /&gt;
oder an ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ort der Information, der Kontemplation und des &lt;br /&gt;
Dialogs finden. Der Aufbau gemeinsamer christlich-muslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeit als Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität, die mit diesem Projekt weiter an Profil &lt;br /&gt;
gewinnen wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister von Duisburg, fest, und erklärt weiter: &lt;br /&gt;
„Durch eine repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle &lt;br /&gt;
Stadtentwicklung in Duisburg von den muslimischen Bürgern in enger Kooperation mit der &lt;br /&gt;
Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begegnungsstätte unter dem &lt;br /&gt;
Kuppelbau wird Duisburg-Marxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus zu einem auch &lt;br /&gt;
städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’ des interkulturellen Dialogs sowie zu einem Beispiel &lt;br /&gt;
des friedlichen Zusammenlebens der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“, urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;BEIRAT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert ist. &lt;br /&gt;
In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das Moschee-Projekt &lt;br /&gt;
schon seit Beginn der heißen Planungsphase vor drei Jahren begleiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE - EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIED L. PELLER&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen? Welche Aufgaben hat er?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so, dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen &lt;br /&gt;
als auch anderen. Der Beirat unterstützt dieses Vorhaben und begleitet es durch konstruktive &lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, mit einfließen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der Beirat vermitteln musste?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen vertreten &lt;br /&gt;
können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für unsere Stadt. &lt;br /&gt;
Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch &lt;br /&gt;
den Beirat sehr gut abgefedert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den Beirat berufen wurden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als Leiter einer Schule im Duisburger Norden angesprochen &lt;br /&gt;
von Muslimen, die auch Kinder bei mir an der Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich - denke &lt;br /&gt;
ich - auch wahrgenommen als Vertreter der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und drittens &lt;br /&gt;
auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen, die mich auf &lt;br /&gt;
diesen drei Schienen erlebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? &lt;br /&gt;
Zu welcher Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Wurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische &lt;br /&gt;
Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, &lt;br /&gt;
einlädt und keine Berührungsängste hat mit türkischen Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine &lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein &lt;br /&gt;
evangelikaler, ich habe eine klare christliche Position, aber mit einer großen Offenheit und mit &lt;br /&gt;
dem Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich &lt;br /&gt;
verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die vielen positiven Ansätze, die aus den &lt;br /&gt;
verschiedenen Richtungen kommen, werden zusammengetragen, aber nicht vermengt. Es ist zwar ein &lt;br /&gt;
buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre Konsistenz, also: grün bleibt grün und &lt;br /&gt;
rot bleibt rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch Farben schon mal beißen, um bei &lt;br /&gt;
diesem Bild zu bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, &lt;br /&gt;
die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges Miteinanderleben ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Autor, Bahá’í aus Moers,&lt;br /&gt;
:war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
:der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
:maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Thomas Schaaff, Monika Schramm, Karl Türke jun., Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
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:Internet:&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die&lt;br /&gt;
Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder. Für unverlangt &lt;br /&gt;
eingesandte Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion keine &lt;br /&gt;
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und Änderungen der Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in &lt;br /&gt;
ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. &lt;br /&gt;
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit &lt;br /&gt;
schriftlicher Genehmigung der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;Die Bahá’í-Religion&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zentrale Lehren&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Die Einheit Gottes&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:Es gibt nur einen Gott, &lt;br /&gt;
:mit welchem Namen &lt;br /&gt;
:er auch benannt oder &lt;br /&gt;
:umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Die Einheit der Religionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Alle Offenbarungsreligionen bergen den &lt;br /&gt;
:gleichen Kern ewiger Wahrheiten, wie &lt;br /&gt;
:die Liebe zu Gott und den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bestimmte Gesetze jedoch, die zum &lt;br /&gt;
:Beispiel die Organisation der Gemeinde, &lt;br /&gt;
:das Sozialwesen oder die Hygiene &lt;br /&gt;
:betreffen, müssen sich im Zuge der &lt;br /&gt;
:Menschheitsentwicklung verändern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In großen Zyklen offenbart Gott sich &lt;br /&gt;
:durch seine Boten wie Krishna, Buddha,&lt;br /&gt;
:Moses, Christus, Mohammed und &lt;br /&gt;
:Bahá’u’lláh und erneuert diesen Teil &lt;br /&gt;
:seiner Gebote als Antrieb für den &lt;br /&gt;
:menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Die Einheit der Menschheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Menschheit ist eine einzige, &lt;br /&gt;
:große Familie mit völlig &lt;br /&gt;
:gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ihren Ausdruck finden diese &lt;br /&gt;
:grundlegenden Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Selbständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Abbau von Vorurteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Übereinstimmung von Religion und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zentrale Gestalten&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Báb (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
:Bahá’u’lláh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
:&#039;Abdu&#039;l-Bahá (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
:Shoghi Effendi (1897-1957), der Hüter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Bahá’í-Gemeinde&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:organisiert sich in Gremien, &lt;br /&gt;
:die auf örtlicher, nationaler und &lt;br /&gt;
:internationaler Ebene von den &lt;br /&gt;
:erwachsenen Gemeindemitgliedern &lt;br /&gt;
:in freier, gleicher und geheimer Wahl &lt;br /&gt;
:ohne Kandidatur oder Wahl-&lt;br /&gt;
:kampagnen gewählt werden. &lt;br /&gt;
:Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::&#039;&#039;&#039;100 Jahre&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:::&#039;&#039;&#039;Bahá’í-Gemeinde&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:::&#039;&#039;&#039;Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Ausgabe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA NR. 14&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77476</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-30T15:12:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen«. &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
weist auf die wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der Welt ... hin. Er stellt sich vor, dass &lt;br /&gt;
die Entwicklung auf eine geeinte Welt hin zunehmen und als »Einheit des Denkens in weltweiten &lt;br /&gt;
Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird. Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. &lt;br /&gt;
»Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche &lt;br /&gt;
Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen &lt;br /&gt;
der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken &lt;br /&gt;
sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen, und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren &lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist dann neben Toleranz und Idealismus auch der Verzicht &lt;br /&gt;
auf Komfort gefordert. Meist dauert es nicht lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu &lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf &lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogramme! Auch die Presse ist voll des Lobes. Dabei &lt;br /&gt;
stehen für die eher technisch orientierte Fachwelt das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit &lt;br /&gt;
im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. &lt;br /&gt;
Ubuntu ist der Shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die Technik mit Mitmenschlichkeit &lt;br /&gt;
erobert und durch Leistung überzeugt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das geht völlig gefahrlos über eine sogenannte &lt;br /&gt;
Live-CD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm &lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran &lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben, findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch &lt;br /&gt;
(natürlich) kostenlos im Internet, sondern auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntu-Gemeinde, &lt;br /&gt;
die über alle Hürden hinweghilft. Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, &lt;br /&gt;
wie der Deutschlandfunk seine Sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt noch anzumerken, &lt;br /&gt;
dass in Mazedonien gerade 5000 Schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei Gründen: Es ist &lt;br /&gt;
kostenlos, es läuft auch auf alten Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.UBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNETADRESSE DES VEREINS UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://WWW.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCHAAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AUTORS. ÜBER IHN GIBT ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.-Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:ehemals kath. Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet heute als&lt;br /&gt;
:Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===MOÇAMBIOUE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Facetten einer Integration in Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;ALLE MENSCHEN SIND SEINE BÜRGER.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nur eine.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Moçambique zu integrieren bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, &lt;br /&gt;
Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, &lt;br /&gt;
Wachsen, Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein, Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. &lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Moçambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Andersseins zu einer Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von &lt;br /&gt;
verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts &lt;br /&gt;
der Unterschiede, aber auch Momente des tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren lassen, &lt;br /&gt;
dass diese Partnerschaft die Anstrengungen wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander &lt;br /&gt;
zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt — wenn &lt;br /&gt;
ich mich etwa dazu durchringe, mich genau wie meine Mutter um die Anziehsachen meines Mannes zu &lt;br /&gt;
kümmern, ihm das Wasser zum Baden zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die Wohnung sauber &lt;br /&gt;
zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines solchen Verhaltens &lt;br /&gt;
für Frauen in Moçambique gar nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch darüber beschwert, dass &lt;br /&gt;
ich ihm die Banane nur in der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er &lt;br /&gt;
besteht darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, &lt;br /&gt;
dass wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere jeweils eigenen Schwächen und Ängste &lt;br /&gt;
anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in Toleranz gegenüber den Grenzen des &lt;br /&gt;
anderen allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte zu lösen, anzunähern. Dabei ist es &lt;br /&gt;
uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere Kultur im täglichen Leben &lt;br /&gt;
kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
Mit den Kindern - bei unserem Umzug nach Moçambique waren sie 11 und 13 Jahre alt - plötzlich &lt;br /&gt;
in einer anderen Kultur zu leben, ist eine ganz eigene Herausforderung. Besonders, wenn sie im &lt;br /&gt;
Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder Entwicklungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich &lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und doch wegen &lt;br /&gt;
ihrer so anderen kulturellen Erfahrungen eben auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die &lt;br /&gt;
uns allen helfen, Menschen in ihrer Abhängigkeit von dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, verstehen &lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, was es wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein &lt;br /&gt;
soll und dass es manchmal eine große Bereicherung und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
meinen anderen Brüdern und Schwestern wirklich familiär verbunden zu fühlen. Und es ist faszinierend &lt;br /&gt;
zu erkennen, welch scharfe Beobachtungen die eigenen Kinder anstellen - sowohl an anderen Menschen &lt;br /&gt;
als auch an sich selbst - bezüglich der hiesigen oder auch der europäischen Kultur und &lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da noch all die Selbstverständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich &lt;br /&gt;
gar nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen: ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich &lt;br /&gt;
bei Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; die Freude, im Haus zu sein, wenn es draußen regnet (während &lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass Ihre Hütte einstürzt); die Menge an Wissen über die Natur, die &lt;br /&gt;
Religionen, die Möglichkeit, Bücher zu lesen und gut gestaltete Lehrbücher zu haben. Für uns als &lt;br /&gt;
Eltern und speziell für mich Mutter und Bahá’í bedeutet das vor allem, die Begrenzthelt des &lt;br /&gt;
gegenwärtigen Entwicklungsstadiums der Menschheit sowie die großen Unterschiede in den materiellen &lt;br /&gt;
Lebensumständen bei der Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, oft einfach hinzunehmen, nicht &lt;br /&gt;
schönzureden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique als Frau heißt auch Konfrontation mit einem Geschlechterverhältnis, das &lt;br /&gt;
einen manchmal erschauern lässt. Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe ich mich mitunter &lt;br /&gt;
plötzlich hineinversetzt in die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die gewalttätigen Männern schutzlos ausgeliefert sind und auch nicht auf die Unterstützung der Nachbarn zahlen können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die bei der Schwangerenuntersuchung feststellen, dass sie HIV-positiv sind und daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutter auf die Strasse geworfen werden selbst dann, wenn sie sich nur bei ihrem eigenen Mann infiziert haben können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil er ihr die Schuld an seiner eigenen misslichen Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- eine Mutter, die Wochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zu einer anderen Frau in ihrer Verzweiflung ihre kleinen Kinder bei der Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht mehr um die Kinder kümmern konnte - die Polizei dann aber nichts anderes tat, als die Frau eine Nacht einzusperren, „damit sie lernt, dass eine Mutter niemals ihre Kinder verlassen darf”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die von Ihren Männern wegen einer anderen Frau verlassen &lt;br /&gt;
wurden - eine eigentlich schon ganz normale Erscheinung; gleichzeitig haben wir es in Moçambique mit &lt;br /&gt;
einer Gesellschaft zu tun, in der die Mehrheit der Frauen mit ihren Kindern in wirtschaftlich &lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die sie &lt;br /&gt;
selbst anwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sind so umfassend und so allgegennwärtig, dass an die Lösung &lt;br /&gt;
der Entwicklungsprobleme dieses Landes kaum zu denken ist, soJange solch ein Chaos in der &lt;br /&gt;
Geschlechterbeziehung herrscht. Das Erleben dieser Geschichten lässt erahnen, welch unermessliche &lt;br /&gt;
Macht hinter den Worten Bahá’u’lláhs steckt, wenn Er die Menschen zur Gleichwertigkeit von Mann &lt;br /&gt;
und Frau aufruft und zu einem Leben nach Seinen Gesetzen. In einem Land wie Moçambique wird &lt;br /&gt;
deutlich, dass die Beachtung geistiger Prinzipien schlichtweg überlebensnotwendig sein &lt;br /&gt;
kann. Und dass geistige Prinzipien Hand in Hand gehen sollten mit der materiellen Entwicklung &lt;br /&gt;
zur Beseitigung von Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique heißt natürlich auch Leben als  „Weiße” unter einer Mehrheit von &lt;br /&gt;
„Schwarzen“. Im Großen und Ganzen ist dies ein eher nebensächlicher Aspekt und nicht schwer &lt;br /&gt;
auszuhalten, sofern man damit klarkommt, immer irgendwie als etwas Besonderes gesehen zu &lt;br /&gt;
werden. Dabei möchte ich betonen, dass ich nicht gern mit dunkelhäutigen Ausländern in &lt;br /&gt;
Deutschland tauschen möchte, die ihr&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der Nachtell des Welß-Seins &lt;br /&gt;
in Moçambique zunachst einmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit größerem &lt;br /&gt;
Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann natürlich auch recht unangenehm werden - wenn ich zum Beispiel &lt;br /&gt;
spüre, dass ich von vornherein den Reichen zugeordnet und als potentieller Geldgeber betrachtet &lt;br /&gt;
werde und damit rechnen muss, dass das Interesse anderer Menschen an einer Freundschaft von &lt;br /&gt;
der Hoffnungauf etwaige Vorteile gespeist wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dann ganz ohne Bitterkeit, aber mit vollem Ernst geäußert wird, dass die Weißen ja das Glück &lt;br /&gt;
hätten, von Gott besonders geliebt zu werden oder wenn ein alter Mann sich dafür einsetzt, mich in &lt;br /&gt;
der Warteschlange vorzulassen, weil ich doch schließlich weiß sei, dann sehe ich, wie weit das Ziel &lt;br /&gt;
der Einheit der Rassen noch entfernt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alltägliche Umgang mit Armut ist ein weiterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, was es heißt, zu &lt;br /&gt;
den Reichen dieser Welt zu gehören - ob ich mich in Deutschland jemals so wahrgenommen habe &lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ich &lt;br /&gt;
nicht bei jedem Schritt von Ihnen umringt sein. Es ist fast schon erschreckend festzustellen, wie &lt;br /&gt;
leicht mir dieser harte Tonfall mittlerweile fällt. Dann spüre ich den Wunsch, &#039;Abdu&#039;l-Bahá bei &lt;br /&gt;
mir zu haben, um zu erfahren, wie ich angemessen mit der Situation der Bettler umgehe. Hat er &lt;br /&gt;
nicht jeden Tag einen armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann ich das, &lt;br /&gt;
wo wir uns schon um all die eigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als &lt;br /&gt;
Gnädige, Barmherzige, Heilige verehrt werden, nur weil ich jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration bedeutet für mich auch die alltägliche Auseinandersetzung mit all jenen Erscheinungsformen &lt;br /&gt;
einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen kann. Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie denen, &lt;br /&gt;
dass man mit Entsetzen feststellt, dass im Garten die Grünpflanzen so gestutzt wurden, dass kaum &lt;br /&gt;
etwas davon übrigblieb - leicht zu verstehen, da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes &lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier vorrangig eine Bedrohung darstellen (wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es, wenn ich völlig unvorbereitet erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Familie haben, für das wir verantwortlich sind: Der Schwager hat es einfach bei uns gelassen und &lt;br /&gt;
ist abgereist. Der Versuch anzunehmen, dass das nach traditioneller Lebensweise norrnal sei, &lt;br /&gt;
kann mich nicht von einem Gefühl der Wut und Verletztheit abbringen, weil jemand mit &lt;br /&gt;
Selbstverständlichkeit unsere Hilfe in Anspruch nimmt, ohne uns auch nur eines Wortes für &lt;br /&gt;
würdig zu halten. Und wenn ich dann von der individualistischen europäischen und der &lt;br /&gt;
gemeinschaftsorientierten afrikanischen Gesellschaft höre, dann erweckt das in mir nur eine &lt;br /&gt;
Sehnsucht nach der Weisheit der Bahá’í-Lehren, die so vielfältige Wege aufzeigen, wie sowohl  gemeinschaftsverbindende als auch das einzelne Individuum wertschätzende Handlungsweisen &lt;br /&gt;
miteinander verbunden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist es auch notwendig und mitunter sehr schwierig, sich an problematische Situationen &lt;br /&gt;
zu gewöhnen, die mir meiner Herkunft wegen wenig vertraut sind, dass etwa Abmachungen nicht &lt;br /&gt;
eingehalten, Verbindlichkeiten nicht ernst genommen werden, dass nichts richtig klappt, immer &lt;br /&gt;
irgendwelche Hindernisse auftreten - oft bedingt durch Fehlverhalten oder Inkompetenz einzelner &lt;br /&gt;
Menschen oder Institutionen. Oder das verbreitete Denken und Handeln in Hierarchien nach dem &lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bei dem es dem Mächtigeren, Reicheren erlaubt ist, einen Untergebenen &lt;br /&gt;
in demnütigender Art zu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann in solchen Situationen eine gewisse Wut spüre, merke ich, dass ich anfange, &lt;br /&gt;
Menschen zu verurteilen. Auch wenn mir bewusst ist, dass viele Europder in Moçambique verzweifeln &lt;br /&gt;
und nicht selten mit recht üblen Überzeugungen wieder nach Hause fahren - finde ich es zunächst &lt;br /&gt;
erschrechend festzustellen, wie schnell ich zu solchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurteilen &lt;br /&gt;
gelange - trotz all der Bahá’í-Ideale von der Einheit der Rassen. Aber es sind gerade die Schriften, &lt;br /&gt;
die mich zu dem Schluss gelangen lassen: Nein, so simpel kann das nicht sein. Und es ist mir eine &lt;br /&gt;
große Hilfe zu wisen, dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass all die Phänomene alle &lt;br /&gt;
möglichen Ursachen haben können, nicht jedoch solche, die auf die Zugehörigkeit zu einer &lt;br /&gt;
Menschengruppe zurückzuführen sind. Oder besser ausgedrückt: Dass das Wort „Die Erde ist nur &lt;br /&gt;
ein Land und alle Menschen sind seine Bürger” auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen oder -gruppen verschiedener Herkunft geben &lt;br /&gt;
kann, dass es sich hierbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. &lt;br /&gt;
Und dass verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umständen auch tendenziell ähnlich handeln &lt;br /&gt;
würden. Während die Menschen meiner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für ein Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheit anzunehmen und durchzustehen. Nachdem ich das in unserer &lt;br /&gt;
eigenen Familie mehrfach erlebt hatte, wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und &lt;br /&gt;
Nachteile haben, während ich bei der Suche nach optimalen Wegen oft in Stress gerate, im &lt;br /&gt;
positiven Falle dann aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht möglich erschienen, &lt;br /&gt;
steckt hinter der Haltung, Probleme zunächst einmal anzunehmen, die Gefahr, von vornherein &lt;br /&gt;
aufzugeben, gar nicht erst nach Alternativen zu suchen, im positiven Falle aber auch die &lt;br /&gt;
Fähigkeit, mit wirklichen Problemen gelassener umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare Lösungen zu finden. Beide Handlungsweisen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem. Zusammen können sie aber zu einer gegenseitigen Bereicherung &lt;br /&gt;
werden. Die Auseinandersetzung mit den Erscheinungen der anderen Kultur führt automatisch zu &lt;br /&gt;
einer vertiefteren Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur. Es wird mir immer bewusster, wie &lt;br /&gt;
sehr die Ausrichtung auf ein geistiges Leben auch von der Erfüllung materieller Grundbedürfnisse &lt;br /&gt;
abhängig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besondere Kraft nachsagt, ist die &lt;br /&gt;
Spiritualität, das geistige Leben. Wie sieht hier Integration für mich als Europäerin aus? &lt;br /&gt;
Eines konnte/musste ich schnell lernen: Es erscheint mir auch in dieser Hinsicht ein Stereotyp, &lt;br /&gt;
ein zu banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher materiell orientierten &lt;br /&gt;
Europaer, die immer mehr an Spirtualitat verlieren, dort die Afrikaner mit ihrer inneren &lt;br /&gt;
Religiosität. Es stimmt einfach so nicht. Die Menschen in Moçambique sind - sicherlich auch &lt;br /&gt;
wegen der vielen existenziellen Probleme und der Abkehr von Religion in den kommunistischen &lt;br /&gt;
Jahrzehnten - mindestens genauso stark materiell orientiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Bahá’í? Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst &lt;br /&gt;
zu meinen Bahá’í-Abenden eingeladen hatte. Beeindruckend war zunächst einmal die unglaubliche &lt;br /&gt;
Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren Bahá’u’lláhs ohne Vorurteil anzuhören, Ihn &lt;br /&gt;
sogar auf ihre Art als wichtige Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite bleibt da aber auch jene mich ständig begleitende Unsicherheit angesichts &lt;br /&gt;
dessen, dass ich die einzige Bahá’í und noch dazu als Ausländerin mit der Denkweise, den &lt;br /&gt;
Gewohnheiten, dem Fühlen der einheimischen Menschen kaum vertraut bin, dass mir der Unterschied &lt;br /&gt;
zwischen ihrer viel emotionaleren, kraftvolleren und meinem eher verstandesmäßigen, besinnlichen &lt;br /&gt;
Umgang mit Spirtualität und Religion jedoch deutlich bewusst ist. Eine Botschaft Bahá’u’lláhs &lt;br /&gt;
haben sie sehr gut verstanden: Dass Bahá’í Menschen sind, die ihre Türen öffnen, sie auf ihren &lt;br /&gt;
Möbeln sitzen lassen, mit ihnen Ihr Essen teilen - eigentlich eine Selbstverständlichkeit für &lt;br /&gt;
jeden Bahá’í und bei jeder Bahá’í-Veranstaltung, hier jedoch angesichts der unterschiedlichen &lt;br /&gt;
Rassen und des damit einhergehenden großen Unterschieds zwischen Arm und Reich offensichtlich &lt;br /&gt;
leider eine herausragende Besonderheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so wurde dann auch die Geburtstagsfeier Bahá’u’lláhs zu einer der schönsten Bahá’í-Feiern, &lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer, die während der Feier regelrecht an meinen &lt;br /&gt;
Lippen hingen, als ich einen Tell der Lebensgeschichte Bahá’u’lláhs erzählte, bedankten sich am &lt;br /&gt;
Ende dafür, dass ich durch dieses Fest einige eigentlich zerstrittene Gemeinden zusammengebracht &lt;br /&gt;
hätte. Sie bedankten sich auch bei Bahá’u’lláh in dem festen Glauben, dass die Kraft, die mich &lt;br /&gt;
dazu führe, Menschen unabhängig von Ihrer Religion, Rasse und Herkunft in eine Einheit &lt;br /&gt;
zusammenzubringen, von Ihm ausgehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich in eine andere Gesellschaft zu integrieren, spürt man wohl am intensivsten in &lt;br /&gt;
persönlich einschneidenden Lebenssituationen - bei der Geburt eines Kindes zum Beispiel. Schon bei &lt;br /&gt;
der Frage des Entbindungsortes wurde mir der riesige Unterschied zwischen Europa und den Umständen &lt;br /&gt;
bewusst, unter denen die meisten Frauen leben und entbinden. Und während ich mit meinem Mann noch &lt;br /&gt;
darüber nachdachte, ob wir lieber einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf nehmen, um unser Kind in &lt;br /&gt;
einer deutschen Klinik zur Welt zu bringen oder ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen, wachte ich an &lt;br /&gt;
einem Morgen auf und stellte fest, dass in aller Frühe eine Frau ihre Tochter direkt auf dem Sandweg &lt;br /&gt;
vor unserem Hauseingang entbunden hat, weil ihr der Weg zum lokalen Hospital einfach zu lang &lt;br /&gt;
geworden war. Integration in Moçambique - das bedeutet noch vieles, vieles mehr. Zum Beispiel beim &lt;br /&gt;
Rückflug von Deutschland nach Moçambique die freudige Erkenntnis: „Ich fahre nach Hause.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Kordula Koksch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN MOÇAMBIQUE HEISST FÜR MICH&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* eigene Vorurteile zu erkennen und zu hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei befremdlichen Situationen unterscheiden zu lernen, ob es sich um andere Lebensweisen handelt, die es zu respektieren gilt, oder um wirkliche Probleme, die einer Entwicklung bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in Gedanken einen Brief an deutsche Freunde zu schreiben und erst nach einer Weile zu merken, dass ich die Sätze die ganze Zeit in portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* die Einheit von materlellem und geistigem Fortschritt verstehen zu lernen - zu erkennen, wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben auch an eine materielle Grundsicherung gebunden ist; zu erkennen aber auch, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im menschlichen Verhalten und somit Antrieb zu Neuentwicklung geben kann und dass ein Mangel solch einer Ausrichtung immense Umwege und Blockaden in der Entwicklung einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* angesichts der Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Zitate Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás nicht mehr nur als schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie sagen „Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* mein Verhalten und das meines Partners in seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen Kultur verstehen und mich dann davon auch lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in der Beziehung zu meinem Mann in einem Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der gegenseitigen Überforderung und Verzweiflung angesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa und der Hinterfragung der eigenen Ansichten hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===„Is gaans anders als in Iran, aber auch guut!“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÁ’Í IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“ Sie tat so, als würde sie das nur mäßig &lt;br /&gt;
interessieren und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten &lt;br /&gt;
um jeden Preis hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche und entschieden sich, glücklich &lt;br /&gt;
zu sein.” Sie guckte weiter geradeaus, hörte aber genau hin. Er setzte wieder an: „Die anderen &lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts klappte. Sie haderten mit dem Land. Sie fuhren immer wieder &lt;br /&gt;
in den Iran, ihre Eltern suchten ihnen eine Frau aus, sie brachten sie mit nach Deutschland, aber &lt;br /&gt;
sie waren einfach am falschen Ort.“ Wo er das denn gelesen hätte, fragte sie jetzt „Gelesen? Das &lt;br /&gt;
habe ich erlebt.“ Und dann erzählte er ihr die Geschichte von dem Architekturstudenten, die &lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut aus, eine unglücklich, &lt;br /&gt;
nämlich die des Architekturstudenten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahá’í in die deutsche Gemeinde ist eine Erfolgsgeschichte, &lt;br /&gt;
mit nur kleinen Talfahrten. Die erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde in den 50er Jahren. &lt;br /&gt;
Damals kamen vor allem junge Männer, um hier zu studieren. Sie kamen aus einer intakten und aktiven &lt;br /&gt;
Bahá’í-Gemeinde, oft mit dem Wunsch, die Prinzipien Bahá’u’lláhs im Nachkriegsdeutschland zu &lt;br /&gt;
verbreiten. Obwohl die jungen Studenten anfangs fremd waren und nicht gut Deutsch sprachen, wurde &lt;br /&gt;
ihnen Respekt entgegengebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland der Religion, der sich Deutsche &lt;br /&gt;
und Iraner gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt war das Öl, das die kleine Maschine &lt;br /&gt;
Integration zum Laufen brachte. Jenseits von unterschiedlicher Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Bahá’í empfingen uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder. Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen &lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abgeschlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums &lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Bahá’í-Gemeinde. Sie hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung.&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Bahá’í und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahá’í zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich einen Hafen und die junge Familie Rastegar &lt;br /&gt;
große Verantwortung und Anerkennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Bahá’í in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang es &lt;br /&gt;
nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, &lt;br /&gt;
die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging daneben und wurde ein Desaster: Die persische Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste Firma ging pleite, bei der zweiten haute ihn der Kompagnon übers Ohr - hat &lt;br /&gt;
er immer gesagt - , mit Mitte fünfzig fand er keine Anstellung, er machte sich wieder selbständig. &lt;br /&gt;
Mit den üblichen Import-Exportgeschäften, bei denen keiner weiß, mit was er&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
da handelte. Er handelte auch nicht sonderlich lange und war bald finanziell ruiniert. Zu den &lt;br /&gt;
Bahá’í-Veranstaltungen ging er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum ging er denn nicht &lt;br /&gt;
zurück?“ Natürlich wusste er mehr über den Architekten, aber er murmelte „keine Ahnung&amp;quot;, „das Haus“, &lt;br /&gt;
„die Kinder“. Er blieb einen Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von Anfang an nicht. &lt;br /&gt;
Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den 50er und 60er Jahren von der ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran. Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler &lt;br /&gt;
wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. &lt;br /&gt;
Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie kamen, um sich und ihre Kinder vor der &lt;br /&gt;
systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte, die über die Türkei oder Pakistan aus &lt;br /&gt;
dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst, nie wieder ihre Angehörigen, ihre &lt;br /&gt;
Freunde sehen zu können. Natürlich trugen sie auch noch den Zweifel mit sich, ob sie die anderen &lt;br /&gt;
im Stich gelassen hatten, um sich zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen. &lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, Wohnberechtigungsschein waren die Worte, die nun irgendwie ins &lt;br /&gt;
Persische übersetzt werden mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht, der Ende der 80er Jahre gekommen ist. Ich habe dir nie von &lt;br /&gt;
ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen &lt;br /&gt;
hatte. „Er kam ganz allein hierher, sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er seinem Sohn die &lt;br /&gt;
Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in Deutschland &lt;br /&gt;
ankam, war er dünn, nervös und hatte schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er die Kraft &lt;br /&gt;
genommen hat, in kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er einer der Tüchtigsten.” &lt;br /&gt;
Natürlich wusste sie, wen er meinte, sie bewunderte diesen Mann seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es sich handele. „Der hat es sogar &lt;br /&gt;
geschafft, einen Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun hier leben. Und der Witz ist, er &lt;br /&gt;
hat es geschafft. Verheiratet, eine Frau, ein Kind, er ist glücklich und eine Säule seiner Gemeinde. &lt;br /&gt;
Er ist der andere Typ, der, der bleiben will, der glücklich sein will, der Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind &lt;br /&gt;
deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was &lt;br /&gt;
schade ist -, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der &lt;br /&gt;
Stoff, aus dem diese Erfolgsgeschichte gemacht ist - auch nicht. Würde man die Erfahrungswerte &lt;br /&gt;
beschreiben, die man für andere Integrationsprozesse nutzen kann, dann wären dies einige:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Die Zugewanderten sollen den Ureinwohnern etwas beibringen. Wertschätzung und Neugier sind wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitig sein, und wenn dann mal der eine oder die andere sich ineinander verlieben und heiraten, ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt, eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu sagen, Gott zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte er ihr nicht beantwortet. „Und was ist mit &lt;br /&gt;
dir selber,“ fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte einen Moment, lachte kurz und sagte: &lt;br /&gt;
„Dreimal darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das gab ihr ein gutes Gefühl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für jede Integration“, &lt;br /&gt;
formullerte es der verstorbene Altbundespräsident Johannes Rau.&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Die Schule ist hier &lt;br /&gt;
ein zentraler Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistet der gemeinnützige, Bahá’í-inspirierte &lt;br /&gt;
Verein „People&#039;s Theater e.V.” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Als Medium &lt;br /&gt;
bedient er sich der „People&#039;s Theater Show“, einer Kombination von Talkshow und Theater. Alltägliche Schulkonflikte werden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation eines Konflikts &lt;br /&gt;
nachgespielt. Anschließend sucht der Moderator gemeinsam mit den Schülern nach alternativen &lt;br /&gt;
positiven Handlungsmöglichkeiten, die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei steht immer &lt;br /&gt;
wieder das Stichwort Integration im Mittelpunkt, und in Offenbach ist es besonders aktuell. Denn &lt;br /&gt;
die Stadt hat mit 33,9 Prozent den höchsten Ausländeranteil In Hessen&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit 40 bis 41 Prozent sogar die &lt;br /&gt;
höchste tatsächliche Ausländerquote in ganz Deutschland, eingebürgerte Personen inbegriffen. &lt;br /&gt;
Auch aufgrund des Einbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 13,5 Prozent &lt;br /&gt;
aller in Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die soziologische, soziale, kulturelle und &lt;br /&gt;
religiöse Vietfalt bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt auch in einer ohnehin nicht &lt;br /&gt;
homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste auf allen Seiten.“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; Konsequenzen der nicht erfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnen wir &lt;br /&gt;
tagtäglich. Ob klar ersichtlich wie bei den Ausschreitungen in Pariser Vororten oder in eher &lt;br /&gt;
unterschwellig ablaufenden Prozessen - es führt dazu, dass es in Deutschland immer noch &lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen Herkunft und Chancen gibt. Sich diesen Verhältnissen &lt;br /&gt;
zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin &lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}&lt;br /&gt;
Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen &lt;br /&gt;
oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen und &lt;br /&gt;
damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater e.V. und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände, Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen und Ausländern in besonderer Weise engagieren.&amp;quot;&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze des Vereins vor allem helfen, Vorurteile zu &lt;br /&gt;
benennen und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle und religiöse. Der Verein hilft &lt;br /&gt;
Konflikte zu bearbeiten, die auf Grund sozialer Unterschiede entstehen. Er vermittelt seinem &lt;br /&gt;
Publikum Erfahrungen, die hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s Theater sind offen &lt;br /&gt;
für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller Beteiligten, unabhängig &lt;br /&gt;
von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit von People’s Theater“, &lt;br /&gt;
so Stadträtin Birgit Simon in ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s Theater selbst sind &lt;br /&gt;
eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen, aus Iran, Griechenland, &lt;br /&gt;
Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich &lt;br /&gt;
und natürlich Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem Multiplikatorenprojekt beim Bundeswettbewerb &lt;br /&gt;
„startsocial 2005”, unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel, im &lt;br /&gt;
April 2006 „als eine der sieben herausragendsten Initiativen bürgerschaftlichen Engagements &lt;br /&gt;
Deutschlands geehrt”.&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; Auch von diesem Projekt erhofft sich People&#039;s Theater &lt;br /&gt;
direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren. Die Gruppe bemüht &lt;br /&gt;
sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitrag auf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im &lt;br /&gt;
Zusammenspiel vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist daher die Aufgabe, die &lt;br /&gt;
wir gemeinsam anpacken müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich und friedlich &lt;br /&gt;
gestalten wollen.”&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Anke Keitel&lt;br /&gt;
::Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; RAU, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, AM 12. Mai 2000 IM HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; SIEHE AUCH SCHULZE, RENÉ: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT: EIN AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11 - FRIEDENSWEGE, S.10&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER A14-J/03, S.7, WIESBADEN, AUGUST 2004&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; PRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;  OFFENBACH POST, 30. DEZEMBER 2005, S.2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; OFFENBACH POST, 12. APRIL 2006, S.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DUISBURG - DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und &lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt &lt;br /&gt;
haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg auf den ersten Blick &lt;br /&gt;
nicht von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine andere Stadt in Nordrhein-westfalen so &lt;br /&gt;
sehr von Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und &lt;br /&gt;
weist darauf hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund 48 000 Eingebürgerte leben, die oder &lt;br /&gt;
deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten bilden Muslime mit rund 70 000 die &lt;br /&gt;
Mehrheit. Sie beten in über 40 Moscheen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als vorübergehend geplant war, genügte es den &lt;br /&gt;
ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in zurückgezogenen Räumlichkeiten &lt;br /&gt;
einzurichten - ein Refugium für die eigene Religion und Kultur. Doch mit dem Nachwachsen der &lt;br /&gt;
nächsten Generationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub erlebt, trat immer stärker der &lt;br /&gt;
Wille zutage, sich nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern auch im Bereich der Religion &lt;br /&gt;
und in der Gesellschaft anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass &lt;br /&gt;
die Hinterhof-Moscheen aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels &lt;br /&gt;
derer die eigene Kultur und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne &lt;br /&gt;
aggressiv zu wirken. So beteiligen sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße an Bürgerfesten, &lt;br /&gt;
laden zu Besichtigungen ein und klären über den islamischen Glauben, dessen Sitten und &lt;br /&gt;
Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;MUSTERPROJEKT: „MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-Merkez-Moschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der &lt;br /&gt;
Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine &lt;br /&gt;
der ältesten und größten islamischen Gemeinden in Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den &lt;br /&gt;
muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen, die ihre ehemalige Werkskantine zum Gebets- und &lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen islamischen Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs &lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern dieser Stadt eine Stätte der Begegnung, des &lt;br /&gt;
Dialogs und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein &lt;br /&gt;
Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, &lt;br /&gt;
wo am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige &lt;br /&gt;
oder an ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ort der Information, der Kontemplation und des &lt;br /&gt;
Dialogs finden. Der Aufbau gemeinsamer christlich-muslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeit als Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität, die mit diesem Projekt weiter an Profil &lt;br /&gt;
gewinnen wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister von Duisburg, fest, und erklärt weiter: &lt;br /&gt;
„Durch eine repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle &lt;br /&gt;
Stadtentwicklung in Duisburg von den muslimischen Bürgern in enger Kooperation mit der &lt;br /&gt;
Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begegnungsstätte unter dem &lt;br /&gt;
Kuppelbau wird Duisburg-Marxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus zu einem auch &lt;br /&gt;
städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’ des interkulturellen Dialogs sowie zu einem Beispiel &lt;br /&gt;
des friedlichen Zusammenlebens der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“, urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;BEIRAT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert ist. &lt;br /&gt;
In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das Moschee-Projekt &lt;br /&gt;
schon seit Beginn der heißen Planungsphase vor drei Jahren begleiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE - EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIED L. PELLER&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen? Welche Aufgaben hat er?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so, dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen &lt;br /&gt;
als auch anderen. Der Beirat unterstützt dieses Vorhaben und begleitet es durch konstruktive &lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, mit einfließen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der Beirat vermitteln musste?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen vertreten &lt;br /&gt;
können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für unsere Stadt. &lt;br /&gt;
Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch &lt;br /&gt;
den Beirat sehr gut abgefedert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den Beirgt berufen wurden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als Leiter einer Schule im Duisburger Norden angesprochen &lt;br /&gt;
von Muslimen, die auch Kinder bei mir an der Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich - denke &lt;br /&gt;
ich - auch wahrgenommen als Vertreter der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und drittens &lt;br /&gt;
auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen, die mich auf &lt;br /&gt;
diesen drei Schienen erlebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? &lt;br /&gt;
Zu welcher Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische &lt;br /&gt;
Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, &lt;br /&gt;
einlädt und keine Berührungsängste hat mit türkischen Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine &lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein &lt;br /&gt;
evangelikaler, ich habe eine klare christliche Position, aber mit einer großen Offenheit und mit &lt;br /&gt;
dem Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich &lt;br /&gt;
verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die vielen positiven Ansätze, die aus den &lt;br /&gt;
verschiedenen Richtungen kommen, werden zusammengetragen, aber nicht vermengt. Es ist zwar ein &lt;br /&gt;
buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre Konsistenz, also: grün bleibt grün und &lt;br /&gt;
rot bleibt rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch Farben schon mal beißen, um bei &lt;br /&gt;
diesem Bild zu bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, &lt;br /&gt;
die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges Miteinanderleben ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Autor, Bahá’í aus Moers,&lt;br /&gt;
:war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
:der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
:maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Thomas Schaaff, Monika Schramm, Karl Türke jun., Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
:Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
:D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
:Internet:&lt;br /&gt;
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:tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;Die Bahá’í-Religion&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zentrale Lehren&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Die Einheit Gottes&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:Es gibt nur einen Gott, &lt;br /&gt;
:mit welchem Namen &lt;br /&gt;
:er auch benannt oder &lt;br /&gt;
:umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Die Einheit der Religionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Alle Offenbarungsreligionen bergen den &lt;br /&gt;
:gleichen Kern ewiger Wahrheiten, wie &lt;br /&gt;
:die Liebe zu Gott und den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bestimmte Gesetze jedoch, die zum &lt;br /&gt;
:Beispiel die Organisation der Gemeinde, &lt;br /&gt;
:das Sozialwesen oder die Hygiene &lt;br /&gt;
:betreffen, müssen sich im Zuge der &lt;br /&gt;
:Menschheitsentwicklung verändern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In großen Zyklen offenbart Gott sich &lt;br /&gt;
:durch seine Boten wie Krishna, Buddha,&lt;br /&gt;
:Moses, Christus, Mohammed und &lt;br /&gt;
:Bahá’u’lláh und erneuert diesen Teil &lt;br /&gt;
:seiner Gebote als Antrieb für den &lt;br /&gt;
:menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Die Einheit der Menschheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Menschheit ist eine einzige, &lt;br /&gt;
:große Familie mit völlig &lt;br /&gt;
:gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ihren Ausdruck finden diese &lt;br /&gt;
:grundlegenden Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Selbständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Abbau von Vorurteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Übereinstimmung von Religion und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zentrale Gestalten&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Báb (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
:Bahá’u’lláh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
:&#039;Abdu&#039;l-Bahá (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
:Shoghi Effendi (1897-1957), der Hüter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Bahá’í-Gemeinde&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:organisiert sich in Gremien, &lt;br /&gt;
:die auf örtlicher, nationaler und &lt;br /&gt;
:internationaler Ebene von den &lt;br /&gt;
:erwachsenen Gemeindemitgliedern &lt;br /&gt;
:in freier, gleicher und geheimer Wahl &lt;br /&gt;
:ohne Kandidatur oder Wahl-&lt;br /&gt;
:kampagnen gewählt werden. &lt;br /&gt;
:Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::&#039;&#039;&#039;100 Jahre&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:::&#039;&#039;&#039;Bahá’í-Gemeinde&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:::&#039;&#039;&#039;Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Ausgabe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;TEMPORA NR. 14&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-30T15:08:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen«. &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
weist auf die wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der Welt ... hin. Er stellt sich vor, dass &lt;br /&gt;
die Entwicklung auf eine geeinte Welt hin zunehmen und als »Einheit des Denkens in weltweiten &lt;br /&gt;
Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird. Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. &lt;br /&gt;
»Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche &lt;br /&gt;
Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen &lt;br /&gt;
der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken &lt;br /&gt;
sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen, und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren &lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist dann neben Toleranz und Idealismus auch der Verzicht &lt;br /&gt;
auf Komfort gefordert. Meist dauert es nicht lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu &lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf &lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogramme! Auch die Presse ist voll des Lobes. Dabei &lt;br /&gt;
stehen für die eher technisch orientierte Fachwelt das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit &lt;br /&gt;
im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. &lt;br /&gt;
Ubuntu ist der Shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die Technik mit Mitmenschlichkeit &lt;br /&gt;
erobert und durch Leistung überzeugt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das geht völlig gefahrlos über eine sogenannte &lt;br /&gt;
Live-CD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm &lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran &lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben, findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch &lt;br /&gt;
(natürlich) kostenlos im Internet, sondern auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntu-Gemeinde, &lt;br /&gt;
die über alle Hürden hinweghilft. Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, &lt;br /&gt;
wie der Deutschlandfunk seine Sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt noch anzumerken, &lt;br /&gt;
dass in Mazedonien gerade 5000 Schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei Gründen: Es ist &lt;br /&gt;
kostenlos, es läuft auch auf alten Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.UBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNETADRESSE DES VEREINS UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://WWW.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCHAAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AUTORS. ÜBER IHN GIBT ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.-Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:ehemals kath. Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet heute als&lt;br /&gt;
:Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===MOÇAMBIOUE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Facetten einer Integration in Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;ALLE MENSCHEN SIND SEINE BÜRGER.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nur eine.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Moçambique zu integrieren bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, &lt;br /&gt;
Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, &lt;br /&gt;
Wachsen, Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein, Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. &lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Moçambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Andersseins zu einer Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von &lt;br /&gt;
verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts &lt;br /&gt;
der Unterschiede, aber auch Momente des tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren lassen, &lt;br /&gt;
dass diese Partnerschaft die Anstrengungen wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander &lt;br /&gt;
zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt — wenn &lt;br /&gt;
ich mich etwa dazu durchringe, mich genau wie meine Mutter um die Anziehsachen meines Mannes zu &lt;br /&gt;
kümmern, ihm das Wasser zum Baden zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die Wohnung sauber &lt;br /&gt;
zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines solchen Verhaltens &lt;br /&gt;
für Frauen in Moçambique gar nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch darüber beschwert, dass &lt;br /&gt;
ich ihm die Banane nur in der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er &lt;br /&gt;
besteht darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, &lt;br /&gt;
dass wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere jeweils eigenen Schwächen und Ängste &lt;br /&gt;
anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in Toleranz gegenüber den Grenzen des &lt;br /&gt;
anderen allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte zu lösen, anzunähern. Dabei ist es &lt;br /&gt;
uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere Kultur im täglichen Leben &lt;br /&gt;
kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
Mit den Kindern - bei unserem Umzug nach Moçambique waren sie 11 und 13 Jahre alt - plötzlich &lt;br /&gt;
in einer anderen Kultur zu leben, ist eine ganz eigene Herausforderung. Besonders, wenn sie im &lt;br /&gt;
Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder Entwicklungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich &lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und doch wegen &lt;br /&gt;
ihrer so anderen kulturellen Erfahrungen eben auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die &lt;br /&gt;
uns allen helfen, Menschen in ihrer Abhängigkeit von dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, verstehen &lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, was es wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein &lt;br /&gt;
soll und dass es manchmal eine große Bereicherung und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
meinen anderen Brüdern und Schwestern wirklich familiär verbunden zu fühlen. Und es ist faszinierend &lt;br /&gt;
zu erkennen, welch scharfe Beobachtungen die eigenen Kinder anstellen - sowohl an anderen Menschen &lt;br /&gt;
als auch an sich selbst - bezüglich der hiesigen oder auch der europäischen Kultur und &lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da noch all die Selbstverständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich &lt;br /&gt;
gar nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen: ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich &lt;br /&gt;
bei Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; die Freude, im Haus zu sein, wenn es draußen regnet (während &lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass Ihre Hütte einstürzt); die Menge an Wissen über die Natur, die &lt;br /&gt;
Religionen, die Möglichkeit, Bücher zu lesen und gut gestaltete Lehrbücher zu haben. Für uns als &lt;br /&gt;
Eltern und speziell für mich Mutter und Bahá’í bedeutet das vor allem, die Begrenzthelt des &lt;br /&gt;
gegenwärtigen Entwicklungsstadiums der Menschheit sowie die großen Unterschiede in den materiellen &lt;br /&gt;
Lebensumständen bei der Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, oft einfach hinzunehmen, nicht &lt;br /&gt;
schönzureden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique als Frau heißt auch Konfrontation mit einem Geschlechterverhältnis, das &lt;br /&gt;
einen manchmal erschauern lässt. Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe ich mich mitunter &lt;br /&gt;
plötzlich hineinversetzt in die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die gewalttätigen Männern schutzlos ausgeliefert sind und auch nicht auf die Unterstützung der Nachbarn zahlen können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die bei der Schwangerenuntersuchung feststellen, dass sie HIV-positiv sind und daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutter auf die Strasse geworfen werden selbst dann, wenn sie sich nur bei ihrem eigenen Mann infiziert haben können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil er ihr die Schuld an seiner eigenen misslichen Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- eine Mutter, die Wochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zu einer anderen Frau in ihrer Verzweiflung ihre kleinen Kinder bei der Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht mehr um die Kinder kümmern konnte - die Polizei dann aber nichts anderes tat, als die Frau eine Nacht einzusperren, „damit sie lernt, dass eine Mutter niemals ihre Kinder verlassen darf”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die von Ihren Männern wegen einer anderen Frau verlassen &lt;br /&gt;
wurden - eine eigentlich schon ganz normale Erscheinung; gleichzeitig haben wir es in Moçambique mit &lt;br /&gt;
einer Gesellschaft zu tun, in der die Mehrheit der Frauen mit ihren Kindern in wirtschaftlich &lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die sie &lt;br /&gt;
selbst anwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sind so umfassend und so allgegennwärtig, dass an die Lösung &lt;br /&gt;
der Entwicklungsprobleme dieses Landes kaum zu denken ist, soJange solch ein Chaos in der &lt;br /&gt;
Geschlechterbeziehung herrscht. Das Erleben dieser Geschichten lässt erahnen, welch unermessliche &lt;br /&gt;
Macht hinter den Worten Bahá’u’lláhs steckt, wenn Er die Menschen zur Gleichwertigkeit von Mann &lt;br /&gt;
und Frau aufruft und zu einem Leben nach Seinen Gesetzen. In einem Land wie Moçambique wird &lt;br /&gt;
deutlich, dass die Beachtung geistiger Prinzipien schlichtweg überlebensnotwendig sein &lt;br /&gt;
kann. Und dass geistige Prinzipien Hand in Hand gehen sollten mit der materiellen Entwicklung &lt;br /&gt;
zur Beseitigung von Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique heißt natürlich auch Leben als  „Weiße” unter einer Mehrheit von &lt;br /&gt;
„Schwarzen“. Im Großen und Ganzen ist dies ein eher nebensächlicher Aspekt und nicht schwer &lt;br /&gt;
auszuhalten, sofern man damit klarkommt, immer irgendwie als etwas Besonderes gesehen zu &lt;br /&gt;
werden. Dabei möchte ich betonen, dass ich nicht gern mit dunkelhäutigen Ausländern in &lt;br /&gt;
Deutschland tauschen möchte, die ihr&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der Nachtell des Welß-Seins &lt;br /&gt;
in Moçambique zunachst einmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit größerem &lt;br /&gt;
Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann natürlich auch recht unangenehm werden - wenn ich zum Beispiel &lt;br /&gt;
spüre, dass ich von vornherein den Reichen zugeordnet und als potentieller Geldgeber betrachtet &lt;br /&gt;
werde und damit rechnen muss, dass das Interesse anderer Menschen an einer Freundschaft von &lt;br /&gt;
der Hoffnungauf etwaige Vorteile gespeist wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dann ganz ohne Bitterkeit, aber mit vollem Ernst geäußert wird, dass die Weißen ja das Glück &lt;br /&gt;
hätten, von Gott besonders geliebt zu werden oder wenn ein alter Mann sich dafür einsetzt, mich in &lt;br /&gt;
der Warteschlange vorzulassen, weil ich doch schließlich weiß sei, dann sehe ich, wie weit das Ziel &lt;br /&gt;
der Einheit der Rassen noch entfernt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alltägliche Umgang mit Armut ist ein weiterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, was es heißt, zu &lt;br /&gt;
den Reichen dieser Welt zu gehören - ob ich mich in Deutschland jemals so wahrgenommen habe &lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ich &lt;br /&gt;
nicht bei jedem Schritt von Ihnen umringt sein. Es ist fast schon erschreckend festzustellen, wie &lt;br /&gt;
leicht mir dieser harte Tonfall mittlerweile fällt. Dann spüre ich den Wunsch, &#039;Abdu&#039;l-Bahá bei &lt;br /&gt;
mir zu haben, um zu erfahren, wie ich angemessen mit der Situation der Bettler umgehe. Hat er &lt;br /&gt;
nicht jeden Tag einen armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann ich das, &lt;br /&gt;
wo wir uns schon um all die eigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als &lt;br /&gt;
Gnädige, Barmherzige, Heilige verehrt werden, nur weil ich jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration bedeutet für mich auch die alltägliche Auseinandersetzung mit all jenen Erscheinungsformen &lt;br /&gt;
einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen kann. Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie denen, &lt;br /&gt;
dass man mit Entsetzen feststellt, dass im Garten die Grünpflanzen so gestutzt wurden, dass kaum &lt;br /&gt;
etwas davon übrigblieb - leicht zu verstehen, da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes &lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier vorrangig eine Bedrohung darstellen (wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es, wenn ich völlig unvorbereitet erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Familie haben, für das wir verantwortlich sind: Der Schwager hat es einfach bei uns gelassen und &lt;br /&gt;
ist abgereist. Der Versuch anzunehmen, dass das nach traditioneller Lebensweise norrnal sei, &lt;br /&gt;
kann mich nicht von einem Gefühl der Wut und Verletztheit abbringen, weil jemand mit &lt;br /&gt;
Selbstverständlichkeit unsere Hilfe in Anspruch nimmt, ohne uns auch nur eines Wortes für &lt;br /&gt;
würdig zu halten. Und wenn ich dann von der individualistischen europäischen und der &lt;br /&gt;
gemeinschaftsorientierten afrikanischen Gesellschaft höre, dann erweckt das in mir nur eine &lt;br /&gt;
Sehnsucht nach der Weisheit der Bahá’í-Lehren, die so vielfältige Wege aufzeigen, wie sowohl  gemeinschaftsverbindende als auch das einzelne Individuum wertschätzende Handlungsweisen &lt;br /&gt;
miteinander verbunden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist es auch notwendig und mitunter sehr schwierig, sich an problematische Situationen &lt;br /&gt;
zu gewöhnen, die mir meiner Herkunft wegen wenig vertraut sind, dass etwa Abmachungen nicht &lt;br /&gt;
eingehalten, Verbindlichkeiten nicht ernst genommen werden, dass nichts richtig klappt, immer &lt;br /&gt;
irgendwelche Hindernisse auftreten - oft bedingt durch Fehlverhalten oder Inkompetenz einzelner &lt;br /&gt;
Menschen oder Institutionen. Oder das verbreitete Denken und Handeln in Hierarchien nach dem &lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bei dem es dem Mächtigeren, Reicheren erlaubt ist, einen Untergebenen &lt;br /&gt;
in demnütigender Art zu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann in solchen Situationen eine gewisse Wut spüre, merke ich, dass ich anfange, &lt;br /&gt;
Menschen zu verurteilen. Auch wenn mir bewusst ist, dass viele Europder in Moçambique verzweifeln &lt;br /&gt;
und nicht selten mit recht üblen Überzeugungen wieder nach Hause fahren - finde ich es zunächst &lt;br /&gt;
erschrechend festzustellen, wie schnell ich zu solchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurteilen &lt;br /&gt;
gelange - trotz all der Bahá’í-Ideale von der Einheit der Rassen. Aber es sind gerade die Schriften, &lt;br /&gt;
die mich zu dem Schluss gelangen lassen: Nein, so simpel kann das nicht sein. Und es ist mir eine &lt;br /&gt;
große Hilfe zu wisen, dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass all die Phänomene alle &lt;br /&gt;
möglichen Ursachen haben können, nicht jedoch solche, die auf die Zugehörigkeit zu einer &lt;br /&gt;
Menschengruppe zurückzuführen sind. Oder besser ausgedrückt: Dass das Wort „Die Erde ist nur &lt;br /&gt;
ein Land und alle Menschen sind seine Bürger” auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen oder -gruppen verschiedener Herkunft geben &lt;br /&gt;
kann, dass es sich hierbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. &lt;br /&gt;
Und dass verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umständen auch tendenziell ähnlich handeln &lt;br /&gt;
würden. Während die Menschen meiner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für ein Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheit anzunehmen und durchzustehen. Nachdem ich das in unserer &lt;br /&gt;
eigenen Familie mehrfach erlebt hatte, wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und &lt;br /&gt;
Nachteile haben, während ich bei der Suche nach optimalen Wegen oft in Stress gerate, im &lt;br /&gt;
positiven Falle dann aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht möglich erschienen, &lt;br /&gt;
steckt hinter der Haltung, Probleme zunächst einmal anzunehmen, die Gefahr, von vornherein &lt;br /&gt;
aufzugeben, gar nicht erst nach Alternativen zu suchen, im positiven Falle aber auch die &lt;br /&gt;
Fähigkeit, mit wirklichen Problemen gelassener umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare Lösungen zu finden. Beide Handlungsweisen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem. Zusammen können sie aber zu einer gegenseitigen Bereicherung &lt;br /&gt;
werden. Die Auseinandersetzung mit den Erscheinungen der anderen Kultur führt automatisch zu &lt;br /&gt;
einer vertiefteren Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur. Es wird mir immer bewusster, wie &lt;br /&gt;
sehr die Ausrichtung auf ein geistiges Leben auch von der Erfüllung materieller Grundbedürfnisse &lt;br /&gt;
abhängig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besondere Kraft nachsagt, ist die &lt;br /&gt;
Spiritualität, das geistige Leben. Wie sieht hier Integration für mich als Europäerin aus? &lt;br /&gt;
Eines konnte/musste ich schnell lernen: Es erscheint mir auch in dieser Hinsicht ein Stereotyp, &lt;br /&gt;
ein zu banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher materiell orientierten &lt;br /&gt;
Europaer, die immer mehr an Spirtualitat verlieren, dort die Afrikaner mit ihrer inneren &lt;br /&gt;
Religiosität. Es stimmt einfach so nicht. Die Menschen in Moçambique sind - sicherlich auch &lt;br /&gt;
wegen der vielen existenziellen Probleme und der Abkehr von Religion in den kommunistischen &lt;br /&gt;
Jahrzehnten - mindestens genauso stark materiell orientiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Bahá’í? Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst &lt;br /&gt;
zu meinen Bahá’í-Abenden eingeladen hatte. Beeindruckend war zunächst einmal die unglaubliche &lt;br /&gt;
Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren Bahá’u’lláhs ohne Vorurteil anzuhören, Ihn &lt;br /&gt;
sogar auf ihre Art als wichtige Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite bleibt da aber auch jene mich ständig begleitende Unsicherheit angesichts &lt;br /&gt;
dessen, dass ich die einzige Bahá’í und noch dazu als Ausländerin mit der Denkweise, den &lt;br /&gt;
Gewohnheiten, dem Fühlen der einheimischen Menschen kaum vertraut bin, dass mir der Unterschied &lt;br /&gt;
zwischen ihrer viel emotionaleren, kraftvolleren und meinem eher verstandesmäßigen, besinnlichen &lt;br /&gt;
Umgang mit Spirtualität und Religion jedoch deutlich bewusst ist. Eine Botschaft Bahá’u’lláhs &lt;br /&gt;
haben sie sehr gut verstanden: Dass Bahá’í Menschen sind, die ihre Türen öffnen, sie auf ihren &lt;br /&gt;
Möbeln sitzen lassen, mit ihnen Ihr Essen teilen - eigentlich eine Selbstverständlichkeit für &lt;br /&gt;
jeden Bahá’í und bei jeder Bahá’í-Veranstaltung, hier jedoch angesichts der unterschiedlichen &lt;br /&gt;
Rassen und des damit einhergehenden großen Unterschieds zwischen Arm und Reich offensichtlich &lt;br /&gt;
leider eine herausragende Besonderheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so wurde dann auch die Geburtstagsfeier Bahá’u’lláhs zu einer der schönsten Bahá’í-Feiern, &lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer, die während der Feier regelrecht an meinen &lt;br /&gt;
Lippen hingen, als ich einen Tell der Lebensgeschichte Bahá’u’lláhs erzählte, bedankten sich am &lt;br /&gt;
Ende dafür, dass ich durch dieses Fest einige eigentlich zerstrittene Gemeinden zusammengebracht &lt;br /&gt;
hätte. Sie bedankten sich auch bei Bahá’u’lláh in dem festen Glauben, dass die Kraft, die mich &lt;br /&gt;
dazu führe, Menschen unabhängig von Ihrer Religion, Rasse und Herkunft in eine Einheit &lt;br /&gt;
zusammenzubringen, von Ihm ausgehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich in eine andere Gesellschaft zu integrieren, spürt man wohl am intensivsten in &lt;br /&gt;
persönlich einschneidenden Lebenssituationen - bei der Geburt eines Kindes zum Beispiel. Schon bei &lt;br /&gt;
der Frage des Entbindungsortes wurde mir der riesige Unterschied zwischen Europa und den Umständen &lt;br /&gt;
bewusst, unter denen die meisten Frauen leben und entbinden. Und während ich mit meinem Mann noch &lt;br /&gt;
darüber nachdachte, ob wir lieber einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf nehmen, um unser Kind in &lt;br /&gt;
einer deutschen Klinik zur Welt zu bringen oder ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen, wachte ich an &lt;br /&gt;
einem Morgen auf und stellte fest, dass in aller Frühe eine Frau ihre Tochter direkt auf dem Sandweg &lt;br /&gt;
vor unserem Hauseingang entbunden hat, weil ihr der Weg zum lokalen Hospital einfach zu lang &lt;br /&gt;
geworden war. Integration in Moçambique - das bedeutet noch vieles, vieles mehr. Zum Beispiel beim &lt;br /&gt;
Rückflug von Deutschland nach Moçambique die freudige Erkenntnis: „Ich fahre nach Hause.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Kordula Koksch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN MOÇAMBIQUE HEISST FÜR MICH&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* eigene Vorurteile zu erkennen und zu hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei befremdlichen Situationen unterscheiden zu lernen, ob es sich um andere Lebensweisen handelt, die es zu respektieren gilt, oder um wirkliche Probleme, die einer Entwicklung bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in Gedanken einen Brief an deutsche Freunde zu schreiben und erst nach einer Weile zu merken, dass ich die Sätze die ganze Zeit in portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* die Einheit von materlellem und geistigem Fortschritt verstehen zu lernen - zu erkennen, wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben auch an eine materielle Grundsicherung gebunden ist; zu erkennen aber auch, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im menschlichen Verhalten und somit Antrieb zu Neuentwicklung geben kann und dass ein Mangel solch einer Ausrichtung immense Umwege und Blockaden in der Entwicklung einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* angesichts der Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Zitate Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás nicht mehr nur als schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie sagen „Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* mein Verhalten und das meines Partners in seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen Kultur verstehen und mich dann davon auch lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in der Beziehung zu meinem Mann in einem Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der gegenseitigen Überforderung und Verzweiflung angesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa und der Hinterfragung der eigenen Ansichten hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===„Is gaans anders als in Iran, aber auch guut!“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÁ’Í IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“ Sie tat so, als würde sie das nur mäßig &lt;br /&gt;
interessieren und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten &lt;br /&gt;
um jeden Preis hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche und entschieden sich, glücklich &lt;br /&gt;
zu sein.” Sie guckte weiter geradeaus, hörte aber genau hin. Er setzte wieder an: „Die anderen &lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts klappte. Sie haderten mit dem Land. Sie fuhren immer wieder &lt;br /&gt;
in den Iran, ihre Eltern suchten ihnen eine Frau aus, sie brachten sie mit nach Deutschland, aber &lt;br /&gt;
sie waren einfach am falschen Ort.“ Wo er das denn gelesen hätte, fragte sie jetzt „Gelesen? Das &lt;br /&gt;
habe ich erlebt.“ Und dann erzählte er ihr die Geschichte von dem Architekturstudenten, die &lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut aus, eine unglücklich, &lt;br /&gt;
nämlich die des Architekturstudenten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahá’í in die deutsche Gemeinde ist eine Erfolgsgeschichte, &lt;br /&gt;
mit nur kleinen Talfahrten. Die erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde in den 50er Jahren. &lt;br /&gt;
Damals kamen vor allem junge Männer, um hier zu studieren. Sie kamen aus einer intakten und aktiven &lt;br /&gt;
Bahá’í-Gemeinde, oft mit dem Wunsch, die Prinzipien Bahá’u’lláhs im Nachkriegsdeutschland zu &lt;br /&gt;
verbreiten. Obwohl die jungen Studenten anfangs fremd waren und nicht gut Deutsch sprachen, wurde &lt;br /&gt;
ihnen Respekt entgegengebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland der Religion, der sich Deutsche &lt;br /&gt;
und Iraner gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt war das Öl, das die kleine Maschine &lt;br /&gt;
Integration zum Laufen brachte. Jenseits von unterschiedlicher Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Bahá’í empfingen uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder. Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen &lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abgeschlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums &lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Bahá’í-Gemeinde. Sie hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung.&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Bahá’í und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahá’í zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich einen Hafen und die junge Familie Rastegar &lt;br /&gt;
große Verantwortung und Anerkennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Bahá’í in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang es &lt;br /&gt;
nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, &lt;br /&gt;
die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging daneben und wurde ein Desaster: Die persische Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste Firma ging pleite, bei der zweiten haute ihn der Kompagnon übers Ohr - hat &lt;br /&gt;
er immer gesagt - , mit Mitte fünfzig fand er keine Anstellung, er machte sich wieder selbständig. &lt;br /&gt;
Mit den üblichen Import-Exportgeschäften, bei denen keiner weiß, mit was er&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
da handelte. Er handelte auch nicht sonderlich lange und war bald finanziell ruiniert. Zu den &lt;br /&gt;
Bahá’í-Veranstaltungen ging er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum ging er denn nicht &lt;br /&gt;
zurück?“ Natürlich wusste er mehr über den Architekten, aber er murmelte „keine Ahnung&amp;quot;, „das Haus“, &lt;br /&gt;
„die Kinder“. Er blieb einen Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von Anfang an nicht. &lt;br /&gt;
Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den 50er und 60er Jahren von der ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran. Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler &lt;br /&gt;
wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. &lt;br /&gt;
Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie kamen, um sich und ihre Kinder vor der &lt;br /&gt;
systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte, die über die Türkei oder Pakistan aus &lt;br /&gt;
dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst, nie wieder ihre Angehörigen, ihre &lt;br /&gt;
Freunde sehen zu können. Natürlich trugen sie auch noch den Zweifel mit sich, ob sie die anderen &lt;br /&gt;
im Stich gelassen hatten, um sich zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen. &lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, Wohnberechtigungsschein waren die Worte, die nun irgendwie ins &lt;br /&gt;
Persische übersetzt werden mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht, der Ende der 80er Jahre gekommen ist. Ich habe dir nie von &lt;br /&gt;
ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen &lt;br /&gt;
hatte. „Er kam ganz allein hierher, sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er seinem Sohn die &lt;br /&gt;
Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in Deutschland &lt;br /&gt;
ankam, war er dünn, nervös und hatte schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er die Kraft &lt;br /&gt;
genommen hat, in kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er einer der Tüchtigsten.” &lt;br /&gt;
Natürlich wusste sie, wen er meinte, sie bewunderte diesen Mann seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es sich handele. „Der hat es sogar &lt;br /&gt;
geschafft, einen Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun hier leben. Und der Witz ist, er &lt;br /&gt;
hat es geschafft. Verheiratet, eine Frau, ein Kind, er ist glücklich und eine Säule seiner Gemeinde. &lt;br /&gt;
Er ist der andere Typ, der, der bleiben will, der glücklich sein will, der Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind &lt;br /&gt;
deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was &lt;br /&gt;
schade ist -, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der &lt;br /&gt;
Stoff, aus dem diese Erfolgsgeschichte gemacht ist - auch nicht. Würde man die Erfahrungswerte &lt;br /&gt;
beschreiben, die man für andere Integrationsprozesse nutzen kann, dann wären dies einige:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Die Zugewanderten sollen den Ureinwohnern etwas beibringen. Wertschätzung und Neugier sind wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitig sein, und wenn dann mal der eine oder die andere sich ineinander verlieben und heiraten, ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt, eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu sagen, Gott zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte er ihr nicht beantwortet. „Und was ist mit &lt;br /&gt;
dir selber,“ fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte einen Moment, lachte kurz und sagte: &lt;br /&gt;
„Dreimal darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das gab ihr ein gutes Gefühl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für jede Integration“, &lt;br /&gt;
formullerte es der verstorbene Altbundespräsident Johannes Rau.&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Die Schule ist hier &lt;br /&gt;
ein zentraler Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistet der gemeinnützige, Bahá’í-inspirierte &lt;br /&gt;
Verein „People&#039;s Theater e.V.” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Als Medium &lt;br /&gt;
bedient er sich der „People&#039;s Theater Show“, einer Kombination von Talkshow und Theater. Alltägliche Schulkonflikte werden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation eines Konflikts &lt;br /&gt;
nachgespielt. Anschließend sucht der Moderator gemeinsam mit den Schülern nach alternativen &lt;br /&gt;
positiven Handlungsmöglichkeiten, die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei steht immer &lt;br /&gt;
wieder das Stichwort Integration im Mittelpunkt, und in Offenbach ist es besonders aktuell. Denn &lt;br /&gt;
die Stadt hat mit 33,9 Prozent den höchsten Ausländeranteil In Hessen&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit 40 bis 41 Prozent sogar die &lt;br /&gt;
höchste tatsächliche Ausländerquote in ganz Deutschland, eingebürgerte Personen inbegriffen. &lt;br /&gt;
Auch aufgrund des Einbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 13,5 Prozent &lt;br /&gt;
aller in Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die soziologische, soziale, kulturelle und &lt;br /&gt;
religiöse Vietfalt bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt auch in einer ohnehin nicht &lt;br /&gt;
homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste auf allen Seiten.“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; Konsequenzen der nicht erfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnen wir &lt;br /&gt;
tagtäglich. Ob klar ersichtlich wie bei den Ausschreitungen in Pariser Vororten oder in eher &lt;br /&gt;
unterschwellig ablaufenden Prozessen - es führt dazu, dass es in Deutschland immer noch &lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen Herkunft und Chancen gibt. Sich diesen Verhältnissen &lt;br /&gt;
zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin &lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}&lt;br /&gt;
Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen &lt;br /&gt;
oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen und &lt;br /&gt;
damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater e.V. und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände, Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen und Ausländern in besonderer Weise engagieren.&amp;quot;&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze des Vereins vor allem helfen, Vorurteile zu &lt;br /&gt;
benennen und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle und religiöse. Der Verein hilft &lt;br /&gt;
Konflikte zu bearbeiten, die auf Grund sozialer Unterschiede entstehen. Er vermittelt seinem &lt;br /&gt;
Publikum Erfahrungen, die hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s Theater sind offen &lt;br /&gt;
für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller Beteiligten, unabhängig &lt;br /&gt;
von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit von People’s Theater“, &lt;br /&gt;
so Stadträtin Birgit Simon in ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s Theater selbst sind &lt;br /&gt;
eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen, aus Iran, Griechenland, &lt;br /&gt;
Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich &lt;br /&gt;
und natürlich Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem Multiplikatorenprojekt beim Bundeswettbewerb &lt;br /&gt;
„startsocial 2005”, unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel, im &lt;br /&gt;
April 2006 „als eine der sieben herausragendsten Initiativen bürgerschaftlichen Engagements &lt;br /&gt;
Deutschlands geehrt”.&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; Auch von diesem Projekt erhofft sich People&#039;s Theater &lt;br /&gt;
direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren. Die Gruppe bemüht &lt;br /&gt;
sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitrag auf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im &lt;br /&gt;
Zusammenspiel vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist daher die Aufgabe, die &lt;br /&gt;
wir gemeinsam anpacken müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich und friedlich &lt;br /&gt;
gestalten wollen.”&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Anke Keitel&lt;br /&gt;
::Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; RAU, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, AM 12. Mai 2000 IM HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; SIEHE AUCH SCHULZE, RENÉ: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT: EIN AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11 - FRIEDENSWEGE, S.10&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER A14-J/03, S.7, WIESBADEN, AUGUST 2004&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; PRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;  OFFENBACH POST, 30. DEZEMBER 2005, S.2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; OFFENBACH POST, 12. APRIL 2006, S.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DUISBURG - DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und &lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt &lt;br /&gt;
haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg auf den ersten Blick &lt;br /&gt;
nicht von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine andere Stadt in Nordrhein-westfalen so &lt;br /&gt;
sehr von Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und &lt;br /&gt;
weist darauf hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund 48 000 Eingebürgerte leben, die oder &lt;br /&gt;
deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten bilden Muslime mit rund 70 000 die &lt;br /&gt;
Mehrheit. Sie beten in über 40 Moscheen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als vorübergehend geplant war, genügte es den &lt;br /&gt;
ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in zurückgezogenen Räumlichkeiten &lt;br /&gt;
einzurichten - ein Refugium für die eigene Religion und Kultur. Doch mit dem Nachwachsen der &lt;br /&gt;
nächsten Generationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub erlebt, trat immer stärker der &lt;br /&gt;
Wille zutage, sich nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern auch im Bereich der Religion &lt;br /&gt;
und in der Gesellschaft anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass &lt;br /&gt;
die Hinterhof-Moscheen aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels &lt;br /&gt;
derer die eigene Kultur und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne &lt;br /&gt;
aggressiv zu wirken. So beteiligen sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße an Bürgerfesten, &lt;br /&gt;
laden zu Besichtigungen ein und klären über den islamischen Glauben, dessen Sitten und &lt;br /&gt;
Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;MUSTERPROJEKT: „MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-Merkez-Moschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der &lt;br /&gt;
Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine &lt;br /&gt;
der ältesten und größten islamischen Gemeinden in Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den &lt;br /&gt;
muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen, die ihre ehemalige Werkskantine zum Gebets- und &lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen islamischen Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs &lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern dieser Stadt eine Stätte der Begegnung, des &lt;br /&gt;
Dialogs und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein &lt;br /&gt;
Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, &lt;br /&gt;
wo am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige &lt;br /&gt;
oder an ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ort der Information, der Kontemplation und des &lt;br /&gt;
Dialogs finden. Der Aufbau gemeinsamer christlich-muslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeit als Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität, die mit diesem Projekt weiter an Profil &lt;br /&gt;
gewinnen wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister von Duisburg, fest, und erklärt weiter: &lt;br /&gt;
„Durch eine repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle &lt;br /&gt;
Stadtentwicklung in Duisburg von den muslimischen Bürgern in enger Kooperation mit der &lt;br /&gt;
Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begegnungsstätte unter dem &lt;br /&gt;
Kuppelbau wird Duisburg-Marxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus zu einem auch &lt;br /&gt;
städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’ des interkulturellen Dialogs sowie zu einem Beispiel &lt;br /&gt;
des friedlichen Zusammenlebens der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“, urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;BEIRAT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert ist. &lt;br /&gt;
In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das Moschee-Projekt &lt;br /&gt;
schon seit Beginn der heißen Planungsphase vor drei Jahren begleiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE - EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIED L. PELLER&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen? Welche Aufgaben hat er?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so, dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen &lt;br /&gt;
als auch anderen. Der Beirat unterstützt dieses Vorhaben und begleitet es durch konstruktive &lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, mit einfließen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der Beirat vermitteln musste?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen vertreten &lt;br /&gt;
können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für unsere Stadt. &lt;br /&gt;
Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch &lt;br /&gt;
den Beirat sehr gut abgefedert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den Beirgt berufen wurden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als Leiter einer Schule im Duisburger Norden angesprochen &lt;br /&gt;
von Muslimen, die auch Kinder bei mir an der Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich - denke &lt;br /&gt;
ich - auch wahrgenommen als Vertreter der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und drittens &lt;br /&gt;
auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen, die mich auf &lt;br /&gt;
diesen drei Schienen erlebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? &lt;br /&gt;
Zu welcher Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische &lt;br /&gt;
Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, &lt;br /&gt;
einlädt und keine Berührungsängste hat mit türkischen Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine &lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein &lt;br /&gt;
evangelikaler, ich habe eine klare christliche Position, aber mit einer großen Offenheit und mit &lt;br /&gt;
dem Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich &lt;br /&gt;
verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die vielen positiven Ansätze, die aus den &lt;br /&gt;
verschiedenen Richtungen kommen, werden zusammengetragen, aber nicht vermengt. Es ist zwar ein &lt;br /&gt;
buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre Konsistenz, also: grün bleibt grün und &lt;br /&gt;
rot bleibt rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch Farben schon mal beißen, um bei &lt;br /&gt;
diesem Bild zu bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, &lt;br /&gt;
die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges Miteinanderleben ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Autor, Bahá’í aus Moers,&lt;br /&gt;
:war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
:der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
:maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert in allen Bereichen ein&lt;br /&gt;
gänzlich neues Denken und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Bahá’í—Lehren mit aktuellen Zeitfragen und möchte &lt;br /&gt;
durch Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herausgeber&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Deutschland e.V., Eppsteiner Str. 89&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;65719 Hofheim-Langenhain&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktion&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Roland Greis, Thomas Schaaff, Monika Schramm, Karl Türke jun., Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Redaktionsanschrift&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
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:Internet:&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Layout&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Druck&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Vertrieb und Bestellungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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:Bahá’í—Verlag&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die&lt;br /&gt;
Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder. Für unverlangt &lt;br /&gt;
eingesandte Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion keine &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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© Bahá’í-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;Die Bahá’í-Religion&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zentrale Lehren&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Die Einheit Gottes&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:Es gibt nur einen Gott, &lt;br /&gt;
:mit welchem Namen &lt;br /&gt;
:er auch benannt oder &lt;br /&gt;
:umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Die Einheit der Religionen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Alle Offenbarungsreligionen bergen den &lt;br /&gt;
:gleichen Kern ewiger Wahrheiten, wie &lt;br /&gt;
:die Liebe zu Gott und den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bestimmte Gesetze jedoch, die zum &lt;br /&gt;
:Beispiel die Organisation der Gemeinde, &lt;br /&gt;
:das Sozialwesen oder die Hygiene &lt;br /&gt;
:betreffen, müssen sich im Zuge der &lt;br /&gt;
:Menschheitsentwicklung verändern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In großen Zyklen offenbart Gott sich &lt;br /&gt;
:durch seine Boten wie Krishna, Buddha,&lt;br /&gt;
:Moses, Christus, Mohammed und &lt;br /&gt;
:Bahá’u’lláh und erneuert diesen Teil &lt;br /&gt;
:seiner Gebote als Antrieb für den &lt;br /&gt;
:menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Die Einheit der Menschheit&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Menschheit ist eine einzige, &lt;br /&gt;
:große Familie mit völlig &lt;br /&gt;
:gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ihren Ausdruck finden diese &lt;br /&gt;
:grundlegenden Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Selbständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Abbau von Vorurteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:▪ Übereinstimmung von Religion und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zentrale Gestalten&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Báb (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
:Bahá’u’lláh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
:&#039;Abdu&#039;l-Bahá (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
:Shoghi Effendi (1897-1957), der Hüter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Bahá’í-Gemeinde&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:organisiert sich in Gremien, &lt;br /&gt;
:die auf örtlicher, nationaler und &lt;br /&gt;
:internationaler Ebene von den &lt;br /&gt;
:erwachsenen Gemeindemitgliedern &lt;br /&gt;
:in freier, gleicher und geheimer Wahl &lt;br /&gt;
:ohne Kandidatur oder Wahl-&lt;br /&gt;
:kampagnen gewählt werden. &lt;br /&gt;
:Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::&#039;&#039;&#039;100 Jahre&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:::&#039;&#039;&#039;Bahá’í-Gemeinde&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:::&#039;&#039;&#039;Deutschland&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Ausgabe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA NR. 14&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Gesundheit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77474</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-30T14:28:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen«. &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
weist auf die wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der Welt ... hin. Er stellt sich vor, dass &lt;br /&gt;
die Entwicklung auf eine geeinte Welt hin zunehmen und als »Einheit des Denkens in weltweiten &lt;br /&gt;
Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird. Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. &lt;br /&gt;
»Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche &lt;br /&gt;
Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen &lt;br /&gt;
der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken &lt;br /&gt;
sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen, und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren &lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist dann neben Toleranz und Idealismus auch der Verzicht &lt;br /&gt;
auf Komfort gefordert. Meist dauert es nicht lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu &lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf &lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogramme! Auch die Presse ist voll des Lobes. Dabei &lt;br /&gt;
stehen für die eher technisch orientierte Fachwelt das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit &lt;br /&gt;
im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. &lt;br /&gt;
Ubuntu ist der Shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die Technik mit Mitmenschlichkeit &lt;br /&gt;
erobert und durch Leistung überzeugt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das geht völlig gefahrlos über eine sogenannte &lt;br /&gt;
Live-CD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm &lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran &lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben, findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch &lt;br /&gt;
(natürlich) kostenlos im Internet, sondern auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntu-Gemeinde, &lt;br /&gt;
die über alle Hürden hinweghilft. Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, &lt;br /&gt;
wie der Deutschlandfunk seine Sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt noch anzumerken, &lt;br /&gt;
dass in Mazedonien gerade 5000 Schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei Gründen: Es ist &lt;br /&gt;
kostenlos, es läuft auch auf alten Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.UBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNETADRESSE DES VEREINS UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://WWW.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCHAAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AUTORS. ÜBER IHN GIBT ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.-Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:ehemals kath. Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet heute als&lt;br /&gt;
:Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===MOÇAMBIOUE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Facetten einer Integration in Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;ALLE MENSCHEN SIND SEINE BÜRGER.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nur eine.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Moçambique zu integrieren bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, &lt;br /&gt;
Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, &lt;br /&gt;
Wachsen, Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein, Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. &lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Moçambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Andersseins zu einer Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von &lt;br /&gt;
verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts &lt;br /&gt;
der Unterschiede, aber auch Momente des tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren lassen, &lt;br /&gt;
dass diese Partnerschaft die Anstrengungen wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander &lt;br /&gt;
zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt — wenn &lt;br /&gt;
ich mich etwa dazu durchringe, mich genau wie meine Mutter um die Anziehsachen meines Mannes zu &lt;br /&gt;
kümmern, ihm das Wasser zum Baden zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die Wohnung sauber &lt;br /&gt;
zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines solchen Verhaltens &lt;br /&gt;
für Frauen in Moçambique gar nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch darüber beschwert, dass &lt;br /&gt;
ich ihm die Banane nur in der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er &lt;br /&gt;
besteht darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, &lt;br /&gt;
dass wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere jeweils eigenen Schwächen und Ängste &lt;br /&gt;
anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in Toleranz gegenüber den Grenzen des &lt;br /&gt;
anderen allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte zu lösen, anzunähern. Dabei ist es &lt;br /&gt;
uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere Kultur im täglichen Leben &lt;br /&gt;
kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
Mit den Kindern - bei unserem Umzug nach Moçambique waren sie 11 und 13 Jahre alt - plötzlich &lt;br /&gt;
in einer anderen Kultur zu leben, ist eine ganz eigene Herausforderung. Besonders, wenn sie im &lt;br /&gt;
Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder Entwicklungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich &lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und doch wegen &lt;br /&gt;
ihrer so anderen kulturellen Erfahrungen eben auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die &lt;br /&gt;
uns allen helfen, Menschen in ihrer Abhängigkeit von dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, verstehen &lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, was es wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein &lt;br /&gt;
soll und dass es manchmal eine große Bereicherung und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
meinen anderen Brüdern und Schwestern wirklich familiär verbunden zu fühlen. Und es ist faszinierend &lt;br /&gt;
zu erkennen, welch scharfe Beobachtungen die eigenen Kinder anstellen - sowohl an anderen Menschen &lt;br /&gt;
als auch an sich selbst - bezüglich der hiesigen oder auch der europäischen Kultur und &lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da noch all die Selbstverständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich &lt;br /&gt;
gar nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen: ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich &lt;br /&gt;
bei Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; die Freude, im Haus zu sein, wenn es draußen regnet (während &lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass Ihre Hütte einstürzt); die Menge an Wissen über die Natur, die &lt;br /&gt;
Religionen, die Möglichkeit, Bücher zu lesen und gut gestaltete Lehrbücher zu haben. Für uns als &lt;br /&gt;
Eltern und speziell für mich Mutter und Bahá’í bedeutet das vor allem, die Begrenzthelt des &lt;br /&gt;
gegenwärtigen Entwicklungsstadiums der Menschheit sowie die großen Unterschiede in den materiellen &lt;br /&gt;
Lebensumständen bei der Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, oft einfach hinzunehmen, nicht &lt;br /&gt;
schönzureden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique als Frau heißt auch Konfrontation mit einem Geschlechterverhältnis, das &lt;br /&gt;
einen manchmal erschauern lässt. Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe ich mich mitunter &lt;br /&gt;
plötzlich hineinversetzt in die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die gewalttätigen Männern schutzlos ausgeliefert sind und auch nicht auf die Unterstützung der Nachbarn zahlen können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die bei der Schwangerenuntersuchung feststellen, dass sie HIV-positiv sind und daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutter auf die Strasse geworfen werden selbst dann, wenn sie sich nur bei ihrem eigenen Mann infiziert haben können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil er ihr die Schuld an seiner eigenen misslichen Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- eine Mutter, die Wochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zu einer anderen Frau in ihrer Verzweiflung ihre kleinen Kinder bei der Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht mehr um die Kinder kümmern konnte - die Polizei dann aber nichts anderes tat, als die Frau eine Nacht einzusperren, „damit sie lernt, dass eine Mutter niemals ihre Kinder verlassen darf”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die von Ihren Männern wegen einer anderen Frau verlassen &lt;br /&gt;
wurden - eine eigentlich schon ganz normale Erscheinung; gleichzeitig haben wir es in Moçambique mit &lt;br /&gt;
einer Gesellschaft zu tun, in der die Mehrheit der Frauen mit ihren Kindern in wirtschaftlich &lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die sie &lt;br /&gt;
selbst anwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sind so umfassend und so allgegennwärtig, dass an die Lösung &lt;br /&gt;
der Entwicklungsprobleme dieses Landes kaum zu denken ist, soJange solch ein Chaos in der &lt;br /&gt;
Geschlechterbeziehung herrscht. Das Erleben dieser Geschichten lässt erahnen, welch unermessliche &lt;br /&gt;
Macht hinter den Worten Bahá’u’lláhs steckt, wenn Er die Menschen zur Gleichwertigkeit von Mann &lt;br /&gt;
und Frau aufruft und zu einem Leben nach Seinen Gesetzen. In einem Land wie Moçambique wird &lt;br /&gt;
deutlich, dass die Beachtung geistiger Prinzipien schlichtweg überlebensnotwendig sein &lt;br /&gt;
kann. Und dass geistige Prinzipien Hand in Hand gehen sollten mit der materiellen Entwicklung &lt;br /&gt;
zur Beseitigung von Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique heißt natürlich auch Leben als  „Weiße” unter einer Mehrheit von &lt;br /&gt;
„Schwarzen“. Im Großen und Ganzen ist dies ein eher nebensächlicher Aspekt und nicht schwer &lt;br /&gt;
auszuhalten, sofern man damit klarkommt, immer irgendwie als etwas Besonderes gesehen zu &lt;br /&gt;
werden. Dabei möchte ich betonen, dass ich nicht gern mit dunkelhäutigen Ausländern in &lt;br /&gt;
Deutschland tauschen möchte, die ihr&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der Nachtell des Welß-Seins &lt;br /&gt;
in Moçambique zunachst einmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit größerem &lt;br /&gt;
Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann natürlich auch recht unangenehm werden - wenn ich zum Beispiel &lt;br /&gt;
spüre, dass ich von vornherein den Reichen zugeordnet und als potentieller Geldgeber betrachtet &lt;br /&gt;
werde und damit rechnen muss, dass das Interesse anderer Menschen an einer Freundschaft von &lt;br /&gt;
der Hoffnungauf etwaige Vorteile gespeist wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dann ganz ohne Bitterkeit, aber mit vollem Ernst geäußert wird, dass die Weißen ja das Glück &lt;br /&gt;
hätten, von Gott besonders geliebt zu werden oder wenn ein alter Mann sich dafür einsetzt, mich in &lt;br /&gt;
der Warteschlange vorzulassen, weil ich doch schließlich weiß sei, dann sehe ich, wie weit das Ziel &lt;br /&gt;
der Einheit der Rassen noch entfernt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alltägliche Umgang mit Armut ist ein weiterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, was es heißt, zu &lt;br /&gt;
den Reichen dieser Welt zu gehören - ob ich mich in Deutschland jemals so wahrgenommen habe &lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ich &lt;br /&gt;
nicht bei jedem Schritt von Ihnen umringt sein. Es ist fast schon erschreckend festzustellen, wie &lt;br /&gt;
leicht mir dieser harte Tonfall mittlerweile fällt. Dann spüre ich den Wunsch, &#039;Abdu&#039;l-Bahá bei &lt;br /&gt;
mir zu haben, um zu erfahren, wie ich angemessen mit der Situation der Bettler umgehe. Hat er &lt;br /&gt;
nicht jeden Tag einen armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann ich das, &lt;br /&gt;
wo wir uns schon um all die eigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als &lt;br /&gt;
Gnädige, Barmherzige, Heilige verehrt werden, nur weil ich jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration bedeutet für mich auch die alltägliche Auseinandersetzung mit all jenen Erscheinungsformen &lt;br /&gt;
einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen kann. Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie denen, &lt;br /&gt;
dass man mit Entsetzen feststellt, dass im Garten die Grünpflanzen so gestutzt wurden, dass kaum &lt;br /&gt;
etwas davon übrigblieb - leicht zu verstehen, da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes &lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier vorrangig eine Bedrohung darstellen (wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es, wenn ich völlig unvorbereitet erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Familie haben, für das wir verantwortlich sind: Der Schwager hat es einfach bei uns gelassen und &lt;br /&gt;
ist abgereist. Der Versuch anzunehmen, dass das nach traditioneller Lebensweise norrnal sei, &lt;br /&gt;
kann mich nicht von einem Gefühl der Wut und Verletztheit abbringen, weil jemand mit &lt;br /&gt;
Selbstverständlichkeit unsere Hilfe in Anspruch nimmt, ohne uns auch nur eines Wortes für &lt;br /&gt;
würdig zu halten. Und wenn ich dann von der individualistischen europäischen und der &lt;br /&gt;
gemeinschaftsorientierten afrikanischen Gesellschaft höre, dann erweckt das in mir nur eine &lt;br /&gt;
Sehnsucht nach der Weisheit der Bahá’í-Lehren, die so vielfältige Wege aufzeigen, wie sowohl  gemeinschaftsverbindende als auch das einzelne Individuum wertschätzende Handlungsweisen &lt;br /&gt;
miteinander verbunden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist es auch notwendig und mitunter sehr schwierig, sich an problematische Situationen &lt;br /&gt;
zu gewöhnen, die mir meiner Herkunft wegen wenig vertraut sind, dass etwa Abmachungen nicht &lt;br /&gt;
eingehalten, Verbindlichkeiten nicht ernst genommen werden, dass nichts richtig klappt, immer &lt;br /&gt;
irgendwelche Hindernisse auftreten - oft bedingt durch Fehlverhalten oder Inkompetenz einzelner &lt;br /&gt;
Menschen oder Institutionen. Oder das verbreitete Denken und Handeln in Hierarchien nach dem &lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bei dem es dem Mächtigeren, Reicheren erlaubt ist, einen Untergebenen &lt;br /&gt;
in demnütigender Art zu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann in solchen Situationen eine gewisse Wut spüre, merke ich, dass ich anfange, &lt;br /&gt;
Menschen zu verurteilen. Auch wenn mir bewusst ist, dass viele Europder in Moçambique verzweifeln &lt;br /&gt;
und nicht selten mit recht üblen Überzeugungen wieder nach Hause fahren - finde ich es zunächst &lt;br /&gt;
erschrechend festzustellen, wie schnell ich zu solchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurteilen &lt;br /&gt;
gelange - trotz all der Bahá’í-Ideale von der Einheit der Rassen. Aber es sind gerade die Schriften, &lt;br /&gt;
die mich zu dem Schluss gelangen lassen: Nein, so simpel kann das nicht sein. Und es ist mir eine &lt;br /&gt;
große Hilfe zu wisen, dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass all die Phänomene alle &lt;br /&gt;
möglichen Ursachen haben können, nicht jedoch solche, die auf die Zugehörigkeit zu einer &lt;br /&gt;
Menschengruppe zurückzuführen sind. Oder besser ausgedrückt: Dass das Wort „Die Erde ist nur &lt;br /&gt;
ein Land und alle Menschen sind seine Bürger” auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen oder -gruppen verschiedener Herkunft geben &lt;br /&gt;
kann, dass es sich hierbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. &lt;br /&gt;
Und dass verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umständen auch tendenziell ähnlich handeln &lt;br /&gt;
würden. Während die Menschen meiner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für ein Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheit anzunehmen und durchzustehen. Nachdem ich das in unserer &lt;br /&gt;
eigenen Familie mehrfach erlebt hatte, wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und &lt;br /&gt;
Nachteile haben, während ich bei der Suche nach optimalen Wegen oft in Stress gerate, im &lt;br /&gt;
positiven Falle dann aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht möglich erschienen, &lt;br /&gt;
steckt hinter der Haltung, Probleme zunächst einmal anzunehmen, die Gefahr, von vornherein &lt;br /&gt;
aufzugeben, gar nicht erst nach Alternativen zu suchen, im positiven Falle aber auch die &lt;br /&gt;
Fähigkeit, mit wirklichen Problemen gelassener umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare Lösungen zu finden. Beide Handlungsweisen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem. Zusammen können sie aber zu einer gegenseitigen Bereicherung &lt;br /&gt;
werden. Die Auseinandersetzung mit den Erscheinungen der anderen Kultur führt automatisch zu &lt;br /&gt;
einer vertiefteren Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur. Es wird mir immer bewusster, wie &lt;br /&gt;
sehr die Ausrichtung auf ein geistiges Leben auch von der Erfüllung materieller Grundbedürfnisse &lt;br /&gt;
abhängig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besondere Kraft nachsagt, ist die &lt;br /&gt;
Spiritualität, das geistige Leben. Wie sieht hier Integration für mich als Europäerin aus? &lt;br /&gt;
Eines konnte/musste ich schnell lernen: Es erscheint mir auch in dieser Hinsicht ein Stereotyp, &lt;br /&gt;
ein zu banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher materiell orientierten &lt;br /&gt;
Europaer, die immer mehr an Spirtualitat verlieren, dort die Afrikaner mit ihrer inneren &lt;br /&gt;
Religiosität. Es stimmt einfach so nicht. Die Menschen in Moçambique sind - sicherlich auch &lt;br /&gt;
wegen der vielen existenziellen Probleme und der Abkehr von Religion in den kommunistischen &lt;br /&gt;
Jahrzehnten - mindestens genauso stark materiell orientiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Bahá’í? Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst &lt;br /&gt;
zu meinen Bahá’í-Abenden eingeladen hatte. Beeindruckend war zunächst einmal die unglaubliche &lt;br /&gt;
Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren Bahá’u’lláhs ohne Vorurteil anzuhören, Ihn &lt;br /&gt;
sogar auf ihre Art als wichtige Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite bleibt da aber auch jene mich ständig begleitende Unsicherheit angesichts &lt;br /&gt;
dessen, dass ich die einzige Bahá’í und noch dazu als Ausländerin mit der Denkweise, den &lt;br /&gt;
Gewohnheiten, dem Fühlen der einheimischen Menschen kaum vertraut bin, dass mir der Unterschied &lt;br /&gt;
zwischen ihrer viel emotionaleren, kraftvolleren und meinem eher verstandesmäßigen, besinnlichen &lt;br /&gt;
Umgang mit Spirtualität und Religion jedoch deutlich bewusst ist. Eine Botschaft Bahá’u’lláhs &lt;br /&gt;
haben sie sehr gut verstanden: Dass Bahá’í Menschen sind, die ihre Türen öffnen, sie auf ihren &lt;br /&gt;
Möbeln sitzen lassen, mit ihnen Ihr Essen teilen - eigentlich eine Selbstverständlichkeit für &lt;br /&gt;
jeden Bahá’í und bei jeder Bahá’í-Veranstaltung, hier jedoch angesichts der unterschiedlichen &lt;br /&gt;
Rassen und des damit einhergehenden großen Unterschieds zwischen Arm und Reich offensichtlich &lt;br /&gt;
leider eine herausragende Besonderheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so wurde dann auch die Geburtstagsfeier Bahá’u’lláhs zu einer der schönsten Bahá’í-Feiern, &lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer, die während der Feier regelrecht an meinen &lt;br /&gt;
Lippen hingen, als ich einen Tell der Lebensgeschichte Bahá’u’lláhs erzählte, bedankten sich am &lt;br /&gt;
Ende dafür, dass ich durch dieses Fest einige eigentlich zerstrittene Gemeinden zusammengebracht &lt;br /&gt;
hätte. Sie bedankten sich auch bei Bahá’u’lláh in dem festen Glauben, dass die Kraft, die mich &lt;br /&gt;
dazu führe, Menschen unabhängig von Ihrer Religion, Rasse und Herkunft in eine Einheit &lt;br /&gt;
zusammenzubringen, von Ihm ausgehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich in eine andere Gesellschaft zu integrieren, spürt man wohl am intensivsten in &lt;br /&gt;
persönlich einschneidenden Lebenssituationen - bei der Geburt eines Kindes zum Beispiel. Schon bei &lt;br /&gt;
der Frage des Entbindungsortes wurde mir der riesige Unterschied zwischen Europa und den Umständen &lt;br /&gt;
bewusst, unter denen die meisten Frauen leben und entbinden. Und während ich mit meinem Mann noch &lt;br /&gt;
darüber nachdachte, ob wir lieber einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf nehmen, um unser Kind in &lt;br /&gt;
einer deutschen Klinik zur Welt zu bringen oder ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen, wachte ich an &lt;br /&gt;
einem Morgen auf und stellte fest, dass in aller Frühe eine Frau ihre Tochter direkt auf dem Sandweg &lt;br /&gt;
vor unserem Hauseingang entbunden hat, weil ihr der Weg zum lokalen Hospital einfach zu lang &lt;br /&gt;
geworden war. Integration in Moçambique - das bedeutet noch vieles, vieles mehr. Zum Beispiel beim &lt;br /&gt;
Rückflug von Deutschland nach Moçambique die freudige Erkenntnis: „Ich fahre nach Hause.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Kordula Koksch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN MOÇAMBIQUE HEISST FÜR MICH&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* eigene Vorurteile zu erkennen und zu hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei befremdlichen Situationen unterscheiden zu lernen, ob es sich um andere Lebensweisen handelt, die es zu respektieren gilt, oder um wirkliche Probleme, die einer Entwicklung bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in Gedanken einen Brief an deutsche Freunde zu schreiben und erst nach einer Weile zu merken, dass ich die Sätze die ganze Zeit in portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* die Einheit von materlellem und geistigem Fortschritt verstehen zu lernen - zu erkennen, wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben auch an eine materielle Grundsicherung gebunden ist; zu erkennen aber auch, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im menschlichen Verhalten und somit Antrieb zu Neuentwicklung geben kann und dass ein Mangel solch einer Ausrichtung immense Umwege und Blockaden in der Entwicklung einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* angesichts der Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Zitate Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás nicht mehr nur als schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie sagen „Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* mein Verhalten und das meines Partners in seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen Kultur verstehen und mich dann davon auch lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in der Beziehung zu meinem Mann in einem Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der gegenseitigen Überforderung und Verzweiflung angesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa und der Hinterfragung der eigenen Ansichten hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===„Is gaans anders als in Iran, aber auch guut!“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÁ’Í IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“ Sie tat so, als würde sie das nur mäßig &lt;br /&gt;
interessieren und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten &lt;br /&gt;
um jeden Preis hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche und entschieden sich, glücklich &lt;br /&gt;
zu sein.” Sie guckte weiter geradeaus, hörte aber genau hin. Er setzte wieder an: „Die anderen &lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts klappte. Sie haderten mit dem Land. Sie fuhren immer wieder &lt;br /&gt;
in den Iran, ihre Eltern suchten ihnen eine Frau aus, sie brachten sie mit nach Deutschland, aber &lt;br /&gt;
sie waren einfach am falschen Ort.“ Wo er das denn gelesen hätte, fragte sie jetzt „Gelesen? Das &lt;br /&gt;
habe ich erlebt.“ Und dann erzählte er ihr die Geschichte von dem Architekturstudenten, die &lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut aus, eine unglücklich, &lt;br /&gt;
nämlich die des Architekturstudenten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahá’í in die deutsche Gemeinde ist eine Erfolgsgeschichte, &lt;br /&gt;
mit nur kleinen Talfahrten. Die erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde in den 50er Jahren. &lt;br /&gt;
Damals kamen vor allem junge Männer, um hier zu studieren. Sie kamen aus einer intakten und aktiven &lt;br /&gt;
Bahá’í-Gemeinde, oft mit dem Wunsch, die Prinzipien Bahá’u’lláhs im Nachkriegsdeutschland zu &lt;br /&gt;
verbreiten. Obwohl die jungen Studenten anfangs fremd waren und nicht gut Deutsch sprachen, wurde &lt;br /&gt;
ihnen Respekt entgegengebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland der Religion, der sich Deutsche &lt;br /&gt;
und Iraner gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt war das Öl, das die kleine Maschine &lt;br /&gt;
Integration zum Laufen brachte. Jenseits von unterschiedlicher Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Bahá’í empfingen uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder. Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen &lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abgeschlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums &lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Bahá’í-Gemeinde. Sie hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung.&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Bahá’í und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahá’í zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich einen Hafen und die junge Familie Rastegar &lt;br /&gt;
große Verantwortung und Anerkennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Bahá’í in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang es &lt;br /&gt;
nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, &lt;br /&gt;
die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging daneben und wurde ein Desaster: Die persische Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste Firma ging pleite, bei der zweiten haute ihn der Kompagnon übers Ohr - hat &lt;br /&gt;
er immer gesagt - , mit Mitte fünfzig fand er keine Anstellung, er machte sich wieder selbständig. &lt;br /&gt;
Mit den üblichen Import-Exportgeschäften, bei denen keiner weiß, mit was er&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
da handelte. Er handelte auch nicht sonderlich lange und war bald finanziell ruiniert. Zu den &lt;br /&gt;
Bahá’í-Veranstaltungen ging er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum ging er denn nicht &lt;br /&gt;
zurück?“ Natürlich wusste er mehr über den Architekten, aber er murmelte „keine Ahnung&amp;quot;, „das Haus“, &lt;br /&gt;
„die Kinder“. Er blieb einen Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von Anfang an nicht. &lt;br /&gt;
Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den 50er und 60er Jahren von der ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran. Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler &lt;br /&gt;
wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. &lt;br /&gt;
Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie kamen, um sich und ihre Kinder vor der &lt;br /&gt;
systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte, die über die Türkei oder Pakistan aus &lt;br /&gt;
dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst, nie wieder ihre Angehörigen, ihre &lt;br /&gt;
Freunde sehen zu können. Natürlich trugen sie auch noch den Zweifel mit sich, ob sie die anderen &lt;br /&gt;
im Stich gelassen hatten, um sich zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen. &lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, Wohnberechtigungsschein waren die Worte, die nun irgendwie ins &lt;br /&gt;
Persische übersetzt werden mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht, der Ende der 80er Jahre gekommen ist. Ich habe dir nie von &lt;br /&gt;
ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen &lt;br /&gt;
hatte. „Er kam ganz allein hierher, sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er seinem Sohn die &lt;br /&gt;
Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in Deutschland &lt;br /&gt;
ankam, war er dünn, nervös und hatte schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er die Kraft &lt;br /&gt;
genommen hat, in kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er einer der Tüchtigsten.” &lt;br /&gt;
Natürlich wusste sie, wen er meinte, sie bewunderte diesen Mann seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es sich handele. „Der hat es sogar &lt;br /&gt;
geschafft, einen Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun hier leben. Und der Witz ist, er &lt;br /&gt;
hat es geschafft. Verheiratet, eine Frau, ein Kind, er ist glücklich und eine Säule seiner Gemeinde. &lt;br /&gt;
Er ist der andere Typ, der, der bleiben will, der glücklich sein will, der Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind &lt;br /&gt;
deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was &lt;br /&gt;
schade ist -, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der &lt;br /&gt;
Stoff, aus dem diese Erfolgsgeschichte gemacht ist - auch nicht. Würde man die Erfahrungswerte &lt;br /&gt;
beschreiben, die man für andere Integrationsprozesse nutzen kann, dann wären dies einige:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Die Zugewanderten sollen den Ureinwohnern etwas beibringen. Wertschätzung und Neugier sind wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitig sein, und wenn dann mal der eine oder die andere sich ineinander verlieben und heiraten, ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt, eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu sagen, Gott zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte er ihr nicht beantwortet. „Und was ist mit &lt;br /&gt;
dir selber,“ fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte einen Moment, lachte kurz und sagte: &lt;br /&gt;
„Dreimal darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das gab ihr ein gutes Gefühl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für jede Integration“, &lt;br /&gt;
formullerte es der verstorbene Altbundespräsident Johannes Rau.&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Die Schule ist hier &lt;br /&gt;
ein zentraler Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistet der gemeinnützige, Bahá’í-inspirierte &lt;br /&gt;
Verein „People&#039;s Theater e.V.” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Als Medium &lt;br /&gt;
bedient er sich der „People&#039;s Theater Show“, einer Kombination von Talkshow und Theater. Alltägliche Schulkonflikte werden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation eines Konflikts &lt;br /&gt;
nachgespielt. Anschließend sucht der Moderator gemeinsam mit den Schülern nach alternativen &lt;br /&gt;
positiven Handlungsmöglichkeiten, die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei steht immer &lt;br /&gt;
wieder das Stichwort Integration im Mittelpunkt, und in Offenbach ist es besonders aktuell. Denn &lt;br /&gt;
die Stadt hat mit 33,9 Prozent den höchsten Ausländeranteil In Hessen&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit 40 bis 41 Prozent sogar die &lt;br /&gt;
höchste tatsächliche Ausländerquote in ganz Deutschland, eingebürgerte Personen inbegriffen. &lt;br /&gt;
Auch aufgrund des Einbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 13,5 Prozent &lt;br /&gt;
aller in Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die soziologische, soziale, kulturelle und &lt;br /&gt;
religiöse Vietfalt bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt auch in einer ohnehin nicht &lt;br /&gt;
homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste auf allen Seiten.“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; Konsequenzen der nicht erfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnen wir &lt;br /&gt;
tagtäglich. Ob klar ersichtlich wie bei den Ausschreitungen in Pariser Vororten oder in eher &lt;br /&gt;
unterschwellig ablaufenden Prozessen - es führt dazu, dass es in Deutschland immer noch &lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen Herkunft und Chancen gibt. Sich diesen Verhältnissen &lt;br /&gt;
zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin &lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}&lt;br /&gt;
Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen &lt;br /&gt;
oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen und &lt;br /&gt;
damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater e.V. und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände, Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen und Ausländern in besonderer Weise engagieren.&amp;quot;&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze des Vereins vor allem helfen, Vorurteile zu &lt;br /&gt;
benennen und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle und religiöse. Der Verein hilft &lt;br /&gt;
Konflikte zu bearbeiten, die auf Grund sozialer Unterschiede entstehen. Er vermittelt seinem &lt;br /&gt;
Publikum Erfahrungen, die hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s Theater sind offen &lt;br /&gt;
für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller Beteiligten, unabhängig &lt;br /&gt;
von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit von People’s Theater“, &lt;br /&gt;
so Stadträtin Birgit Simon in ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s Theater selbst sind &lt;br /&gt;
eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen, aus Iran, Griechenland, &lt;br /&gt;
Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich &lt;br /&gt;
und natürlich Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem Multiplikatorenprojekt beim Bundeswettbewerb &lt;br /&gt;
„startsocial 2005”, unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel, im &lt;br /&gt;
April 2006 „als eine der sieben herausragendsten Initiativen bürgerschaftlichen Engagements &lt;br /&gt;
Deutschlands geehrt”.&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; Auch von diesem Projekt erhofft sich People&#039;s Theater &lt;br /&gt;
direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren. Die Gruppe bemüht &lt;br /&gt;
sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitrag auf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im &lt;br /&gt;
Zusammenspiel vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist daher die Aufgabe, die &lt;br /&gt;
wir gemeinsam anpacken müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich und friedlich &lt;br /&gt;
gestalten wollen.”&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Anke Keitel&lt;br /&gt;
::Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; RAU, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, AM 12. Mai 2000 IM HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; SIEHE AUCH SCHULZE, RENÉ: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT: EIN AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11 - FRIEDENSWEGE, S.10&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER A14-J/03, S.7, WIESBADEN, AUGUST 2004&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; PRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;  OFFENBACH POST, 30. DEZEMBER 2005, S.2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; OFFENBACH POST, 12. APRIL 2006, S.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DUISBURG - DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und &lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt &lt;br /&gt;
haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg auf den ersten Blick &lt;br /&gt;
nicht von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine andere Stadt in Nordrhein-westfalen so &lt;br /&gt;
sehr von Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und &lt;br /&gt;
weist darauf hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund 48 000 Eingebürgerte leben, die oder &lt;br /&gt;
deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten bilden Muslime mit rund 70 000 die &lt;br /&gt;
Mehrheit. Sie beten in über 40 Moscheen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als vorübergehend geplant war, genügte es den &lt;br /&gt;
ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in zurückgezogenen Räumlichkeiten &lt;br /&gt;
einzurichten - ein Refugium für die eigene Religion und Kultur. Doch mit dem Nachwachsen der &lt;br /&gt;
nächsten Generationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub erlebt, trat immer stärker der &lt;br /&gt;
Wille zutage, sich nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern auch im Bereich der Religion &lt;br /&gt;
und in der Gesellschaft anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass &lt;br /&gt;
die Hinterhof-Moscheen aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels &lt;br /&gt;
derer die eigene Kultur und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne &lt;br /&gt;
aggressiv zu wirken. So beteiligen sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße an Bürgerfesten, &lt;br /&gt;
laden zu Besichtigungen ein und klären über den islamischen Glauben, dessen Sitten und &lt;br /&gt;
Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;MUSTERPROJEKT: „MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-Merkez-Moschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der &lt;br /&gt;
Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine &lt;br /&gt;
der ältesten und größten islamischen Gemeinden in Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den &lt;br /&gt;
muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen, die ihre ehemalige Werkskantine zum Gebets- und &lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen islamischen Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs &lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern dieser Stadt eine Stätte der Begegnung, des &lt;br /&gt;
Dialogs und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein &lt;br /&gt;
Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, &lt;br /&gt;
wo am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige &lt;br /&gt;
oder an ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ort der Information, der Kontemplation und des &lt;br /&gt;
Dialogs finden. Der Aufbau gemeinsamer christlich-muslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeit als Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität, die mit diesem Projekt weiter an Profil &lt;br /&gt;
gewinnen wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister von Duisburg, fest, und erklärt weiter: &lt;br /&gt;
„Durch eine repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle &lt;br /&gt;
Stadtentwicklung in Duisburg von den muslimischen Bürgern in enger Kooperation mit der &lt;br /&gt;
Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begegnungsstätte unter dem &lt;br /&gt;
Kuppelbau wird Duisburg-Marxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus zu einem auch &lt;br /&gt;
städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’ des interkulturellen Dialogs sowie zu einem Beispiel &lt;br /&gt;
des friedlichen Zusammenlebens der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“, urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;BEIRAT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert ist. &lt;br /&gt;
In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das Moschee-Projekt &lt;br /&gt;
schon seit Beginn der heißen Planungsphase vor drei Jahren begleiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE - EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIED L. PELLER&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
www.tempora.org&lt;br /&gt;
E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tel.:+49 (0) 6192 / 22 921&lt;br /&gt;
Fax: +49 (0) 6192/2293 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
www.bahai-verlag.de&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
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Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion&lt;br /&gt;
keine Haftung. Die Redaktion behält sich sinn&lt;br /&gt;
bewahrende Kürzungen und Änderungen der&lt;br /&gt;
Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind&lt;br /&gt;
urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, auch&lt;br /&gt;
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auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
&#039;Abdu&#039;l-Bahá (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77473</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-30T14:11:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen«. &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
weist auf die wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der Welt ... hin. Er stellt sich vor, dass &lt;br /&gt;
die Entwicklung auf eine geeinte Welt hin zunehmen und als »Einheit des Denkens in weltweiten &lt;br /&gt;
Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird. Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. &lt;br /&gt;
»Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche &lt;br /&gt;
Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen &lt;br /&gt;
der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken &lt;br /&gt;
sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen, und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren &lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist dann neben Toleranz und Idealismus auch der Verzicht &lt;br /&gt;
auf Komfort gefordert. Meist dauert es nicht lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu &lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf &lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogramme! Auch die Presse ist voll des Lobes. Dabei &lt;br /&gt;
stehen für die eher technisch orientierte Fachwelt das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit &lt;br /&gt;
im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. &lt;br /&gt;
Ubuntu ist der Shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die Technik mit Mitmenschlichkeit &lt;br /&gt;
erobert und durch Leistung überzeugt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das geht völlig gefahrlos über eine sogenannte &lt;br /&gt;
Live-CD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm &lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran &lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben, findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch &lt;br /&gt;
(natürlich) kostenlos im Internet, sondern auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntu-Gemeinde, &lt;br /&gt;
die über alle Hürden hinweghilft. Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, &lt;br /&gt;
wie der Deutschlandfunk seine Sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt noch anzumerken, &lt;br /&gt;
dass in Mazedonien gerade 5000 Schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei Gründen: Es ist &lt;br /&gt;
kostenlos, es läuft auch auf alten Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.UBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNETADRESSE DES VEREINS UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://WWW.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCHAAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AUTORS. ÜBER IHN GIBT ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.-Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:ehemals kath. Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet heute als&lt;br /&gt;
:Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===MOÇAMBIOUE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Facetten einer Integration in Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;ALLE MENSCHEN SIND SEINE BÜRGER.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nur eine.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Moçambique zu integrieren bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, &lt;br /&gt;
Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, &lt;br /&gt;
Wachsen, Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein, Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. &lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Moçambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Andersseins zu einer Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von &lt;br /&gt;
verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts &lt;br /&gt;
der Unterschiede, aber auch Momente des tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren lassen, &lt;br /&gt;
dass diese Partnerschaft die Anstrengungen wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander &lt;br /&gt;
zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt — wenn &lt;br /&gt;
ich mich etwa dazu durchringe, mich genau wie meine Mutter um die Anziehsachen meines Mannes zu &lt;br /&gt;
kümmern, ihm das Wasser zum Baden zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die Wohnung sauber &lt;br /&gt;
zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines solchen Verhaltens &lt;br /&gt;
für Frauen in Moçambique gar nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch darüber beschwert, dass &lt;br /&gt;
ich ihm die Banane nur in der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er &lt;br /&gt;
besteht darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, &lt;br /&gt;
dass wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere jeweils eigenen Schwächen und Ängste &lt;br /&gt;
anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in Toleranz gegenüber den Grenzen des &lt;br /&gt;
anderen allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte zu lösen, anzunähern. Dabei ist es &lt;br /&gt;
uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere Kultur im täglichen Leben &lt;br /&gt;
kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
Mit den Kindern - bei unserem Umzug nach Moçambique waren sie 11 und 13 Jahre alt - plötzlich &lt;br /&gt;
in einer anderen Kultur zu leben, ist eine ganz eigene Herausforderung. Besonders, wenn sie im &lt;br /&gt;
Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder Entwicklungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich &lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und doch wegen &lt;br /&gt;
ihrer so anderen kulturellen Erfahrungen eben auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die &lt;br /&gt;
uns allen helfen, Menschen in ihrer Abhängigkeit von dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, verstehen &lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, was es wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein &lt;br /&gt;
soll und dass es manchmal eine große Bereicherung und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
meinen anderen Brüdern und Schwestern wirklich familiär verbunden zu fühlen. Und es ist faszinierend &lt;br /&gt;
zu erkennen, welch scharfe Beobachtungen die eigenen Kinder anstellen - sowohl an anderen Menschen &lt;br /&gt;
als auch an sich selbst - bezüglich der hiesigen oder auch der europäischen Kultur und &lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da noch all die Selbstverständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich &lt;br /&gt;
gar nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen: ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich &lt;br /&gt;
bei Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; die Freude, im Haus zu sein, wenn es draußen regnet (während &lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass Ihre Hütte einstürzt); die Menge an Wissen über die Natur, die &lt;br /&gt;
Religionen, die Möglichkeit, Bücher zu lesen und gut gestaltete Lehrbücher zu haben. Für uns als &lt;br /&gt;
Eltern und speziell für mich Mutter und Bahá’í bedeutet das vor allem, die Begrenzthelt des &lt;br /&gt;
gegenwärtigen Entwicklungsstadiums der Menschheit sowie die großen Unterschiede in den materiellen &lt;br /&gt;
Lebensumständen bei der Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, oft einfach hinzunehmen, nicht &lt;br /&gt;
schönzureden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique als Frau heißt auch Konfrontation mit einem Geschlechterverhältnis, das &lt;br /&gt;
einen manchmal erschauern lässt. Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe ich mich mitunter &lt;br /&gt;
plötzlich hineinversetzt in die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die gewalttätigen Männern schutzlos ausgeliefert sind und auch nicht auf die Unterstützung der Nachbarn zahlen können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die bei der Schwangerenuntersuchung feststellen, dass sie HIV-positiv sind und daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutter auf die Strasse geworfen werden selbst dann, wenn sie sich nur bei ihrem eigenen Mann infiziert haben können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil er ihr die Schuld an seiner eigenen misslichen Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- eine Mutter, die Wochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zu einer anderen Frau in ihrer Verzweiflung ihre kleinen Kinder bei der Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht mehr um die Kinder kümmern konnte - die Polizei dann aber nichts anderes tat, als die Frau eine Nacht einzusperren, „damit sie lernt, dass eine Mutter niemals ihre Kinder verlassen darf”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die von Ihren Männern wegen einer anderen Frau verlassen &lt;br /&gt;
wurden - eine eigentlich schon ganz normale Erscheinung; gleichzeitig haben wir es in Moçambique mit &lt;br /&gt;
einer Gesellschaft zu tun, in der die Mehrheit der Frauen mit ihren Kindern in wirtschaftlich &lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die sie &lt;br /&gt;
selbst anwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sind so umfassend und so allgegennwärtig, dass an die Lösung &lt;br /&gt;
der Entwicklungsprobleme dieses Landes kaum zu denken ist, soJange solch ein Chaos in der &lt;br /&gt;
Geschlechterbeziehung herrscht. Das Erleben dieser Geschichten lässt erahnen, welch unermessliche &lt;br /&gt;
Macht hinter den Worten Bahá’u’lláhs steckt, wenn Er die Menschen zur Gleichwertigkeit von Mann &lt;br /&gt;
und Frau aufruft und zu einem Leben nach Seinen Gesetzen. In einem Land wie Moçambique wird &lt;br /&gt;
deutlich, dass die Beachtung geistiger Prinzipien schlichtweg überlebensnotwendig sein &lt;br /&gt;
kann. Und dass geistige Prinzipien Hand in Hand gehen sollten mit der materiellen Entwicklung &lt;br /&gt;
zur Beseitigung von Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique heißt natürlich auch Leben als  „Weiße” unter einer Mehrheit von &lt;br /&gt;
„Schwarzen“. Im Großen und Ganzen ist dies ein eher nebensächlicher Aspekt und nicht schwer &lt;br /&gt;
auszuhalten, sofern man damit klarkommt, immer irgendwie als etwas Besonderes gesehen zu &lt;br /&gt;
werden. Dabei möchte ich betonen, dass ich nicht gern mit dunkelhäutigen Ausländern in &lt;br /&gt;
Deutschland tauschen möchte, die ihr&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der Nachtell des Welß-Seins &lt;br /&gt;
in Moçambique zunachst einmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit größerem &lt;br /&gt;
Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann natürlich auch recht unangenehm werden - wenn ich zum Beispiel &lt;br /&gt;
spüre, dass ich von vornherein den Reichen zugeordnet und als potentieller Geldgeber betrachtet &lt;br /&gt;
werde und damit rechnen muss, dass das Interesse anderer Menschen an einer Freundschaft von &lt;br /&gt;
der Hoffnungauf etwaige Vorteile gespeist wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dann ganz ohne Bitterkeit, aber mit vollem Ernst geäußert wird, dass die Weißen ja das Glück &lt;br /&gt;
hätten, von Gott besonders geliebt zu werden oder wenn ein alter Mann sich dafür einsetzt, mich in &lt;br /&gt;
der Warteschlange vorzulassen, weil ich doch schließlich weiß sei, dann sehe ich, wie weit das Ziel &lt;br /&gt;
der Einheit der Rassen noch entfernt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alltägliche Umgang mit Armut ist ein weiterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, was es heißt, zu &lt;br /&gt;
den Reichen dieser Welt zu gehören - ob ich mich in Deutschland jemals so wahrgenommen habe &lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ich &lt;br /&gt;
nicht bei jedem Schritt von Ihnen umringt sein. Es ist fast schon erschreckend festzustellen, wie &lt;br /&gt;
leicht mir dieser harte Tonfall mittlerweile fällt. Dann spüre ich den Wunsch, &#039;Abdu&#039;l-Bahá bei &lt;br /&gt;
mir zu haben, um zu erfahren, wie ich angemessen mit der Situation der Bettler umgehe. Hat er &lt;br /&gt;
nicht jeden Tag einen armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann ich das, &lt;br /&gt;
wo wir uns schon um all die eigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als &lt;br /&gt;
Gnädige, Barmherzige, Heilige verehrt werden, nur weil ich jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration bedeutet für mich auch die alltägliche Auseinandersetzung mit all jenen Erscheinungsformen &lt;br /&gt;
einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen kann. Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie denen, &lt;br /&gt;
dass man mit Entsetzen feststellt, dass im Garten die Grünpflanzen so gestutzt wurden, dass kaum &lt;br /&gt;
etwas davon übrigblieb - leicht zu verstehen, da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes &lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier vorrangig eine Bedrohung darstellen (wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es, wenn ich völlig unvorbereitet erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Familie haben, für das wir verantwortlich sind: Der Schwager hat es einfach bei uns gelassen und &lt;br /&gt;
ist abgereist. Der Versuch anzunehmen, dass das nach traditioneller Lebensweise norrnal sei, &lt;br /&gt;
kann mich nicht von einem Gefühl der Wut und Verletztheit abbringen, weil jemand mit &lt;br /&gt;
Selbstverständlichkeit unsere Hilfe in Anspruch nimmt, ohne uns auch nur eines Wortes für &lt;br /&gt;
würdig zu halten. Und wenn ich dann von der individualistischen europäischen und der &lt;br /&gt;
gemeinschaftsorientierten afrikanischen Gesellschaft höre, dann erweckt das in mir nur eine &lt;br /&gt;
Sehnsucht nach der Weisheit der Bahá’í-Lehren, die so vielfältige Wege aufzeigen, wie sowohl  gemeinschaftsverbindende als auch das einzelne Individuum wertschätzende Handlungsweisen &lt;br /&gt;
miteinander verbunden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist es auch notwendig und mitunter sehr schwierig, sich an problematische Situationen &lt;br /&gt;
zu gewöhnen, die mir meiner Herkunft wegen wenig vertraut sind, dass etwa Abmachungen nicht &lt;br /&gt;
eingehalten, Verbindlichkeiten nicht ernst genommen werden, dass nichts richtig klappt, immer &lt;br /&gt;
irgendwelche Hindernisse auftreten - oft bedingt durch Fehlverhalten oder Inkompetenz einzelner &lt;br /&gt;
Menschen oder Institutionen. Oder das verbreitete Denken und Handeln in Hierarchien nach dem &lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bei dem es dem Mächtigeren, Reicheren erlaubt ist, einen Untergebenen &lt;br /&gt;
in demnütigender Art zu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann in solchen Situationen eine gewisse Wut spüre, merke ich, dass ich anfange, &lt;br /&gt;
Menschen zu verurteilen. Auch wenn mir bewusst ist, dass viele Europder in Moçambique verzweifeln &lt;br /&gt;
und nicht selten mit recht üblen Überzeugungen wieder nach Hause fahren - finde ich es zunächst &lt;br /&gt;
erschrechend festzustellen, wie schnell ich zu solchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurteilen &lt;br /&gt;
gelange - trotz all der Bahá’í-Ideale von der Einheit der Rassen. Aber es sind gerade die Schriften, &lt;br /&gt;
die mich zu dem Schluss gelangen lassen: Nein, so simpel kann das nicht sein. Und es ist mir eine &lt;br /&gt;
große Hilfe zu wisen, dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass all die Phänomene alle &lt;br /&gt;
möglichen Ursachen haben können, nicht jedoch solche, die auf die Zugehörigkeit zu einer &lt;br /&gt;
Menschengruppe zurückzuführen sind. Oder besser ausgedrückt: Dass das Wort „Die Erde ist nur &lt;br /&gt;
ein Land und alle Menschen sind seine Bürger” auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen oder -gruppen verschiedener Herkunft geben &lt;br /&gt;
kann, dass es sich hierbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. &lt;br /&gt;
Und dass verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umständen auch tendenziell ähnlich handeln &lt;br /&gt;
würden. Während die Menschen meiner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für ein Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheit anzunehmen und durchzustehen. Nachdem ich das in unserer &lt;br /&gt;
eigenen Familie mehrfach erlebt hatte, wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und &lt;br /&gt;
Nachteile haben, während ich bei der Suche nach optimalen Wegen oft in Stress gerate, im &lt;br /&gt;
positiven Falle dann aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht möglich erschienen, &lt;br /&gt;
steckt hinter der Haltung, Probleme zunächst einmal anzunehmen, die Gefahr, von vornherein &lt;br /&gt;
aufzugeben, gar nicht erst nach Alternativen zu suchen, im positiven Falle aber auch die &lt;br /&gt;
Fähigkeit, mit wirklichen Problemen gelassener umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare Lösungen zu finden. Beide Handlungsweisen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem. Zusammen können sie aber zu einer gegenseitigen Bereicherung &lt;br /&gt;
werden. Die Auseinandersetzung mit den Erscheinungen der anderen Kultur führt automatisch zu &lt;br /&gt;
einer vertiefteren Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur. Es wird mir immer bewusster, wie &lt;br /&gt;
sehr die Ausrichtung auf ein geistiges Leben auch von der Erfüllung materieller Grundbedürfnisse &lt;br /&gt;
abhängig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besondere Kraft nachsagt, ist die &lt;br /&gt;
Spiritualität, das geistige Leben. Wie sieht hier Integration für mich als Europäerin aus? &lt;br /&gt;
Eines konnte/musste ich schnell lernen: Es erscheint mir auch in dieser Hinsicht ein Stereotyp, &lt;br /&gt;
ein zu banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher materiell orientierten &lt;br /&gt;
Europaer, die immer mehr an Spirtualitat verlieren, dort die Afrikaner mit ihrer inneren &lt;br /&gt;
Religiosität. Es stimmt einfach so nicht. Die Menschen in Moçambique sind - sicherlich auch &lt;br /&gt;
wegen der vielen existenziellen Probleme und der Abkehr von Religion in den kommunistischen &lt;br /&gt;
Jahrzehnten - mindestens genauso stark materiell orientiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Bahá’í? Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst &lt;br /&gt;
zu meinen Bahá’í-Abenden eingeladen hatte. Beeindruckend war zunächst einmal die unglaubliche &lt;br /&gt;
Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren Bahá’u’lláhs ohne Vorurteil anzuhören, Ihn &lt;br /&gt;
sogar auf ihre Art als wichtige Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite bleibt da aber auch jene mich ständig begleitende Unsicherheit angesichts &lt;br /&gt;
dessen, dass ich die einzige Bahá’í und noch dazu als Ausländerin mit der Denkweise, den &lt;br /&gt;
Gewohnheiten, dem Fühlen der einheimischen Menschen kaum vertraut bin, dass mir der Unterschied &lt;br /&gt;
zwischen ihrer viel emotionaleren, kraftvolleren und meinem eher verstandesmäßigen, besinnlichen &lt;br /&gt;
Umgang mit Spirtualität und Religion jedoch deutlich bewusst ist. Eine Botschaft Bahá’u’lláhs &lt;br /&gt;
haben sie sehr gut verstanden: Dass Bahá’í Menschen sind, die ihre Türen öffnen, sie auf ihren &lt;br /&gt;
Möbeln sitzen lassen, mit ihnen Ihr Essen teilen - eigentlich eine Selbstverständlichkeit für &lt;br /&gt;
jeden Bahá’í und bei jeder Bahá’í-Veranstaltung, hier jedoch angesichts der unterschiedlichen &lt;br /&gt;
Rassen und des damit einhergehenden großen Unterschieds zwischen Arm und Reich offensichtlich &lt;br /&gt;
leider eine herausragende Besonderheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so wurde dann auch die Geburtstagsfeier Bahá’u’lláhs zu einer der schönsten Bahá’í-Feiern, &lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer, die während der Feier regelrecht an meinen &lt;br /&gt;
Lippen hingen, als ich einen Tell der Lebensgeschichte Bahá’u’lláhs erzählte, bedankten sich am &lt;br /&gt;
Ende dafür, dass ich durch dieses Fest einige eigentlich zerstrittene Gemeinden zusammengebracht &lt;br /&gt;
hätte. Sie bedankten sich auch bei Bahá’u’lláh in dem festen Glauben, dass die Kraft, die mich &lt;br /&gt;
dazu führe, Menschen unabhängig von Ihrer Religion, Rasse und Herkunft in eine Einheit &lt;br /&gt;
zusammenzubringen, von Ihm ausgehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich in eine andere Gesellschaft zu integrieren, spürt man wohl am intensivsten in &lt;br /&gt;
persönlich einschneidenden Lebenssituationen - bei der Geburt eines Kindes zum Beispiel. Schon bei &lt;br /&gt;
der Frage des Entbindungsortes wurde mir der riesige Unterschied zwischen Europa und den Umständen &lt;br /&gt;
bewusst, unter denen die meisten Frauen leben und entbinden. Und während ich mit meinem Mann noch &lt;br /&gt;
darüber nachdachte, ob wir lieber einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf nehmen, um unser Kind in &lt;br /&gt;
einer deutschen Klinik zur Welt zu bringen oder ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen, wachte ich an &lt;br /&gt;
einem Morgen auf und stellte fest, dass in aller Frühe eine Frau ihre Tochter direkt auf dem Sandweg &lt;br /&gt;
vor unserem Hauseingang entbunden hat, weil ihr der Weg zum lokalen Hospital einfach zu lang &lt;br /&gt;
geworden war. Integration in Moçambique - das bedeutet noch vieles, vieles mehr. Zum Beispiel beim &lt;br /&gt;
Rückflug von Deutschland nach Moçambique die freudige Erkenntnis: „Ich fahre nach Hause.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Kordula Koksch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN MOÇAMBIQUE HEISST FÜR MICH&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* eigene Vorurteile zu erkennen und zu hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei befremdlichen Situationen unterscheiden zu lernen, ob es sich um andere Lebensweisen handelt, die es zu respektieren gilt, oder um wirkliche Probleme, die einer Entwicklung bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in Gedanken einen Brief an deutsche Freunde zu schreiben und erst nach einer Weile zu merken, dass ich die Sätze die ganze Zeit in portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* die Einheit von materlellem und geistigem Fortschritt verstehen zu lernen - zu erkennen, wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben auch an eine materielle Grundsicherung gebunden ist; zu erkennen aber auch, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im menschlichen Verhalten und somit Antrieb zu Neuentwicklung geben kann und dass ein Mangel solch einer Ausrichtung immense Umwege und Blockaden in der Entwicklung einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* angesichts der Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Zitate Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás nicht mehr nur als schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie sagen „Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* mein Verhalten und das meines Partners in seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen Kultur verstehen und mich dann davon auch lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in der Beziehung zu meinem Mann in einem Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der gegenseitigen Überforderung und Verzweiflung angesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa und der Hinterfragung der eigenen Ansichten hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===„Is gaans anders als in Iran, aber auch guut!“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÁ’Í IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“ Sie tat so, als würde sie das nur mäßig &lt;br /&gt;
interessieren und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten &lt;br /&gt;
um jeden Preis hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche und entschieden sich, glücklich &lt;br /&gt;
zu sein.” Sie guckte weiter geradeaus, hörte aber genau hin. Er setzte wieder an: „Die anderen &lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts klappte. Sie haderten mit dem Land. Sie fuhren immer wieder &lt;br /&gt;
in den Iran, ihre Eltern suchten ihnen eine Frau aus, sie brachten sie mit nach Deutschland, aber &lt;br /&gt;
sie waren einfach am falschen Ort.“ Wo er das denn gelesen hätte, fragte sie jetzt „Gelesen? Das &lt;br /&gt;
habe ich erlebt.“ Und dann erzählte er ihr die Geschichte von dem Architekturstudenten, die &lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut aus, eine unglücklich, &lt;br /&gt;
nämlich die des Architekturstudenten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahá’í in die deutsche Gemeinde ist eine Erfolgsgeschichte, &lt;br /&gt;
mit nur kleinen Talfahrten. Die erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde in den 50er Jahren. &lt;br /&gt;
Damals kamen vor allem junge Männer, um hier zu studieren. Sie kamen aus einer intakten und aktiven &lt;br /&gt;
Bahá’í-Gemeinde, oft mit dem Wunsch, die Prinzipien Bahá’u’lláhs im Nachkriegsdeutschland zu &lt;br /&gt;
verbreiten. Obwohl die jungen Studenten anfangs fremd waren und nicht gut Deutsch sprachen, wurde &lt;br /&gt;
ihnen Respekt entgegengebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland der Religion, der sich Deutsche &lt;br /&gt;
und Iraner gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt war das Öl, das die kleine Maschine &lt;br /&gt;
Integration zum Laufen brachte. Jenseits von unterschiedlicher Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Bahá’í empfingen uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder. Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen &lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abgeschlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums &lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Bahá’í-Gemeinde. Sie hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung.&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Bahá’í und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahá’í zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich einen Hafen und die junge Familie Rastegar &lt;br /&gt;
große Verantwortung und Anerkennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Bahá’í in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang es &lt;br /&gt;
nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, &lt;br /&gt;
die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging daneben und wurde ein Desaster: Die persische Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste Firma ging pleite, bei der zweiten haute ihn der Kompagnon übers Ohr - hat &lt;br /&gt;
er immer gesagt - , mit Mitte fünfzig fand er keine Anstellung, er machte sich wieder selbständig. &lt;br /&gt;
Mit den üblichen Import-Exportgeschäften, bei denen keiner weiß, mit was er&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
da handelte. Er handelte auch nicht sonderlich lange und war bald finanziell ruiniert. Zu den &lt;br /&gt;
Bahá’í-Veranstaltungen ging er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum ging er denn nicht &lt;br /&gt;
zurück?“ Natürlich wusste er mehr über den Architekten, aber er murmelte „keine Ahnung&amp;quot;, „das Haus“, &lt;br /&gt;
„die Kinder“. Er blieb einen Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von Anfang an nicht. &lt;br /&gt;
Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den 50er und 60er Jahren von der ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran. Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler &lt;br /&gt;
wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. &lt;br /&gt;
Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie kamen, um sich und ihre Kinder vor der &lt;br /&gt;
systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte, die über die Türkei oder Pakistan aus &lt;br /&gt;
dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst, nie wieder ihre Angehörigen, ihre &lt;br /&gt;
Freunde sehen zu können. Natürlich trugen sie auch noch den Zweifel mit sich, ob sie die anderen &lt;br /&gt;
im Stich gelassen hatten, um sich zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen. &lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, Wohnberechtigungsschein waren die Worte, die nun irgendwie ins &lt;br /&gt;
Persische übersetzt werden mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht, der Ende der 80er Jahre gekommen ist. Ich habe dir nie von &lt;br /&gt;
ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen &lt;br /&gt;
hatte. „Er kam ganz allein hierher, sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er seinem Sohn die &lt;br /&gt;
Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in Deutschland &lt;br /&gt;
ankam, war er dünn, nervös und hatte schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er die Kraft &lt;br /&gt;
genommen hat, in kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er einer der Tüchtigsten.” &lt;br /&gt;
Natürlich wusste sie, wen er meinte, sie bewunderte diesen Mann seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es sich handele. „Der hat es sogar &lt;br /&gt;
geschafft, einen Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun hier leben. Und der Witz ist, er &lt;br /&gt;
hat es geschafft. Verheiratet, eine Frau, ein Kind, er ist glücklich und eine Säule seiner Gemeinde. &lt;br /&gt;
Er ist der andere Typ, der, der bleiben will, der glücklich sein will, der Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind &lt;br /&gt;
deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was &lt;br /&gt;
schade ist -, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der &lt;br /&gt;
Stoff, aus dem diese Erfolgsgeschichte gemacht ist - auch nicht. Würde man die Erfahrungswerte &lt;br /&gt;
beschreiben, die man für andere Integrationsprozesse nutzen kann, dann wären dies einige:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Die Zugewanderten sollen den Ureinwohnern etwas beibringen. Wertschätzung und Neugier sind wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitig sein, und wenn dann mal der eine oder die andere sich ineinander verlieben und heiraten, ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt, eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu sagen, Gott zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte er ihr nicht beantwortet. „Und was ist mit &lt;br /&gt;
dir selber,“ fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte einen Moment, lachte kurz und sagte: &lt;br /&gt;
„Dreimal darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das gab ihr ein gutes Gefühl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für jede Integration“, &lt;br /&gt;
formullerte es der verstorbene Altbundespräsident Johannes Rau.&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; Die Schule ist hier &lt;br /&gt;
ein zentraler Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistet der gemeinnützige, Bahá’í-inspirierte &lt;br /&gt;
Verein „People&#039;s Theater e.V.” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; Als Medium &lt;br /&gt;
bedient er sich der „People&#039;s Theater Show“, einer Kombination von Talkshow und Theater. Alltägliche Schulkonflikte werden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation eines Konflikts &lt;br /&gt;
nachgespielt. Anschließend sucht der Moderator gemeinsam mit den Schülern nach alternativen &lt;br /&gt;
positiven Handlungsmöglichkeiten, die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei steht immer &lt;br /&gt;
wieder das Stichwort Integration im Mittelpunkt, und in Offenbach ist es besonders aktuell. Denn &lt;br /&gt;
die Stadt hat mit 33,9 Prozent den höchsten Ausländeranteil In Hessen&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;. Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit 40 bis 41 Prozent sogar die &lt;br /&gt;
höchste tatsächliche Ausländerquote in ganz Deutschland, eingebürgerte Personen inbegriffen. &lt;br /&gt;
Auch aufgrund des Einbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 13,5 Prozent &lt;br /&gt;
aller in Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die soziologische, soziale, kulturelle und &lt;br /&gt;
religiöse Vietfalt bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt auch in einer ohnehin nicht &lt;br /&gt;
homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste auf allen Seiten.“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; Konsequenzen der nicht erfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnen wir &lt;br /&gt;
tagtäglich. Ob klar ersichtlich wie bei den Ausschreitungen in Pariser Vororten oder in eher &lt;br /&gt;
unterschwellig ablaufenden Prozessen - es führt dazu, dass es in Deutschland immer noch &lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen Herkunft und Chancen gibt. Sich diesen Verhältnissen &lt;br /&gt;
zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin &lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}&lt;br /&gt;
Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen &lt;br /&gt;
oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen und &lt;br /&gt;
damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater e.V. und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände, Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen und Ausländern in besonderer Weise engagieren.&amp;quot;&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze des Vereins vor allem helfen, Vorurteile zu &lt;br /&gt;
benennen und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle und religiöse. Der Verein hilft &lt;br /&gt;
Konflikte zu bearbeiten, die auf Grund sozialer Unterschiede entstehen. Er vermittelt seinem &lt;br /&gt;
Publikum Erfahrungen, die hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s Theater sind offen &lt;br /&gt;
für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller Beteiligten, unabhängig &lt;br /&gt;
von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit von People’s Theater“, &lt;br /&gt;
so Stadträtin Birgit Simon in ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s Theater selbst sind &lt;br /&gt;
eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen, aus Iran, Griechenland, &lt;br /&gt;
Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich &lt;br /&gt;
und natürlich Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem Multiplikatorenprojekt beim Bundeswettbewerb &lt;br /&gt;
„startsocial 2005”, unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel, im &lt;br /&gt;
April 2006 „als eine der sieben herausragendsten Initiativen bürgerschaftlichen Engagements &lt;br /&gt;
Deutschlands geehrt”.&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; Auch von diesem Projekt erhofft sich People&#039;s Theater &lt;br /&gt;
direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren. Die Gruppe bemüht &lt;br /&gt;
sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitrag auf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im &lt;br /&gt;
Zusammenspiel vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist daher die Aufgabe, die &lt;br /&gt;
wir gemeinsam anpacken müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich und friedlich &lt;br /&gt;
gestalten wollen.”&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Anke Keitel&lt;br /&gt;
::Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; RAU, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Mai 2000 IM HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; SIEHE AUCH SCHULZE, RENÉ: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT: EIN AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11 - FRIEDENSWEGE, S.10&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER A14-J/03, S.7, WIESBADEN, AUGUST 2004&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; PRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;  OFFENBAcH POST, 30. DEZEMBER 2005, S.2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; OFFENBACH POST, 12. APRIL 2006, S.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DUISBURG - DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
www.tempora.org&lt;br /&gt;
E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tel.:+49 (0) 6192 / 22 921&lt;br /&gt;
Fax: +49 (0) 6192/2293 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
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EUR 18,00 / Einzelheft EUR 5,00&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
Herausgebers wieder. Für unverlangt eingesandte&lt;br /&gt;
Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion&lt;br /&gt;
keine Haftung. Die Redaktion behält sich sinn&lt;br /&gt;
bewahrende Kürzungen und Änderungen der&lt;br /&gt;
Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind&lt;br /&gt;
urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
&#039;Abdu&#039;l-Bahá (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77472</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-30T07:17:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen«. &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
weist auf die wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der Welt ... hin. Er stellt sich vor, dass &lt;br /&gt;
die Entwicklung auf eine geeinte Welt hin zunehmen und als »Einheit des Denkens in weltweiten &lt;br /&gt;
Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird. Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. &lt;br /&gt;
»Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche &lt;br /&gt;
Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen &lt;br /&gt;
der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken &lt;br /&gt;
sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen, und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren &lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist dann neben Toleranz und Idealismus auch der Verzicht &lt;br /&gt;
auf Komfort gefordert. Meist dauert es nicht lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu &lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf &lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogramme! Auch die Presse ist voll des Lobes. Dabei &lt;br /&gt;
stehen für die eher technisch orientierte Fachwelt das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit &lt;br /&gt;
im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. &lt;br /&gt;
Ubuntu ist der Shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die Technik mit Mitmenschlichkeit &lt;br /&gt;
erobert und durch Leistung überzeugt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das geht völlig gefahrlos über eine sogenannte &lt;br /&gt;
Live-CD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm &lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran &lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben, findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch &lt;br /&gt;
(natürlich) kostenlos im Internet, sondern auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntu-Gemeinde, &lt;br /&gt;
die über alle Hürden hinweghilft. Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, &lt;br /&gt;
wie der Deutschlandfunk seine Sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt noch anzumerken, &lt;br /&gt;
dass in Mazedonien gerade 5000 Schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei Gründen: Es ist &lt;br /&gt;
kostenlos, es läuft auch auf alten Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.UBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNETADRESSE DES VEREINS UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://WWW.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCHAAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AUTORS. ÜBER IHN GIBT ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.-Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:ehemals kath. Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet heute als&lt;br /&gt;
:Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===MOÇAMBIOUE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Facetten einer Integration in Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;ALLE MENSCHEN SIND SEINE BÜRGER.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nur eine.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Moçambique zu integrieren bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, &lt;br /&gt;
Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, &lt;br /&gt;
Wachsen, Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein, Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. &lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Moçambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Andersseins zu einer Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von &lt;br /&gt;
verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts &lt;br /&gt;
der Unterschiede, aber auch Momente des tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren lassen, &lt;br /&gt;
dass diese Partnerschaft die Anstrengungen wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander &lt;br /&gt;
zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt — wenn &lt;br /&gt;
ich mich etwa dazu durchringe, mich genau wie meine Mutter um die Anziehsachen meines Mannes zu &lt;br /&gt;
kümmern, ihm das Wasser zum Baden zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die Wohnung sauber &lt;br /&gt;
zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines solchen Verhaltens &lt;br /&gt;
für Frauen in Moçambique gar nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch darüber beschwert, dass &lt;br /&gt;
ich ihm die Banane nur in der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er &lt;br /&gt;
besteht darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, &lt;br /&gt;
dass wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere jeweils eigenen Schwächen und Ängste &lt;br /&gt;
anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in Toleranz gegenüber den Grenzen des &lt;br /&gt;
anderen allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte zu lösen, anzunähern. Dabei ist es &lt;br /&gt;
uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere Kultur im täglichen Leben &lt;br /&gt;
kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
Mit den Kindern - bei unserem Umzug nach Moçambique waren sie 11 und 13 Jahre alt - plötzlich &lt;br /&gt;
in einer anderen Kultur zu leben, ist eine ganz eigene Herausforderung. Besonders, wenn sie im &lt;br /&gt;
Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder Entwicklungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich &lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und doch wegen &lt;br /&gt;
ihrer so anderen kulturellen Erfahrungen eben auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die &lt;br /&gt;
uns allen helfen, Menschen in ihrer Abhängigkeit von dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, verstehen &lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, was es wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein &lt;br /&gt;
soll und dass es manchmal eine große Bereicherung und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
meinen anderen Brüdern und Schwestern wirklich familiär verbunden zu fühlen. Und es ist faszinierend &lt;br /&gt;
zu erkennen, welch scharfe Beobachtungen die eigenen Kinder anstellen - sowohl an anderen Menschen &lt;br /&gt;
als auch an sich selbst - bezüglich der hiesigen oder auch der europäischen Kultur und &lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da noch all die Selbstverständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich &lt;br /&gt;
gar nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen: ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich &lt;br /&gt;
bei Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; die Freude, im Haus zu sein, wenn es draußen regnet (während &lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass Ihre Hütte einstürzt); die Menge an Wissen über die Natur, die &lt;br /&gt;
Religionen, die Möglichkeit, Bücher zu lesen und gut gestaltete Lehrbücher zu haben. Für uns als &lt;br /&gt;
Eltern und speziell für mich Mutter und Bahá’í bedeutet das vor allem, die Begrenzthelt des &lt;br /&gt;
gegenwärtigen Entwicklungsstadiums der Menschheit sowie die großen Unterschiede in den materiellen &lt;br /&gt;
Lebensumständen bei der Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, oft einfach hinzunehmen, nicht &lt;br /&gt;
schönzureden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique als Frau heißt auch Konfrontation mit einem Geschlechterverhältnis, das &lt;br /&gt;
einen manchmal erschauern lässt. Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe ich mich mitunter &lt;br /&gt;
plötzlich hineinversetzt in die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die gewalttätigen Männern schutzlos ausgeliefert sind und auch nicht auf die Unterstützung der Nachbarn zahlen können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die bei der Schwangerenuntersuchung feststellen, dass sie HIV-positiv sind und daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutter auf die Strasse geworfen werden selbst dann, wenn sie sich nur bei ihrem eigenen Mann infiziert haben können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil er ihr die Schuld an seiner eigenen misslichen Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- eine Mutter, die Wochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zu einer anderen Frau in ihrer Verzweiflung ihre kleinen Kinder bei der Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht mehr um die Kinder kümmern konnte - die Polizei dann aber nichts anderes tat, als die Frau eine Nacht einzusperren, „damit sie lernt, dass eine Mutter niemals ihre Kinder verlassen darf”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die von Ihren Männern wegen einer anderen Frau verlassen &lt;br /&gt;
wurden - eine eigentlich schon ganz normale Erscheinung; gleichzeitig haben wir es in Moçambique mit &lt;br /&gt;
einer Gesellschaft zu tun, in der die Mehrheit der Frauen mit ihren Kindern in wirtschaftlich &lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die sie &lt;br /&gt;
selbst anwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sind so umfassend und so allgegennwärtig, dass an die Lösung &lt;br /&gt;
der Entwicklungsprobleme dieses Landes kaum zu denken ist, soJange solch ein Chaos in der &lt;br /&gt;
Geschlechterbeziehung herrscht. Das Erleben dieser Geschichten lässt erahnen, welch unermessliche &lt;br /&gt;
Macht hinter den Worten Bahá’u’lláhs steckt, wenn Er die Menschen zur Gleichwertigkeit von Mann &lt;br /&gt;
und Frau aufruft und zu einem Leben nach Seinen Gesetzen. In einem Land wie Moçambique wird &lt;br /&gt;
deutlich, dass die Beachtung geistiger Prinzipien schlichtweg überlebensnotwendig sein &lt;br /&gt;
kann. Und dass geistige Prinzipien Hand in Hand gehen sollten mit der materiellen Entwicklung &lt;br /&gt;
zur Beseitigung von Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique heißt natürlich auch Leben als  „Weiße” unter einer Mehrheit von &lt;br /&gt;
„Schwarzen“. Im Großen und Ganzen ist dies ein eher nebensächlicher Aspekt und nicht schwer &lt;br /&gt;
auszuhalten, sofern man damit klarkommt, immer irgendwie als etwas Besonderes gesehen zu &lt;br /&gt;
werden. Dabei möchte ich betonen, dass ich nicht gern mit dunkelhäutigen Ausländern in &lt;br /&gt;
Deutschland tauschen möchte, die ihr&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der Nachtell des Welß-Seins &lt;br /&gt;
in Moçambique zunachst einmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit größerem &lt;br /&gt;
Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann natürlich auch recht unangenehm werden - wenn ich zum Beispiel &lt;br /&gt;
spüre, dass ich von vornherein den Reichen zugeordnet und als potentieller Geldgeber betrachtet &lt;br /&gt;
werde und damit rechnen muss, dass das Interesse anderer Menschen an einer Freundschaft von &lt;br /&gt;
der Hoffnungauf etwaige Vorteile gespeist wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dann ganz ohne Bitterkeit, aber mit vollem Ernst geäußert wird, dass die Weißen ja das Glück &lt;br /&gt;
hätten, von Gott besonders geliebt zu werden oder wenn ein alter Mann sich dafür einsetzt, mich in &lt;br /&gt;
der Warteschlange vorzulassen, weil ich doch schließlich weiß sei, dann sehe ich, wie weit das Ziel &lt;br /&gt;
der Einheit der Rassen noch entfernt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alltägliche Umgang mit Armut ist ein weiterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, was es heißt, zu &lt;br /&gt;
den Reichen dieser Welt zu gehören - ob ich mich in Deutschland jemals so wahrgenommen habe &lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ich &lt;br /&gt;
nicht bei jedem Schritt von Ihnen umringt sein. Es ist fast schon erschreckend festzustellen, wie &lt;br /&gt;
leicht mir dieser harte Tonfall mittlerweile fällt. Dann spüre ich den Wunsch, &#039;Abdu&#039;l-Bahá bei &lt;br /&gt;
mir zu haben, um zu erfahren, wie ich angemessen mit der Situation der Bettler umgehe. Hat er &lt;br /&gt;
nicht jeden Tag einen armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann ich das, &lt;br /&gt;
wo wir uns schon um all die eigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als &lt;br /&gt;
Gnädige, Barmherzige, Heilige verehrt werden, nur weil ich jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration bedeutet für mich auch die alltägliche Auseinandersetzung mit all jenen Erscheinungsformen &lt;br /&gt;
einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen kann. Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie denen, &lt;br /&gt;
dass man mit Entsetzen feststellt, dass im Garten die Grünpflanzen so gestutzt wurden, dass kaum &lt;br /&gt;
etwas davon übrigblieb - leicht zu verstehen, da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes &lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier vorrangig eine Bedrohung darstellen (wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es, wenn ich völlig unvorbereitet erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Familie haben, für das wir verantwortlich sind: Der Schwager hat es einfach bei uns gelassen und &lt;br /&gt;
ist abgereist. Der Versuch anzunehmen, dass das nach traditioneller Lebensweise norrnal sei, &lt;br /&gt;
kann mich nicht von einem Gefühl der Wut und Verletztheit abbringen, weil jemand mit &lt;br /&gt;
Selbstverständlichkeit unsere Hilfe in Anspruch nimmt, ohne uns auch nur eines Wortes für &lt;br /&gt;
würdig zu halten. Und wenn ich dann von der individualistischen europäischen und der &lt;br /&gt;
gemeinschaftsorientierten afrikanischen Gesellschaft höre, dann erweckt das in mir nur eine &lt;br /&gt;
Sehnsucht nach der Weisheit der Bahá’í-Lehren, die so vielfältige Wege aufzeigen, wie sowohl  gemeinschaftsverbindende als auch das einzelne Individuum wertschätzende Handlungsweisen &lt;br /&gt;
miteinander verbunden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist es auch notwendig und mitunter sehr schwierig, sich an problematische Situationen &lt;br /&gt;
zu gewöhnen, die mir meiner Herkunft wegen wenig vertraut sind, dass etwa Abmachungen nicht &lt;br /&gt;
eingehalten, Verbindlichkeiten nicht ernst genommen werden, dass nichts richtig klappt, immer &lt;br /&gt;
irgendwelche Hindernisse auftreten - oft bedingt durch Fehlverhalten oder Inkompetenz einzelner &lt;br /&gt;
Menschen oder Institutionen. Oder das verbreitete Denken und Handeln in Hierarchien nach dem &lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bei dem es dem Mächtigeren, Reicheren erlaubt ist, einen Untergebenen &lt;br /&gt;
in demnütigender Art zu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann in solchen Situationen eine gewisse Wut spüre, merke ich, dass ich anfange, &lt;br /&gt;
Menschen zu verurteilen. Auch wenn mir bewusst ist, dass viele Europder in Moçambique verzweifeln &lt;br /&gt;
und nicht selten mit recht üblen Überzeugungen wieder nach Hause fahren - finde ich es zunächst &lt;br /&gt;
erschrechend festzustellen, wie schnell ich zu solchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurteilen &lt;br /&gt;
gelange - trotz all der Bahá’í-Ideale von der Einheit der Rassen. Aber es sind gerade die Schriften, &lt;br /&gt;
die mich zu dem Schluss gelangen lassen: Nein, so simpel kann das nicht sein. Und es ist mir eine &lt;br /&gt;
große Hilfe zu wisen, dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass all die Phänomene alle &lt;br /&gt;
möglichen Ursachen haben können, nicht jedoch solche, die auf die Zugehörigkeit zu einer &lt;br /&gt;
Menschengruppe zurückzuführen sind. Oder besser ausgedrückt: Dass das Wort „Die Erde ist nur &lt;br /&gt;
ein Land und alle Menschen sind seine Bürger” auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen oder -gruppen verschiedener Herkunft geben &lt;br /&gt;
kann, dass es sich hierbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. &lt;br /&gt;
Und dass verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umständen auch tendenziell ähnlich handeln &lt;br /&gt;
würden. Während die Menschen meiner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für ein Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheit anzunehmen und durchzustehen. Nachdem ich das in unserer &lt;br /&gt;
eigenen Familie mehrfach erlebt hatte, wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und &lt;br /&gt;
Nachteile haben, während ich bei der Suche nach optimalen Wegen oft in Stress gerate, im &lt;br /&gt;
positiven Falle dann aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht möglich erschienen, &lt;br /&gt;
steckt hinter der Haltung, Probleme zunächst einmal anzunehmen, die Gefahr, von vornherein &lt;br /&gt;
aufzugeben, gar nicht erst nach Alternativen zu suchen, im positiven Falle aber auch die &lt;br /&gt;
Fähigkeit, mit wirklichen Problemen gelassener umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare Lösungen zu finden. Beide Handlungsweisen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem. Zusammen können sie aber zu einer gegenseitigen Bereicherung &lt;br /&gt;
werden. Die Auseinandersetzung mit den Erscheinungen der anderen Kultur führt automatisch zu &lt;br /&gt;
einer vertiefteren Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur. Es wird mir immer bewusster, wie &lt;br /&gt;
sehr die Ausrichtung auf ein geistiges Leben auch von der Erfüllung materieller Grundbedürfnisse &lt;br /&gt;
abhängig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besondere Kraft nachsagt, ist die &lt;br /&gt;
Spiritualität, das geistige Leben. Wie sieht hier Integration für mich als Europäerin aus? &lt;br /&gt;
Eines konnte/musste ich schnell lernen: Es erscheint mir auch in dieser Hinsicht ein Stereotyp, &lt;br /&gt;
ein zu banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher materiell orientierten &lt;br /&gt;
Europaer, die immer mehr an Spirtualitat verlieren, dort die Afrikaner mit ihrer inneren &lt;br /&gt;
Religiosität. Es stimmt einfach so nicht. Die Menschen in Moçambique sind - sicherlich auch &lt;br /&gt;
wegen der vielen existenziellen Probleme und der Abkehr von Religion in den kommunistischen &lt;br /&gt;
Jahrzehnten - mindestens genauso stark materiell orientiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Bahá’í? Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst &lt;br /&gt;
zu meinen Bahá’í-Abenden eingeladen hatte. Beeindruckend war zunächst einmal die unglaubliche &lt;br /&gt;
Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren Bahá’u’lláhs ohne Vorurteil anzuhören, Ihn &lt;br /&gt;
sogar auf ihre Art als wichtige Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite bleibt da aber auch jene mich ständig begleitende Unsicherheit angesichts &lt;br /&gt;
dessen, dass ich die einzige Bahá’í und noch dazu als Ausländerin mit der Denkweise, den &lt;br /&gt;
Gewohnheiten, dem Fühlen der einheimischen Menschen kaum vertraut bin, dass mir der Unterschied &lt;br /&gt;
zwischen ihrer viel emotionaleren, kraftvolleren und meinem eher verstandesmäßigen, besinnlichen &lt;br /&gt;
Umgang mit Spirtualität und Religion jedoch deutlich bewusst ist. Eine Botschaft Bahá’u’lláhs &lt;br /&gt;
haben sie sehr gut verstanden: Dass Bahá’í Menschen sind, die ihre Türen öffnen, sie auf ihren &lt;br /&gt;
Möbeln sitzen lassen, mit ihnen Ihr Essen teilen - eigentlich eine Selbstverständlichkeit für &lt;br /&gt;
jeden Bahá’í und bei jeder Bahá’í-Veranstaltung, hier jedoch angesichts der unterschiedlichen &lt;br /&gt;
Rassen und des damit einhergehenden großen Unterschieds zwischen Arm und Reich offensichtlich &lt;br /&gt;
leider eine herausragende Besonderheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so wurde dann auch die Geburtstagsfeier Bahá’u’lláhs zu einer der schönsten Bahá’í-Feiern, &lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer, die während der Feier regelrecht an meinen &lt;br /&gt;
Lippen hingen, als ich einen Tell der Lebensgeschichte Bahá’u’lláhs erzählte, bedankten sich am &lt;br /&gt;
Ende dafür, dass ich durch dieses Fest einige eigentlich zerstrittene Gemeinden zusammengebracht &lt;br /&gt;
hätte. Sie bedankten sich auch bei Bahá’u’lláh in dem festen Glauben, dass die Kraft, die mich &lt;br /&gt;
dazu führe, Menschen unabhängig von Ihrer Religion, Rasse und Herkunft in eine Einheit &lt;br /&gt;
zusammenzubringen, von Ihm ausgehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich in eine andere Gesellschaft zu integrieren, spürt man wohl am intensivsten in &lt;br /&gt;
persönlich einschneidenden Lebenssituationen - bei der Geburt eines Kindes zum Beispiel. Schon bei &lt;br /&gt;
der Frage des Entbindungsortes wurde mir der riesige Unterschied zwischen Europa und den Umständen &lt;br /&gt;
bewusst, unter denen die meisten Frauen leben und entbinden. Und während ich mit meinem Mann noch &lt;br /&gt;
darüber nachdachte, ob wir lieber einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf nehmen, um unser Kind in &lt;br /&gt;
einer deutschen Klinik zur Welt zu bringen oder ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen, wachte ich an &lt;br /&gt;
einem Morgen auf und stellte fest, dass in aller Frühe eine Frau ihre Tochter direkt auf dem Sandweg &lt;br /&gt;
vor unserem Hauseingang entbunden hat, weil ihr der Weg zum lokalen Hospital einfach zu lang &lt;br /&gt;
geworden war. Integration in Moçambique - das bedeutet noch vieles, vieles mehr. Zum Beispiel beim &lt;br /&gt;
Rückflug von Deutschland nach Moçambique die freudige Erkenntnis: „Ich fahre nach Hause.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Kordula Koksch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN MOÇAMBIQUE HEISST FÜR MICH&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* eigene Vorurteile zu erkennen und zu hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei befremdlichen Situationen unterscheiden zu lernen, ob es sich um andere Lebensweisen handelt, die es zu respektieren gilt, oder um wirkliche Probleme, die einer Entwicklung bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in Gedanken einen Brief an deutsche Freunde zu schreiben und erst nach einer Weile zu merken, dass ich die Sätze die ganze Zeit in portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* die Einheit von materlellem und geistigem Fortschritt verstehen zu lernen - zu erkennen, wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben auch an eine materielle Grundsicherung gebunden ist; zu erkennen aber auch, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im menschlichen Verhalten und somit Antrieb zu Neuentwicklung geben kann und dass ein Mangel solch einer Ausrichtung immense Umwege und Blockaden in der Entwicklung einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* angesichts der Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Zitate Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás nicht mehr nur als schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie sagen „Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* mein Verhalten und das meines Partners in seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen Kultur verstehen und mich dann davon auch lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in der Beziehung zu meinem Mann in einem Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der gegenseitigen Überforderung und Verzweiflung angesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa und der Hinterfragung der eigenen Ansichten hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===„Is gaans anders als in Iran, aber auch guut!“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÁ’Í IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“ Sie tat so, als würde sie das nur mäßig &lt;br /&gt;
interessieren und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten &lt;br /&gt;
um jeden Preis hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche und entschieden sich, glücklich &lt;br /&gt;
zu sein.” Sie guckte weiter geradeaus, hörte aber genau hin. Er setzte wieder an: „Die anderen &lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts klappte. Sie haderten mit dem Land. Sie fuhren immer wieder &lt;br /&gt;
in den Iran, ihre Eltern suchten ihnen eine Frau aus, sie brachten sie mit nach Deutschland, aber &lt;br /&gt;
sie waren einfach am falschen Ort.“ Wo er das denn gelesen hätte, fragte sie jetzt „Gelesen? Das &lt;br /&gt;
habe ich erlebt.“ Und dann erzählte er ihr die Geschichte von dem Architekturstudenten, die &lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut aus, eine unglücklich, &lt;br /&gt;
nämlich die des Architekturstudenten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahá’í in die deutsche Gemeinde ist eine Erfolgsgeschichte, &lt;br /&gt;
mit nur kleinen Talfahrten. Die erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde in den 50er Jahren. &lt;br /&gt;
Damals kamen vor allem junge Männer, um hier zu studieren. Sie kamen aus einer intakten und aktiven &lt;br /&gt;
Bahá’í-Gemeinde, oft mit dem Wunsch, die Prinzipien Bahá’u’lláhs im Nachkriegsdeutschland zu &lt;br /&gt;
verbreiten. Obwohl die jungen Studenten anfangs fremd waren und nicht gut Deutsch sprachen, wurde &lt;br /&gt;
ihnen Respekt entgegengebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland der Religion, der sich Deutsche &lt;br /&gt;
und Iraner gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt war das Öl, das die kleine Maschine &lt;br /&gt;
Integration zum Laufen brachte. Jenseits von unterschiedlicher Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Bahá’í empfingen uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder. Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen &lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abgeschlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums &lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Bahá’í-Gemeinde. Sie hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung.&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Bahá’í und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahá’í zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich einen Hafen und die junge Familie Rastegar &lt;br /&gt;
große Verantwortung und Anerkennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Bahá’í in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang es &lt;br /&gt;
nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, &lt;br /&gt;
die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging daneben und wurde ein Desaster: Die persische Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste Firma ging pleite, bei der zweiten haute ihn der Kompagnon übers Ohr - hat &lt;br /&gt;
er immer gesagt - , mit Mitte fünfzig fand er keine Anstellung, er machte sich wieder selbständig. &lt;br /&gt;
Mit den üblichen Import-Exportgeschäften, bei denen keiner weiß, mit was er&lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}&lt;br /&gt;
da handelte. Er handelte auch nicht sonderlich lange und war bald finanziell ruiniert. Zu den &lt;br /&gt;
Bahá’í-Veranstaltungen ging er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum ging er denn nicht &lt;br /&gt;
zurück?“ Natürlich wusste er mehr über den Architekten, aber er murmelte „keine Ahnung&amp;quot;, „das Haus“, &lt;br /&gt;
„die Kinder“. Er blieb einen Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von Anfang an nicht. &lt;br /&gt;
Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den 50er und 60er Jahren von der ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran. Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler &lt;br /&gt;
wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. &lt;br /&gt;
Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie kamen, um sich und ihre Kinder vor der &lt;br /&gt;
systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte, die über die Türkei oder Pakistan aus &lt;br /&gt;
dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst, nie wieder ihre Angehörigen, ihre &lt;br /&gt;
Freunde sehen zu können. Natürlich trugen sie auch noch den Zweifel mit sich, ob sie die anderen &lt;br /&gt;
im Stich gelassen hatten, um sich zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen. &lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, Wohnberechtigungsschein waren die Worte, die nun irgendwie ins &lt;br /&gt;
Persische übersetzt werden mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht, der Ende der 80er Jahre gekommen ist. Ich habe dir nie von &lt;br /&gt;
ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen &lt;br /&gt;
hatte. „Er kam ganz allein hierher, sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er seinem Sohn die &lt;br /&gt;
Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in Deutschland &lt;br /&gt;
ankam, war er dünn, nervös und hatte schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er die Kraft &lt;br /&gt;
genommen hat, in kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er einer der Tüchtigsten.” &lt;br /&gt;
Natürlich wusste sie, wen er meinte, sie bewunderte diesen Mann seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es sich handele. „Der hat es sogar &lt;br /&gt;
geschafft, einen Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun hier leben. Und der Witz ist, er &lt;br /&gt;
hat es geschafft. Verheiratet, eine Frau, ein Kind, er ist glücklich und eine Säule seiner Gemeinde. &lt;br /&gt;
Er ist der andere Typ, der, der bleiben will, der glücklich sein will, der Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind &lt;br /&gt;
deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was &lt;br /&gt;
schade ist -, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der &lt;br /&gt;
Stoff, aus dem diese Erfolgsgeschichte gemacht ist - auch nicht. Würde man die Erfahrungswerte &lt;br /&gt;
beschreiben, die man für andere Integrationsprozesse nutzen kann, dann wären dies einige:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Die Zugewanderten sollen den Ureinwohnern etwas beibringen. Wertschätzung und Neugier sind wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitig sein, und wenn dann mal der eine oder die andere sich ineinander verlieben und heiraten, ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt, eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu sagen, Gott zu dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte er ihr nicht beantwortet. „Und was ist mit &lt;br /&gt;
dir selber,“ fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte einen Moment, lachte kurz und sagte: &lt;br /&gt;
„Dreimal darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das gab ihr ein gutes Gefühl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
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E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
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LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
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VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag&lt;br /&gt;
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© Bahá’í-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
&#039;Abdu&#039;l-Bahá (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77471</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-30T06:39:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen«. &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
weist auf die wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der Welt ... hin. Er stellt sich vor, dass &lt;br /&gt;
die Entwicklung auf eine geeinte Welt hin zunehmen und als »Einheit des Denkens in weltweiten &lt;br /&gt;
Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird. Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. &lt;br /&gt;
»Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche &lt;br /&gt;
Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen &lt;br /&gt;
der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken &lt;br /&gt;
sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen, und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren &lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist dann neben Toleranz und Idealismus auch der Verzicht &lt;br /&gt;
auf Komfort gefordert. Meist dauert es nicht lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu &lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf &lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogramme! Auch die Presse ist voll des Lobes. Dabei &lt;br /&gt;
stehen für die eher technisch orientierte Fachwelt das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit &lt;br /&gt;
im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. &lt;br /&gt;
Ubuntu ist der Shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die Technik mit Mitmenschlichkeit &lt;br /&gt;
erobert und durch Leistung überzeugt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das geht völlig gefahrlos über eine sogenannte &lt;br /&gt;
Live-CD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm &lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran &lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben, findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch &lt;br /&gt;
(natürlich) kostenlos im Internet, sondern auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntu-Gemeinde, &lt;br /&gt;
die über alle Hürden hinweghilft. Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, &lt;br /&gt;
wie der Deutschlandfunk seine Sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt noch anzumerken, &lt;br /&gt;
dass in Mazedonien gerade 5000 Schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei Gründen: Es ist &lt;br /&gt;
kostenlos, es läuft auch auf alten Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.UBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNETADRESSE DES VEREINS UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://WWW.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCHAAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AUTORS. ÜBER IHN GIBT ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.-Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:ehemals kath. Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet heute als&lt;br /&gt;
:Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===MOÇAMBIOUE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Facetten einer Integration in Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;ALLE MENSCHEN SIND SEINE BÜRGER.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nur eine.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Moçambique zu integrieren bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, &lt;br /&gt;
Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, &lt;br /&gt;
Wachsen, Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein, Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. &lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Moçambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Andersseins zu einer Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von &lt;br /&gt;
verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts &lt;br /&gt;
der Unterschiede, aber auch Momente des tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren lassen, &lt;br /&gt;
dass diese Partnerschaft die Anstrengungen wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander &lt;br /&gt;
zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt — wenn &lt;br /&gt;
ich mich etwa dazu durchringe, mich genau wie meine Mutter um die Anziehsachen meines Mannes zu &lt;br /&gt;
kümmern, ihm das Wasser zum Baden zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die Wohnung sauber &lt;br /&gt;
zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines solchen Verhaltens &lt;br /&gt;
für Frauen in Moçambique gar nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch darüber beschwert, dass &lt;br /&gt;
ich ihm die Banane nur in der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er &lt;br /&gt;
besteht darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, &lt;br /&gt;
dass wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere jeweils eigenen Schwächen und Ängste &lt;br /&gt;
anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in Toleranz gegenüber den Grenzen des &lt;br /&gt;
anderen allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte zu lösen, anzunähern. Dabei ist es &lt;br /&gt;
uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere Kultur im täglichen Leben &lt;br /&gt;
kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
Mit den Kindern - bei unserem Umzug nach Moçambique waren sie 11 und 13 Jahre alt - plötzlich &lt;br /&gt;
in einer anderen Kultur zu leben, ist eine ganz eigene Herausforderung. Besonders, wenn sie im &lt;br /&gt;
Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder Entwicklungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich &lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und doch wegen &lt;br /&gt;
ihrer so anderen kulturellen Erfahrungen eben auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die &lt;br /&gt;
uns allen helfen, Menschen in ihrer Abhängigkeit von dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, verstehen &lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, was es wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein &lt;br /&gt;
soll und dass es manchmal eine große Bereicherung und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
meinen anderen Brüdern und Schwestern wirklich familiär verbunden zu fühlen. Und es ist faszinierend &lt;br /&gt;
zu erkennen, welch scharfe Beobachtungen die eigenen Kinder anstellen - sowohl an anderen Menschen &lt;br /&gt;
als auch an sich selbst - bezüglich der hiesigen oder auch der europäischen Kultur und &lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da noch all die Selbstverständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich &lt;br /&gt;
gar nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen: ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich &lt;br /&gt;
bei Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; die Freude, im Haus zu sein, wenn es draußen regnet (während &lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass Ihre Hütte einstürzt); die Menge an Wissen über die Natur, die &lt;br /&gt;
Religionen, die Möglichkeit, Bücher zu lesen und gut gestaltete Lehrbücher zu haben. Für uns als &lt;br /&gt;
Eltern und speziell für mich Mutter und Bahá’í bedeutet das vor allem, die Begrenzthelt des &lt;br /&gt;
gegenwärtigen Entwicklungsstadiums der Menschheit sowie die großen Unterschiede in den materiellen &lt;br /&gt;
Lebensumständen bei der Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, oft einfach hinzunehmen, nicht &lt;br /&gt;
schönzureden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique als Frau heißt auch Konfrontation mit einem Geschlechterverhältnis, das &lt;br /&gt;
einen manchmal erschauern lässt. Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe ich mich mitunter &lt;br /&gt;
plötzlich hineinversetzt in die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die gewalttätigen Männern schutzlos ausgeliefert sind und auch nicht auf die Unterstützung der Nachbarn zahlen können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die bei der Schwangerenuntersuchung feststellen, dass sie HIV-positiv sind und daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutter auf die Strasse geworfen werden selbst dann, wenn sie sich nur bei ihrem eigenen Mann infiziert haben können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil er ihr die Schuld an seiner eigenen misslichen Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- eine Mutter, die Wochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zu einer anderen Frau in ihrer Verzweiflung ihre kleinen Kinder bei der Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht mehr um die Kinder kümmern konnte - die Polizei dann aber nichts anderes tat, als die Frau eine Nacht einzusperren, „damit sie lernt, dass eine Mutter niemals ihre Kinder verlassen darf”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die von Ihren Männern wegen einer anderen Frau verlassen &lt;br /&gt;
wurden - eine eigentlich schon ganz normale Erscheinung; gleichzeitig haben wir es in Moçambique mit &lt;br /&gt;
einer Gesellschaft zu tun, in der die Mehrheit der Frauen mit ihren Kindern in wirtschaftlich &lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die sie &lt;br /&gt;
selbst anwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sind so umfassend und so allgegennwärtig, dass an die Lösung &lt;br /&gt;
der Entwicklungsprobleme dieses Landes kaum zu denken ist, soJange solch ein Chaos in der &lt;br /&gt;
Geschlechterbeziehung herrscht. Das Erleben dieser Geschichten lässt erahnen, welch unermessliche &lt;br /&gt;
Macht hinter den Worten Bahá’u’lláhs steckt, wenn Er die Menschen zur Gleichwertigkeit von Mann &lt;br /&gt;
und Frau aufruft und zu einem Leben nach Seinen Gesetzen. In einem Land wie Moçambique wird &lt;br /&gt;
deutlich, dass die Beachtung geistiger Prinzipien schlichtweg überlebensnotwendig sein &lt;br /&gt;
kann. Und dass geistige Prinzipien Hand in Hand gehen sollten mit der materiellen Entwicklung &lt;br /&gt;
zur Beseitigung von Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique heißt natürlich auch Leben als  „Weiße” unter einer Mehrheit von &lt;br /&gt;
„Schwarzen“. Im Großen und Ganzen ist dies ein eher nebensächlicher Aspekt und nicht schwer &lt;br /&gt;
auszuhalten, sofern man damit klarkommt, immer irgendwie als etwas Besonderes gesehen zu &lt;br /&gt;
werden. Dabei möchte ich betonen, dass ich nicht gern mit dunkelhäutigen Ausländern in &lt;br /&gt;
Deutschland tauschen möchte, die ihr&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der Nachtell des Welß-Seins &lt;br /&gt;
in Moçambique zunachst einmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit größerem &lt;br /&gt;
Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann natürlich auch recht unangenehm werden - wenn ich zum Beispiel &lt;br /&gt;
spüre, dass ich von vornherein den Reichen zugeordnet und als potentieller Geldgeber betrachtet &lt;br /&gt;
werde und damit rechnen muss, dass das Interesse anderer Menschen an einer Freundschaft von &lt;br /&gt;
der Hoffnungauf etwaige Vorteile gespeist wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dann ganz ohne Bitterkeit, aber mit vollem Ernst geäußert wird, dass die Weißen ja das Glück &lt;br /&gt;
hätten, von Gott besonders geliebt zu werden oder wenn ein alter Mann sich dafür einsetzt, mich in &lt;br /&gt;
der Warteschlange vorzulassen, weil ich doch schließlich weiß sei, dann sehe ich, wie weit das Ziel &lt;br /&gt;
der Einheit der Rassen noch entfernt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alltägliche Umgang mit Armut ist ein weiterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, was es heißt, zu &lt;br /&gt;
den Reichen dieser Welt zu gehören - ob ich mich in Deutschland jemals so wahrgenommen habe &lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ich &lt;br /&gt;
nicht bei jedem Schritt von Ihnen umringt sein. Es ist fast schon erschreckend festzustellen, wie &lt;br /&gt;
leicht mir dieser harte Tonfall mittlerweile fällt. Dann spüre ich den Wunsch, &#039;Abdu&#039;l-Bahá bei &lt;br /&gt;
mir zu haben, um zu erfahren, wie ich angemessen mit der Situation der Bettler umgehe. Hat er &lt;br /&gt;
nicht jeden Tag einen armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann ich das, &lt;br /&gt;
wo wir uns schon um all die eigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als &lt;br /&gt;
Gnädige, Barmherzige, Heilige verehrt werden, nur weil ich jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration bedeutet für mich auch die alltägliche Auseinandersetzung mit all jenen Erscheinungsformen &lt;br /&gt;
einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen kann. Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie denen, &lt;br /&gt;
dass man mit Entsetzen feststellt, dass im Garten die Grünpflanzen so gestutzt wurden, dass kaum &lt;br /&gt;
etwas davon übrigblieb - leicht zu verstehen, da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes &lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier vorrangig eine Bedrohung darstellen (wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es, wenn ich völlig unvorbereitet erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Familie haben, für das wir verantwortlich sind: Der Schwager hat es einfach bei uns gelassen und &lt;br /&gt;
ist abgereist. Der Versuch anzunehmen, dass das nach traditioneller Lebensweise norrnal sei, &lt;br /&gt;
kann mich nicht von einem Gefühl der Wut und Verletztheit abbringen, weil jemand mit &lt;br /&gt;
Selbstverständlichkeit unsere Hilfe in Anspruch nimmt, ohne uns auch nur eines Wortes für &lt;br /&gt;
würdig zu halten. Und wenn ich dann von der individualistischen europäischen und der &lt;br /&gt;
gemeinschaftsorientierten afrikanischen Gesellschaft höre, dann erweckt das in mir nur eine &lt;br /&gt;
Sehnsucht nach der Weisheit der Bahá’í-Lehren, die so vielfältige Wege aufzeigen, wie sowohl  gemeinschaftsverbindende als auch das einzelne Individuum wertschätzende Handlungsweisen &lt;br /&gt;
miteinander verbunden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist es auch notwendig und mitunter sehr schwierig, sich an problematische Situationen &lt;br /&gt;
zu gewöhnen, die mir meiner Herkunft wegen wenig vertraut sind, dass etwa Abmachungen nicht &lt;br /&gt;
eingehalten, Verbindlichkeiten nicht ernst genommen werden, dass nichts richtig klappt, immer &lt;br /&gt;
irgendwelche Hindernisse auftreten - oft bedingt durch Fehlverhalten oder Inkompetenz einzelner &lt;br /&gt;
Menschen oder Institutionen. Oder das verbreitete Denken und Handeln in Hierarchien nach dem &lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bei dem es dem Mächtigeren, Reicheren erlaubt ist, einen Untergebenen &lt;br /&gt;
in demnütigender Art zu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann in solchen Situationen eine gewisse Wut spüre, merke ich, dass ich anfange, &lt;br /&gt;
Menschen zu verurteilen. Auch wenn mir bewusst ist, dass viele Europder in Moçambique verzweifeln &lt;br /&gt;
und nicht selten mit recht üblen Überzeugungen wieder nach Hause fahren - finde ich es zunächst &lt;br /&gt;
erschrechend festzustellen, wie schnell ich zu solchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurteilen &lt;br /&gt;
gelange - trotz all der Bahá’í-Ideale von der Einheit der Rassen. Aber es sind gerade die Schriften, &lt;br /&gt;
die mich zu dem Schluss gelangen lassen: Nein, so simpel kann das nicht sein. Und es ist mir eine &lt;br /&gt;
große Hilfe zu wisen, dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass all die Phänomene alle &lt;br /&gt;
möglichen Ursachen haben können, nicht jedoch solche, die auf die Zugehörigkeit zu einer &lt;br /&gt;
Menschengruppe zurückzuführen sind. Oder besser ausgedrückt: Dass das Wort „Die Erde ist nur &lt;br /&gt;
ein Land und alle Menschen sind seine Bürger” auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen oder -gruppen verschiedener Herkunft geben &lt;br /&gt;
kann, dass es sich hierbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. &lt;br /&gt;
Und dass verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umständen auch tendenziell ähnlich handeln &lt;br /&gt;
würden. Während die Menschen meiner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für ein Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheit anzunehmen und durchzustehen. Nachdem ich das in unserer &lt;br /&gt;
eigenen Familie mehrfach erlebt hatte, wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und &lt;br /&gt;
Nachteile haben, während ich bei der Suche nach optimalen Wegen oft in Stress gerate, im &lt;br /&gt;
positiven Falle dann aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht möglich erschienen, &lt;br /&gt;
steckt hinter der Haltung, Probleme zunächst einmal anzunehmen, die Gefahr, von vornherein &lt;br /&gt;
aufzugeben, gar nicht erst nach Alternativen zu suchen, im positiven Falle aber auch die &lt;br /&gt;
Fähigkeit, mit wirklichen Problemen gelassener umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare Lösungen zu finden. Beide Handlungsweisen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem. Zusammen können sie aber zu einer gegenseitigen Bereicherung &lt;br /&gt;
werden. Die Auseinandersetzung mit den Erscheinungen der anderen Kultur führt automatisch zu &lt;br /&gt;
einer vertiefteren Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur. Es wird mir immer bewusster, wie &lt;br /&gt;
sehr die Ausrichtung auf ein geistiges Leben auch von der Erfüllung materieller Grundbedürfnisse &lt;br /&gt;
abhängig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besondere Kraft nachsagt, ist die &lt;br /&gt;
Spiritualität, das geistige Leben. Wie sieht hier Integration für mich als Europäerin aus? &lt;br /&gt;
Eines konnte/musste ich schnell lernen: Es erscheint mir auch in dieser Hinsicht ein Stereotyp, &lt;br /&gt;
ein zu banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher materiell orientierten &lt;br /&gt;
Europaer, die immer mehr an Spirtualitat verlieren, dort die Afrikaner mit ihrer inneren &lt;br /&gt;
Religiosität. Es stimmt einfach so nicht. Die Menschen in Moçambique sind - sicherlich auch &lt;br /&gt;
wegen der vielen existenziellen Probleme und der Abkehr von Religion in den kommunistischen &lt;br /&gt;
Jahrzehnten - mindestens genauso stark materiell orientiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Bahá’í? Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst &lt;br /&gt;
zu meinen Bahá’í-Abenden eingeladen hatte. Beeindruckend war zunächst einmal die unglaubliche &lt;br /&gt;
Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren Bahá’u’lláhs ohne Vorurteil anzuhören, Ihn &lt;br /&gt;
sogar auf ihre Art als wichtige Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite bleibt da aber auch jene mich ständig begleitende Unsicherheit angesichts &lt;br /&gt;
dessen, dass ich die einzige Bahá’í und noch dazu als Ausländerin mit der Denkweise, den &lt;br /&gt;
Gewohnheiten, dem Fühlen der einheimischen Menschen kaum vertraut bin, dass mir der Unterschied &lt;br /&gt;
zwischen ihrer viel emotionaleren, kraftvolleren und meinem eher verstandesmäßigen, besinnlichen &lt;br /&gt;
Umgang mit Spirtualität und Religion jedoch deutlich bewusst ist. Eine Botschaft Bahá’u’lláhs &lt;br /&gt;
haben sie sehr gut verstanden: Dass Bahá’í Menschen sind, die ihre Türen öffnen, sie auf ihren &lt;br /&gt;
Möbeln sitzen lassen, mit ihnen Ihr Essen teilen - eigentlich eine Selbstverständlichkeit für &lt;br /&gt;
jeden Bahá’í und bei jeder Bahá’í-Veranstaltung, hier jedoch angesichts der unterschiedlichen &lt;br /&gt;
Rassen und des damit einhergehenden großen Unterschieds zwischen Arm und Reich offensichtlich &lt;br /&gt;
leider eine herausragende Besonderheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so wurde dann auch die Geburtstagsfeier Bahá’u’lláhs zu einer der schönsten Bahá’í-Feiern, &lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer, die während der Feier regelrecht an meinen &lt;br /&gt;
Lippen hingen, als ich einen Tell der Lebensgeschichte Bahá’u’lláhs erzählte, bedankten sich am &lt;br /&gt;
Ende dafür, dass ich durch dieses Fest einige eigentlich zerstrittene Gemeinden zusammengebracht &lt;br /&gt;
hätte. Sie bedankten sich auch bei Bahá’u’lláh in dem festen Glauben, dass die Kraft, die mich &lt;br /&gt;
dazu führe, Menschen unabhängig von Ihrer Religion, Rasse und Herkunft in eine Einheit &lt;br /&gt;
zusammenzubringen, von Ihm ausgehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich in eine andere Gesellschaft zu integrieren, spürt man wohl am intensivsten in &lt;br /&gt;
persönlich einschneidenden Lebenssituationen - bei der Geburt eines Kindes zum Beispiel. Schon bei &lt;br /&gt;
der Frage des Entbindungsortes wurde mir der riesige Unterschied zwischen Europa und den Umständen &lt;br /&gt;
bewusst, unter denen die meisten Frauen leben und entbinden. Und während ich mit meinem Mann noch &lt;br /&gt;
darüber nachdachte, ob wir lieber einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf nehmen, um unser Kind in &lt;br /&gt;
einer deutschen Klinik zur Welt zu bringen oder ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen, wachte ich an &lt;br /&gt;
einem Morgen auf und stellte fest, dass in aller Frühe eine Frau ihre Tochter direkt auf dem Sandweg &lt;br /&gt;
vor unserem Hauseingang entbunden hat, weil ihr der Weg zum lokalen Hospital einfach zu lang &lt;br /&gt;
geworden war. Integration in Moçambique - das bedeutet noch vieles, vieles mehr. Zum Beispiel beim &lt;br /&gt;
Rückflug von Deutschland nach Moçambique die freudige Erkenntnis: „Ich fahre nach Hause.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Kordula Koksch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN MOÇAMBIQUE HEISST FÜR MICH&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* eigene Vorurteile zu erkennen und zu hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei befremdlichen Situationen unterscheiden zu lernen, ob es sich um andere Lebensweisen handelt, die es zu respektieren gilt, oder um wirkliche Probleme, die einer Entwicklung bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in Gedanken einen Brief an deutsche Freunde zu schreiben und erst nach einer Weile zu merken, dass ich die Sätze die ganze Zeit in portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* die Einheit von materlellem und geistigem Fortschritt verstehen zu lernen - zu erkennen, wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben auch an eine materielle Grundsicherung gebunden ist; zu erkennen aber auch, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im menschlichen Verhalten und somit Antrieb zu Neuentwicklung geben kann und dass ein Mangel solch einer Ausrichtung immense Umwege und Blockaden in der Entwicklung einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* angesichts der Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen &lt;br /&gt;
zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Zitate Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás nicht mehr nur als schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie sagen „Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* mein Verhalten und das meines Partners in seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen Kultur verstehen und mich dann davon auch lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* in der Beziehung zu meinem Mann in einem Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der gegenseitigen Überforderung und Verzweiflung angesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa und der Hinterfragung der eigenen Ansichten hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===„Is gaans anders als in Iran, aber auch guut!“===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÁ’Í IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahá’í in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahá’í-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Bahá’u’lláhs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahá’í zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
www.tempora.org&lt;br /&gt;
E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
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Tel.:+49 (0) 6192 / 22 921&lt;br /&gt;
Fax: +49 (0) 6192/2293 6&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
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Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion&lt;br /&gt;
keine Haftung. Die Redaktion behält sich sinn&lt;br /&gt;
bewahrende Kürzungen und Änderungen der&lt;br /&gt;
Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
&#039;Abdu&#039;l-Bahá (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77470</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77470"/>
		<updated>2022-05-29T13:05:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen«. &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
weist auf die wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der Welt ... hin. Er stellt sich vor, dass &lt;br /&gt;
die Entwicklung auf eine geeinte Welt hin zunehmen und als »Einheit des Denkens in weltweiten &lt;br /&gt;
Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird. Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. &lt;br /&gt;
»Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche &lt;br /&gt;
Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen &lt;br /&gt;
der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken &lt;br /&gt;
sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen, und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren &lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist dann neben Toleranz und Idealismus auch der Verzicht &lt;br /&gt;
auf Komfort gefordert. Meist dauert es nicht lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu &lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf &lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogramme! Auch die Presse ist voll des Lobes. Dabei &lt;br /&gt;
stehen für die eher technisch orientierte Fachwelt das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit &lt;br /&gt;
im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. &lt;br /&gt;
Ubuntu ist der Shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die Technik mit Mitmenschlichkeit &lt;br /&gt;
erobert und durch Leistung überzeugt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das geht völlig gefahrlos über eine sogenannte &lt;br /&gt;
Live-CD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm &lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran &lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben, findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch &lt;br /&gt;
(natürlich) kostenlos im Internet, sondern auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntu-Gemeinde, &lt;br /&gt;
die über alle Hürden hinweghilft. Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, &lt;br /&gt;
wie der Deutschlandfunk seine Sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt noch anzumerken, &lt;br /&gt;
dass in Mazedonien gerade 5000 Schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei Gründen: Es ist &lt;br /&gt;
kostenlos, es läuft auch auf alten Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.UBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNETADRESSE DES VEREINS UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://WWW.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCHAAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AUTORS. ÜBER IHN GIBT ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.-Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:ehemals kath. Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet heute als&lt;br /&gt;
:Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===MOÇAMBIOUE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Facetten einer Integration in Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;ALLE MENSCHEN SIND SEINE BÜRGER.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nur eine.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Moçambique zu integrieren bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, &lt;br /&gt;
Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, &lt;br /&gt;
Wachsen, Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein, Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. &lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Moçambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Andersseins zu einer Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von &lt;br /&gt;
verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts &lt;br /&gt;
der Unterschiede, aber auch Momente des tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren lassen, &lt;br /&gt;
dass diese Partnerschaft die Anstrengungen wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander &lt;br /&gt;
zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt — wenn &lt;br /&gt;
ich mich etwa dazu durchringe, mich genau wie meine Mutter um die Anziehsachen meines Mannes zu &lt;br /&gt;
kümmern, ihm das Wasser zum Baden zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die Wohnung sauber &lt;br /&gt;
zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines solchen Verhaltens &lt;br /&gt;
für Frauen in Moçambique gar nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch darüber beschwert, dass &lt;br /&gt;
ich ihm die Banane nur in der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er &lt;br /&gt;
besteht darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, &lt;br /&gt;
dass wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere jeweils eigenen Schwächen und Ängste &lt;br /&gt;
anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in Toleranz gegenüber den Grenzen des &lt;br /&gt;
anderen allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte zu lösen, anzunähern. Dabei ist es &lt;br /&gt;
uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere Kultur im täglichen Leben &lt;br /&gt;
kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
Mit den Kindern - bei unserem Umzug nach Moçambique waren sie 11 und 13 Jahre alt - plötzlich &lt;br /&gt;
in einer anderen Kultur zu leben, ist eine ganz eigene Herausforderung. Besonders, wenn sie im &lt;br /&gt;
Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder Entwicklungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich &lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und doch wegen &lt;br /&gt;
ihrer so anderen kulturellen Erfahrungen eben auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die &lt;br /&gt;
uns allen helfen, Menschen in ihrer Abhängigkeit von dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, verstehen &lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, was es wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein &lt;br /&gt;
soll und dass es manchmal eine große Bereicherung und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
meinen anderen Brüdern und Schwestern wirklich familiär verbunden zu fühlen. Und es ist faszinierend &lt;br /&gt;
zu erkennen, welch scharfe Beobachtungen die eigenen Kinder anstellen - sowohl an anderen Menschen &lt;br /&gt;
als auch an sich selbst - bezüglich der hiesigen oder auch der europäischen Kultur und &lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da noch all die Selbstverständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich &lt;br /&gt;
gar nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen: ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich &lt;br /&gt;
bei Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; die Freude, im Haus zu sein, wenn es draußen regnet (während &lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass Ihre Hütte einstürzt); die Menge an Wissen über die Natur, die &lt;br /&gt;
Religionen, die Möglichkeit, Bücher zu lesen und gut gestaltete Lehrbücher zu haben. Für uns als &lt;br /&gt;
Eltern und speziell für mich Mutter und Bahá’í bedeutet das vor allem, die Begrenzthelt des &lt;br /&gt;
gegenwärtigen Entwicklungsstadiums der Menschheit sowie die großen Unterschiede in den materiellen &lt;br /&gt;
Lebensumständen bei der Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, oft einfach hinzunehmen, nicht &lt;br /&gt;
schönzureden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique als Frau heißt auch Konfrontation mit einem Geschlechterverhältnis, das &lt;br /&gt;
einen manchmal erschauern lässt. Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe ich mich mitunter &lt;br /&gt;
plötzlich hineinversetzt in die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die gewalttätigen Männern schutzlos ausgeliefert sind und auch nicht auf die Unterstützung der Nachbarn zahlen können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die bei der Schwangerenuntersuchung feststellen, dass sie HIV-positiv sind und daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutter auf die Strasse geworfen werden selbst dann, wenn sie sich nur bei ihrem eigenen Mann infiziert haben können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil er ihr die Schuld an seiner eigenen misslichen Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- eine Mutter, die Wochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zu einer anderen Frau in ihrer Verzweiflung ihre kleinen Kinder bei der Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht mehr um die Kinder kümmern konnte - die Polizei dann aber nichts anderes tat, als die Frau eine Nacht einzusperren, „damit sie lernt, dass eine Mutter niemals ihre Kinder verlassen darf”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die von Ihren Männern wegen einer anderen Frau verlassen &lt;br /&gt;
wurden - eine eigentlich schon ganz normale Erscheinung; gleichzeitig haben wir es in Moçambique mit &lt;br /&gt;
einer Gesellschaft zu tun, in der die Mehrheit der Frauen mit ihren Kindern in wirtschaftlich &lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die sie &lt;br /&gt;
selbst anwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sind so umfassend und so allgegennwärtig, dass an die Lösung &lt;br /&gt;
der Entwicklungsprobleme dieses Landes kaum zu denken ist, soJange solch ein Chaos in der &lt;br /&gt;
Geschlechterbeziehung herrscht. Das Erleben dieser Geschichten lässt erahnen, welch unermessliche &lt;br /&gt;
Macht hinter den Worten Bahá’u’lláhs steckt, wenn Er die Menschen zur Gleichwertigkeit von Mann &lt;br /&gt;
und Frau aufruft und zu einem Leben nach Seinen Gesetzen. In einem Land wie Moçambique wird &lt;br /&gt;
deutlich, dass die Beachtung geistiger Prinzipien schlichtweg überlebensnotwendig sein &lt;br /&gt;
kann. Und dass geistige Prinzipien Hand in Hand gehen sollten mit der materiellen Entwicklung &lt;br /&gt;
zur Beseitigung von Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique heißt natürlich auch Leben als  „Weiße” unter einer Mehrheit von &lt;br /&gt;
„Schwarzen“. Im Großen und Ganzen ist dies ein eher nebensächlicher Aspekt und nicht schwer &lt;br /&gt;
auszuhalten, sofern man damit klarkommt, immer irgendwie als etwas Besonderes gesehen zu &lt;br /&gt;
werden. Dabei möchte ich betonen, dass ich nicht gern mit dunkelhäutigen Ausländern in &lt;br /&gt;
Deutschland tauschen möchte, die ihr&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der Nachtell des Welß-Seins &lt;br /&gt;
in Moçambique zunachst einmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit größerem &lt;br /&gt;
Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann natürlich auch recht unangenehm werden - wenn ich zum Beispiel &lt;br /&gt;
spüre, dass ich von vornherein den Reichen zugeordnet und als potentieller Geldgeber betrachtet &lt;br /&gt;
werde und damit rechnen muss, dass das Interesse anderer Menschen an einer Freundschaft von &lt;br /&gt;
der Hoffnungauf etwaige Vorteile gespeist wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dann ganz ohne Bitterkeit, aber mit vollem Ernst geäußert wird, dass die Weißen ja das Glück &lt;br /&gt;
hätten, von Gott besonders geliebt zu werden oder wenn ein alter Mann sich dafür einsetzt, mich in &lt;br /&gt;
der Warteschlange vorzulassen, weil ich doch schließlich weiß sei, dann sehe ich, wie weit das Ziel &lt;br /&gt;
der Einheit der Rassen noch entfernt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alltägliche Umgang mit Armut ist ein weiterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, was es heißt, zu &lt;br /&gt;
den Reichen dieser Welt zu gehören - ob ich mich in Deutschland jemals so wahrgenommen habe &lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ich &lt;br /&gt;
nicht bei jedem Schritt von Ihnen umringt sein. Es ist fast schon erschreckend festzustellen, wie &lt;br /&gt;
leicht mir dieser harte Tonfall mittlerweile fällt. Dann spüre ich den Wunsch, &#039;Abdu&#039;l-Bahá bei &lt;br /&gt;
mir zu haben, um zu erfahren, wie ich angemessen mit der Situation der Bettler umgehe. Hat er &lt;br /&gt;
nicht jeden Tag einen armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann ich das, &lt;br /&gt;
wo wir uns schon um all die eigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als &lt;br /&gt;
Gnädige, Barmherzige, Heilige verehrt werden, nur weil ich jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration bedeutet für mich auch die alltägliche Auseinandersetzung mit all jenen Erscheinungsformen &lt;br /&gt;
einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen kann. Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie denen, &lt;br /&gt;
dass man mit Entsetzen feststellt, dass im Garten die Grünpflanzen so gestutzt wurden, dass kaum &lt;br /&gt;
etwas davon übrigblieb - leicht zu verstehen, da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes &lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier vorrangig eine Bedrohung darstellen (wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es, wenn ich völlig unvorbereitet erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Familie haben, für das wir verantwortlich sind: Der Schwager hat es einfach bei uns gelassen und &lt;br /&gt;
ist abgereist. Der Versuch anzunehmen, dass das nach traditioneller Lebensweise norrnal sei, &lt;br /&gt;
kann mich nicht von einem Gefühl der Wut und Verletztheit abbringen, weil jemand mit &lt;br /&gt;
Selbstverständlichkeit unsere Hilfe in Anspruch nimmt, ohne uns auch nur eines Wortes für &lt;br /&gt;
würdig zu halten. Und wenn ich dann von der individualistischen europäischen und der &lt;br /&gt;
gemeinschaftsorientierten afrikanischen Gesellschaft höre, dann erweckt das in mir nur eine &lt;br /&gt;
Sehnsucht nach der Weisheit der Bahá’í-Lehren, die so vielfältige Wege aufzeigen, wie sowohl  gemeinschaftsverbindende als auch das einzelne Individuum wertschätzende Handlungsweisen &lt;br /&gt;
miteinander verbunden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist es auch notwendig und mitunter sehr schwierig, sich an problematische Situationen &lt;br /&gt;
zu gewöhnen, die mir meiner Herkunft wegen wenig vertraut sind, dass etwa Abmachungen nicht &lt;br /&gt;
eingehalten, Verbindlichkeiten nicht ernst genommen werden, dass nichts richtig klappt, immer &lt;br /&gt;
irgendwelche Hindernisse auftreten - oft bedingt durch Fehlverhalten oder Inkompetenz einzelner &lt;br /&gt;
Menschen oder Institutionen. Oder das verbreitete Denken und Handeln in Hierarchien nach dem &lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bei dem es dem Mächtigeren, Reicheren erlaubt ist, einen Untergebenen &lt;br /&gt;
in demnütigender Art zu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann in solchen Situationen eine gewisse Wut spüre, merke ich, dass ich anfange, &lt;br /&gt;
Menschen zu verurteilen. Auch wenn mir bewusst ist, dass viele Europder in Moçambique verzweifeln &lt;br /&gt;
und nicht selten mit recht üblen Überzeugungen wieder nach Hause fahren - finde ich es zunächst &lt;br /&gt;
erschrechend festzustellen, wie schnell ich zu solchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurteilen &lt;br /&gt;
gelange - trotz all der Bahá’í-Ideale von der Einheit der Rassen. Aber es sind gerade die Schriften, &lt;br /&gt;
die mich zu dem Schluss gelangen lassen: Nein, so simpel kann das nicht sein. Und es ist mir eine &lt;br /&gt;
große Hilfe zu wisen, dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass all die Phänomene alle &lt;br /&gt;
möglichen Ursachen haben können, nicht jedoch solche, die auf die Zugehörigkeit zu einer &lt;br /&gt;
Menschengruppe zurückzuführen sind. Oder besser ausgedrückt: Dass das Wort „Die Erde ist nur &lt;br /&gt;
ein Land und alle Menschen sind seine Bürger” auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen oder -gruppen verschiedener Herkunft geben &lt;br /&gt;
kann, dass es sich hierbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. &lt;br /&gt;
Und dass verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umständen auch tendenziell ähnlich handeln &lt;br /&gt;
würden. Während die Menschen meiner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für ein Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheit anzunehmen und durchzustehen. Nachdem ich das in unserer &lt;br /&gt;
eigenen Familie mehrfach erlebt hatte, wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und &lt;br /&gt;
Nachteile haben, während ich bei der Suche nach optimalen Wegen oft in Stress gerate, im &lt;br /&gt;
positiven Falle dann aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht möglich erschienen, &lt;br /&gt;
steckt hinter der Haltung, Probleme zunächst einmal anzunehmen, die Gefahr, von vornherein &lt;br /&gt;
aufzugeben, gar nicht erst nach Alternativen zu suchen, im positiven Falle aber auch die &lt;br /&gt;
Fähigkeit, mit wirklichen Problemen gelassener umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare Lösungen zu finden. Beide Handlungsweisen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem. Zusammen können sie aber zu einer gegenseitigen Bereicherung &lt;br /&gt;
werden. Die Auseinandersetzung mit den Erscheinungen der anderen Kultur führt automatisch zu &lt;br /&gt;
einer vertiefteren Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur. Es wird mir immer bewusster, wie &lt;br /&gt;
sehr die Ausrichtung auf ein geistiges Leben auch von der Erfüllung materieller Grundbedürfnisse &lt;br /&gt;
abhängig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahá’í in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahá’í-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Bahá’u’lláhs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahá’í zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
www.tempora.org&lt;br /&gt;
E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tel.:+49 (0) 6192 / 22 921&lt;br /&gt;
Fax: +49 (0) 6192/2293 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
www.bahai-verlag.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
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EUR 18,00 / Einzelheft EUR 5,00&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
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Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion&lt;br /&gt;
keine Haftung. Die Redaktion behält sich sinn&lt;br /&gt;
bewahrende Kürzungen und Änderungen der&lt;br /&gt;
Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind&lt;br /&gt;
urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
&#039;Abdu&#039;l-Bahá (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77469</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-29T13:04:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen«. &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
weist auf die wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der Welt ... hin. Er stellt sich vor, dass &lt;br /&gt;
die Entwicklung auf eine geeinte Welt hin zunehmen und als »Einheit des Denkens in weltweiten &lt;br /&gt;
Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird. Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. &lt;br /&gt;
»Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche &lt;br /&gt;
Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen &lt;br /&gt;
der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken &lt;br /&gt;
sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen, und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren &lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist dann neben Toleranz und Idealismus auch der Verzicht &lt;br /&gt;
auf Komfort gefordert. Meist dauert es nicht lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu &lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf &lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogramme! Auch die Presse ist voll des Lobes. Dabei &lt;br /&gt;
stehen für die eher technisch orientierte Fachwelt das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit &lt;br /&gt;
im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. &lt;br /&gt;
Ubuntu ist der Shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die Technik mit Mitmenschlichkeit &lt;br /&gt;
erobert und durch Leistung überzeugt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das geht völlig gefahrlos über eine sogenannte &lt;br /&gt;
Live-CD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm &lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran &lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben, findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch &lt;br /&gt;
(natürlich) kostenlos im Internet, sondern auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntu-Gemeinde, &lt;br /&gt;
die über alle Hürden hinweghilft. Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, &lt;br /&gt;
wie der Deutschlandfunk seine Sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt noch anzumerken, &lt;br /&gt;
dass in Mazedonien gerade 5000 Schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei Gründen: Es ist &lt;br /&gt;
kostenlos, es läuft auch auf alten Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.UBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNETADRESSE DES VEREINS UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://WWW.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCHAAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AUTORS. ÜBER IHN GIBT ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.-Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:ehemals kath. Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet heute als&lt;br /&gt;
:Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===MOÇAMBIOUE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Facetten einer Integration in Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;ALLE MENSCHEN SIND SEINE BÜRGER.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nur eine.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Moçambique zu integrieren bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, &lt;br /&gt;
Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, &lt;br /&gt;
Wachsen, Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein, Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. &lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Moçambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Andersseins zu einer Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von &lt;br /&gt;
verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts &lt;br /&gt;
der Unterschiede, aber auch Momente des tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren lassen, &lt;br /&gt;
dass diese Partnerschaft die Anstrengungen wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander &lt;br /&gt;
zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt — wenn &lt;br /&gt;
ich mich etwa dazu durchringe, mich genau wie meine Mutter um die Anziehsachen meines Mannes zu &lt;br /&gt;
kümmern, ihm das Wasser zum Baden zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die Wohnung sauber &lt;br /&gt;
zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines solchen Verhaltens &lt;br /&gt;
für Frauen in Moçambique gar nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch darüber beschwert, dass &lt;br /&gt;
ich ihm die Banane nur in der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er &lt;br /&gt;
besteht darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, &lt;br /&gt;
dass wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere jeweils eigenen Schwächen und Ängste &lt;br /&gt;
anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in Toleranz gegenüber den Grenzen des &lt;br /&gt;
anderen allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte zu lösen, anzunähern. Dabei ist es &lt;br /&gt;
uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere Kultur im täglichen Leben &lt;br /&gt;
kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
Mit den Kindern - bei unserem Umzug nach Moçambique waren sie 11 und 13 Jahre alt - plötzlich &lt;br /&gt;
in einer anderen Kultur zu leben, ist eine ganz eigene Herausforderung. Besonders, wenn sie im &lt;br /&gt;
Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder Entwicklungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich &lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und doch wegen &lt;br /&gt;
ihrer so anderen kulturellen Erfahrungen eben auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die &lt;br /&gt;
uns allen helfen, Menschen in ihrer Abhängigkeit von dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, verstehen &lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, was es wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein &lt;br /&gt;
soll und dass es manchmal eine große Bereicherung und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
meinen anderen Brüdern und Schwestern wirklich familiär verbunden zu fühlen. Und es ist faszinierend &lt;br /&gt;
zu erkennen, welch scharfe Beobachtungen die eigenen Kinder anstellen - sowohl an anderen Menschen &lt;br /&gt;
als auch an sich selbst - bezüglich der hiesigen oder auch der europäischen Kultur und &lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da noch all die Selbstverständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich &lt;br /&gt;
gar nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen: ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich &lt;br /&gt;
bei Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; die Freude, im Haus zu sein, wenn es draußen regnet (während &lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass Ihre Hütte einstürzt); die Menge an Wissen über die Natur, die &lt;br /&gt;
Religionen, die Möglichkeit, Bücher zu lesen und gut gestaltete Lehrbücher zu haben. Für uns als &lt;br /&gt;
Eltern und speziell für mich Mutter und Bahá’í bedeutet das vor allem, die Begrenzthelt des &lt;br /&gt;
gegenwärtigen Entwicklungsstadiums der Menschheit sowie die großen Unterschiede in den materiellen &lt;br /&gt;
Lebensumständen bei der Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, oft einfach hinzunehmen, nicht &lt;br /&gt;
schönzureden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique als Frau heißt auch Konfrontation mit einem Geschlechterverhältnis, das &lt;br /&gt;
einen manchmal erschauern lässt. Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe ich mich mitunter &lt;br /&gt;
plötzlich hineinversetzt in die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die gewalttätigen Männern schutzlos ausgeliefert sind und auch nicht auf die Unterstützung der Nachbarn zahlen können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die bei der Schwangerenuntersuchung feststellen, dass sie HIV-positiv sind und daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutter auf die Strasse geworfen werden selbst dann, wenn sie sich nur bei ihrem eigenen Mann infiziert haben können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil er ihr die Schuld an seiner eigenen misslichen Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- eine Mutter, die Wochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zu einer anderen Frau in ihrer Verzweiflung ihre kleinen Kinder bei der Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht mehr um die Kinder kümmern konnte - die Polizei dann aber nichts anderes tat, als die Frau eine Nacht einzusperren, „damit sie lernt, dass eine Mutter niemals ihre Kinder verlassen darf”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die von Ihren Männern wegen einer anderen Frau verlassen &lt;br /&gt;
wurden - eine eigentlich schon ganz normale Erscheinung; gleichzeitig haben wir es in Moçambique mit &lt;br /&gt;
einer Gesellschaft zu tun, in der die Mehrheit der Frauen mit ihren Kindern in wirtschaftlich &lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die sie &lt;br /&gt;
selbst anwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sind so umfassend und so allgegennwärtig, dass an die Lösung &lt;br /&gt;
der Entwicklungsprobleme dieses Landes kaum zu denken ist, soJange solch ein Chaos in der &lt;br /&gt;
Geschlechterbeziehung herrscht. Das Erleben dieser Geschichten lässt erahnen, welch unermessliche &lt;br /&gt;
Macht hinter den Worten Bahá’u’lláhs steckt, wenn Er die Menschen zur Gleichwertigkeit von Mann &lt;br /&gt;
und Frau aufruft und zu einem Leben nach Seinen Gesetzen. In einem Land wie Moçambique wird &lt;br /&gt;
deutlich, dass die Beachtung geistiger Prinzipien schlichtweg überlebensnotwendig sein &lt;br /&gt;
kann. Und dass geistige Prinzipien Hand in Hand gehen sollten mit der materiellen Entwicklung &lt;br /&gt;
zur Beseitigung von Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique heißt natürlich auch Leben als  „Weiße” unter einer Mehrheit von &lt;br /&gt;
„Schwarzen“. Im Großen und Ganzen ist dies ein eher nebensächlicher Aspekt und nicht schwer &lt;br /&gt;
auszuhalten, sofern man damit klarkommt, immer irgendwie als etwas Besonderes gesehen zu &lt;br /&gt;
werden. Dabei möchte ich betonen, dass ich nicht gern mit dunkelhäutigen Ausländern in &lt;br /&gt;
Deutschland tauschen möchte, die ihr&lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}&lt;br /&gt;
Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der Nachtell des Welß-Seins &lt;br /&gt;
in Moçambique zunachst einmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit größerem &lt;br /&gt;
Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann natürlich auch recht unangenehm werden - wenn ich zum Beispiel &lt;br /&gt;
spüre, dass ich von vornherein den Reichen zugeordnet und als potentieller Geldgeber betrachtet &lt;br /&gt;
werde und damit rechnen muss, dass das Interesse anderer Menschen an einer Freundschaft von &lt;br /&gt;
der Hoffnungauf etwaige Vorteile gespeist wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dann ganz ohne Bitterkeit, aber mit vollem Ernst geäußert wird, dass die Weißen ja das Glück &lt;br /&gt;
hätten, von Gott besonders geliebt zu werden oder wenn ein alter Mann sich dafür einsetzt, mich in &lt;br /&gt;
der Warteschlange vorzulassen, weil ich doch schließlich weiß sei, dann sehe ich, wie weit das Ziel &lt;br /&gt;
der Einheit der Rassen noch entfernt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alltägliche Umgang mit Armut ist ein weiterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, was es heißt, zu &lt;br /&gt;
den Reichen dieser Welt zu gehören - ob ich mich in Deutschland jemals so wahrgenommen habe &lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ich &lt;br /&gt;
nicht bei jedem Schritt von Ihnen umringt sein. Es ist fast schon erschreckend festzustellen, wie &lt;br /&gt;
leicht mir dieser harte Tonfall mittlerweile fällt. Dann spüre ich den Wunsch, &#039;Abdu&#039;l-Bahá bei &lt;br /&gt;
mir zu haben, um zu erfahren, wie ich angemessen mit der Situation der Bettler umgehe. Hat er &lt;br /&gt;
nicht jeden Tag einen armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann ich das, &lt;br /&gt;
wo wir uns schon um all die eigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als &lt;br /&gt;
Gnädige, Barmherzige, Heilige verehrt werden, nur weil ich jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche Auseinandersetzung mit all jenen Erscheinungsformen &lt;br /&gt;
einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen kann. Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie denen, &lt;br /&gt;
dass man mit Entsetzen feststellt, dass im Garten die Grünpflanzen so gestutzt wurden, dass kaum &lt;br /&gt;
etwas davon übrigblieb - leicht zu verstehen, da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes &lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier vorrangig eine Bedrohung darstellen (wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es, wenn ich völlig unvorbereitet erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Familie haben, für das wir verantwortlich sind: Der Schwager hat es einfach bei uns gelassen und &lt;br /&gt;
ist abgereist. Der Versuch anzunehmen, dass das nach traditioneller Lebensweise norrnal sei, &lt;br /&gt;
kann mich nicht von einem Gefühl der Wut und Verletztheit abbringen, weil jemand mit &lt;br /&gt;
Selbstverständlichkeit unsere Hilfe in Anspruch nimmt, ohne uns auch nur eines Wortes für &lt;br /&gt;
würdig zu halten. Und wenn ich dann von der individualistischen europäischen und der &lt;br /&gt;
gemeinschaftsorientierten afrikanischen Gesellschaft höre, dann erweckt das in mir nur eine &lt;br /&gt;
Sehnsucht nach der Weisheit der Bahá’í-Lehren, die so vielfältige Wege aufzeigen, wie sowohl  gemeinschaftsverbindende als auch das einzelne Individuum wertschätzende Handlungsweisen &lt;br /&gt;
miteinander verbunden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist es auch notwendig und mitunter sehr schwierig, sich an problematische Situationen &lt;br /&gt;
zu gewöhnen, die mir meiner Herkunft wegen wenig vertraut sind, dass etwa Abmachungen nicht &lt;br /&gt;
eingehalten, Verbindlichkeiten nicht ernst genommen werden, dass nichts richtig klappt, immer &lt;br /&gt;
irgendwelche Hindernisse auftreten - oft bedingt durch Fehlverhalten oder Inkompetenz einzelner &lt;br /&gt;
Menschen oder Institutionen. Oder das verbreitete Denken und Handeln in Hierarchien nach dem &lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bei dem es dem Mächtigeren, Reicheren erlaubt ist, einen Untergebenen &lt;br /&gt;
in demnütigender Art zu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann in solchen Situationen eine gewisse Wut spüre, merke ich, dass ich anfange, &lt;br /&gt;
Menschen zu verurteilen. Auch wenn mir bewusst ist, dass viele Europder in Moçambique verzweifeln &lt;br /&gt;
und nicht selten mit recht üblen Überzeugungen wieder nach Hause fahren - finde ich es zunächst &lt;br /&gt;
erschrechend festzustellen, wie schnell ich zu solchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurteilen &lt;br /&gt;
gelange - trotz all der Bahá’í-Ideale von der Einheit der Rassen. Aber es sind gerade die Schriften, &lt;br /&gt;
die mich zu dem Schluss gelangen lassen: Nein, so simpel kann das nicht sein. Und es ist mir eine &lt;br /&gt;
große Hilfe zu wisen, dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass all die Phänomene alle &lt;br /&gt;
möglichen Ursachen haben können, nicht jedoch solche, die auf die Zugehörigkeit zu einer &lt;br /&gt;
Menschengruppe zurückzuführen sind. Oder besser ausgedrückt: Dass das Wort „Die Erde ist nur &lt;br /&gt;
ein Land und alle Menschen sind seine Bürger” auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen oder -gruppen verschiedener Herkunft geben &lt;br /&gt;
kann, dass es sich hierbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. &lt;br /&gt;
Und dass verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umständen auch tendenziell ähnlich handeln &lt;br /&gt;
würden. Während die Menschen meiner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für ein Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheit anzunehmen und durchzustehen. Nachdem ich das in unserer &lt;br /&gt;
eigenen Familie mehrfach erlebt hatte, wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und &lt;br /&gt;
Nachteile haben, während ich bei der Suche nach optimalen Wegen oft in Stress gerate, im &lt;br /&gt;
positiven Falle dann aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht möglich erschienen, &lt;br /&gt;
steckt hinter der Haltung, Probleme zunächst einmal anzunehmen, die Gefahr, von vornherein &lt;br /&gt;
aufzugeben, gar nicht erst nach Alternativen zu suchen, im positiven Falle aber auch die &lt;br /&gt;
Fähigkeit, mit wirklichen Problemen gelassener umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare Lösungen zu finden. Beide Handlungsweisen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem. Zusammen können sie aber zu einer gegenseitigen Bereicherung &lt;br /&gt;
werden. Die Auseinandersetzung mit den Erscheinungen der anderen Kultur führt automatisch zu &lt;br /&gt;
einer vertiefteren Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur. Es wird mir immer bewusster, wie &lt;br /&gt;
sehr die Ausrichtung auf ein geistiges Leben auch von der Erfüllung materieller Grundbedürfnisse &lt;br /&gt;
abhängig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahá’í in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahá’í-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Bahá’u’lláhs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahá’í zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
www.tempora.org&lt;br /&gt;
E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag&lt;br /&gt;
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Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
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Tel.:+49 (0) 6192 / 22 921&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
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Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
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der Redaktion.&lt;br /&gt;
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© Bahá’í-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
&#039;Abdu&#039;l-Bahá (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77468</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-29T07:42:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen«. &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
weist auf die wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der Welt ... hin. Er stellt sich vor, dass &lt;br /&gt;
die Entwicklung auf eine geeinte Welt hin zunehmen und als »Einheit des Denkens in weltweiten &lt;br /&gt;
Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird. Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. &lt;br /&gt;
»Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche &lt;br /&gt;
Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen &lt;br /&gt;
der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken &lt;br /&gt;
sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen, und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren &lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist dann neben Toleranz und Idealismus auch der Verzicht &lt;br /&gt;
auf Komfort gefordert. Meist dauert es nicht lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu &lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf &lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogramme! Auch die Presse ist voll des Lobes. Dabei &lt;br /&gt;
stehen für die eher technisch orientierte Fachwelt das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit &lt;br /&gt;
im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. &lt;br /&gt;
Ubuntu ist der Shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die Technik mit Mitmenschlichkeit &lt;br /&gt;
erobert und durch Leistung überzeugt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das geht völlig gefahrlos über eine sogenannte &lt;br /&gt;
Live-CD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm &lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran &lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben, findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch &lt;br /&gt;
(natürlich) kostenlos im Internet, sondern auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntu-Gemeinde, &lt;br /&gt;
die über alle Hürden hinweghilft. Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, &lt;br /&gt;
wie der Deutschlandfunk seine Sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt noch anzumerken, &lt;br /&gt;
dass in Mazedonien gerade 5000 Schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei Gründen: Es ist &lt;br /&gt;
kostenlos, es läuft auch auf alten Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.UBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNETADRESSE DES VEREINS UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://WWW.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCHAAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AUTORS. ÜBER IHN GIBT ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.-Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:ehemals kath. Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet heute als&lt;br /&gt;
:Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===MOÇAMBIOUE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Facetten einer Integration in Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;ALLE MENSCHEN SIND SEINE BÜRGER.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nur eine.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Moçambique zu integrieren bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, &lt;br /&gt;
Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, &lt;br /&gt;
Wachsen, Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein, Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. &lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Moçambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Andersseins zu einer Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von &lt;br /&gt;
verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts &lt;br /&gt;
der Unterschiede, aber auch Momente des tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren lassen, &lt;br /&gt;
dass diese Partnerschaft die Anstrengungen wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander &lt;br /&gt;
zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt — wenn &lt;br /&gt;
ich mich etwa dazu durchringe, mich genau wie meine Mutter um die Anziehsachen meines Mannes zu &lt;br /&gt;
kümmern, ihm das Wasser zum Baden zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die Wohnung sauber &lt;br /&gt;
zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines solchen Verhaltens &lt;br /&gt;
für Frauen in Moçambique gar nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch darüber beschwert, dass &lt;br /&gt;
ich ihm die Banane nur in der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er &lt;br /&gt;
besteht darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, &lt;br /&gt;
dass wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere jeweils eigenen Schwächen und Ängste &lt;br /&gt;
anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in Toleranz gegenüber den Grenzen des &lt;br /&gt;
anderen allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte zu lösen, anzunähern. Dabei ist es &lt;br /&gt;
uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere Kultur im täglichen Leben &lt;br /&gt;
kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
Mit den Kindern - bei unserem Umzug nach Moçambique waren sie 11 und 13 Jahre alt - plötzlich &lt;br /&gt;
in einer anderen Kultur zu leben, ist eine ganz eigene Herausforderung. Besonders, wenn sie im &lt;br /&gt;
Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder Entwicklungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich &lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und doch wegen &lt;br /&gt;
ihrer so anderen kulturellen Erfahrungen eben auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die &lt;br /&gt;
uns allen helfen, Menschen in ihrer Abhängigkeit von dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, verstehen &lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, was es wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein &lt;br /&gt;
soll und dass es manchmal eine große Bereicherung und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
meinen anderen Brüdern und Schwestern wirklich familiär verbunden zu fühlen. Und es ist faszinierend &lt;br /&gt;
zu erkennen, welch scharfe Beobachtungen die eigenen Kinder anstellen - sowohl an anderen Menschen &lt;br /&gt;
als auch an sich selbst - bezüglich der hiesigen oder auch der europäischen Kultur und &lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da noch all die Selbstverständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich &lt;br /&gt;
gar nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen: ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich &lt;br /&gt;
bei Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; die Freude, im Haus zu sein, wenn es draußen regnet (während &lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass Ihre Hütte einstürzt); die Menge an Wissen über die Natur, die &lt;br /&gt;
Religionen, die Möglichkeit, Bücher zu lesen und gut gestaltete Lehrbücher zu haben. Für uns als &lt;br /&gt;
Eltern und speziell für mich Mutter und Bahá’í bedeutet das vor allem, die Begrenzthelt des &lt;br /&gt;
gegenwärtigen Entwicklungsstadiums der Menschheit sowie die großen Unterschiede in den materiellen &lt;br /&gt;
Lebensumständen bei der Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, oft einfach hinzunehmen, nicht &lt;br /&gt;
schönzureden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique als Frau heißt auch Konfrontation mit einem Geschlechterverhältnis, das &lt;br /&gt;
einen manchmal erschauern lässt. Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe ich mich mitunter &lt;br /&gt;
plötzlich hineinversetzt in die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die gewalttätigen Männern schutzlos ausgeliefert sind und auch nicht auf die Unterstützung der Nachbarn zahlen können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die bei der Schwangerenuntersuchung feststellen, dass sie HIV-positiv sind und daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutter auf die Strasse geworfen werden selbst dann, wenn sie sich nur bei ihrem eigenen Mann infiziert haben können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil er ihr die Schuld an seiner eigenen misslichen Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- eine Mutter, die Wochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zu einer anderen Frau in ihrer Verzweiflung ihre kleinen Kinder bei der Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht mehr um die Kinder kümmern konnte - die Polizei dann aber nichts anderes tat, als die Frau eine Nacht einzusperren, „damit sie lernt, dass eine Mutter niemals ihre Kinder verlassen darf”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die von Ihren Männern wegen einer anderen Frau verlassen &lt;br /&gt;
wurden - eine eigentlich schon ganz normale Erscheinung; gleichzeitig haben wir es in Moçambique mit &lt;br /&gt;
einer Gesellschaft zu tun, in der die Mehrheit der Frauen mit ihren Kindern in wirtschaftlich &lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die sie &lt;br /&gt;
selbst anwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sind so umfassend und so allgegennwärtig, dass an die Lösung &lt;br /&gt;
der Entwicklungsprobleme dieses Landes kaum zu denken ist, soJange solch ein Chaos in der &lt;br /&gt;
Geschlechterbeziehung herrscht. Das Erleben dieser Geschichten lässt erahnen, welch unermessliche &lt;br /&gt;
Macht hinter den Worten Bahá’u’lláhs steckt, wenn Er die Menschen zur Gleichwertigkeit von Mann &lt;br /&gt;
und Frau aufruft und zu einem Leben nach Seinen Gesetzen. In einem Land wie Moçambique wird &lt;br /&gt;
deutlich, dass die Beachtung geistiger Prinzipien schlichtweg überlebensnotwendig sein &lt;br /&gt;
kann. Und dass geistige Prinzipien Hand in Hand gehen sollten mit der materiellen Entwicklung &lt;br /&gt;
zur Beseitigung von Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahá’í in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahá’í-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Bahá’u’lláhs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahá’í zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
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Bahá’í-Verlag&lt;br /&gt;
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DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
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Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
&#039;Abdu&#039;l-Bahá (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77467</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-29T07:41:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen«. &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
weist auf die wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der Welt ... hin. Er stellt sich vor, dass &lt;br /&gt;
die Entwicklung auf eine geeinte Welt hin zunehmen und als »Einheit des Denkens in weltweiten &lt;br /&gt;
Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird. Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. &lt;br /&gt;
»Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche &lt;br /&gt;
Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen &lt;br /&gt;
der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken &lt;br /&gt;
sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen, und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren &lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist dann neben Toleranz und Idealismus auch der Verzicht &lt;br /&gt;
auf Komfort gefordert. Meist dauert es nicht lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu &lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf &lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogramme! Auch die Presse ist voll des Lobes. Dabei &lt;br /&gt;
stehen für die eher technisch orientierte Fachwelt das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit &lt;br /&gt;
im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. &lt;br /&gt;
Ubuntu ist der Shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die Technik mit Mitmenschlichkeit &lt;br /&gt;
erobert und durch Leistung überzeugt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das geht völlig gefahrlos über eine sogenannte &lt;br /&gt;
Live-CD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm &lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran &lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben, findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch &lt;br /&gt;
(natürlich) kostenlos im Internet, sondern auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntu-Gemeinde, &lt;br /&gt;
die über alle Hürden hinweghilft. Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, &lt;br /&gt;
wie der Deutschlandfunk seine Sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt noch anzumerken, &lt;br /&gt;
dass in Mazedonien gerade 5000 Schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei Gründen: Es ist &lt;br /&gt;
kostenlos, es läuft auch auf alten Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;QUELLEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.UBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNETADRESSE DES VEREINS UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://WWW.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCHAAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AUTORS. ÜBER IHN GIBT ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.-Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:ehemals kath. Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet heute als&lt;br /&gt;
:Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===MOÇAMBIOUE===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Facetten einer Integration in Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;ALLE MENSCHEN SIND SEINE BÜRGER.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nur eine.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Moçambique zu integrieren bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, &lt;br /&gt;
Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, &lt;br /&gt;
Wachsen, Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein, Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. &lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Moçambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Andersseins zu einer Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von &lt;br /&gt;
verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts &lt;br /&gt;
der Unterschiede, aber auch Momente des tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren lassen, &lt;br /&gt;
dass diese Partnerschaft die Anstrengungen wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander &lt;br /&gt;
zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt — wenn &lt;br /&gt;
ich mich etwa dazu durchringe, mich genau wie meine Mutter um die Anziehsachen meines Mannes zu &lt;br /&gt;
kümmern, ihm das Wasser zum Baden zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die Wohnung sauber &lt;br /&gt;
zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines solchen Verhaltens &lt;br /&gt;
für Frauen in Moçambique gar nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch darüber beschwert, dass &lt;br /&gt;
ich ihm die Banane nur in der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er &lt;br /&gt;
besteht darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, &lt;br /&gt;
dass wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere jeweils eigenen Schwächen und Ängste &lt;br /&gt;
anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in Toleranz gegenüber den Grenzen des &lt;br /&gt;
anderen allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte zu lösen, anzunähern. Dabei ist es &lt;br /&gt;
uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere Kultur im täglichen Leben &lt;br /&gt;
kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}&lt;br /&gt;
Mit den Kindern - bei unserem Umzug nach Moçambique waren sie 11 und 13 Jahre alt - plötzlich &lt;br /&gt;
in einer anderen Kultur zu leben, ist eine ganz eigene Herausforderung. Besonders, wenn sie im &lt;br /&gt;
Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder Entwicklungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich &lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und doch wegen &lt;br /&gt;
ihrer so anderen kulturellen Erfahrungen eben auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die &lt;br /&gt;
uns allen helfen, Menschen in ihrer Abhängigkeit von dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, verstehen &lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, was es wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein &lt;br /&gt;
soll und dass es manchmal eine große Bereicherung und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
meinen anderen Brüdern und Schwestern wirklich familiär verbunden zu fühlen. Und es ist faszinierend &lt;br /&gt;
zu erkennen, welch scharfe Beobachtungen die eigenen Kinder anstellen - sowohl an anderen Menschen &lt;br /&gt;
als auch an sich selbst - bezüglich der hiesigen oder auch der europäischen Kultur und &lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind da noch all die Selbstverständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich &lt;br /&gt;
gar nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen: ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich &lt;br /&gt;
bei Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; die Freude, im Haus zu sein, wenn es draußen regnet (während &lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass Ihre Hütte einstürzt); die Menge an Wissen über die Natur, die &lt;br /&gt;
Religionen, die Möglichkeit, Bücher zu lesen und gut gestaltete Lehrbücher zu haben. Für uns als &lt;br /&gt;
Eltern und speziell für mich Mutter und Bahá’í bedeutet das vor allem, die Begrenzthelt des &lt;br /&gt;
gegenwärtigen Entwicklungsstadiums der Menschheit sowie die großen Unterschiede in den materiellen &lt;br /&gt;
Lebensumständen bei der Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, oft einfach hinzunehmen, nicht &lt;br /&gt;
schönzureden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Moçambique als Frau heißt auch Konfrontation mit einem Geschlechterverhältnis, das &lt;br /&gt;
einen manchmal erschauern lässt. Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe ich mich mitunter &lt;br /&gt;
plötzlich hineinversetzt in die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die gewalttätigen Männern schutzlos ausgeliefert sind und auch nicht auf die Unterstützung der Nachbarn zahlen können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- Frauen, die bei der Schwangerenuntersuchung feststellen, dass sie HIV-positiv sind und daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutter auf die Strasse geworfen werden selbst dann, wenn sie sich nur bei ihrem eigenen Mann infiziert haben können;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil er ihr die Schuld an seiner eigenen misslichen Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:- eine Mutter, die Wochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zu einer anderen Frau in ihrer Verzweiflung ihre kleinen Kinder bei der Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht mehr um die Kinder kümmern konnte - die Polizei dann aber nichts anderes tat, als die Frau eine Nacht einzusperren, „damit sie lernt, dass eine Mutter niemals ihre Kinder verlassen darf”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die von Ihren Männern wegen einer anderen Frau verlassen &lt;br /&gt;
wurden - eine eigentlich schon ganz normale Erscheinung; gleichzeitig haben wir es in Moçambique mit &lt;br /&gt;
einer Gesellschaft zu tun, in der die Mehrheit der Frauen mit ihren Kindern in wirtschaftlich &lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die sie &lt;br /&gt;
selbst anwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sind so umfassend und so allgegennwärtig, dass an die Lösung &lt;br /&gt;
der Entwicklungsprobleme dieses Landes kaum zu denken ist, soJange solch ein Chaos in der &lt;br /&gt;
Geschlechterbeziehung herrscht. Das Erleben dieser Geschichten lässt erahnen, welch unermessliche &lt;br /&gt;
Macht hinter den Worten Bahá’u’lláhs steckt, wenn Er die Menschen zur Gleichwertigkeit von Mann &lt;br /&gt;
und Frau aufruft und zu einem Leben nach Seinen Gesetzen. In einem Land wie Moçambique wird &lt;br /&gt;
deutlich, dass die Beachtung geistiger Prinzipien schlichtweg überlebensnotwendig sein &lt;br /&gt;
kann. Und dass geistige Prinzipien Hand in Hand gehen sollten mit der materiellen Entwicklung &lt;br /&gt;
zur Beseitigung von Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahá’í in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahá’í-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Bahá’u’lláhs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahá’í zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
www.tempora.org&lt;br /&gt;
E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahá’í-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
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Tel.:+49 (0) 6192 / 22 921&lt;br /&gt;
Fax: +49 (0) 6192/2293 6&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
Abonnementpreis für vier Ausgaben&lt;br /&gt;
EUR 18,00 / Einzelheft EUR 5,00&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
Herausgebers wieder. Für unverlangt eingesandte&lt;br /&gt;
Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion&lt;br /&gt;
keine Haftung. Die Redaktion behält sich sinn&lt;br /&gt;
bewahrende Kürzungen und Änderungen der&lt;br /&gt;
Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind&lt;br /&gt;
urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahá’í-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
&#039;Abdu&#039;l-Bahá (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77466</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77466"/>
		<updated>2022-05-29T07:00:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und Geschlechter der Erde zu dienen«. &#039;Abdu&#039;l-Bahá &lt;br /&gt;
weist auf die wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der Welt ... hin. Er stellt sich vor, dass &lt;br /&gt;
die Entwicklung auf eine geeinte Welt hin zunehmen und als »Einheit des Denkens in weltweiten &lt;br /&gt;
Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird. Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. &lt;br /&gt;
»Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche &lt;br /&gt;
Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen &lt;br /&gt;
der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken &lt;br /&gt;
sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen, und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren &lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist dann neben Toleranz und Idealismus auch der Verzicht &lt;br /&gt;
auf Komfort gefordert. Meist dauert es nicht lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu &lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf &lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogramme! Auch die Presse ist voll des Lobes. Dabei &lt;br /&gt;
stehen für die eher technisch orientierte Fachwelt das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit &lt;br /&gt;
im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. &lt;br /&gt;
Ubuntu ist der Shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die Technik mit Mitmenschlichkeit &lt;br /&gt;
erobert und durch Leistung überzeugt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das geht völlig gefahrlos über eine sogenannte &lt;br /&gt;
Live-CD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm &lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran &lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben, findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch &lt;br /&gt;
(natürlich) kostenlos im Internet, sondern auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntu-Gemeinde, &lt;br /&gt;
die über alle Hürden hinweghilft. Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, &lt;br /&gt;
wie der Deutschlandfunk seine Sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt noch anzumerken, &lt;br /&gt;
dass in Mazedonien gerade 5000 Schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei Gründen: Es ist &lt;br /&gt;
kostenlos, es läuft auch auf alten Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.UBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNETADRESSE DES VEREINS UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://WWW.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCHAAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AUTORS. ÜBER IHN GIBT ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dipl.-Theologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
:verheiratet,&lt;br /&gt;
:ehemals kath. Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:seit dem Jahr 2000 Bahá’í.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Arbeitet heute als&lt;br /&gt;
:Meditationslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&lt;br /&gt;
ALLE MENSCHEN SIND SEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÜRGER.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄU’LLÄH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm&lt;br /&gt;
kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte&lt;br /&gt;
aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nureine.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“&#039;Abdu&#039;l-Bahá, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Mocambique zu integrieren&lt;br /&gt;
bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, Wachsen,&lt;br /&gt;
Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein,&lt;br /&gt;
Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem&lt;br /&gt;
Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem&lt;br /&gt;
Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht&lt;br /&gt;
im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Mocambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Ändersseins zu einer&lt;br /&gt;
Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor&lt;br /&gt;
meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem&lt;br /&gt;
Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts der Unterschiede, aber auch Momente des&lt;br /&gt;
tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren&lt;br /&gt;
lassen, dass diese Partnerschaft die Anstrengungen&lt;br /&gt;
wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der&lt;br /&gt;
Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt&lt;br /&gt;
—- wenn ich mich etwa dazu durchringe, mich genau&lt;br /&gt;
wie meine Mutter um die Änziehsachen meines&lt;br /&gt;
Mannes zu kümmern, ihm das Wasser zum Baden&lt;br /&gt;
zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die&lt;br /&gt;
Wohnung sauber zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines&lt;br /&gt;
solchen Verhaltens für Frauen in Mocambique gar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOCAMBIOUE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Facetten einer Integration in Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch&lt;br /&gt;
darüber beschwert, dass ich ihm die Banane nur in&lt;br /&gt;
der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch&lt;br /&gt;
nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme&lt;br /&gt;
direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann&lt;br /&gt;
einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er besteht&lt;br /&gt;
darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die&lt;br /&gt;
Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, dass&lt;br /&gt;
wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere&lt;br /&gt;
jeweils eigenen Schwächen und Ängste anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in&lt;br /&gt;
Toleranz gegenüber den Grenzen des anderen&lt;br /&gt;
allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte&lt;br /&gt;
zu lösen, anzunähern. Dabei ist es uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere&lt;br /&gt;
Kultur im täglichen Leben kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TANZANIA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(mr&lt;br /&gt;
Wungdeiro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
j&lt;br /&gt;
ENamamöy, Bere gi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
naeh&lt;br /&gt;
22 Nnr zIa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morumbalh, |&lt;br /&gt;
Namacurrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein *» Quelimane&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PX Innapadd YYaromau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sorfLAa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PPChinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp;&lt;br /&gt;
m Dpnoo&lt;br /&gt;
Gaira s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nova Mambone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\inhassöro&lt;br /&gt;
Pina 00 Bazanıo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S Mahpte  lanaules &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps,&lt;br /&gt;
Y INHAMBANE&#039; 330 Sebasso&lt;br /&gt;
&amp;lt; Porta da Bar Faisa&lt;br /&gt;
h YMassinga&lt;br /&gt;
Homoing, Byinhambane&lt;br /&gt;
Panda, os&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„oifharmme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VAR&lt;br /&gt;
Ze MAPUTO&lt;br /&gt;
N, Join vis&lt;br /&gt;
5) en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 5 10 180m&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
UNITED REPUBLIC OF&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fr}&lt;br /&gt;
EKGADO&lt;br /&gt;
Ancuabe „|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ofkontoprez&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gNamuno }&lt;br /&gt;
Te Kamapa OCEAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Momba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HOuissanga&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sPemba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mecubörl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fioaun, NM PULAG&lt;br /&gt;
9&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
amp Ürcoha STR&lt;br /&gt;
Murrüpuia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hama /PMogincual&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„DAngoche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn Aizecne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spsbane&lt;br /&gt;
Svaa da Maganja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natonal capital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Provinciel caprtal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Town, vitage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Airport&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
International boundary&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rovinclal boundary&lt;br /&gt;
Main road&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Railroad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDIAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Kindern = bel unserem Umzug nach&lt;br /&gt;
Mocambique waren sie und Jahre ait-pltzlich&lt;br /&gt;
Inelner anderen Kulturzu leben, Istele ganzeigene Herausforderung. Besonders, wenn se Im Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder EntwickJungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich&lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und dochwegen ihrersoanderen kulturellen Erfahrungen eben&lt;br /&gt;
auchnicht&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die&lt;br /&gt;
unsallen helfen, Menschen In ihrer Abhangigkeit&lt;br /&gt;
von dem Umfeld, indem sie aufwachsen, verstehen&lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, wases wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein soll&lt;br /&gt;
und dass es manchmal eine große Bereicherung&lt;br /&gt;
und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
melnen anderen Brüdern und Schwestern wirklich&lt;br /&gt;
familiär verbunden zu fühlen, Und es ist faszinierend zu erkennen, weich scharfe Beobachtungen&lt;br /&gt;
die eigenen Kinder anstellen -sowohl ananderen&lt;br /&gt;
Menschen als auch an sich selbst- bezüglich der&lt;br /&gt;
hiesigen oder auch der europäischen Kultur und&lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung,&lt;br /&gt;
Schließlich sinddanoch all die Selbsterständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich gar&lt;br /&gt;
nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen:&lt;br /&gt;
ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich bei&lt;br /&gt;
Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; ale Freude, im&lt;br /&gt;
Haus zu sein, wenn es draußen regnet [während&lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass&lt;br /&gt;
Ihre Hütte einstürzt); die Menge an&lt;br /&gt;
Wien über die Natur,dieReligionen,&lt;br /&gt;
die Möglichkeit, Bücher zu lesen und N&lt;br /&gt;
gut gestaltete Lehrbücher zu haben.&lt;br /&gt;
Fürunsals Eltern und spezlellfürmich&lt;br /&gt;
u und Bahaibedeutet dasvor&lt;br /&gt;
allem, die Begrenzthelt des gegenwartigen Entwicklungsstadlums der&lt;br /&gt;
Menschheit sowie dle großen Unter&lt;br /&gt;
schiede in den materiellen Lebens- } W [M&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umständen beider Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, ofteinfach hinzunehmen, nicht schönzureden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration In Mocambique als Frau&lt;br /&gt;
heißt auch Konfrontation mit einem&lt;br /&gt;
Geschlechterverhältnis, das einen&lt;br /&gt;
manchmal erschauern lässt, Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe&lt;br /&gt;
Ich mich mitunter plötzlich hineinversetzt In die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die gewalttätigen Männern&lt;br /&gt;
schutzlos ausgeliefert sind und&lt;br /&gt;
auch nichtaufdie Unter&lt;br /&gt;
der Nachbarn zahlen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stitzung N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die beiderSchwangerenuntersuchung&lt;br /&gt;
feststellen, dass sie HIV-positiv sind und&lt;br /&gt;
daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutteraufdle Strasse geworfen werden selbst dann, wenn siesich nur beilhremeigenen Mann infiziert haben können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil&lt;br /&gt;
erihrdie Schuldanselnerelgenen mislichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- eine Mutter, die WWochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zueiner anderen Frauin&lt;br /&gt;
Ihrer Verzweiflung hre KleinenKinder beider&lt;br /&gt;
Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht&lt;br /&gt;
mehr um die Kinder kümmern kannte - die&lt;br /&gt;
Polizei dann aber nichts anderes tat, als die&lt;br /&gt;
Frau eine Nachteinzusperren, damitsielernt&lt;br /&gt;
dass eine Mutter niemalsihre Kinder ver fassen&lt;br /&gt;
dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die&lt;br /&gt;
von Ihren Männern wegen einer anderen FrauverIassen wurden -eineeigentlichschon ganz normale&lt;br /&gt;
Erscheinung; gleichzeitighaben wires In Mocambique miteiner Gesellschaft zutun, Inder dleMehrhelt der frauen mitIhren Kindern Inwirtschaftlich&lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und&lt;br /&gt;
keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die&lt;br /&gt;
Se selbstanwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sindso umfassend und so allgegennwartig, dass an&lt;br /&gt;
die Lösungder Entwicklungsprobleme&lt;br /&gt;
dieses Landes kaum zu deniken Ist, soJange solcheln Chaosin der Geschlechnm ferbeziehung herrscht. Das Erleben&lt;br /&gt;
MB ieser Geschichten lässt erahnen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en&lt;br /&gt;
land wie Mocambique wird deutlich,&lt;br /&gt;
IR ass ci Beachtung geistiger Prinzipien&lt;br /&gt;
BR schlichtwegüberebensnowenigsein&lt;br /&gt;
Alan. Und dass geistige Prinzipien&lt;br /&gt;
I Hand in Hand gehen sollten mit der&lt;br /&gt;
nateriellen Entwicklung zur Beseiti&lt;br /&gt;
gungvonArmut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahá’í in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahá’í-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Bahá’u’lláhs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahá’í zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
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Internet:&lt;br /&gt;
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DRUCK&lt;br /&gt;
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Bahá’í-Verlag&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
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ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Bahá’u’lláh&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahá’u’lláh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
&#039;Abdu&#039;l-Bahá (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-29T06:44:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu ist ein altes afrikanisches Wort und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten &lt;br /&gt;
Sinne. Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet. Dieses &lt;br /&gt;
Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}&lt;br /&gt;
die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Bahá’í mögen solche Sätze nicht gerade fremd klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die Shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten &lt;br /&gt;
strikt zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, alle Programme seiner Wahl beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jeder hat das Recht, Programme seinen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und zu verändern und darf durch nichts daran gehindert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft aus Hilfsbereitschaft zu bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt übersetzt werden, damit jeder es in seiner Muttersprache benutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger &lt;br /&gt;
keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet. Dazu weiter unten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GEISTIGE HINTERGRÜNDE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant &lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den Welthunger stillen, den Krieg abschaffen, Krankheiten &lt;br /&gt;
ausrotten, Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die &lt;br /&gt;
Bildung sein. ...Wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar unabhängig vom gesellschaftlichen &lt;br /&gt;
Stand - Zugang zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir dafür aufbringen? Zwei Stunden &lt;br /&gt;
täglich oder einige Stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür tun? Wie viele Menschen &lt;br /&gt;
müssen das &#039;wollen‘, bevor die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann &lt;br /&gt;
ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen &lt;br /&gt;
Weltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine Stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns &lt;br /&gt;
in ein neues Technologiezeitalter bringt und außerdem verspricht sie den universellen Zugang zu den &lt;br /&gt;
Werkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu voran, weil ich dieses Versprechen Realität &lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer Software-Zweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das &lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„circle of friends“ symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und &lt;br /&gt;
umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter &lt;br /&gt;
technischem Wissen stehen, mit Bahá’í-Konzepten zu verknüpfen? In der Textzusammenstellung &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Bewahrung der Erde und ihrer Hilfsquellen&#039;&#039; (S.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte &lt;br /&gt;
Sätze: „Bahá’u’lláh entwirft ein Weltbild &lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}&lt;br /&gt;
auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und&lt;br /&gt;
Geschlechter der Erde zu dienen«. ’Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
weist aufdie wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der welt .. hin. Er stellt sich vor, dass die&lt;br /&gt;
Entwicklung auf eine geeinte welt hin zunehmen&lt;br /&gt;
und als »Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird.Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die&lt;br /&gt;
Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. »Solange&lt;br /&gt;
jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche Tugenden&lt;br /&gt;
noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht&lt;br /&gt;
und kein Ergebnis; auch bewirken sie nicht der&lt;br /&gt;
Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel&lt;br /&gt;
ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen,&lt;br /&gt;
und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass&lt;br /&gt;
sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren&lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist&lt;br /&gt;
dann neben Toleranz und Idealismus auch der verzicht auf Komfort gefordert. Meist dauertesnicht&lt;br /&gt;
lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu&lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf&lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogrammel Auch die Presse istvoll des Lobes. Dabei stehen&lt;br /&gt;
für die eher technisch orientierte Fachwelt das&lt;br /&gt;
Funktionieren und die Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. Ubuntu ist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die&lt;br /&gt;
Technik mit Mitmenschlichkeit erobert und durch&lt;br /&gt;
Leistung überzeugt zu haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das&lt;br /&gt;
geht völlig gefahrlos über eine sogenannte LiveCD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm&lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach&lt;br /&gt;
Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran&lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben,&lt;br /&gt;
findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch (natürlich) kostenlos im Internet, sondern&lt;br /&gt;
auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntuGemeinde, die über alle Hürden hinweghilft&lt;br /&gt;
Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, wie der Deutschlandfunk seine&lt;br /&gt;
sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt&lt;br /&gt;
noch anzumerken, dass in Mazedonien gerade 5000&lt;br /&gt;
schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei&lt;br /&gt;
Gründen: Es ist kostenlos, es lauft auch auf alten&lt;br /&gt;
Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ubuntu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWWLUBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNE TADRESSE DES VEREINS&lt;br /&gt;
UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP: /ÄNWWE.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCH AAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AU TORS. ÜBER IHN GIBT&lt;br /&gt;
ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl -Tneologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
ehemalskath.Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit. dem Jahr 2000 Bahäi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet heuteals&lt;br /&gt;
Meditationsiehrer&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&lt;br /&gt;
ALLE MENSCHEN SIND SEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÜRGER.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄU’LLÄH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm&lt;br /&gt;
kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte&lt;br /&gt;
aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nureine.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ABDU’L-BAHA, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Mocambique zu integrieren&lt;br /&gt;
bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, Wachsen,&lt;br /&gt;
Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein,&lt;br /&gt;
Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem&lt;br /&gt;
Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem&lt;br /&gt;
Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht&lt;br /&gt;
im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Mocambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Ändersseins zu einer&lt;br /&gt;
Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor&lt;br /&gt;
meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem&lt;br /&gt;
Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts der Unterschiede, aber auch Momente des&lt;br /&gt;
tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren&lt;br /&gt;
lassen, dass diese Partnerschaft die Anstrengungen&lt;br /&gt;
wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der&lt;br /&gt;
Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt&lt;br /&gt;
—- wenn ich mich etwa dazu durchringe, mich genau&lt;br /&gt;
wie meine Mutter um die Änziehsachen meines&lt;br /&gt;
Mannes zu kümmern, ihm das Wasser zum Baden&lt;br /&gt;
zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die&lt;br /&gt;
Wohnung sauber zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines&lt;br /&gt;
solchen Verhaltens für Frauen in Mocambique gar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOCAMBIOUE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Facetten einer Integration in Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch&lt;br /&gt;
darüber beschwert, dass ich ihm die Banane nur in&lt;br /&gt;
der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch&lt;br /&gt;
nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme&lt;br /&gt;
direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann&lt;br /&gt;
einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er besteht&lt;br /&gt;
darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die&lt;br /&gt;
Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, dass&lt;br /&gt;
wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere&lt;br /&gt;
jeweils eigenen Schwächen und Ängste anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in&lt;br /&gt;
Toleranz gegenüber den Grenzen des anderen&lt;br /&gt;
allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte&lt;br /&gt;
zu lösen, anzunähern. Dabei ist es uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere&lt;br /&gt;
Kultur im täglichen Leben kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TANZANIA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(mr&lt;br /&gt;
Wungdeiro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
j&lt;br /&gt;
ENamamöy, Bere gi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
naeh&lt;br /&gt;
22 Nnr zIa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morumbalh, |&lt;br /&gt;
Namacurrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein *» Quelimane&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PX Innapadd YYaromau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sorfLAa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PPChinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp;&lt;br /&gt;
m Dpnoo&lt;br /&gt;
Gaira s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nova Mambone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\inhassöro&lt;br /&gt;
Pina 00 Bazanıo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S Mahpte  lanaules &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps,&lt;br /&gt;
Y INHAMBANE&#039; 330 Sebasso&lt;br /&gt;
&amp;lt; Porta da Bar Faisa&lt;br /&gt;
h YMassinga&lt;br /&gt;
Homoing, Byinhambane&lt;br /&gt;
Panda, os&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„oifharmme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VAR&lt;br /&gt;
Ze MAPUTO&lt;br /&gt;
N, Join vis&lt;br /&gt;
5) en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 5 10 180m&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
UNITED REPUBLIC OF&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fr}&lt;br /&gt;
EKGADO&lt;br /&gt;
Ancuabe „|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ofkontoprez&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gNamuno }&lt;br /&gt;
Te Kamapa OCEAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Momba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HOuissanga&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sPemba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mecubörl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fioaun, NM PULAG&lt;br /&gt;
9&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
amp Ürcoha STR&lt;br /&gt;
Murrüpuia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hama /PMogincual&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„DAngoche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn Aizecne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spsbane&lt;br /&gt;
Svaa da Maganja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natonal capital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Provinciel caprtal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Town, vitage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Airport&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
International boundary&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rovinclal boundary&lt;br /&gt;
Main road&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Railroad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDIAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Kindern = bel unserem Umzug nach&lt;br /&gt;
Mocambique waren sie und Jahre ait-pltzlich&lt;br /&gt;
Inelner anderen Kulturzu leben, Istele ganzeigene Herausforderung. Besonders, wenn se Im Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder EntwickJungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich&lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und dochwegen ihrersoanderen kulturellen Erfahrungen eben&lt;br /&gt;
auchnicht&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die&lt;br /&gt;
unsallen helfen, Menschen In ihrer Abhangigkeit&lt;br /&gt;
von dem Umfeld, indem sie aufwachsen, verstehen&lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, wases wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein soll&lt;br /&gt;
und dass es manchmal eine große Bereicherung&lt;br /&gt;
und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
melnen anderen Brüdern und Schwestern wirklich&lt;br /&gt;
familiär verbunden zu fühlen, Und es ist faszinierend zu erkennen, weich scharfe Beobachtungen&lt;br /&gt;
die eigenen Kinder anstellen -sowohl ananderen&lt;br /&gt;
Menschen als auch an sich selbst- bezüglich der&lt;br /&gt;
hiesigen oder auch der europäischen Kultur und&lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung,&lt;br /&gt;
Schließlich sinddanoch all die Selbsterständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich gar&lt;br /&gt;
nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen:&lt;br /&gt;
ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich bei&lt;br /&gt;
Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; ale Freude, im&lt;br /&gt;
Haus zu sein, wenn es draußen regnet [während&lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass&lt;br /&gt;
Ihre Hütte einstürzt); die Menge an&lt;br /&gt;
Wien über die Natur,dieReligionen,&lt;br /&gt;
die Möglichkeit, Bücher zu lesen und N&lt;br /&gt;
gut gestaltete Lehrbücher zu haben.&lt;br /&gt;
Fürunsals Eltern und spezlellfürmich&lt;br /&gt;
u und Bahaibedeutet dasvor&lt;br /&gt;
allem, die Begrenzthelt des gegenwartigen Entwicklungsstadlums der&lt;br /&gt;
Menschheit sowie dle großen Unter&lt;br /&gt;
schiede in den materiellen Lebens- } W [M&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umständen beider Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, ofteinfach hinzunehmen, nicht schönzureden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration In Mocambique als Frau&lt;br /&gt;
heißt auch Konfrontation mit einem&lt;br /&gt;
Geschlechterverhältnis, das einen&lt;br /&gt;
manchmal erschauern lässt, Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe&lt;br /&gt;
Ich mich mitunter plötzlich hineinversetzt In die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die gewalttätigen Männern&lt;br /&gt;
schutzlos ausgeliefert sind und&lt;br /&gt;
auch nichtaufdie Unter&lt;br /&gt;
der Nachbarn zahlen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stitzung N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die beiderSchwangerenuntersuchung&lt;br /&gt;
feststellen, dass sie HIV-positiv sind und&lt;br /&gt;
daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutteraufdle Strasse geworfen werden selbst dann, wenn siesich nur beilhremeigenen Mann infiziert haben können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil&lt;br /&gt;
erihrdie Schuldanselnerelgenen mislichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- eine Mutter, die WWochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zueiner anderen Frauin&lt;br /&gt;
Ihrer Verzweiflung hre KleinenKinder beider&lt;br /&gt;
Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht&lt;br /&gt;
mehr um die Kinder kümmern kannte - die&lt;br /&gt;
Polizei dann aber nichts anderes tat, als die&lt;br /&gt;
Frau eine Nachteinzusperren, damitsielernt&lt;br /&gt;
dass eine Mutter niemalsihre Kinder ver fassen&lt;br /&gt;
dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die&lt;br /&gt;
von Ihren Männern wegen einer anderen FrauverIassen wurden -eineeigentlichschon ganz normale&lt;br /&gt;
Erscheinung; gleichzeitighaben wires In Mocambique miteiner Gesellschaft zutun, Inder dleMehrhelt der frauen mitIhren Kindern Inwirtschaftlich&lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und&lt;br /&gt;
keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die&lt;br /&gt;
Se selbstanwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sindso umfassend und so allgegennwartig, dass an&lt;br /&gt;
die Lösungder Entwicklungsprobleme&lt;br /&gt;
dieses Landes kaum zu deniken Ist, soJange solcheln Chaosin der Geschlechnm ferbeziehung herrscht. Das Erleben&lt;br /&gt;
MB ieser Geschichten lässt erahnen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en&lt;br /&gt;
land wie Mocambique wird deutlich,&lt;br /&gt;
IR ass ci Beachtung geistiger Prinzipien&lt;br /&gt;
BR schlichtwegüberebensnowenigsein&lt;br /&gt;
Alan. Und dass geistige Prinzipien&lt;br /&gt;
I Hand in Hand gehen sollten mit der&lt;br /&gt;
nateriellen Entwicklung zur Beseiti&lt;br /&gt;
gungvonArmut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahä’i in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahä’i-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Baha’u’llahs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahä’i zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
www.tempora.org&lt;br /&gt;
E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
Herausgebers wieder. Für unverlangt eingesandte&lt;br /&gt;
Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion&lt;br /&gt;
keine Haftung. Die Redaktion behält sich sinn&lt;br /&gt;
bewahrende Kürzungen und Änderungen der&lt;br /&gt;
Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind&lt;br /&gt;
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auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung&lt;br /&gt;
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der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Baha’u’llah&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahä (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77464</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-28T15:48:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildung für alle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine Sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie sind nicht versehentlich in eine &lt;br /&gt;
Computerzeitschrift geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es geht zwar jetzt um Computer, &lt;br /&gt;
aber es geht dabei in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische &lt;br /&gt;
Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch einmal explizit formuliert und durch Studien belegt &lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von &lt;br /&gt;
Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen und Migranten in eine Gesellschaft zu &lt;br /&gt;
integrieren oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, &lt;br /&gt;
ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung erhalten. Eine Studie aus der &lt;br /&gt;
Schweiz zu diesem Thema stellt die entscheidenden Fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wie kann der Zugang zur Bildung gefördert werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche Hindernisse stehen einer Nutzung der Bildung im Wege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Welche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriums in Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für &lt;br /&gt;
künftige Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der Welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben &lt;br /&gt;
will. Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, &lt;br /&gt;
ob das gewollt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bahá’í-Weltzentrum schreibt in der Erklärung &#039;&#039;Ein gemeinsamer Glaube&#039;&#039;: „Neben der &lt;br /&gt;
Erleichterung des interpersonalen und intersozialen Austausches hat der generelle Zugang zu &lt;br /&gt;
Informationen den Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer &lt;br /&gt;
Elite zugänglich zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der &lt;br /&gt;
Nation, Rasse oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die globale Vernetzung konserviert, &lt;br /&gt;
ja noch verstärkt, kann doch kein informierter Beobachter leugnen, dass von diesem Wandel der Impuls &lt;br /&gt;
ausgeht, über das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller zu den Quellen der Bildung anstreben und &lt;br /&gt;
vielleicht sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier &lt;br /&gt;
Zugang für alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei heißen: frei im Sinne von freiheitlich &lt;br /&gt;
und frei im Sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das national wie international &lt;br /&gt;
außerordentlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA? DAS KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So schreibt die &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;: „.. auf &lt;br /&gt;
unseren inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als Sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster &lt;br /&gt;
Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten auf der Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um Linux, &lt;br /&gt;
genauer, um die neueste Variante dieses Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt ubuntu &lt;br /&gt;
und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu istein altes afrikanisches Wort&lt;br /&gt;
und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten Sinne,&lt;br /&gt;
Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die&lt;br /&gt;
gesamte Menschheit verbindet. Dieses Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische&lt;br /&gt;
Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er&lt;br /&gt;
oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Baha&#039;i mögen solche Sätze nicht gerade fremd&lt;br /&gt;
klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert&lt;br /&gt;
und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten strikt&lt;br /&gt;
zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme&lt;br /&gt;
seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu&lt;br /&gt;
nutzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hatdas Recht, alle Programme seiner wahl&lt;br /&gt;
beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® leder hat das Recht, Programme seinen&lt;br /&gt;
Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und&lt;br /&gt;
zu verändern und darfdurch nichts daran&lt;br /&gt;
gehindert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr&lt;br /&gt;
Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen&lt;br /&gt;
mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft&lt;br /&gt;
aus Hilfsbereitschaft zu bilden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt&lt;br /&gt;
übersetzt werden, damit jeder es in seiner&lt;br /&gt;
Muttersprache benutzen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit&lt;br /&gt;
und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet&lt;br /&gt;
Dazu weiter unten mehr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE HINTERGRÜNDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant&lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen&lt;br /&gt;
Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt&lt;br /&gt;
ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den welthunger&lt;br /&gt;
stillen,den Kriegabschaffen, Krankheiten ausrotten,&lt;br /&gt;
Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die Bildung sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar&lt;br /&gt;
unabhängig vom gesellschaftlichen Stand - Zugang&lt;br /&gt;
zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir&lt;br /&gt;
dafür aufbringen? Zwei Stunden täglich oder einige&lt;br /&gt;
stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür&lt;br /&gt;
tun? Wie viele Menschen müssen das&#039;wollen‘, bevor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er&lt;br /&gt;
war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten&lt;br /&gt;
Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen Wweltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine&lt;br /&gt;
stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns in ein&lt;br /&gt;
neues Technologiezeitalter bringt und außerdem&lt;br /&gt;
verspricht sie den universellen Zugang zu den Vverkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu&lt;br /&gt;
voran, weil ich dieses Versprechen Realität&lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer SoftwareZweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich&lt;br /&gt;
ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das&lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen&lt;br /&gt;
aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„eircle of friends“ symbolisiert den wesentlichen&lt;br /&gt;
Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der&lt;br /&gt;
Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es&lt;br /&gt;
also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter technischem Wissen stehen, mit Baha’iKonzepten zu verknüpfen? In der Textzusammen&lt;br /&gt;
stellung Die Bewahrung der Erde und ihrer&lt;br /&gt;
Hilfsquellen (5.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte Sätze: „Baha’u’llah entwirft ein Welt&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bild auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und&lt;br /&gt;
Geschlechter der Erde zu dienen«. ’Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
weist aufdie wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der welt .. hin. Er stellt sich vor, dass die&lt;br /&gt;
Entwicklung auf eine geeinte welt hin zunehmen&lt;br /&gt;
und als »Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird.Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die&lt;br /&gt;
Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. »Solange&lt;br /&gt;
jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche Tugenden&lt;br /&gt;
noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht&lt;br /&gt;
und kein Ergebnis; auch bewirken sie nicht der&lt;br /&gt;
Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel&lt;br /&gt;
ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen,&lt;br /&gt;
und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass&lt;br /&gt;
sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren&lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist&lt;br /&gt;
dann neben Toleranz und Idealismus auch der verzicht auf Komfort gefordert. Meist dauertesnicht&lt;br /&gt;
lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu&lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf&lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogrammel Auch die Presse istvoll des Lobes. Dabei stehen&lt;br /&gt;
für die eher technisch orientierte Fachwelt das&lt;br /&gt;
Funktionieren und die Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. Ubuntu ist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die&lt;br /&gt;
Technik mit Mitmenschlichkeit erobert und durch&lt;br /&gt;
Leistung überzeugt zu haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das&lt;br /&gt;
geht völlig gefahrlos über eine sogenannte LiveCD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm&lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach&lt;br /&gt;
Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran&lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben,&lt;br /&gt;
findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch (natürlich) kostenlos im Internet, sondern&lt;br /&gt;
auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntuGemeinde, die über alle Hürden hinweghilft&lt;br /&gt;
Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, wie der Deutschlandfunk seine&lt;br /&gt;
sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt&lt;br /&gt;
noch anzumerken, dass in Mazedonien gerade 5000&lt;br /&gt;
schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei&lt;br /&gt;
Gründen: Es ist kostenlos, es lauft auch auf alten&lt;br /&gt;
Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ubuntu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWWLUBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNE TADRESSE DES VEREINS&lt;br /&gt;
UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP: /ÄNWWE.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCH AAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AU TORS. ÜBER IHN GIBT&lt;br /&gt;
ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl -Tneologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
ehemalskath.Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit. dem Jahr 2000 Bahäi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet heuteals&lt;br /&gt;
Meditationsiehrer&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&lt;br /&gt;
ALLE MENSCHEN SIND SEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÜRGER.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄU’LLÄH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm&lt;br /&gt;
kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte&lt;br /&gt;
aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nureine.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ABDU’L-BAHA, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Mocambique zu integrieren&lt;br /&gt;
bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, Wachsen,&lt;br /&gt;
Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein,&lt;br /&gt;
Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem&lt;br /&gt;
Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem&lt;br /&gt;
Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht&lt;br /&gt;
im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Mocambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Ändersseins zu einer&lt;br /&gt;
Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor&lt;br /&gt;
meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem&lt;br /&gt;
Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts der Unterschiede, aber auch Momente des&lt;br /&gt;
tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren&lt;br /&gt;
lassen, dass diese Partnerschaft die Anstrengungen&lt;br /&gt;
wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der&lt;br /&gt;
Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt&lt;br /&gt;
—- wenn ich mich etwa dazu durchringe, mich genau&lt;br /&gt;
wie meine Mutter um die Änziehsachen meines&lt;br /&gt;
Mannes zu kümmern, ihm das Wasser zum Baden&lt;br /&gt;
zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die&lt;br /&gt;
Wohnung sauber zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines&lt;br /&gt;
solchen Verhaltens für Frauen in Mocambique gar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOCAMBIOUE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Facetten einer Integration in Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch&lt;br /&gt;
darüber beschwert, dass ich ihm die Banane nur in&lt;br /&gt;
der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch&lt;br /&gt;
nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme&lt;br /&gt;
direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann&lt;br /&gt;
einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er besteht&lt;br /&gt;
darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die&lt;br /&gt;
Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, dass&lt;br /&gt;
wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere&lt;br /&gt;
jeweils eigenen Schwächen und Ängste anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in&lt;br /&gt;
Toleranz gegenüber den Grenzen des anderen&lt;br /&gt;
allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte&lt;br /&gt;
zu lösen, anzunähern. Dabei ist es uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere&lt;br /&gt;
Kultur im täglichen Leben kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TANZANIA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(mr&lt;br /&gt;
Wungdeiro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
j&lt;br /&gt;
ENamamöy, Bere gi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
naeh&lt;br /&gt;
22 Nnr zIa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morumbalh, |&lt;br /&gt;
Namacurrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein *» Quelimane&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PX Innapadd YYaromau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sorfLAa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PPChinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp;&lt;br /&gt;
m Dpnoo&lt;br /&gt;
Gaira s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nova Mambone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\inhassöro&lt;br /&gt;
Pina 00 Bazanıo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S Mahpte  lanaules &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps,&lt;br /&gt;
Y INHAMBANE&#039; 330 Sebasso&lt;br /&gt;
&amp;lt; Porta da Bar Faisa&lt;br /&gt;
h YMassinga&lt;br /&gt;
Homoing, Byinhambane&lt;br /&gt;
Panda, os&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„oifharmme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VAR&lt;br /&gt;
Ze MAPUTO&lt;br /&gt;
N, Join vis&lt;br /&gt;
5) en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 5 10 180m&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
UNITED REPUBLIC OF&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fr}&lt;br /&gt;
EKGADO&lt;br /&gt;
Ancuabe „|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ofkontoprez&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gNamuno }&lt;br /&gt;
Te Kamapa OCEAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Momba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HOuissanga&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sPemba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mecubörl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fioaun, NM PULAG&lt;br /&gt;
9&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
amp Ürcoha STR&lt;br /&gt;
Murrüpuia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hama /PMogincual&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„DAngoche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn Aizecne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spsbane&lt;br /&gt;
Svaa da Maganja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natonal capital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Provinciel caprtal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Town, vitage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Airport&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
International boundary&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rovinclal boundary&lt;br /&gt;
Main road&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Railroad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDIAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Kindern = bel unserem Umzug nach&lt;br /&gt;
Mocambique waren sie und Jahre ait-pltzlich&lt;br /&gt;
Inelner anderen Kulturzu leben, Istele ganzeigene Herausforderung. Besonders, wenn se Im Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder EntwickJungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich&lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und dochwegen ihrersoanderen kulturellen Erfahrungen eben&lt;br /&gt;
auchnicht&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die&lt;br /&gt;
unsallen helfen, Menschen In ihrer Abhangigkeit&lt;br /&gt;
von dem Umfeld, indem sie aufwachsen, verstehen&lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, wases wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein soll&lt;br /&gt;
und dass es manchmal eine große Bereicherung&lt;br /&gt;
und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
melnen anderen Brüdern und Schwestern wirklich&lt;br /&gt;
familiär verbunden zu fühlen, Und es ist faszinierend zu erkennen, weich scharfe Beobachtungen&lt;br /&gt;
die eigenen Kinder anstellen -sowohl ananderen&lt;br /&gt;
Menschen als auch an sich selbst- bezüglich der&lt;br /&gt;
hiesigen oder auch der europäischen Kultur und&lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung,&lt;br /&gt;
Schließlich sinddanoch all die Selbsterständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich gar&lt;br /&gt;
nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen:&lt;br /&gt;
ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich bei&lt;br /&gt;
Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; ale Freude, im&lt;br /&gt;
Haus zu sein, wenn es draußen regnet [während&lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass&lt;br /&gt;
Ihre Hütte einstürzt); die Menge an&lt;br /&gt;
Wien über die Natur,dieReligionen,&lt;br /&gt;
die Möglichkeit, Bücher zu lesen und N&lt;br /&gt;
gut gestaltete Lehrbücher zu haben.&lt;br /&gt;
Fürunsals Eltern und spezlellfürmich&lt;br /&gt;
u und Bahaibedeutet dasvor&lt;br /&gt;
allem, die Begrenzthelt des gegenwartigen Entwicklungsstadlums der&lt;br /&gt;
Menschheit sowie dle großen Unter&lt;br /&gt;
schiede in den materiellen Lebens- } W [M&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umständen beider Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, ofteinfach hinzunehmen, nicht schönzureden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration In Mocambique als Frau&lt;br /&gt;
heißt auch Konfrontation mit einem&lt;br /&gt;
Geschlechterverhältnis, das einen&lt;br /&gt;
manchmal erschauern lässt, Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe&lt;br /&gt;
Ich mich mitunter plötzlich hineinversetzt In die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die gewalttätigen Männern&lt;br /&gt;
schutzlos ausgeliefert sind und&lt;br /&gt;
auch nichtaufdie Unter&lt;br /&gt;
der Nachbarn zahlen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stitzung N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die beiderSchwangerenuntersuchung&lt;br /&gt;
feststellen, dass sie HIV-positiv sind und&lt;br /&gt;
daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutteraufdle Strasse geworfen werden selbst dann, wenn siesich nur beilhremeigenen Mann infiziert haben können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil&lt;br /&gt;
erihrdie Schuldanselnerelgenen mislichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- eine Mutter, die WWochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zueiner anderen Frauin&lt;br /&gt;
Ihrer Verzweiflung hre KleinenKinder beider&lt;br /&gt;
Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht&lt;br /&gt;
mehr um die Kinder kümmern kannte - die&lt;br /&gt;
Polizei dann aber nichts anderes tat, als die&lt;br /&gt;
Frau eine Nachteinzusperren, damitsielernt&lt;br /&gt;
dass eine Mutter niemalsihre Kinder ver fassen&lt;br /&gt;
dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die&lt;br /&gt;
von Ihren Männern wegen einer anderen FrauverIassen wurden -eineeigentlichschon ganz normale&lt;br /&gt;
Erscheinung; gleichzeitighaben wires In Mocambique miteiner Gesellschaft zutun, Inder dleMehrhelt der frauen mitIhren Kindern Inwirtschaftlich&lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und&lt;br /&gt;
keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die&lt;br /&gt;
Se selbstanwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sindso umfassend und so allgegennwartig, dass an&lt;br /&gt;
die Lösungder Entwicklungsprobleme&lt;br /&gt;
dieses Landes kaum zu deniken Ist, soJange solcheln Chaosin der Geschlechnm ferbeziehung herrscht. Das Erleben&lt;br /&gt;
MB ieser Geschichten lässt erahnen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en&lt;br /&gt;
land wie Mocambique wird deutlich,&lt;br /&gt;
IR ass ci Beachtung geistiger Prinzipien&lt;br /&gt;
BR schlichtwegüberebensnowenigsein&lt;br /&gt;
Alan. Und dass geistige Prinzipien&lt;br /&gt;
I Hand in Hand gehen sollten mit der&lt;br /&gt;
nateriellen Entwicklung zur Beseiti&lt;br /&gt;
gungvonArmut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahä’i in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahä’i-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Baha’u’llahs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahä’i zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
www.tempora.org&lt;br /&gt;
E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Tel.:+49 (0) 6192 / 22 921&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
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der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Baha’u’llah&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahä (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77463</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-28T15:33:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration - eine Begriffserklärung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter &lt;br /&gt;
Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts &lt;br /&gt;
und ist bei den Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden Töchter gehen auf das altsprachliche &lt;br /&gt;
Gymnasium und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht &lt;br /&gt;
und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in flüssiges Feuer verwandeln, wird man &lt;br /&gt;
daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antigone M. kommt aus dem Kosovo. Sie kann kaum Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die &lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen &lt;br /&gt;
keine Probleme, sich bestimmte Produkte auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen zu mogeln. &lt;br /&gt;
Obwohl beide Frauen Nachbarinnen sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa an dem oft &lt;br /&gt;
beschworenen Kopftuch, denn das hat Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn Jahren nach &lt;br /&gt;
Deutschland kam. Sie kleidet sich durchaus westlich elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;1. DAS WORT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration &lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen. Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: &lt;br /&gt;
Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. &lt;br /&gt;
Interessant ist, sich das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa Abkapselung, Abschiebung, &lt;br /&gt;
Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also dagegen ist, dass Menschen &lt;br /&gt;
ausgegrenzt werden, abgeschoben oder verbannt oder auch nur von etwas oder jemandem getrennt, &lt;br /&gt;
der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;2. INTEGRATION NACH SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende &lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft &lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation verwechselt, was einer völligen Anpassung an &lt;br /&gt;
ein bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr handelt es sich hier um einen schöpferischen &lt;br /&gt;
Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch das Einbringen von Werten und der Kultur &lt;br /&gt;
der außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer &lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht gab, bei Erhalt der jeweils eigenen &lt;br /&gt;
Identität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht &lt;br /&gt;
von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu &lt;br /&gt;
integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte haben und sich so weit wie möglich selbst und &lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle &lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche &lt;br /&gt;
lernen können. Bei zielgerichteter Integration werden alle &lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}&lt;br /&gt;
Schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa &lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden. In der zieldifferenten Integration werden die &lt;br /&gt;
Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der &lt;br /&gt;
Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst. &lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der &lt;br /&gt;
Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es gelingt, die Balance zwischen individuellem &lt;br /&gt;
Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander &lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die &lt;br /&gt;
nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder &lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das ist ein Zusammenschluss zur &lt;br /&gt;
Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des &lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in &lt;br /&gt;
diesem Wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen &lt;br /&gt;
sie gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu &lt;br /&gt;
wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale wirtschaftliche Integration besteht aus &lt;br /&gt;
Regeln und Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige &lt;br /&gt;
Souveränität einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben. Solche Integrationsprozesse laufen typischerweise in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden innerhalb des Verbunds die Zölle für bestimmte Güter abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber Drittländern beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. In einem gemeinsamen Markt werden Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. In einer politischen Union entsteht eine gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung, &lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch über bestimmte Themen wird erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen Aktionen werden überwunden. Das beschränkt sich zunächst auf gegenseitige Interessen und Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegenüber Dritten wird überlegt und beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Normen und Gesetze aus den jeweiligen Kulturen, die ein gemeinsames Handeln erschweren, werden nach und nach abgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle entstehen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Es wird eine gemeinsame Wertehierarchie aufgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Es werden Instrumente geschaffen, diese Wertehierarchie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}&lt;br /&gt;
::gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen, ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre Herkunftsidentität aufgegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;6. EIN BLICK IN DIE BAHÁ’Í-SCHRIFTEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Bahá’í-Schriften, und dennoch gibt &lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen Bahá’u’lláhs und &#039;Abdu&#039;l-Bahás kreisen, wie um &lt;br /&gt;
die Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben &lt;br /&gt;
gezeigten. Zumindest ist es einen Versuch wert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 1:37&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2. „Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;3. „Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in strahlender Freude mit allen Völkern und Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr mit anderen Menschen Einheit und Eintracht schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der Nationen führt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;4. „Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung dieser Einheit ist, dass die Völker der Welt sich gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. &#039;&#039;„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen wesentlichen Bestandteilen die Einheit der Menschheit in allen Aspekten des Denkens und Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und individuellen Ausdrucks.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::U. GOLLMER IN: &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;6. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist.”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;7. „...es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen der Welt miteinander in Frieden sein werden. Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie&#039; ist!”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden kann.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:::Fotos: M. Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie&lt;br /&gt;
sind nicht versehentlich in eine Computerzeitschrift&lt;br /&gt;
geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es&lt;br /&gt;
geht zwar jetzt um Computer, aber es geht dabei&lt;br /&gt;
in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft&lt;br /&gt;
gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch&lt;br /&gt;
einmal explizit formuliert und durch Studien belegt&lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen&lt;br /&gt;
und Migranten in eine Gesellschaft zu integrieren&lt;br /&gt;
oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung&lt;br /&gt;
erhalten. Eine Studie aus der Schweiz zu diesem&lt;br /&gt;
Thema stellt die entscheidenden Fragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \vie kann der Zugang zur Bildung gefördert&lt;br /&gt;
werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche Hindernisse stehen einer Nutzung der&lt;br /&gt;
Bildung im VWvege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriumsin&lt;br /&gt;
Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für künftige&lt;br /&gt;
Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb&lt;br /&gt;
noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk&lt;br /&gt;
auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft&lt;br /&gt;
ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben will&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildung für alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, ob das&lt;br /&gt;
gewollt wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Baha&#039;i-Weltzentrum schreibt in der Erklärung&lt;br /&gt;
Ein gemeinsamer Glaube: „Neben der Erleichterung&lt;br /&gt;
des interpersonalen und intersozialen Austausches&lt;br /&gt;
hat der generelle Zugang zu Informationen den&lt;br /&gt;
Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer Elite zugänglich&lt;br /&gt;
zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der Nation, Rasse&lt;br /&gt;
oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die&lt;br /&gt;
globale Vernetzung konserviert, janoch verstärkt,&lt;br /&gt;
kann doch kein informierter Beobachter leugnen,&lt;br /&gt;
dass von diesem Wandel der Impuls ausgeht, über&lt;br /&gt;
das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller&lt;br /&gt;
zu den Quellen der Bildunganstreben und vielleicht&lt;br /&gt;
sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier Zugang für&lt;br /&gt;
alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei&lt;br /&gt;
heißen: frei im Sinne von freiheitlich und frei im&lt;br /&gt;
sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das&lt;br /&gt;
national wie international außerordentlich erfolgreich&lt;br /&gt;
TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA?&lt;br /&gt;
Das KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So&lt;br /&gt;
schreibt die Süddeutsche Zeitung: „.. auf unseren&lt;br /&gt;
inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als&lt;br /&gt;
sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das&lt;br /&gt;
könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten aufder Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um&lt;br /&gt;
Linux, genauer, um die neueste Variante dieses&lt;br /&gt;
Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt&lt;br /&gt;
ubuntu und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der.Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu istein altes afrikanisches Wort&lt;br /&gt;
und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten Sinne,&lt;br /&gt;
Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die&lt;br /&gt;
gesamte Menschheit verbindet. Dieses Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische&lt;br /&gt;
Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er&lt;br /&gt;
oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Baha&#039;i mögen solche Sätze nicht gerade fremd&lt;br /&gt;
klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert&lt;br /&gt;
und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten strikt&lt;br /&gt;
zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme&lt;br /&gt;
seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu&lt;br /&gt;
nutzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hatdas Recht, alle Programme seiner wahl&lt;br /&gt;
beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® leder hat das Recht, Programme seinen&lt;br /&gt;
Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und&lt;br /&gt;
zu verändern und darfdurch nichts daran&lt;br /&gt;
gehindert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr&lt;br /&gt;
Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen&lt;br /&gt;
mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft&lt;br /&gt;
aus Hilfsbereitschaft zu bilden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt&lt;br /&gt;
übersetzt werden, damit jeder es in seiner&lt;br /&gt;
Muttersprache benutzen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit&lt;br /&gt;
und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet&lt;br /&gt;
Dazu weiter unten mehr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE HINTERGRÜNDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant&lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen&lt;br /&gt;
Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt&lt;br /&gt;
ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den welthunger&lt;br /&gt;
stillen,den Kriegabschaffen, Krankheiten ausrotten,&lt;br /&gt;
Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die Bildung sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar&lt;br /&gt;
unabhängig vom gesellschaftlichen Stand - Zugang&lt;br /&gt;
zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir&lt;br /&gt;
dafür aufbringen? Zwei Stunden täglich oder einige&lt;br /&gt;
stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür&lt;br /&gt;
tun? Wie viele Menschen müssen das&#039;wollen‘, bevor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er&lt;br /&gt;
war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten&lt;br /&gt;
Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen Wweltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine&lt;br /&gt;
stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns in ein&lt;br /&gt;
neues Technologiezeitalter bringt und außerdem&lt;br /&gt;
verspricht sie den universellen Zugang zu den Vverkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu&lt;br /&gt;
voran, weil ich dieses Versprechen Realität&lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer SoftwareZweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich&lt;br /&gt;
ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das&lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen&lt;br /&gt;
aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„eircle of friends“ symbolisiert den wesentlichen&lt;br /&gt;
Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der&lt;br /&gt;
Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es&lt;br /&gt;
also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter technischem Wissen stehen, mit Baha’iKonzepten zu verknüpfen? In der Textzusammen&lt;br /&gt;
stellung Die Bewahrung der Erde und ihrer&lt;br /&gt;
Hilfsquellen (5.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte Sätze: „Baha’u’llah entwirft ein Welt&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bild auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und&lt;br /&gt;
Geschlechter der Erde zu dienen«. ’Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
weist aufdie wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der welt .. hin. Er stellt sich vor, dass die&lt;br /&gt;
Entwicklung auf eine geeinte welt hin zunehmen&lt;br /&gt;
und als »Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird.Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die&lt;br /&gt;
Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. »Solange&lt;br /&gt;
jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche Tugenden&lt;br /&gt;
noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht&lt;br /&gt;
und kein Ergebnis; auch bewirken sie nicht der&lt;br /&gt;
Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel&lt;br /&gt;
ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen,&lt;br /&gt;
und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass&lt;br /&gt;
sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren&lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist&lt;br /&gt;
dann neben Toleranz und Idealismus auch der verzicht auf Komfort gefordert. Meist dauertesnicht&lt;br /&gt;
lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu&lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf&lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogrammel Auch die Presse istvoll des Lobes. Dabei stehen&lt;br /&gt;
für die eher technisch orientierte Fachwelt das&lt;br /&gt;
Funktionieren und die Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. Ubuntu ist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die&lt;br /&gt;
Technik mit Mitmenschlichkeit erobert und durch&lt;br /&gt;
Leistung überzeugt zu haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das&lt;br /&gt;
geht völlig gefahrlos über eine sogenannte LiveCD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm&lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach&lt;br /&gt;
Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran&lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben,&lt;br /&gt;
findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch (natürlich) kostenlos im Internet, sondern&lt;br /&gt;
auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntuGemeinde, die über alle Hürden hinweghilft&lt;br /&gt;
Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, wie der Deutschlandfunk seine&lt;br /&gt;
sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt&lt;br /&gt;
noch anzumerken, dass in Mazedonien gerade 5000&lt;br /&gt;
schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei&lt;br /&gt;
Gründen: Es ist kostenlos, es lauft auch auf alten&lt;br /&gt;
Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ubuntu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWWLUBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNE TADRESSE DES VEREINS&lt;br /&gt;
UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP: /ÄNWWE.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCH AAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AU TORS. ÜBER IHN GIBT&lt;br /&gt;
ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl -Tneologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
ehemalskath.Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit. dem Jahr 2000 Bahäi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet heuteals&lt;br /&gt;
Meditationsiehrer&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&lt;br /&gt;
ALLE MENSCHEN SIND SEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÜRGER.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄU’LLÄH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm&lt;br /&gt;
kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte&lt;br /&gt;
aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nureine.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ABDU’L-BAHA, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Mocambique zu integrieren&lt;br /&gt;
bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, Wachsen,&lt;br /&gt;
Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein,&lt;br /&gt;
Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem&lt;br /&gt;
Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem&lt;br /&gt;
Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht&lt;br /&gt;
im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Mocambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Ändersseins zu einer&lt;br /&gt;
Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor&lt;br /&gt;
meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem&lt;br /&gt;
Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts der Unterschiede, aber auch Momente des&lt;br /&gt;
tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren&lt;br /&gt;
lassen, dass diese Partnerschaft die Anstrengungen&lt;br /&gt;
wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der&lt;br /&gt;
Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt&lt;br /&gt;
—- wenn ich mich etwa dazu durchringe, mich genau&lt;br /&gt;
wie meine Mutter um die Änziehsachen meines&lt;br /&gt;
Mannes zu kümmern, ihm das Wasser zum Baden&lt;br /&gt;
zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die&lt;br /&gt;
Wohnung sauber zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines&lt;br /&gt;
solchen Verhaltens für Frauen in Mocambique gar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOCAMBIOUE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Facetten einer Integration in Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch&lt;br /&gt;
darüber beschwert, dass ich ihm die Banane nur in&lt;br /&gt;
der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch&lt;br /&gt;
nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme&lt;br /&gt;
direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann&lt;br /&gt;
einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er besteht&lt;br /&gt;
darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die&lt;br /&gt;
Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, dass&lt;br /&gt;
wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere&lt;br /&gt;
jeweils eigenen Schwächen und Ängste anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in&lt;br /&gt;
Toleranz gegenüber den Grenzen des anderen&lt;br /&gt;
allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte&lt;br /&gt;
zu lösen, anzunähern. Dabei ist es uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere&lt;br /&gt;
Kultur im täglichen Leben kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TANZANIA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(mr&lt;br /&gt;
Wungdeiro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
j&lt;br /&gt;
ENamamöy, Bere gi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
naeh&lt;br /&gt;
22 Nnr zIa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morumbalh, |&lt;br /&gt;
Namacurrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein *» Quelimane&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PX Innapadd YYaromau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sorfLAa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PPChinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp;&lt;br /&gt;
m Dpnoo&lt;br /&gt;
Gaira s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nova Mambone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\inhassöro&lt;br /&gt;
Pina 00 Bazanıo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S Mahpte  lanaules &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps,&lt;br /&gt;
Y INHAMBANE&#039; 330 Sebasso&lt;br /&gt;
&amp;lt; Porta da Bar Faisa&lt;br /&gt;
h YMassinga&lt;br /&gt;
Homoing, Byinhambane&lt;br /&gt;
Panda, os&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„oifharmme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VAR&lt;br /&gt;
Ze MAPUTO&lt;br /&gt;
N, Join vis&lt;br /&gt;
5) en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 5 10 180m&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
UNITED REPUBLIC OF&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fr}&lt;br /&gt;
EKGADO&lt;br /&gt;
Ancuabe „|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ofkontoprez&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gNamuno }&lt;br /&gt;
Te Kamapa OCEAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Momba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HOuissanga&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sPemba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mecubörl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fioaun, NM PULAG&lt;br /&gt;
9&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
amp Ürcoha STR&lt;br /&gt;
Murrüpuia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hama /PMogincual&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„DAngoche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn Aizecne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spsbane&lt;br /&gt;
Svaa da Maganja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natonal capital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Provinciel caprtal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Town, vitage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Airport&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
International boundary&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rovinclal boundary&lt;br /&gt;
Main road&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Railroad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDIAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Kindern = bel unserem Umzug nach&lt;br /&gt;
Mocambique waren sie und Jahre ait-pltzlich&lt;br /&gt;
Inelner anderen Kulturzu leben, Istele ganzeigene Herausforderung. Besonders, wenn se Im Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder EntwickJungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich&lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und dochwegen ihrersoanderen kulturellen Erfahrungen eben&lt;br /&gt;
auchnicht&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die&lt;br /&gt;
unsallen helfen, Menschen In ihrer Abhangigkeit&lt;br /&gt;
von dem Umfeld, indem sie aufwachsen, verstehen&lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, wases wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein soll&lt;br /&gt;
und dass es manchmal eine große Bereicherung&lt;br /&gt;
und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
melnen anderen Brüdern und Schwestern wirklich&lt;br /&gt;
familiär verbunden zu fühlen, Und es ist faszinierend zu erkennen, weich scharfe Beobachtungen&lt;br /&gt;
die eigenen Kinder anstellen -sowohl ananderen&lt;br /&gt;
Menschen als auch an sich selbst- bezüglich der&lt;br /&gt;
hiesigen oder auch der europäischen Kultur und&lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung,&lt;br /&gt;
Schließlich sinddanoch all die Selbsterständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich gar&lt;br /&gt;
nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen:&lt;br /&gt;
ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich bei&lt;br /&gt;
Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; ale Freude, im&lt;br /&gt;
Haus zu sein, wenn es draußen regnet [während&lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass&lt;br /&gt;
Ihre Hütte einstürzt); die Menge an&lt;br /&gt;
Wien über die Natur,dieReligionen,&lt;br /&gt;
die Möglichkeit, Bücher zu lesen und N&lt;br /&gt;
gut gestaltete Lehrbücher zu haben.&lt;br /&gt;
Fürunsals Eltern und spezlellfürmich&lt;br /&gt;
u und Bahaibedeutet dasvor&lt;br /&gt;
allem, die Begrenzthelt des gegenwartigen Entwicklungsstadlums der&lt;br /&gt;
Menschheit sowie dle großen Unter&lt;br /&gt;
schiede in den materiellen Lebens- } W [M&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umständen beider Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, ofteinfach hinzunehmen, nicht schönzureden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration In Mocambique als Frau&lt;br /&gt;
heißt auch Konfrontation mit einem&lt;br /&gt;
Geschlechterverhältnis, das einen&lt;br /&gt;
manchmal erschauern lässt, Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe&lt;br /&gt;
Ich mich mitunter plötzlich hineinversetzt In die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die gewalttätigen Männern&lt;br /&gt;
schutzlos ausgeliefert sind und&lt;br /&gt;
auch nichtaufdie Unter&lt;br /&gt;
der Nachbarn zahlen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stitzung N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die beiderSchwangerenuntersuchung&lt;br /&gt;
feststellen, dass sie HIV-positiv sind und&lt;br /&gt;
daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutteraufdle Strasse geworfen werden selbst dann, wenn siesich nur beilhremeigenen Mann infiziert haben können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil&lt;br /&gt;
erihrdie Schuldanselnerelgenen mislichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- eine Mutter, die WWochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zueiner anderen Frauin&lt;br /&gt;
Ihrer Verzweiflung hre KleinenKinder beider&lt;br /&gt;
Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht&lt;br /&gt;
mehr um die Kinder kümmern kannte - die&lt;br /&gt;
Polizei dann aber nichts anderes tat, als die&lt;br /&gt;
Frau eine Nachteinzusperren, damitsielernt&lt;br /&gt;
dass eine Mutter niemalsihre Kinder ver fassen&lt;br /&gt;
dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die&lt;br /&gt;
von Ihren Männern wegen einer anderen FrauverIassen wurden -eineeigentlichschon ganz normale&lt;br /&gt;
Erscheinung; gleichzeitighaben wires In Mocambique miteiner Gesellschaft zutun, Inder dleMehrhelt der frauen mitIhren Kindern Inwirtschaftlich&lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und&lt;br /&gt;
keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die&lt;br /&gt;
Se selbstanwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sindso umfassend und so allgegennwartig, dass an&lt;br /&gt;
die Lösungder Entwicklungsprobleme&lt;br /&gt;
dieses Landes kaum zu deniken Ist, soJange solcheln Chaosin der Geschlechnm ferbeziehung herrscht. Das Erleben&lt;br /&gt;
MB ieser Geschichten lässt erahnen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en&lt;br /&gt;
land wie Mocambique wird deutlich,&lt;br /&gt;
IR ass ci Beachtung geistiger Prinzipien&lt;br /&gt;
BR schlichtwegüberebensnowenigsein&lt;br /&gt;
Alan. Und dass geistige Prinzipien&lt;br /&gt;
I Hand in Hand gehen sollten mit der&lt;br /&gt;
nateriellen Entwicklung zur Beseiti&lt;br /&gt;
gungvonArmut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahä’i in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahä’i-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Baha’u’llahs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahä’i zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
www.tempora.org&lt;br /&gt;
E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
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Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
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auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Baha’u’llah&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahä (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77462</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-28T14:51:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer &lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften außer den christlichen Kirchen, in denen die &lt;br /&gt;
Betroffenen seelischen Beistand finden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;LÖSUNG: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr &lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines starken Netzwerks für MigrantInnen. Dieses &lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle Stellen mit ehrenamtlich Engagierten, &lt;br /&gt;
MigrantInnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie möglich die Belastungen Einzelner. &lt;br /&gt;
Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare Lösungen und Grenzen aufgespürt. &lt;br /&gt;
Ein solches Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche Hilfestellungen und Aufklärung &lt;br /&gt;
in Krisenzeiten bei Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, &lt;br /&gt;
darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die Probleme Zugewanderter  sensibilisieren. Gleichrangig sollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und &lt;br /&gt;
sein Potenzial zu entdecken und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu &lt;br /&gt;
schaffen, sei es im Einzelkontakt mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, &lt;br /&gt;
Aktivitäten und Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder Schulung ist ein hohes Maß an Intuition erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs „normal“. Sie müssen lernen, damit richtig umzugehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme seelische Belastungen (beispielsweise bei rechtlichen Grenzfällen wie drohender Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}&lt;br /&gt;
:Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen zur eigenen Supervision auswählen, denn ein solches Angebot steht meist nicht zur Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder wollen oder aber sich distanzieren. Die „Familie“ bleibt klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. &lt;br /&gt;
Die Bahá’í-Schriften ermutigen ausdrücklich dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid...“&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder sie erschaffen wurde: Als körperliches, &lt;br /&gt;
gedanklich-intellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie man selbst. Die bestmögliche &lt;br /&gt;
Entfaltung dieser Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen jedes einzelnen &lt;br /&gt;
Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer.“&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung &lt;br /&gt;
zu Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive &lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am besten die eigenen Vorurteile &lt;br /&gt;
einfach loslassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man &lt;br /&gt;
gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei sollte man die vielfältigen individuellen, &lt;br /&gt;
kulturellen und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen der verschiedensten Weltregionen in &lt;br /&gt;
seine eigene Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und Visionen entwickeln und den Partner &lt;br /&gt;
oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle und sind einem einzigen Gott untertan...“&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten: nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern &lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit &lt;br /&gt;
erweitern. Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.“&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und &lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet viele offene Ohren und Türen finden, welche die &lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen.“&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere &lt;br /&gt;
Freunde und eine neue „Familie“, sondern man wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in &lt;br /&gt;
ungeahntem Maße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit MigrantInnen sind Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur der Einheit der Menschheit, der Einheit in all &lt;br /&gt;
ihrer Vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;1)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;2)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;3)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, S.63&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;4)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;5)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, ANSPRACHEN IN PARIS, S.18&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;6)&amp;lt;/sup&amp;gt; &#039;ABDU&#039;L-BAHÁ, s.o.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;sup&amp;gt;7)&amp;lt;/sup&amp;gt; BAHÁ’U’LLÁH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beispiel für ein Netzwerk im ländlichen Raum&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) e.V. &lt;br /&gt;
Ostholstein/Schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als Netzwerk im September 2002. &lt;br /&gt;
Er wurde im Februar 2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein &lt;br /&gt;
Ende 2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen &lt;br /&gt;
Engagements“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität, die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen. Gemeinsam machen wir das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert in vielfältiger Weise die Begegnung von Deutschen und MigrantInnen sowie die Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtig sind uns Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;SIEHE IM INTERNET:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
::WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung, Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit. Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rúz - Newroz (Neujahrsfeier aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahá’í), regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weltbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trier, Tübingen,&lt;br /&gt;
:Penang / Malaysia, Kürten (Kölner Großraum) und Eutin (seit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Magister soc.rer. in Slavistik, Pädagogik und Geographie&lt;br /&gt;
:1993-1997 Vertreterin der Bahá’í Womens&#039;Society von Penang Island/Malaysa,&lt;br /&gt;
:u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NCWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mitinitiatorin und Vorsitzende des Fördervereins&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
/ntegrafion e&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EINE BEGRIFFSKLÄRUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen&lt;br /&gt;
‚Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts und ist bei den&lt;br /&gt;
Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden&lt;br /&gt;
Töchter gehen auf das altsprachliche Gymnasium&lt;br /&gt;
und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in&lt;br /&gt;
flüssiges Feuer verwandeln, wird man daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Antigone M. kommt ausdem Kosovo.Sie kann kaum&lt;br /&gt;
Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die&lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen keine Probleme, sich bestimmte Produkte&lt;br /&gt;
auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen&lt;br /&gt;
zu mogeln. Obwohl beide Frauen Nachbarinnen&lt;br /&gt;
sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa&lt;br /&gt;
an dem oft beschworenen Kopftuch, denn das hat&lt;br /&gt;
‚Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn&lt;br /&gt;
Jahren nach Deutschland kam. Sie kleidet sich&lt;br /&gt;
durchaus westlich elegant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Das WORT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort&lt;br /&gt;
bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration&lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen&lt;br /&gt;
Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. Interessant ist, sich&lt;br /&gt;
das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zur Einheit.“&lt;br /&gt;
“Agu’L-BaHA,ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abkapselung, Abschiebung, Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also&lt;br /&gt;
dagegen ist, dass Menschen ausgegrenzt werden,&lt;br /&gt;
abgeschoben oder verbannt oder auch nur von&lt;br /&gt;
etwas oder jemandem getrennt, der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. INTEGRATION NACH&lt;br /&gt;
SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende&lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder&lt;br /&gt;
einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft&lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation&lt;br /&gt;
verwechselt, was einer völligen Anpassung an ein&lt;br /&gt;
bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr&lt;br /&gt;
handelt es sich hier um einen schöpferischen Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch&lt;br /&gt;
das Einbringen von Werten und der Kultur der&lt;br /&gt;
außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer&lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht&lt;br /&gt;
gab, bei Erhalt der jeweils eigenen Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schulische Integration bezeichnet das Einbinden&lt;br /&gt;
von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte&lt;br /&gt;
haben und sich so weit wie möglich selbst und&lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man&lt;br /&gt;
dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle&lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche lernen&lt;br /&gt;
können. Bei zielgerichteter Integration werden alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa&lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden&lt;br /&gt;
In der zieldifferenten Integration werden die Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst&lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die&lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen&lt;br /&gt;
Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es&lt;br /&gt;
gelingt, die Balance zwischen individuellem Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander&lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen&lt;br /&gt;
können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte&lt;br /&gt;
verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder&lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das istein Zusammenschluss&lt;br /&gt;
zur Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in diesem&lt;br /&gt;
wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und&lt;br /&gt;
vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen sie&lt;br /&gt;
gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Integration besteht aus Regeln und&lt;br /&gt;
Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige Souveränität&lt;br /&gt;
einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben&lt;br /&gt;
solche Integrationsprozesse laufen typischerweise&lt;br /&gt;
in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Es werden innerhalb des Verbunds die zölle&lt;br /&gt;
für bestimmte Güter abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber&lt;br /&gt;
Drittländern beibehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.In einem gemeinsamen Markt werden&lt;br /&gt;
Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden&lt;br /&gt;
einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.In einer politischen Union entsteht eine&lt;br /&gt;
gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung,&lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden&lt;br /&gt;
lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch&lt;br /&gt;
über bestimmte Themen wird erleichtert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen&lt;br /&gt;
‚Aktionen werden überwunden. Das beschränkt&lt;br /&gt;
sich zunächst auf gegenseitige Interessen und&lt;br /&gt;
Themen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegen&lt;br /&gt;
über Dritten wird überlegt und beschlossen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.Normen und Gesetze aus den jeweiligen&lt;br /&gt;
Kulturen, die ein gemeinsames Handeln&lt;br /&gt;
erschweren, werden nach und nach abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln&lt;br /&gt;
und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle&lt;br /&gt;
entstehen lässt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.Es wird eine gemeinsame \Vvertehierarchie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aufgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Es werden Instrumente geschaffen, diese&lt;br /&gt;
Wertehierarchie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen,&lt;br /&gt;
ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre&lt;br /&gt;
Herkunftsidentität aufgegeben hätten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Ein BLICK IN DIE BAHÄI-SCHRIFTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Baha’i-Schriften, und dennoch gibt&lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen&lt;br /&gt;
Baha’u’llahs und ’Abdu’l-Bahas kreisen, wie um die&lt;br /&gt;
Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben gezeigten. Zumindest ist eseinen Versuch wert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine&lt;br /&gt;
ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da&lt;br /&gt;
die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen&lt;br /&gt;
und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und&lt;br /&gt;
Gebräuchen, Geschmack und Temperament,&lt;br /&gt;
Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen&lt;br /&gt;
verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass&lt;br /&gt;
diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind.&lt;br /&gt;
Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem&lt;br /&gt;
Streit zwischen kriegführenden Völkern und&lt;br /&gt;
wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig&lt;br /&gt;
zerstören, Familien ausroften, sich aller Ruhe&lt;br /&gt;
und allen Wohlergehens berauben und in&lt;br /&gt;
Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist&lt;br /&gt;
tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit&lt;br /&gt;
ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen,&lt;br /&gt;
Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und&lt;br /&gt;
Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Erist lobenswert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Appu&#039;L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
n&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann&lt;br /&gt;
richtet euren Blick auf die Einheit.“&lt;br /&gt;
BAHA’U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.„Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in&lt;br /&gt;
strahlender Freude mit allen Völkern und&lt;br /&gt;
Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr&lt;br /&gt;
mit anderen Menschen Einheit und Eintracht&lt;br /&gt;
schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung&lt;br /&gt;
der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der&lt;br /&gt;
Nationen führt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U&#039;LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.,Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der&lt;br /&gt;
Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die&lt;br /&gt;
Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung&lt;br /&gt;
dieser Einheit Ist, dass die Völker der Welt sich&lt;br /&gt;
gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag&lt;br /&gt;
dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die&lt;br /&gt;
schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen&lt;br /&gt;
wesentlichen Bestandteilen die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit in allen Aspekten des Denkens und&lt;br /&gt;
Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung&lt;br /&gt;
der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und&lt;br /&gt;
individuellen Ausdrucks.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U.GoLLMER IN: &amp;quot;ABDU’L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.,Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und&lt;br /&gt;
ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn undehe&lt;br /&gt;
nicht ihre Einheit fest begründet ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;U/LLÄH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7... es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen&lt;br /&gt;
der Welt miteinander in Frieden sein werden.&lt;br /&gt;
Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um&lt;br /&gt;
äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass&lt;br /&gt;
sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie ist!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Apu’L-BaHA, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft&lt;br /&gt;
Ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die&lt;br /&gt;
Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht&lt;br /&gt;
des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt&lt;br /&gt;
derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden&lt;br /&gt;
kann.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Agpu’ı-BaHä, ANSPRACHEN IN PaRıs, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos: M Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie&lt;br /&gt;
sind nicht versehentlich in eine Computerzeitschrift&lt;br /&gt;
geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es&lt;br /&gt;
geht zwar jetzt um Computer, aber es geht dabei&lt;br /&gt;
in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft&lt;br /&gt;
gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch&lt;br /&gt;
einmal explizit formuliert und durch Studien belegt&lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen&lt;br /&gt;
und Migranten in eine Gesellschaft zu integrieren&lt;br /&gt;
oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung&lt;br /&gt;
erhalten. Eine Studie aus der Schweiz zu diesem&lt;br /&gt;
Thema stellt die entscheidenden Fragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \vie kann der Zugang zur Bildung gefördert&lt;br /&gt;
werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche Hindernisse stehen einer Nutzung der&lt;br /&gt;
Bildung im VWvege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriumsin&lt;br /&gt;
Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für künftige&lt;br /&gt;
Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb&lt;br /&gt;
noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk&lt;br /&gt;
auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft&lt;br /&gt;
ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben will&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildung für alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, ob das&lt;br /&gt;
gewollt wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Baha&#039;i-Weltzentrum schreibt in der Erklärung&lt;br /&gt;
Ein gemeinsamer Glaube: „Neben der Erleichterung&lt;br /&gt;
des interpersonalen und intersozialen Austausches&lt;br /&gt;
hat der generelle Zugang zu Informationen den&lt;br /&gt;
Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer Elite zugänglich&lt;br /&gt;
zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der Nation, Rasse&lt;br /&gt;
oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die&lt;br /&gt;
globale Vernetzung konserviert, janoch verstärkt,&lt;br /&gt;
kann doch kein informierter Beobachter leugnen,&lt;br /&gt;
dass von diesem Wandel der Impuls ausgeht, über&lt;br /&gt;
das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller&lt;br /&gt;
zu den Quellen der Bildunganstreben und vielleicht&lt;br /&gt;
sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier Zugang für&lt;br /&gt;
alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei&lt;br /&gt;
heißen: frei im Sinne von freiheitlich und frei im&lt;br /&gt;
sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das&lt;br /&gt;
national wie international außerordentlich erfolgreich&lt;br /&gt;
TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA?&lt;br /&gt;
Das KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So&lt;br /&gt;
schreibt die Süddeutsche Zeitung: „.. auf unseren&lt;br /&gt;
inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als&lt;br /&gt;
sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das&lt;br /&gt;
könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten aufder Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um&lt;br /&gt;
Linux, genauer, um die neueste Variante dieses&lt;br /&gt;
Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt&lt;br /&gt;
ubuntu und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der.Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu istein altes afrikanisches Wort&lt;br /&gt;
und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten Sinne,&lt;br /&gt;
Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die&lt;br /&gt;
gesamte Menschheit verbindet. Dieses Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische&lt;br /&gt;
Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er&lt;br /&gt;
oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Baha&#039;i mögen solche Sätze nicht gerade fremd&lt;br /&gt;
klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert&lt;br /&gt;
und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten strikt&lt;br /&gt;
zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme&lt;br /&gt;
seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu&lt;br /&gt;
nutzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hatdas Recht, alle Programme seiner wahl&lt;br /&gt;
beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® leder hat das Recht, Programme seinen&lt;br /&gt;
Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und&lt;br /&gt;
zu verändern und darfdurch nichts daran&lt;br /&gt;
gehindert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr&lt;br /&gt;
Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen&lt;br /&gt;
mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft&lt;br /&gt;
aus Hilfsbereitschaft zu bilden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt&lt;br /&gt;
übersetzt werden, damit jeder es in seiner&lt;br /&gt;
Muttersprache benutzen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit&lt;br /&gt;
und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet&lt;br /&gt;
Dazu weiter unten mehr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE HINTERGRÜNDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant&lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen&lt;br /&gt;
Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt&lt;br /&gt;
ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den welthunger&lt;br /&gt;
stillen,den Kriegabschaffen, Krankheiten ausrotten,&lt;br /&gt;
Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die Bildung sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar&lt;br /&gt;
unabhängig vom gesellschaftlichen Stand - Zugang&lt;br /&gt;
zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir&lt;br /&gt;
dafür aufbringen? Zwei Stunden täglich oder einige&lt;br /&gt;
stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür&lt;br /&gt;
tun? Wie viele Menschen müssen das&#039;wollen‘, bevor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er&lt;br /&gt;
war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten&lt;br /&gt;
Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen Wweltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine&lt;br /&gt;
stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns in ein&lt;br /&gt;
neues Technologiezeitalter bringt und außerdem&lt;br /&gt;
verspricht sie den universellen Zugang zu den Vverkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu&lt;br /&gt;
voran, weil ich dieses Versprechen Realität&lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer SoftwareZweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich&lt;br /&gt;
ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das&lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen&lt;br /&gt;
aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„eircle of friends“ symbolisiert den wesentlichen&lt;br /&gt;
Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der&lt;br /&gt;
Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es&lt;br /&gt;
also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter technischem Wissen stehen, mit Baha’iKonzepten zu verknüpfen? In der Textzusammen&lt;br /&gt;
stellung Die Bewahrung der Erde und ihrer&lt;br /&gt;
Hilfsquellen (5.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte Sätze: „Baha’u’llah entwirft ein Welt&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bild auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und&lt;br /&gt;
Geschlechter der Erde zu dienen«. ’Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
weist aufdie wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der welt .. hin. Er stellt sich vor, dass die&lt;br /&gt;
Entwicklung auf eine geeinte welt hin zunehmen&lt;br /&gt;
und als »Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird.Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die&lt;br /&gt;
Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. »Solange&lt;br /&gt;
jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche Tugenden&lt;br /&gt;
noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht&lt;br /&gt;
und kein Ergebnis; auch bewirken sie nicht der&lt;br /&gt;
Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel&lt;br /&gt;
ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen,&lt;br /&gt;
und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass&lt;br /&gt;
sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren&lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist&lt;br /&gt;
dann neben Toleranz und Idealismus auch der verzicht auf Komfort gefordert. Meist dauertesnicht&lt;br /&gt;
lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu&lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf&lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogrammel Auch die Presse istvoll des Lobes. Dabei stehen&lt;br /&gt;
für die eher technisch orientierte Fachwelt das&lt;br /&gt;
Funktionieren und die Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. Ubuntu ist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die&lt;br /&gt;
Technik mit Mitmenschlichkeit erobert und durch&lt;br /&gt;
Leistung überzeugt zu haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das&lt;br /&gt;
geht völlig gefahrlos über eine sogenannte LiveCD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm&lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach&lt;br /&gt;
Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran&lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben,&lt;br /&gt;
findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch (natürlich) kostenlos im Internet, sondern&lt;br /&gt;
auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntuGemeinde, die über alle Hürden hinweghilft&lt;br /&gt;
Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, wie der Deutschlandfunk seine&lt;br /&gt;
sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt&lt;br /&gt;
noch anzumerken, dass in Mazedonien gerade 5000&lt;br /&gt;
schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei&lt;br /&gt;
Gründen: Es ist kostenlos, es lauft auch auf alten&lt;br /&gt;
Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ubuntu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWWLUBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNE TADRESSE DES VEREINS&lt;br /&gt;
UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP: /ÄNWWE.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCH AAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AU TORS. ÜBER IHN GIBT&lt;br /&gt;
ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl -Tneologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
ehemalskath.Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit. dem Jahr 2000 Bahäi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet heuteals&lt;br /&gt;
Meditationsiehrer&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&lt;br /&gt;
ALLE MENSCHEN SIND SEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÜRGER.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄU’LLÄH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm&lt;br /&gt;
kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte&lt;br /&gt;
aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nureine.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ABDU’L-BAHA, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Mocambique zu integrieren&lt;br /&gt;
bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, Wachsen,&lt;br /&gt;
Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein,&lt;br /&gt;
Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem&lt;br /&gt;
Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem&lt;br /&gt;
Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht&lt;br /&gt;
im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Mocambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Ändersseins zu einer&lt;br /&gt;
Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor&lt;br /&gt;
meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem&lt;br /&gt;
Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts der Unterschiede, aber auch Momente des&lt;br /&gt;
tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren&lt;br /&gt;
lassen, dass diese Partnerschaft die Anstrengungen&lt;br /&gt;
wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der&lt;br /&gt;
Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt&lt;br /&gt;
—- wenn ich mich etwa dazu durchringe, mich genau&lt;br /&gt;
wie meine Mutter um die Änziehsachen meines&lt;br /&gt;
Mannes zu kümmern, ihm das Wasser zum Baden&lt;br /&gt;
zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die&lt;br /&gt;
Wohnung sauber zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines&lt;br /&gt;
solchen Verhaltens für Frauen in Mocambique gar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOCAMBIOUE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Facetten einer Integration in Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch&lt;br /&gt;
darüber beschwert, dass ich ihm die Banane nur in&lt;br /&gt;
der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch&lt;br /&gt;
nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme&lt;br /&gt;
direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann&lt;br /&gt;
einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er besteht&lt;br /&gt;
darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die&lt;br /&gt;
Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, dass&lt;br /&gt;
wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere&lt;br /&gt;
jeweils eigenen Schwächen und Ängste anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in&lt;br /&gt;
Toleranz gegenüber den Grenzen des anderen&lt;br /&gt;
allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte&lt;br /&gt;
zu lösen, anzunähern. Dabei ist es uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere&lt;br /&gt;
Kultur im täglichen Leben kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TANZANIA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(mr&lt;br /&gt;
Wungdeiro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
j&lt;br /&gt;
ENamamöy, Bere gi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
naeh&lt;br /&gt;
22 Nnr zIa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morumbalh, |&lt;br /&gt;
Namacurrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein *» Quelimane&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PX Innapadd YYaromau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sorfLAa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PPChinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp;&lt;br /&gt;
m Dpnoo&lt;br /&gt;
Gaira s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nova Mambone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\inhassöro&lt;br /&gt;
Pina 00 Bazanıo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S Mahpte  lanaules &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps,&lt;br /&gt;
Y INHAMBANE&#039; 330 Sebasso&lt;br /&gt;
&amp;lt; Porta da Bar Faisa&lt;br /&gt;
h YMassinga&lt;br /&gt;
Homoing, Byinhambane&lt;br /&gt;
Panda, os&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„oifharmme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VAR&lt;br /&gt;
Ze MAPUTO&lt;br /&gt;
N, Join vis&lt;br /&gt;
5) en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 5 10 180m&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
UNITED REPUBLIC OF&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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EKGADO&lt;br /&gt;
Ancuabe „|&lt;br /&gt;
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gNamuno }&lt;br /&gt;
Te Kamapa OCEAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Momba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
HOuissanga&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Mecubörl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fioaun, NM PULAG&lt;br /&gt;
9&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
amp Ürcoha STR&lt;br /&gt;
Murrüpuia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hama /PMogincual&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„DAngoche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn Aizecne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spsbane&lt;br /&gt;
Svaa da Maganja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natonal capital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Provinciel caprtal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Town, vitage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Airport&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
International boundary&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rovinclal boundary&lt;br /&gt;
Main road&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Railroad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDIAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Kindern = bel unserem Umzug nach&lt;br /&gt;
Mocambique waren sie und Jahre ait-pltzlich&lt;br /&gt;
Inelner anderen Kulturzu leben, Istele ganzeigene Herausforderung. Besonders, wenn se Im Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder EntwickJungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich&lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und dochwegen ihrersoanderen kulturellen Erfahrungen eben&lt;br /&gt;
auchnicht&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die&lt;br /&gt;
unsallen helfen, Menschen In ihrer Abhangigkeit&lt;br /&gt;
von dem Umfeld, indem sie aufwachsen, verstehen&lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, wases wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein soll&lt;br /&gt;
und dass es manchmal eine große Bereicherung&lt;br /&gt;
und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
melnen anderen Brüdern und Schwestern wirklich&lt;br /&gt;
familiär verbunden zu fühlen, Und es ist faszinierend zu erkennen, weich scharfe Beobachtungen&lt;br /&gt;
die eigenen Kinder anstellen -sowohl ananderen&lt;br /&gt;
Menschen als auch an sich selbst- bezüglich der&lt;br /&gt;
hiesigen oder auch der europäischen Kultur und&lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung,&lt;br /&gt;
Schließlich sinddanoch all die Selbsterständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich gar&lt;br /&gt;
nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen:&lt;br /&gt;
ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich bei&lt;br /&gt;
Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; ale Freude, im&lt;br /&gt;
Haus zu sein, wenn es draußen regnet [während&lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass&lt;br /&gt;
Ihre Hütte einstürzt); die Menge an&lt;br /&gt;
Wien über die Natur,dieReligionen,&lt;br /&gt;
die Möglichkeit, Bücher zu lesen und N&lt;br /&gt;
gut gestaltete Lehrbücher zu haben.&lt;br /&gt;
Fürunsals Eltern und spezlellfürmich&lt;br /&gt;
u und Bahaibedeutet dasvor&lt;br /&gt;
allem, die Begrenzthelt des gegenwartigen Entwicklungsstadlums der&lt;br /&gt;
Menschheit sowie dle großen Unter&lt;br /&gt;
schiede in den materiellen Lebens- } W [M&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umständen beider Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, ofteinfach hinzunehmen, nicht schönzureden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration In Mocambique als Frau&lt;br /&gt;
heißt auch Konfrontation mit einem&lt;br /&gt;
Geschlechterverhältnis, das einen&lt;br /&gt;
manchmal erschauern lässt, Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe&lt;br /&gt;
Ich mich mitunter plötzlich hineinversetzt In die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die gewalttätigen Männern&lt;br /&gt;
schutzlos ausgeliefert sind und&lt;br /&gt;
auch nichtaufdie Unter&lt;br /&gt;
der Nachbarn zahlen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stitzung N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die beiderSchwangerenuntersuchung&lt;br /&gt;
feststellen, dass sie HIV-positiv sind und&lt;br /&gt;
daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutteraufdle Strasse geworfen werden selbst dann, wenn siesich nur beilhremeigenen Mann infiziert haben können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil&lt;br /&gt;
erihrdie Schuldanselnerelgenen mislichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- eine Mutter, die WWochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zueiner anderen Frauin&lt;br /&gt;
Ihrer Verzweiflung hre KleinenKinder beider&lt;br /&gt;
Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht&lt;br /&gt;
mehr um die Kinder kümmern kannte - die&lt;br /&gt;
Polizei dann aber nichts anderes tat, als die&lt;br /&gt;
Frau eine Nachteinzusperren, damitsielernt&lt;br /&gt;
dass eine Mutter niemalsihre Kinder ver fassen&lt;br /&gt;
dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die&lt;br /&gt;
von Ihren Männern wegen einer anderen FrauverIassen wurden -eineeigentlichschon ganz normale&lt;br /&gt;
Erscheinung; gleichzeitighaben wires In Mocambique miteiner Gesellschaft zutun, Inder dleMehrhelt der frauen mitIhren Kindern Inwirtschaftlich&lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und&lt;br /&gt;
keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die&lt;br /&gt;
Se selbstanwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sindso umfassend und so allgegennwartig, dass an&lt;br /&gt;
die Lösungder Entwicklungsprobleme&lt;br /&gt;
dieses Landes kaum zu deniken Ist, soJange solcheln Chaosin der Geschlechnm ferbeziehung herrscht. Das Erleben&lt;br /&gt;
MB ieser Geschichten lässt erahnen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en&lt;br /&gt;
land wie Mocambique wird deutlich,&lt;br /&gt;
IR ass ci Beachtung geistiger Prinzipien&lt;br /&gt;
BR schlichtwegüberebensnowenigsein&lt;br /&gt;
Alan. Und dass geistige Prinzipien&lt;br /&gt;
I Hand in Hand gehen sollten mit der&lt;br /&gt;
nateriellen Entwicklung zur Beseiti&lt;br /&gt;
gungvonArmut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahä’i in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahä’i-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Baha’u’llahs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahä’i zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
www.tempora.org&lt;br /&gt;
E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tel.:+49 (0) 6192 / 22 921&lt;br /&gt;
Fax: +49 (0) 6192/2293 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
www.bahai-verlag.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
Abonnementpreis für vier Ausgaben&lt;br /&gt;
EUR 18,00 / Einzelheft EUR 5,00&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
Herausgebers wieder. Für unverlangt eingesandte&lt;br /&gt;
Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion&lt;br /&gt;
keine Haftung. Die Redaktion behält sich sinn&lt;br /&gt;
bewahrende Kürzungen und Änderungen der&lt;br /&gt;
Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind&lt;br /&gt;
urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Baha’u’llah&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahä (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77461</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-28T11:58:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===GRENZEN ÜBERWINDEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gemeinsam neue Wege finden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. &lt;br /&gt;
Er muß sich neu orientieren, neue soziale Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt nicht &lt;br /&gt;
immer schnell und reibungslos, vielen fällt es schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser &lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich &lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im &lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht Angst. Viele Menschen - Einheimische wie &lt;br /&gt;
Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von &lt;br /&gt;
Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen.&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise, die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa &lt;br /&gt;
beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. &lt;br /&gt;
Im ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im &lt;br /&gt;
Straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Integration &lt;br /&gt;
oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATIONSVERLÄUFE&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen, sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. &lt;br /&gt;
So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in &lt;br /&gt;
eine freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet, ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell &lt;br /&gt;
durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte. Schon Teilerfolge &lt;br /&gt;
sind in diesem Fall enorm hoch zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig, häufig begleitet von Depressionen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden. Solche Menschen haben es &lt;br /&gt;
auf dem Land extrem schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen, welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen, seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, &lt;br /&gt;
Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das Personal dort ist zumeist wenig bis gar &lt;br /&gt;
nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig überfordert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei &lt;br /&gt;
steigt im Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins Uferlose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder Analphabetinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur eingeschränkt zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal, minimal bezahlt und wird häufig nur über &lt;br /&gt;
Beziehungen vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen &lt;br /&gt;
meist weder zu Hause noch in der Schule eine besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die &lt;br /&gt;
deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell. Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen &lt;br /&gt;
ab, besonders in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RESUME&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem&lt;br /&gt;
eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer&lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder&lt;br /&gt;
sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften&lt;br /&gt;
außer den christlichen Kirchen, in denen die Betroffenen seelischen Beistand finden könnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ninaaıd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösung: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten&lt;br /&gt;
ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr&lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines&lt;br /&gt;
starken Netzwerks für Migrantinnen. Dieses&lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle&lt;br /&gt;
stellen mit ehrenamtlich Engagierten, Migrantinnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie&lt;br /&gt;
möglich die Belastungen Einzelner. Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösungen und Grenzen aufgespürt. Ein solches&lt;br /&gt;
Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche&lt;br /&gt;
Hilfestellungen und Aufklärung in Krisenzeiten bei&lt;br /&gt;
Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die&lt;br /&gt;
Probleme Zugewanderter sensibilisieren. Gleichrangigsollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und sein Potenzial zu entdecken&lt;br /&gt;
und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu schaffen, sei es im Einzelkontakt&lt;br /&gt;
mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, Aktivitäten und Feiern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ie; schulung ist ein hohes Maß an Intuition&lt;br /&gt;
erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs&lt;br /&gt;
„normal“. Sie müssen lernen, damit richtig&lt;br /&gt;
umzugehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme&lt;br /&gt;
a seelische Belastungen (beispielsweise bei&lt;br /&gt;
rechtlichen Grenzfällen wie drohender&lt;br /&gt;
Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen&lt;br /&gt;
zur eigenen Supervision auswählen, denn&lt;br /&gt;
ein solches Angebot steht meist nicht zur&lt;br /&gt;
Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder&lt;br /&gt;
wollen oder aber sich distanzieren. Die&lt;br /&gt;
„Familie“ bleibt klein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
YA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. Die Bahaschriften ermutigen ausdrücklich dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch&lt;br /&gt;
alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit&lt;br /&gt;
sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket&lt;br /&gt;
allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid.“ v&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder&lt;br /&gt;
sie erschaffen wurde: Als körperliches, gedanklichintellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie&lt;br /&gt;
man selbst. Die bestmögliche Entfaltung dieser&lt;br /&gt;
Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen&lt;br /&gt;
jedes einzelnen Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen&lt;br /&gt;
Augen sehen, nicht mit denen anderer.“ 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung zu&lt;br /&gt;
Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am&lt;br /&gt;
besten die eigenen Vorurteile einfach loslassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie&lt;br /&gt;
sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie&lt;br /&gt;
in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen,&lt;br /&gt;
um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus&lt;br /&gt;
ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei&lt;br /&gt;
sollte man die vielfältigen individuellen, kulturellen&lt;br /&gt;
und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen&lt;br /&gt;
der verschiedensten Weltregionen in seine eigene&lt;br /&gt;
Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und&lt;br /&gt;
Visionen entwickeln und den Partner oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ohne Zweifel verdanken die Völker der welt,&lt;br /&gt;
welcher Rasse oder Religion sie auch angehören,&lt;br /&gt;
ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle&lt;br /&gt;
und sind einem einzigen Gott untertan...“4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten&lt;br /&gt;
nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern&lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont&lt;br /&gt;
und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit erweitern&lt;br /&gt;
Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt&lt;br /&gt;
mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit&lt;br /&gt;
allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich&lt;br /&gt;
eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten,&lt;br /&gt;
sie werden zum Wunsche anderer werden,&lt;br /&gt;
wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen&lt;br /&gt;
erreichen.“5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit&lt;br /&gt;
Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und&lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet&lt;br /&gt;
viele offene Ohren und Türen finden, welche die&lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit&lt;br /&gt;
und Liebe werden den Hass besiegen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über&lt;br /&gt;
gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere Freunde und eine neue „Familie“, sondern man&lt;br /&gt;
wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in&lt;br /&gt;
ungeahntem Maße&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit Migrantinnen sind&lt;br /&gt;
Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur&lt;br /&gt;
der Einheit der Menschheit, der Einheit in all ihrer&lt;br /&gt;
vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den&lt;br /&gt;
Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde&lt;br /&gt;
ist nur ein Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger“7. )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) BaHA’U’LÄH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) BAHA&#039;U’LÄH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
3)’Acpu’ı-BaHA, Das KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, 5.63&lt;br /&gt;
A) BAHK&#039;U&#039;LAH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Apu’ı-BaHA, ANSPRACHEN In Parıs,S.18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) &amp;quot;AspuL-BaHA, 5.0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) BAHK&#039;U’LÄH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 11&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) eV. Ostholstein/&lt;br /&gt;
schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als&lt;br /&gt;
Netzwerk im September 2002. Er wurde im Februar&lt;br /&gt;
2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für&lt;br /&gt;
Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein Ende&lt;br /&gt;
2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen Engagements“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität,&lt;br /&gt;
die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie&lt;br /&gt;
kennenzulernen. Gemeinsam machen wir&lt;br /&gt;
das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert&lt;br /&gt;
in vielfältiger Weise die Begegnung von&lt;br /&gt;
Deutschen und Migrantinnen sowie die&lt;br /&gt;
Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtigsind uns Vernetzung und Kooperation&lt;br /&gt;
mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SIEHE IM INTERNET:&lt;br /&gt;
WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter&lt;br /&gt;
Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand&lt;br /&gt;
in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder&lt;br /&gt;
Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung,&lt;br /&gt;
Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin&lt;br /&gt;
mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser&lt;br /&gt;
Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit.&lt;br /&gt;
Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen&lt;br /&gt;
und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den&lt;br /&gt;
Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie&lt;br /&gt;
Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rüz - Newroz (Neujahrsfeier&lt;br /&gt;
aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahä’i),&lt;br /&gt;
regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
N&lt;br /&gt;
Elke Zastrow&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trer, Tübingen,&lt;br /&gt;
Penang / Malaysia, Kürten (kölner Großraum) und Eutin (sit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magister socrer.in Slavistik, Pädagogikund Geographie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19931997 Vertreterin der BahäfWornens&#039;Society&#039;von Penang Isand/Malaysa,&lt;br /&gt;
u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NOWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
Mitinitiatorin und .Vorsitzende des Fördervereins,&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}/ntegrafion e&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EINE BEGRIFFSKLÄRUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen&lt;br /&gt;
‚Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts und ist bei den&lt;br /&gt;
Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden&lt;br /&gt;
Töchter gehen auf das altsprachliche Gymnasium&lt;br /&gt;
und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in&lt;br /&gt;
flüssiges Feuer verwandeln, wird man daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Antigone M. kommt ausdem Kosovo.Sie kann kaum&lt;br /&gt;
Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die&lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen keine Probleme, sich bestimmte Produkte&lt;br /&gt;
auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen&lt;br /&gt;
zu mogeln. Obwohl beide Frauen Nachbarinnen&lt;br /&gt;
sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa&lt;br /&gt;
an dem oft beschworenen Kopftuch, denn das hat&lt;br /&gt;
‚Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn&lt;br /&gt;
Jahren nach Deutschland kam. Sie kleidet sich&lt;br /&gt;
durchaus westlich elegant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Das WORT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort&lt;br /&gt;
bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration&lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen&lt;br /&gt;
Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. Interessant ist, sich&lt;br /&gt;
das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zur Einheit.“&lt;br /&gt;
“Agu’L-BaHA,ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abkapselung, Abschiebung, Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also&lt;br /&gt;
dagegen ist, dass Menschen ausgegrenzt werden,&lt;br /&gt;
abgeschoben oder verbannt oder auch nur von&lt;br /&gt;
etwas oder jemandem getrennt, der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. INTEGRATION NACH&lt;br /&gt;
SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende&lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder&lt;br /&gt;
einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft&lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation&lt;br /&gt;
verwechselt, was einer völligen Anpassung an ein&lt;br /&gt;
bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr&lt;br /&gt;
handelt es sich hier um einen schöpferischen Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch&lt;br /&gt;
das Einbringen von Werten und der Kultur der&lt;br /&gt;
außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer&lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht&lt;br /&gt;
gab, bei Erhalt der jeweils eigenen Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schulische Integration bezeichnet das Einbinden&lt;br /&gt;
von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte&lt;br /&gt;
haben und sich so weit wie möglich selbst und&lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man&lt;br /&gt;
dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle&lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche lernen&lt;br /&gt;
können. Bei zielgerichteter Integration werden alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa&lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden&lt;br /&gt;
In der zieldifferenten Integration werden die Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst&lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die&lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen&lt;br /&gt;
Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es&lt;br /&gt;
gelingt, die Balance zwischen individuellem Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander&lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen&lt;br /&gt;
können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte&lt;br /&gt;
verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder&lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das istein Zusammenschluss&lt;br /&gt;
zur Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in diesem&lt;br /&gt;
wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und&lt;br /&gt;
vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen sie&lt;br /&gt;
gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Integration besteht aus Regeln und&lt;br /&gt;
Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige Souveränität&lt;br /&gt;
einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben&lt;br /&gt;
solche Integrationsprozesse laufen typischerweise&lt;br /&gt;
in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Es werden innerhalb des Verbunds die zölle&lt;br /&gt;
für bestimmte Güter abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber&lt;br /&gt;
Drittländern beibehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.In einem gemeinsamen Markt werden&lt;br /&gt;
Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden&lt;br /&gt;
einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.In einer politischen Union entsteht eine&lt;br /&gt;
gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung,&lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden&lt;br /&gt;
lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch&lt;br /&gt;
über bestimmte Themen wird erleichtert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen&lt;br /&gt;
‚Aktionen werden überwunden. Das beschränkt&lt;br /&gt;
sich zunächst auf gegenseitige Interessen und&lt;br /&gt;
Themen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegen&lt;br /&gt;
über Dritten wird überlegt und beschlossen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.Normen und Gesetze aus den jeweiligen&lt;br /&gt;
Kulturen, die ein gemeinsames Handeln&lt;br /&gt;
erschweren, werden nach und nach abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln&lt;br /&gt;
und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle&lt;br /&gt;
entstehen lässt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.Es wird eine gemeinsame \Vvertehierarchie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aufgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Es werden Instrumente geschaffen, diese&lt;br /&gt;
Wertehierarchie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen,&lt;br /&gt;
ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre&lt;br /&gt;
Herkunftsidentität aufgegeben hätten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Ein BLICK IN DIE BAHÄI-SCHRIFTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Baha’i-Schriften, und dennoch gibt&lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen&lt;br /&gt;
Baha’u’llahs und ’Abdu’l-Bahas kreisen, wie um die&lt;br /&gt;
Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben gezeigten. Zumindest ist eseinen Versuch wert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine&lt;br /&gt;
ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da&lt;br /&gt;
die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen&lt;br /&gt;
und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und&lt;br /&gt;
Gebräuchen, Geschmack und Temperament,&lt;br /&gt;
Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen&lt;br /&gt;
verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass&lt;br /&gt;
diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind.&lt;br /&gt;
Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem&lt;br /&gt;
Streit zwischen kriegführenden Völkern und&lt;br /&gt;
wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig&lt;br /&gt;
zerstören, Familien ausroften, sich aller Ruhe&lt;br /&gt;
und allen Wohlergehens berauben und in&lt;br /&gt;
Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist&lt;br /&gt;
tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit&lt;br /&gt;
ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen,&lt;br /&gt;
Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und&lt;br /&gt;
Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Erist lobenswert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Appu&#039;L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
n&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann&lt;br /&gt;
richtet euren Blick auf die Einheit.“&lt;br /&gt;
BAHA’U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.„Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in&lt;br /&gt;
strahlender Freude mit allen Völkern und&lt;br /&gt;
Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr&lt;br /&gt;
mit anderen Menschen Einheit und Eintracht&lt;br /&gt;
schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung&lt;br /&gt;
der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der&lt;br /&gt;
Nationen führt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U&#039;LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.,Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der&lt;br /&gt;
Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die&lt;br /&gt;
Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung&lt;br /&gt;
dieser Einheit Ist, dass die Völker der Welt sich&lt;br /&gt;
gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag&lt;br /&gt;
dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die&lt;br /&gt;
schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen&lt;br /&gt;
wesentlichen Bestandteilen die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit in allen Aspekten des Denkens und&lt;br /&gt;
Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung&lt;br /&gt;
der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und&lt;br /&gt;
individuellen Ausdrucks.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U.GoLLMER IN: &amp;quot;ABDU’L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.,Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und&lt;br /&gt;
ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn undehe&lt;br /&gt;
nicht ihre Einheit fest begründet ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;U/LLÄH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7... es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen&lt;br /&gt;
der Welt miteinander in Frieden sein werden.&lt;br /&gt;
Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um&lt;br /&gt;
äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass&lt;br /&gt;
sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie ist!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Apu’L-BaHA, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft&lt;br /&gt;
Ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die&lt;br /&gt;
Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht&lt;br /&gt;
des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt&lt;br /&gt;
derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden&lt;br /&gt;
kann.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Agpu’ı-BaHä, ANSPRACHEN IN PaRıs, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos: M Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie&lt;br /&gt;
sind nicht versehentlich in eine Computerzeitschrift&lt;br /&gt;
geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es&lt;br /&gt;
geht zwar jetzt um Computer, aber es geht dabei&lt;br /&gt;
in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft&lt;br /&gt;
gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch&lt;br /&gt;
einmal explizit formuliert und durch Studien belegt&lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen&lt;br /&gt;
und Migranten in eine Gesellschaft zu integrieren&lt;br /&gt;
oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung&lt;br /&gt;
erhalten. Eine Studie aus der Schweiz zu diesem&lt;br /&gt;
Thema stellt die entscheidenden Fragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \vie kann der Zugang zur Bildung gefördert&lt;br /&gt;
werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche Hindernisse stehen einer Nutzung der&lt;br /&gt;
Bildung im VWvege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriumsin&lt;br /&gt;
Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für künftige&lt;br /&gt;
Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb&lt;br /&gt;
noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk&lt;br /&gt;
auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft&lt;br /&gt;
ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben will&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildung für alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, ob das&lt;br /&gt;
gewollt wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Baha&#039;i-Weltzentrum schreibt in der Erklärung&lt;br /&gt;
Ein gemeinsamer Glaube: „Neben der Erleichterung&lt;br /&gt;
des interpersonalen und intersozialen Austausches&lt;br /&gt;
hat der generelle Zugang zu Informationen den&lt;br /&gt;
Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer Elite zugänglich&lt;br /&gt;
zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der Nation, Rasse&lt;br /&gt;
oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die&lt;br /&gt;
globale Vernetzung konserviert, janoch verstärkt,&lt;br /&gt;
kann doch kein informierter Beobachter leugnen,&lt;br /&gt;
dass von diesem Wandel der Impuls ausgeht, über&lt;br /&gt;
das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller&lt;br /&gt;
zu den Quellen der Bildunganstreben und vielleicht&lt;br /&gt;
sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier Zugang für&lt;br /&gt;
alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei&lt;br /&gt;
heißen: frei im Sinne von freiheitlich und frei im&lt;br /&gt;
sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das&lt;br /&gt;
national wie international außerordentlich erfolgreich&lt;br /&gt;
TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA?&lt;br /&gt;
Das KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So&lt;br /&gt;
schreibt die Süddeutsche Zeitung: „.. auf unseren&lt;br /&gt;
inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als&lt;br /&gt;
sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das&lt;br /&gt;
könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten aufder Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um&lt;br /&gt;
Linux, genauer, um die neueste Variante dieses&lt;br /&gt;
Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt&lt;br /&gt;
ubuntu und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der.Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu istein altes afrikanisches Wort&lt;br /&gt;
und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten Sinne,&lt;br /&gt;
Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die&lt;br /&gt;
gesamte Menschheit verbindet. Dieses Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische&lt;br /&gt;
Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er&lt;br /&gt;
oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Baha&#039;i mögen solche Sätze nicht gerade fremd&lt;br /&gt;
klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert&lt;br /&gt;
und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten strikt&lt;br /&gt;
zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme&lt;br /&gt;
seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu&lt;br /&gt;
nutzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hatdas Recht, alle Programme seiner wahl&lt;br /&gt;
beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® leder hat das Recht, Programme seinen&lt;br /&gt;
Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und&lt;br /&gt;
zu verändern und darfdurch nichts daran&lt;br /&gt;
gehindert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr&lt;br /&gt;
Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen&lt;br /&gt;
mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft&lt;br /&gt;
aus Hilfsbereitschaft zu bilden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt&lt;br /&gt;
übersetzt werden, damit jeder es in seiner&lt;br /&gt;
Muttersprache benutzen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit&lt;br /&gt;
und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet&lt;br /&gt;
Dazu weiter unten mehr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE HINTERGRÜNDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant&lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen&lt;br /&gt;
Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt&lt;br /&gt;
ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den welthunger&lt;br /&gt;
stillen,den Kriegabschaffen, Krankheiten ausrotten,&lt;br /&gt;
Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die Bildung sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar&lt;br /&gt;
unabhängig vom gesellschaftlichen Stand - Zugang&lt;br /&gt;
zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir&lt;br /&gt;
dafür aufbringen? Zwei Stunden täglich oder einige&lt;br /&gt;
stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür&lt;br /&gt;
tun? Wie viele Menschen müssen das&#039;wollen‘, bevor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er&lt;br /&gt;
war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten&lt;br /&gt;
Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen Wweltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine&lt;br /&gt;
stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns in ein&lt;br /&gt;
neues Technologiezeitalter bringt und außerdem&lt;br /&gt;
verspricht sie den universellen Zugang zu den Vverkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu&lt;br /&gt;
voran, weil ich dieses Versprechen Realität&lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer SoftwareZweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich&lt;br /&gt;
ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das&lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen&lt;br /&gt;
aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„eircle of friends“ symbolisiert den wesentlichen&lt;br /&gt;
Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der&lt;br /&gt;
Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es&lt;br /&gt;
also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter technischem Wissen stehen, mit Baha’iKonzepten zu verknüpfen? In der Textzusammen&lt;br /&gt;
stellung Die Bewahrung der Erde und ihrer&lt;br /&gt;
Hilfsquellen (5.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte Sätze: „Baha’u’llah entwirft ein Welt&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bild auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und&lt;br /&gt;
Geschlechter der Erde zu dienen«. ’Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
weist aufdie wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der welt .. hin. Er stellt sich vor, dass die&lt;br /&gt;
Entwicklung auf eine geeinte welt hin zunehmen&lt;br /&gt;
und als »Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird.Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die&lt;br /&gt;
Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. »Solange&lt;br /&gt;
jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche Tugenden&lt;br /&gt;
noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht&lt;br /&gt;
und kein Ergebnis; auch bewirken sie nicht der&lt;br /&gt;
Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel&lt;br /&gt;
ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen,&lt;br /&gt;
und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass&lt;br /&gt;
sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren&lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist&lt;br /&gt;
dann neben Toleranz und Idealismus auch der verzicht auf Komfort gefordert. Meist dauertesnicht&lt;br /&gt;
lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu&lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf&lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogrammel Auch die Presse istvoll des Lobes. Dabei stehen&lt;br /&gt;
für die eher technisch orientierte Fachwelt das&lt;br /&gt;
Funktionieren und die Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. Ubuntu ist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die&lt;br /&gt;
Technik mit Mitmenschlichkeit erobert und durch&lt;br /&gt;
Leistung überzeugt zu haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das&lt;br /&gt;
geht völlig gefahrlos über eine sogenannte LiveCD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm&lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach&lt;br /&gt;
Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran&lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben,&lt;br /&gt;
findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch (natürlich) kostenlos im Internet, sondern&lt;br /&gt;
auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntuGemeinde, die über alle Hürden hinweghilft&lt;br /&gt;
Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, wie der Deutschlandfunk seine&lt;br /&gt;
sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt&lt;br /&gt;
noch anzumerken, dass in Mazedonien gerade 5000&lt;br /&gt;
schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei&lt;br /&gt;
Gründen: Es ist kostenlos, es lauft auch auf alten&lt;br /&gt;
Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ubuntu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWWLUBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNE TADRESSE DES VEREINS&lt;br /&gt;
UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP: /ÄNWWE.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCH AAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AU TORS. ÜBER IHN GIBT&lt;br /&gt;
ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl -Tneologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
ehemalskath.Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit. dem Jahr 2000 Bahäi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet heuteals&lt;br /&gt;
Meditationsiehrer&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&lt;br /&gt;
ALLE MENSCHEN SIND SEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÜRGER.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄU’LLÄH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm&lt;br /&gt;
kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte&lt;br /&gt;
aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nureine.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ABDU’L-BAHA, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Mocambique zu integrieren&lt;br /&gt;
bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, Wachsen,&lt;br /&gt;
Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein,&lt;br /&gt;
Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem&lt;br /&gt;
Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem&lt;br /&gt;
Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht&lt;br /&gt;
im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Mocambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Ändersseins zu einer&lt;br /&gt;
Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor&lt;br /&gt;
meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem&lt;br /&gt;
Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts der Unterschiede, aber auch Momente des&lt;br /&gt;
tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren&lt;br /&gt;
lassen, dass diese Partnerschaft die Anstrengungen&lt;br /&gt;
wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der&lt;br /&gt;
Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt&lt;br /&gt;
—- wenn ich mich etwa dazu durchringe, mich genau&lt;br /&gt;
wie meine Mutter um die Änziehsachen meines&lt;br /&gt;
Mannes zu kümmern, ihm das Wasser zum Baden&lt;br /&gt;
zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die&lt;br /&gt;
Wohnung sauber zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines&lt;br /&gt;
solchen Verhaltens für Frauen in Mocambique gar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOCAMBIOUE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Facetten einer Integration in Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch&lt;br /&gt;
darüber beschwert, dass ich ihm die Banane nur in&lt;br /&gt;
der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch&lt;br /&gt;
nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme&lt;br /&gt;
direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann&lt;br /&gt;
einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er besteht&lt;br /&gt;
darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die&lt;br /&gt;
Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, dass&lt;br /&gt;
wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere&lt;br /&gt;
jeweils eigenen Schwächen und Ängste anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in&lt;br /&gt;
Toleranz gegenüber den Grenzen des anderen&lt;br /&gt;
allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte&lt;br /&gt;
zu lösen, anzunähern. Dabei ist es uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere&lt;br /&gt;
Kultur im täglichen Leben kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TANZANIA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(mr&lt;br /&gt;
Wungdeiro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
j&lt;br /&gt;
ENamamöy, Bere gi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
naeh&lt;br /&gt;
22 Nnr zIa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morumbalh, |&lt;br /&gt;
Namacurrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein *» Quelimane&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PX Innapadd YYaromau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sorfLAa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PPChinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp;&lt;br /&gt;
m Dpnoo&lt;br /&gt;
Gaira s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nova Mambone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\inhassöro&lt;br /&gt;
Pina 00 Bazanıo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S Mahpte  lanaules &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps,&lt;br /&gt;
Y INHAMBANE&#039; 330 Sebasso&lt;br /&gt;
&amp;lt; Porta da Bar Faisa&lt;br /&gt;
h YMassinga&lt;br /&gt;
Homoing, Byinhambane&lt;br /&gt;
Panda, os&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„oifharmme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VAR&lt;br /&gt;
Ze MAPUTO&lt;br /&gt;
N, Join vis&lt;br /&gt;
5) en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 5 10 180m&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
UNITED REPUBLIC OF&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fr}&lt;br /&gt;
EKGADO&lt;br /&gt;
Ancuabe „|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ofkontoprez&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gNamuno }&lt;br /&gt;
Te Kamapa OCEAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Momba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HOuissanga&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sPemba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mecubörl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fioaun, NM PULAG&lt;br /&gt;
9&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
amp Ürcoha STR&lt;br /&gt;
Murrüpuia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hama /PMogincual&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„DAngoche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn Aizecne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spsbane&lt;br /&gt;
Svaa da Maganja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natonal capital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Provinciel caprtal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Town, vitage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Airport&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
International boundary&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rovinclal boundary&lt;br /&gt;
Main road&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Railroad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDIAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Kindern = bel unserem Umzug nach&lt;br /&gt;
Mocambique waren sie und Jahre ait-pltzlich&lt;br /&gt;
Inelner anderen Kulturzu leben, Istele ganzeigene Herausforderung. Besonders, wenn se Im Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder EntwickJungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich&lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und dochwegen ihrersoanderen kulturellen Erfahrungen eben&lt;br /&gt;
auchnicht&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die&lt;br /&gt;
unsallen helfen, Menschen In ihrer Abhangigkeit&lt;br /&gt;
von dem Umfeld, indem sie aufwachsen, verstehen&lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, wases wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein soll&lt;br /&gt;
und dass es manchmal eine große Bereicherung&lt;br /&gt;
und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
melnen anderen Brüdern und Schwestern wirklich&lt;br /&gt;
familiär verbunden zu fühlen, Und es ist faszinierend zu erkennen, weich scharfe Beobachtungen&lt;br /&gt;
die eigenen Kinder anstellen -sowohl ananderen&lt;br /&gt;
Menschen als auch an sich selbst- bezüglich der&lt;br /&gt;
hiesigen oder auch der europäischen Kultur und&lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung,&lt;br /&gt;
Schließlich sinddanoch all die Selbsterständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich gar&lt;br /&gt;
nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen:&lt;br /&gt;
ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich bei&lt;br /&gt;
Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; ale Freude, im&lt;br /&gt;
Haus zu sein, wenn es draußen regnet [während&lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass&lt;br /&gt;
Ihre Hütte einstürzt); die Menge an&lt;br /&gt;
Wien über die Natur,dieReligionen,&lt;br /&gt;
die Möglichkeit, Bücher zu lesen und N&lt;br /&gt;
gut gestaltete Lehrbücher zu haben.&lt;br /&gt;
Fürunsals Eltern und spezlellfürmich&lt;br /&gt;
u und Bahaibedeutet dasvor&lt;br /&gt;
allem, die Begrenzthelt des gegenwartigen Entwicklungsstadlums der&lt;br /&gt;
Menschheit sowie dle großen Unter&lt;br /&gt;
schiede in den materiellen Lebens- } W [M&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umständen beider Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, ofteinfach hinzunehmen, nicht schönzureden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration In Mocambique als Frau&lt;br /&gt;
heißt auch Konfrontation mit einem&lt;br /&gt;
Geschlechterverhältnis, das einen&lt;br /&gt;
manchmal erschauern lässt, Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe&lt;br /&gt;
Ich mich mitunter plötzlich hineinversetzt In die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die gewalttätigen Männern&lt;br /&gt;
schutzlos ausgeliefert sind und&lt;br /&gt;
auch nichtaufdie Unter&lt;br /&gt;
der Nachbarn zahlen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stitzung N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die beiderSchwangerenuntersuchung&lt;br /&gt;
feststellen, dass sie HIV-positiv sind und&lt;br /&gt;
daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutteraufdle Strasse geworfen werden selbst dann, wenn siesich nur beilhremeigenen Mann infiziert haben können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil&lt;br /&gt;
erihrdie Schuldanselnerelgenen mislichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- eine Mutter, die WWochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zueiner anderen Frauin&lt;br /&gt;
Ihrer Verzweiflung hre KleinenKinder beider&lt;br /&gt;
Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht&lt;br /&gt;
mehr um die Kinder kümmern kannte - die&lt;br /&gt;
Polizei dann aber nichts anderes tat, als die&lt;br /&gt;
Frau eine Nachteinzusperren, damitsielernt&lt;br /&gt;
dass eine Mutter niemalsihre Kinder ver fassen&lt;br /&gt;
dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die&lt;br /&gt;
von Ihren Männern wegen einer anderen FrauverIassen wurden -eineeigentlichschon ganz normale&lt;br /&gt;
Erscheinung; gleichzeitighaben wires In Mocambique miteiner Gesellschaft zutun, Inder dleMehrhelt der frauen mitIhren Kindern Inwirtschaftlich&lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und&lt;br /&gt;
keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die&lt;br /&gt;
Se selbstanwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sindso umfassend und so allgegennwartig, dass an&lt;br /&gt;
die Lösungder Entwicklungsprobleme&lt;br /&gt;
dieses Landes kaum zu deniken Ist, soJange solcheln Chaosin der Geschlechnm ferbeziehung herrscht. Das Erleben&lt;br /&gt;
MB ieser Geschichten lässt erahnen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en&lt;br /&gt;
land wie Mocambique wird deutlich,&lt;br /&gt;
IR ass ci Beachtung geistiger Prinzipien&lt;br /&gt;
BR schlichtwegüberebensnowenigsein&lt;br /&gt;
Alan. Und dass geistige Prinzipien&lt;br /&gt;
I Hand in Hand gehen sollten mit der&lt;br /&gt;
nateriellen Entwicklung zur Beseiti&lt;br /&gt;
gungvonArmut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahä’i in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahä’i-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Baha’u’llahs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahä’i zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
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Internet:&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Baha’u’llah&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahä (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77460</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-28T11:44:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen Marianne Kretschmerder &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch &lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll. &lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu &lt;br /&gt;
anderen Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, &lt;br /&gt;
es kann Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr &lt;br /&gt;
Kind kümmern, sie können die vielen Anregungen und Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann sich an anderen orientieren, dabei seine eigenen &lt;br /&gt;
Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, &lt;br /&gt;
Möglichkeiten und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere Kinder andere Bedürfnisse und &lt;br /&gt;
Interessen haben, und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht zu kommen. Darüber hinaus &lt;br /&gt;
bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische Früherziehung, Turnen und &lt;br /&gt;
Ausflüge. All das fördert und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem Integrationskindergarten &lt;br /&gt;
gibt es mehr Dynamik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man muss nur genau gucken, &lt;br /&gt;
was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer &lt;br /&gt;
ist als die anderen, wird eben gewartet, und einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird geholfen. &lt;br /&gt;
Für das soziale Verhalten bringt das sehr viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich sind, &lt;br /&gt;
dass jeder Mensch verschieden ist und andere Bedürfnisse hat. Das lernt man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der etwas anders ist, aber trotzdem liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;INTEGRATION IN DER PRAXIS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und &lt;br /&gt;
als erstes lernen Kinder und Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder nehmen naturgemäß &lt;br /&gt;
ihr „anders sein“ als normal an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern brauchen meist &lt;br /&gt;
etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden haben und somit &lt;br /&gt;
sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie schnell eventuelle &lt;br /&gt;
Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf &lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende &lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach &lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen können, &lt;br /&gt;
also in jeder Gruppe. Danach sind sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von &lt;br /&gt;
14.30 Uhr an spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen Kindergarten, und das sind wir auch. Trotzdem gibt es bei &lt;br /&gt;
uns im Interesse der behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder von Vorteil sind. So legen wir Wert auf &lt;br /&gt;
einen klar strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen benötigen diese Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu können. Aber er ist für alle Kinder gut, denn schließlich sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in der Einrichtung. So ist es wichtig, dass sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen überschaubar abwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten &lt;br /&gt;
gemeinsam in der Gruppe ein. Für behinderte Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas, was sie &lt;br /&gt;
noch lernen oder verbessern müssen. Beim gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist auch für alle &lt;br /&gt;
anderen ein wichtiges Miteinander, denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein, die müde machen, oder der Kindergartenalltag &lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf. &lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer &lt;br /&gt;
eine Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann im übrigen schlafen, wenn es das möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. &lt;br /&gt;
Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die Körperpflege. Das Windelnwechseln, Zähneputzen, waschen und der &lt;br /&gt;
Toilettengang macht immer ein Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung &lt;br /&gt;
zur Selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig. Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch gelernt und eingeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen &lt;br /&gt;
sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu gemeinsamem &lt;br /&gt;
Spiel und damit zum Lernen von einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen 15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick &lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel &lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. &lt;br /&gt;
Sie sind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun Stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die positive &lt;br /&gt;
Entwicklung unerlässlich. Für eine gute Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst &lt;br /&gt;
recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. &lt;br /&gt;
Die Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie &lt;br /&gt;
eine „kinderfreie Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den Partner oder die Geschwister &lt;br /&gt;
haben. Für behinderte Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls viele Vorteile. Sie haben &lt;br /&gt;
keine Anfahrtswege und Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste &lt;br /&gt;
ist das gemeinsame Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne Unterschied nehmen an allem teil, &lt;br /&gt;
jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;Es ist normal,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;&#039;verschieden zu sein.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10 Jahre als&lt;br /&gt;
:Kinderkrankenschwester tätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:nach Familienpause&lt;br /&gt;
:Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
:Mutter von 3 Kindern, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
:in einer integrativen&lt;br /&gt;
:Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
:in Hessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}GRENZEN ÜBERWINDEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine&lt;br /&gt;
einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. Er muß sich neu orientieren, neue soziale&lt;br /&gt;
Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt&lt;br /&gt;
nicht immer schnell und reibungslos, vielen fällt es&lt;br /&gt;
schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser&lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich&lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im&lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht&lt;br /&gt;
Angst. Viele Menschen - Einheimische wie Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung&lt;br /&gt;
ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in&lt;br /&gt;
fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise,&lt;br /&gt;
die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort&lt;br /&gt;
bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. Im&lt;br /&gt;
ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit&lt;br /&gt;
und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen&lt;br /&gt;
ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im&lt;br /&gt;
straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt&lt;br /&gt;
es nur zwei Möglichkeiten: Integration oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEG RATIONSVERLÄUFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose&lt;br /&gt;
Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen,&lt;br /&gt;
sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber&lt;br /&gt;
auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. So vielfältig wie die Menschen sind auch&lt;br /&gt;
ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem&lt;br /&gt;
gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer&lt;br /&gt;
guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in eine&lt;br /&gt;
freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet,&lt;br /&gt;
ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste&lt;br /&gt;
schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder&lt;br /&gt;
fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte&lt;br /&gt;
schon Teilerfolge sind in diesem Fall enorm hoch&lt;br /&gt;
zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig,&lt;br /&gt;
häufig begleitet von Depressionen, die durch einen&lt;br /&gt;
unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden&lt;br /&gt;
solche Menschen haben es auf dem Land extrem&lt;br /&gt;
schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen,&lt;br /&gt;
welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen,&lt;br /&gt;
seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das&lt;br /&gt;
Personal dort ist zumeist wenig bis gar nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig&lt;br /&gt;
überfordert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden&lt;br /&gt;
mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei steigt im&lt;br /&gt;
Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins&lt;br /&gt;
Uferlose&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder&lt;br /&gt;
Analphabetinnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur&lt;br /&gt;
eingeschränkt zugänglich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal,&lt;br /&gt;
minimal bezahlt und wird häufig nur über Beziehungen vergeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen meist weder zu Hause noch in der Schule eine&lt;br /&gt;
besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst&lt;br /&gt;
hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell&lt;br /&gt;
Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen ab,&lt;br /&gt;
besonders in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem&lt;br /&gt;
eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer&lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder&lt;br /&gt;
sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften&lt;br /&gt;
außer den christlichen Kirchen, in denen die Betroffenen seelischen Beistand finden könnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ninaaıd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösung: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten&lt;br /&gt;
ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr&lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines&lt;br /&gt;
starken Netzwerks für Migrantinnen. Dieses&lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle&lt;br /&gt;
stellen mit ehrenamtlich Engagierten, Migrantinnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie&lt;br /&gt;
möglich die Belastungen Einzelner. Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösungen und Grenzen aufgespürt. Ein solches&lt;br /&gt;
Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche&lt;br /&gt;
Hilfestellungen und Aufklärung in Krisenzeiten bei&lt;br /&gt;
Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die&lt;br /&gt;
Probleme Zugewanderter sensibilisieren. Gleichrangigsollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und sein Potenzial zu entdecken&lt;br /&gt;
und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu schaffen, sei es im Einzelkontakt&lt;br /&gt;
mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, Aktivitäten und Feiern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ie; schulung ist ein hohes Maß an Intuition&lt;br /&gt;
erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs&lt;br /&gt;
„normal“. Sie müssen lernen, damit richtig&lt;br /&gt;
umzugehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme&lt;br /&gt;
a seelische Belastungen (beispielsweise bei&lt;br /&gt;
rechtlichen Grenzfällen wie drohender&lt;br /&gt;
Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen&lt;br /&gt;
zur eigenen Supervision auswählen, denn&lt;br /&gt;
ein solches Angebot steht meist nicht zur&lt;br /&gt;
Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder&lt;br /&gt;
wollen oder aber sich distanzieren. Die&lt;br /&gt;
„Familie“ bleibt klein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
YA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. Die Bahaschriften ermutigen ausdrücklich dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch&lt;br /&gt;
alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit&lt;br /&gt;
sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket&lt;br /&gt;
allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid.“ v&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder&lt;br /&gt;
sie erschaffen wurde: Als körperliches, gedanklichintellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie&lt;br /&gt;
man selbst. Die bestmögliche Entfaltung dieser&lt;br /&gt;
Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen&lt;br /&gt;
jedes einzelnen Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen&lt;br /&gt;
Augen sehen, nicht mit denen anderer.“ 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung zu&lt;br /&gt;
Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am&lt;br /&gt;
besten die eigenen Vorurteile einfach loslassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie&lt;br /&gt;
sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie&lt;br /&gt;
in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen,&lt;br /&gt;
um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus&lt;br /&gt;
ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei&lt;br /&gt;
sollte man die vielfältigen individuellen, kulturellen&lt;br /&gt;
und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen&lt;br /&gt;
der verschiedensten Weltregionen in seine eigene&lt;br /&gt;
Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und&lt;br /&gt;
Visionen entwickeln und den Partner oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ohne Zweifel verdanken die Völker der welt,&lt;br /&gt;
welcher Rasse oder Religion sie auch angehören,&lt;br /&gt;
ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle&lt;br /&gt;
und sind einem einzigen Gott untertan...“4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten&lt;br /&gt;
nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern&lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont&lt;br /&gt;
und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit erweitern&lt;br /&gt;
Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt&lt;br /&gt;
mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit&lt;br /&gt;
allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich&lt;br /&gt;
eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten,&lt;br /&gt;
sie werden zum Wunsche anderer werden,&lt;br /&gt;
wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen&lt;br /&gt;
erreichen.“5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit&lt;br /&gt;
Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und&lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet&lt;br /&gt;
viele offene Ohren und Türen finden, welche die&lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit&lt;br /&gt;
und Liebe werden den Hass besiegen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über&lt;br /&gt;
gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere Freunde und eine neue „Familie“, sondern man&lt;br /&gt;
wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in&lt;br /&gt;
ungeahntem Maße&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit Migrantinnen sind&lt;br /&gt;
Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur&lt;br /&gt;
der Einheit der Menschheit, der Einheit in all ihrer&lt;br /&gt;
vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den&lt;br /&gt;
Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde&lt;br /&gt;
ist nur ein Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger“7. )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) BaHA’U’LÄH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) BAHA&#039;U’LÄH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
3)’Acpu’ı-BaHA, Das KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, 5.63&lt;br /&gt;
A) BAHK&#039;U&#039;LAH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Apu’ı-BaHA, ANSPRACHEN In Parıs,S.18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) &amp;quot;AspuL-BaHA, 5.0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) BAHK&#039;U’LÄH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 11&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) eV. Ostholstein/&lt;br /&gt;
schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als&lt;br /&gt;
Netzwerk im September 2002. Er wurde im Februar&lt;br /&gt;
2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für&lt;br /&gt;
Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein Ende&lt;br /&gt;
2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen Engagements“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität,&lt;br /&gt;
die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie&lt;br /&gt;
kennenzulernen. Gemeinsam machen wir&lt;br /&gt;
das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert&lt;br /&gt;
in vielfältiger Weise die Begegnung von&lt;br /&gt;
Deutschen und Migrantinnen sowie die&lt;br /&gt;
Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtigsind uns Vernetzung und Kooperation&lt;br /&gt;
mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SIEHE IM INTERNET:&lt;br /&gt;
WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter&lt;br /&gt;
Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand&lt;br /&gt;
in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder&lt;br /&gt;
Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung,&lt;br /&gt;
Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin&lt;br /&gt;
mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser&lt;br /&gt;
Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit.&lt;br /&gt;
Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen&lt;br /&gt;
und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den&lt;br /&gt;
Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie&lt;br /&gt;
Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rüz - Newroz (Neujahrsfeier&lt;br /&gt;
aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahä’i),&lt;br /&gt;
regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
N&lt;br /&gt;
Elke Zastrow&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trer, Tübingen,&lt;br /&gt;
Penang / Malaysia, Kürten (kölner Großraum) und Eutin (sit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magister socrer.in Slavistik, Pädagogikund Geographie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19931997 Vertreterin der BahäfWornens&#039;Society&#039;von Penang Isand/Malaysa,&lt;br /&gt;
u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NOWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
Mitinitiatorin und .Vorsitzende des Fördervereins,&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}/ntegrafion e&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EINE BEGRIFFSKLÄRUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen&lt;br /&gt;
‚Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts und ist bei den&lt;br /&gt;
Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden&lt;br /&gt;
Töchter gehen auf das altsprachliche Gymnasium&lt;br /&gt;
und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in&lt;br /&gt;
flüssiges Feuer verwandeln, wird man daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Antigone M. kommt ausdem Kosovo.Sie kann kaum&lt;br /&gt;
Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die&lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen keine Probleme, sich bestimmte Produkte&lt;br /&gt;
auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen&lt;br /&gt;
zu mogeln. Obwohl beide Frauen Nachbarinnen&lt;br /&gt;
sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa&lt;br /&gt;
an dem oft beschworenen Kopftuch, denn das hat&lt;br /&gt;
‚Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn&lt;br /&gt;
Jahren nach Deutschland kam. Sie kleidet sich&lt;br /&gt;
durchaus westlich elegant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Das WORT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort&lt;br /&gt;
bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration&lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen&lt;br /&gt;
Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. Interessant ist, sich&lt;br /&gt;
das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zur Einheit.“&lt;br /&gt;
“Agu’L-BaHA,ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abkapselung, Abschiebung, Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also&lt;br /&gt;
dagegen ist, dass Menschen ausgegrenzt werden,&lt;br /&gt;
abgeschoben oder verbannt oder auch nur von&lt;br /&gt;
etwas oder jemandem getrennt, der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. INTEGRATION NACH&lt;br /&gt;
SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende&lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder&lt;br /&gt;
einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft&lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation&lt;br /&gt;
verwechselt, was einer völligen Anpassung an ein&lt;br /&gt;
bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr&lt;br /&gt;
handelt es sich hier um einen schöpferischen Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch&lt;br /&gt;
das Einbringen von Werten und der Kultur der&lt;br /&gt;
außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer&lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht&lt;br /&gt;
gab, bei Erhalt der jeweils eigenen Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schulische Integration bezeichnet das Einbinden&lt;br /&gt;
von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte&lt;br /&gt;
haben und sich so weit wie möglich selbst und&lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man&lt;br /&gt;
dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle&lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche lernen&lt;br /&gt;
können. Bei zielgerichteter Integration werden alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa&lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden&lt;br /&gt;
In der zieldifferenten Integration werden die Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst&lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die&lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen&lt;br /&gt;
Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es&lt;br /&gt;
gelingt, die Balance zwischen individuellem Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander&lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen&lt;br /&gt;
können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte&lt;br /&gt;
verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder&lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das istein Zusammenschluss&lt;br /&gt;
zur Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in diesem&lt;br /&gt;
wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und&lt;br /&gt;
vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen sie&lt;br /&gt;
gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Integration besteht aus Regeln und&lt;br /&gt;
Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige Souveränität&lt;br /&gt;
einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben&lt;br /&gt;
solche Integrationsprozesse laufen typischerweise&lt;br /&gt;
in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Es werden innerhalb des Verbunds die zölle&lt;br /&gt;
für bestimmte Güter abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber&lt;br /&gt;
Drittländern beibehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.In einem gemeinsamen Markt werden&lt;br /&gt;
Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden&lt;br /&gt;
einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.In einer politischen Union entsteht eine&lt;br /&gt;
gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung,&lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden&lt;br /&gt;
lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch&lt;br /&gt;
über bestimmte Themen wird erleichtert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen&lt;br /&gt;
‚Aktionen werden überwunden. Das beschränkt&lt;br /&gt;
sich zunächst auf gegenseitige Interessen und&lt;br /&gt;
Themen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegen&lt;br /&gt;
über Dritten wird überlegt und beschlossen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.Normen und Gesetze aus den jeweiligen&lt;br /&gt;
Kulturen, die ein gemeinsames Handeln&lt;br /&gt;
erschweren, werden nach und nach abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln&lt;br /&gt;
und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle&lt;br /&gt;
entstehen lässt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.Es wird eine gemeinsame \Vvertehierarchie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aufgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Es werden Instrumente geschaffen, diese&lt;br /&gt;
Wertehierarchie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen,&lt;br /&gt;
ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre&lt;br /&gt;
Herkunftsidentität aufgegeben hätten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Ein BLICK IN DIE BAHÄI-SCHRIFTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Baha’i-Schriften, und dennoch gibt&lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen&lt;br /&gt;
Baha’u’llahs und ’Abdu’l-Bahas kreisen, wie um die&lt;br /&gt;
Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben gezeigten. Zumindest ist eseinen Versuch wert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine&lt;br /&gt;
ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da&lt;br /&gt;
die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen&lt;br /&gt;
und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und&lt;br /&gt;
Gebräuchen, Geschmack und Temperament,&lt;br /&gt;
Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen&lt;br /&gt;
verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass&lt;br /&gt;
diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind.&lt;br /&gt;
Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem&lt;br /&gt;
Streit zwischen kriegführenden Völkern und&lt;br /&gt;
wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig&lt;br /&gt;
zerstören, Familien ausroften, sich aller Ruhe&lt;br /&gt;
und allen Wohlergehens berauben und in&lt;br /&gt;
Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist&lt;br /&gt;
tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit&lt;br /&gt;
ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen,&lt;br /&gt;
Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und&lt;br /&gt;
Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Erist lobenswert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Appu&#039;L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
n&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann&lt;br /&gt;
richtet euren Blick auf die Einheit.“&lt;br /&gt;
BAHA’U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.„Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in&lt;br /&gt;
strahlender Freude mit allen Völkern und&lt;br /&gt;
Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr&lt;br /&gt;
mit anderen Menschen Einheit und Eintracht&lt;br /&gt;
schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung&lt;br /&gt;
der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der&lt;br /&gt;
Nationen führt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U&#039;LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.,Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der&lt;br /&gt;
Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die&lt;br /&gt;
Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung&lt;br /&gt;
dieser Einheit Ist, dass die Völker der Welt sich&lt;br /&gt;
gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag&lt;br /&gt;
dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die&lt;br /&gt;
schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen&lt;br /&gt;
wesentlichen Bestandteilen die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit in allen Aspekten des Denkens und&lt;br /&gt;
Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung&lt;br /&gt;
der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und&lt;br /&gt;
individuellen Ausdrucks.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U.GoLLMER IN: &amp;quot;ABDU’L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.,Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und&lt;br /&gt;
ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn undehe&lt;br /&gt;
nicht ihre Einheit fest begründet ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;U/LLÄH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7... es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen&lt;br /&gt;
der Welt miteinander in Frieden sein werden.&lt;br /&gt;
Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um&lt;br /&gt;
äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass&lt;br /&gt;
sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie ist!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Apu’L-BaHA, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft&lt;br /&gt;
Ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die&lt;br /&gt;
Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht&lt;br /&gt;
des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt&lt;br /&gt;
derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden&lt;br /&gt;
kann.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Agpu’ı-BaHä, ANSPRACHEN IN PaRıs, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos: M Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie&lt;br /&gt;
sind nicht versehentlich in eine Computerzeitschrift&lt;br /&gt;
geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es&lt;br /&gt;
geht zwar jetzt um Computer, aber es geht dabei&lt;br /&gt;
in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft&lt;br /&gt;
gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch&lt;br /&gt;
einmal explizit formuliert und durch Studien belegt&lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen&lt;br /&gt;
und Migranten in eine Gesellschaft zu integrieren&lt;br /&gt;
oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung&lt;br /&gt;
erhalten. Eine Studie aus der Schweiz zu diesem&lt;br /&gt;
Thema stellt die entscheidenden Fragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \vie kann der Zugang zur Bildung gefördert&lt;br /&gt;
werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche Hindernisse stehen einer Nutzung der&lt;br /&gt;
Bildung im VWvege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriumsin&lt;br /&gt;
Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für künftige&lt;br /&gt;
Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb&lt;br /&gt;
noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk&lt;br /&gt;
auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft&lt;br /&gt;
ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben will&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildung für alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, ob das&lt;br /&gt;
gewollt wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Baha&#039;i-Weltzentrum schreibt in der Erklärung&lt;br /&gt;
Ein gemeinsamer Glaube: „Neben der Erleichterung&lt;br /&gt;
des interpersonalen und intersozialen Austausches&lt;br /&gt;
hat der generelle Zugang zu Informationen den&lt;br /&gt;
Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer Elite zugänglich&lt;br /&gt;
zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der Nation, Rasse&lt;br /&gt;
oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die&lt;br /&gt;
globale Vernetzung konserviert, janoch verstärkt,&lt;br /&gt;
kann doch kein informierter Beobachter leugnen,&lt;br /&gt;
dass von diesem Wandel der Impuls ausgeht, über&lt;br /&gt;
das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller&lt;br /&gt;
zu den Quellen der Bildunganstreben und vielleicht&lt;br /&gt;
sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier Zugang für&lt;br /&gt;
alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei&lt;br /&gt;
heißen: frei im Sinne von freiheitlich und frei im&lt;br /&gt;
sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das&lt;br /&gt;
national wie international außerordentlich erfolgreich&lt;br /&gt;
TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA?&lt;br /&gt;
Das KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So&lt;br /&gt;
schreibt die Süddeutsche Zeitung: „.. auf unseren&lt;br /&gt;
inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als&lt;br /&gt;
sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das&lt;br /&gt;
könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten aufder Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um&lt;br /&gt;
Linux, genauer, um die neueste Variante dieses&lt;br /&gt;
Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt&lt;br /&gt;
ubuntu und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der.Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu istein altes afrikanisches Wort&lt;br /&gt;
und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten Sinne,&lt;br /&gt;
Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die&lt;br /&gt;
gesamte Menschheit verbindet. Dieses Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische&lt;br /&gt;
Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er&lt;br /&gt;
oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Baha&#039;i mögen solche Sätze nicht gerade fremd&lt;br /&gt;
klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert&lt;br /&gt;
und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten strikt&lt;br /&gt;
zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme&lt;br /&gt;
seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu&lt;br /&gt;
nutzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hatdas Recht, alle Programme seiner wahl&lt;br /&gt;
beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® leder hat das Recht, Programme seinen&lt;br /&gt;
Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und&lt;br /&gt;
zu verändern und darfdurch nichts daran&lt;br /&gt;
gehindert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr&lt;br /&gt;
Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen&lt;br /&gt;
mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft&lt;br /&gt;
aus Hilfsbereitschaft zu bilden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt&lt;br /&gt;
übersetzt werden, damit jeder es in seiner&lt;br /&gt;
Muttersprache benutzen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit&lt;br /&gt;
und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet&lt;br /&gt;
Dazu weiter unten mehr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE HINTERGRÜNDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant&lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen&lt;br /&gt;
Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt&lt;br /&gt;
ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den welthunger&lt;br /&gt;
stillen,den Kriegabschaffen, Krankheiten ausrotten,&lt;br /&gt;
Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die Bildung sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar&lt;br /&gt;
unabhängig vom gesellschaftlichen Stand - Zugang&lt;br /&gt;
zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir&lt;br /&gt;
dafür aufbringen? Zwei Stunden täglich oder einige&lt;br /&gt;
stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür&lt;br /&gt;
tun? Wie viele Menschen müssen das&#039;wollen‘, bevor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er&lt;br /&gt;
war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten&lt;br /&gt;
Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen Wweltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine&lt;br /&gt;
stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns in ein&lt;br /&gt;
neues Technologiezeitalter bringt und außerdem&lt;br /&gt;
verspricht sie den universellen Zugang zu den Vverkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu&lt;br /&gt;
voran, weil ich dieses Versprechen Realität&lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer SoftwareZweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich&lt;br /&gt;
ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das&lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen&lt;br /&gt;
aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„eircle of friends“ symbolisiert den wesentlichen&lt;br /&gt;
Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der&lt;br /&gt;
Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es&lt;br /&gt;
also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter technischem Wissen stehen, mit Baha’iKonzepten zu verknüpfen? In der Textzusammen&lt;br /&gt;
stellung Die Bewahrung der Erde und ihrer&lt;br /&gt;
Hilfsquellen (5.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte Sätze: „Baha’u’llah entwirft ein Welt&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bild auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und&lt;br /&gt;
Geschlechter der Erde zu dienen«. ’Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
weist aufdie wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der welt .. hin. Er stellt sich vor, dass die&lt;br /&gt;
Entwicklung auf eine geeinte welt hin zunehmen&lt;br /&gt;
und als »Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird.Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die&lt;br /&gt;
Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. »Solange&lt;br /&gt;
jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche Tugenden&lt;br /&gt;
noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht&lt;br /&gt;
und kein Ergebnis; auch bewirken sie nicht der&lt;br /&gt;
Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel&lt;br /&gt;
ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen,&lt;br /&gt;
und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass&lt;br /&gt;
sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren&lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist&lt;br /&gt;
dann neben Toleranz und Idealismus auch der verzicht auf Komfort gefordert. Meist dauertesnicht&lt;br /&gt;
lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu&lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf&lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogrammel Auch die Presse istvoll des Lobes. Dabei stehen&lt;br /&gt;
für die eher technisch orientierte Fachwelt das&lt;br /&gt;
Funktionieren und die Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. Ubuntu ist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die&lt;br /&gt;
Technik mit Mitmenschlichkeit erobert und durch&lt;br /&gt;
Leistung überzeugt zu haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das&lt;br /&gt;
geht völlig gefahrlos über eine sogenannte LiveCD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm&lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach&lt;br /&gt;
Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran&lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben,&lt;br /&gt;
findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch (natürlich) kostenlos im Internet, sondern&lt;br /&gt;
auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntuGemeinde, die über alle Hürden hinweghilft&lt;br /&gt;
Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, wie der Deutschlandfunk seine&lt;br /&gt;
sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt&lt;br /&gt;
noch anzumerken, dass in Mazedonien gerade 5000&lt;br /&gt;
schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei&lt;br /&gt;
Gründen: Es ist kostenlos, es lauft auch auf alten&lt;br /&gt;
Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ubuntu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWWLUBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNE TADRESSE DES VEREINS&lt;br /&gt;
UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP: /ÄNWWE.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCH AAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AU TORS. ÜBER IHN GIBT&lt;br /&gt;
ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl -Tneologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
ehemalskath.Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit. dem Jahr 2000 Bahäi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet heuteals&lt;br /&gt;
Meditationsiehrer&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&lt;br /&gt;
ALLE MENSCHEN SIND SEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÜRGER.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄU’LLÄH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm&lt;br /&gt;
kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte&lt;br /&gt;
aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nureine.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ABDU’L-BAHA, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Mocambique zu integrieren&lt;br /&gt;
bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, Wachsen,&lt;br /&gt;
Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein,&lt;br /&gt;
Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem&lt;br /&gt;
Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem&lt;br /&gt;
Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht&lt;br /&gt;
im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Mocambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Ändersseins zu einer&lt;br /&gt;
Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor&lt;br /&gt;
meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem&lt;br /&gt;
Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts der Unterschiede, aber auch Momente des&lt;br /&gt;
tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren&lt;br /&gt;
lassen, dass diese Partnerschaft die Anstrengungen&lt;br /&gt;
wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der&lt;br /&gt;
Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt&lt;br /&gt;
—- wenn ich mich etwa dazu durchringe, mich genau&lt;br /&gt;
wie meine Mutter um die Änziehsachen meines&lt;br /&gt;
Mannes zu kümmern, ihm das Wasser zum Baden&lt;br /&gt;
zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die&lt;br /&gt;
Wohnung sauber zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines&lt;br /&gt;
solchen Verhaltens für Frauen in Mocambique gar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOCAMBIOUE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Facetten einer Integration in Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch&lt;br /&gt;
darüber beschwert, dass ich ihm die Banane nur in&lt;br /&gt;
der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch&lt;br /&gt;
nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme&lt;br /&gt;
direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann&lt;br /&gt;
einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er besteht&lt;br /&gt;
darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die&lt;br /&gt;
Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, dass&lt;br /&gt;
wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere&lt;br /&gt;
jeweils eigenen Schwächen und Ängste anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in&lt;br /&gt;
Toleranz gegenüber den Grenzen des anderen&lt;br /&gt;
allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte&lt;br /&gt;
zu lösen, anzunähern. Dabei ist es uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere&lt;br /&gt;
Kultur im täglichen Leben kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TANZANIA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(mr&lt;br /&gt;
Wungdeiro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
j&lt;br /&gt;
ENamamöy, Bere gi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
naeh&lt;br /&gt;
22 Nnr zIa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morumbalh, |&lt;br /&gt;
Namacurrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein *» Quelimane&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PX Innapadd YYaromau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sorfLAa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PPChinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp;&lt;br /&gt;
m Dpnoo&lt;br /&gt;
Gaira s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nova Mambone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\inhassöro&lt;br /&gt;
Pina 00 Bazanıo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S Mahpte  lanaules &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps,&lt;br /&gt;
Y INHAMBANE&#039; 330 Sebasso&lt;br /&gt;
&amp;lt; Porta da Bar Faisa&lt;br /&gt;
h YMassinga&lt;br /&gt;
Homoing, Byinhambane&lt;br /&gt;
Panda, os&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„oifharmme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VAR&lt;br /&gt;
Ze MAPUTO&lt;br /&gt;
N, Join vis&lt;br /&gt;
5) en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 5 10 180m&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
UNITED REPUBLIC OF&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fr}&lt;br /&gt;
EKGADO&lt;br /&gt;
Ancuabe „|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ofkontoprez&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gNamuno }&lt;br /&gt;
Te Kamapa OCEAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Momba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HOuissanga&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sPemba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mecubörl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fioaun, NM PULAG&lt;br /&gt;
9&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
amp Ürcoha STR&lt;br /&gt;
Murrüpuia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hama /PMogincual&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„DAngoche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn Aizecne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spsbane&lt;br /&gt;
Svaa da Maganja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natonal capital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Provinciel caprtal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Town, vitage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Airport&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
International boundary&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rovinclal boundary&lt;br /&gt;
Main road&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Railroad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDIAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Kindern = bel unserem Umzug nach&lt;br /&gt;
Mocambique waren sie und Jahre ait-pltzlich&lt;br /&gt;
Inelner anderen Kulturzu leben, Istele ganzeigene Herausforderung. Besonders, wenn se Im Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder EntwickJungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich&lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und dochwegen ihrersoanderen kulturellen Erfahrungen eben&lt;br /&gt;
auchnicht&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die&lt;br /&gt;
unsallen helfen, Menschen In ihrer Abhangigkeit&lt;br /&gt;
von dem Umfeld, indem sie aufwachsen, verstehen&lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, wases wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein soll&lt;br /&gt;
und dass es manchmal eine große Bereicherung&lt;br /&gt;
und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
melnen anderen Brüdern und Schwestern wirklich&lt;br /&gt;
familiär verbunden zu fühlen, Und es ist faszinierend zu erkennen, weich scharfe Beobachtungen&lt;br /&gt;
die eigenen Kinder anstellen -sowohl ananderen&lt;br /&gt;
Menschen als auch an sich selbst- bezüglich der&lt;br /&gt;
hiesigen oder auch der europäischen Kultur und&lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung,&lt;br /&gt;
Schließlich sinddanoch all die Selbsterständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich gar&lt;br /&gt;
nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen:&lt;br /&gt;
ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich bei&lt;br /&gt;
Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; ale Freude, im&lt;br /&gt;
Haus zu sein, wenn es draußen regnet [während&lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass&lt;br /&gt;
Ihre Hütte einstürzt); die Menge an&lt;br /&gt;
Wien über die Natur,dieReligionen,&lt;br /&gt;
die Möglichkeit, Bücher zu lesen und N&lt;br /&gt;
gut gestaltete Lehrbücher zu haben.&lt;br /&gt;
Fürunsals Eltern und spezlellfürmich&lt;br /&gt;
u und Bahaibedeutet dasvor&lt;br /&gt;
allem, die Begrenzthelt des gegenwartigen Entwicklungsstadlums der&lt;br /&gt;
Menschheit sowie dle großen Unter&lt;br /&gt;
schiede in den materiellen Lebens- } W [M&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umständen beider Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, ofteinfach hinzunehmen, nicht schönzureden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration In Mocambique als Frau&lt;br /&gt;
heißt auch Konfrontation mit einem&lt;br /&gt;
Geschlechterverhältnis, das einen&lt;br /&gt;
manchmal erschauern lässt, Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe&lt;br /&gt;
Ich mich mitunter plötzlich hineinversetzt In die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die gewalttätigen Männern&lt;br /&gt;
schutzlos ausgeliefert sind und&lt;br /&gt;
auch nichtaufdie Unter&lt;br /&gt;
der Nachbarn zahlen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stitzung N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die beiderSchwangerenuntersuchung&lt;br /&gt;
feststellen, dass sie HIV-positiv sind und&lt;br /&gt;
daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutteraufdle Strasse geworfen werden selbst dann, wenn siesich nur beilhremeigenen Mann infiziert haben können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil&lt;br /&gt;
erihrdie Schuldanselnerelgenen mislichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- eine Mutter, die WWochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zueiner anderen Frauin&lt;br /&gt;
Ihrer Verzweiflung hre KleinenKinder beider&lt;br /&gt;
Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht&lt;br /&gt;
mehr um die Kinder kümmern kannte - die&lt;br /&gt;
Polizei dann aber nichts anderes tat, als die&lt;br /&gt;
Frau eine Nachteinzusperren, damitsielernt&lt;br /&gt;
dass eine Mutter niemalsihre Kinder ver fassen&lt;br /&gt;
dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die&lt;br /&gt;
von Ihren Männern wegen einer anderen FrauverIassen wurden -eineeigentlichschon ganz normale&lt;br /&gt;
Erscheinung; gleichzeitighaben wires In Mocambique miteiner Gesellschaft zutun, Inder dleMehrhelt der frauen mitIhren Kindern Inwirtschaftlich&lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und&lt;br /&gt;
keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die&lt;br /&gt;
Se selbstanwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sindso umfassend und so allgegennwartig, dass an&lt;br /&gt;
die Lösungder Entwicklungsprobleme&lt;br /&gt;
dieses Landes kaum zu deniken Ist, soJange solcheln Chaosin der Geschlechnm ferbeziehung herrscht. Das Erleben&lt;br /&gt;
MB ieser Geschichten lässt erahnen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en&lt;br /&gt;
land wie Mocambique wird deutlich,&lt;br /&gt;
IR ass ci Beachtung geistiger Prinzipien&lt;br /&gt;
BR schlichtwegüberebensnowenigsein&lt;br /&gt;
Alan. Und dass geistige Prinzipien&lt;br /&gt;
I Hand in Hand gehen sollten mit der&lt;br /&gt;
nateriellen Entwicklung zur Beseiti&lt;br /&gt;
gungvonArmut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahä’i in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahä’i-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Baha’u’llahs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahä’i zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
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© Bahä’i-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Baha’u’llah&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahä (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77459</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-28T06:54:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen der &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den&lt;br /&gt;
Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch&lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll.&lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie&lt;br /&gt;
und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu anderen&lt;br /&gt;
Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten&lt;br /&gt;
hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, es kann&lt;br /&gt;
Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr Kind&lt;br /&gt;
kümmern, sie können die vielen Anregungen und&lt;br /&gt;
Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 U 7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mn&lt;br /&gt;
fröhlich - traurig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann ssich an&lt;br /&gt;
anderen orientieren, dabei seine eigenen Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, Möglichkeiten&lt;br /&gt;
und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere&lt;br /&gt;
Kinder andere Bedürfnisse und Interessen haben,&lt;br /&gt;
und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht&lt;br /&gt;
zu kommen. Darüber hinaus bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische&lt;br /&gt;
Früherziehung, Turnen und Ausflüge. All das fördert&lt;br /&gt;
und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem&lt;br /&gt;
Integrationskindergarten gibt es mehr Dynamik&lt;br /&gt;
und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man&lt;br /&gt;
muss nur genau gucken, was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und&lt;br /&gt;
lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer ist als die anderen, wird eben gewartet, und&lt;br /&gt;
einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird&lt;br /&gt;
geholfen. Für das soziale Verhalten bringt das sehr&lt;br /&gt;
viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich&lt;br /&gt;
sind, dass jeder Mensch ver&lt;br /&gt;
schieden ist und andere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedürfnisse hat. Das lernt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der et&lt;br /&gt;
was anders ist, aber trotzdem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION IN DER PRAXIS dick ii dü nn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und als erstes lernen Kinder und&lt;br /&gt;
Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder&lt;br /&gt;
nehmen naturgemäß ihr „anders sein“ als normal&lt;br /&gt;
an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern&lt;br /&gt;
brauchen meist etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden&lt;br /&gt;
haben und somit sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie&lt;br /&gt;
schnell eventuelle Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative&lt;br /&gt;
Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf&lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30&lt;br /&gt;
Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende&lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach&lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die&lt;br /&gt;
Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen&lt;br /&gt;
können, also in jeder Gruppe. Danach sind&lt;br /&gt;
sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von 14.30 Uhr an&lt;br /&gt;
spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen&lt;br /&gt;
Kindergarten, und das sind wir auch.&lt;br /&gt;
Trotzdem gibt es bei uns im Interesse der&lt;br /&gt;
behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}DI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwarz - weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder&lt;br /&gt;
von Vorteil sind. So legen wir Wert auf einen klar&lt;br /&gt;
strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen&lt;br /&gt;
benötigen diese&lt;br /&gt;
Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu&lt;br /&gt;
können. Aber er ist&lt;br /&gt;
für alle Kinder gut,&lt;br /&gt;
denn schließlich&lt;br /&gt;
sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in&lt;br /&gt;
der Einrichtung.So&lt;br /&gt;
istes wichtig, dass&lt;br /&gt;
sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen&lt;br /&gt;
überschaubar abwechseln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind&lt;br /&gt;
zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten gemeinsam in der Gruppeein. Für behinderte&lt;br /&gt;
Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas,&lt;br /&gt;
was sie noch lernen oder verbessern müssen. Beim&lt;br /&gt;
gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist&lt;br /&gt;
auch für alle anderen ein wichtiges Miteinander,&lt;br /&gt;
denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein,&lt;br /&gt;
die müde machen, oder der Kindergartenalltag&lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam&lt;br /&gt;
mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf.&lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer eine&lt;br /&gt;
Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann&lt;br /&gt;
im übrigen schlafen, wenn es das möchte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder&lt;br /&gt;
gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die&lt;br /&gt;
Körperpflege.Das Windelnwechseln, Zähneputzen,&lt;br /&gt;
waschen und der Toilettengang macht immer ein&lt;br /&gt;
Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung zur&lt;br /&gt;
selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig&lt;br /&gt;
Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch&lt;br /&gt;
gelernt und eingeübt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei&lt;br /&gt;
Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen&lt;br /&gt;
damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu&lt;br /&gt;
gemeinsamem Spiel und damit zum Lernen von&lt;br /&gt;
einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen&lt;br /&gt;
15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick&lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen&lt;br /&gt;
behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel&lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit&lt;br /&gt;
festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. Siesind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun&lt;br /&gt;
stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die&lt;br /&gt;
positive Entwicklung unerlässlich. Für eine gute&lt;br /&gt;
Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern&lt;br /&gt;
enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein&lt;br /&gt;
bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. Die&lt;br /&gt;
Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie eine „kinderfreie&lt;br /&gt;
Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den&lt;br /&gt;
Partner oder die Geschwister haben. Für behinderte&lt;br /&gt;
Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls&lt;br /&gt;
viele Vorteile. Sie haben keine Anfahrtswege und&lt;br /&gt;
Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste ist das gemeinsame&lt;br /&gt;
Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne&lt;br /&gt;
Unterschied nehmen an allem teil, jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist normal,&lt;br /&gt;
verschieden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A 17&lt;br /&gt;
lang - kurz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Jahreals&lt;br /&gt;
Kinderkrankenschwestertätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach Familienpause&lt;br /&gt;
Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
Mutter vo 3Kindem, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ineiner integraten&lt;br /&gt;
Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Hessen&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}GRENZEN ÜBERWINDEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine&lt;br /&gt;
einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. Er muß sich neu orientieren, neue soziale&lt;br /&gt;
Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt&lt;br /&gt;
nicht immer schnell und reibungslos, vielen fällt es&lt;br /&gt;
schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser&lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich&lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im&lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht&lt;br /&gt;
Angst. Viele Menschen - Einheimische wie Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung&lt;br /&gt;
ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in&lt;br /&gt;
fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise,&lt;br /&gt;
die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort&lt;br /&gt;
bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. Im&lt;br /&gt;
ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit&lt;br /&gt;
und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen&lt;br /&gt;
ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im&lt;br /&gt;
straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt&lt;br /&gt;
es nur zwei Möglichkeiten: Integration oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEG RATIONSVERLÄUFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose&lt;br /&gt;
Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen,&lt;br /&gt;
sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber&lt;br /&gt;
auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. So vielfältig wie die Menschen sind auch&lt;br /&gt;
ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem&lt;br /&gt;
gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer&lt;br /&gt;
guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in eine&lt;br /&gt;
freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet,&lt;br /&gt;
ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste&lt;br /&gt;
schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder&lt;br /&gt;
fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte&lt;br /&gt;
schon Teilerfolge sind in diesem Fall enorm hoch&lt;br /&gt;
zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig,&lt;br /&gt;
häufig begleitet von Depressionen, die durch einen&lt;br /&gt;
unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden&lt;br /&gt;
solche Menschen haben es auf dem Land extrem&lt;br /&gt;
schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen,&lt;br /&gt;
welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen,&lt;br /&gt;
seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das&lt;br /&gt;
Personal dort ist zumeist wenig bis gar nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig&lt;br /&gt;
überfordert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden&lt;br /&gt;
mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei steigt im&lt;br /&gt;
Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins&lt;br /&gt;
Uferlose&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder&lt;br /&gt;
Analphabetinnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur&lt;br /&gt;
eingeschränkt zugänglich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal,&lt;br /&gt;
minimal bezahlt und wird häufig nur über Beziehungen vergeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen meist weder zu Hause noch in der Schule eine&lt;br /&gt;
besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst&lt;br /&gt;
hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell&lt;br /&gt;
Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen ab,&lt;br /&gt;
besonders in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem&lt;br /&gt;
eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer&lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder&lt;br /&gt;
sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften&lt;br /&gt;
außer den christlichen Kirchen, in denen die Betroffenen seelischen Beistand finden könnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ninaaıd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösung: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten&lt;br /&gt;
ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr&lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines&lt;br /&gt;
starken Netzwerks für Migrantinnen. Dieses&lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle&lt;br /&gt;
stellen mit ehrenamtlich Engagierten, Migrantinnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie&lt;br /&gt;
möglich die Belastungen Einzelner. Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösungen und Grenzen aufgespürt. Ein solches&lt;br /&gt;
Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche&lt;br /&gt;
Hilfestellungen und Aufklärung in Krisenzeiten bei&lt;br /&gt;
Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die&lt;br /&gt;
Probleme Zugewanderter sensibilisieren. Gleichrangigsollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und sein Potenzial zu entdecken&lt;br /&gt;
und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu schaffen, sei es im Einzelkontakt&lt;br /&gt;
mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, Aktivitäten und Feiern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ie; schulung ist ein hohes Maß an Intuition&lt;br /&gt;
erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs&lt;br /&gt;
„normal“. Sie müssen lernen, damit richtig&lt;br /&gt;
umzugehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme&lt;br /&gt;
a seelische Belastungen (beispielsweise bei&lt;br /&gt;
rechtlichen Grenzfällen wie drohender&lt;br /&gt;
Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen&lt;br /&gt;
zur eigenen Supervision auswählen, denn&lt;br /&gt;
ein solches Angebot steht meist nicht zur&lt;br /&gt;
Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder&lt;br /&gt;
wollen oder aber sich distanzieren. Die&lt;br /&gt;
„Familie“ bleibt klein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
YA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. Die Bahaschriften ermutigen ausdrücklich dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch&lt;br /&gt;
alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit&lt;br /&gt;
sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket&lt;br /&gt;
allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid.“ v&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder&lt;br /&gt;
sie erschaffen wurde: Als körperliches, gedanklichintellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie&lt;br /&gt;
man selbst. Die bestmögliche Entfaltung dieser&lt;br /&gt;
Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen&lt;br /&gt;
jedes einzelnen Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen&lt;br /&gt;
Augen sehen, nicht mit denen anderer.“ 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung zu&lt;br /&gt;
Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am&lt;br /&gt;
besten die eigenen Vorurteile einfach loslassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie&lt;br /&gt;
sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie&lt;br /&gt;
in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen,&lt;br /&gt;
um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus&lt;br /&gt;
ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei&lt;br /&gt;
sollte man die vielfältigen individuellen, kulturellen&lt;br /&gt;
und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen&lt;br /&gt;
der verschiedensten Weltregionen in seine eigene&lt;br /&gt;
Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und&lt;br /&gt;
Visionen entwickeln und den Partner oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ohne Zweifel verdanken die Völker der welt,&lt;br /&gt;
welcher Rasse oder Religion sie auch angehören,&lt;br /&gt;
ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle&lt;br /&gt;
und sind einem einzigen Gott untertan...“4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten&lt;br /&gt;
nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern&lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont&lt;br /&gt;
und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit erweitern&lt;br /&gt;
Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt&lt;br /&gt;
mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit&lt;br /&gt;
allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich&lt;br /&gt;
eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten,&lt;br /&gt;
sie werden zum Wunsche anderer werden,&lt;br /&gt;
wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen&lt;br /&gt;
erreichen.“5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit&lt;br /&gt;
Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und&lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet&lt;br /&gt;
viele offene Ohren und Türen finden, welche die&lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit&lt;br /&gt;
und Liebe werden den Hass besiegen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über&lt;br /&gt;
gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere Freunde und eine neue „Familie“, sondern man&lt;br /&gt;
wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in&lt;br /&gt;
ungeahntem Maße&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit Migrantinnen sind&lt;br /&gt;
Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur&lt;br /&gt;
der Einheit der Menschheit, der Einheit in all ihrer&lt;br /&gt;
vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den&lt;br /&gt;
Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde&lt;br /&gt;
ist nur ein Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger“7. )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) BaHA’U’LÄH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) BAHA&#039;U’LÄH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
3)’Acpu’ı-BaHA, Das KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, 5.63&lt;br /&gt;
A) BAHK&#039;U&#039;LAH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Apu’ı-BaHA, ANSPRACHEN In Parıs,S.18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) &amp;quot;AspuL-BaHA, 5.0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) BAHK&#039;U’LÄH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 11&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) eV. Ostholstein/&lt;br /&gt;
schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als&lt;br /&gt;
Netzwerk im September 2002. Er wurde im Februar&lt;br /&gt;
2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für&lt;br /&gt;
Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein Ende&lt;br /&gt;
2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen Engagements“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität,&lt;br /&gt;
die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie&lt;br /&gt;
kennenzulernen. Gemeinsam machen wir&lt;br /&gt;
das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert&lt;br /&gt;
in vielfältiger Weise die Begegnung von&lt;br /&gt;
Deutschen und Migrantinnen sowie die&lt;br /&gt;
Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtigsind uns Vernetzung und Kooperation&lt;br /&gt;
mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SIEHE IM INTERNET:&lt;br /&gt;
WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter&lt;br /&gt;
Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand&lt;br /&gt;
in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder&lt;br /&gt;
Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung,&lt;br /&gt;
Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin&lt;br /&gt;
mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser&lt;br /&gt;
Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit.&lt;br /&gt;
Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen&lt;br /&gt;
und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den&lt;br /&gt;
Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie&lt;br /&gt;
Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rüz - Newroz (Neujahrsfeier&lt;br /&gt;
aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahä’i),&lt;br /&gt;
regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
N&lt;br /&gt;
Elke Zastrow&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trer, Tübingen,&lt;br /&gt;
Penang / Malaysia, Kürten (kölner Großraum) und Eutin (sit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magister socrer.in Slavistik, Pädagogikund Geographie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19931997 Vertreterin der BahäfWornens&#039;Society&#039;von Penang Isand/Malaysa,&lt;br /&gt;
u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NOWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
Mitinitiatorin und .Vorsitzende des Fördervereins,&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}/ntegrafion e&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EINE BEGRIFFSKLÄRUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen&lt;br /&gt;
‚Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts und ist bei den&lt;br /&gt;
Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden&lt;br /&gt;
Töchter gehen auf das altsprachliche Gymnasium&lt;br /&gt;
und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in&lt;br /&gt;
flüssiges Feuer verwandeln, wird man daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Antigone M. kommt ausdem Kosovo.Sie kann kaum&lt;br /&gt;
Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die&lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen keine Probleme, sich bestimmte Produkte&lt;br /&gt;
auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen&lt;br /&gt;
zu mogeln. Obwohl beide Frauen Nachbarinnen&lt;br /&gt;
sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa&lt;br /&gt;
an dem oft beschworenen Kopftuch, denn das hat&lt;br /&gt;
‚Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn&lt;br /&gt;
Jahren nach Deutschland kam. Sie kleidet sich&lt;br /&gt;
durchaus westlich elegant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Das WORT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort&lt;br /&gt;
bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration&lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen&lt;br /&gt;
Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. Interessant ist, sich&lt;br /&gt;
das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zur Einheit.“&lt;br /&gt;
“Agu’L-BaHA,ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abkapselung, Abschiebung, Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also&lt;br /&gt;
dagegen ist, dass Menschen ausgegrenzt werden,&lt;br /&gt;
abgeschoben oder verbannt oder auch nur von&lt;br /&gt;
etwas oder jemandem getrennt, der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. INTEGRATION NACH&lt;br /&gt;
SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende&lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder&lt;br /&gt;
einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft&lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation&lt;br /&gt;
verwechselt, was einer völligen Anpassung an ein&lt;br /&gt;
bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr&lt;br /&gt;
handelt es sich hier um einen schöpferischen Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch&lt;br /&gt;
das Einbringen von Werten und der Kultur der&lt;br /&gt;
außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer&lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht&lt;br /&gt;
gab, bei Erhalt der jeweils eigenen Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schulische Integration bezeichnet das Einbinden&lt;br /&gt;
von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte&lt;br /&gt;
haben und sich so weit wie möglich selbst und&lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man&lt;br /&gt;
dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle&lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche lernen&lt;br /&gt;
können. Bei zielgerichteter Integration werden alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa&lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden&lt;br /&gt;
In der zieldifferenten Integration werden die Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst&lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die&lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen&lt;br /&gt;
Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es&lt;br /&gt;
gelingt, die Balance zwischen individuellem Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander&lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen&lt;br /&gt;
können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte&lt;br /&gt;
verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder&lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das istein Zusammenschluss&lt;br /&gt;
zur Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in diesem&lt;br /&gt;
wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und&lt;br /&gt;
vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen sie&lt;br /&gt;
gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Integration besteht aus Regeln und&lt;br /&gt;
Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige Souveränität&lt;br /&gt;
einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben&lt;br /&gt;
solche Integrationsprozesse laufen typischerweise&lt;br /&gt;
in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Es werden innerhalb des Verbunds die zölle&lt;br /&gt;
für bestimmte Güter abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber&lt;br /&gt;
Drittländern beibehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.In einem gemeinsamen Markt werden&lt;br /&gt;
Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden&lt;br /&gt;
einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.In einer politischen Union entsteht eine&lt;br /&gt;
gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung,&lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden&lt;br /&gt;
lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch&lt;br /&gt;
über bestimmte Themen wird erleichtert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen&lt;br /&gt;
‚Aktionen werden überwunden. Das beschränkt&lt;br /&gt;
sich zunächst auf gegenseitige Interessen und&lt;br /&gt;
Themen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegen&lt;br /&gt;
über Dritten wird überlegt und beschlossen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.Normen und Gesetze aus den jeweiligen&lt;br /&gt;
Kulturen, die ein gemeinsames Handeln&lt;br /&gt;
erschweren, werden nach und nach abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln&lt;br /&gt;
und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle&lt;br /&gt;
entstehen lässt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.Es wird eine gemeinsame \Vvertehierarchie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aufgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Es werden Instrumente geschaffen, diese&lt;br /&gt;
Wertehierarchie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen,&lt;br /&gt;
ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre&lt;br /&gt;
Herkunftsidentität aufgegeben hätten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Ein BLICK IN DIE BAHÄI-SCHRIFTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Baha’i-Schriften, und dennoch gibt&lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen&lt;br /&gt;
Baha’u’llahs und ’Abdu’l-Bahas kreisen, wie um die&lt;br /&gt;
Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben gezeigten. Zumindest ist eseinen Versuch wert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine&lt;br /&gt;
ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da&lt;br /&gt;
die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen&lt;br /&gt;
und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und&lt;br /&gt;
Gebräuchen, Geschmack und Temperament,&lt;br /&gt;
Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen&lt;br /&gt;
verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass&lt;br /&gt;
diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind.&lt;br /&gt;
Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem&lt;br /&gt;
Streit zwischen kriegführenden Völkern und&lt;br /&gt;
wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig&lt;br /&gt;
zerstören, Familien ausroften, sich aller Ruhe&lt;br /&gt;
und allen Wohlergehens berauben und in&lt;br /&gt;
Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist&lt;br /&gt;
tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit&lt;br /&gt;
ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen,&lt;br /&gt;
Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und&lt;br /&gt;
Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Erist lobenswert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Appu&#039;L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
n&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann&lt;br /&gt;
richtet euren Blick auf die Einheit.“&lt;br /&gt;
BAHA’U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.„Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in&lt;br /&gt;
strahlender Freude mit allen Völkern und&lt;br /&gt;
Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr&lt;br /&gt;
mit anderen Menschen Einheit und Eintracht&lt;br /&gt;
schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung&lt;br /&gt;
der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der&lt;br /&gt;
Nationen führt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U&#039;LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.,Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der&lt;br /&gt;
Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die&lt;br /&gt;
Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung&lt;br /&gt;
dieser Einheit Ist, dass die Völker der Welt sich&lt;br /&gt;
gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag&lt;br /&gt;
dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die&lt;br /&gt;
schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen&lt;br /&gt;
wesentlichen Bestandteilen die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit in allen Aspekten des Denkens und&lt;br /&gt;
Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung&lt;br /&gt;
der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und&lt;br /&gt;
individuellen Ausdrucks.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U.GoLLMER IN: &amp;quot;ABDU’L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.,Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und&lt;br /&gt;
ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn undehe&lt;br /&gt;
nicht ihre Einheit fest begründet ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;U/LLÄH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7... es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen&lt;br /&gt;
der Welt miteinander in Frieden sein werden.&lt;br /&gt;
Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um&lt;br /&gt;
äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass&lt;br /&gt;
sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie ist!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Apu’L-BaHA, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft&lt;br /&gt;
Ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die&lt;br /&gt;
Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht&lt;br /&gt;
des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt&lt;br /&gt;
derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden&lt;br /&gt;
kann.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Agpu’ı-BaHä, ANSPRACHEN IN PaRıs, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos: M Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie&lt;br /&gt;
sind nicht versehentlich in eine Computerzeitschrift&lt;br /&gt;
geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es&lt;br /&gt;
geht zwar jetzt um Computer, aber es geht dabei&lt;br /&gt;
in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft&lt;br /&gt;
gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch&lt;br /&gt;
einmal explizit formuliert und durch Studien belegt&lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen&lt;br /&gt;
und Migranten in eine Gesellschaft zu integrieren&lt;br /&gt;
oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung&lt;br /&gt;
erhalten. Eine Studie aus der Schweiz zu diesem&lt;br /&gt;
Thema stellt die entscheidenden Fragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \vie kann der Zugang zur Bildung gefördert&lt;br /&gt;
werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche Hindernisse stehen einer Nutzung der&lt;br /&gt;
Bildung im VWvege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriumsin&lt;br /&gt;
Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für künftige&lt;br /&gt;
Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb&lt;br /&gt;
noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk&lt;br /&gt;
auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft&lt;br /&gt;
ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben will&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildung für alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, ob das&lt;br /&gt;
gewollt wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Baha&#039;i-Weltzentrum schreibt in der Erklärung&lt;br /&gt;
Ein gemeinsamer Glaube: „Neben der Erleichterung&lt;br /&gt;
des interpersonalen und intersozialen Austausches&lt;br /&gt;
hat der generelle Zugang zu Informationen den&lt;br /&gt;
Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer Elite zugänglich&lt;br /&gt;
zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der Nation, Rasse&lt;br /&gt;
oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die&lt;br /&gt;
globale Vernetzung konserviert, janoch verstärkt,&lt;br /&gt;
kann doch kein informierter Beobachter leugnen,&lt;br /&gt;
dass von diesem Wandel der Impuls ausgeht, über&lt;br /&gt;
das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller&lt;br /&gt;
zu den Quellen der Bildunganstreben und vielleicht&lt;br /&gt;
sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier Zugang für&lt;br /&gt;
alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei&lt;br /&gt;
heißen: frei im Sinne von freiheitlich und frei im&lt;br /&gt;
sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das&lt;br /&gt;
national wie international außerordentlich erfolgreich&lt;br /&gt;
TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA?&lt;br /&gt;
Das KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So&lt;br /&gt;
schreibt die Süddeutsche Zeitung: „.. auf unseren&lt;br /&gt;
inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als&lt;br /&gt;
sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das&lt;br /&gt;
könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten aufder Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um&lt;br /&gt;
Linux, genauer, um die neueste Variante dieses&lt;br /&gt;
Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt&lt;br /&gt;
ubuntu und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der.Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu istein altes afrikanisches Wort&lt;br /&gt;
und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten Sinne,&lt;br /&gt;
Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die&lt;br /&gt;
gesamte Menschheit verbindet. Dieses Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische&lt;br /&gt;
Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er&lt;br /&gt;
oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Baha&#039;i mögen solche Sätze nicht gerade fremd&lt;br /&gt;
klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert&lt;br /&gt;
und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten strikt&lt;br /&gt;
zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme&lt;br /&gt;
seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu&lt;br /&gt;
nutzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hatdas Recht, alle Programme seiner wahl&lt;br /&gt;
beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® leder hat das Recht, Programme seinen&lt;br /&gt;
Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und&lt;br /&gt;
zu verändern und darfdurch nichts daran&lt;br /&gt;
gehindert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr&lt;br /&gt;
Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen&lt;br /&gt;
mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft&lt;br /&gt;
aus Hilfsbereitschaft zu bilden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt&lt;br /&gt;
übersetzt werden, damit jeder es in seiner&lt;br /&gt;
Muttersprache benutzen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit&lt;br /&gt;
und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet&lt;br /&gt;
Dazu weiter unten mehr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE HINTERGRÜNDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant&lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen&lt;br /&gt;
Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt&lt;br /&gt;
ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den welthunger&lt;br /&gt;
stillen,den Kriegabschaffen, Krankheiten ausrotten,&lt;br /&gt;
Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die Bildung sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar&lt;br /&gt;
unabhängig vom gesellschaftlichen Stand - Zugang&lt;br /&gt;
zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir&lt;br /&gt;
dafür aufbringen? Zwei Stunden täglich oder einige&lt;br /&gt;
stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür&lt;br /&gt;
tun? Wie viele Menschen müssen das&#039;wollen‘, bevor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er&lt;br /&gt;
war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten&lt;br /&gt;
Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen Wweltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine&lt;br /&gt;
stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns in ein&lt;br /&gt;
neues Technologiezeitalter bringt und außerdem&lt;br /&gt;
verspricht sie den universellen Zugang zu den Vverkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu&lt;br /&gt;
voran, weil ich dieses Versprechen Realität&lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer SoftwareZweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich&lt;br /&gt;
ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das&lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen&lt;br /&gt;
aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„eircle of friends“ symbolisiert den wesentlichen&lt;br /&gt;
Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der&lt;br /&gt;
Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es&lt;br /&gt;
also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter technischem Wissen stehen, mit Baha’iKonzepten zu verknüpfen? In der Textzusammen&lt;br /&gt;
stellung Die Bewahrung der Erde und ihrer&lt;br /&gt;
Hilfsquellen (5.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte Sätze: „Baha’u’llah entwirft ein Welt&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bild auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und&lt;br /&gt;
Geschlechter der Erde zu dienen«. ’Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
weist aufdie wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der welt .. hin. Er stellt sich vor, dass die&lt;br /&gt;
Entwicklung auf eine geeinte welt hin zunehmen&lt;br /&gt;
und als »Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird.Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die&lt;br /&gt;
Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. »Solange&lt;br /&gt;
jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche Tugenden&lt;br /&gt;
noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht&lt;br /&gt;
und kein Ergebnis; auch bewirken sie nicht der&lt;br /&gt;
Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel&lt;br /&gt;
ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen,&lt;br /&gt;
und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass&lt;br /&gt;
sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren&lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist&lt;br /&gt;
dann neben Toleranz und Idealismus auch der verzicht auf Komfort gefordert. Meist dauertesnicht&lt;br /&gt;
lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu&lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf&lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogrammel Auch die Presse istvoll des Lobes. Dabei stehen&lt;br /&gt;
für die eher technisch orientierte Fachwelt das&lt;br /&gt;
Funktionieren und die Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. Ubuntu ist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die&lt;br /&gt;
Technik mit Mitmenschlichkeit erobert und durch&lt;br /&gt;
Leistung überzeugt zu haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das&lt;br /&gt;
geht völlig gefahrlos über eine sogenannte LiveCD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm&lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach&lt;br /&gt;
Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran&lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben,&lt;br /&gt;
findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch (natürlich) kostenlos im Internet, sondern&lt;br /&gt;
auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntuGemeinde, die über alle Hürden hinweghilft&lt;br /&gt;
Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, wie der Deutschlandfunk seine&lt;br /&gt;
sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt&lt;br /&gt;
noch anzumerken, dass in Mazedonien gerade 5000&lt;br /&gt;
schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei&lt;br /&gt;
Gründen: Es ist kostenlos, es lauft auch auf alten&lt;br /&gt;
Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ubuntu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWWLUBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNE TADRESSE DES VEREINS&lt;br /&gt;
UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP: /ÄNWWE.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCH AAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AU TORS. ÜBER IHN GIBT&lt;br /&gt;
ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl -Tneologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
ehemalskath.Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit. dem Jahr 2000 Bahäi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet heuteals&lt;br /&gt;
Meditationsiehrer&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&lt;br /&gt;
ALLE MENSCHEN SIND SEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÜRGER.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄU’LLÄH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm&lt;br /&gt;
kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte&lt;br /&gt;
aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nureine.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ABDU’L-BAHA, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Mocambique zu integrieren&lt;br /&gt;
bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, Wachsen,&lt;br /&gt;
Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein,&lt;br /&gt;
Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem&lt;br /&gt;
Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem&lt;br /&gt;
Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht&lt;br /&gt;
im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Mocambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Ändersseins zu einer&lt;br /&gt;
Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor&lt;br /&gt;
meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem&lt;br /&gt;
Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts der Unterschiede, aber auch Momente des&lt;br /&gt;
tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren&lt;br /&gt;
lassen, dass diese Partnerschaft die Anstrengungen&lt;br /&gt;
wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der&lt;br /&gt;
Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt&lt;br /&gt;
—- wenn ich mich etwa dazu durchringe, mich genau&lt;br /&gt;
wie meine Mutter um die Änziehsachen meines&lt;br /&gt;
Mannes zu kümmern, ihm das Wasser zum Baden&lt;br /&gt;
zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die&lt;br /&gt;
Wohnung sauber zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines&lt;br /&gt;
solchen Verhaltens für Frauen in Mocambique gar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOCAMBIOUE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Facetten einer Integration in Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch&lt;br /&gt;
darüber beschwert, dass ich ihm die Banane nur in&lt;br /&gt;
der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch&lt;br /&gt;
nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme&lt;br /&gt;
direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann&lt;br /&gt;
einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er besteht&lt;br /&gt;
darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die&lt;br /&gt;
Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, dass&lt;br /&gt;
wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere&lt;br /&gt;
jeweils eigenen Schwächen und Ängste anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in&lt;br /&gt;
Toleranz gegenüber den Grenzen des anderen&lt;br /&gt;
allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte&lt;br /&gt;
zu lösen, anzunähern. Dabei ist es uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere&lt;br /&gt;
Kultur im täglichen Leben kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TANZANIA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(mr&lt;br /&gt;
Wungdeiro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
j&lt;br /&gt;
ENamamöy, Bere gi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
naeh&lt;br /&gt;
22 Nnr zIa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morumbalh, |&lt;br /&gt;
Namacurrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein *» Quelimane&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PX Innapadd YYaromau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sorfLAa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PPChinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp;&lt;br /&gt;
m Dpnoo&lt;br /&gt;
Gaira s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nova Mambone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\inhassöro&lt;br /&gt;
Pina 00 Bazanıo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S Mahpte  lanaules &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps,&lt;br /&gt;
Y INHAMBANE&#039; 330 Sebasso&lt;br /&gt;
&amp;lt; Porta da Bar Faisa&lt;br /&gt;
h YMassinga&lt;br /&gt;
Homoing, Byinhambane&lt;br /&gt;
Panda, os&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„oifharmme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VAR&lt;br /&gt;
Ze MAPUTO&lt;br /&gt;
N, Join vis&lt;br /&gt;
5) en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 5 10 180m&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
UNITED REPUBLIC OF&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fr}&lt;br /&gt;
EKGADO&lt;br /&gt;
Ancuabe „|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ofkontoprez&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gNamuno }&lt;br /&gt;
Te Kamapa OCEAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Momba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HOuissanga&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sPemba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mecubörl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fioaun, NM PULAG&lt;br /&gt;
9&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
amp Ürcoha STR&lt;br /&gt;
Murrüpuia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hama /PMogincual&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„DAngoche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn Aizecne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spsbane&lt;br /&gt;
Svaa da Maganja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natonal capital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Provinciel caprtal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Town, vitage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Airport&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
International boundary&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rovinclal boundary&lt;br /&gt;
Main road&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Railroad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDIAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Kindern = bel unserem Umzug nach&lt;br /&gt;
Mocambique waren sie und Jahre ait-pltzlich&lt;br /&gt;
Inelner anderen Kulturzu leben, Istele ganzeigene Herausforderung. Besonders, wenn se Im Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder EntwickJungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich&lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und dochwegen ihrersoanderen kulturellen Erfahrungen eben&lt;br /&gt;
auchnicht&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die&lt;br /&gt;
unsallen helfen, Menschen In ihrer Abhangigkeit&lt;br /&gt;
von dem Umfeld, indem sie aufwachsen, verstehen&lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, wases wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein soll&lt;br /&gt;
und dass es manchmal eine große Bereicherung&lt;br /&gt;
und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
melnen anderen Brüdern und Schwestern wirklich&lt;br /&gt;
familiär verbunden zu fühlen, Und es ist faszinierend zu erkennen, weich scharfe Beobachtungen&lt;br /&gt;
die eigenen Kinder anstellen -sowohl ananderen&lt;br /&gt;
Menschen als auch an sich selbst- bezüglich der&lt;br /&gt;
hiesigen oder auch der europäischen Kultur und&lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung,&lt;br /&gt;
Schließlich sinddanoch all die Selbsterständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich gar&lt;br /&gt;
nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen:&lt;br /&gt;
ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich bei&lt;br /&gt;
Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; ale Freude, im&lt;br /&gt;
Haus zu sein, wenn es draußen regnet [während&lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass&lt;br /&gt;
Ihre Hütte einstürzt); die Menge an&lt;br /&gt;
Wien über die Natur,dieReligionen,&lt;br /&gt;
die Möglichkeit, Bücher zu lesen und N&lt;br /&gt;
gut gestaltete Lehrbücher zu haben.&lt;br /&gt;
Fürunsals Eltern und spezlellfürmich&lt;br /&gt;
u und Bahaibedeutet dasvor&lt;br /&gt;
allem, die Begrenzthelt des gegenwartigen Entwicklungsstadlums der&lt;br /&gt;
Menschheit sowie dle großen Unter&lt;br /&gt;
schiede in den materiellen Lebens- } W [M&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umständen beider Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, ofteinfach hinzunehmen, nicht schönzureden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration In Mocambique als Frau&lt;br /&gt;
heißt auch Konfrontation mit einem&lt;br /&gt;
Geschlechterverhältnis, das einen&lt;br /&gt;
manchmal erschauern lässt, Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe&lt;br /&gt;
Ich mich mitunter plötzlich hineinversetzt In die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die gewalttätigen Männern&lt;br /&gt;
schutzlos ausgeliefert sind und&lt;br /&gt;
auch nichtaufdie Unter&lt;br /&gt;
der Nachbarn zahlen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stitzung N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die beiderSchwangerenuntersuchung&lt;br /&gt;
feststellen, dass sie HIV-positiv sind und&lt;br /&gt;
daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutteraufdle Strasse geworfen werden selbst dann, wenn siesich nur beilhremeigenen Mann infiziert haben können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil&lt;br /&gt;
erihrdie Schuldanselnerelgenen mislichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- eine Mutter, die WWochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zueiner anderen Frauin&lt;br /&gt;
Ihrer Verzweiflung hre KleinenKinder beider&lt;br /&gt;
Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht&lt;br /&gt;
mehr um die Kinder kümmern kannte - die&lt;br /&gt;
Polizei dann aber nichts anderes tat, als die&lt;br /&gt;
Frau eine Nachteinzusperren, damitsielernt&lt;br /&gt;
dass eine Mutter niemalsihre Kinder ver fassen&lt;br /&gt;
dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die&lt;br /&gt;
von Ihren Männern wegen einer anderen FrauverIassen wurden -eineeigentlichschon ganz normale&lt;br /&gt;
Erscheinung; gleichzeitighaben wires In Mocambique miteiner Gesellschaft zutun, Inder dleMehrhelt der frauen mitIhren Kindern Inwirtschaftlich&lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und&lt;br /&gt;
keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die&lt;br /&gt;
Se selbstanwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sindso umfassend und so allgegennwartig, dass an&lt;br /&gt;
die Lösungder Entwicklungsprobleme&lt;br /&gt;
dieses Landes kaum zu deniken Ist, soJange solcheln Chaosin der Geschlechnm ferbeziehung herrscht. Das Erleben&lt;br /&gt;
MB ieser Geschichten lässt erahnen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en&lt;br /&gt;
land wie Mocambique wird deutlich,&lt;br /&gt;
IR ass ci Beachtung geistiger Prinzipien&lt;br /&gt;
BR schlichtwegüberebensnowenigsein&lt;br /&gt;
Alan. Und dass geistige Prinzipien&lt;br /&gt;
I Hand in Hand gehen sollten mit der&lt;br /&gt;
nateriellen Entwicklung zur Beseiti&lt;br /&gt;
gungvonArmut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahä’i in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahä’i-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Baha’u’llahs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahä’i zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
www.tempora.org&lt;br /&gt;
E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tel.:+49 (0) 6192 / 22 921&lt;br /&gt;
Fax: +49 (0) 6192/2293 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
www.bahai-verlag.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
Abonnementpreis für vier Ausgaben&lt;br /&gt;
EUR 18,00 / Einzelheft EUR 5,00&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
Herausgebers wieder. Für unverlangt eingesandte&lt;br /&gt;
Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion&lt;br /&gt;
keine Haftung. Die Redaktion behält sich sinn&lt;br /&gt;
bewahrende Kürzungen und Änderungen der&lt;br /&gt;
Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind&lt;br /&gt;
urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Baha’u’llah&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahä (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77458</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77458"/>
		<updated>2022-05-28T06:52:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen der &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb &lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen &lt;br /&gt;
der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um &lt;br /&gt;
sich Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte &lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WAS IST INTEGRATION?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die Eingliederung von Mitgliedern einer bestimmten, meist als &lt;br /&gt;
benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen Gruppe, in unserem Beispiel &lt;br /&gt;
behinderte Kinder, in ein größeres Gemeinwesen, hier in den Kindergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen &lt;br /&gt;
nach ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende &lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und &lt;br /&gt;
mit ihr alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen &lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es, &lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung &lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. &lt;br /&gt;
Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden. In Deutschland hat jedes Kind vom &lt;br /&gt;
vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch eines Kindergartens, &lt;br /&gt;
unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung, wenn die Defizite stark ausgeprägt sind, altersübliche Leistungen nicht erbracht werden können oder als deutlich abweichend oder behandlungsbedürftig empfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* wenn Menschen, die durch einen angeborenen oder erworbenen gesundheitlichen Schaden in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig: Körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe, Sinnesschädigungen, Sprachbehinderungen, geistige &lt;br /&gt;
Behinderungen, Genstörungen, psychische Behinderungen, soziale Behinderungen, Lernbehinderungen, &lt;br /&gt;
Verhaltenauffälligkeiten. Man unter scheidet je nach Schweregrad: entwicklungsverzögert, &lt;br /&gt;
behindert, schwerstbehindert, schwerstmehrfachbehindert. Diese Einschätzungen werden vom &lt;br /&gt;
Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen &lt;br /&gt;
für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}&lt;br /&gt;
Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der &lt;br /&gt;
Familie, nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit versteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war für die gesamte Stadt (Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin &lt;br /&gt;
gebracht und hatten längere Anfahrtswege. Anfang der neunziger Jahre veränderten sich die &lt;br /&gt;
Sonderkindergärten in „Integrative Kindertagesstätten“. Das heißt, sie betreuten fünf &lt;br /&gt;
behinderte Kinder gemeinsam mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und meist gab es &lt;br /&gt;
noch eine heilpädagogische Gruppe nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste der Gesetzgeber &lt;br /&gt;
die heilpädagogischen Gruppen auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt es seit &lt;br /&gt;
1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, &lt;br /&gt;
ein behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld aufzunehmen. Das ist dann manchmal das einzige &lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, &lt;br /&gt;
sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den&lt;br /&gt;
Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch&lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll.&lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie&lt;br /&gt;
und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu anderen&lt;br /&gt;
Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten&lt;br /&gt;
hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, es kann&lt;br /&gt;
Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr Kind&lt;br /&gt;
kümmern, sie können die vielen Anregungen und&lt;br /&gt;
Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 U 7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mn&lt;br /&gt;
fröhlich - traurig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann ssich an&lt;br /&gt;
anderen orientieren, dabei seine eigenen Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, Möglichkeiten&lt;br /&gt;
und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere&lt;br /&gt;
Kinder andere Bedürfnisse und Interessen haben,&lt;br /&gt;
und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht&lt;br /&gt;
zu kommen. Darüber hinaus bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische&lt;br /&gt;
Früherziehung, Turnen und Ausflüge. All das fördert&lt;br /&gt;
und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem&lt;br /&gt;
Integrationskindergarten gibt es mehr Dynamik&lt;br /&gt;
und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man&lt;br /&gt;
muss nur genau gucken, was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und&lt;br /&gt;
lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer ist als die anderen, wird eben gewartet, und&lt;br /&gt;
einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird&lt;br /&gt;
geholfen. Für das soziale Verhalten bringt das sehr&lt;br /&gt;
viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich&lt;br /&gt;
sind, dass jeder Mensch ver&lt;br /&gt;
schieden ist und andere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedürfnisse hat. Das lernt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der et&lt;br /&gt;
was anders ist, aber trotzdem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION IN DER PRAXIS dick ii dü nn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und als erstes lernen Kinder und&lt;br /&gt;
Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder&lt;br /&gt;
nehmen naturgemäß ihr „anders sein“ als normal&lt;br /&gt;
an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern&lt;br /&gt;
brauchen meist etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden&lt;br /&gt;
haben und somit sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie&lt;br /&gt;
schnell eventuelle Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative&lt;br /&gt;
Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf&lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30&lt;br /&gt;
Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende&lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach&lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die&lt;br /&gt;
Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen&lt;br /&gt;
können, also in jeder Gruppe. Danach sind&lt;br /&gt;
sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von 14.30 Uhr an&lt;br /&gt;
spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen&lt;br /&gt;
Kindergarten, und das sind wir auch.&lt;br /&gt;
Trotzdem gibt es bei uns im Interesse der&lt;br /&gt;
behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}DI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwarz - weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder&lt;br /&gt;
von Vorteil sind. So legen wir Wert auf einen klar&lt;br /&gt;
strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen&lt;br /&gt;
benötigen diese&lt;br /&gt;
Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu&lt;br /&gt;
können. Aber er ist&lt;br /&gt;
für alle Kinder gut,&lt;br /&gt;
denn schließlich&lt;br /&gt;
sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in&lt;br /&gt;
der Einrichtung.So&lt;br /&gt;
istes wichtig, dass&lt;br /&gt;
sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen&lt;br /&gt;
überschaubar abwechseln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind&lt;br /&gt;
zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten gemeinsam in der Gruppeein. Für behinderte&lt;br /&gt;
Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas,&lt;br /&gt;
was sie noch lernen oder verbessern müssen. Beim&lt;br /&gt;
gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist&lt;br /&gt;
auch für alle anderen ein wichtiges Miteinander,&lt;br /&gt;
denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein,&lt;br /&gt;
die müde machen, oder der Kindergartenalltag&lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam&lt;br /&gt;
mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf.&lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer eine&lt;br /&gt;
Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann&lt;br /&gt;
im übrigen schlafen, wenn es das möchte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder&lt;br /&gt;
gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die&lt;br /&gt;
Körperpflege.Das Windelnwechseln, Zähneputzen,&lt;br /&gt;
waschen und der Toilettengang macht immer ein&lt;br /&gt;
Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung zur&lt;br /&gt;
selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig&lt;br /&gt;
Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch&lt;br /&gt;
gelernt und eingeübt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei&lt;br /&gt;
Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen&lt;br /&gt;
damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu&lt;br /&gt;
gemeinsamem Spiel und damit zum Lernen von&lt;br /&gt;
einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen&lt;br /&gt;
15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick&lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen&lt;br /&gt;
behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel&lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit&lt;br /&gt;
festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. Siesind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun&lt;br /&gt;
stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die&lt;br /&gt;
positive Entwicklung unerlässlich. Für eine gute&lt;br /&gt;
Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern&lt;br /&gt;
enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein&lt;br /&gt;
bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. Die&lt;br /&gt;
Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie eine „kinderfreie&lt;br /&gt;
Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den&lt;br /&gt;
Partner oder die Geschwister haben. Für behinderte&lt;br /&gt;
Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls&lt;br /&gt;
viele Vorteile. Sie haben keine Anfahrtswege und&lt;br /&gt;
Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste ist das gemeinsame&lt;br /&gt;
Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne&lt;br /&gt;
Unterschied nehmen an allem teil, jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist normal,&lt;br /&gt;
verschieden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A 17&lt;br /&gt;
lang - kurz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Jahreals&lt;br /&gt;
Kinderkrankenschwestertätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach Familienpause&lt;br /&gt;
Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
Mutter vo 3Kindem, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ineiner integraten&lt;br /&gt;
Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Hessen&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}GRENZEN ÜBERWINDEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine&lt;br /&gt;
einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. Er muß sich neu orientieren, neue soziale&lt;br /&gt;
Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt&lt;br /&gt;
nicht immer schnell und reibungslos, vielen fällt es&lt;br /&gt;
schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser&lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich&lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im&lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht&lt;br /&gt;
Angst. Viele Menschen - Einheimische wie Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung&lt;br /&gt;
ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in&lt;br /&gt;
fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise,&lt;br /&gt;
die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort&lt;br /&gt;
bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. Im&lt;br /&gt;
ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit&lt;br /&gt;
und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen&lt;br /&gt;
ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im&lt;br /&gt;
straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt&lt;br /&gt;
es nur zwei Möglichkeiten: Integration oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEG RATIONSVERLÄUFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose&lt;br /&gt;
Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen,&lt;br /&gt;
sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber&lt;br /&gt;
auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. So vielfältig wie die Menschen sind auch&lt;br /&gt;
ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem&lt;br /&gt;
gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer&lt;br /&gt;
guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in eine&lt;br /&gt;
freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet,&lt;br /&gt;
ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste&lt;br /&gt;
schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder&lt;br /&gt;
fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte&lt;br /&gt;
schon Teilerfolge sind in diesem Fall enorm hoch&lt;br /&gt;
zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig,&lt;br /&gt;
häufig begleitet von Depressionen, die durch einen&lt;br /&gt;
unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden&lt;br /&gt;
solche Menschen haben es auf dem Land extrem&lt;br /&gt;
schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen,&lt;br /&gt;
welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen,&lt;br /&gt;
seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das&lt;br /&gt;
Personal dort ist zumeist wenig bis gar nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig&lt;br /&gt;
überfordert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden&lt;br /&gt;
mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei steigt im&lt;br /&gt;
Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins&lt;br /&gt;
Uferlose&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder&lt;br /&gt;
Analphabetinnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur&lt;br /&gt;
eingeschränkt zugänglich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal,&lt;br /&gt;
minimal bezahlt und wird häufig nur über Beziehungen vergeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen meist weder zu Hause noch in der Schule eine&lt;br /&gt;
besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst&lt;br /&gt;
hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell&lt;br /&gt;
Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen ab,&lt;br /&gt;
besonders in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem&lt;br /&gt;
eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer&lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder&lt;br /&gt;
sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften&lt;br /&gt;
außer den christlichen Kirchen, in denen die Betroffenen seelischen Beistand finden könnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ninaaıd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösung: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten&lt;br /&gt;
ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr&lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines&lt;br /&gt;
starken Netzwerks für Migrantinnen. Dieses&lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle&lt;br /&gt;
stellen mit ehrenamtlich Engagierten, Migrantinnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie&lt;br /&gt;
möglich die Belastungen Einzelner. Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösungen und Grenzen aufgespürt. Ein solches&lt;br /&gt;
Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche&lt;br /&gt;
Hilfestellungen und Aufklärung in Krisenzeiten bei&lt;br /&gt;
Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die&lt;br /&gt;
Probleme Zugewanderter sensibilisieren. Gleichrangigsollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und sein Potenzial zu entdecken&lt;br /&gt;
und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu schaffen, sei es im Einzelkontakt&lt;br /&gt;
mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, Aktivitäten und Feiern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ie; schulung ist ein hohes Maß an Intuition&lt;br /&gt;
erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs&lt;br /&gt;
„normal“. Sie müssen lernen, damit richtig&lt;br /&gt;
umzugehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme&lt;br /&gt;
a seelische Belastungen (beispielsweise bei&lt;br /&gt;
rechtlichen Grenzfällen wie drohender&lt;br /&gt;
Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen&lt;br /&gt;
zur eigenen Supervision auswählen, denn&lt;br /&gt;
ein solches Angebot steht meist nicht zur&lt;br /&gt;
Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder&lt;br /&gt;
wollen oder aber sich distanzieren. Die&lt;br /&gt;
„Familie“ bleibt klein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
YA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. Die Bahaschriften ermutigen ausdrücklich dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch&lt;br /&gt;
alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit&lt;br /&gt;
sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket&lt;br /&gt;
allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid.“ v&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder&lt;br /&gt;
sie erschaffen wurde: Als körperliches, gedanklichintellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie&lt;br /&gt;
man selbst. Die bestmögliche Entfaltung dieser&lt;br /&gt;
Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen&lt;br /&gt;
jedes einzelnen Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen&lt;br /&gt;
Augen sehen, nicht mit denen anderer.“ 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung zu&lt;br /&gt;
Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am&lt;br /&gt;
besten die eigenen Vorurteile einfach loslassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie&lt;br /&gt;
sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie&lt;br /&gt;
in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen,&lt;br /&gt;
um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus&lt;br /&gt;
ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei&lt;br /&gt;
sollte man die vielfältigen individuellen, kulturellen&lt;br /&gt;
und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen&lt;br /&gt;
der verschiedensten Weltregionen in seine eigene&lt;br /&gt;
Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und&lt;br /&gt;
Visionen entwickeln und den Partner oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ohne Zweifel verdanken die Völker der welt,&lt;br /&gt;
welcher Rasse oder Religion sie auch angehören,&lt;br /&gt;
ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle&lt;br /&gt;
und sind einem einzigen Gott untertan...“4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten&lt;br /&gt;
nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern&lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont&lt;br /&gt;
und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit erweitern&lt;br /&gt;
Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt&lt;br /&gt;
mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit&lt;br /&gt;
allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich&lt;br /&gt;
eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten,&lt;br /&gt;
sie werden zum Wunsche anderer werden,&lt;br /&gt;
wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen&lt;br /&gt;
erreichen.“5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit&lt;br /&gt;
Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und&lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet&lt;br /&gt;
viele offene Ohren und Türen finden, welche die&lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit&lt;br /&gt;
und Liebe werden den Hass besiegen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über&lt;br /&gt;
gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere Freunde und eine neue „Familie“, sondern man&lt;br /&gt;
wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in&lt;br /&gt;
ungeahntem Maße&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit Migrantinnen sind&lt;br /&gt;
Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur&lt;br /&gt;
der Einheit der Menschheit, der Einheit in all ihrer&lt;br /&gt;
vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den&lt;br /&gt;
Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde&lt;br /&gt;
ist nur ein Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger“7. )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) BaHA’U’LÄH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) BAHA&#039;U’LÄH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
3)’Acpu’ı-BaHA, Das KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, 5.63&lt;br /&gt;
A) BAHK&#039;U&#039;LAH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Apu’ı-BaHA, ANSPRACHEN In Parıs,S.18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) &amp;quot;AspuL-BaHA, 5.0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) BAHK&#039;U’LÄH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 11&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) eV. Ostholstein/&lt;br /&gt;
schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als&lt;br /&gt;
Netzwerk im September 2002. Er wurde im Februar&lt;br /&gt;
2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für&lt;br /&gt;
Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein Ende&lt;br /&gt;
2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen Engagements“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität,&lt;br /&gt;
die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie&lt;br /&gt;
kennenzulernen. Gemeinsam machen wir&lt;br /&gt;
das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert&lt;br /&gt;
in vielfältiger Weise die Begegnung von&lt;br /&gt;
Deutschen und Migrantinnen sowie die&lt;br /&gt;
Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtigsind uns Vernetzung und Kooperation&lt;br /&gt;
mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SIEHE IM INTERNET:&lt;br /&gt;
WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter&lt;br /&gt;
Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand&lt;br /&gt;
in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder&lt;br /&gt;
Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung,&lt;br /&gt;
Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin&lt;br /&gt;
mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser&lt;br /&gt;
Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit.&lt;br /&gt;
Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen&lt;br /&gt;
und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den&lt;br /&gt;
Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie&lt;br /&gt;
Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rüz - Newroz (Neujahrsfeier&lt;br /&gt;
aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahä’i),&lt;br /&gt;
regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
N&lt;br /&gt;
Elke Zastrow&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trer, Tübingen,&lt;br /&gt;
Penang / Malaysia, Kürten (kölner Großraum) und Eutin (sit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magister socrer.in Slavistik, Pädagogikund Geographie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19931997 Vertreterin der BahäfWornens&#039;Society&#039;von Penang Isand/Malaysa,&lt;br /&gt;
u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NOWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
Mitinitiatorin und .Vorsitzende des Fördervereins,&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}/ntegrafion e&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EINE BEGRIFFSKLÄRUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen&lt;br /&gt;
‚Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts und ist bei den&lt;br /&gt;
Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden&lt;br /&gt;
Töchter gehen auf das altsprachliche Gymnasium&lt;br /&gt;
und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in&lt;br /&gt;
flüssiges Feuer verwandeln, wird man daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Antigone M. kommt ausdem Kosovo.Sie kann kaum&lt;br /&gt;
Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die&lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen keine Probleme, sich bestimmte Produkte&lt;br /&gt;
auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen&lt;br /&gt;
zu mogeln. Obwohl beide Frauen Nachbarinnen&lt;br /&gt;
sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa&lt;br /&gt;
an dem oft beschworenen Kopftuch, denn das hat&lt;br /&gt;
‚Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn&lt;br /&gt;
Jahren nach Deutschland kam. Sie kleidet sich&lt;br /&gt;
durchaus westlich elegant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Das WORT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort&lt;br /&gt;
bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration&lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen&lt;br /&gt;
Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. Interessant ist, sich&lt;br /&gt;
das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zur Einheit.“&lt;br /&gt;
“Agu’L-BaHA,ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abkapselung, Abschiebung, Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also&lt;br /&gt;
dagegen ist, dass Menschen ausgegrenzt werden,&lt;br /&gt;
abgeschoben oder verbannt oder auch nur von&lt;br /&gt;
etwas oder jemandem getrennt, der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. INTEGRATION NACH&lt;br /&gt;
SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende&lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder&lt;br /&gt;
einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft&lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation&lt;br /&gt;
verwechselt, was einer völligen Anpassung an ein&lt;br /&gt;
bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr&lt;br /&gt;
handelt es sich hier um einen schöpferischen Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch&lt;br /&gt;
das Einbringen von Werten und der Kultur der&lt;br /&gt;
außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer&lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht&lt;br /&gt;
gab, bei Erhalt der jeweils eigenen Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schulische Integration bezeichnet das Einbinden&lt;br /&gt;
von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte&lt;br /&gt;
haben und sich so weit wie möglich selbst und&lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man&lt;br /&gt;
dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle&lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche lernen&lt;br /&gt;
können. Bei zielgerichteter Integration werden alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa&lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden&lt;br /&gt;
In der zieldifferenten Integration werden die Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst&lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die&lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen&lt;br /&gt;
Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es&lt;br /&gt;
gelingt, die Balance zwischen individuellem Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander&lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen&lt;br /&gt;
können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte&lt;br /&gt;
verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder&lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das istein Zusammenschluss&lt;br /&gt;
zur Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in diesem&lt;br /&gt;
wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und&lt;br /&gt;
vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen sie&lt;br /&gt;
gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Integration besteht aus Regeln und&lt;br /&gt;
Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige Souveränität&lt;br /&gt;
einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben&lt;br /&gt;
solche Integrationsprozesse laufen typischerweise&lt;br /&gt;
in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Es werden innerhalb des Verbunds die zölle&lt;br /&gt;
für bestimmte Güter abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber&lt;br /&gt;
Drittländern beibehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.In einem gemeinsamen Markt werden&lt;br /&gt;
Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden&lt;br /&gt;
einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.In einer politischen Union entsteht eine&lt;br /&gt;
gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung,&lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden&lt;br /&gt;
lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch&lt;br /&gt;
über bestimmte Themen wird erleichtert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen&lt;br /&gt;
‚Aktionen werden überwunden. Das beschränkt&lt;br /&gt;
sich zunächst auf gegenseitige Interessen und&lt;br /&gt;
Themen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegen&lt;br /&gt;
über Dritten wird überlegt und beschlossen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.Normen und Gesetze aus den jeweiligen&lt;br /&gt;
Kulturen, die ein gemeinsames Handeln&lt;br /&gt;
erschweren, werden nach und nach abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln&lt;br /&gt;
und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle&lt;br /&gt;
entstehen lässt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.Es wird eine gemeinsame \Vvertehierarchie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aufgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Es werden Instrumente geschaffen, diese&lt;br /&gt;
Wertehierarchie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen,&lt;br /&gt;
ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre&lt;br /&gt;
Herkunftsidentität aufgegeben hätten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Ein BLICK IN DIE BAHÄI-SCHRIFTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Baha’i-Schriften, und dennoch gibt&lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen&lt;br /&gt;
Baha’u’llahs und ’Abdu’l-Bahas kreisen, wie um die&lt;br /&gt;
Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben gezeigten. Zumindest ist eseinen Versuch wert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine&lt;br /&gt;
ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da&lt;br /&gt;
die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen&lt;br /&gt;
und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und&lt;br /&gt;
Gebräuchen, Geschmack und Temperament,&lt;br /&gt;
Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen&lt;br /&gt;
verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass&lt;br /&gt;
diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind.&lt;br /&gt;
Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem&lt;br /&gt;
Streit zwischen kriegführenden Völkern und&lt;br /&gt;
wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig&lt;br /&gt;
zerstören, Familien ausroften, sich aller Ruhe&lt;br /&gt;
und allen Wohlergehens berauben und in&lt;br /&gt;
Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist&lt;br /&gt;
tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit&lt;br /&gt;
ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen,&lt;br /&gt;
Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und&lt;br /&gt;
Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Erist lobenswert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Appu&#039;L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
n&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann&lt;br /&gt;
richtet euren Blick auf die Einheit.“&lt;br /&gt;
BAHA’U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.„Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in&lt;br /&gt;
strahlender Freude mit allen Völkern und&lt;br /&gt;
Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr&lt;br /&gt;
mit anderen Menschen Einheit und Eintracht&lt;br /&gt;
schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung&lt;br /&gt;
der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der&lt;br /&gt;
Nationen führt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U&#039;LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.,Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der&lt;br /&gt;
Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die&lt;br /&gt;
Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung&lt;br /&gt;
dieser Einheit Ist, dass die Völker der Welt sich&lt;br /&gt;
gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag&lt;br /&gt;
dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die&lt;br /&gt;
schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen&lt;br /&gt;
wesentlichen Bestandteilen die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit in allen Aspekten des Denkens und&lt;br /&gt;
Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung&lt;br /&gt;
der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und&lt;br /&gt;
individuellen Ausdrucks.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U.GoLLMER IN: &amp;quot;ABDU’L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.,Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und&lt;br /&gt;
ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn undehe&lt;br /&gt;
nicht ihre Einheit fest begründet ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;U/LLÄH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7... es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen&lt;br /&gt;
der Welt miteinander in Frieden sein werden.&lt;br /&gt;
Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um&lt;br /&gt;
äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass&lt;br /&gt;
sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie ist!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Apu’L-BaHA, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft&lt;br /&gt;
Ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die&lt;br /&gt;
Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht&lt;br /&gt;
des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt&lt;br /&gt;
derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden&lt;br /&gt;
kann.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Agpu’ı-BaHä, ANSPRACHEN IN PaRıs, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos: M Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie&lt;br /&gt;
sind nicht versehentlich in eine Computerzeitschrift&lt;br /&gt;
geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es&lt;br /&gt;
geht zwar jetzt um Computer, aber es geht dabei&lt;br /&gt;
in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft&lt;br /&gt;
gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch&lt;br /&gt;
einmal explizit formuliert und durch Studien belegt&lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen&lt;br /&gt;
und Migranten in eine Gesellschaft zu integrieren&lt;br /&gt;
oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung&lt;br /&gt;
erhalten. Eine Studie aus der Schweiz zu diesem&lt;br /&gt;
Thema stellt die entscheidenden Fragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \vie kann der Zugang zur Bildung gefördert&lt;br /&gt;
werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche Hindernisse stehen einer Nutzung der&lt;br /&gt;
Bildung im VWvege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriumsin&lt;br /&gt;
Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für künftige&lt;br /&gt;
Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb&lt;br /&gt;
noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk&lt;br /&gt;
auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft&lt;br /&gt;
ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben will&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildung für alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, ob das&lt;br /&gt;
gewollt wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Baha&#039;i-Weltzentrum schreibt in der Erklärung&lt;br /&gt;
Ein gemeinsamer Glaube: „Neben der Erleichterung&lt;br /&gt;
des interpersonalen und intersozialen Austausches&lt;br /&gt;
hat der generelle Zugang zu Informationen den&lt;br /&gt;
Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer Elite zugänglich&lt;br /&gt;
zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der Nation, Rasse&lt;br /&gt;
oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die&lt;br /&gt;
globale Vernetzung konserviert, janoch verstärkt,&lt;br /&gt;
kann doch kein informierter Beobachter leugnen,&lt;br /&gt;
dass von diesem Wandel der Impuls ausgeht, über&lt;br /&gt;
das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller&lt;br /&gt;
zu den Quellen der Bildunganstreben und vielleicht&lt;br /&gt;
sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier Zugang für&lt;br /&gt;
alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei&lt;br /&gt;
heißen: frei im Sinne von freiheitlich und frei im&lt;br /&gt;
sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das&lt;br /&gt;
national wie international außerordentlich erfolgreich&lt;br /&gt;
TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA?&lt;br /&gt;
Das KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So&lt;br /&gt;
schreibt die Süddeutsche Zeitung: „.. auf unseren&lt;br /&gt;
inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als&lt;br /&gt;
sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das&lt;br /&gt;
könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten aufder Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um&lt;br /&gt;
Linux, genauer, um die neueste Variante dieses&lt;br /&gt;
Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt&lt;br /&gt;
ubuntu und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der.Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu istein altes afrikanisches Wort&lt;br /&gt;
und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten Sinne,&lt;br /&gt;
Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die&lt;br /&gt;
gesamte Menschheit verbindet. Dieses Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische&lt;br /&gt;
Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er&lt;br /&gt;
oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Baha&#039;i mögen solche Sätze nicht gerade fremd&lt;br /&gt;
klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert&lt;br /&gt;
und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten strikt&lt;br /&gt;
zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme&lt;br /&gt;
seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu&lt;br /&gt;
nutzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hatdas Recht, alle Programme seiner wahl&lt;br /&gt;
beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® leder hat das Recht, Programme seinen&lt;br /&gt;
Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und&lt;br /&gt;
zu verändern und darfdurch nichts daran&lt;br /&gt;
gehindert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr&lt;br /&gt;
Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen&lt;br /&gt;
mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft&lt;br /&gt;
aus Hilfsbereitschaft zu bilden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt&lt;br /&gt;
übersetzt werden, damit jeder es in seiner&lt;br /&gt;
Muttersprache benutzen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit&lt;br /&gt;
und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet&lt;br /&gt;
Dazu weiter unten mehr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE HINTERGRÜNDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant&lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen&lt;br /&gt;
Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt&lt;br /&gt;
ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den welthunger&lt;br /&gt;
stillen,den Kriegabschaffen, Krankheiten ausrotten,&lt;br /&gt;
Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die Bildung sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar&lt;br /&gt;
unabhängig vom gesellschaftlichen Stand - Zugang&lt;br /&gt;
zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir&lt;br /&gt;
dafür aufbringen? Zwei Stunden täglich oder einige&lt;br /&gt;
stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür&lt;br /&gt;
tun? Wie viele Menschen müssen das&#039;wollen‘, bevor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er&lt;br /&gt;
war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten&lt;br /&gt;
Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen Wweltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine&lt;br /&gt;
stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns in ein&lt;br /&gt;
neues Technologiezeitalter bringt und außerdem&lt;br /&gt;
verspricht sie den universellen Zugang zu den Vverkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu&lt;br /&gt;
voran, weil ich dieses Versprechen Realität&lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer SoftwareZweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich&lt;br /&gt;
ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das&lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen&lt;br /&gt;
aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„eircle of friends“ symbolisiert den wesentlichen&lt;br /&gt;
Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der&lt;br /&gt;
Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es&lt;br /&gt;
also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter technischem Wissen stehen, mit Baha’iKonzepten zu verknüpfen? In der Textzusammen&lt;br /&gt;
stellung Die Bewahrung der Erde und ihrer&lt;br /&gt;
Hilfsquellen (5.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte Sätze: „Baha’u’llah entwirft ein Welt&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bild auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und&lt;br /&gt;
Geschlechter der Erde zu dienen«. ’Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
weist aufdie wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der welt .. hin. Er stellt sich vor, dass die&lt;br /&gt;
Entwicklung auf eine geeinte welt hin zunehmen&lt;br /&gt;
und als »Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird.Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die&lt;br /&gt;
Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. »Solange&lt;br /&gt;
jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche Tugenden&lt;br /&gt;
noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht&lt;br /&gt;
und kein Ergebnis; auch bewirken sie nicht der&lt;br /&gt;
Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel&lt;br /&gt;
ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen,&lt;br /&gt;
und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass&lt;br /&gt;
sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren&lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist&lt;br /&gt;
dann neben Toleranz und Idealismus auch der verzicht auf Komfort gefordert. Meist dauertesnicht&lt;br /&gt;
lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu&lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf&lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogrammel Auch die Presse istvoll des Lobes. Dabei stehen&lt;br /&gt;
für die eher technisch orientierte Fachwelt das&lt;br /&gt;
Funktionieren und die Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. Ubuntu ist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die&lt;br /&gt;
Technik mit Mitmenschlichkeit erobert und durch&lt;br /&gt;
Leistung überzeugt zu haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das&lt;br /&gt;
geht völlig gefahrlos über eine sogenannte LiveCD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm&lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach&lt;br /&gt;
Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran&lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben,&lt;br /&gt;
findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch (natürlich) kostenlos im Internet, sondern&lt;br /&gt;
auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntuGemeinde, die über alle Hürden hinweghilft&lt;br /&gt;
Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, wie der Deutschlandfunk seine&lt;br /&gt;
sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt&lt;br /&gt;
noch anzumerken, dass in Mazedonien gerade 5000&lt;br /&gt;
schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei&lt;br /&gt;
Gründen: Es ist kostenlos, es lauft auch auf alten&lt;br /&gt;
Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ubuntu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWWLUBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNE TADRESSE DES VEREINS&lt;br /&gt;
UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP: /ÄNWWE.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCH AAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AU TORS. ÜBER IHN GIBT&lt;br /&gt;
ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl -Tneologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
ehemalskath.Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit. dem Jahr 2000 Bahäi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet heuteals&lt;br /&gt;
Meditationsiehrer&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&lt;br /&gt;
ALLE MENSCHEN SIND SEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÜRGER.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄU’LLÄH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm&lt;br /&gt;
kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte&lt;br /&gt;
aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nureine.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ABDU’L-BAHA, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Mocambique zu integrieren&lt;br /&gt;
bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, Wachsen,&lt;br /&gt;
Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein,&lt;br /&gt;
Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem&lt;br /&gt;
Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem&lt;br /&gt;
Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht&lt;br /&gt;
im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Mocambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Ändersseins zu einer&lt;br /&gt;
Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor&lt;br /&gt;
meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem&lt;br /&gt;
Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts der Unterschiede, aber auch Momente des&lt;br /&gt;
tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren&lt;br /&gt;
lassen, dass diese Partnerschaft die Anstrengungen&lt;br /&gt;
wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der&lt;br /&gt;
Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt&lt;br /&gt;
—- wenn ich mich etwa dazu durchringe, mich genau&lt;br /&gt;
wie meine Mutter um die Änziehsachen meines&lt;br /&gt;
Mannes zu kümmern, ihm das Wasser zum Baden&lt;br /&gt;
zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die&lt;br /&gt;
Wohnung sauber zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines&lt;br /&gt;
solchen Verhaltens für Frauen in Mocambique gar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOCAMBIOUE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Facetten einer Integration in Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch&lt;br /&gt;
darüber beschwert, dass ich ihm die Banane nur in&lt;br /&gt;
der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch&lt;br /&gt;
nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme&lt;br /&gt;
direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann&lt;br /&gt;
einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er besteht&lt;br /&gt;
darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die&lt;br /&gt;
Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, dass&lt;br /&gt;
wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere&lt;br /&gt;
jeweils eigenen Schwächen und Ängste anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in&lt;br /&gt;
Toleranz gegenüber den Grenzen des anderen&lt;br /&gt;
allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte&lt;br /&gt;
zu lösen, anzunähern. Dabei ist es uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere&lt;br /&gt;
Kultur im täglichen Leben kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TANZANIA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(mr&lt;br /&gt;
Wungdeiro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
j&lt;br /&gt;
ENamamöy, Bere gi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
naeh&lt;br /&gt;
22 Nnr zIa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morumbalh, |&lt;br /&gt;
Namacurrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein *» Quelimane&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PX Innapadd YYaromau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sorfLAa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PPChinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp;&lt;br /&gt;
m Dpnoo&lt;br /&gt;
Gaira s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nova Mambone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\inhassöro&lt;br /&gt;
Pina 00 Bazanıo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S Mahpte  lanaules &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps,&lt;br /&gt;
Y INHAMBANE&#039; 330 Sebasso&lt;br /&gt;
&amp;lt; Porta da Bar Faisa&lt;br /&gt;
h YMassinga&lt;br /&gt;
Homoing, Byinhambane&lt;br /&gt;
Panda, os&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„oifharmme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VAR&lt;br /&gt;
Ze MAPUTO&lt;br /&gt;
N, Join vis&lt;br /&gt;
5) en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 5 10 180m&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
UNITED REPUBLIC OF&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fr}&lt;br /&gt;
EKGADO&lt;br /&gt;
Ancuabe „|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ofkontoprez&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gNamuno }&lt;br /&gt;
Te Kamapa OCEAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Momba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HOuissanga&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sPemba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mecubörl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fioaun, NM PULAG&lt;br /&gt;
9&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
amp Ürcoha STR&lt;br /&gt;
Murrüpuia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hama /PMogincual&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„DAngoche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn Aizecne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spsbane&lt;br /&gt;
Svaa da Maganja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natonal capital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Provinciel caprtal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Town, vitage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Airport&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
International boundary&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rovinclal boundary&lt;br /&gt;
Main road&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Railroad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDIAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Kindern = bel unserem Umzug nach&lt;br /&gt;
Mocambique waren sie und Jahre ait-pltzlich&lt;br /&gt;
Inelner anderen Kulturzu leben, Istele ganzeigene Herausforderung. Besonders, wenn se Im Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder EntwickJungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich&lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und dochwegen ihrersoanderen kulturellen Erfahrungen eben&lt;br /&gt;
auchnicht&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die&lt;br /&gt;
unsallen helfen, Menschen In ihrer Abhangigkeit&lt;br /&gt;
von dem Umfeld, indem sie aufwachsen, verstehen&lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, wases wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein soll&lt;br /&gt;
und dass es manchmal eine große Bereicherung&lt;br /&gt;
und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
melnen anderen Brüdern und Schwestern wirklich&lt;br /&gt;
familiär verbunden zu fühlen, Und es ist faszinierend zu erkennen, weich scharfe Beobachtungen&lt;br /&gt;
die eigenen Kinder anstellen -sowohl ananderen&lt;br /&gt;
Menschen als auch an sich selbst- bezüglich der&lt;br /&gt;
hiesigen oder auch der europäischen Kultur und&lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung,&lt;br /&gt;
Schließlich sinddanoch all die Selbsterständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich gar&lt;br /&gt;
nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen:&lt;br /&gt;
ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich bei&lt;br /&gt;
Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; ale Freude, im&lt;br /&gt;
Haus zu sein, wenn es draußen regnet [während&lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass&lt;br /&gt;
Ihre Hütte einstürzt); die Menge an&lt;br /&gt;
Wien über die Natur,dieReligionen,&lt;br /&gt;
die Möglichkeit, Bücher zu lesen und N&lt;br /&gt;
gut gestaltete Lehrbücher zu haben.&lt;br /&gt;
Fürunsals Eltern und spezlellfürmich&lt;br /&gt;
u und Bahaibedeutet dasvor&lt;br /&gt;
allem, die Begrenzthelt des gegenwartigen Entwicklungsstadlums der&lt;br /&gt;
Menschheit sowie dle großen Unter&lt;br /&gt;
schiede in den materiellen Lebens- } W [M&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umständen beider Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, ofteinfach hinzunehmen, nicht schönzureden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration In Mocambique als Frau&lt;br /&gt;
heißt auch Konfrontation mit einem&lt;br /&gt;
Geschlechterverhältnis, das einen&lt;br /&gt;
manchmal erschauern lässt, Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe&lt;br /&gt;
Ich mich mitunter plötzlich hineinversetzt In die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die gewalttätigen Männern&lt;br /&gt;
schutzlos ausgeliefert sind und&lt;br /&gt;
auch nichtaufdie Unter&lt;br /&gt;
der Nachbarn zahlen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stitzung N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die beiderSchwangerenuntersuchung&lt;br /&gt;
feststellen, dass sie HIV-positiv sind und&lt;br /&gt;
daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutteraufdle Strasse geworfen werden selbst dann, wenn siesich nur beilhremeigenen Mann infiziert haben können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil&lt;br /&gt;
erihrdie Schuldanselnerelgenen mislichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- eine Mutter, die WWochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zueiner anderen Frauin&lt;br /&gt;
Ihrer Verzweiflung hre KleinenKinder beider&lt;br /&gt;
Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht&lt;br /&gt;
mehr um die Kinder kümmern kannte - die&lt;br /&gt;
Polizei dann aber nichts anderes tat, als die&lt;br /&gt;
Frau eine Nachteinzusperren, damitsielernt&lt;br /&gt;
dass eine Mutter niemalsihre Kinder ver fassen&lt;br /&gt;
dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die&lt;br /&gt;
von Ihren Männern wegen einer anderen FrauverIassen wurden -eineeigentlichschon ganz normale&lt;br /&gt;
Erscheinung; gleichzeitighaben wires In Mocambique miteiner Gesellschaft zutun, Inder dleMehrhelt der frauen mitIhren Kindern Inwirtschaftlich&lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und&lt;br /&gt;
keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die&lt;br /&gt;
Se selbstanwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sindso umfassend und so allgegennwartig, dass an&lt;br /&gt;
die Lösungder Entwicklungsprobleme&lt;br /&gt;
dieses Landes kaum zu deniken Ist, soJange solcheln Chaosin der Geschlechnm ferbeziehung herrscht. Das Erleben&lt;br /&gt;
MB ieser Geschichten lässt erahnen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en&lt;br /&gt;
land wie Mocambique wird deutlich,&lt;br /&gt;
IR ass ci Beachtung geistiger Prinzipien&lt;br /&gt;
BR schlichtwegüberebensnowenigsein&lt;br /&gt;
Alan. Und dass geistige Prinzipien&lt;br /&gt;
I Hand in Hand gehen sollten mit der&lt;br /&gt;
nateriellen Entwicklung zur Beseiti&lt;br /&gt;
gungvonArmut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahä’i in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahä’i-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Baha’u’llahs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahä’i zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
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Michael Willems&lt;br /&gt;
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DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
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Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
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Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
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© Bahä’i-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Baha’u’llah&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahä (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
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		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77457</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-28T06:29:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen - &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten - &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land - &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika - &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afrika - &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland - &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater - &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht - &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;EDITORIAL&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;INTEGRATION&#039;&#039;&#039; - bei diesem Begriff denken wir häufig &lt;br /&gt;
recht einseitig an Probleme bei der Eingliederung sogenannter &lt;br /&gt;
Ausländer. Dass Integration nur bei gegenseitigem Bemühen &lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim Vergleich &lt;br /&gt;
unterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung &lt;br /&gt;
biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einem isolierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
zu neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinn hoffen wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===OHNE INTEGRATION KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf &lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die &lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht &lt;br /&gt;
integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, &lt;br /&gt;
oder sie werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. &lt;br /&gt;
Das lässt sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle darstellen. Sie verselbständigt sich &lt;br /&gt;
dadurch, dass sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt und wieder abgibt, sondern nur noch &lt;br /&gt;
nimmt. Sie wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. &lt;br /&gt;
Die gleichen Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht &lt;br /&gt;
gelingt, neue Teile zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln &lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung wird mit innerer Abgrenzung beantwortet, mit der Folge, &lt;br /&gt;
dass häufig auf archaische Wertesysteme zurückgegriffen wird, da diese mehr Schutz und Integration &lt;br /&gt;
zu bieten scheinen als die Umwelt. Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, &lt;br /&gt;
Missverständnissen und Diskriminierung, zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die wiederum &lt;br /&gt;
die Ausgrenzungstendenzen verstärken. Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des Rüstungswettlaufs &lt;br /&gt;
letztlich selbstzerstörerisch, wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass &lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. &lt;br /&gt;
Der Erziehungssektor spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden &lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist &lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft die verheerenden Folgen der Nichtintegration &lt;br /&gt;
tragen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen &lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen &lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen das zu geben, was ihnen als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt &lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch &lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig kostengünstiger ist als Nichtintegration. Denn &lt;br /&gt;
sie lässt das menschliche Potenzial der Integrierten zur Wirkung kommen, &lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn niederschlägt. Aber eine echte Motivation &lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend &lt;br /&gt;
ab. Diese ist meist so sehr mit egoistischen Einstellungen verknüpft und &lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wäre das anders, hätte man das Problem der Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere &lt;br /&gt;
Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu &lt;br /&gt;
setzen und die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen der &lt;br /&gt;
Entscheidungsträger die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung herumspukt, wird auch &lt;br /&gt;
diese Form der Integration nicht zu realisieren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden &lt;br /&gt;
Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, &lt;br /&gt;
die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}&lt;br /&gt;
als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender &lt;br /&gt;
Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten &lt;br /&gt;
werden kann. Völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder &lt;br /&gt;
integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man &lt;br /&gt;
also Vertrauen in ihr menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in mehr als 50 Ländern &lt;br /&gt;
entstandenen Dorfbanken. Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür &lt;br /&gt;
mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des Shareholdersystems organisiert sind und &lt;br /&gt;
ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich besser ab, weil sie das kreative &lt;br /&gt;
Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse &lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen Wert der Ausbildung in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen &lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und befriedigender für alle Beteiligten als solche, &lt;br /&gt;
die durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile demotivieren und ausgrenzen, die &lt;br /&gt;
anschließend der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial nicht entfalten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, &lt;br /&gt;
Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und dafür respektiert und anerkannt zu werden. &lt;br /&gt;
Machen wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir &lt;br /&gt;
also den Menschen und nicht Verwertungsinteressen als Maßstab des politischen Handelns, so &lt;br /&gt;
werden Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für realitätsfern halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutet das zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen &lt;br /&gt;
zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt &lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen &lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (!) und vor der Einschulung verbindlichen Kindergarten &lt;br /&gt;
geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen &lt;br /&gt;
mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den &lt;br /&gt;
Abbau von Vorurteilen. Persönliche Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu erleichtern. &lt;br /&gt;
Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen bis zur &lt;br /&gt;
erfolgreichen Eingliederung kommen. Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da &lt;br /&gt;
sie das Selbstwertgefühl entscheidend prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das zeigen die &lt;br /&gt;
zunehmenden psychosozialen Folgen der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche &lt;br /&gt;
Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft in &lt;br /&gt;
Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen &lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten &lt;br /&gt;
lässt sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende Wir-Gefühl &lt;br /&gt;
erzeugen. Diese Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der Anerkennung und Förderung &lt;br /&gt;
der kulturellen Vielfalt einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle &lt;br /&gt;
Beteiligten empfunden und zum Anlass, voneinander zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein &lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen. Von &lt;br /&gt;
Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst &lt;br /&gt;
und die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die &lt;br /&gt;
Bereitschaft, die eigenen Traditionen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte &lt;br /&gt;
zu vermeiden und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen Wachstums nutzbar zu machen. &lt;br /&gt;
Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und Bräuche des Gastlandes zu &lt;br /&gt;
respektieren und ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den &lt;br /&gt;
Andersartigen nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung, Abkapselung und destruktivem &lt;br /&gt;
Verhalten. An ihre Stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen &lt;br /&gt;
als gleichberechtigten Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu behandeln. Das kann &lt;br /&gt;
erleichtert werden, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nur zufällig auf der materiell &lt;br /&gt;
begünstigten Seite unserer gemeinsamen Erde leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Roland Greis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Es ist normal, verschieden zu sein===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen&lt;br /&gt;
seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb&lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins&lt;br /&gt;
Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft&lt;br /&gt;
eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen&lt;br /&gt;
der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen&lt;br /&gt;
für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um sich&lt;br /&gt;
Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte&lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS IST INTEGRATION?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die&lt;br /&gt;
Eingliederung von Mitgliedern&lt;br /&gt;
einer bestimmten, meist als benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruppe, in unserem Beispiel be&lt;br /&gt;
r nd - ecki hinderte Kinder, in ein größeres&lt;br /&gt;
u g Gemeinwesen, hier in den Kin&lt;br /&gt;
6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen nach&lt;br /&gt;
ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass&lt;br /&gt;
das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende&lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und mit ihr&lt;br /&gt;
alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine&lt;br /&gt;
Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen&lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis&lt;br /&gt;
zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es,&lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den&lt;br /&gt;
Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung&lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden.&lt;br /&gt;
In Deutschland hat jedes Kind vom vollendeten&lt;br /&gt;
dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch&lt;br /&gt;
auf den Besuch eines Kindergartens, unabhängig&lt;br /&gt;
von seiner körperlichen, geistigen und seelischen&lt;br /&gt;
Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied&lt;br /&gt;
zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit&lt;br /&gt;
überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung,&lt;br /&gt;
wenn die Defizite stark ausgeprägt sind,&lt;br /&gt;
altersübliche Leistungen nicht erbracht werden&lt;br /&gt;
können oder als deutlich abweichend oder&lt;br /&gt;
behandlungsbedürftigempfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn Menschen, die durch einen angeborenen&lt;br /&gt;
oder erworbenen gesundheitlichen Schaden&lt;br /&gt;
in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt&lt;br /&gt;
sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder&lt;br /&gt;
Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig:&lt;br /&gt;
körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe,&lt;br /&gt;
Sinnesschädigungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprachbehinderun&lt;br /&gt;
gen, geistige Behin&lt;br /&gt;
derungen, Genstö&lt;br /&gt;
rungen, psychische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungen, sozi&lt;br /&gt;
ale Behinderungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lernbehinderungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verhaltenauffällig&lt;br /&gt;
keiten. Man unter&lt;br /&gt;
scheidet je nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schweregrad: ent&lt;br /&gt;
wicklungsverzögert, .&lt;br /&gt;
behindert, schwerst- behindert, schwerst- groß klein&lt;br /&gt;
mehrfachbehindert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Einschätzungen werden vom Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das&lt;br /&gt;
Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden&lt;br /&gt;
diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der Familie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit ver&lt;br /&gt;
steckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die gesamte Stadt&lt;br /&gt;
(Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin&lt;br /&gt;
gebracht und hatten&lt;br /&gt;
längere Anfahrtswege.&lt;br /&gt;
Anfang der neunziger&lt;br /&gt;
Jahre veränderten sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. die Sonderkindergärten&lt;br /&gt;
heiß - kalt in „Integrative Kinder&lt;br /&gt;
tagesstätten“. Das heißt,&lt;br /&gt;
sie betreuten fünf behinderte Kinder gemeinsam&lt;br /&gt;
mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und&lt;br /&gt;
meist gab es noch eine heilpädagogische Gruppe&lt;br /&gt;
nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste&lt;br /&gt;
der Gesetzgeber die heilpädagogischen Gruppen&lt;br /&gt;
auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt&lt;br /&gt;
es seit 1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass&lt;br /&gt;
jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, ein&lt;br /&gt;
behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld&lt;br /&gt;
aufzunehmen. Das ist dann manch-mal das einzige&lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe&lt;br /&gt;
dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den&lt;br /&gt;
Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch&lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll.&lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie&lt;br /&gt;
und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu anderen&lt;br /&gt;
Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten&lt;br /&gt;
hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, es kann&lt;br /&gt;
Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr Kind&lt;br /&gt;
kümmern, sie können die vielen Anregungen und&lt;br /&gt;
Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 U 7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mn&lt;br /&gt;
fröhlich - traurig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann ssich an&lt;br /&gt;
anderen orientieren, dabei seine eigenen Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, Möglichkeiten&lt;br /&gt;
und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere&lt;br /&gt;
Kinder andere Bedürfnisse und Interessen haben,&lt;br /&gt;
und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht&lt;br /&gt;
zu kommen. Darüber hinaus bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische&lt;br /&gt;
Früherziehung, Turnen und Ausflüge. All das fördert&lt;br /&gt;
und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem&lt;br /&gt;
Integrationskindergarten gibt es mehr Dynamik&lt;br /&gt;
und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man&lt;br /&gt;
muss nur genau gucken, was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und&lt;br /&gt;
lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer ist als die anderen, wird eben gewartet, und&lt;br /&gt;
einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird&lt;br /&gt;
geholfen. Für das soziale Verhalten bringt das sehr&lt;br /&gt;
viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich&lt;br /&gt;
sind, dass jeder Mensch ver&lt;br /&gt;
schieden ist und andere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedürfnisse hat. Das lernt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der et&lt;br /&gt;
was anders ist, aber trotzdem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION IN DER PRAXIS dick ii dü nn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und als erstes lernen Kinder und&lt;br /&gt;
Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder&lt;br /&gt;
nehmen naturgemäß ihr „anders sein“ als normal&lt;br /&gt;
an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern&lt;br /&gt;
brauchen meist etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden&lt;br /&gt;
haben und somit sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie&lt;br /&gt;
schnell eventuelle Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative&lt;br /&gt;
Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf&lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30&lt;br /&gt;
Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende&lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach&lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die&lt;br /&gt;
Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen&lt;br /&gt;
können, also in jeder Gruppe. Danach sind&lt;br /&gt;
sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von 14.30 Uhr an&lt;br /&gt;
spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen&lt;br /&gt;
Kindergarten, und das sind wir auch.&lt;br /&gt;
Trotzdem gibt es bei uns im Interesse der&lt;br /&gt;
behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}DI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwarz - weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder&lt;br /&gt;
von Vorteil sind. So legen wir Wert auf einen klar&lt;br /&gt;
strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen&lt;br /&gt;
benötigen diese&lt;br /&gt;
Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu&lt;br /&gt;
können. Aber er ist&lt;br /&gt;
für alle Kinder gut,&lt;br /&gt;
denn schließlich&lt;br /&gt;
sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in&lt;br /&gt;
der Einrichtung.So&lt;br /&gt;
istes wichtig, dass&lt;br /&gt;
sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen&lt;br /&gt;
überschaubar abwechseln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind&lt;br /&gt;
zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten gemeinsam in der Gruppeein. Für behinderte&lt;br /&gt;
Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas,&lt;br /&gt;
was sie noch lernen oder verbessern müssen. Beim&lt;br /&gt;
gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist&lt;br /&gt;
auch für alle anderen ein wichtiges Miteinander,&lt;br /&gt;
denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein,&lt;br /&gt;
die müde machen, oder der Kindergartenalltag&lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam&lt;br /&gt;
mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf.&lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer eine&lt;br /&gt;
Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann&lt;br /&gt;
im übrigen schlafen, wenn es das möchte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder&lt;br /&gt;
gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die&lt;br /&gt;
Körperpflege.Das Windelnwechseln, Zähneputzen,&lt;br /&gt;
waschen und der Toilettengang macht immer ein&lt;br /&gt;
Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung zur&lt;br /&gt;
selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig&lt;br /&gt;
Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch&lt;br /&gt;
gelernt und eingeübt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei&lt;br /&gt;
Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen&lt;br /&gt;
damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu&lt;br /&gt;
gemeinsamem Spiel und damit zum Lernen von&lt;br /&gt;
einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen&lt;br /&gt;
15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick&lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen&lt;br /&gt;
behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel&lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit&lt;br /&gt;
festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. Siesind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun&lt;br /&gt;
stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die&lt;br /&gt;
positive Entwicklung unerlässlich. Für eine gute&lt;br /&gt;
Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern&lt;br /&gt;
enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein&lt;br /&gt;
bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. Die&lt;br /&gt;
Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie eine „kinderfreie&lt;br /&gt;
Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den&lt;br /&gt;
Partner oder die Geschwister haben. Für behinderte&lt;br /&gt;
Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls&lt;br /&gt;
viele Vorteile. Sie haben keine Anfahrtswege und&lt;br /&gt;
Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste ist das gemeinsame&lt;br /&gt;
Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne&lt;br /&gt;
Unterschied nehmen an allem teil, jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist normal,&lt;br /&gt;
verschieden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A 17&lt;br /&gt;
lang - kurz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Jahreals&lt;br /&gt;
Kinderkrankenschwestertätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach Familienpause&lt;br /&gt;
Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
Mutter vo 3Kindem, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ineiner integraten&lt;br /&gt;
Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Hessen&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}GRENZEN ÜBERWINDEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine&lt;br /&gt;
einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. Er muß sich neu orientieren, neue soziale&lt;br /&gt;
Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt&lt;br /&gt;
nicht immer schnell und reibungslos, vielen fällt es&lt;br /&gt;
schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser&lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich&lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im&lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht&lt;br /&gt;
Angst. Viele Menschen - Einheimische wie Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung&lt;br /&gt;
ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in&lt;br /&gt;
fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise,&lt;br /&gt;
die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort&lt;br /&gt;
bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. Im&lt;br /&gt;
ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit&lt;br /&gt;
und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen&lt;br /&gt;
ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im&lt;br /&gt;
straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt&lt;br /&gt;
es nur zwei Möglichkeiten: Integration oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEG RATIONSVERLÄUFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose&lt;br /&gt;
Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen,&lt;br /&gt;
sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber&lt;br /&gt;
auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. So vielfältig wie die Menschen sind auch&lt;br /&gt;
ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem&lt;br /&gt;
gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer&lt;br /&gt;
guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in eine&lt;br /&gt;
freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet,&lt;br /&gt;
ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste&lt;br /&gt;
schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder&lt;br /&gt;
fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte&lt;br /&gt;
schon Teilerfolge sind in diesem Fall enorm hoch&lt;br /&gt;
zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig,&lt;br /&gt;
häufig begleitet von Depressionen, die durch einen&lt;br /&gt;
unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden&lt;br /&gt;
solche Menschen haben es auf dem Land extrem&lt;br /&gt;
schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen,&lt;br /&gt;
welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen,&lt;br /&gt;
seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das&lt;br /&gt;
Personal dort ist zumeist wenig bis gar nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig&lt;br /&gt;
überfordert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden&lt;br /&gt;
mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei steigt im&lt;br /&gt;
Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins&lt;br /&gt;
Uferlose&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder&lt;br /&gt;
Analphabetinnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur&lt;br /&gt;
eingeschränkt zugänglich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal,&lt;br /&gt;
minimal bezahlt und wird häufig nur über Beziehungen vergeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen meist weder zu Hause noch in der Schule eine&lt;br /&gt;
besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst&lt;br /&gt;
hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell&lt;br /&gt;
Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen ab,&lt;br /&gt;
besonders in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem&lt;br /&gt;
eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer&lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder&lt;br /&gt;
sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften&lt;br /&gt;
außer den christlichen Kirchen, in denen die Betroffenen seelischen Beistand finden könnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ninaaıd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösung: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten&lt;br /&gt;
ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr&lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines&lt;br /&gt;
starken Netzwerks für Migrantinnen. Dieses&lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle&lt;br /&gt;
stellen mit ehrenamtlich Engagierten, Migrantinnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie&lt;br /&gt;
möglich die Belastungen Einzelner. Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösungen und Grenzen aufgespürt. Ein solches&lt;br /&gt;
Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche&lt;br /&gt;
Hilfestellungen und Aufklärung in Krisenzeiten bei&lt;br /&gt;
Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die&lt;br /&gt;
Probleme Zugewanderter sensibilisieren. Gleichrangigsollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und sein Potenzial zu entdecken&lt;br /&gt;
und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu schaffen, sei es im Einzelkontakt&lt;br /&gt;
mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, Aktivitäten und Feiern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ie; schulung ist ein hohes Maß an Intuition&lt;br /&gt;
erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs&lt;br /&gt;
„normal“. Sie müssen lernen, damit richtig&lt;br /&gt;
umzugehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme&lt;br /&gt;
a seelische Belastungen (beispielsweise bei&lt;br /&gt;
rechtlichen Grenzfällen wie drohender&lt;br /&gt;
Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen&lt;br /&gt;
zur eigenen Supervision auswählen, denn&lt;br /&gt;
ein solches Angebot steht meist nicht zur&lt;br /&gt;
Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder&lt;br /&gt;
wollen oder aber sich distanzieren. Die&lt;br /&gt;
„Familie“ bleibt klein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
YA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. Die Bahaschriften ermutigen ausdrücklich dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch&lt;br /&gt;
alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit&lt;br /&gt;
sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket&lt;br /&gt;
allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid.“ v&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder&lt;br /&gt;
sie erschaffen wurde: Als körperliches, gedanklichintellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie&lt;br /&gt;
man selbst. Die bestmögliche Entfaltung dieser&lt;br /&gt;
Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen&lt;br /&gt;
jedes einzelnen Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen&lt;br /&gt;
Augen sehen, nicht mit denen anderer.“ 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung zu&lt;br /&gt;
Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am&lt;br /&gt;
besten die eigenen Vorurteile einfach loslassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie&lt;br /&gt;
sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie&lt;br /&gt;
in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen,&lt;br /&gt;
um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus&lt;br /&gt;
ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei&lt;br /&gt;
sollte man die vielfältigen individuellen, kulturellen&lt;br /&gt;
und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen&lt;br /&gt;
der verschiedensten Weltregionen in seine eigene&lt;br /&gt;
Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und&lt;br /&gt;
Visionen entwickeln und den Partner oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ohne Zweifel verdanken die Völker der welt,&lt;br /&gt;
welcher Rasse oder Religion sie auch angehören,&lt;br /&gt;
ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle&lt;br /&gt;
und sind einem einzigen Gott untertan...“4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten&lt;br /&gt;
nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern&lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont&lt;br /&gt;
und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit erweitern&lt;br /&gt;
Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt&lt;br /&gt;
mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit&lt;br /&gt;
allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich&lt;br /&gt;
eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten,&lt;br /&gt;
sie werden zum Wunsche anderer werden,&lt;br /&gt;
wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen&lt;br /&gt;
erreichen.“5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit&lt;br /&gt;
Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und&lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet&lt;br /&gt;
viele offene Ohren und Türen finden, welche die&lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit&lt;br /&gt;
und Liebe werden den Hass besiegen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über&lt;br /&gt;
gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere Freunde und eine neue „Familie“, sondern man&lt;br /&gt;
wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in&lt;br /&gt;
ungeahntem Maße&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit Migrantinnen sind&lt;br /&gt;
Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur&lt;br /&gt;
der Einheit der Menschheit, der Einheit in all ihrer&lt;br /&gt;
vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den&lt;br /&gt;
Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde&lt;br /&gt;
ist nur ein Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger“7. )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) BaHA’U’LÄH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) BAHA&#039;U’LÄH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
3)’Acpu’ı-BaHA, Das KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, 5.63&lt;br /&gt;
A) BAHK&#039;U&#039;LAH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Apu’ı-BaHA, ANSPRACHEN In Parıs,S.18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) &amp;quot;AspuL-BaHA, 5.0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) BAHK&#039;U’LÄH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 11&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) eV. Ostholstein/&lt;br /&gt;
schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als&lt;br /&gt;
Netzwerk im September 2002. Er wurde im Februar&lt;br /&gt;
2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für&lt;br /&gt;
Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein Ende&lt;br /&gt;
2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen Engagements“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität,&lt;br /&gt;
die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie&lt;br /&gt;
kennenzulernen. Gemeinsam machen wir&lt;br /&gt;
das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert&lt;br /&gt;
in vielfältiger Weise die Begegnung von&lt;br /&gt;
Deutschen und Migrantinnen sowie die&lt;br /&gt;
Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtigsind uns Vernetzung und Kooperation&lt;br /&gt;
mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SIEHE IM INTERNET:&lt;br /&gt;
WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter&lt;br /&gt;
Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand&lt;br /&gt;
in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder&lt;br /&gt;
Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung,&lt;br /&gt;
Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin&lt;br /&gt;
mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser&lt;br /&gt;
Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit.&lt;br /&gt;
Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen&lt;br /&gt;
und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den&lt;br /&gt;
Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie&lt;br /&gt;
Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rüz - Newroz (Neujahrsfeier&lt;br /&gt;
aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahä’i),&lt;br /&gt;
regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
N&lt;br /&gt;
Elke Zastrow&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trer, Tübingen,&lt;br /&gt;
Penang / Malaysia, Kürten (kölner Großraum) und Eutin (sit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magister socrer.in Slavistik, Pädagogikund Geographie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19931997 Vertreterin der BahäfWornens&#039;Society&#039;von Penang Isand/Malaysa,&lt;br /&gt;
u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NOWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
Mitinitiatorin und .Vorsitzende des Fördervereins,&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}/ntegrafion e&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EINE BEGRIFFSKLÄRUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen&lt;br /&gt;
‚Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts und ist bei den&lt;br /&gt;
Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden&lt;br /&gt;
Töchter gehen auf das altsprachliche Gymnasium&lt;br /&gt;
und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in&lt;br /&gt;
flüssiges Feuer verwandeln, wird man daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Antigone M. kommt ausdem Kosovo.Sie kann kaum&lt;br /&gt;
Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die&lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen keine Probleme, sich bestimmte Produkte&lt;br /&gt;
auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen&lt;br /&gt;
zu mogeln. Obwohl beide Frauen Nachbarinnen&lt;br /&gt;
sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa&lt;br /&gt;
an dem oft beschworenen Kopftuch, denn das hat&lt;br /&gt;
‚Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn&lt;br /&gt;
Jahren nach Deutschland kam. Sie kleidet sich&lt;br /&gt;
durchaus westlich elegant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Das WORT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort&lt;br /&gt;
bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration&lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen&lt;br /&gt;
Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. Interessant ist, sich&lt;br /&gt;
das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zur Einheit.“&lt;br /&gt;
“Agu’L-BaHA,ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abkapselung, Abschiebung, Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also&lt;br /&gt;
dagegen ist, dass Menschen ausgegrenzt werden,&lt;br /&gt;
abgeschoben oder verbannt oder auch nur von&lt;br /&gt;
etwas oder jemandem getrennt, der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. INTEGRATION NACH&lt;br /&gt;
SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende&lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder&lt;br /&gt;
einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft&lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation&lt;br /&gt;
verwechselt, was einer völligen Anpassung an ein&lt;br /&gt;
bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr&lt;br /&gt;
handelt es sich hier um einen schöpferischen Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch&lt;br /&gt;
das Einbringen von Werten und der Kultur der&lt;br /&gt;
außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer&lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht&lt;br /&gt;
gab, bei Erhalt der jeweils eigenen Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schulische Integration bezeichnet das Einbinden&lt;br /&gt;
von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte&lt;br /&gt;
haben und sich so weit wie möglich selbst und&lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man&lt;br /&gt;
dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle&lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche lernen&lt;br /&gt;
können. Bei zielgerichteter Integration werden alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa&lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden&lt;br /&gt;
In der zieldifferenten Integration werden die Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst&lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die&lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen&lt;br /&gt;
Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es&lt;br /&gt;
gelingt, die Balance zwischen individuellem Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander&lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen&lt;br /&gt;
können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte&lt;br /&gt;
verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder&lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das istein Zusammenschluss&lt;br /&gt;
zur Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in diesem&lt;br /&gt;
wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und&lt;br /&gt;
vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen sie&lt;br /&gt;
gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Integration besteht aus Regeln und&lt;br /&gt;
Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige Souveränität&lt;br /&gt;
einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben&lt;br /&gt;
solche Integrationsprozesse laufen typischerweise&lt;br /&gt;
in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Es werden innerhalb des Verbunds die zölle&lt;br /&gt;
für bestimmte Güter abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber&lt;br /&gt;
Drittländern beibehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.In einem gemeinsamen Markt werden&lt;br /&gt;
Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden&lt;br /&gt;
einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.In einer politischen Union entsteht eine&lt;br /&gt;
gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung,&lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden&lt;br /&gt;
lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch&lt;br /&gt;
über bestimmte Themen wird erleichtert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen&lt;br /&gt;
‚Aktionen werden überwunden. Das beschränkt&lt;br /&gt;
sich zunächst auf gegenseitige Interessen und&lt;br /&gt;
Themen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegen&lt;br /&gt;
über Dritten wird überlegt und beschlossen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.Normen und Gesetze aus den jeweiligen&lt;br /&gt;
Kulturen, die ein gemeinsames Handeln&lt;br /&gt;
erschweren, werden nach und nach abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln&lt;br /&gt;
und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle&lt;br /&gt;
entstehen lässt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.Es wird eine gemeinsame \Vvertehierarchie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aufgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Es werden Instrumente geschaffen, diese&lt;br /&gt;
Wertehierarchie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen,&lt;br /&gt;
ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre&lt;br /&gt;
Herkunftsidentität aufgegeben hätten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Ein BLICK IN DIE BAHÄI-SCHRIFTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Baha’i-Schriften, und dennoch gibt&lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen&lt;br /&gt;
Baha’u’llahs und ’Abdu’l-Bahas kreisen, wie um die&lt;br /&gt;
Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben gezeigten. Zumindest ist eseinen Versuch wert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine&lt;br /&gt;
ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da&lt;br /&gt;
die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen&lt;br /&gt;
und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und&lt;br /&gt;
Gebräuchen, Geschmack und Temperament,&lt;br /&gt;
Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen&lt;br /&gt;
verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass&lt;br /&gt;
diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind.&lt;br /&gt;
Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem&lt;br /&gt;
Streit zwischen kriegführenden Völkern und&lt;br /&gt;
wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig&lt;br /&gt;
zerstören, Familien ausroften, sich aller Ruhe&lt;br /&gt;
und allen Wohlergehens berauben und in&lt;br /&gt;
Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist&lt;br /&gt;
tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit&lt;br /&gt;
ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen,&lt;br /&gt;
Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und&lt;br /&gt;
Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Erist lobenswert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Appu&#039;L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
n&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann&lt;br /&gt;
richtet euren Blick auf die Einheit.“&lt;br /&gt;
BAHA’U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.„Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in&lt;br /&gt;
strahlender Freude mit allen Völkern und&lt;br /&gt;
Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr&lt;br /&gt;
mit anderen Menschen Einheit und Eintracht&lt;br /&gt;
schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung&lt;br /&gt;
der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der&lt;br /&gt;
Nationen führt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U&#039;LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.,Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der&lt;br /&gt;
Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die&lt;br /&gt;
Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung&lt;br /&gt;
dieser Einheit Ist, dass die Völker der Welt sich&lt;br /&gt;
gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag&lt;br /&gt;
dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die&lt;br /&gt;
schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen&lt;br /&gt;
wesentlichen Bestandteilen die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit in allen Aspekten des Denkens und&lt;br /&gt;
Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung&lt;br /&gt;
der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und&lt;br /&gt;
individuellen Ausdrucks.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U.GoLLMER IN: &amp;quot;ABDU’L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.,Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und&lt;br /&gt;
ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn undehe&lt;br /&gt;
nicht ihre Einheit fest begründet ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;U/LLÄH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7... es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen&lt;br /&gt;
der Welt miteinander in Frieden sein werden.&lt;br /&gt;
Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um&lt;br /&gt;
äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass&lt;br /&gt;
sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie ist!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Apu’L-BaHA, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft&lt;br /&gt;
Ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die&lt;br /&gt;
Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht&lt;br /&gt;
des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt&lt;br /&gt;
derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden&lt;br /&gt;
kann.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Agpu’ı-BaHä, ANSPRACHEN IN PaRıs, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos: M Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie&lt;br /&gt;
sind nicht versehentlich in eine Computerzeitschrift&lt;br /&gt;
geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es&lt;br /&gt;
geht zwar jetzt um Computer, aber es geht dabei&lt;br /&gt;
in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft&lt;br /&gt;
gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch&lt;br /&gt;
einmal explizit formuliert und durch Studien belegt&lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen&lt;br /&gt;
und Migranten in eine Gesellschaft zu integrieren&lt;br /&gt;
oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung&lt;br /&gt;
erhalten. Eine Studie aus der Schweiz zu diesem&lt;br /&gt;
Thema stellt die entscheidenden Fragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \vie kann der Zugang zur Bildung gefördert&lt;br /&gt;
werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche Hindernisse stehen einer Nutzung der&lt;br /&gt;
Bildung im VWvege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriumsin&lt;br /&gt;
Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für künftige&lt;br /&gt;
Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb&lt;br /&gt;
noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk&lt;br /&gt;
auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft&lt;br /&gt;
ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben will&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildung für alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, ob das&lt;br /&gt;
gewollt wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Baha&#039;i-Weltzentrum schreibt in der Erklärung&lt;br /&gt;
Ein gemeinsamer Glaube: „Neben der Erleichterung&lt;br /&gt;
des interpersonalen und intersozialen Austausches&lt;br /&gt;
hat der generelle Zugang zu Informationen den&lt;br /&gt;
Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer Elite zugänglich&lt;br /&gt;
zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der Nation, Rasse&lt;br /&gt;
oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die&lt;br /&gt;
globale Vernetzung konserviert, janoch verstärkt,&lt;br /&gt;
kann doch kein informierter Beobachter leugnen,&lt;br /&gt;
dass von diesem Wandel der Impuls ausgeht, über&lt;br /&gt;
das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller&lt;br /&gt;
zu den Quellen der Bildunganstreben und vielleicht&lt;br /&gt;
sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier Zugang für&lt;br /&gt;
alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei&lt;br /&gt;
heißen: frei im Sinne von freiheitlich und frei im&lt;br /&gt;
sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das&lt;br /&gt;
national wie international außerordentlich erfolgreich&lt;br /&gt;
TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA?&lt;br /&gt;
Das KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So&lt;br /&gt;
schreibt die Süddeutsche Zeitung: „.. auf unseren&lt;br /&gt;
inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als&lt;br /&gt;
sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das&lt;br /&gt;
könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten aufder Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um&lt;br /&gt;
Linux, genauer, um die neueste Variante dieses&lt;br /&gt;
Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt&lt;br /&gt;
ubuntu und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der.Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu istein altes afrikanisches Wort&lt;br /&gt;
und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten Sinne,&lt;br /&gt;
Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die&lt;br /&gt;
gesamte Menschheit verbindet. Dieses Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische&lt;br /&gt;
Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er&lt;br /&gt;
oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Baha&#039;i mögen solche Sätze nicht gerade fremd&lt;br /&gt;
klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert&lt;br /&gt;
und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten strikt&lt;br /&gt;
zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme&lt;br /&gt;
seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu&lt;br /&gt;
nutzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hatdas Recht, alle Programme seiner wahl&lt;br /&gt;
beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® leder hat das Recht, Programme seinen&lt;br /&gt;
Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und&lt;br /&gt;
zu verändern und darfdurch nichts daran&lt;br /&gt;
gehindert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr&lt;br /&gt;
Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen&lt;br /&gt;
mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft&lt;br /&gt;
aus Hilfsbereitschaft zu bilden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt&lt;br /&gt;
übersetzt werden, damit jeder es in seiner&lt;br /&gt;
Muttersprache benutzen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit&lt;br /&gt;
und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet&lt;br /&gt;
Dazu weiter unten mehr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE HINTERGRÜNDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant&lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen&lt;br /&gt;
Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt&lt;br /&gt;
ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den welthunger&lt;br /&gt;
stillen,den Kriegabschaffen, Krankheiten ausrotten,&lt;br /&gt;
Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die Bildung sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar&lt;br /&gt;
unabhängig vom gesellschaftlichen Stand - Zugang&lt;br /&gt;
zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir&lt;br /&gt;
dafür aufbringen? Zwei Stunden täglich oder einige&lt;br /&gt;
stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür&lt;br /&gt;
tun? Wie viele Menschen müssen das&#039;wollen‘, bevor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er&lt;br /&gt;
war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten&lt;br /&gt;
Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen Wweltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine&lt;br /&gt;
stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns in ein&lt;br /&gt;
neues Technologiezeitalter bringt und außerdem&lt;br /&gt;
verspricht sie den universellen Zugang zu den Vverkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu&lt;br /&gt;
voran, weil ich dieses Versprechen Realität&lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer SoftwareZweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich&lt;br /&gt;
ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das&lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen&lt;br /&gt;
aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„eircle of friends“ symbolisiert den wesentlichen&lt;br /&gt;
Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der&lt;br /&gt;
Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es&lt;br /&gt;
also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter technischem Wissen stehen, mit Baha’iKonzepten zu verknüpfen? In der Textzusammen&lt;br /&gt;
stellung Die Bewahrung der Erde und ihrer&lt;br /&gt;
Hilfsquellen (5.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte Sätze: „Baha’u’llah entwirft ein Welt&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bild auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und&lt;br /&gt;
Geschlechter der Erde zu dienen«. ’Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
weist aufdie wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der welt .. hin. Er stellt sich vor, dass die&lt;br /&gt;
Entwicklung auf eine geeinte welt hin zunehmen&lt;br /&gt;
und als »Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird.Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die&lt;br /&gt;
Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. »Solange&lt;br /&gt;
jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche Tugenden&lt;br /&gt;
noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht&lt;br /&gt;
und kein Ergebnis; auch bewirken sie nicht der&lt;br /&gt;
Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel&lt;br /&gt;
ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen,&lt;br /&gt;
und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass&lt;br /&gt;
sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren&lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist&lt;br /&gt;
dann neben Toleranz und Idealismus auch der verzicht auf Komfort gefordert. Meist dauertesnicht&lt;br /&gt;
lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu&lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf&lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogrammel Auch die Presse istvoll des Lobes. Dabei stehen&lt;br /&gt;
für die eher technisch orientierte Fachwelt das&lt;br /&gt;
Funktionieren und die Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. Ubuntu ist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die&lt;br /&gt;
Technik mit Mitmenschlichkeit erobert und durch&lt;br /&gt;
Leistung überzeugt zu haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das&lt;br /&gt;
geht völlig gefahrlos über eine sogenannte LiveCD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm&lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach&lt;br /&gt;
Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran&lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben,&lt;br /&gt;
findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch (natürlich) kostenlos im Internet, sondern&lt;br /&gt;
auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntuGemeinde, die über alle Hürden hinweghilft&lt;br /&gt;
Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, wie der Deutschlandfunk seine&lt;br /&gt;
sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt&lt;br /&gt;
noch anzumerken, dass in Mazedonien gerade 5000&lt;br /&gt;
schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei&lt;br /&gt;
Gründen: Es ist kostenlos, es lauft auch auf alten&lt;br /&gt;
Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ubuntu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWWLUBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNE TADRESSE DES VEREINS&lt;br /&gt;
UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP: /ÄNWWE.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCH AAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AU TORS. ÜBER IHN GIBT&lt;br /&gt;
ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl -Tneologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
ehemalskath.Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit. dem Jahr 2000 Bahäi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet heuteals&lt;br /&gt;
Meditationsiehrer&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&lt;br /&gt;
ALLE MENSCHEN SIND SEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÜRGER.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄU’LLÄH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm&lt;br /&gt;
kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte&lt;br /&gt;
aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nureine.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ABDU’L-BAHA, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Mocambique zu integrieren&lt;br /&gt;
bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, Wachsen,&lt;br /&gt;
Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein,&lt;br /&gt;
Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem&lt;br /&gt;
Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem&lt;br /&gt;
Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht&lt;br /&gt;
im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Mocambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Ändersseins zu einer&lt;br /&gt;
Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor&lt;br /&gt;
meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem&lt;br /&gt;
Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts der Unterschiede, aber auch Momente des&lt;br /&gt;
tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren&lt;br /&gt;
lassen, dass diese Partnerschaft die Anstrengungen&lt;br /&gt;
wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der&lt;br /&gt;
Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt&lt;br /&gt;
—- wenn ich mich etwa dazu durchringe, mich genau&lt;br /&gt;
wie meine Mutter um die Änziehsachen meines&lt;br /&gt;
Mannes zu kümmern, ihm das Wasser zum Baden&lt;br /&gt;
zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die&lt;br /&gt;
Wohnung sauber zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines&lt;br /&gt;
solchen Verhaltens für Frauen in Mocambique gar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOCAMBIOUE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Facetten einer Integration in Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch&lt;br /&gt;
darüber beschwert, dass ich ihm die Banane nur in&lt;br /&gt;
der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch&lt;br /&gt;
nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme&lt;br /&gt;
direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann&lt;br /&gt;
einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er besteht&lt;br /&gt;
darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die&lt;br /&gt;
Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, dass&lt;br /&gt;
wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere&lt;br /&gt;
jeweils eigenen Schwächen und Ängste anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in&lt;br /&gt;
Toleranz gegenüber den Grenzen des anderen&lt;br /&gt;
allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte&lt;br /&gt;
zu lösen, anzunähern. Dabei ist es uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere&lt;br /&gt;
Kultur im täglichen Leben kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TANZANIA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(mr&lt;br /&gt;
Wungdeiro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
j&lt;br /&gt;
ENamamöy, Bere gi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
naeh&lt;br /&gt;
22 Nnr zIa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morumbalh, |&lt;br /&gt;
Namacurrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein *» Quelimane&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PX Innapadd YYaromau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sorfLAa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PPChinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp;&lt;br /&gt;
m Dpnoo&lt;br /&gt;
Gaira s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nova Mambone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\inhassöro&lt;br /&gt;
Pina 00 Bazanıo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S Mahpte  lanaules &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps,&lt;br /&gt;
Y INHAMBANE&#039; 330 Sebasso&lt;br /&gt;
&amp;lt; Porta da Bar Faisa&lt;br /&gt;
h YMassinga&lt;br /&gt;
Homoing, Byinhambane&lt;br /&gt;
Panda, os&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„oifharmme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VAR&lt;br /&gt;
Ze MAPUTO&lt;br /&gt;
N, Join vis&lt;br /&gt;
5) en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 5 10 180m&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
UNITED REPUBLIC OF&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fr}&lt;br /&gt;
EKGADO&lt;br /&gt;
Ancuabe „|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ofkontoprez&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gNamuno }&lt;br /&gt;
Te Kamapa OCEAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Momba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HOuissanga&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sPemba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mecubörl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fioaun, NM PULAG&lt;br /&gt;
9&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
amp Ürcoha STR&lt;br /&gt;
Murrüpuia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hama /PMogincual&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„DAngoche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn Aizecne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spsbane&lt;br /&gt;
Svaa da Maganja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natonal capital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Provinciel caprtal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Town, vitage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Airport&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
International boundary&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rovinclal boundary&lt;br /&gt;
Main road&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Railroad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDIAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Kindern = bel unserem Umzug nach&lt;br /&gt;
Mocambique waren sie und Jahre ait-pltzlich&lt;br /&gt;
Inelner anderen Kulturzu leben, Istele ganzeigene Herausforderung. Besonders, wenn se Im Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder EntwickJungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich&lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und dochwegen ihrersoanderen kulturellen Erfahrungen eben&lt;br /&gt;
auchnicht&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die&lt;br /&gt;
unsallen helfen, Menschen In ihrer Abhangigkeit&lt;br /&gt;
von dem Umfeld, indem sie aufwachsen, verstehen&lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, wases wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein soll&lt;br /&gt;
und dass es manchmal eine große Bereicherung&lt;br /&gt;
und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
melnen anderen Brüdern und Schwestern wirklich&lt;br /&gt;
familiär verbunden zu fühlen, Und es ist faszinierend zu erkennen, weich scharfe Beobachtungen&lt;br /&gt;
die eigenen Kinder anstellen -sowohl ananderen&lt;br /&gt;
Menschen als auch an sich selbst- bezüglich der&lt;br /&gt;
hiesigen oder auch der europäischen Kultur und&lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung,&lt;br /&gt;
Schließlich sinddanoch all die Selbsterständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich gar&lt;br /&gt;
nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen:&lt;br /&gt;
ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich bei&lt;br /&gt;
Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; ale Freude, im&lt;br /&gt;
Haus zu sein, wenn es draußen regnet [während&lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass&lt;br /&gt;
Ihre Hütte einstürzt); die Menge an&lt;br /&gt;
Wien über die Natur,dieReligionen,&lt;br /&gt;
die Möglichkeit, Bücher zu lesen und N&lt;br /&gt;
gut gestaltete Lehrbücher zu haben.&lt;br /&gt;
Fürunsals Eltern und spezlellfürmich&lt;br /&gt;
u und Bahaibedeutet dasvor&lt;br /&gt;
allem, die Begrenzthelt des gegenwartigen Entwicklungsstadlums der&lt;br /&gt;
Menschheit sowie dle großen Unter&lt;br /&gt;
schiede in den materiellen Lebens- } W [M&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umständen beider Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, ofteinfach hinzunehmen, nicht schönzureden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration In Mocambique als Frau&lt;br /&gt;
heißt auch Konfrontation mit einem&lt;br /&gt;
Geschlechterverhältnis, das einen&lt;br /&gt;
manchmal erschauern lässt, Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe&lt;br /&gt;
Ich mich mitunter plötzlich hineinversetzt In die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die gewalttätigen Männern&lt;br /&gt;
schutzlos ausgeliefert sind und&lt;br /&gt;
auch nichtaufdie Unter&lt;br /&gt;
der Nachbarn zahlen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stitzung N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die beiderSchwangerenuntersuchung&lt;br /&gt;
feststellen, dass sie HIV-positiv sind und&lt;br /&gt;
daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutteraufdle Strasse geworfen werden selbst dann, wenn siesich nur beilhremeigenen Mann infiziert haben können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil&lt;br /&gt;
erihrdie Schuldanselnerelgenen mislichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- eine Mutter, die WWochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zueiner anderen Frauin&lt;br /&gt;
Ihrer Verzweiflung hre KleinenKinder beider&lt;br /&gt;
Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht&lt;br /&gt;
mehr um die Kinder kümmern kannte - die&lt;br /&gt;
Polizei dann aber nichts anderes tat, als die&lt;br /&gt;
Frau eine Nachteinzusperren, damitsielernt&lt;br /&gt;
dass eine Mutter niemalsihre Kinder ver fassen&lt;br /&gt;
dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die&lt;br /&gt;
von Ihren Männern wegen einer anderen FrauverIassen wurden -eineeigentlichschon ganz normale&lt;br /&gt;
Erscheinung; gleichzeitighaben wires In Mocambique miteiner Gesellschaft zutun, Inder dleMehrhelt der frauen mitIhren Kindern Inwirtschaftlich&lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und&lt;br /&gt;
keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die&lt;br /&gt;
Se selbstanwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sindso umfassend und so allgegennwartig, dass an&lt;br /&gt;
die Lösungder Entwicklungsprobleme&lt;br /&gt;
dieses Landes kaum zu deniken Ist, soJange solcheln Chaosin der Geschlechnm ferbeziehung herrscht. Das Erleben&lt;br /&gt;
MB ieser Geschichten lässt erahnen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en&lt;br /&gt;
land wie Mocambique wird deutlich,&lt;br /&gt;
IR ass ci Beachtung geistiger Prinzipien&lt;br /&gt;
BR schlichtwegüberebensnowenigsein&lt;br /&gt;
Alan. Und dass geistige Prinzipien&lt;br /&gt;
I Hand in Hand gehen sollten mit der&lt;br /&gt;
nateriellen Entwicklung zur Beseiti&lt;br /&gt;
gungvonArmut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahä’i in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahä’i-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Baha’u’llahs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahä’i zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
www.tempora.org&lt;br /&gt;
E-Mail:&lt;br /&gt;
tempora@bahai.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAYOUT&lt;br /&gt;
Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tel.:+49 (0) 6192 / 22 921&lt;br /&gt;
Fax: +49 (0) 6192/2293 6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
www.bahai-verlag.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
Abonnementpreis für vier Ausgaben&lt;br /&gt;
EUR 18,00 / Einzelheft EUR 5,00&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
Herausgebers wieder. Für unverlangt eingesandte&lt;br /&gt;
Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion&lt;br /&gt;
keine Haftung. Die Redaktion behält sich sinn&lt;br /&gt;
bewahrende Kürzungen und Änderungen der&lt;br /&gt;
Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind&lt;br /&gt;
urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Baha’u’llah&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahä (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://de.bahai.works/index.php?title=Tempora/Nummer_13/Text&amp;diff=77456</id>
		<title>Tempora/Nummer 13/Text</title>
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		<updated>2022-05-28T05:59:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{page|1|file=Tempora_13.pdf|page=1}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;TEMPORA&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nr. 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|2|file=Tempora_13.pdf|page=2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;NR. 13 INHALT&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Keimzelle Familie . . . . . 4&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::Roland Greis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4 . . . . . Parallelgesellschaften vermeiden&#039;&#039;&#039; - von gegensitigen Erwartungen  &#039;&#039;Roland Greis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6 . . . . . Es ist normal, verschieden zu sein&#039;&#039;&#039; - Im integrativen Kindergarten  &#039;&#039;Marianne Kretschmer&#039;&#039;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9 . . . . . Grenzen überwinden&#039;&#039;&#039; - Integration auf dem Land  &#039;&#039;Elke Zastrow&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13 . . . . . Integration&#039;&#039;&#039; - Eine Begriffserklärung  &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16 . . . . . ubuntu&#039;&#039;&#039; - Computerprogramme aus Afrika  &#039;&#039;Thomas Schaaff&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19 . . . . . Moçambique&#039;&#039;&#039; - Integration in Afika  &#039;&#039;Kordula Koksch&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;24 . . . . . Is gaans anders als in Iran&#039;&#039;&#039; - Perser in Deutschland  &#039;&#039;Isabel Schayani&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;26 . . . . . Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&#039;&#039;&#039; - People&#039;s Theater  &#039;&#039;Anke Keitel, Erfan Diebel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;28 . . . . . Neubau einer Moschee&#039;&#039;&#039; - Eine Begegnungsstätte entsteht  &#039;&#039;Thomas Müller&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{page|3|file=Tempora_13.pdf|page=3}} &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EDITORIAL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION - bei diesem Begriff’ denken wir häufi&lt;br /&gt;
echt einseitig an Bföbleme bei der Eingliederung sogenan&lt;br /&gt;
Ausländer. DassiIntegration nur bei gegenseitigem Bemi&lt;br /&gt;
gelingen kann, ist eine Erkenntnis, die wir beim&lt;br /&gt;
nterschiedlicher Integrationsmodelle, aber auch bei Betrachtung&lt;br /&gt;
r biologischer Integrationsvorgänge gewinnen können.&lt;br /&gt;
ö f&lt;br /&gt;
Diese Ausgabe thematisiert deshalb eine Vielfalt von&lt;br /&gt;
Ansätzen, Erfahrungen und Feldern der Integration.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wird es möglich, Vergleiche und&lt;br /&gt;
Schlussfolgerungen auf andere Gebiete zu ziehen,&lt;br /&gt;
ein Verfahren, das immer dann hilfreich ist,&lt;br /&gt;
wenn man auf einemiisßlierten Gebiet nur mühsam&lt;br /&gt;
neuen Denkansätzen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir unseren Lesern einige Anregungen&lt;br /&gt;
zum selbständigen Weiterdenken zu bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Redaktion&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto: www.photocase.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|4|file=Tempora_13.pdf|page=4}}4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\i&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
OHNE INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOMMT ES ZU PARALLELGESELLSCHAFTEN&lt;br /&gt;
WAS VON DER GESELLSCHAFT UND WAS VON DEN ZUWANDERERN ZU ERWARTEN IST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Blick in die Natur lässt uns verstehen, was Integration bedeutet. Ökosysteme funktionieren auf&lt;br /&gt;
der Basis der Integration aller ihrer Teile. Diese&lt;br /&gt;
übernehmen Funktionen im Gesamtsystem, die&lt;br /&gt;
auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, des&lt;br /&gt;
Austauschs mit anderen Teilen beruhen. Nicht integrierte oder nicht integrierbare Teile sterben ab&lt;br /&gt;
und setzen dabei Verfallsprozesse in Gang, oder sie&lt;br /&gt;
werden zu einer solchen Belastung, dass der Gesamtorganismus krank wird oder abstirbt. Das lässt&lt;br /&gt;
sich besonders gut am Beispiel einer Krebszelle&lt;br /&gt;
darstellen. Sie verselbständigt sich dadurch, dass&lt;br /&gt;
sie Stoffwechselprodukte nicht mehr aufnimmt&lt;br /&gt;
und wieder abgibt, sondern nur noch nimmt. Sie&lt;br /&gt;
wuchert und drückt früher oder später ihrer Umgebung die Zufuhr von Nährstoffen ab. Die gleichen&lt;br /&gt;
Prozesse lassen sich in gesellschaftlichen Organismen beobachten, wenn es nicht gelingt, neue Teile&lt;br /&gt;
zu integrieren&lt;br /&gt;
Menschen, die nicht integriert werden, kapseln sich&lt;br /&gt;
ab, bilden zum Selbstschutz Ghettos, entwickeln&lt;br /&gt;
eigene Wertesysteme, die zunehmend mit den sie&lt;br /&gt;
umgebenden unvereinbar werden, wenn diese als&lt;br /&gt;
feindlich wahrgenommen werden. Ausgrenzung&lt;br /&gt;
wird mit innerer Abgrenzung&lt;br /&gt;
beantwortet, mit&lt;br /&gt;
der Folge,&lt;br /&gt;
zurückgegriffen wird, da diese&lt;br /&gt;
mehr Schutz und Integration zu&lt;br /&gt;
bieten scheinen als die Umwelt&lt;br /&gt;
Nichtintegration führt unweigerlich zu Vorurteilen, Missverständnissen und Diskriminierung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Aggression und Verteidigungsstrategien, die&lt;br /&gt;
wiederum die Ausgrenzungstendenzen verstärken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MM&lt;br /&gt;
uy A&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fig auf archaische Wertesysteme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
_&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese fatale Wechselwirkung ist wie die des&lt;br /&gt;
Rüstungswettlaufs letztlich selbstzerstörerisch,&lt;br /&gt;
wenn sie nicht durch einsichtiges Verhalten beendet&lt;br /&gt;
wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um gesamtgesellschaftliche Prozesse&lt;br /&gt;
handelt, ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass&lt;br /&gt;
der Integrationsimpuls von oben, also von den Instanzen kommt, die den Organismus steuern können. Der Erziehungssektor spielt hierbei eine&lt;br /&gt;
Schlüsselrolle, da er vor allem die nachwachsenden&lt;br /&gt;
Mitglieder flächendeckend erreichen und durch&lt;br /&gt;
geeignete Maßnahmen integrieren kann. Das ist&lt;br /&gt;
übrigens entschieden billiger, als die Gesellschaft&lt;br /&gt;
die verheerenden Folgen der Nichtintegration tragen zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir haben also die Wahl: Weiter Menschen aus&lt;br /&gt;
Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsprozessen&lt;br /&gt;
auszugrenzen und dadurch zunehmend Kulturkämpfe, Kriminalität, Aggression und Depressionen&lt;br /&gt;
zu fördern oder Menschen daszu geben, wasihnen&lt;br /&gt;
als Menschenrecht zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration erfordert Mitgefühl. Man muss sich in&lt;br /&gt;
die Lage dessen versetzen können, der ausgegrenzt&lt;br /&gt;
wird. Wird das Problem lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, kommt man zwar auch&lt;br /&gt;
zu dem Ergebnis, dass Integration langfristig&lt;br /&gt;
kostengünstiger ist als Nichtintegration&lt;br /&gt;
Denn sie lässt das menschliche Potenzial&lt;br /&gt;
der Integrierten zur Wirkung kommen,&lt;br /&gt;
was sich auch in materiellem Gewinn&lt;br /&gt;
niederschlägt. Aber eine echte Motivation&lt;br /&gt;
zum integrierenden Handeln leitet sich&lt;br /&gt;
allein aus ökonomischer Sicht nur unzureichend ab. Diese ist meistso sehr mit&lt;br /&gt;
egoistischen Einstellungen verknüpft und&lt;br /&gt;
damit einäugig, dass sie selten zu nachhaltigen Entscheidungen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wäre das anders, hätte man das Problem der&lt;br /&gt;
Arbeitslosigkeit längst durch eine gerechtere Aufteilung der Arbeit und der Löhne gelöst, statt arbeitsfähige Menschen auf die Straße zu setzen und&lt;br /&gt;
die anderen durch Mehrarbeit zusätzlich zu belasten. Solange in den Köpfen der Entscheidungsträger&lt;br /&gt;
die Wahnidee der kurzfristigen Profitmaximierung&lt;br /&gt;
herumspukt, wird auch diese Form der Integration&lt;br /&gt;
nicht zu realisieren sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Problem der Integration, der&lt;br /&gt;
Gesunderhaltung des Organismus, mit beiden Augen, dem wirtschaftlichen und dem der Gerechtigkeit, so werden Lösungen realisierbar, die sonst gern&lt;br /&gt;
{{page|5|file=Tempora_13.pdf|page=5}}als Illusionen realitätsferner Weltverbesserer diskriminiert werden. Eine Reihe Mut machender Beispiele aus aller Welt zeigt, dass Integration zu einer&lt;br /&gt;
Win-Win-Lösung für alle Beteiligten werden kann&lt;br /&gt;
völlig mittellose Menschen lassen sich in den Wirtschaftskreislauf wieder integrieren, wenn sie Basiswissen und Minikredite zur Verfügung gestellt&lt;br /&gt;
bekommen, wenn man also Vertrauen in ihr&lt;br /&gt;
menschliches Potenzial setzt. Das zeigen die in&lt;br /&gt;
mehr als 50 Ländern entstandenen Dorfbanken&lt;br /&gt;
Der Initiator, Professor Muhammad Yunus aus Bangladesh, ist dafür mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden&lt;br /&gt;
Wirtschaftsunternehmen, die nach dem Prinzip des&lt;br /&gt;
shareholdersystems organisiert sind und ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, schneiden deutlich&lt;br /&gt;
besser ab, weil sie das kreative Potenzial ihrer Anteilseigner mobilisieren als solche, die mit Entlassungsdruck arbeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erziehungssysteme, die Hierarchien abbauen, Lehrende und Lernende in gemeinsame Lernprozesse&lt;br /&gt;
integrieren und den sozialen vvert der Ausbildung&lt;br /&gt;
in der Praxis erfahrbar werden lassen, erweisen&lt;br /&gt;
sich als deutlich effektiver, kostengünstiger und&lt;br /&gt;
befriedigender für alle Beteiligten als solche, die&lt;br /&gt;
durch Auslese Eliten bilden und beträchtliche Teile&lt;br /&gt;
demotivieren und ausgrenzen, die anschließend&lt;br /&gt;
der Allgemeinheit zur Last fallen, da sie ihr Potenzial&lt;br /&gt;
nicht entfalten konnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehört&lt;br /&gt;
es im positiven Sinne, Wirkung zu haben, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und&lt;br /&gt;
dafür respektiert und anerkannt zu werden. Machen&lt;br /&gt;
wir dieses Menschenrecht zum Ausgangspunkt&lt;br /&gt;
gesellschaftlicher Überlegungen, setzen wir also&lt;br /&gt;
den Menschen und nicht Verwertungsinteressen&lt;br /&gt;
als Maßstab des politischen Handelns, so werden&lt;br /&gt;
Lösungsansätze möglich, die viele heute noch für&lt;br /&gt;
realitätsfern halten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Umgang mit Zugewanderten bedeutetdas&lt;br /&gt;
zunächst, dass man ihnen wirksame Fördermaßnahmen zur Beherrschung der Landessprache anbietet, denn ohne die sprachliche Integration lässt&lt;br /&gt;
sich die Ghettobildung kaum vermeiden, wie zahllose Beispiele im In- und Ausland zeigen&lt;br /&gt;
Besonders vor der Einschulung müssen die sprachlichen Voraussetzungen überprüft und geschaffen&lt;br /&gt;
werden, was am besten im kostenfreien (I) und vor&lt;br /&gt;
der Einschulung verbindlichen Kindergarten geschieht. Die Wohnsituation zugewanderter Mitbürger muss so gestaltet werden, dass diese zusammen mit Einheimischen in Miethäusern untergebracht sind. Das fördert den Kontakt und ermöglicht den Abbau von Vorurteilen. Persönliche&lt;br /&gt;
Kontakte sind das beste Mittel, um Integration zu&lt;br /&gt;
erleichtern. Hinzu muss aber eine langfristige Betreuung durch sozial kompetente Kontaktpersonen&lt;br /&gt;
bis zur erfolgreichen Eingliederung kommen&lt;br /&gt;
Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für jede Integration, da sie das Selbstwertgefühl entscheidend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
prägt. Ohne Integration in Arbeitsprozesse, das&lt;br /&gt;
zeigen die zunehmenden psychosozialen Folgen&lt;br /&gt;
der Arbeitslosenproblematik, ist an eine gesellschaftliche Integration nicht zu denken. Durch Einbeziehen in kulturelle Aktivitäten, Mitgliedschaft&lt;br /&gt;
in Vereinen, Clubs und Teilnahme an regelmäßigen&lt;br /&gt;
Treffs, die dem Austausch und der gegenseitigen&lt;br /&gt;
Bereicherung dienen, aber auch durch interreligiöse&lt;br /&gt;
Dialoge und gemeinsame soziale Aktivitäten lässt&lt;br /&gt;
sich besonders gut das für eine erfolgreiche Eingliederung kennzeichnende wir-Gefühlerzeugen.Diese&lt;br /&gt;
Einheit ist in dem Maße tragfähig, wie sie mit der&lt;br /&gt;
Anerkennung und Förderung der kulturellen Vielfalt&lt;br /&gt;
einhergeht. Im Idealfall wird diese als echte Bereicherung für alle Beteiligten empfunden und zum&lt;br /&gt;
Anlass, voneinander zu lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behörden mit Verständnis und Mitgefühl und möglichst ohne Vorurteile sind von Anbeginn an ein&lt;br /&gt;
entscheidender Faktor, da sie die Einstellung&lt;br /&gt;
gegenüber dem Staatswesen insgesamt prägen&lt;br /&gt;
von Seiten der Zugewanderten sind unentbehrlich&lt;br /&gt;
ein engagiertes Erlernen der Landessprache, die&lt;br /&gt;
Bereitschaft, sich intensiv mit der Kultur des Gastlandes zu beschäftigen, aber auch sich selbst und&lt;br /&gt;
die eigene Kultur gesellschaftlich aktiv einzubringen. Offenheit für Kontakte und die Bereitschaft,&lt;br /&gt;
die eigenen Traditionen aufihre Zukunftstauglichkeit zu überprüfen, helfen Konflikte zu vermeiden&lt;br /&gt;
und die Unterschiede im Sinne gemeinsamen&lt;br /&gt;
Wachstums nutzbar zu machen. Selbstverständliche Voraussetzung ist es, die Gesetze, Sitten und&lt;br /&gt;
Bräuche des Gastlandes zu respektieren und&lt;br /&gt;
ebenfalls eigene Vorurteile abzubauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toleranz, das zeigen die zurückliegenden Jahrzehnte, ist bei weitem nicht genug. Den Andersartigen&lt;br /&gt;
nur zu dulden führt automatisch zu Abgrenzung,&lt;br /&gt;
Abkapselung und destruktivem Verhalten. An ihre&lt;br /&gt;
stelle müssen echte Wertschätzung und die Bereitschaft treten, den anderen als gleichberechtigten&lt;br /&gt;
Bewohner auf diesem Planeten zu sehen und zu&lt;br /&gt;
behandeln. Das kann erleichtert werden, wenn wir&lt;br /&gt;
uns bewusst machen, dass wir nur zufällig aufder&lt;br /&gt;
materiell begünstigten Seite unserer gemeinsamen&lt;br /&gt;
Erde leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5&lt;br /&gt;
{{page|6|file=Tempora_13.pdf|page=6}}Es ist normal, verschieden zu sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die MÖGLICHKEITEN EINES INTEGRATIVEN KINDERGARTENS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel 3 Absatz 3 GG darf niemand wegen&lt;br /&gt;
seiner Behinderung benachteiligt werden. Deshalb&lt;br /&gt;
sollen Behinderte durch verschiedene Hilfen ins&lt;br /&gt;
Schul- und Arbeitsleben sowie in die Gesellschaft&lt;br /&gt;
eingegliedert werden. Dazu zählen Maßnahmen&lt;br /&gt;
der Rehabilitation und Sonderpädagogik, Leistungen der Pflegeversicherung und das Recht auf Betreuung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sieht die Umsetzung dieses Paragraphen&lt;br /&gt;
für behinderte Kinder in Kindergärten aus? Um sich&lt;br /&gt;
Gedanken über Integration im Kindergarten machen zu können, müssen vorweg bestimmte&lt;br /&gt;
Hintergründe bekannt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAS IST INTEGRATION?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter sozialer Integration wird die&lt;br /&gt;
Eingliederung von Mitgliedern&lt;br /&gt;
einer bestimmten, meist als benachteiligt, gesellschaftlich randständig oder fremd empfundenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruppe, in unserem Beispiel be&lt;br /&gt;
r nd - ecki hinderte Kinder, in ein größeres&lt;br /&gt;
u g Gemeinwesen, hier in den Kin&lt;br /&gt;
6&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dergarten, verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration greift im Wesentlichen nur bei Anerkennung gemeinsamer Merkmale, Grundwerte und&lt;br /&gt;
Ziele. Außerdem ist es erforderlich, dass alle Mitglieder dieser Gruppe am Alltagsgeschehen nach&lt;br /&gt;
ihren Möglichkeiten teilnehmen und die gemeinsam aufgestellten Regeln übernehmen.&lt;br /&gt;
Integration heißt im Kindergarten also nicht, dass&lt;br /&gt;
das Kind mit Behinderung sich in das Bestehende&lt;br /&gt;
einzupassen hat, sondern es muss ein wechselseitiger Prozess aller sein. Die Einrichtung und mit ihr&lt;br /&gt;
alle Kinder und Erzieher müssen sich verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE AUFGABEN EINES KINDERGARTENS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ganztägig geöffnete Kindertagesstätte ist eine&lt;br /&gt;
Einrichtung zur Betreuung und pädagogischen&lt;br /&gt;
Förderung der Kinder im Alter von zwei Jahren bis&lt;br /&gt;
zur Einschulung. Zu den Hauptaufgaben gehört es,&lt;br /&gt;
die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein, den&lt;br /&gt;
Gemeinschaftssinn und die Umweltbegegnung&lt;br /&gt;
sowie die allgemeine geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder zu fördern. Schulähnliches Leistungsdenken soll fern gehalten werden.&lt;br /&gt;
In Deutschland hat jedes Kind vom vollendeten&lt;br /&gt;
dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch&lt;br /&gt;
auf den Besuch eines Kindergartens, unabhängig&lt;br /&gt;
von seiner körperlichen, geistigen und seelischen&lt;br /&gt;
Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WIE DEFINIERT MAN BEHINDERUNG?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer Behinderung spricht man (im Unterschied&lt;br /&gt;
zu vorübergehenden Erkrankungen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei längerfristigen oder bleibenden körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigungen eines Menschen, die seine Entwicklungsmöglichkeiten und seine Lebensumstände erheblich erschweren oder einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn bestimmte Grade der Auffälligkeit&lt;br /&gt;
überschritten werden, etwa bei Blindheit, Gehörlosigkeit oder einer Körperbehinderung,&lt;br /&gt;
wenn die Defizite stark ausgeprägt sind,&lt;br /&gt;
altersübliche Leistungen nicht erbracht werden&lt;br /&gt;
können oder als deutlich abweichend oder&lt;br /&gt;
behandlungsbedürftigempfundene psychische Auffälligkeiten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn Menschen, die durch einen angeborenen&lt;br /&gt;
oder erworbenen gesundheitlichen Schaden&lt;br /&gt;
in der Ausübung der im entsprechenden Lebensalter üblichen Funktionen beeinträchtigt&lt;br /&gt;
sind und/oder auch in der Wahrnehmung oder&lt;br /&gt;
Fortsetzung ihrer sozialen Rollen, der Eingliederung in den gesamten Lebenskontext, Einschränkungen unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungsarten im Kindergarten sind vielfältig:&lt;br /&gt;
körperbehinderungen, spastische oder schlaffe&lt;br /&gt;
Lähmungen, Dauerschädigung innerer Organe,&lt;br /&gt;
Sinnesschädigungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprachbehinderun&lt;br /&gt;
gen, geistige Behin&lt;br /&gt;
derungen, Genstö&lt;br /&gt;
rungen, psychische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderungen, sozi&lt;br /&gt;
ale Behinderungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lernbehinderungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verhaltenauffällig&lt;br /&gt;
keiten. Man unter&lt;br /&gt;
scheidet je nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schweregrad: ent&lt;br /&gt;
wicklungsverzögert, .&lt;br /&gt;
behindert, schwerst- behindert, schwerst- groß klein&lt;br /&gt;
mehrfachbehindert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Einschätzungen werden vom Gesundheitsamt und/oder der Pflegekasse vorgenommen. Das&lt;br /&gt;
Gesetz sieht auch Integrationsmaßnahmen für von&lt;br /&gt;
{{page|7|file=Tempora_13.pdf|page=7}}Behinderung bedrohte Kinder vor. Leider werden&lt;br /&gt;
diese Maßnahmen aus Kostengründen so gut wie&lt;br /&gt;
gar nicht mehr genehmigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behinderte Kinder in Kindergärten gibt es erst seit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwa 35 Jahren. Bis dahin blieben sie in der Familie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht selten wurden sie vor der Öffentlichkeit ver&lt;br /&gt;
steckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begann mit Kindergärten, die nur Behinderte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aufnahmen, sogenannte „Sonderkindergärten“.&lt;br /&gt;
Diese Einrichtung war&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die gesamte Stadt&lt;br /&gt;
(Kreis). Die Kinder wurden mit Bussen dorthin&lt;br /&gt;
gebracht und hatten&lt;br /&gt;
längere Anfahrtswege.&lt;br /&gt;
Anfang der neunziger&lt;br /&gt;
Jahre veränderten sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
. die Sonderkindergärten&lt;br /&gt;
heiß - kalt in „Integrative Kinder&lt;br /&gt;
tagesstätten“. Das heißt,&lt;br /&gt;
sie betreuten fünf behinderte Kinder gemeinsam&lt;br /&gt;
mit zehn nicht behinderten in einer Gruppe, und&lt;br /&gt;
meist gab es noch eine heilpädagogische Gruppe&lt;br /&gt;
nur für Schwerstbehinderte. Im Jahr 2000 löste&lt;br /&gt;
der Gesetzgeber die heilpädagogischen Gruppen&lt;br /&gt;
auf, auch diese wurden integrativ. Parallel dazu gibt&lt;br /&gt;
es seit 1995 Einzelintegrationen. Das bedeutet, dass&lt;br /&gt;
jeder Kindergarten gesetzlich verpflichtet ist, ein&lt;br /&gt;
behindertes Kind aus dem nahen Wohnumfeld&lt;br /&gt;
aufzunehmen. Das ist dann manch-mal das einzige&lt;br /&gt;
behinderte Kind in der Einrichtung. Die Gruppe&lt;br /&gt;
dieses Kindes hat dann nicht mehr 25 Kinder, sondern nur noch 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WARUM INTEGRATIVE KINDERGÄRTEN?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder mit und ohne Behinderung brauchen den&lt;br /&gt;
Kontakt zu anderen Kindern. Deshalb ist der Besuch&lt;br /&gt;
eines Kindergarten auch für ein Kind mit Behinderung auf jeden Fall empfehlenswert und sinnvoll.&lt;br /&gt;
Wenn ein Kind behindert ist, fällt es der Familie&lt;br /&gt;
und diesem Kind viel schwerer, Kontakte zu anderen&lt;br /&gt;
Familien mit Kindern zu knüpfen. Im Kindergarten&lt;br /&gt;
hat das Kind diese Kontakte jeden Tag, es kann&lt;br /&gt;
Erfahrungen machen, die es zu Hause nicht sammeln kann. So gut sich Eltern auch um ihr Kind&lt;br /&gt;
kümmern, sie können die vielen Anregungen und&lt;br /&gt;
Impulse, die es im Zusammensein mit anderen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 U 7&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mn&lt;br /&gt;
fröhlich - traurig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kindern bekommt, nicht ersetzen. Es kann ssich an&lt;br /&gt;
anderen orientieren, dabei seine eigenen Fähigkeiten entwickeln und ausprobieren. Im Spiel mit anderen lernt es seine Bedürfnisse, Möglichkeiten&lt;br /&gt;
und Grenzen kennen. Es erfährt dabei, dass andere&lt;br /&gt;
Kinder andere Bedürfnisse und Interessen haben,&lt;br /&gt;
und es beginnt zu lernen, mit Konflikten zurecht&lt;br /&gt;
zu kommen. Darüber hinaus bietet der Kindergarten zahlreiche Aktivitäten, wie etwa musikalische&lt;br /&gt;
Früherziehung, Turnen und Ausflüge. All das fördert&lt;br /&gt;
und stärkt die Entwicklung eines Kindes. In einem&lt;br /&gt;
Integrationskindergarten gibt es mehr Dynamik&lt;br /&gt;
und Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder. Man&lt;br /&gt;
muss nur genau gucken, was das Kind braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für nicht behinderte Kinder ist es gut und&lt;br /&gt;
lehrreich, in einer Integrationsgruppe zu sein. Die&lt;br /&gt;
Kinder lernen früh, dass Geduld und Hilfsbereitschaft zusammen gehören. Auf ein Kind, das langsamer ist als die anderen, wird eben gewartet, und&lt;br /&gt;
einem Kind, das bestimmte Dinge nicht kann, wird&lt;br /&gt;
geholfen. Für das soziale Verhalten bringt das sehr&lt;br /&gt;
viel. Sie werden sich bewusst, wer sie eigentlich&lt;br /&gt;
sind, dass jeder Mensch ver&lt;br /&gt;
schieden ist und andere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedürfnisse hat. Das lernt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
man noch besser, wenn man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sieht: Da ist jemand, der et&lt;br /&gt;
was anders ist, aber trotzdem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
liebenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION IN DER PRAXIS dick ii dü nn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich sind wir ein ganz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
normaler Kindergarten, freilich mit sehr verschiedenen Kindern. Und als erstes lernen Kinder und&lt;br /&gt;
Eltern: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Kinder&lt;br /&gt;
nehmen naturgemäß ihr „anders sein“ als normal&lt;br /&gt;
an und für sie ist es nichts besonderes. Die Eltern&lt;br /&gt;
brauchen meist etwas länger, da sie sich aber bewusst für diese integrative Einrichtung entschieden&lt;br /&gt;
haben und somit sich mit dem integrativen Gedanken auseinandergesetzt haben, verlieren auch sie&lt;br /&gt;
schnell eventuelle Hemmungen oder Scheu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserem Kindergarten gibt es drei integrative&lt;br /&gt;
Gruppen mit je 17 Kindern, von denen drei bis fünf&lt;br /&gt;
behindert sind. Wir haben von 7.30 Uhr bis 16.30&lt;br /&gt;
Uhr geöffnet. Im Kindergarten werden folgende&lt;br /&gt;
Therapien angeboten: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie und Motopädie. Wir arbeiten nach&lt;br /&gt;
einem halboffenen Konzept. Das heißt, dass die&lt;br /&gt;
Kinder bis 9.00 Uhr im ganzen Haus spielen&lt;br /&gt;
können, also in jeder Gruppe. Danach sind&lt;br /&gt;
sie in ihrer Stammgruppe mit festen Bezugspersonen. Etwa von 14.30 Uhr an&lt;br /&gt;
spielen sie wieder gruppenübergreifend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies klingt nach einem ganz normalen&lt;br /&gt;
Kindergarten, und das sind wir auch.&lt;br /&gt;
Trotzdem gibt es bei uns im Interesse der&lt;br /&gt;
behinderten Kinder einige Besonderheiten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7&lt;br /&gt;
{{page|8|file=Tempora_13.pdf|page=8}}DI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwarz - weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die aber meist auch für die nicht behinderten Kinder&lt;br /&gt;
von Vorteil sind. So legen wir Wert auf einen klar&lt;br /&gt;
strukturierten Tagesablauf. Diesen klaren Rahmen&lt;br /&gt;
benötigen diese&lt;br /&gt;
Kinder, um sich&lt;br /&gt;
orientieren zu&lt;br /&gt;
können. Aber er ist&lt;br /&gt;
für alle Kinder gut,&lt;br /&gt;
denn schließlich&lt;br /&gt;
sind die meisten&lt;br /&gt;
den ganzen Tag in&lt;br /&gt;
der Einrichtung.So&lt;br /&gt;
istes wichtig, dass&lt;br /&gt;
sich ruhige, kreative, bewegungsreiche, organisierte und selbstbestimmte Phasen&lt;br /&gt;
überschaubar abwechseln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sind&lt;br /&gt;
zwei der täglichen Rituale. Wir nehmen die Mahlzeiten gemeinsam in der Gruppeein. Für behinderte&lt;br /&gt;
Kinder ist die Nahrungsaufnahme häufig etwas,&lt;br /&gt;
was sie noch lernen oder verbessern müssen. Beim&lt;br /&gt;
gemeinsamen Essen macht das Spaß, und es ist&lt;br /&gt;
auch für alle anderen ein wichtiges Miteinander,&lt;br /&gt;
denn gemeinsame Mahlzeiten werden in den Familien immer seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele behinderte Kinder nehmen Medikamente ein,&lt;br /&gt;
die müde machen, oder der Kindergartenalltag&lt;br /&gt;
strengt sie mehr an. Daher machen sie gemeinsam&lt;br /&gt;
mit den jüngeren Kindern einen Mittagsschlaf.&lt;br /&gt;
Diese Erholungsphase tut ihnen gut und ist selbstverständlich kein Zwang. Natürlich ist immer eine&lt;br /&gt;
Bezugsperson mit im Schlafraum. Jedes Kind kann&lt;br /&gt;
im übrigen schlafen, wenn es das möchte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lebenserhaltende Medikamentengabe ist aufgrund der Schwere der Behinderung oft unerlässlich. Würden wir im Kindergarten nichts verabreichen, könnten diese Kinder&lt;br /&gt;
gar nicht kommen. Genauso selbstverständlich ist die&lt;br /&gt;
Körperpflege.Das Windelnwechseln, Zähneputzen,&lt;br /&gt;
waschen und der Toilettengang macht immer ein&lt;br /&gt;
Teil der Gruppe gemeinsam. So lernt der eine vom anderen. Erziehung zur&lt;br /&gt;
selbständigkeit ist hier für alle Kinder wichtig&lt;br /&gt;
Körperliche Selbständigkeit, für viele selbstverständlich, muss von behinderten Kinder oft systematisch&lt;br /&gt;
gelernt und eingeübt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben altersgemischte Gruppen (von zwei&lt;br /&gt;
Jahren bis zur Einschulung). Die Älteren können&lt;br /&gt;
schon kleine Aufgaben übernehmen und lernen&lt;br /&gt;
damit Verantwortung zu übernehmen. Die Zweijährigen sind dem Entwicklungsstand der behinderten Kinder oft näher. So kommt es schnell zu&lt;br /&gt;
gemeinsamem Spiel und damit zum Lernen von&lt;br /&gt;
einander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Gruppen sind kleiner als üblich, zwischen&lt;br /&gt;
15 und 18 Kinder. Das erleichtert ihnen den Überblick&lt;br /&gt;
und ermöglicht ein ruhigeres Spielen sowie einen&lt;br /&gt;
behüteteren Rahmen, da auch der Personalschlüssel&lt;br /&gt;
(noch) besser ist. Wir haben feste Gruppen mit&lt;br /&gt;
festen Bezugspersonen. Das gibt den Kindern Sicherheit. Siesind heute sehr viel länger im Kindergarten als früher (bis zu fünf Jahre und bis zu neun&lt;br /&gt;
stunden täglich). Für eine so lange Zeit sind vertraute Personen für das Wohlempfinden und die&lt;br /&gt;
positive Entwicklung unerlässlich. Für eine gute&lt;br /&gt;
Entwicklung braucht jedes Kind und ein behindertes erst recht eine stabile Beziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Therapeuten im Haus entlasten die Eltern&lt;br /&gt;
enorm. Denn Eltern von behinderten Kindern&lt;br /&gt;
müssen viele Termine wahrnehmen. Behindert sein&lt;br /&gt;
bedeutet nämlich oft lebenslange Therapien. Die&lt;br /&gt;
Kindergartenzeit ist für viele Eltern die erste Zeitspanne seit der Geburt, in der sie eine „kinderfreie&lt;br /&gt;
Zeit“ haben und mal wieder Zeit für sich oder den&lt;br /&gt;
Partner oder die Geschwister haben. Für behinderte&lt;br /&gt;
Kinder haben Therapien im Kindergarten ebenfalls&lt;br /&gt;
viele Vorteile. Sie haben keine Anfahrtswege und&lt;br /&gt;
Wartezeiten, und der Nachmittag ist frei von Terminen. Aber das wichtigste ist das gemeinsame&lt;br /&gt;
Spiel mit Spaß und Freude. Alle zusammen ohne&lt;br /&gt;
Unterschied nehmen an allem teil, jeder nach seinen Fähigkeiten. Und alle wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist normal,&lt;br /&gt;
verschieden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A 17&lt;br /&gt;
lang - kurz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Jahreals&lt;br /&gt;
Kinderkrankenschwestertätig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach Familienpause&lt;br /&gt;
Ausbildung zur Erzieherin,&lt;br /&gt;
Mutter vo 3Kindem, 52 Jahr alt,&lt;br /&gt;
arbeitet seit 10 Jahren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ineiner integraten&lt;br /&gt;
Kindertagesstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Hessen&lt;br /&gt;
{{page|9|file=Tempora_13.pdf|page=9}}GRENZEN ÜBERWINDEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umzug in eine andere Region ist immer eine&lt;br /&gt;
einschneidende Veränderung im Leben eines Menschen. Er muß sich neu orientieren, neue soziale&lt;br /&gt;
Verbindungen knüpfen. Sich neu einzuleben gelingt&lt;br /&gt;
nicht immer schnell und reibungslos, vielen fällt es&lt;br /&gt;
schwer. Ein Zuzug aus dem Ausland ist in dieser&lt;br /&gt;
Hinsicht besonders einschneidend und bedarf zusätzlicher Anstrengungen, denn hier ändert sich&lt;br /&gt;
noch mehr: Man kennt die Sprache nicht, die Gewohnheiten des neuen Landes sind anders als im&lt;br /&gt;
Heimatland gewohnt. Und Andersartigkeit macht&lt;br /&gt;
Angst. Viele Menschen - Einheimische wie Zuwanderer - meiden den Umgang mit ihr und miteinander. Und diese Angst wird zur Ursache von Vorurteilen und Rassismus, sie kann zur Bildung&lt;br /&gt;
ethnischer Solidargemeinschaften führen, die ihre&lt;br /&gt;
gewohnten Lebensweisen und Sprachen auch in&lt;br /&gt;
fremder Umgebung wie einen Schutzwall pflegen&lt;br /&gt;
Das ist eine allgemein verbreitete Verhaltensweise,&lt;br /&gt;
die nicht etwa auf Zuwanderer nach Europa beschränkt ist, wie das Beispiel Mallorca zeigt: Dort&lt;br /&gt;
bleiben die Deutschen am liebsten unter sich. Im&lt;br /&gt;
ländlichen Raum ist der Rückzug in die Sicherheit&lt;br /&gt;
und Geborgenheit einer Solidargemeinschaft in&lt;br /&gt;
der Regel nicht möglich, da es dort keine großen&lt;br /&gt;
ethnischen Gruppen gibt und Ausländer im&lt;br /&gt;
straßenbild generell nicht sehr auffallen. Hier gibt&lt;br /&gt;
es nur zwei Möglichkeiten: Integration oder Vereinsamung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration auf dem Land ist eine besondere Herausforderung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEG RATIONSVERLÄUFE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen Zuwanderern ist eine rasche, reibungslose&lt;br /&gt;
Integration ins deutsche Umfeld zu wünschen. Sie&lt;br /&gt;
verlangt aber nicht nur besondere Anstrengungen,&lt;br /&gt;
sondern auch günstige Ausgangsbedingungen, die&lt;br /&gt;
zum Teil in der Person selbst liegen, zum Teil aber&lt;br /&gt;
auch von den äußeren Rahmenbedingungen abhängen. So vielfältig wie die Menschen sind auch&lt;br /&gt;
ihre Integrationsverläufe: Ein aufgeschlossener,&lt;br /&gt;
motivierter und neugieriger Mensch, mit einem&lt;br /&gt;
gesunden Selbst- und Gottvertrauen, einer stabilen&lt;br /&gt;
psychischen wie körperlichen Gesundheit und einer&lt;br /&gt;
guten und lernerfahrenen Vorbildung, der in eine&lt;br /&gt;
freundlich gesinnte deutsche Familie einheiratet,&lt;br /&gt;
ist wahrscheinlich rasch integriert. Andererseits&lt;br /&gt;
braucht eine mit ihrer Familie eingeschleuste&lt;br /&gt;
schüchterne, wenig selbstbewusste, kranke, eventuell durch einschneidende Kriegserlebnisse traumatisierte Mutter kleiner Kinder mit geringer oder&lt;br /&gt;
fehlender Schulbildung viel Ermutigung, Unterstützung und Hilfen für kleine Integrationsschritte&lt;br /&gt;
schon Teilerfolge sind in diesem Fall enorm hoch&lt;br /&gt;
zu bewerten. Rückschläge sind allgegenwärtig,&lt;br /&gt;
häufig begleitet von Depressionen, die durch einen&lt;br /&gt;
unsicheren Aufenthaltsstatus begünstigt werden&lt;br /&gt;
solche Menschen haben es auf dem Land extrem&lt;br /&gt;
schwer;sich erfolgreich zu integrieren. Dazu kommt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
{{page|10|file=Tempora_13.pdf|page=10}}10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine ganze Reihe von ungünstigen Verhältnissen,&lt;br /&gt;
welche eine Integration auf dem Land zusätzlich&lt;br /&gt;
erschweren: Die Wege in die Zentren zu den Stellen,&lt;br /&gt;
seien es Beratungsstellen, Ausländerbehörde, Fachärzte und Krankenhäuser, sind weit und teuer. Das&lt;br /&gt;
Personal dort ist zumeist wenig bis gar nicht interkulturell und rechtlich geschult und häufig&lt;br /&gt;
überfordert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen ist alles fremd, es gibt keine Läden&lt;br /&gt;
mit vertrauten Lebensmitteln, und dabei steigt im&lt;br /&gt;
Ausland der Appetit auf gewohnte Speisen ins&lt;br /&gt;
Uferlose&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden nur in den Zentren Sprachkurse angeboten, und auch dort meist keine speziellen, etwa für&lt;br /&gt;
Mütter mit kleinen Kindern, SchülerInnen oder&lt;br /&gt;
Analphabetinnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildungsangebote sind begrenzt, teuer und nur&lt;br /&gt;
eingeschränkt zugänglich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jobangebot ist äußerst gering, oft nur saisonal,&lt;br /&gt;
minimal bezahlt und wird häufig nur über Beziehungen vergeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und dolmetschen könnten oder zu denen sich&lt;br /&gt;
Freundschaften entwickeln könnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigenen Kinder fungieren meist als Dolmetscher, erhalten selbst aber bei schulischen Problemen meist weder zu Hause noch in der Schule eine&lt;br /&gt;
besondere zusätzliche Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Betroffenen sind in Krisensituationen äußerst&lt;br /&gt;
hilf- und orientierungslos. Sie verstehen die deutschen Nachbarn weder sprachlich noch kulturell&lt;br /&gt;
Vieles spielt sich hinter verschlossenen Türen ab,&lt;br /&gt;
besonders in Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Einheimische wiederum bemerken in ihrem&lt;br /&gt;
eigenen Alltagstrott nicht einmal die Präsenz ihrer&lt;br /&gt;
Mitmenschen, geschweige denn deren Not, oder&lt;br /&gt;
sie verhalten sich konservativ-reserviert bis ablehnend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine anderen religiösen Gemeinschaften&lt;br /&gt;
außer den christlichen Kirchen, in denen die Betroffenen seelischen Beistand finden könnten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ninaaıd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösung: EIN NETZWERK FÜR MIGRANTINNEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den aufgezählten widrigen Gegebenheiten&lt;br /&gt;
ergibt sich: Auf dem Lande bedarf es um so mehr&lt;br /&gt;
einer Lobby, eines Sprachrohrs, am besten eines&lt;br /&gt;
starken Netzwerks für Migrantinnen. Dieses&lt;br /&gt;
verknüpft idealerweise hauptamtliche offizielle&lt;br /&gt;
stellen mit ehrenamtlich Engagierten, Migrantinnen mit Deutschen. Das minimiert so weit wie&lt;br /&gt;
möglich die Belastungen Einzelner. Außerdem werden auf kurzen Wegen fachlich fundierte denkbare&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lösungen und Grenzen aufgespürt. Ein solches&lt;br /&gt;
Netzwerk sollte rasche individuelle und rechtliche&lt;br /&gt;
Hilfestellungen und Aufklärung in Krisenzeiten bei&lt;br /&gt;
Krankheit, Arbeitssuche, Kindererziehung oder Familienproblemen geben, darüber hinaus Kurse vermitteln oder gar anstoßen und öffentlich für die&lt;br /&gt;
Probleme Zugewanderter sensibilisieren. Gleichrangigsollten Bemühungen sein, in den Zugewanderten den Menschen und sein Potenzial zu entdecken&lt;br /&gt;
und gemeinsam mit ihnen möglichst viele glückliche Momente zu schaffen, sei es im Einzelkontakt&lt;br /&gt;
mit „Paten“ oder in der Gemeinschaft, bei regelmäßigen Treffen, Aktivitäten und Feiern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt die Integrationsbegleiter vor große Herausforderungen, denn sie Übernehmen eine große&lt;br /&gt;
Verantwortung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei mangelnder interkultureller, psychologischer und rechtlicher Vorbereitung oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ie; schulung ist ein hohes Maß an Intuition&lt;br /&gt;
erforderlich. Fehleinschätzungen und Enttäuschungen sind vor allem anfangs&lt;br /&gt;
„normal“. Sie müssen lernen, damit richtig&lt;br /&gt;
umzugehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitweilig durchleben sie starke Stimmungsschwankungen und müssen extreme&lt;br /&gt;
a seelische Belastungen (beispielsweise bei&lt;br /&gt;
rechtlichen Grenzfällen wie drohender&lt;br /&gt;
Abschiebung von Flüchtlingen) verarbeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|11|file=Tempora_13.pdf|page=11}}Sie sollten sich daher Vertrauenspersonen&lt;br /&gt;
zur eigenen Supervision auswählen, denn&lt;br /&gt;
ein solches Angebot steht meist nicht zur&lt;br /&gt;
Verfügung, ist aber dennoch extrem wichtig,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie müssen auch loslassen können, da Zugewanderte nicht immer bleiben können oder&lt;br /&gt;
wollen oder aber sich distanzieren. Die&lt;br /&gt;
„Familie“ bleibt klein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
YA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch sollte man die Mitwirkung in einem interkulturellen Netzwerk wagen, egal wo. Die Bahaschriften ermutigen ausdrücklich dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„O Menschenkinder! Wisst Ihr warum Wir euch&lt;br /&gt;
alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit&lt;br /&gt;
sich keiner über den anderen erhebe. Bedenket&lt;br /&gt;
allzeit in eurem Herzen, wie ihr erschaffen seid.“ v&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man betrachte seinen Mitmenschen so, wie er oder&lt;br /&gt;
sie erschaffen wurde: Als körperliches, gedanklichintellektuelles, geistiges und soziales Wesen - wie&lt;br /&gt;
man selbst. Die bestmögliche Entfaltung dieser&lt;br /&gt;
Grundanlagen und -bedürfnisse sollte das Anliegen&lt;br /&gt;
jedes einzelnen Menschen, aber auch jeder humanen Gesellschaft sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mit Hilfe der Gerechtigkeit wirst du mit eigenen&lt;br /&gt;
Augen sehen, nicht mit denen anderer.“ 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte seinen Horizont erweitern: die Mitmenschen und ihr Sozialverhalten, die Einstellung zu&lt;br /&gt;
Kindern, Angehörigen, alten Menschen und Freunden beobachten und daraus konstruktive Schlussfolgerungen für sein eigenes Verhalten ziehen. Am&lt;br /&gt;
besten die eigenen Vorurteile einfach loslassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Verschiedenheit der menschlichen Familie&lt;br /&gt;
sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie&lt;br /&gt;
in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen,&lt;br /&gt;
um einen vollendeten Akkard hervorzubringen.”3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann die welt zu sich kommen lassen und aus&lt;br /&gt;
ihren Schätzen schöpfen. Dabei kann man gleichzeitig Sonderbotschafter Deutschlands sein. Dabei&lt;br /&gt;
sollte man die vielfältigen individuellen, kulturellen&lt;br /&gt;
und religiösen Erfahrungsschätze von Menschen&lt;br /&gt;
der verschiedensten Weltregionen in seine eigene&lt;br /&gt;
Planungen einbeziehen. So kann man Ideen und&lt;br /&gt;
Visionen entwickeln und den Partner oder die Partnerin ermutigen, sie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ohne Zweifel verdanken die Völker der welt,&lt;br /&gt;
welcher Rasse oder Religion sie auch angehören,&lt;br /&gt;
ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle&lt;br /&gt;
und sind einem einzigen Gott untertan...“4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kreativ sein und mutig neue Wege beschreiten&lt;br /&gt;
nicht nur interkulturelle Feiern planen, sondern&lt;br /&gt;
unbedingt auch gemeinsame interreligiöse Andachten. Dabei gibt es nichts zu verlieren, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier kann man im Gegenteil den eigenen Horizont&lt;br /&gt;
und seine Liebes- und Glaubensfähigkeit erweitern&lt;br /&gt;
Die Intensität dieser Empfindungen entschädigt&lt;br /&gt;
mehrfach für den Aufwand!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit&lt;br /&gt;
allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich&lt;br /&gt;
eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten,&lt;br /&gt;
sie werden zum Wunsche anderer werden,&lt;br /&gt;
wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen&lt;br /&gt;
erreichen.“5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte ganz unbefangen sein im Umgang mit&lt;br /&gt;
Fachleuten, Personen des öffentlichen Lebens und&lt;br /&gt;
Pressevertretern. Man wird nämlich unerwartet&lt;br /&gt;
viele offene Ohren und Türen finden, welche die&lt;br /&gt;
Sackgassen und eventuelle Anfeindungen nebensächlich erscheinen lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit&lt;br /&gt;
und Liebe werden den Hass besiegen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss durchhalten: Dann gewinnt man über&lt;br /&gt;
gute und schlechte Zeiten hinweg nicht nur besondere Freunde und eine neue „Familie“, sondern man&lt;br /&gt;
wird dankbar, demütig und schafft Loslösung in&lt;br /&gt;
ungeahntem Maße&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienste am Ort für und mit Migrantinnen sind&lt;br /&gt;
Friedensdienste in reinster Form und entwickeln in&lt;br /&gt;
uns die Fähigkeit zur Mitgestaltung einer Kultur&lt;br /&gt;
der Einheit der Menschheit, der Einheit in all ihrer&lt;br /&gt;
vielfalt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute in den&lt;br /&gt;
Dienst der ganzen Menschheit stellt... Die Erde&lt;br /&gt;
ist nur ein Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger“7. )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLENANGABEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) BaHA’U’LÄH, DIE VERBORGENEN WORTE, ARABISCH 68&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) BAHA&#039;U’LÄH, VERBORGENE WORTE, ARABISCH 2&lt;br /&gt;
3)’Acpu’ı-BaHA, Das KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT, 5.63&lt;br /&gt;
A) BAHK&#039;U&#039;LAH, ÄHRENLESE 111&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Apu’ı-BaHA, ANSPRACHEN In Parıs,S.18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) &amp;quot;AspuL-BaHA, 5.0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7) BAHK&#039;U’LÄH, ÄHRENLESE 117&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 11&lt;br /&gt;
{{page|12|file=Tempora_13.pdf|page=12}}12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Förderverein für die Integration von Migrantinnen und Migranten (FIMM) eV. Ostholstein/&lt;br /&gt;
schleswig-Holstein mit Sitz in Eutin begann als&lt;br /&gt;
Netzwerk im September 2002. Er wurde im Februar&lt;br /&gt;
2003 als Verein gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim bundesdeutschen Wettbewerb „Aktiv für&lt;br /&gt;
Demokratie und Toleranz“ erhielt der Verein Ende&lt;br /&gt;
2003 einen Preis „für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen Engagements“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so stellt sich die Gruppe im Internet vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir sind eine Gruppe weltoffener Menschen deutscher und anderer Nationalität,&lt;br /&gt;
die in Ostholstein leben. Wir freuen uns, Sie&lt;br /&gt;
kennenzulernen. Gemeinsam machen wir&lt;br /&gt;
das Leben in Ostholstein bunter und friedvoller. Unser gemeinnütziger Verein fördert&lt;br /&gt;
in vielfältiger Weise die Begegnung von&lt;br /&gt;
Deutschen und Migrantinnen sowie die&lt;br /&gt;
Integration zugewanderter Menschen „ohne Verlust der eigenen Identität“. Wichtigsind uns Vernetzung und Kooperation&lt;br /&gt;
mit anderen Stellen und Initiativen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SIEHE IM INTERNET:&lt;br /&gt;
WWW.AUSGEZEICHNETE-FLUECHTLINGSSOLIDARITAET.DE&lt;br /&gt;
WWW. FIMM.IN-EUTIN.DE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AKTIVITÄTEN UND INITIATIVEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Patenschaftsvermittlung im Sinne erweiterter&lt;br /&gt;
Nachbarschaftshilfe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Einzelfallhilfen, etwa Frauenförderung, Beistand&lt;br /&gt;
in Krisensituationen, Begleitung und Weitervermittlung (zum Beispiel in Gesundheits- oder&lt;br /&gt;
Freizeitfragen) zu vorhandenen Stellen, Empfehlungsschreiben, Dolmetscher-Vermittlung,&lt;br /&gt;
Vermittlung bei schulischen Problemen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Sprachkursvermittlung und -anregung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) „Treff International“: Einmal pro Monat in Eutin&lt;br /&gt;
mit Brunch, Begegnungen, Interreligiöser&lt;br /&gt;
Andacht und gemeinsamen Aktivitäten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5) Informationsabende und Öffentlichkeitsarbeit.&lt;br /&gt;
Eigene (zum Beispiel Ausstellung über ein Buchprojekt von Migrantinnen; Presseinformationen&lt;br /&gt;
und -aufrufe) und auf Anfrage (beim evangelischen Frauenwerk des Kirchenkreises, bei den&lt;br /&gt;
Landfrauen und in Schulen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6) Mitwirkung bei Großveranstaltungen wie&lt;br /&gt;
Stadtfesten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7)interreligiöse und interkulturelle Feiern. Adventsund Ramadanfeiern bei verschiedenen Kirchengemeinden, Naw-Rüz - Newroz (Neujahrsfeier&lt;br /&gt;
aller Kurden, Iraner, Afghanen und Bahä’i),&lt;br /&gt;
regionales interkulturelles Sommerfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8) Mitwirkung beim Migrationsforum Ostholstein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
N&lt;br /&gt;
Elke Zastrow&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitbürgerin mit Wohnsitzen in Berlin, Trer, Tübingen,&lt;br /&gt;
Penang / Malaysia, Kürten (kölner Großraum) und Eutin (sit 2001)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magister socrer.in Slavistik, Pädagogikund Geographie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19931997 Vertreterin der BahäfWornens&#039;Society&#039;von Penang Isand/Malaysa,&lt;br /&gt;
u.a. beim nationalen malaysischen Frauennetzwerk NOWO&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dozentin für Deutsch als Fremdsprache&lt;br /&gt;
verheiratet, Mutter zweier Kinder&lt;br /&gt;
Mitinitiatorin und .Vorsitzende des Fördervereins,&lt;br /&gt;
{{page|13|file=Tempora_13.pdf|page=13}}/ntegrafion e&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EINE BEGRIFFSKLÄRUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und jeden anderen für im Unrecht halten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist das größte aller Hindernisse auf dem Weg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sofia F. spricht deutsch mit breitem hessischen&lt;br /&gt;
‚Akzent. Sie kauft gern in der Frankfurter Kleinmarkthalle ein. Die 36jährige Frau arbeitet in der Verwaltung eines großen Seniorenstifts und ist bei den&lt;br /&gt;
Heimbewohnerinnen äußerst beliebt. Ihre beiden&lt;br /&gt;
Töchter gehen auf das altsprachliche Gymnasium&lt;br /&gt;
und spielen in ihrer Freizeit in einem Mädchenfussballverein. Nur wenn Sofia Reis kocht und mit Tabasco so scharf würzt, dass sich die Eingeweide in&lt;br /&gt;
flüssiges Feuer verwandeln, wird man daran erinnert, dass sie aus Indonesien kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Antigone M. kommt ausdem Kosovo.Sie kann kaum&lt;br /&gt;
Deutsch. Wenn sie einkaufen geht, fragt sie die&lt;br /&gt;
Angestellten im Supermarkt oft: „Was sollen nehmen? Haben keine Nichts.“ Ihre Kinder haben dagegen keine Probleme, sich bestimmte Produkte&lt;br /&gt;
auszusuchen und der Mutter in den Einkaufswagen&lt;br /&gt;
zu mogeln. Obwohl beide Frauen Nachbarinnen&lt;br /&gt;
sind, trennen sie Welten. Und das liegt nicht etwa&lt;br /&gt;
an dem oft beschworenen Kopftuch, denn das hat&lt;br /&gt;
‚Antigone schon abgelegt, als sie vor mehr als zehn&lt;br /&gt;
Jahren nach Deutschland kam. Sie kleidet sich&lt;br /&gt;
durchaus westlich elegant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie unterscheidet, beschreibt das Wort Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Das WORT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration kommt aus dem Lateinischen. Dort&lt;br /&gt;
bedeutet integer unversehrt oder ganz. Integration&lt;br /&gt;
heißt wörtlich, ein Ganzes wieder herzustellen&lt;br /&gt;
Daraus leitet sich die Grundbedeutung ab: Integration ist das Einbeziehen oder Einbinden einer Minderheit in eine größere Gruppe. Interessant ist, sich&lt;br /&gt;
das Gegenteil davon anzusehen. Das wäre etwa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zur Einheit.“&lt;br /&gt;
“Agu’L-BaHA,ANSPRACHEN IN PARIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abkapselung, Abschiebung, Ausgrenzung, Isolierung, Trennung oder Verbannung. Wer immer also&lt;br /&gt;
dagegen ist, dass Menschen ausgegrenzt werden,&lt;br /&gt;
abgeschoben oder verbannt oder auch nur von&lt;br /&gt;
etwas oder jemandem getrennt, der ist für Integration&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. INTEGRATION NACH&lt;br /&gt;
SOZIALPOLITISCHEM VERSTÄNDNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soziologisch betrachtet, beschreibt Integration einen Prozess, durch den bisher außen stehende&lt;br /&gt;
Personen oder Gruppen nun zugehörige Glieder&lt;br /&gt;
einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft&lt;br /&gt;
werden. Diese Bewegung wird oft mit Assimilation&lt;br /&gt;
verwechselt, was einer völligen Anpassung an ein&lt;br /&gt;
bereits bestehendes Ganzes gleichkäme. Vielmehr&lt;br /&gt;
handelt es sich hier um einen schöpferischen Vorgang, durch den etwas völlig Neues entsteht. Durch&lt;br /&gt;
das Einbringen von Werten und der Kultur der&lt;br /&gt;
außen stehenden Gruppe in die Gemeinschaft geschieht die kombinatorische Neuschaffung einer&lt;br /&gt;
Gesellschaft, die es in dieser Form bisher noch nicht&lt;br /&gt;
gab, bei Erhalt der jeweils eigenen Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. INTEGRATION IN DER PÄDAGOGIK&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schulische Integration bezeichnet das Einbinden&lt;br /&gt;
von Menschen mit Behinderungen in den Schulunterricht von Nichtbehinderten. Solange es Sonderschulen gibt, war es deren Ziel, behinderte Menschen zu integrieren. Sie sollten die gleichen Rechte&lt;br /&gt;
haben und sich so weit wie möglich selbst und&lt;br /&gt;
unabhängig versorgen können. Heute geht man&lt;br /&gt;
dabei noch einen Schritt weiter und sagt, dass alle&lt;br /&gt;
Menschen verschieden sind und nicht alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo das Gleiche lernen&lt;br /&gt;
können. Bei zielgerichteter Integration werden alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13&lt;br /&gt;
{{page|14|file=Tempora_13.pdf|page=14}}schüler nach den gleichen Rahmenrichtlinien unterrichtet, wobei den behinderten Schülern etwa&lt;br /&gt;
besondere Sehhilfen zur Verfügung gestellt werden&lt;br /&gt;
In der zieldifferenten Integration werden die Schülerinnen und Schüler nach verschiedenen Rahmenrichtlinien unterrichtet und somit auch der Lerninhalt dem jeweiligen Fassungsvermögen der behinderten und nichtbehinderten Kinder angepasst&lt;br /&gt;
Grundvoraussetzung, dass die schulische Integration gelingt, ist eine positive Einstellung und die&lt;br /&gt;
Bereitschaft aller zur Integration. Im integrativen&lt;br /&gt;
Unterricht vergrößert sich die Spannbreite der Fähigkeiten der schüler, und in dem Maße, in dem es&lt;br /&gt;
gelingt, die Balance zwischen individuellem Lernangebot und gemeinsamem Lernen zu finden, bekommen die Kinder die Gelegenheit, voneinander&lt;br /&gt;
zu lernen. Hier entsteht ebenfalls etwas schöpferisch Neues, nämlich die Erfahrung, dass die nichtbehinderten Kinder von den behinderten lernen&lt;br /&gt;
können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. WIRTSCHAFTLICHE INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter wirtschaftlicher Integration werden Schritte&lt;br /&gt;
verstanden, mit denen zwei oder mehrere Länder&lt;br /&gt;
oder Regionen zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden. Das istein Zusammenschluss&lt;br /&gt;
zur Förderung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs. Die dadurch entstehende Förderung des&lt;br /&gt;
wirtschaftlichen Wachstums basiert auf dem Prinzip internationaler Arbeitsteilung. Staaten in diesem&lt;br /&gt;
wirtschaftsverbund konzentrieren sich auf die Produktionszweige, in denen sie standort- oder entwicklungsbedingt größere Vorteile mitbringen und&lt;br /&gt;
vernachlässigen diejenigen Sparten, in denen sie&lt;br /&gt;
gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten benachteiligt sind. Im Gegenzug kommt es dann zu wechselseitigem Tausch der Güter. Eine internationale&lt;br /&gt;
wirtschaftliche Integration besteht aus Regeln und&lt;br /&gt;
Institutionen, denen sich die Mitgliedsstaaten unterwerfen, wobei sie ihre bisherige Souveränität&lt;br /&gt;
einschränken, ohne sie jedoch völlig aufzugeben&lt;br /&gt;
solche Integrationsprozesse laufen typischerweise&lt;br /&gt;
in mehreren Stufen ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Es werden innerhalb des Verbunds die zölle&lt;br /&gt;
für bestimmte Güter abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. In einer Freihandelszone werden die Zölle abgeschafft, jedoch die eigenen Zölle gegenüber&lt;br /&gt;
Drittländern beibehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.Es wird ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt, die eigenen Zölle entfallen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.In einem gemeinsamen Markt werden&lt;br /&gt;
Normen und Gesetze abgebaut, die Handelshemmnisse darstellen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. In einer gemeinsamen Marktordnung werden&lt;br /&gt;
einheitliche ökonomische Rahmenbedingungen für alle geschaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.In einer Währungsunion wird eine gemeinsame Währung eingeführt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. In einer Wirtschaftsunion wird eine gemeinsame Beschäftigungspolitik festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.In einer politischen Union entsteht eine&lt;br /&gt;
gemeinsame Verfassung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. STUFENMODELL EINER INTEGRATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Stufenmodell kann man problemlos verallgemeinern und erhält so eine Prozessbeschreibung,&lt;br /&gt;
die sich auf viele Integrationsprozesse anwenden&lt;br /&gt;
lässt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden Grenzen abgebaut, der Austausch&lt;br /&gt;
über bestimmte Themen wird erleichtert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hindernisse auf dem Weg zu gemeinsamen&lt;br /&gt;
‚Aktionen werden überwunden. Das beschränkt&lt;br /&gt;
sich zunächst auf gegenseitige Interessen und&lt;br /&gt;
Themen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gemeinsame Handlungsstrategie gegen&lt;br /&gt;
über Dritten wird überlegt und beschlossen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.Normen und Gesetze aus den jeweiligen&lt;br /&gt;
Kulturen, die ein gemeinsames Handeln&lt;br /&gt;
erschweren, werden nach und nach abgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Die Gemeinschaft entwickelt eigene Regeln&lt;br /&gt;
und Gesetze, die gleiche Bedingungen für alle&lt;br /&gt;
entstehen lässt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.Es wird eine gemeinsame \Vvertehierarchie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aufgebaut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Es werden Instrumente geschaffen, diese&lt;br /&gt;
Wertehierarchie umzusetzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.Es entsteht eine neue Gemeinschaft mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|15|file=Tempora_13.pdf|page=15}}gemeinsamen Idealen, Werten und Zielen,&lt;br /&gt;
ohne dass die einzelnen Mitglieder ihre&lt;br /&gt;
Herkunftsidentität aufgegeben hätten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Ein BLICK IN DIE BAHÄI-SCHRIFTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Begriff Integration sucht man zunächst vergeblich in den Baha’i-Schriften, und dennoch gibt&lt;br /&gt;
es kaum einen Gedanken, um den so viele Aussagen&lt;br /&gt;
Baha’u’llahs und ’Abdu’l-Bahas kreisen, wie um die&lt;br /&gt;
Integration. Wieder ist man geneigt, sich ein Stufenmodell vorzustellen, ähnlich dem eben gezeigten. Zumindest ist eseinen Versuch wert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. „Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine&lt;br /&gt;
ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da&lt;br /&gt;
die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen&lt;br /&gt;
und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und&lt;br /&gt;
Gebräuchen, Geschmack und Temperament,&lt;br /&gt;
Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen&lt;br /&gt;
verschieden seien, so weisen wir daraufhin, dass&lt;br /&gt;
diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind.&lt;br /&gt;
Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem&lt;br /&gt;
Streit zwischen kriegführenden Völkern und&lt;br /&gt;
wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig&lt;br /&gt;
zerstören, Familien ausroften, sich aller Ruhe&lt;br /&gt;
und allen Wohlergehens berauben und in&lt;br /&gt;
Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist&lt;br /&gt;
tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit&lt;br /&gt;
ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen,&lt;br /&gt;
Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und&lt;br /&gt;
Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Erist lobenswert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Appu&#039;L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG, 137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
n&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Schließt eure Augen vor Entfremdung; sodann&lt;br /&gt;
richtet euren Blick auf die Einheit.“&lt;br /&gt;
BAHA’U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 6:27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.„Wer aufrichtig und getreu ist, sollte sich in&lt;br /&gt;
strahlender Freude mit allen Völkern und&lt;br /&gt;
Geschlechtern der Erde verbinden, da der Verkehr&lt;br /&gt;
mit anderen Menschen Einheit und Eintracht&lt;br /&gt;
schafft, was wiederum zur Aufrechterhaltung&lt;br /&gt;
der Ordnung in der Welt und zur Neugeburt der&lt;br /&gt;
Nationen führt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U&#039;LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKa, 4:11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.,Seit Anbeginn der Zeit ergießt das Licht der&lt;br /&gt;
Einheit seinen göttlichen Strahlenglanz auf die&lt;br /&gt;
Welt, und das wichtigste Mittel für die Förderung&lt;br /&gt;
dieser Einheit Ist, dass die Völker der Welt sich&lt;br /&gt;
gegenseitig in Wort und Schrift verstehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHA&#039;U’LLÄH, BOTSCHAFTEN AUS AKKA, 8:58&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.„Irdisches Ziel und heilsgeschichtlicher Auftrag&lt;br /&gt;
dieser jüngsten Gottesoffenbarung ist die&lt;br /&gt;
schließliche Realisierung des seit alters verheissenen &amp;quot;Reiches Gottes auf Erden&amp;quot;, zu dessen&lt;br /&gt;
wesentlichen Bestandteilen die Einheit der&lt;br /&gt;
Menschheit in allen Aspekten des Denkens und&lt;br /&gt;
Handelns gehört, bei gleichzeitiger Bewahrung&lt;br /&gt;
der Mannigfaltigkeit des kulturellen Erbes und&lt;br /&gt;
individuellen Ausdrucks.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
U.GoLLMER IN: &amp;quot;ABDU’L-BAHA, DER WELTFRIEDENSVERTRAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.,Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und&lt;br /&gt;
ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn undehe&lt;br /&gt;
nicht ihre Einheit fest begründet ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄ&#039;U/LLÄH, ÄHRENLESE, 131:2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7... es kommt gewiss eine Zeit, da die Religionen&lt;br /&gt;
der Welt miteinander in Frieden sein werden.&lt;br /&gt;
Lassen wir ab von dem misstönenden Streit um&lt;br /&gt;
äußere Formen und schließen wir uns zusammen, um die göttliche Sache der Einheit voranzutreiben, bis die ganze Menschheit weiß, dass&lt;br /&gt;
sie &#039;eine in Liebe vereinte Familie ist!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Apu’L-BaHA, ANSPRACHEN IN PARIS, 39:26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. „Nur wer durch den göttlichen Geist getauft&lt;br /&gt;
Ist, wird imstande sein, alle Menschen durch die&lt;br /&gt;
Bande der Einheit zu verbinden. Durch die Macht&lt;br /&gt;
des Geistes vermag sich die östliche Denkwelt&lt;br /&gt;
derart mit dem westlichen Tatreich zu vermischen, dass die Welt des Stoffes göttlich werden&lt;br /&gt;
kann.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
’Agpu’ı-BaHä, ANSPRACHEN IN PaRıs, 28:9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas Schaaff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fotos: M Willens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
{{page|16|file=Tempora_13.pdf|page=16}}16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blättern Sie bitte nicht weiter. Bleiben Sie hier. Sie&lt;br /&gt;
sind nicht versehentlich in eine Computerzeitschrift&lt;br /&gt;
geraten. Sie sind nach wie vor bei der Tempora. Es&lt;br /&gt;
geht zwar jetzt um Computer, aber es geht dabei&lt;br /&gt;
in erster Linie um den freien Zugang zu Bildung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTEGRATION: BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft&lt;br /&gt;
gehört Bildung“ (Bundeszentrale für Politische Bildung). Manche Binsenweisheiten müssen noch&lt;br /&gt;
einmal explizit formuliert und durch Studien belegt&lt;br /&gt;
werden, um wirklich in das Bewusstsein der Menschen zu dringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das trifft binnenpolitisch genauso zu wie zwischenstaatlich und multilateral. Jedes Gelingen von Integration, ganz gleich ob es darum geht Migrantinnen&lt;br /&gt;
und Migranten in eine Gesellschaft zu integrieren&lt;br /&gt;
oder ein Land in eine internationale Staatengemeinschaft, hängt maßgeblich davon ab, ob alle Beteiligten einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung&lt;br /&gt;
erhalten. Eine Studie aus der Schweiz zu diesem&lt;br /&gt;
Thema stellt die entscheidenden Fragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \vie kann der Zugang zur Bildung gefördert&lt;br /&gt;
werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche Hindernisse stehen einer Nutzung der&lt;br /&gt;
Bildung im VWvege?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® \velche formellen und informellen Bildungsformen bieten sich bevorzugt an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laut einer Studie des Familienministeriumsin&lt;br /&gt;
Berlin von 2004 schafft bessere Bildung für künftige&lt;br /&gt;
Generationen die Basis für eine eigene wirtschaftliche Existenz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind alles Binsenweisheiten, die nur deshalb&lt;br /&gt;
noch einmal wiederholt werden, weil man es nicht&lt;br /&gt;
oft genug sagen kann. Hier soll nun das Augenmerk&lt;br /&gt;
auf einen speziellen Aspekt aus dem weiten Feld&lt;br /&gt;
der Bildung gerichtet werden: den gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Quellen des&lt;br /&gt;
Wissens. In der heutigen Informationsgesellschaft&lt;br /&gt;
ist das technisch überhaupt kein Problem. Jeder&lt;br /&gt;
könnte an jedem Ort der welt über alle Informationen verfügen, die er braucht und die er haben will&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildung für alle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Werkzeug dafür ist ubuntu - eine sammlung von Computerprogrammen aus Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er müsste nur „können“. Es ist letztlich eine politische und eine wirtschaftliche Entscheidung, ob das&lt;br /&gt;
gewollt wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Baha&#039;i-Weltzentrum schreibt in der Erklärung&lt;br /&gt;
Ein gemeinsamer Glaube: „Neben der Erleichterung&lt;br /&gt;
des interpersonalen und intersozialen Austausches&lt;br /&gt;
hat der generelle Zugang zu Informationen den&lt;br /&gt;
Effekt, dass das gesammelte Wissen aus Jahrhunderten, statt wie bislang nur einer Elite zugänglich&lt;br /&gt;
zu sein, zum kulturellen Erbe der ganzen Menschheit wird, ohne Unterscheidung der Nation, Rasse&lt;br /&gt;
oder der Kultur. Trotz aller Ungerechtigkeit, die die&lt;br /&gt;
globale Vernetzung konserviert, janoch verstärkt,&lt;br /&gt;
kann doch kein informierter Beobachter leugnen,&lt;br /&gt;
dass von diesem Wandel der Impuls ausgeht, über&lt;br /&gt;
das Wesen der Wirklichkeit erneut nachzudenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Initiativen, die den gleichberechtigten Zugang aller&lt;br /&gt;
zu den Quellen der Bildunganstreben und vielleicht&lt;br /&gt;
sogar ermöglichen - und sei es nur partiell - verdienen unsere Aufmerksamkeit. Freier Zugang für&lt;br /&gt;
alle! Das kann global betrachtet nur zweierlei&lt;br /&gt;
heißen: frei im Sinne von freiheitlich und frei im&lt;br /&gt;
sinne von kostenlos. Ubuntu bietet beides. Und das&lt;br /&gt;
national wie international außerordentlich erfolgreich&lt;br /&gt;
TECHNISCHER FORTSCHRITT AUS AFRIKA?&lt;br /&gt;
Das KLINGT WIE BANANEN AUS GRÖNLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht liegt das ja an unseren Ohren? So&lt;br /&gt;
schreibt die Süddeutsche Zeitung: „.. auf unseren&lt;br /&gt;
inneren Landkarten taucht Afrika vorwiegend als&lt;br /&gt;
sorgenkind auf, weniger als selbstbewusster Produzent weltweit konkurrenzfähiger Güter. Das&lt;br /&gt;
könnte sich bald ändern - und es beginnt in einem&lt;br /&gt;
Bereich, den man wohl am wenigsten aufder Rechnung hatte. Es geht um High-Tech. Es geht um&lt;br /&gt;
Linux, genauer, um die neueste Variante dieses&lt;br /&gt;
Betriebssystems für Personal-Computer. Sie heißt&lt;br /&gt;
ubuntu und hat Erfolg wie kaum ein Linux zuvor.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ubuntu ist nicht nur eine Ansammlung von Software - hinter der.Idee steckt eine tiefgründige&lt;br /&gt;
Philosophie: ubuntu istein altes afrikanisches Wort&lt;br /&gt;
und bedeutet (Mit-)Menschlichkeit im besten Sinne,&lt;br /&gt;
Es ist der Glaube an etwas Universelles, das die&lt;br /&gt;
gesamte Menschheit verbindet. Dieses Konzept ist&lt;br /&gt;
{{page|17|file=Tempora_13.pdf|page=17}}die Grundlage für ubuntu. Der südafrikanische&lt;br /&gt;
Erzbischof Desmond Tutu beschreibt es so: „Ein&lt;br /&gt;
Mensch mit ubuntu ist für andere offen und zugänglich. Er bestätigt andere und fühlt sich nicht&lt;br /&gt;
bedroht, wenn jemand gut und fähig ist, denn er&lt;br /&gt;
oder sie hat ein stabiles Selbstwertgefühl, das in&lt;br /&gt;
der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen verankert ist” (ubuntu-Anwenderhandbuch S.20). Für&lt;br /&gt;
Baha&#039;i mögen solche Sätze nicht gerade fremd&lt;br /&gt;
klingen, in einem Computerhandbuch sind sie aber&lt;br /&gt;
geradezu revolutionär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht die shuttleworth Stiftung aus Südafrika, und gemeinsam mit dieser Stiftung hat die&lt;br /&gt;
ubuntu-Gemeinschaft einige Grundsätze formuliert&lt;br /&gt;
und sich verpflichtet, sie bei allen Aktivitäten strikt&lt;br /&gt;
zu beachten. Dort stehen dann Sätze wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hat das Recht, alle Computerprogramme&lt;br /&gt;
seiner Wahl uneingeschränkt kostenlos zu&lt;br /&gt;
nutzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Jeder hatdas Recht, alle Programme seiner wahl&lt;br /&gt;
beliebig oft zu kopieren und an jeden weiterzugeben, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® leder hat das Recht, Programme seinen&lt;br /&gt;
Bedürfnissen und Wünschen anzupassen und&lt;br /&gt;
zu verändern und darfdurch nichts daran&lt;br /&gt;
gehindert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® Alle verpflichten sich, ihre Erfahrungen, ihr&lt;br /&gt;
Wissen, ihre Fragen, Probleme und Lösungen&lt;br /&gt;
mit allen zu teilen und so eine Gemeinschaft&lt;br /&gt;
aus Hilfsbereitschaft zu bilden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
® ubuntu soll in möglichst alle Sprachen der welt&lt;br /&gt;
übersetzt werden, damit jeder es in seiner&lt;br /&gt;
Muttersprache benutzen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem setzt ubuntu auf Benutzerfreundlichkeit&lt;br /&gt;
und einfache Bedienung, damit auch der Neueinsteiger keine unüberbrückbaren Hürden vorfindet&lt;br /&gt;
Dazu weiter unten mehr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE HINTERGRÜNDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die technische Seite von ubuntu soll nicht im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt stehen, auch wenn sie sehr interessant&lt;br /&gt;
ist. Hier soll der Fokus mehr auf die geistigen&lt;br /&gt;
Hintergründe gerichtet werden. Anlässlich der&lt;br /&gt;
Gründung des Vereins ubuntu Deutschland schreibt&lt;br /&gt;
ein Gründungsmitglied: „Es gibt eine Menge edle&lt;br /&gt;
Ziele, um die Welt zu verbessern: den welthunger&lt;br /&gt;
stillen,den Kriegabschaffen, Krankheiten ausrotten,&lt;br /&gt;
Bildung für alle. Die erste und wichtigste Komponente in diesem System muss die Bildung sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollen wir eine Zukunft, die jedem - und zwar&lt;br /&gt;
unabhängig vom gesellschaftlichen Stand - Zugang&lt;br /&gt;
zur Bildung ermöglicht? Wie viel Zeit wollen wir&lt;br /&gt;
dafür aufbringen? Zwei Stunden täglich oder einige&lt;br /&gt;
stunden im Jahr? Wollen wir überhaupt etwas dafür&lt;br /&gt;
tun? Wie viele Menschen müssen das&#039;wollen‘, bevor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Vision möglich wird? Ist mein persönlicher Einsatz wichtig, kann ich etwas bewirken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vater von ubuntu ist Marc Shuttleworth. Er&lt;br /&gt;
war derjenige, der sich vor einigen Jahren seinen&lt;br /&gt;
Kindheitstraum erfüllte und als einer der ersten&lt;br /&gt;
Zivilisten (genauer gesagt als zweiter) einen Wweltraumflug absolvierte. Er sagt selbst über seine&lt;br /&gt;
stiftung: „Ich glaube, dass freie Software uns in ein&lt;br /&gt;
neues Technologiezeitalter bringt und außerdem&lt;br /&gt;
verspricht sie den universellen Zugang zu den Vverkzeugen des digitalen Zeitalters. Ich treibe ubuntu&lt;br /&gt;
voran, weil ich dieses Versprechen Realität&lt;br /&gt;
werden sehen möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ubuntu ist aus der Idee entstanden, dem aufstrebenden Afrika eine Software (Betriebssystem) als&lt;br /&gt;
Grundlage für die Entwicklung weiterer SoftwareZweige an die Hand zu geben. Es soll Hoffnung für&lt;br /&gt;
das junge Afrika symbolisieren. Trotz allem soll sich&lt;br /&gt;
ubuntu auch um die ganze Welt verbreiten. Das&lt;br /&gt;
Logo von ubuntu wird durch mehrere Menschen&lt;br /&gt;
aus unterschiedlichen Kulturkreisen imitiert. Dieser&lt;br /&gt;
„eircle of friends“ symbolisiert den wesentlichen&lt;br /&gt;
Charakterzug von ubuntu - Linux for human beings&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen bilden Netze. Aus der Hirn- und Nervenforschung weiß man, dass die Entwicklung&lt;br /&gt;
menschlicher Intelligenz ganz wesentlich von der&lt;br /&gt;
Fähigkeit bestimmt wird, schnell neue und umfangreiche Vernetzungen aufzubauen. Wäre es&lt;br /&gt;
also denkbar, menschliche Grundsätze, die hinter technischem Wissen stehen, mit Baha’iKonzepten zu verknüpfen? In der Textzusammen&lt;br /&gt;
stellung Die Bewahrung der Erde und ihrer&lt;br /&gt;
Hilfsquellen (5.6 und 8) findet man folgende bemerkenswerte Sätze: „Baha’u’llah entwirft ein Welt&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17&lt;br /&gt;
{{page|18|file=Tempora_13.pdf|page=18}}18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bild auf der Grundlage: »Die Erde ist nur ein Land,&lt;br /&gt;
und alle Menschen sind seine Bürger«. Er ruft die&lt;br /&gt;
Menschen dazu auf, »dem Wohle aller Völker und&lt;br /&gt;
Geschlechter der Erde zu dienen«. ’Abdu’l-Baha&lt;br /&gt;
weist aufdie wachsende wechselseitige Abhängigkeit in der welt .. hin. Er stellt sich vor, dass die&lt;br /&gt;
Entwicklung auf eine geeinte welt hin zunehmen&lt;br /&gt;
und als »Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen« und in anderen wichtigen Lebensbereichen zum Ausdruck kommen wird.Gemeinsames&lt;br /&gt;
Handeln ist vor allem erforderlich, wenn es gilt, die&lt;br /&gt;
Hilfsquellen dieses Planeten zu erhalten. »Solange&lt;br /&gt;
jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche Tugenden&lt;br /&gt;
noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht&lt;br /&gt;
und kein Ergebnis; auch bewirken sie nicht der&lt;br /&gt;
Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel&lt;br /&gt;
ist.«“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UBUNTU - SHOOTINGSTAR DER COMPUTERWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das passt schon, würde vielleicht ein Bayer sagen,&lt;br /&gt;
und gleich nachhaken: Aber läuft es denn auch?&lt;br /&gt;
Viele gutgemeinte Ideen scheitern oft daran, dass&lt;br /&gt;
sie zu kompliziert sind, nicht richtig funktionieren&lt;br /&gt;
und sich darum nicht etablieren können. Da ist&lt;br /&gt;
dann neben Toleranz und Idealismus auch der verzicht auf Komfort gefordert. Meist dauertesnicht&lt;br /&gt;
lange und man gibt das Thema wieder auf. Ubuntu&lt;br /&gt;
dagegen ist seit seinem ersten Erscheinen im Oktober 2004 die unangefochtene Nummer eins auf&lt;br /&gt;
der Beliebtheitsskala der freien Computerprogrammel Auch die Presse istvoll des Lobes. Dabei stehen&lt;br /&gt;
für die eher technisch orientierte Fachwelt das&lt;br /&gt;
Funktionieren und die Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Die sind unbestritten und füllen die Titelseiten der Zeitschriften bis heute. Ubuntu ist der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
shootingstar schlechthin. Da scheint jemand die&lt;br /&gt;
Technik mit Mitmenschlichkeit erobert und durch&lt;br /&gt;
Leistung überzeugt zu haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mühe lohnt sich, ubuntu kennen zu lernen. Das&lt;br /&gt;
geht völlig gefahrlos über eine sogenannte LiveCD. Dazu muss nichts installiert oder gar am Computer verändert werden. Das komplette Programm&lt;br /&gt;
startet von der CD, und man kann ubuntu nach&lt;br /&gt;
Herzenslust ausprobieren. Hat man Gefallen daran&lt;br /&gt;
gefunden und will es auf seinem Rechner haben,&lt;br /&gt;
findet man nicht nur ein ausgezeichnetes Handbuch (natürlich) kostenlos im Internet, sondern&lt;br /&gt;
auch eine sehr muntere und hilfsbereite ubuntuGemeinde, die über alle Hürden hinweghilft&lt;br /&gt;
Vielleicht entdeckt man dann auch „mehr Menschlichkeit am PC“, wie der Deutschlandfunk seine&lt;br /&gt;
sendung im vergangenen Jahr überschrieb. Bleibt&lt;br /&gt;
noch anzumerken, dass in Mazedonien gerade 5000&lt;br /&gt;
schulen mit ubuntu ausgestattet wurden. Aus drei&lt;br /&gt;
Gründen: Es ist kostenlos, es lauft auch auf alten&lt;br /&gt;
Rechnern, und es ist komplett ins Mazedonische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ubuntu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWWLUBUNTUUSERS.DE — DEUTSCHSPRACHIGES FORUM UND PORTAL FÜR ALLE UBUNTU BELANGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP://VEREIN.UBUNTU-DE.ORG/ — INTERNE TADRESSE DES VEREINS&lt;br /&gt;
UBUNTU DEUTSCHLAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HTTP: /ÄNWWE.ELYPS.DE/ — UBUNTU HANDBUCH ZUM HERUNTERLADEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
T-SCH AAFF@IMAIL.DE — EMAILADRESSE DES AU TORS. ÜBER IHN GIBT&lt;br /&gt;
ES TECHNISCHE INFORMATIONEN UND DIE UBUNTU CD.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dipl -Tneologe und Pädagoge,&lt;br /&gt;
verheiratet,&lt;br /&gt;
ehemalskath.Pfarrer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit. dem Jahr 2000 Bahäi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet heuteals&lt;br /&gt;
Meditationsiehrer&lt;br /&gt;
{{page|19|file=Tempora_13.pdf|page=19}}„DIE ERDE IST NUR EIN LAND UND&lt;br /&gt;
ALLE MENSCHEN SIND SEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÜRGER.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BAHÄU’LLÄH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn unser Kelch vom Ich erfüllt ist, so ist in ihm&lt;br /&gt;
kein Raum mehr für das Wasser des Lebens. Die Tatsache, dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist das größte&lt;br /&gt;
aller Hindernisse auf dem Weg zur Einheit, und Einheit ist nötig, wenn wir zur Wahrheit kommen wollen, denn die Wahrheit ist nureine.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“ABDU’L-BAHA, ANSPRACHEN IN PARIS, S. 106&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich als Europäerin in Mocambique zu integrieren&lt;br /&gt;
bedeutet Freude, Wut, Staunen, Faszination, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Frieden, Einheit und Verbundenheit, Verzweiflung, Erfülltsein, Wachsen,&lt;br /&gt;
Angst, Verstehen, Orientierungslosigkeit, Alleinsein,&lt;br /&gt;
Angenommensein, Kämpfen, Loslassen. Im Mittelpunkt all dieser Empfindungen steht notwendigerweise die eigene Familie: die Kinder, die Partnerschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration beginnt für mich nicht einfach irgendwo, sondern ganz nah mit meinem Mann. In unserer&lt;br /&gt;
„bikulturellen“ Partnerschaft sind wir in hohem&lt;br /&gt;
Maß gefordert, Verständnis mit einer anderen Kultur aufzubringen, zu erfahren, wie man mit einem&lt;br /&gt;
Menschen lebt, der ganz anders aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
Wir sind zwar aufgerufen, die eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
nicht als die einzig wahren zu betrachten, andere&lt;br /&gt;
als Bereicherung zu erfahren - aber sind wir nicht&lt;br /&gt;
im Tiefsten doch davon überzeugt, dass unsere&lt;br /&gt;
Ansicht die richtige ist? Die Partnerschaft mit meinem Mann in Mocambique bedeutet zu versuchen,&lt;br /&gt;
die potentielle Gefahr des Ändersseins zu einer&lt;br /&gt;
Chance fürs gemeinsame Zusammenleben werden&lt;br /&gt;
zu lassen. Das ist kein neutrales Ideal, sondern vor&lt;br /&gt;
meinem geistigen Auge fahren Bilder ab von verzweifelten Gesprächen, Gefühlen des Nichtverstandenseins, aber auch vom ständigen Bemühen,&lt;br /&gt;
aufeinander zuzugehen. Partnerschaft mit meinem&lt;br /&gt;
Mann bedeutet Momente der Überforderung angesichts der Unterschiede, aber auch Momente des&lt;br /&gt;
tiefsten inneren Friedens, die einen dann spüren&lt;br /&gt;
lassen, dass diese Partnerschaft die Anstrengungen&lt;br /&gt;
wert ist. Es bedeutet, in kleinen Schritten aufeinander zuzugehen und dabei auszuhalten, dass der&lt;br /&gt;
Partner diese Schritte manchmal gar nicht bemerkt&lt;br /&gt;
—- wenn ich mich etwa dazu durchringe, mich genau&lt;br /&gt;
wie meine Mutter um die Änziehsachen meines&lt;br /&gt;
Mannes zu kümmern, ihm das Wasser zum Baden&lt;br /&gt;
zu erwärmen, sein Frühstück vorzubereiten und die&lt;br /&gt;
Wohnung sauber zu halten und er diese Veränderungen angesichts der Selbstverständlichkeit eines&lt;br /&gt;
solchen Verhaltens für Frauen in Mocambique gar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOCAMBIOUE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Facetten einer Integration in Afrika&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht bemerkt, sondern sich im Gegenteil noch&lt;br /&gt;
darüber beschwert, dass ich ihm die Banane nur in&lt;br /&gt;
der Hand anstatt auf einem Teller reiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solch eine Partnerschaft macht es mitunter auch&lt;br /&gt;
nötig, neue Wege im Umgang mit Konflikten zu&lt;br /&gt;
finden. Während ich eher dazu neige, Probleme&lt;br /&gt;
direkt anzusprechen und dabei auch ärgerlich zu&lt;br /&gt;
werden, stellt dieses Verhalten für meinen Mann&lt;br /&gt;
einen tiefen Angriff auf seine Person dar, er besteht&lt;br /&gt;
darauf, ruhig und mit wohlbedachten Worten die&lt;br /&gt;
Sachlage zu klären. Wir mussten erkennen, dass&lt;br /&gt;
wir nur weiterkommen, wenn wir bereit sind, unsere&lt;br /&gt;
jeweils eigenen Schwächen und Ängste anzuerkennen, um uns so aus wahrer innerer Freiheit und in&lt;br /&gt;
Toleranz gegenüber den Grenzen des anderen&lt;br /&gt;
allmählich den Idealen einer guten Art, Konflikte&lt;br /&gt;
zu lösen, anzunähern. Dabei ist es uns eine unschätzbare Hilfe, dass wir beide die jeweils andere&lt;br /&gt;
Kultur im täglichen Leben kennen lernen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TANZANIA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(mr&lt;br /&gt;
Wungdeiro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
j&lt;br /&gt;
ENamamöy, Bere gi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
naeh&lt;br /&gt;
22 Nnr zIa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morumbalh, |&lt;br /&gt;
Namacurrag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein *» Quelimane&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PX Innapadd YYaromau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sorfLAa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
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   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
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  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PPChinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;amp;&lt;br /&gt;
m Dpnoo&lt;br /&gt;
Gaira s&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Nova Mambone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\inhassöro&lt;br /&gt;
Pina 00 Bazanıo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S Mahpte  lanaules &amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ps,&lt;br /&gt;
Y INHAMBANE&#039; 330 Sebasso&lt;br /&gt;
&amp;lt; Porta da Bar Faisa&lt;br /&gt;
h YMassinga&lt;br /&gt;
Homoing, Byinhambane&lt;br /&gt;
Panda, os&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„oifharmme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VAR&lt;br /&gt;
Ze MAPUTO&lt;br /&gt;
N, Join vis&lt;br /&gt;
5) en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8 5 10 180m&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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UNITED REPUBLIC OF&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fr}&lt;br /&gt;
EKGADO&lt;br /&gt;
Ancuabe „|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gNamuno }&lt;br /&gt;
Te Kamapa OCEAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Momba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HOuissanga&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sPemba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mecubörl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fioaun, NM PULAG&lt;br /&gt;
9&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
amp Ürcoha STR&lt;br /&gt;
Murrüpuia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hama /PMogincual&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„DAngoche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nn Aizecne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spsbane&lt;br /&gt;
Svaa da Maganja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natonal capital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Provinciel caprtal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Town, vitage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Airport&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
International boundary&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rovinclal boundary&lt;br /&gt;
Main road&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
— Railroad&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDIAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19&lt;br /&gt;
{{page|20|file=Tempora_13.pdf|page=20}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Kindern = bel unserem Umzug nach&lt;br /&gt;
Mocambique waren sie und Jahre ait-pltzlich&lt;br /&gt;
Inelner anderen Kulturzu leben, Istele ganzeigene Herausforderung. Besonders, wenn se Im Unterschied zu Kindern von Diplomaten oder EntwickJungshelfern zur neuen Kultur einen wirklich&lt;br /&gt;
familiären Bezug, also nicht nur Kontakte mit anderen ausländischen Kindern haben, und dochwegen ihrersoanderen kulturellen Erfahrungen eben&lt;br /&gt;
auchnicht&lt;br /&gt;
So bedeutet das Zusammenleben mit unseren Kindern hier anregende und klärende Gespräche, die&lt;br /&gt;
unsallen helfen, Menschen In ihrer Abhangigkeit&lt;br /&gt;
von dem Umfeld, indem sie aufwachsen, verstehen&lt;br /&gt;
zu lernen; zu erahnen, wases wirklich konkret bedeutet, dass die Menschheit eine Famnilie sein soll&lt;br /&gt;
und dass es manchmal eine große Bereicherung&lt;br /&gt;
und oft Innere Arbeit bedeutet, sich mit diesen&lt;br /&gt;
melnen anderen Brüdern und Schwestern wirklich&lt;br /&gt;
familiär verbunden zu fühlen, Und es ist faszinierend zu erkennen, weich scharfe Beobachtungen&lt;br /&gt;
die eigenen Kinder anstellen -sowohl ananderen&lt;br /&gt;
Menschen als auch an sich selbst- bezüglich der&lt;br /&gt;
hiesigen oder auch der europäischen Kultur und&lt;br /&gt;
Gesellschaftsentwicklung,&lt;br /&gt;
Schließlich sinddanoch all die Selbsterständlichkelten eines normalen Lebens, die plötzlich gar&lt;br /&gt;
nicht mehr als so selbstverständlich erscheinen:&lt;br /&gt;
ausreichend Essen, Eltern, bei denen Ich mich bei&lt;br /&gt;
Bedarf anlehnen kann; Spielzeug; ale Freude, im&lt;br /&gt;
Haus zu sein, wenn es draußen regnet [während&lt;br /&gt;
andere gerade bangen müssen, dass&lt;br /&gt;
Ihre Hütte einstürzt); die Menge an&lt;br /&gt;
Wien über die Natur,dieReligionen,&lt;br /&gt;
die Möglichkeit, Bücher zu lesen und N&lt;br /&gt;
gut gestaltete Lehrbücher zu haben.&lt;br /&gt;
Fürunsals Eltern und spezlellfürmich&lt;br /&gt;
u und Bahaibedeutet dasvor&lt;br /&gt;
allem, die Begrenzthelt des gegenwartigen Entwicklungsstadlums der&lt;br /&gt;
Menschheit sowie dle großen Unter&lt;br /&gt;
schiede in den materiellen Lebens- } W [M&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umständen beider Erziehung mit offenen Augen wahrzunehmen, ofteinfach hinzunehmen, nicht schönzureden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration In Mocambique als Frau&lt;br /&gt;
heißt auch Konfrontation mit einem&lt;br /&gt;
Geschlechterverhältnis, das einen&lt;br /&gt;
manchmal erschauern lässt, Im Kontakt mit einheimischen Frauen sehe&lt;br /&gt;
Ich mich mitunter plötzlich hineinversetzt In die unmöglichsten Situationen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die gewalttätigen Männern&lt;br /&gt;
schutzlos ausgeliefert sind und&lt;br /&gt;
auch nichtaufdie Unter&lt;br /&gt;
der Nachbarn zahlen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stitzung N&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Frauen, die beiderSchwangerenuntersuchung&lt;br /&gt;
feststellen, dass sie HIV-positiv sind und&lt;br /&gt;
daraufhin von Ihrem Mann oder der Schwiegermutteraufdle Strasse geworfen werden selbst dann, wenn siesich nur beilhremeigenen Mann infiziert haben können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Sohn, der seine alte Mutter schlägt, weil&lt;br /&gt;
erihrdie Schuldanselnerelgenen mislichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lage gibt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- eine Mutter, die WWochen nach dem Verschwinden Ihres Mannes zueiner anderen Frauin&lt;br /&gt;
Ihrer Verzweiflung hre KleinenKinder beider&lt;br /&gt;
Polizei abliefern wollte, da sie sich selbst nicht&lt;br /&gt;
mehr um die Kinder kümmern kannte - die&lt;br /&gt;
Polizei dann aber nichts anderes tat, als die&lt;br /&gt;
Frau eine Nachteinzusperren, damitsielernt&lt;br /&gt;
dass eine Mutter niemalsihre Kinder ver fassen&lt;br /&gt;
dar,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdern die vielen Geschichten von Frauen, die&lt;br /&gt;
von Ihren Männern wegen einer anderen FrauverIassen wurden -eineeigentlichschon ganz normale&lt;br /&gt;
Erscheinung; gleichzeitighaben wires In Mocambique miteiner Gesellschaft zutun, Inder dleMehrhelt der frauen mitIhren Kindern Inwirtschaftlich&lt;br /&gt;
vollkommener Abhängigkeit vom Mann leben und&lt;br /&gt;
keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben, die&lt;br /&gt;
Se selbstanwenden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus resultierenden Probleme sindso umfassend und so allgegennwartig, dass an&lt;br /&gt;
die Lösungder Entwicklungsprobleme&lt;br /&gt;
dieses Landes kaum zu deniken Ist, soJange solcheln Chaosin der Geschlechnm ferbeziehung herrscht. Das Erleben&lt;br /&gt;
MB ieser Geschichten lässt erahnen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en&lt;br /&gt;
land wie Mocambique wird deutlich,&lt;br /&gt;
IR ass ci Beachtung geistiger Prinzipien&lt;br /&gt;
BR schlichtwegüberebensnowenigsein&lt;br /&gt;
Alan. Und dass geistige Prinzipien&lt;br /&gt;
I Hand in Hand gehen sollten mit der&lt;br /&gt;
nateriellen Entwicklung zur Beseiti&lt;br /&gt;
gungvonArmut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integration in Mocambique heißt&lt;br /&gt;
2 natürlicnauch Leben als, Weiße&amp;quot; unter&lt;br /&gt;
einer Mehrheit von „Schwarzen“, Im&lt;br /&gt;
Großen und Ganzen Ist diesein eher&lt;br /&gt;
febensächlicher Aspekt und nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
en Schwer auszuhalten, sofemman damit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iarkommt, Immer ngendwile alsehwas&lt;br /&gt;
ER Besonderes gesehen zu werden. Dabei&lt;br /&gt;
WB möchte ichbetonen,dassichricht gem&lt;br /&gt;
Bit dunkelhäufigen Ausländern In&lt;br /&gt;
ey Deutschland tauschen möchte, die hr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
{{page|21|file=Tempora_13.pdf|page=21}}Anderssein mitunter ganz offen negatlv erleben müssen, während der&lt;br /&gt;
Nachtell des Welß-Seins In Mocambique zunachst elnmal nur darin besteht, dass einem die Menschen mit&lt;br /&gt;
größerem Respekt begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefer geschaut kann das dann na- I&lt;br /&gt;
ürlich auch recht unangenehm werden -wenn Ich zum Beispiel spüre,&lt;br /&gt;
dass Ich von vornherein den Reichen&lt;br /&gt;
zugeordnet und als potentieller Celdgeber betrachtet werde und damit Ale&lt;br /&gt;
technen muss, dass das Interesse an- IE&lt;br /&gt;
dere Menschen an ner Freundschaft&lt;br /&gt;
von der Hoffnungaufetwaige Vorteile A&lt;br /&gt;
gespeistwird.&lt;br /&gt;
Wenn dann ganzohne Bitterkeit,aber&lt;br /&gt;
mitvollem Ernst geäußert wird, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt na War sche&lt;br /&gt;
zulassen, weil ich doch schleßlichwelß) app&lt;br /&gt;
sel, dann sehe ich,wie weit das Ziel der&lt;br /&gt;
Einheit der Rassen noch entfernt st&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deralltägliche UmgangmitAmut st&lt;br /&gt;
ein welterer Aspekt. Ich muss wahrnehmen, waseshelßt, zuden Reichen |&lt;br /&gt;
dieser Welt zu gehören -ob ich mich&lt;br /&gt;
in Deutschland jemals so wahrgenommen habe&lt;br /&gt;
oder nicht. Ich musste lernen, bettelnde Kinder mit&lt;br /&gt;
einer gewissen Harte anzusprechen, wollte ch nicht&lt;br /&gt;
bel jedem Schrittvon Ihnen umringtsein.tsistiast&lt;br /&gt;
schon erschreckend festzustellen, wie leicht mir&lt;br /&gt;
dieser harte Tonfall mittlerweile fällt, Dann spüre&lt;br /&gt;
ich den Wunsch, Abdu/-Baha bei mir zu haben, um&lt;br /&gt;
zu erfahren, wie Ich angemessen mit der Situatlon&lt;br /&gt;
der Bettler umgehe.Hater nicht Jeden Tagelnen&lt;br /&gt;
armen Menschen willkommen geheißen, beschenkt, gepflegt? Aber kann Ich das, wo wir uns&lt;br /&gt;
schon um alldieeigenen armen Famnlienengehörigen zu kümmern haben. Will ich als Gnadige,&lt;br /&gt;
Barmherzige, Hellige verehrt werden, nurwell ich&lt;br /&gt;
jemandem eine Münze gegeben habe?&lt;br /&gt;
Integratlon bedeutet für mich auch die alltägliche&lt;br /&gt;
Auselnandersetzung ital jenen Erschelnungstormen einer anderen Kultur, die ich kaum annehmen&lt;br /&gt;
kann, Das beginnt bei so banalen Ereignissen wie&lt;br /&gt;
denen, dass man mit Entsetzen feststellt, dass im&lt;br /&gt;
Garten die Grünpflanzen so gestutztwurden, dass&lt;br /&gt;
kaum etwas davon übrigblieb-Ieichtzu verstehen,&lt;br /&gt;
da wir Pflanzen als etwas Schönes, Belebendes&lt;br /&gt;
betrachten, während sie für die Menschen hier&lt;br /&gt;
vorrangig eine Bedrohung darstellen [wegen der&lt;br /&gt;
Schlangen und Moskito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger wird es,wenn ichwällig unvorbereltet&lt;br /&gt;
erfahre, dass wir plötzlich ein Kind mehr in der&lt;br /&gt;
Farnlie haben, für daswir verantwortlich sind: Der&lt;br /&gt;
Schwager hates einfach bei uns gelassen und ist&lt;br /&gt;
abgereist.DerVersuch anzunehmen, dass das nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
faditioneller Lebensweise norrnal sei,&lt;br /&gt;
ann mich nicht voneeinem Gefühlder&lt;br /&gt;
utund Verletzthelt abbringen, well&lt;br /&gt;
Naaganlemmand mit Selbstverständlichkeit&lt;br /&gt;
&amp;amp; Unsere Hilfe inAnspruchnimmt, ohne&lt;br /&gt;
ins auch nureineswortesfürwürdig&lt;br /&gt;
Zu halten. Und wenn ich dann vonder&lt;br /&gt;
Individualistischen europälschen und&lt;br /&gt;
SU der gemeinschaftsorientierten afrikenischen Gesellschaft höre, dann erza Weckt das In mirnureine Sehnsucht&lt;br /&gt;
[nach der Weisheit der Bahd-lehren,&lt;br /&gt;
vi die so vielfältige Wege aufzeigen, wie&lt;br /&gt;
NE sonohl gemeinschaftsverbindende als&lt;br /&gt;
Uch das einzelne Individuum wertChatzende Handlungswelsen mitelnander verbunden werden können,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
     &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Natürlich Ist esauch notwendig und&lt;br /&gt;
&amp;quot; Fmnltunter sehr schwierig, sich an proDlematische Situationen zu gewöhnen,&lt;br /&gt;
ee&lt;br /&gt;
aut sind, dasseiwaAbmachungen&lt;br /&gt;
. teingehalten,Veröindlichkeiten&lt;br /&gt;
Nichternst genommen werden, dass&lt;br /&gt;
Nichts richtig klappt, Immer irgend[irelche Hindernisse auftreten- oftbedingt durch Fehlverhalten oder InKompetenz einzelner Menschen oder&lt;br /&gt;
Institutionen. Oder das verbreitete&lt;br /&gt;
Denken und Handeln In Hierarchien nach dem&lt;br /&gt;
Gesetz des Stärkeren, bel dem esdem Machtigeren,&lt;br /&gt;
Reicheren erlaubt Ist, einen Untergebenen In&lt;br /&gt;
demnütigender Artzu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich dann Insolchen Situationen eine gewisse&lt;br /&gt;
Wutspüre merkeich, dass ich anfange, Menschen&lt;br /&gt;
zu verurteilen, Auch wenn mir bewusst Ist, dass&lt;br /&gt;
viele Europder In Mocambique verzweifeln und&lt;br /&gt;
nicht selten mit rechtüblen Überzeugungen wieder&lt;br /&gt;
nach Hause fahren-findeIcheszunächsterschrechend festzustellen wie schnellichzusolchen dunklen, banalen Gedanken und Vorurtellen gelange trotzallder Baha&#039;-dealevon der EinheitderRassen.&lt;br /&gt;
Aberessind gerade die Schriften, die mich zudem&lt;br /&gt;
Schluss gelangen lassen; Nein, so simpel kann das&lt;br /&gt;
nichtseln.Undes stmireine große Hilfe zuwisen,&lt;br /&gt;
dass es keine Unterschlede der Rassen gibt, dass&lt;br /&gt;
aldie Phänomene alle möglichen Ursachen haben&lt;br /&gt;
können, nicht edoch solche die aufidie Zugehörlgkeitzuelner Menschengruppe zurückzuführen sind.&lt;br /&gt;
Oder besser ausgedrückt: Dassdas Wort ‚Die Erde&lt;br /&gt;
ist nureln Land und alle Menschen sind seine&lt;br /&gt;
Bürger&amp;quot; auch bedeutet, dass es zwar gewachsene&lt;br /&gt;
Unterschiede zwischen einzelnen Menschentypen&lt;br /&gt;
oder-gruppen verschiedener Herkunft geben kann,&lt;br /&gt;
dassssich herbei jedoch niemals um vorbestimmte, festgelegte Unterschiede handelt. Und dass&lt;br /&gt;
verschiedenste Menschen unter ähnlichen Umstanden auch tendenziell ähnlich handeln würden.&lt;br /&gt;
Während die Menschen melner Kultur eher dazu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2&lt;br /&gt;
{{page|22|file=Tempora_13.pdf|page=22}}2 TEMPORA 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tendieren, nach optimalen Lösungen für eln Prolem zu suchen, neigen die Menschen hier eher&lt;br /&gt;
dazu, Probleme mit Gelassenheitanzunehmen und&lt;br /&gt;
durchzustehen. Nachdem ich das In unserereigenen Familie mehrfach erlebt hatte wurde mir bewusst, dass beide Ansätze Ihre Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;
haben, Während ich beider Suche nach optimalen&lt;br /&gt;
Wegen oftInStressgerate, im positiven Falle dann&lt;br /&gt;
aber auch wirklich Lösungen finde, die zuvor nicht m&lt;br /&gt;
möglich erschlenen, steckt hinter der Haltung, Probleme zunachst einmal arızunehrnen, die Gefahr,&lt;br /&gt;
von vornhereln aufzugeben, gar nicht erst nach&lt;br /&gt;
Alternativen zu suchen, Im positiven Falle aber auch&lt;br /&gt;
die Fähigkeit, mitwirklichen Problemen gelassener&lt;br /&gt;
umzugehen und aus dieser Gelassenheit heraus&lt;br /&gt;
mitunter dann doch wenigstens annehmbare&lt;br /&gt;
sungen zu finden. Beide Handlungswelsen für sich&lt;br /&gt;
allein sind oft zu extrem, Zusammen können sie&lt;br /&gt;
aber zueiner gegenseitigen Bereicherungwerden.&lt;br /&gt;
Die Auselnandersetzung mit den Erscheinungen&lt;br /&gt;
der anderen Kultur führt automatisch zu einer&lt;br /&gt;
vertiefteren Auselnandersetzung mitderelgenen&lt;br /&gt;
Kultur, Eswird mir Immer bewusster, wie sehr die&lt;br /&gt;
Ausrichtungaufeln geistiges Leben auch von der&lt;br /&gt;
Erfüllungmaterleler Grundbedürfnisse abhanglg&lt;br /&gt;
it,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lebensbereich, in den man afrikanischen Menschen besonderekraftnachsagt,istdle Jan&lt;br /&gt;
das geistige Leben, Wie sieht hler Integration fü&lt;br /&gt;
michals Europaerin aus? Eines konnte/musste Ich&lt;br /&gt;
schnell lernen: Es erscheint mir auch&lt;br /&gt;
Indieser Hinsichtein Stereotyp,einzu&lt;br /&gt;
banaler Versuch, Gesellschaften einzutellen - hier die eher rnaterlellorientlerten Europaer, die Immer mehr&lt;br /&gt;
anSpirtualltat verlieren, dort die AT&lt;br /&gt;
tIkaner mitihrer Inneren Religiosität.&lt;br /&gt;
Esstimmt einfach so nicht, Die Menschen in Mocambiquesind-sicherlich&lt;br /&gt;
auch wegen dervielen existenzlellen&lt;br /&gt;
Probleme und der Abkehr von Religion Mi&lt;br /&gt;
in den kommunistischen Jahrzehnten 8&lt;br /&gt;
- mindestens genauso stark materiell&lt;br /&gt;
orientiert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie geht es mir hier als Baha1?&lt;br /&gt;
Es waren die kleinen christlichen Gemeiden, die ich zuerst zu meinen ®&lt;br /&gt;
Baha&#039;-Abenden eingeladen hatte, |&lt;br /&gt;
Beeindruckend war zunächst einmal Mi)&lt;br /&gt;
die unglaubliche Offenheit der Menschen, Ihre Bereitschaft, die Lehren&lt;br /&gt;
Bahäullähs ohne Vorurteil anzuhören, IhnsogaraufihreArt als wichtige 1&lt;br /&gt;
Person anzunehmen.&lt;br /&gt;
Aufder anderen Seite bleibt da aber M%S3&lt;br /&gt;
auch jene mich ständig begleitende&lt;br /&gt;
Unsicherheit angesichts dessen, dass&lt;br /&gt;
ich die einzige Bahc&#039;i und noch dazu&lt;br /&gt;
als Ausländerin mit der Denkweise,&lt;br /&gt;
den Gewohnheiten, dern Fühlen der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lö- Und so wurde dann auch die Geburtst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einheimischen Menschen kaum vertrautbin, dass&lt;br /&gt;
mir der Unterschied zwischen ihrer viel gmotlongeren, kraftvolleren und meinem eher&lt;br /&gt;
vers tancesmäfin, besinnlichen Umgang mit&lt;br /&gt;
SpirtualitatundReligion jedoch deutlich bewusst&lt;br /&gt;
Ist. Eine Botschaft Baha&#039;ullähs haben sie sehr gut&lt;br /&gt;
verstanden: Dass Baha’i Menschen sind, die Ihre&lt;br /&gt;
Türen öffnen, sie aufihren Möbeln sitzen lassen,&lt;br /&gt;
mitihnen Ihr Essen tellen-igentlicheine Selbstverständlichkelt für jeden Baha&#039;l und bel jeder&lt;br /&gt;
Band Veranstaltung, hier Jedoch angesichts der&lt;br /&gt;
unterschiedlichen Rassen und desdamiteinhergehenden großen Unterschleds zwischen Arm und&lt;br /&gt;
Reich offensichtlich lelder eine herausragende Besonderhelt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
agseler&lt;br /&gt;
Bahau&#039;|lähs zu einer der schönsten Baha&#039;-Falern,&lt;br /&gt;
denen ich bisher beiwohnen kannte: Die Teilnehmer,&lt;br /&gt;
die während der Felerregeltechtan meinen Lippen&lt;br /&gt;
hingen, als Ich einen Tell der Lebensgeschichte&lt;br /&gt;
Bana&#039;u&#039;lähs erzählte, bedankten sich am Ende&lt;br /&gt;
dafür, dass Ich durch dieses Festeinigeeigentlich&lt;br /&gt;
zerstrittene Gemelnden zusammengebracht natte,&lt;br /&gt;
Sie bedankten sich auch bei Bahd&#039;u/lan In dem&lt;br /&gt;
festen Glauben, dassdie Kraft, ie mich dazu führe,&lt;br /&gt;
Menschen unabhangig von Ihrer Religion, Rasse&lt;br /&gt;
und Herkunft in eine Einhelt zusammenzubringen,&lt;br /&gt;
von Inm ausgehe,&lt;br /&gt;
Was es heißt, sich In eine andere Gesellschaft zu&lt;br /&gt;
1. Integrieren, spürt man wohl am Intensivsten In&lt;br /&gt;
persönlicheinschneldenden Lebenssituatonen bel der Geburt eines Kindes zum BeiSpl.Schon bei der Frage des EntbinQungsortes wurde mir der riesige UnReischled zwischen Europa und den&lt;br /&gt;
Umständen bewusst, unter denen die&lt;br /&gt;
Meisten Frauen Ieben undentbinden.&lt;br /&gt;
Und während ich mit meinem Man&lt;br /&gt;
er noch darüber nachdachte, ob wir lieber&lt;br /&gt;
Einen 1000 Euro teuren Flug in Kauf&lt;br /&gt;
ehren, um unser Kindin einer deufSchen Klinik zur Welt zu bringen oder&lt;br /&gt;
ein hiesiges Krankenhaus aufsuchen,&lt;br /&gt;
achte ich an einem Morgen aufund&lt;br /&gt;
Stellte fest, dass inaller Frühe eine Frau&lt;br /&gt;
Ihre Tochter direkt auf gem Sandıweg&lt;br /&gt;
Or unserem Hauselngangentounden&lt;br /&gt;
hat, well Ihr der Weg zum lokalen&lt;br /&gt;
Mrospitaleinfach zu lang geworden war.&lt;br /&gt;
a! ” fon in Mogambiqe- en&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
i Vaesann Asa Deut hi&lt;br /&gt;
nach Mocambiaue die freudige Erenntnis. Ich fahre nach Hause“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kordula Koksch&lt;br /&gt;
{{page|23|file=Tempora_13.pdf|page=23}}INTEGRATION IN MOCAMBIQUE HEISST FÜR MICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© eigene Vorurteile zu erkennen und zu&lt;br /&gt;
hinterfragen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
@ beibefremdlichen Situationen unterscheiden&lt;br /&gt;
zu lernen, obes sich um andere Lebensweisen&lt;br /&gt;
handelt, die es zu respektieren gilt, oder um&lt;br /&gt;
wirkliche Probleme, die einer Entwicklung&lt;br /&gt;
bedürfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in Gedanken einen Briefan deutsche Freunde&lt;br /&gt;
zu schreiben und erst nach einer Welle zu&lt;br /&gt;
merken, dassich die Sätze die ganze Zeit in&lt;br /&gt;
portugiesisch formuliere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© die Einheit von materlellem und geistigem&lt;br /&gt;
Fortschritt verstehen zu lernen -zuerkennen,&lt;br /&gt;
wie sehr ein tugendhaftes, geistiges Leben&lt;br /&gt;
auch an eine materlelle Grundsicherung gebunden ist;zu erkennen aber auch, dass selbst&lt;br /&gt;
unter schwierigsten Bedingungen eine geistige Ausrichtung Kraft für Veränderungen im&lt;br /&gt;
menschlichen Verhalten und somit Antrieb&lt;br /&gt;
zu Neuentwicklung geben kann und dass ein&lt;br /&gt;
Mangel solch einer Ausrichtung immense&lt;br /&gt;
Umwege und Blockaden in der Entwicklung&lt;br /&gt;
einer Gesellschaft mit sich bringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© angesichtsder Armut und all der damit einhergehenden problematischen Verhaltensweisen der Menschen zu spüren, wie wichtig neben materieller Fortentwicklung gerade auch&lt;br /&gt;
die Annahme geistiger Grundwerte wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Zitate Bahä&#039;u&#039;llähs und ‘Abdurl-Bahäs nicht&lt;br /&gt;
mehr nurals schöne Worte und Ideale zu bewundern, sondern alltäglich hautnah zu erleben, welche Herausforderung, welche Kraft&lt;br /&gt;
und welche Weisheit dahinter steht, wenn sie&lt;br /&gt;
sagen „Die Erde Ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger“ oder „Die Tatsache,&lt;br /&gt;
dass wir meinen, selber im Recht zu sein und&lt;br /&gt;
jeden anderen für im Unrecht halten, ist. das&lt;br /&gt;
größte aller Hindernisse auf dem Weg zur&lt;br /&gt;
Einheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© mein Verhalten und das meines Partners in&lt;br /&gt;
seiner Abhängigkeit von unserer jeweiligen&lt;br /&gt;
Kultur verstehen und mich dann davon auch&lt;br /&gt;
lösen zu lernen in dem Wunsch, eine ganz&lt;br /&gt;
neue Einheit miteinander zu finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© in der Beziehung zu meinem Mann in einem&lt;br /&gt;
Wechselbad zu leben zwischen Gefühlen der&lt;br /&gt;
gegenseitigen Überforderung und VerzweifIungangesichts der allgegenwartigen persönlichen, kulturellen und familiären Herausforderungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© sich bei ständigen Analysen über die Erziehungsweise der Menschen hier und in Europa&lt;br /&gt;
und der Hinterfragungder eigenen Ansichten&lt;br /&gt;
hierzu zu ertappen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13 23&lt;br /&gt;
{{page|24|file=Tempora_13.pdf|page=24}}24&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Is gaans anders als in Iran,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHICHTEN ÜBER DIE INTEGRATION VON PERSISCHEN BAHÄ&#039; IN DIE DEUTSCHE GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich sag dir, wie es ist. Es gibt zwei Typen von uns.“&lt;br /&gt;
sie tatso, als würde sie das nur mäßig interessieren&lt;br /&gt;
und schaute einfach weiter in die Windschutzscheibe. „Die einen kamen und wollten um jeden Preis&lt;br /&gt;
hier leben. Die heirateten vielleicht eine Deutsche&lt;br /&gt;
und entschieden sich, glücklich zu sein.” Sie guckte&lt;br /&gt;
weiter geradeaus, hörte aber genau&lt;br /&gt;
hin. Er setzte wieder an: „Die anderen&lt;br /&gt;
waren fremd, von Anfang an. Nichts&lt;br /&gt;
klappte. Sie haderten mit dem Land&lt;br /&gt;
sie fuhren immer wieder in den Iran,&lt;br /&gt;
ihre Eltern suchten ihnen eine Frau&lt;br /&gt;
aus, sie brachten sie mit nach&lt;br /&gt;
Deutschland, aber sie waren einfach&lt;br /&gt;
am falschen Ort.“ Wo er das denn&lt;br /&gt;
gelesen hätte, fragte sie jetzt&lt;br /&gt;
„Gelesen? Das habe ich erlebt.“ Und&lt;br /&gt;
dann erzählte er ihr die Geschichte&lt;br /&gt;
von dem Architekturstudenten, die&lt;br /&gt;
Geschichte von dem jungen Mediziner und seine eigene. Zwei gingen gut&lt;br /&gt;
aus, eine unglücklich, nämlich die des&lt;br /&gt;
Architekturstudenten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Integration iranischer Bahä’i in die deutsche Gemeinde ist eine&lt;br /&gt;
Erfolgsgeschichte, mit nur kleinen Talfahrten. Die&lt;br /&gt;
erste „Zuzugswelle“ erlebte die kleine Gemeinde&lt;br /&gt;
in den soer Jahren. Damals kamen vor allem junge&lt;br /&gt;
Männer, um hier zu studieren. Sie kamen auseiner&lt;br /&gt;
intakten und aktiven Bahä’i-Gemeinde, oft mit&lt;br /&gt;
dem Wunsch, die Prinzipien Baha’u’llahs im Nachkriegsdeutschland zu verbreiten. Obwohl die jungen&lt;br /&gt;
studenten anfangs fremd waren und nicht gut&lt;br /&gt;
Deutsch sprachen, wurde ihnen Respekt entgegen&lt;br /&gt;
gebracht, denn sie kamen aus dem Herkunftsland&lt;br /&gt;
der Religion, der sich Deutsche und Iraner&lt;br /&gt;
gleichermaßen verbunden fühlten. Dieser Respekt&lt;br /&gt;
war das Öl, das die kleine Maschine Integration&lt;br /&gt;
zum Laufen brachte. Jenseitsvon unterschiedlicher&lt;br /&gt;
Wahrnehmung und Sozialisation ist die gemeinsame Orientierung auf ein religiöses Ziel etwas, was&lt;br /&gt;
zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten zueinandergeführt hat. „Nicht nur die Baha’iempfingen&lt;br /&gt;
uns herzlich. Wir wurden von deutschen Familien&lt;br /&gt;
zum Essen eingeladen, immer und immer wieder,&lt;br /&gt;
Die waren sehr an uns interessiert,“ erinnert sich&lt;br /&gt;
Parvis Eschraghi, der zum Medizinstudium nach&lt;br /&gt;
Deutschland gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte nur wenige Jahre, und schon gab es&lt;br /&gt;
unter den jungen Persern Vorbilder. Sie sprachen&lt;br /&gt;
hervorragendes Deutsch, hatten ihr Studium abge&lt;br /&gt;
aber auch guut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlossen, waren Teil des Wirtschaftswachstums&lt;br /&gt;
und zentrale Figuren in der Baha’i-Gemeinde. Sie&lt;br /&gt;
hatten eine Heimat gefunden, in der ihre Herkunft&lt;br /&gt;
auf jeden Fall ein Pluspunkt war, kein Grund sich&lt;br /&gt;
zu schämen, sondern eher eine Auszeichnung&lt;br /&gt;
Dadurch waren sie für andere Zugewanderte Vorbilder, der Beweis, dass es klappen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anziehungskraft übte die Gastfreundschaft der&lt;br /&gt;
Neuen aus, die Charme und Wärme vermittelte. In&lt;br /&gt;
den späten sechziger Jahren etablierte beispielsweise die Familie Rastegar, ein iranischer Ingenieur&lt;br /&gt;
und seine rheinische Ehefrau, ein orientalisches&lt;br /&gt;
Wohnzimmer mitten in Köln. Sie boten den jungen&lt;br /&gt;
Persern regelmäßig ein Zuhause, halfen bei Problemen mit Ämtern und luden häufig 30 oder 40&lt;br /&gt;
Baha’i und Freunde ein, um Feste zu feiern, an Karneval zu schunkeln und um über die Lehren der&lt;br /&gt;
Bahä’i zu sprechen. Damit hatten die Gäste gleich&lt;br /&gt;
einen Hafen und die junge Familie Rastegar große&lt;br /&gt;
Verantwortung und Anerkennung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Integration der persischen Baha’i&lt;br /&gt;
in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, gelang&lt;br /&gt;
es nicht allen, hier eine Heimat zu finden. Manche&lt;br /&gt;
schafften es einfach nicht, diese Angst zu Überwinden, die ihnen ständig zuflüsterte: „Du bist nicht&lt;br /&gt;
mehr der, der du mal warst, du verlierst dich, du&lt;br /&gt;
wirst wie sie.“ Also sprachen und fühlten sie zu&lt;br /&gt;
Hause viel Persisch, kamen einfach mit dem&lt;br /&gt;
„Betriebssystem“ der deutschen Gesellschaft nicht&lt;br /&gt;
klar und schon gar nicht damit, dass ihre Kinder so&lt;br /&gt;
werden würden „wie Frau Hammes von nebenan“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erinnerst du dich an den Architekten. Er ist nach&lt;br /&gt;
drei Jahrzehnten Deutschland an gebrochenem&lt;br /&gt;
Herzen und Fremdheit gestorben. Ganz allein. In&lt;br /&gt;
irgendeiner Wohnung. Alles, was er in Deutschland&lt;br /&gt;
angepackt hatte, ging&lt;br /&gt;
daneben und wurde ein&lt;br /&gt;
Desaster: Die persische&lt;br /&gt;
Ehefrau kehrte zurück in&lt;br /&gt;
die Heimat, seine erste&lt;br /&gt;
Firma ging pleite, bei der&lt;br /&gt;
zweiten haute ihn der&lt;br /&gt;
Kompagnon übers Ohr hater immer gesagt-, mit&lt;br /&gt;
Mitte fünfzigfander keine&lt;br /&gt;
Anstellung, er machte sich&lt;br /&gt;
wieder selbständig. Mit&lt;br /&gt;
den üblichen ImportExportgeschäften, bei denen keiner weiß, mitwaser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|25|file=Tempora_13.pdf|page=25}}da handelte. Er&lt;br /&gt;
handelte auch&lt;br /&gt;
nicht sonderlich&lt;br /&gt;
lange und war&lt;br /&gt;
bald finanziell&lt;br /&gt;
ruiniert. Zu den&lt;br /&gt;
Baha’l-veranstaltungen ging&lt;br /&gt;
er immer noch. Das blieb sein Kompass. „Warum&lt;br /&gt;
ging er denn nicht zurück?“ Natürlich wusste er&lt;br /&gt;
mehr über den Architekten, aber ermurmelte „keine&lt;br /&gt;
Ahnung‘, „das Haus“, „die Kinder“. Er blieb einen&lt;br /&gt;
Moment still und fügte hinzu: „Es gefiel ihm von&lt;br /&gt;
Anfang an nicht. Er war falsch hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man in den soer und 60er Jahren von der&lt;br /&gt;
ersten Zuzugswelle sprechen kann, so folgte die&lt;br /&gt;
zweite nach der islamischen Revolution im Iran&lt;br /&gt;
Familien flüchteten aus ihrer Heimat, Schüler wurden allein vorgeschickt, und alte Menschen mussten&lt;br /&gt;
alles zurücklassen, was ihnen vertraut war. Sie hatten nicht den Wunsch, im Ausland zu leben, sie&lt;br /&gt;
kamen, um sich und ihre Kinder vor der systematischen Verfolgung zu schützen. Es waren Hunderte,&lt;br /&gt;
die über die Türkei oder Pakistan aus dem Iran flohen. Einen Koffer hatten sie dabei und die Angst,&lt;br /&gt;
nie wieder ihre Angehörigen, ihre Freunde sehen&lt;br /&gt;
zu können. Natürlich trugen sie auch noch den&lt;br /&gt;
Zweifel mit sich, ob sie die anderen im Stich gelassen hatten, um sich zu retten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Gemeinden unternahmen große Kraftanstrengungen, um den Neuen aus dem Iran zu helfen&lt;br /&gt;
Asylverfahren, Sozialhilfe, WohnberechtiA sungsschein waren&lt;br /&gt;
die Worte, die nun irgendwie ins Persische&lt;br /&gt;
übersetzt werden&lt;br /&gt;
mussten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du kennst den Medizinstudenten nicht,der&lt;br /&gt;
Ende der 80er Jahre&lt;br /&gt;
gekommen ist. Ich&lt;br /&gt;
habe dir nie von ihm erzählt.“ Vermutlich wollte er&lt;br /&gt;
nun den anderen Typ beschreiben, von dem er eingangs gesprochen hatte. „Erkam ganzallein hierher,&lt;br /&gt;
sein Vater hatte etwas Land verkauft, damit er&lt;br /&gt;
seinem Sohn die Flucht bezahlen konnte. Zwei Jahre&lt;br /&gt;
lebte er in Pakistan. Als er mitten im Winter in&lt;br /&gt;
Deutschland ankam, war er dünn, nervös und hatte&lt;br /&gt;
schreckliches Heimweh. Ich weiß nicht, woher er&lt;br /&gt;
die Kraft genommen hat, in&lt;br /&gt;
kürzester Zeit Deutsch zu lernen. In der Gemeinde war er&lt;br /&gt;
einer der Tüchtigsten.” Natürlich wusste sie,wen er meinte,&lt;br /&gt;
sie bewunderte diesen Mann&lt;br /&gt;
seit Jahren, aber es gefiel ihr,&lt;br /&gt;
ihn in dem Glauben zu belassen, sie wisse nicht, um wen es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich handele. „Der hat es sogar geschafft, einen&lt;br /&gt;
Medizinstudienplatz zu bekommen. Er wollte nun&lt;br /&gt;
hier leben. Und der Witz ist, er hat es geschafft&lt;br /&gt;
verheiratet, eine Frau,ein Kind, er ist glücklich und&lt;br /&gt;
eine Säule seiner Gemeinde. Er ist der andere Typ,&lt;br /&gt;
der, der bleiben will, der glücklich sein will, der&lt;br /&gt;
Deutschland mag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile leben die Iraner in der zweiten und&lt;br /&gt;
dritten Generation hier. Keine Frage, sie sind deutscher geworden: Sie tanzen nicht mehr bei jeder&lt;br /&gt;
Gelegenheit wilde persische Gebirgstänze - was&lt;br /&gt;
schade ist-, ihre Reisberge sind nicht klein zu kriegen, und der Respekt vor ihnen - das ist der Stoff,&lt;br /&gt;
aus dem diese Erfolgsge- r 5&lt;br /&gt;
schichte gemacht ist- auch &amp;gt;&lt;br /&gt;
nicht. Würde man die Erfahrungswerte beschreiben, die&lt;br /&gt;
man für andere Integrationsprozesse nutzen kann,&lt;br /&gt;
dann wären dies einige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Zugewanderten sollen&lt;br /&gt;
den Ureinwohnern etwas&lt;br /&gt;
beibringen. Wertschätzung&lt;br /&gt;
und Neugier sind wesentlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Neuen sollen etwas von den Deutschen&lt;br /&gt;
lernen. Die Wertschätzung muss folglich gegenseitigsein, und wenn dann mal der eine oder die&lt;br /&gt;
andere sich ineinander verlieben und heiraten,&lt;br /&gt;
ist das noch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Respekt. Auch wenn dem Deutschen die Höflichkeitsfloskeln der Iraner wie pure Silbenverschwendung erscheinen und der Iraner denkt,&lt;br /&gt;
eine menschgewordene Tiefkühltruhe stünde&lt;br /&gt;
vor ihm, Respekt führt sie zueinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Und schließlich: Die gemeinsame Vision, das&lt;br /&gt;
geistige Band. Das ist, um es sehr schlicht zu&lt;br /&gt;
sagen, Gott zu dienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie waren kurz davor auszusteigen. Eine Frage hatte&lt;br /&gt;
erihr nicht beantwortet. „Und was ist mitdir selber,“&lt;br /&gt;
fragte sie ihn, „welcher Typ bist du?“ Er zögerte&lt;br /&gt;
einen Moment, lachte kurz und sagte: „Dreimal&lt;br /&gt;
darfst du raten.“ Sie kannte die Antwort, und das&lt;br /&gt;
gab ihr ein gutes Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isabel Schayani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25&lt;br /&gt;
{{page|26|file=Tempora_13.pdf|page=26}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Rollenspielen Konflikte lösen lernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Integrationspreis für People&#039;s Theater aus Offenbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bildung und nochmals Bildung- das ist die grundlegende Voraussetzung für Jede Integration“, formullerte es der verstorbene Altbundespräsident&lt;br /&gt;
Johannes Rau» Die Schule ist hier ein zentraler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreh- und Angelpunkt. Auf diesem Feld leistetder&lt;br /&gt;
gemeinnützige, Bahä&#039;-inspirierte Verein „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater eV‘” aus Offenbach am Main Integrationsarbeit.2 Als Medium bedient er sich der „People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater Show“, einer Kombination von Talkshow&lt;br /&gt;
und Theater. Alltägliche Schulkonfliktewerden aufgegriffen und in Rollenspielen bis zur Eskalation&lt;br /&gt;
eines Konflikts nachgespielt. Anschließend sucht&lt;br /&gt;
der Moderator gemeinsam mitden Schülern nach&lt;br /&gt;
alternativen positiven Handlungsmöglichkeiten,&lt;br /&gt;
die das Publikum schauspielerisch umsetzt. Dabei&lt;br /&gt;
steht immer wieder das Stichwort Integration im&lt;br /&gt;
Mittelpunkt, und in Offenbach Ist es besonders&lt;br /&gt;
aktuell. Denn die Stadt hat mit 33,9 Prozent den&lt;br /&gt;
höchsten Ausländeranteil In Hessen). Laut Luigi&lt;br /&gt;
Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach hat sie mit go bis aı Prozent sogar die höchste&lt;br /&gt;
tatsächliche Ausländerquote In ganz Deutschland,&lt;br /&gt;
eingebürgerte Personen inbegriffen. Auch aufgrund&lt;br /&gt;
desEinbürgerungstests steht das Thema Integration immer häufiger Im Rampenlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Präambel zum Statut.des Hessischen Integrationspreises heißt es dazu: „Rund 1,5 Prozent aller&lt;br /&gt;
In Hessen lebenden Menschen sind Ausländer. Die&lt;br /&gt;
soziologische, soziale, kulturelle und religiöse Vietfalt&lt;br /&gt;
bedeutet nicht nur eine Bereicherung, sie birgt&lt;br /&gt;
auch In einer ohnehin nicht homogenen Gesellschaft Konfliktpotenzial und Vorbehalte bzw. Ängste&lt;br /&gt;
auf allen Seiten.“# Konsequenzen der nichterfolgten Integrationsarbeit In den vergangenen Jahrzehnten begegnenwirtagtäglich.Ob klar ersichtlich&lt;br /&gt;
wie bei den Ausschreitungen In Pariser Vororten&lt;br /&gt;
oder Ineher unterschwellig ablaufenden Prozessen&lt;br /&gt;
=es führt dazu, dass es In Deutschland immer noch&lt;br /&gt;
einen problematischen Zusammenhang zwischen&lt;br /&gt;
Herkunft und Chancen gibt Sich diesen Verhäftnissen zu stellen und sie aufzubrechen, so Stadträtin&lt;br /&gt;
{{page|27|file=Tempora_13.pdf|page=27}}Birgit Simon, bleibe eine kommunale Aufgabe. Integrationspreise an herausragende Vereine, Personen oder Verbände zu verleihen ist ein Weg der&lt;br /&gt;
Politik, dieser Aufgabe und Pflicht nachzukommen&lt;br /&gt;
und damit gleichzeitig die Bevölkerung dafür zu&lt;br /&gt;
sensibilisieren. In Offenbach, in der Integrationsarbeit deutschlandweit führend, geschieht das schon&lt;br /&gt;
seit fast zehn Jahren. Im März 2006 wurde der&lt;br /&gt;
achte Integrationspreis dem People’s Theater ev.&lt;br /&gt;
und seinem Initiator Erfan Enayati verliehen. Mit&lt;br /&gt;
dem Preis werden jährlich Privatpersonen, Verbände,&lt;br /&gt;
Vereine oder Firmen ausgezeichnet, die sich für&lt;br /&gt;
„das friedliche Zusammenleben von Deutschen&lt;br /&gt;
und Ausländern in besonderer Weise engagieren.’9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jury honorierte, „dass die vielfältigen Ansätze&lt;br /&gt;
des Vereins vorallem helfen, Vorurteile zu benennen&lt;br /&gt;
und abzubauen - rassistische, nationale, kulturelle&lt;br /&gt;
und religiöse. Der Verein hilft Konflikte zu bearbeiten, die aufGrund sozialer Unterschiede entstehen&lt;br /&gt;
Er vermittelt seinem Publikum Erfahrungen, die&lt;br /&gt;
hierfür den Blick schärfen. Die Projekte von People’s&lt;br /&gt;
Theater sind offen für Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds. Die Gleichbehandlung aller&lt;br /&gt;
Beteiligten, unabhängig von Nationalität oder sozialer Herkunft, ist ein tragender Aspekt der Arbeit&lt;br /&gt;
von People’s Theater“, so Stadträtin Birgit Simon in&lt;br /&gt;
ihrer Laudatio. Auch die Mitglieder von People&#039;s&lt;br /&gt;
Theater selbst sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern und kulturellen Hintergründen,&lt;br /&gt;
aus Iran, Griechenland, Schweiz, Liechtenstein, LUxemburg, Australien, USA, Portugal, Republik Moldau, Polen, Österreich und natürlich Deutschland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren wurde People’s Theater mit einem&lt;br /&gt;
Multiplikatoren projekt beim Bundeswettbewerb&lt;br /&gt;
„startsocial 2005°, unter der Schirmherrschaft von&lt;br /&gt;
Bundeskanzlerin Angela Merkel, im April 2006 „als&lt;br /&gt;
eine der sieben herausragendsten Initiativen&lt;br /&gt;
bürgerschaftlichen Engagements Deutschlands&lt;br /&gt;
geehrt”. Auch von diesem Projekt erhofft sich&lt;br /&gt;
People&#039;s Theater direkte Integrationsarbeit mit Jugendlichen zwischen n und 15 Jahren. Die Gruppe&lt;br /&gt;
bemüht sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Impulse zur Integrationsarbeit zu geben und so einen&lt;br /&gt;
Beitragauf lokaler Ebene zu leisten. Doch selbstverständlich kann Integration nur im Zusammenspiel&lt;br /&gt;
vieler Beteiligter funktionieren. „Integration ist&lt;br /&gt;
daher die Aufgabe, die wir gemeinsam anpacken&lt;br /&gt;
müssen, wenn wir das Zusammenleben erfolgreich&lt;br /&gt;
und friedlich gestalten wollen.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Anke Keitel&lt;br /&gt;
Erfan Diebel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
QUELLEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Rau, JOHANNES: BERLINER REDE „OHNE ANGST UND OHNE TRÄUMEREIEN: GEMEINSAM IN DEUTSCHLAND LEBEN&amp;quot;, am 12. Maı 2000&lt;br /&gt;
1m HAUS DER KULTUREN DER WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DISIEHE AUCH SCHULZE, RENE: VERHALTEN ÄNDERN HIER UND JETZT:&lt;br /&gt;
Ein AUSWEG AUS DER GEWALTSPIRALE, TEMPORA AUSGABE NR. 11&lt;br /&gt;
= FRIEDENSWEGE, 5.10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) HESSISCHES STATISTISCHES LANDESAMT: AUSLÄNDER IN HESSEN&lt;br /&gt;
AM 31. DEZEMBER 2003, KENNZIFFER AI4-1/03, 5.7, WIESBADEN,&lt;br /&gt;
‚August 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
APRÄAMBEL DES STATUTS DES HESSISCHEN INTEGRATIONSPREISES&lt;br /&gt;
5) OrFENBAcH Pos1, 30. DEZEMBER 2005, 5.2&lt;br /&gt;
6) OFFENBACH Post, 12. AprıL 2006, 5.20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
social&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27&lt;br /&gt;
{{page|28|file=Tempora_13.pdf|page=28}}28&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„EIN HAUS MIT SEHR OFFENEN TÜREN“ / \&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neubau einer Moschee mit Begegnungsstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
\&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DUISBURG DIE MIGRATIONSHAUPTSTADT IM RUHRGEBIET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viele Migranten haben ihre Absicht, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren, aufgegeben und&lt;br /&gt;
Deutschland als ihr zweites, neues Heimatland&lt;br /&gt;
erwählt, weil sie hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent unterscheidet sich Duisburg aufden ersten Blick nicht&lt;br /&gt;
von anderen Kommunen. Tatsächlich ist aber keine&lt;br /&gt;
andere Stadt in Nordrhein-westfalen so sehr von&lt;br /&gt;
Zuwanderung geprägt, meint das in Essen ansässige Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und weist darauf&lt;br /&gt;
hin, dass unter den 504 000 Einwohnern rund&lt;br /&gt;
48 000 Eingebürgerte leben, die oder deren Eltern&lt;br /&gt;
nach Deutschland eingewandert sind. ZfT-Direktor&lt;br /&gt;
Faruk Sen erhebt Duisburg daher zur „Migrationshauptstadt im Ruhrgebiet“. Unter den Migranten&lt;br /&gt;
bilden Muslime mit rund 70 000 die Mehrheit. Sie&lt;br /&gt;
beten in über 40 Moscheen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE GEWANDELTE PERSPEKTIVE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Aufenthalt in Deutschland zunächst nur als&lt;br /&gt;
vorübergehend geplant war, genügte es den ausländischen Arbeitskräften, die Gebetsräume in&lt;br /&gt;
zurückgezogenen Räumlichkeiten einzurichten ein Refugium für die eigene Religion und Kultur,&lt;br /&gt;
Doch mit dem Nachwachsen der nächsten Gene&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rationen, welche die Türkei nur noch im Urlaub&lt;br /&gt;
erlebt, trat immer stärker der Wille zutage, sich&lt;br /&gt;
nicht nur im Arbeitsleben zu integrieren, sondern&lt;br /&gt;
auch im Bereich der Religion und in der Gesellschaft&lt;br /&gt;
anerkannt und geachtet zu sein. Konkret bedeutet&lt;br /&gt;
das zum Beispiel, dass die Hinterhof-Moscheen&lt;br /&gt;
aufgegeben und repräsentative Gebetsstätten geschaffen werden, mittels derer die eigene Kultur&lt;br /&gt;
und Religion der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne aggressiv zu wirken.So beteiligen&lt;br /&gt;
sich Moschee-Gemeinden in zunehmendem Maße&lt;br /&gt;
an Bürgerfesten, laden zu Besichtigungen ein und&lt;br /&gt;
klären über den islamischen Glauben,dessen Sitten&lt;br /&gt;
und Gewohnheiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUSTERPROJEKT:&lt;br /&gt;
„MOSCHEE MIT BEGEGNUNGSSTÄTTE“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der türkisch-islamische Kulturverein „DITIB-MerkezMoschee Duisburg-Marxloh“ ist bereits in der Vergangenheit bestrebt gewesen, durch vielfältige&lt;br /&gt;
Angebote in den Bereichen Jugend-, Kultur- und&lt;br /&gt;
Dialogarbeit zur Integration der türkischen Migranten in diesem Stadtteil beizutragen. Als eine der&lt;br /&gt;
ältesten und größten islamischen Gemeinden in&lt;br /&gt;
Duisburg setzt er sich ursprünglich aus den muslimischen Arbeitnehmern des Bergwerks zusammen,&lt;br /&gt;
die ihre ehemalige \verkskantine zum Gebets- und&lt;br /&gt;
Gemeindehaus umgewandelt hatten&lt;br /&gt;
{{page|29|file=Tempora_13.pdf|page=29}}DITIB - TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1984 gegründeter Dachverband von 870 Mitgliedsvereinen (Ortsgemeinden) und der mitgliederstärkste Migrantenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Wird von der&lt;br /&gt;
staatlichen Türkischen Anstalt für Religion kontrolliert und zählt zu den nicht-fanatischen&lt;br /&gt;
islamischen Organisationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem bislang einzigartigen Projekt plant die&lt;br /&gt;
Gemeinde, den muslimischen Bürgern Duisburgs&lt;br /&gt;
eine religiös-kulturelle Heimat und allen Bürgern&lt;br /&gt;
dieser Stadteine Stätte der Begegnung, des Dialogs&lt;br /&gt;
und des Miteinanders zu geben. Mit dem Neubau&lt;br /&gt;
einer Moschee mit Begegnungsstätte soll ein Zentrum entstehen, in dem muslimische Gläubige ihre&lt;br /&gt;
religiöse und kulturelle Heimat haben sollen, wo&lt;br /&gt;
am Glauben ihrer islamischen Brüder und Schwestern interessierte Christen, Nicht-Gläubige oderan&lt;br /&gt;
ihrem Glauben zweifelnde Menschen einen Ortder&lt;br /&gt;
Information, der Kontemplation und des Dialogs&lt;br /&gt;
finden. Der Aufbau gemeinsamer christlichmuslimischer und nicht-konfessioneller Sozial- und&lt;br /&gt;
Jugendarbeit sowie Frauen- und Bildungsarbeitals&lt;br /&gt;
Ausdruck von gelebtem Dialog und gemeinsamer&lt;br /&gt;
sozialer Verantwortung sind Oberziele des Projekts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÖRDERUNG DURCH LAND UND EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Duisburg, die sich für Fördergelder von&lt;br /&gt;
Land und Europäischer Union stark gemacht hatte,&lt;br /&gt;
ist sich des hohen Stellenwerts dieses Vorhabens&lt;br /&gt;
bewusst. „Als Heimat von Migranten der ersten,&lt;br /&gt;
zweiten und dritten Generation türkischer Herkunft&lt;br /&gt;
und weiteren Gruppen von Einwanderern hat&lt;br /&gt;
Duisburg schon heute eine interkulturelle Identität,&lt;br /&gt;
die mit diesem Projekt weiter an Profil gewinnen&lt;br /&gt;
wird“, stellt Adolf Sauerland, Oberbürgermeister&lt;br /&gt;
von Duisburg, fest, und erklärt weiter: „Durch eine&lt;br /&gt;
repräsentative Gebetsstätte mit Minarett und Kuppeln wird die interkulturelle Stadtentwicklung in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duisburg von den muslimischen Bürgern inenger&lt;br /&gt;
Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft selbstbewusst vorangetrieben. Die angegliederte Begeg&lt;br /&gt;
nungsstätte unter dem Kuppelbau wird DuisburgMarxloh über die Grenzen Nordrhein-Westfalens&lt;br /&gt;
hinauszu einem auch städtebaulich hervorstehenden ‚Leuchtturm’des interkulturellen Dialogs sowie&lt;br /&gt;
zu einem Beispiel des friedlichen Zusammenlebens&lt;br /&gt;
der Kulturen werden lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige NRW-Ministerpräsident Peer&lt;br /&gt;
Steinbrück ließ es sich daher nicht nehmen, am&lt;br /&gt;
22. März 2005 persönlich an der Grundsteinlegung&lt;br /&gt;
mitzuwirken. „sie bauen unzweifelhaft ein Haus&lt;br /&gt;
für sich, aber es ist eines mit sehr offenen Türen“,&lt;br /&gt;
urteilte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEIRAT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den „offenen Türen” gehört entscheidend der&lt;br /&gt;
Beirat, welcher der Begegnungsstätte angegliedert&lt;br /&gt;
ist. In ihm sitzen Vertreter von Schulen, christlicher&lt;br /&gt;
Kirchen und Stadtteilpolitiker, die das MoscheeProjektsschon seit Beginn der heißen Planungsphase&lt;br /&gt;
vor drei Jahren begleiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DER BEIRAT ZUR BEGEGNUNGSSTÄTTE EIN GESPRÄCH MIT BEIRATSMITGLIEDL. PELLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Peller, was ist unter dem „Beirat“ zu verstehen?&lt;br /&gt;
Welche Aufgaben hater?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstehe den Beirat zur Moscheegemeinde so,&lt;br /&gt;
dass das Vorhaben begleitet wird von Menschen&lt;br /&gt;
aus dem Ort, die den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen angehören - sowohl politischen als auch anderen. Der Beirat unterstützt&lt;br /&gt;
dieses Vorhaben und begleitet esdurch konstruktive&lt;br /&gt;
kritische Anregungen. Er hat darüber hinaus auch&lt;br /&gt;
eine gewisse Kontrollfunktion sowie eine Funktion&lt;br /&gt;
nach außen hin, um das, was hier passiert, in Duisburg widerzuspiegeln und einerseits die Interessen&lt;br /&gt;
des Projekts zu vertreten, auf der anderen Seite&lt;br /&gt;
aber auch die Interessen der gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Gruppen, die hier zusammenleben, miteinfließen&lt;br /&gt;
zu lassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TEMPORA 13&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
29&lt;br /&gt;
{{page|30|file=Tempora_13.pdf|page=30}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es denn schon einmal Probleme, bei denen der&lt;br /&gt;
Beirat vermitteln musste?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Moschee ist in Duisburg eine, die&lt;br /&gt;
nicht nur auf Begeisterung stößt, und das Positive&lt;br /&gt;
dieses Beirats war - so wie ich es eben geschildert&lt;br /&gt;
habe -, dass die verschiedensten gesellschaftlichen&lt;br /&gt;
Interessengruppen hier sehr konstruktiv zusammenwirken und auch sehr glaubwürdig nach außen&lt;br /&gt;
vertreten können, dass es hier wirklich um Begegnung geht, also eine ganz positive Zielrichtung für&lt;br /&gt;
unsere Stadt. Das heißt, die Problematik, die Sensibilität, die hier im Duisburger Norden vorliegt, konnte durch den Beirat sehr gut abgefedert werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie in den&lt;br /&gt;
Beirgt berufen wurden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits wurde ich wegen meiner Funktion als&lt;br /&gt;
Leiter einer schule im Duisburger Norden angesprochen von Muslimen, die auch Kinder beimiran der&lt;br /&gt;
Schule haben, und auf der anderen Seite werde ich&lt;br /&gt;
- denke ich - auch wahrgenommen als Vertreter&lt;br /&gt;
der Freikirchen, der Christen hier in Duisburg, und&lt;br /&gt;
drittens auch als politisch aktiver Mensch. Angesprochen wurde ich - wie gesagt - von Muslimen,&lt;br /&gt;
die mich auf diesen drei Schienen erlebt haben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sprachen gerade Ihren christlichen Hintergrund&lt;br /&gt;
an. Wie sind Sie selbst religiös eingestellt? Zu welcher&lt;br /&gt;
Gemeinschaft gehören Sie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe meine Vvurzeln in der evangelischen Landeskirche, im lutherischen Gedankengut und da&lt;br /&gt;
so ein wenig in der pietistischen Ausrichtung. Ich&lt;br /&gt;
gehe jetzt seit 23 Jahren in eine evangelische Freikirche, die in einer großen Offenheit ganz bewusst&lt;br /&gt;
in diesem Stadtteil lebt und Dialog führt, einlädt&lt;br /&gt;
und keine Berührungsängste hat mit türkischen&lt;br /&gt;
Menschen in unserem Gemeindehaus, und keine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NN&lt;br /&gt;
\n&lt;br /&gt;
ITS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Probleme hat, türkische Menschen und auch Moscheen zu besuchen. Mein Hintergrund ist ein vangelikaler, ich habe eine klare christliche Position,&lt;br /&gt;
aber mit einer großen Offenheit und mit dem&lt;br /&gt;
Grundanliegen, auf Menschen zuzugehen, mit&lt;br /&gt;
Menschen zusammenzuleben und den Stadtteil&lt;br /&gt;
zu gestalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird behauptet, dass man zur Religionsvermischung beitrüge, wenn man sich an&lt;br /&gt;
solchen Projekten beteiligt. Wie sehen Sie das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, das sehe ich überhaupt nicht so, weil Begegnung hier immer damit zu tun hat, dass sich verschiedenste Positionen und Ansichten treffen. Die&lt;br /&gt;
vielen positiven Ansätze, die ausden verschiedenen&lt;br /&gt;
Richtungen kommen, werden zusammengetragen,&lt;br /&gt;
aber nicht vermengt. Es ist zwar ein buntes Gemisch, aber die einzelnen Farben behalten ihre&lt;br /&gt;
Konsistenz, also: grün bleibt grün und rot bleibt&lt;br /&gt;
rot. Es ergibt sich ein buntes Bild, wo sich auch&lt;br /&gt;
Farben schon mal beißen, um bei diesem Bild zu&lt;br /&gt;
bleiben. Aber letztlich ist es eine wunderbare Gemeinschaft, die sich da ergibt, die bei aller Unterschiedlichkeit ein spannendes und sehr lebendiges&lt;br /&gt;
Miteinanderleben ermöglicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEITERE INFORMATIONEN:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WWW.DUISBURG.DE/EGDU/MARXLOH /MOSCHEEPROJEKT.PHP&lt;br /&gt;
WWW.SOZIALESTADT.DE /PRAXISDATENBANK/SUCHE/&lt;br /&gt;
AUSGABE.PHP?ID=327&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor, Bahä&#039;l aus Moers,&lt;br /&gt;
war am Zustandekommen&lt;br /&gt;
der Finanzierung des Projekts&lt;br /&gt;
maßgeblich beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30 TEMPORA 13.7&lt;br /&gt;
a&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{page|31|file=Tempora_13.pdf|page=31}}TEMPORA&lt;br /&gt;
Nr. 13 - 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Globalisierung unseres Planeten erfordert&lt;br /&gt;
in allen Bereichen ein gänzlich neues Denken&lt;br /&gt;
und Handeln. TEMPORA beschäftigt sich auf&lt;br /&gt;
dem Hintergrund der Baha’i-Lehren mit&lt;br /&gt;
aktuellen Zeitfragen und möchte durch&lt;br /&gt;
Gedankenimpulse die Entwicklung zu einer&lt;br /&gt;
geeinten Welt fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HERAUSGEBER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Geistige Rat der Bahä’i in&lt;br /&gt;
Deutschland e.V. Eppsteiner Str. 89,&lt;br /&gt;
65719 Hofheim-Langenhain&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roland Greis,Thomas Schaaff,&lt;br /&gt;
Monika Schramm, Karl Türke jun,&lt;br /&gt;
Shirin Weisser, Michael Willems&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REDAKTIONSANSCHRIFT&lt;br /&gt;
Redaktion TEMPORA&lt;br /&gt;
Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
D-65719 Hofheim&lt;br /&gt;
Internet:&lt;br /&gt;
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Michael Willems&lt;br /&gt;
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DRUCK&lt;br /&gt;
Druckservice Reyhani, Darmstadt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRIEB UND BESTELLUNGEN&lt;br /&gt;
Bahä’i-Verlag&lt;br /&gt;
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Eppsteiner Str. 89&lt;br /&gt;
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TEMPORA erscheint jährlich.&lt;br /&gt;
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht&lt;br /&gt;
unbedingt die Meinung der Redaktion und des&lt;br /&gt;
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Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion&lt;br /&gt;
keine Haftung. Die Redaktion behält sich sinn&lt;br /&gt;
bewahrende Kürzungen und Änderungen der&lt;br /&gt;
Beiträge vor. Die Zeitschrift und alle in ihr&lt;br /&gt;
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der Redaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Bahä’i-Verlag GmbH 2006&lt;br /&gt;
ISSN 1433-2078&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedruckt auf umweltschonendem Papier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE LEHREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHÄ’T-RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit Gottes&lt;br /&gt;
Es gibt nur einen Gott, mit welchem Namen er&lt;br /&gt;
auch benannt oder umschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Religionen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Offenbarungsreligionen bergen den gleichen&lt;br /&gt;
Kern ewiger Wahrheiten, wie die Liebe zu Gott und&lt;br /&gt;
den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmte Gesetze jedoch, die zum Beispiel die&lt;br /&gt;
Organisation der Gemeinde, das Sozialwesen, Hygiene&lt;br /&gt;
und ähnliches betreffen, müssen sich im Zuge der&lt;br /&gt;
Menschheitsentwicklung verändern. In großen Zyklen&lt;br /&gt;
offenbart Gott sich durch seine Boten wie Krishna,&lt;br /&gt;
Buddha, Moses, Christus, Mohammed und Baha’u’llah&lt;br /&gt;
und erneuert diesen Teil seiner Gebote als Antrieb für&lt;br /&gt;
den menschlichen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einheit der Menschheit&lt;br /&gt;
Die Menschheit ist eine einzige große Familie mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
völlig gleichberechtigten Mitgliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihren Ausdruck finden diese grundlegenden&lt;br /&gt;
Lehren in Prinzipien wie:&lt;br /&gt;
« Selbstständige Suche nach Wahrheit&lt;br /&gt;
+ Gleichstellung von Frau und Mann&lt;br /&gt;
+ Soziale Gerechtigkeit&lt;br /&gt;
« Entscheidungsfindung durch Beratung&lt;br /&gt;
« Abbau von Vorurteilen&lt;br /&gt;
« Übereinstimmung von Religion&lt;br /&gt;
und Wissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIE BAHA’I-GEMEINDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
organisiert sich in Gremien, die auf örtlicher,&lt;br /&gt;
nationaler und internationaler Ebene von allen&lt;br /&gt;
erwachsenen Gemeindemitgliedern in freier,&lt;br /&gt;
gleicher und geheimer Wahl ohne Kandidatur&lt;br /&gt;
oder Wahlkampagnen gewählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt keine Priester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZENTRALE GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bab (1819-1850), der Vorbote&lt;br /&gt;
Bahä’u’lläh (1817-1892), der Stifter&lt;br /&gt;
Abdu’l-Bahä (1844-1921), der Ausleger&lt;br /&gt;
Shoghi Effendi (1897-1957),der Hüter&lt;br /&gt;
{{page|32|file=Tempora_13.pdf|page=32}}TEMPORA . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
�&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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		<title>Diskussion:Tempora/Nummer 12/Text</title>
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		<updated>2022-05-27T20:05:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ludwig: Die Seite wurde neu angelegt: „# {{k}} ~~~~“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;# {{k}} [[Benutzer:Ludwig|Ludwig]] ([[Benutzer Diskussion:Ludwig|Diskussion]]) 13:05, 27. Mai 2022 (PDT)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Ludwig</name></author>
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